Ausgabe 
12.10.1914
 
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"reden und halten es für notwendig, sic zur Strafe zu ziehen. Uber wer sich die moralische Rechtfertigung für ein energisches Vorgehen gegen die Freischärler nicht verscherzen will, der muß dem Gegner jeden Anlaß zu dem Glauben nehmen, daß er beim Freunde billige, waS er beim Feind als ein Vcr- brechen brandmarkt.

Das L.'«ftschiff i» Düsseldorf Wenks, beschädigt.

Köln, 9. Okt. sEtr. Frkst.) Zum Erscheinen eines feindlichen Fliegers über einzelnen rheinischen Städten meldet die Köln. Zig.: Bei Köln hatte es der Flieger anscheinend aus zwei Bahnzüge ab­gesehen, die in der Nähe der Absahrtsjtclle standen, weil sic keine Einfahrt hatten. Bei Groß-Königsdorf warf der Flieger aus 2000 Meter Höhe eine Bombe in die Nähe der Eisenbahnbrückc. Tas Geschoß scheint englischen Ursprungs zu sein. Ter über Dllsscldors kreisende Flieger war in Dllsscldors gemeldet worden. Aachioldaten scuertcn auf ihn, desgleichen ein Maschinengewehr. Ter Flieger ging plötzlich sehr schnell herunter und cs gelang ihni, eine Bombe auf das Dach der Lustschisfhalle zu weisen. Die Be­schädigungen der Salle sind unbedeutend, desgleichen wurde das Luftschiff selbst nicht erheblich beschädigt.

Fortschritt der Parteipresse Oesterreichs.

Die österreichische Partcipressc macht trotz des Kriegszustandes erfreuliche Fortschritte. Das trifft be- sonders auf Böhmen zu. Tie Partciblätter in Tcplitz und Aussig, die bisher dreimal wöchentlich erschienen, wie auch d:e in Karlsbad, Asch und Bodenbach erscheinenden Blätter, die zweimal in der Woche hcrauskamcn, sind alle in Tages­zeitungen umgewandclt worden. Das steirische Organ, de: Ärbeiterwille, erscheint jetzt sogar zweimal täglich und auch die Wiener Arbeiterzeitung hat sich zur Herausgabe eines besonderen «Abendblattes veranlaßt gesehen. Von anderen Blättern l/ird berichtet, daß diese ihre alten Auflagen meist beibchaltcn, zum Teil sogar erhöhen konnten. Nur das für die Massenverbreitung bestimmte Volk ist am Erscheinen ver­hindert.

Der Vatikan ermahnt die Priester.

Ter Osscrvatore Romano hebt in einem Leitartikel hervor, daß der heilige Stuhl in de» Streitigkeiten der Menschen und den blutigen Konflikten, die sich aus ihnen ergeben, stets vollständigste und unbedingteste Unparteilichkeit beobachten wolle, weil er seine Mission des Friedens und der Nächstenliebe unter alle» Völker» der Erde ohne Unterschied der Nasic und der Religion über jedes andere Interesse stelle. Deshalb dürften besonders die Priester nicht vergesse», das, man das allgemeine Interesse der Kirche und der Menschlichkeit iiumcr über das berechtigte Streben der Vater­landsliebe stehen müsie. Tiese Grundsätze müßte» sic sich insbeson­dere stets bei der Ausübung ihres Amtes und bei Ansprachen an das Volk gegenwärtig halten und über den au sich berechtigten Wunsch »ach einem Sieg für ihr Land den weit menschlicheren und christlicheren eines allgemeinen Friedens stellen. Daher dürften sic auch gegen ihre Feinde nicht Worte der Verachtung und des Halles gebrauchen, sondern eine Sprache, wie sie die Nächstenliebe eingebe.

Russische Progroine.

Nach zuverlässigen persönlichen Mitteilungen sind in Bessarabicn und in Russisch-Polen blutige Pogrome gegen die Juden ausgebrochcn. Gleichzeitig wird der judcnfeindliche Kurs Rußlands jetzt wieder von der Rückschrittspresse nach- drücklichst verfochten.

Der Entscheidnniiskampf im Osten.

