Ausgabe 
9.10.1914
 
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Die Militärbehörde gegen Gehaltskürzungen. Der stell­vertretende Gouverneur der Festung Metz, Generalleutnant Pelkmann, hat folgende bemerkenswerte Bekanntmachung er- lassen:Das Gouvernement hat in Erfahrung gebracht, Laß einzelne hiesige Geschäftshäuser verabredet haben, während Lcr Kriegszcit ihren Angestellten, die sic weiter beschäftigen, nur die Hälfte des bisherigen Gehalts zu bezahlen und die Angestellten sich in ihrer Notlage diesen Bedingungen haben fügen müssen. Abgesehen davon, daß das ganze Verhalten dieser Firmen ein ungesetzliches ist, werden sie darauf auf­merksam gemacht, daß, falls die Angestellten nicht ihr volles Gehalt, und zwar auch für die verflossene Zeit, ausbezahlt ec- haltcn, der gesamte Güterverkehr für die in Frage kommen­den Geschäfte unter Vorbehalt weiterer Maßnahmen gesperrt werden wird. Die Angestellten werden ersucht, diese Ge­schäfte bei der Ueberwachungsstclle des Gouvernements nam­haft zu machen." Auch gegen die Arbefterlohndrücker und Tarifbrecher müßte ähnlich vorgcgangen werden, wie ja auch z. B. das bayerische Kriegsministerium mehreren Lohn- drückerfirmen die bereits erteilten Aufträge wieder ent­zogen hat.

Strümpfe für unsere Soldaten. Cs ist vielfach der Wunsch geäußert worden, eine brauchbare Anweisung, wie man für unsere Soldaten stricken soll, au veröffentlichen, um so eine größere Ein­heitlichkeit der hergestellten Sachen zu erzielen. Wir geben in fol­gendem die Anweisung, wie sie von der Barmer Wohlfahrts- zentralc bekannt gegeben wird. Socken: Sehr gute Wolle, möglichst in grauer, sonst Heller Farbe. Mit Nadeln Nr. 7 oder 8 lose ge­strickt. Aufschlag 78 82 Maschen. Bcinlänge 28 30 Zentimeter, zwei rechts zwei links gestrickt: ganze Fußlänge 2832 Zenti­meter. Ferse mit Beistrickgarn genügend breit und lang. Fuß­spitze runde Minderung mit 7 Maschen nachstrickcu und durch Bei- strickgarnc verstärkt. Pulswärmer: Dieselbe Wolle wie zu Socken, aber nur feldgraue Farbe. Lose aufschlage» 00 64 Maschen, zwei rechts, zwei links gestrickt: lose stricken: Länge 2528 Zentimeter, Abmasche» sehr dehnbar. Man stricke die Pulswärmer nur rund und mache keinen Einschnitt sür den Daumen. Im Gegensatz zu dieser Anweisung wird in Düsseldorf empfohlen, in die Puls­wärmer Einschnitte für den Daumen zu stricken. Beide Formen sind brauchbar.

Eisenbahn-Güteroerkehr. Di« Kgl. Eisendahndirektion rn Frank­furt a. M. schreibt uns: Bei der dauernden Beanspruchung eines sehr erheblichen Teiles des Güterwogeuparks durch di« Heeresver- waltuitß und den Einwirkungen des Kriegsbetriebcs aus den Wagen- umlaus wird die Wagcngestcllung in diesem Herbst voraussichtlich besonders großen Schmierigkeiten begegnen. Es ist daher unbedingt nötig, daß jeder einzeln« Verkchrstreidendc sich im Interesse der Allgemeinheit möglichst« Beschränkung bei der Inanspruchnahme des Güter,vagcnparks auferlegt und vor allem das Ladegeschast nach Möglichkeit beschleunigt. Tie durch die Eisenbahnvcrwaltung jetzt zu treffenden besonderen Maßnahmen sind im Interest« der gesamten Volkswirtschaft notwendig, zu deren Förderung jetzt jeder Ver­frachter Opfer bringen muß.

Franksurt a. M., 10. Lkt. Ein großes Schadenfeuer Ist heute Nacht in einem Holzschuppen des Ostbahnhofs entstanden, wodurch der Schuppen und 4000 Säcke Mehl, die dem Proviantamt gehörten, vernichtet wurden. Wcitere3MtllionenMark sollen für die Kriegssürsorge bewilligt werden, da öle bereits be­willigten 2 Millionen aufgebraucht sind.

Der offizielle Bericht.

Die Schlacht im Westen steht!

Antwerpen vor dem Fall!

Die Nnsten sind wieder in Ostpreußen!

