Ausgabe 
9.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

führen, das ist das Wort: Kamerad. Die Offiziere bis zum Major tragen im Gefecht Gewehre, sie schießen mit uns aus den Schützengräben, sie stürmten mit uns mit erhobenem Gewehrkolben und es gab nach manchem heißen Gefecht un- glaubliche Ausbrüche der Kameradschaftlichkeit. . . . Offiziere und Mannschaft küßten einander vor den eroberten Kanonen, den Führern rannen vor Freude die Tränen über die Wangen, wenn sie uns dankten, und wir sangen zusammen in glühender BegeisterungDeutschland, Deutschland über alles", baff es wie ein heiliges Verkünden weithin über die Schlachtfelder tönte. Ich kann nur sagen, Leib und Seele sind in bester Verfassung, denn auch die Verpflegung der dcut- schen Truppen ist glänzend . .

Das verschwundene Unterseeboot.

Rom, 7. Okt. (Gtr. Frkst) Di« Regierung scheint entschlossen zu sein, das geslohene Unterseeboot, von wem es auch sei, zuriick- zufordern. Gegen den ehemalig cn Mavinelcntnant Bclloni, den Führer des Schiffes, wird kriegsgerichtlich vorgegongcn.

Die Tribuno sagt, ihr sei aus der französischen Botschaft erklär! worden, dah das in Ajaccio vor Anker gegangene Unterseeboot aus Mnggiano alsbald der Schisfswerst, aus der es erbaut wurde, wieder zugestellt werden wird. Es bleibe nur noch die Art der Wiedererstattung zu überlegen, da es sich mn einen in der Ge­schichte des internationalen Rechts neuen Fall handle.

Meuternde serbische Soldaten.

W. B. Sofia, 7. Okt. (Nichtamtlich.) Tie Zeitung Utro meldet: Unter der Mannschaft des 17. serbischen Infanterie- Regiments kam es zu einer Meuterei. Die Soldaten er- schossen den Brigadekommandantcn Budonowics, der sich gerade bet dem Regiment aufhielt. Auch der Regimentsobersl Malcvics und zahlreiche Osiiziere wurden erschossen. Die gegen das meuternde Rcginient entsandten Mannschaften konnten nichts ausrichtcn.

Die deutschen Kriegsentschädianngen.

Die Nordd. Allg. Ztg. veröffentlicht folgende Meldung des Berner Bund aus Bordeaux:

Das amtliche Verzeichnis der Kriegsentschädigungen, die bisher von den Deutschen den besetzten Gebieten auserlegt worden sind, ist folgendes: Brüssel 200 Millionen Frank, Provinz Lüttich 50 Mil­lionen, Stadt Lüttich 10 Millionen, Löwen 100 000 Frank, Lillc 7 200 000 Frank, Avmeirtieres 500 000 Frank, Lens 700 000 Frank, Roubaix und Tourcolng 1 Million, Termonde 1 Million, Provinz Brabant 450 Millionen, Gent 100 000 Frank, bazu 2 200 Zigarren, 220 Fässchen Mineralwasser, 100 Fahr- und 10 Motorräder, Amiens 1 Million und 100 000 Zigarren, zusammen also 721 500 000 Frank, von denen aber nur thi sehr geringer Teil eingcgangm ist. So hat Brüssel nur 30 Millionen abgegeben.

Besserung der Wirtschaftslage.

Der Geschäftsführer des Zentralverbandcs deutscher Industrieller, Schweighoffer, führte am Dienstag in der Berliner Sitzung des Vereins zur Beförderung des Gewerbe- fleißes aus: In den letzten vierzehn Tagen ist hinsichtlich der Aufträge und der Marktlage in der preußischen Industrie insofern eine Besserung eingctreten, als auch die laufenden alten Abschlüsse etwas besser abgerufen wurden und als weiterhin von dem neutralen Auslande: Italien, Holland, Dänemark und Schweden, nach Aushebung des Ausfuhr­verbotes eine lebhaftere Nachfrage einsetzte, die auch zu neuen Abschlüssen geführt habe.

Diese Darlegungen erhalten eine Bestätigung durch Ber­liner Erfahrungen. Die Mitgliederzahl bei den Kranken- lassen hat sich gehoben und die Ziffer der arbeitslosen Gewerk­schaftsmitglieder ist gesunken.

Klage» über die Meldpost.