. Die russische Armee ist, wie die Neue Politische Kor­respondenz erfährt, dem Entscheidungskampf mit der Hinden- burgschen Armee ausgcwichen und hat sich hinter die Weichsel zurückgezogen. Dieser Rückzug ist strategisch deswegen von so entscheidender Tragweite, weil er die öster­reichischen Truppen von der Umklammerung durch die Russen endgültig befreit, und die Stoßkraft unserer dortigen beider­seitigen Armeen wesentlich erhöht. Dieser Situation gegen über scheinen die von Lomsha ans Lhck marschierenden russi­schen Kolonnen eine den Rückzug der Russen deckende Kolonne des rechten russischen Flügels zu sein.

Am Vorabend des russisch-türkische» Krieges.

W. B. London, 10. Lktbr. Daily Telegraph meldet aus Petersburg: Das Verhältnis zwischen der Türkei und Rußland hat einen sehr ernsten Charakter angenommen.

Tie Russen auf dem Rückzug!

W. B. Wien, 10. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Gestern versuchte der Feind noch eisien Sturm aus die Südsront von Przcmysl, der jedoch zurückgewiesen wurde. Dann wurden die Nückwärtsbewegungen der Ausien allgemein. Auch mußten sie die Westfront niunten. Unsere Kavallerie ist dort bereits eingeritten. Ftinf bis sechs russische Infanterie-Divisionen stellten sich bei Lancut, mußten jedoch gegen den San-Fluß flüchten. Ferner wurden eine Kosakendivision und eine Jnfanterie- Brignde östlich von Dymow zurückzeworsen. Unsere Truppen sind dem Gegner überall an den Fersen.

Der Benzinverbrauch ist freigegeben.

Das B^liner Polizcipräsiditim gibt bekannt, daß die Beschlagnahme der Dcnzinlagcr und -Vorräte aufgehoben und der Handel mit Benzin wieder frcigegebcn worden ist.

.Hessen und Nachbargcbiete.

Gießen und Umgebung.

Siaatliche Bekämpfung der Knegsaracttslost.itklt m Hessen.

Sämtliche Fraktionen der Zweiten hessischen Kammer, derlretcn durch die Abgg. Köhler, Korcll-Angenrod, Tr. Schmitt, Brauer, v. Brentano. Dr. Oiann, Reh und Ulrich, haben der Staatsrcgierung folgenden Gesetzcsantrag untec-

ÖtCliei;

Wenn auch die Arbeitslosigkeit in Hessen den Umfang, oen man kurz nach dem Ausbruch des Krieges befürchtete, noch nicht angenommen hat, da viel Arbeitskräfte in der Land- wirtschast Arbeit gefunden haben und auch die Industrie imd das Handwerk teilweise die Betriebe wieder eröffnet und somit Arbeitsgelegenheit gegeben haben, ist doch in einzelnen Betrieben und Handwerkszweigcn die Arbeitslosigkeit schon deutlich hervorgetreten. Sie wird sich ohne Zweifel mit dem

Eintritt des Winters erheblich steigern. Die auf dem Lande vorhandenen Arbeitslosen werden, da an eine Beschäftigung >n Industrie und Handwerk in dem Umfang, wie in Friedens- zeiten, nicht zu denken ist, sich erheblich vermehren und di-: Gemeindekasscn bedeutend belasten. Tie Städte und Land­gemeinden werden zwar nach ihren Mitteln bestrebt sein müssen, der Arbeitslosigkeit zu steuern, aber dies wird in dem Umstand seine Grenze sinden, daß die Kassen der Städte und Gemeinden durch die ihnen obliegenden, durch den Krieg besonders gesteigerten Verpflichtungen stark in Anspruch ge- nommen sind und peinlich Haushalten müssen, wenn sie ohne finanzielle Erschütterung durchkommcn sollen.

Es wird deshalb die drohende Arbeitslosigkeit auch ein Eingreifen des Staates notwendig machen.

Wir ersuchen deshalb Großbcrzogliche Regierung:

1. Alle im Haupkooranschlaq 1914 vorgesehenen Unterhalnni-gs- ar beiten wozu auch di« im Betriebsvoranschlag vorgesehenen Neubauten uns grössere Unterhaltungen gehören, soweit sie noch nicht ausgesührt sind, tunlichst in den Winlcrmonaten zur Ausführung zu bringen mid di« ciul«it«nden Schritte baldigst zu veranlallen;

2. zu veranlallen. daß di« Herstellungen in der VermogenSrech- nung soweit die Regierung daraus eine Einwirkung bat. seden- soll- baldigst und tunlichst im Winter ersolgen, insbesondere gilt dies von den Ausgaben unter Kapitel 124Staotseisen- bahnen".