Großes Hauptquartier, 8 .Oktober, abends. (Amtlich.) Pom westlichen Kriegsschauplatz sind Ereignisse von entscheidender Bedeutung nicht zu melden. Kleine Fort­schritte sind bei St. Mihiel und im Argonnen- Walde gemacht.

Vor Antwerpen ist das Fort Breendonck ge- ii v in in c n. Der Angriff auf die innere Fortlinic und damit auch die B c s ch i e ß u n g der dahinter liegenden Stadtteile hat begonnen, nachdem der Kommandant der Fcstniig die Erklärung abgegeben hatte, daß er die Ver- nniluortung übernehme.

Die Luftschlsfhalle in Düsseldorf wurde von einer durch einen feindlichen Flieger geworfenen Bombe getroffen. Das Dach der Halle wurde durch, schlagen und die Hülle eines in der Halle liegenden Luft­schiffes z c r st ö r t.

Im O st c n erreichte eine von Lonisha anmarschierendc russische Kolonne L Y ck.

Das französische Bulletin.

Paris, 8. Lkt. (Ctr. Frkft.) Das gestern abend 11 Uhr ausgegcbcne Bulletin besagt:

, Abgesehen von den beiden Flügeln, wo deutsckie An- griffe zurückgeschlagen wurden, herrschte fast vollkom- n: e n e Ruhe auf der ganzen Front. Auf unserer Linken ist deutsche Kavallerie nördlich von Lille festgehalten wor­den. Bei Chaulnes haben wir das verlorene Terrain wieder- gewonnen. Im Zentrum haben wir auf einigen Punkten Fortschritte gemacht. Auf der Rechten liegt nichts Neues vor.

Das Ende der Schlacht ist n o ch n i ch t a b z u s e h e n. Tie Front, die ursprünglich beim Walde von Compiögne endete, hat sich immer mehr nach Norden verlängert und nun­mehr bei Armentiöres die belgische Grenze erreicht. Die Deutschen haben durch Heranziehung großer Verstärkungen die drohende Umfassung ihres rechten Flügels, die bereits im vergangenen Monat von der Pariser Presse angekündigt wurde, vereitelt. Tie französischen Bulletins melden nun schon seit Wochen nur unbedeutende Veränderungen der Front, und in der Tat sind die Stellungen der beiden Heere, abgesehen von der Verlängerung der Schlachtlinie, kaum verschoben, alter auch die geringsten Verschiebungen sind Er­gebnisse schweren Blutvergießens: ja, auch wo die Lage un­verändert blieb, ist häufig ein Ort dutzendmal geräumt und wieder gestürmt worden. Man nimmt an, daß die Gegner über ungefähr die gleiche Stärke verfügen, da keiner durch die Abgaben an den Westslllgel eine solche Schwächung er­fahren hat, daß ein Durchbruch möglich wäre.

Die Befchießmcg Antwerpens.

Brüssel, 8. Lkt. (W. B. Nichtamtlich.) Gemäß Ar- tikel 26 des Haager Abkommens betreffend die Gesetze des Landkrieges ließ General v. Beseler, der Befehlshaber der Bclagerungsarmee von Antwerpen, durch Bermiftlung der in Brüssel beglaubigten Vertreter neutraler Staaten gestern nachmittag die Behörden Antwerpens von dem Bevorstehen der Beschießung verständigen. Die Beschießung der Stadt hat um Mitternacht begonnen.

Aus holländischen Quellen berichtet die Franks. Ztg.:

Nieuws van den Dag meldet aus Rosendaal: Seit Mitternacht wird Antwerpen beschossen. Die Deutschen haben die Ncthe überschritten und schweres Geschütz in Stel­lung gebracht. Zunächst erfolgte eine Beschießung des SUdost-Teils, wo die Vorstadt Berchem schwer litt, dann auch eine des Nordost-Teils. Ein Zeppelinkreuzer warf eine Bombe auf die Oeltanks von Hoboken, die infolgedessen teil­weise in Brand gerieten; man ließ daraufhin das Petroleum der anderen Tanks auslaufcn. Englische Truppen haben mit schweren Schiffsgeschützen hinter dem inneren Festungs­gürtel Aufstellung genommen, wo sie die Verteidigung sort- setzen.

Politiken meldet aus Antwerpen: Den Blättern zufolge hat die Regierung erwogen, der Stadt das Bombarde­ment zu ersparen: die weiße Flagge sollte gehißt wer­den, sobald die zweite Festungslinie gefallen sei. Aber die Bevölkerung scheint die Verteidigung der Stadt bis zum letzten Haus zu verlangen. Es sallen jetzt ziemlich viel Bomben von deutschen Flugzeugen auf dicStadt,

Sydsvenska Dagbladet vom 7. Ottober berichtet: Churchills Reise nach Antwerpen galt der Beratung über eine etwaige Flucht des Königs Albert nach England. Nach dem Stockholmer Aftonbladet soll die Besatzung Ant­werpens auf Transportdampfern, die auf dem Fluß ver­

ankert liegen, nach England und von dort nach anderen Teilen'

des Kriegsschauplatzes gebracht werden.