Aber auch darüber hinaus müßte Arbeitsgelegenheit be- 'chasft werden. Dabei müßte die Großh. Regierung dahin wirken, daß bei allen von ihr anszuführenden Arbeiten nur in Hessen wohnende Arbeitslosen hcrangczogen werden und es dürste sich empfehlen, daß die Grobherzogliche Regierung sich mit dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband mir dem Sitz in Frankfurt zwecks Zuweisung Arbeitsloser aus dem Großherzogtum in Verbindung setze.

Sogenannte Rotstandsarbeiten werden in den einzelnen Landcsteilen nicht zu umgehen sein. Dem Staat steht z. Zt. in den Rcste-Fonds I und II der Betrag von über 12 Mil­lionen zur Verfügung, der in Zeiten her Not, wie der jetzigen, nicht weiter anfgcsammclt, sondern zum Wohl der Gesamt­heit zum Teil herangezogen werden könnte und müßte.

Außerordentliche Zeilen und Verhältnisse machen außer­ordentliche Maßnahmen notwendig. Die Vorbereitungen hierzu müßten alsbald erfolgen, damit die Ausführung der Arbeiten in den nächsten Wochen nicht aufgehalten würden. Wir bitten daher:

3. Für wettere Notstandsarbeiten in den einzelnen Lanbesteiben Fürsorge zu treffen nnh die hierfür erforderlichen Kredite be­reit zu stellen.

Verlustliste des Jil?.-Nesiimcnts Nr. 116 Gießen.

II. Bataillon.

Sermatz«, Pargnp vom 7. bis 10. 9. 14.

5. Kompagnie: Serg. Karl Schmidt, Hörgenau, Kreis Lauterbach, vw. Ge fr d. R. August Rochiitz, Jühnde, vw. Res. Wilhelm Scip, Ober-Bessingen, vw. Musk. Ludwig Weiß, Biebrich, vw. Wehrm. Aug-ust Flach. Nieder-Moos. Kr. Lauter­bach, vw. Res. Karl Martini, Leihgestern, vw. Musk. Philipp Vollmann. Windecken, vw. Res. Johannes Greel. Gunzenau. vw. Res. Friedrich Kübel, Herbstcin, vw. Res. Heinrich Wallenfels, Odenhausen, Kr. Gießen, ow. Musk. Heinrich Wetz, Hoizheim, Kr. Gießen, vw. Musk. August Gutermuth, Ober- ehnbach, vw. Musk. Johann Wozuiak, Strzelz«, vw. Musk. Heinrich Viehmann, Großen-Lindcn, vw. Res. Justus Decker, Angenrod, vw. Musk. Zenon Girord, Urbeis, tot. Unteross. b. R. Keil, vw. Unierofs. d. R. Bernhard Pfann, Nürnberg, vw. Vizeseldw. d. R Helsrich, Mensselden, vw. Ge fr. Adam Baum, Heusenstamm, vw. Res. Heinrich Schaum, Kirchgöns, vw. Musk. Heinrich Dorndors, Oberhörten, vw. Res. Georg Weihgerber, Heblos. Kr. Lauterbach, vw. Gefr. d. R. Ludwig Schäfer, Wicseck, vw. Muss. Joses Boulauger, Beurg-Bruck«, vw. Gefr. d. SR. Peter Kaiser. Dirlammen, vw. Musk. Hein­rich Schaub, WovmS. vm. Musk. Heinrich Weibe, Sterzhauseu, vm. Musk. Johannes Buchhgupt, Lauterbach, vm. Gcsr. Richard Hedrich, Eibelshausen, vm. Res. Wilhelm Port, Ruppertsburg, vm. Gefr. Franz Hossterheid«, Buer-Bülse. vm.

Musk. Georg Stenger. Seligenstadt, vm. Musk. Wilhclm Kraft, Gießen, vm. Musk. Hermami Säst«er, Hennibach, Kr. Freibuvg. vm. Res. Philipp Wallhausen, Bosenheim, Kr. Alzey, vm . Res. Robert Klein, Plettenberg, vm.

7. Kompagnie. Oberst. Emil Firmcntch, vm. Lt. d. SR. Ludwig Nicolaus, Gießen, tot. Gesr. d. SR. Lorenz Hoppen, Breitenscheidt. low. Gcsr. d. N. Otto Mau, Bremerhaven, lvw.

Musk. Karl Stötzcl, Weidenau, tot. Musk. Gotthardt Dictz. Wermertshausen, tot. Musk. Fritz Busch. Katzensurt, tot. Vizcfeldw. d. SH. Haus Schmidt. Darmstadt, lvw. Res. Heinrich Loth, Kirschgartcn. lvw. Res. Karl Christ. Hambach, Kr. Als­feld, tot. Res. Vol brecht Hederich/Lauterbach. lvw. Unteross. d. R. Karl Steinmiillcr, Lang-Göns, tot. Musk. Georg ^oh. Frank. Villingsbach. Iviv. Rei. Heinrich Gutermuth. Ilbes­hausen. Kr. Lauterbach. lvw. Must. Damast»z Guzinsdi. Nclberg, lvw. Gcsr. d. SR. Heinrich Reul, Hopfgartcn, Kr. Alsfeld, lvw.

Musk. Karl Rührig. Lanperthrim. lvw. Musk. Georg Hciien- thak, Bingen, tot. Unteross. d. SR, Paul Frank. Stadtoldendorf. Kr. Holzminden, schvw. Unteross. Franz Gkeitze, Scebnrg, t o t.

Gcsr. d. SR. Heinrich Bork, Lützellinden, lvw. Musk. Karl Süß. Höchst a. M., lvw. Unteross. Karl Haas, Gießen, lvw. Musk. Philipp Gernert. Worins. lvw. Muss. Eduard Dietrich. Bühr, schvw. Muss. Karl Kilian I., Wörsdors. low. Muss. Friedrich Kleiner, Weinsberg. vm. Muss. Wilhelm Freund, Niederlemp, vm. Res. Karl Satorius. Merlau, vm. Unteross. Heinrich Ludwig, Nidda, vm. Res. Magnus Em-mert, Fusida. vm. Res Robert Krast, Rüppertshausen. vm. Gesr. d. R. Gustav Grotcnsohn, Altona, vm. Res. Karl Bruder. Rodheim. Kr. Friedberg. vm. Res. Friedr. Türner. Becke, Kr. Gummers­bach. vm. Musk. Joses Emil Stroh. Bürgel, vm. Muss. WM. Karl Schmidt I., Hahnstetten. vn>. Musk. Schmidt III.. Hepbach, Kr. Erbach i. O.. vm. Musk. Karl Hartung. Gcrings- walde, vm. Musk. Pctcr Barth, Lsihosen. Kr. Worms, vm. Res. Karl Theiß. Nauborn, vm. Nies. Zwölf Pohl, Nauborn, vm. Res. Heinrich Stahl, Beilstein, Kr. Dill. vm. Res. Heinrich Pitzer. Boltenhorn, vm. Res. Ernst Reitz, Nieder-Ohmen, vm

8. Kompagnie. Res. Ludw. Jos. Bierau, Atzbach. lvw. Res. vorn,. Louis Kretzer. Sillendors, Dillkreis, low. Musk. And. Alfred Müller II., Wilcrchausen, lvw. Gcsr. Heinrich Karl Sames, Torf-Gill, lvw. Viaefeldw. Peier Turins. Hainstabt. Inw. Res. Hcrmauu Heusel. Obbornhofen, lvw. Res. Johann«? Berting. Salz, Kr. Lanierback. lvw. Rcserv. Heinrich Miller II.. Dberdieten, lvw. Res. Wiih. Schmidt. Griedelbach. Kr. Wetzlar, lvw. Res. Jakob Pitz, Laivdorf. Kr. Kirckhain, lvw. Vi.ze- feldwebel Ernst Menget, Marburg, lvw. Musk. August Jung, Weicrstein, lvw. Res. Wilhelm Titzcl, Lock, Kr. Hagen, lvw. Res. Wilh. Eugen Peiseler. Riebercbersbach. lvw. Res. Karl Heinrich Müller II.. Herbstem, lvw. Res. Albert Leid. Gleiberg, lvw. Musk. Wilhelm Dorth. Weilburg. lvw. Res. Heinrich Uhl. Unterschmitten, lvw. Res. Johannes Berting, Salz. Kreis Lauterbach. lvw. Musk. Karl Wilh. Gorr. Worms, lvw. Res. Heigr. Frsch, Ortenberg, lvw. Res. Hermann Raumier, Lbborn- hvsen. Kr. Gjehen. lvw. Muss. Jacob Lutz. Seimen, Kr. Heidel- berg, tot. Musk. Bartholom. Rvglcr, Bodenheim, lvw.