Weitere Forts vernichtet.

Amsterdam, 8. Okt, (Ctr. Frkft.) Der Maasbode intlbet aus Putte, daß die Dcutlchcn i» der vcrqanqcnc» Nacht und heiite srüh auch über das Fort Broechem anrücktcn, eine andere Hccres- abteilung marschierte über West,»alle aus Fort Wlineghem, das in wenigen Stunden vernichtet war. Fort Wyncghem Ist das erste Fort des inneren Festungsgürtels. Fort Schooten vom äußeren Festungsgürtel, nordöstlich von Antwerpen, suchte de» Ein­marsch auszuhalten. wurde aber rasch zum Schweigen ge­bracht. Bei dirscm gewaltigen Anrücken war da-, belgische Heer gezwungen, über die Schelde zurückzuweichcn.

König Albert auf der Flucht?

Ter Antwerpener Berichterstatter des Amsterdanier HandelSblad meldet aus Rosendaal: Mitten im Gedränge sei in Antwerpen der königliche Kraftwagen mit dem König und der Königin erschienen. Er sei über die militärische Schiff­brücke auf die andere Seite der Schelde gefahren und war bald außer Sichtweite gekommen. Aus Sas van Gent meldet das Dias-Bureau: König Albert ist heute Morgen 8 Uhr in Selzacte an der'holländischen Grenze auf belgischem Gebiet angekommen.

Briefkasten.

E. H., Gieße». Ein Vcrlosungstcrmin für die Lotterie der in diesem Sommer stattgesiindenen Gießener Gewerbe-Aus­stellung ist unseres Wissens noch nicht festgesetzt: nach einer früheren Erklärung der Ausstcllungsleitung muß aber die Ver­losung stattfindcn, da ja zahlreiche Gegenstände dazu angckaust worden sind und über das eingegangene Geld nicht ohne weiteres anderweit verfügt werden kann.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & Cie., Gießen.

Druck: Verlag Offcnbacher Abendblatt. G, m, b, H Ottenbach a. M.

Kokspreise.

Die Sommcrpreise für Gaskoks bleiben bis aus Weiteres be­stehen, cs kostet 1 Zentner ab Gaswerk:

bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von über

Stiickkoks Mk. 1,20 Mk. 1,15 Mk. 1,10 Mk. 1,05 Mk. 1,

Nußkok? Mk. 1,30 Mk. 1,30 Mk. 1,25 Mk. 1,20 Mk. 1,15

0 Ztr.

36 Ztr.

200 Ztr.

400 Ztr.

800 Ztr.

Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 Zentner statt, die meisten hiesigen Kohlenhändler verabfolge» Gaskoks auch in Mengen unter 5 Zentner zum Preise von Mk. 1,20 sür Stück- und Mk. 1,30 für Nußkoks pro Zenkncr. Für die Anfuhr an das Haus werden 10 Pfg. für den Zentner berechnet. Für Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich die Preise außerdem um beu Betrag der Oktroi-Rückvergütung von 4 Psg. für de» Zentner.

Gießen, 6. Oktober 1014.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. _ Ste ding.__

Bekanntmachung.

In den Wagen der städtischen Straßenbahn wurden in der Zeit vom 1. Juni bis 30. September d. I. nachfolgende Gegenstände gefunden:

26 Schirme, 5 Spazierstöcke, 9 Paar Handschuhe, 4 Geldbörse», 3 Handtäschchen, 4 Pakete mit Inhalt, 3 Bücher, 2 Körbchen, 1 Haar- und eine Zahnbürste, 1 Kindermütze, 1 Rcisekisscn, 1 Schürze, 1 schwarzer Umhang, 1 Brosche, 1 Armband, 1 Paar Strümpfe und 1 Schlüssel.

Die obigen Sachen können auf dem Bureau der Elektrizitäts­werke und Straßenbahn, Lahnstraße 28, Zimmer Nr. 4, in Empfang genommen werden.

Gießen, den 2. Oktober 1914.

Elektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen.

S t o l t e. _

Bekariiitmachuna.

Aus der L»l;-Leng-Ttistung sind die diesjährigen Zinsen an bedürftige Witwen und Waisen zu vergeben.

Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 9, bis zum 15. Oktober d. Is. entgegen.

Gießen, den 6. Oktober 1914.

Der Oberbürgermeister.

Keller.

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