Musk. Karl Bärbel in. Azudaugen, lvw. Unteross. Start ?<«m Niederivcidbach, lvw. Musk. Johann Mar>, Bodenheim, low. Musk. Wilhelm Fink, Bürstadt, Kr. Bensheim, lvw. Unteross. Adolf Stent, Ronrrvd, lvw. Gesr. Hermann Schneider, Bellers­heim, schvw. Musk. Karl Becher, Sukgcndors, lvw. Res. Karl Heinr. Borst, Lindheim, lvw. - Res. Theodor Scheld, (Badenloch, lvw. Musk. Johannes Bott, Elbersolb, lvw. Res. Konrad Schaas, Hürgenau. lvw. Musk. Joses Dlubeck, Grabow, vm.l Unteross. Johannes Günther, Cölbe, lvw.

VomBurgfrieden". In Düsseldorf fanden dieser Tage Stadtverordnctcnwahlen statt. Das reaktionäre Wahlrecht verhindert dort, ebenso wie in vielen anderen preußischen Städten, daß die stärkste Partei, die Sozial- dcniokratie, keine Vertretung bekommt. Um das gesetzliche Unrecht den Arbeitern noch eindringlicher vor Augen zu. halten und den Wahlen den Stempel eines erbittertem Klassenkampfcs aufzudrücken, I)abcn die Liberalen uni» Ultramontanen einen Block gegen die So­zialdemokratie gebildet und damit natürlich erreicht, daß die Sozialdemokrtie keine Vertretung erhielt. Die Kandidaten der vereinigten bürgerlickien Par­teien erhielten 6085 Stimmen, die der Sozialdemokraten 2620 Stimmen. Wegen der Kriegslage waren unsere Ge­nossen in der Agitation behindert. Das mttzte der schwarz- blaue Block weidlich zu seinen Gunsten aus. Tas ist eine ganz nette Illustration zu dem berühmten Burgfrieden. Wir sagten neulich, daß nach dem Kriege die Verhältnisse gcnail dieselben wie vorher sein würden. Hier in Düsseldorf sehen wir schon ein SScispiel und der Krieg ist noch nicht einmal zu Ende! Bald »verdcn die Sozialdemokraten wiederVater- landsfcinde" sein, obwohl viele Tausende von ihnen auf den, Schlachtfclde verbluteten.

Gefallene des Gicßener Regiments. Weiter werdew vom Infanterie-Regiment Nr. 116 als gefallen bekannt: Am 20. August Gefreiter d. R. Wilhelm Peter ans Rcis- kirchcn. Am 15. September Landwchrmann Philipp A m e n d V., Schreinermeister auS Treis a. d. Lumda. Offiz.-Stcllvertrcter Hermann Handwerk, Oberlehrer auS Groß-Umstadt.Unteroffizier d. R. Konrad Wolf aus Wolf b. Büdingen. Reservist Wilhelm E ck a r d t aus Dillheim. Gefreiter Georg Harnisch IX. aus Watzen­born (gest. im Lazarett). Unteroffizier Otto Fischer aus Lorsch.

Gefallene aus Obcrhcssen und Nachbargebicten. Am

26. Sept. Offiz.-Stellvertrcter Eduard Meyer aus Krof­dorf, Jnf.-Regt. Nr. 81. Jäger Otto M ü l l e r aus Lollar. 11. Jägerbataillon Marburg.

Meldung von Landsturmpflichtigcn. Die in Gießen wohnenden, in den Jahren 1894 bis 1885 geborenen irtili- tärisch nicht ausgebildeton Landsturmpflichtigcn sollen sich im Regierungsgebäude, Zimmer Nr. 4, melden. Siehe die Bekanntmachung in heutiger Nummer.

Verpflegungsgelder für die Einquartierungen für den Monat September gelangen von heute ab in der Bürger­meisterei (Stadtkasse) zur Auszahlung. Wir verweisen aus die Bekanntmachung im heutigen Blatte.

Städtischer Kartossclvcrkaus. Von der Stadtverwal­tung werden morgen Dienstag vormittag von 812 Uhr im alten Schulhaus in der Neustadt wieder Kartoffeln zum Preise von 3 Pfg. für das Pfund verkauft. An einzelne Käufer werden jedoch nur bis 10 Pflind abgegeben.

Unqllltiqe Verzichte. Vereinbar unpen, denen zufolge Dienstmädchen das Kriegsausbruchs wegen auf ihren Lohn verzichtet Hatzen, sind nichtig. So entschied mit Recht in diesen Tagen Kammer 0 des Gewcrbeqerichds Berlin unter Vor­sitz des MaglstvatSrats v. Sätziltz. Es handelt« sich um die Klage eines Ti-eiisnnädchens gegen di« Gastwirtin Gaezki. Der Kiügcri» waren nicht mir Mark voin Julilohn eintzehalten worben für eine zerbrcck-ene Glas schale, deren Wert das Gericht nach ein­gehender Prüfung aus 3 Mark abschätzte; es wurde ihr auch von der Beklagten zugemutet, weil der Kriag ausgebrocheu war, aus Gchalt zu verzichlen und nur gegen frei« Station tätig zu sein. In ihrer klncrsahrenheit lmtie die Klägerin zugestimmt, um nicht sosort völlig brotlos zu rvcrden, denn sic war der cbcnsalls irrigen Mei­nung. daß niit dem Ausbruch der Feindseligkritcii die Tienstver- trägc hiirsällig wurden. Der vorsttzende Gewerberichtcr Rat von Schultz wendete sich mit scharfen Worten gegen das Vorgehen der Beklagten und bezeichnet« diese Ausbeutung der Augestelltennotlage als einewncherischc". Deshalb feien derartige Abreden als »ichttg zu betrachten. Die Bekiagte wurde wcrurteitt, an die Klägerin SO Mark zu zahlen. Tas ist ein crsreulichcs Urteil, dos mit ge­sundem Rechtsempfinden nicht minder wie mit dem Gesetz durchaus übereinstimmt.

In der heimatlichen Erde begraben. Am Freitag nachmittag wurde auf dem neuen Friedhöfe der im Kriege gesallene Gefreite S e m m y Rothenberger a»S Gießen unter großer Beteiligung beerdigt. Der Bruder des Gefallenen hatte die Leiche nach Hause geholt. Wie uns mitgeteilt wirb, war Rothenberger bei allen, die ihn kannten, beliebt und geachtet, besonders auch bei seinen Ar­beitern. Trotzdem ihm sein Kompagnic-Hauptmaun des öfteren empfahl, sich krank zu melden und zurückzukehren, tat er bis zum letzten Atemzug seine Schuldigkeit. Von den Liebesgaben, die ihm aus der Heimat geschickt wurden, teilte er alles bis auf den letzten Bissen mit seinen Kameraden. Er verbrachte Jugend und Mannes­alter in seinem Elternhaus«, wo er an Stelle seines früh ver­storbenen Vaters in Gemeinschaft mit seiner Mutter das elterliche Geschäft im Neucnwca voll Umsicht und Eifer leitete. An der Be­erdigung nahmen eine Anzahl Verwundete teil und der Verein der 116cr hatte eine Abordnuna geschickt.

Vom -tadttheatcr wird geschrieben: Diesenigen Abonncutcii, die wegen Beibehaltuna ihres Abonnements noch nicht geantwortet haben, werden brinacnd ersucht, dies bis Montag zu tun, damit die wegen der Vorbereitungen drängende endgültige Entscheidung über die Gestaltung der Spielzeit getroffen werden kan». Wenn auch die Zahl der geplanten Vorstellungen naturgemäß kleiner sein wird als i» früheren Jahren, so wird im übrigen die Bllhncnleilung den bewährten Grundsätzen, die bas Gießcner Stadtthcatcr bisher zum Erfolg geführt haben, auch in diesem Kricgssahr treu bleiben. Die Zahl der darstellenden Mitglieder wird nicht weniger als 28 be­tragen, so daß auch sigurcnreiche Stücke möglich sind. Auch an Aus­stattung wird neues geboten werden. So werden neue Möbel­garnituren aus dem Atelier von Prosesior Buttemcycr, die für das neue Emser Kurtheater bestimmt und zum Teil noch gar nicht in Gebrauch genommen waren, dem hiesigen Fundus einverlcibt wer­den. Auch die Spielzeit soll sich wie bisher abwechslungsreich ge­stalten und wenn natürlich auch den Zcitverhältnisien Rechnung getragen wird, so ist damit nicht gesagt, daß nicht auch der echte Humor gelegentlich zu seinem SRechte kommt.

Die neue Franksurter Universität wird am 18. Oktober tf öffnet. Von einer aus diesem Anlaß geplanten Feier wurde Abstand genommen.

Vekämpsung der Lbstbaumschädlinge. Die Raupe des F r o st s p a n n c r s ist in diesem Jahre trotz der Maßregeln im vorigen Herbste wieder stark ausgetreten und verursachte crhed-