Der Reichsverband deutscher Städte eine Vereinigung kleinerer Städte hat an die Post folgende Zuschrift ge- richtet:Die Klagen über ein mangelhaftes Funftionieren der Feldpost wollen noch immer nicht verstummen. Bei dem Rcichsverband deutscher Städte ist die Anregung eingcgangen. über die Taftache, daß viele unserer braven Truppen seit Wochen ohne Nachricht aus der Heimat sind, öffentlich Klage «u erheben."

Rückgarrq der Psiinwanderunq.

Seit Beginn des europäischen Krieges hat die E i n w a n d c - *}in g einen starken Rückgang gezeigt. Im Fünf trafen noch 55 000 Personen in den Zwischendecken der Dampfer rin, gegen 138 000 nn Vorjahre, im Jnli war di« Zahl 40 000 (108 000) und >m August fiel sie auf 28 000 (102 000). Kn lausenden Monat dürste st- unter 5000 kommen.

Der Kanips um Antwerpen.

Z» der Ankunft englischer Hilfstruppen in Antwerpen läßt sich das Berliner Tageblatt aus Antwerpen melden: --eit drei Tagen geht ein ununterbrochener Zug von englischem Truppen mit Geschützen durch die Stadt. :r:ie englischen Hilsstrnppcn werden von der Bevölkerung mit Begeisterung empfangen und begrüßt. Die Leute schätzen die Zahl der Engländer auf 30 000 bis 40 000. Ein Blatt hält dieses jedoch für übertrieben. Der Gcmeinderat von Antwerpen hat einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers Zufolge in geheimer Sitzung den Entschluß gefaßt, der Militärbehörde sein volles Vertrauen auszu- sprechen und sich damit einverstanden zu erklären, daß b i § zum Aeußersten Wider st and geleistet wird und lieber zuzulassen, daß die Stadt beschossen wird, als zu kapitulieren. Der Militärkommandant von Ant­werpen betont in einem Aufruf an die Bevölkerung von Ant- werpen die Notwendigkeit zu einer Verstärkung des Heeres. Demnach werden alle wehrhaften Männer von 18 bis 30 Jahren aufgefordert, sich als Kriegsftciwillige zu melden. (Ctr. Bln.)

Russisch- Vorsicht.

... Der Reichspost wird aus Krakau gemeldet: Nach dem jüngsten Siege Hindenbnrgs und dem Beginn der gemein­samen Offensive Deutschlands und Oesterreich-Ungarns hat die russische Staatsbank Warschau neuerdings verlassen unt> ist nach Moskau übergesiedelt. Auch die Warschauer Uni­versität, die bei der ersten Räumung Warschaus nach Kiew Stiegt wurde, dann nach Warschau zurückkehrte, ist aber­mals nach Kiew verlegt worden. In russischen Blättern darf über die Tatsachen nichts berichtet werden.

Vorbereitungen in Louvon.

Rotterdam, 8. Okt. (Ctr. Frkst.) Der englische Minister des Innern erließ eine neue, vorläufig bis zum 1. November geltende Verordnung, derzufolge alle Lichter und Laternen

in London, welche von oben herab sichtbar sind, womöglich an ihrer oberen Seite bedeckt, die Beleuchtung der Läden eingeschränkt und ununterbrochene Lichterreihen teilwciie gelöscht und schließlich Lichter mit unregelmäßigen Zwischen­räumen angezündct werden müssen.

Tie Times melden, daß seit Anfang des Krieges 600 000 Soldaten eingestellt worden seien, davon allein 86 000 in London.

Ausweisung von Sozialistensührern auS Paris?

Nach Pariser Telegrammen hat General Gallieni sämt­liche Führer des sozialistischen Arbeitcrstzndikats, darunter mehrere Deputierte, wegen rcgicruiigsseindlicher Agitation in der Bevölkerung aus Paris ausgewiescn. '

Verbot englischer «nd holländischer Zeitungen in Frankreich.

Wie a«ö Bordeaux gemeldet wirb, hat ein« amtliche Vcrösteitt- üchung das Verbot der Einfuhr englischer und holländischer Zeittm- gen M Frankreich bis zum Jahresschluss ausgesprochen.

Hochspan,»»fl an» Balkan.

Aus Petersburg meldet der Draht, dass der russische Gesaudte in Sofia beaustragt worden sei, sich der Beschwerde des serbischen Gesandten über die Teilnahme der Bulgaren an den Ausständcn in Ren-Serbien anzuschliessen. Die beiden Gesandten deuteten, an, dass es nötig werden könnte, die Vorstellung in Form eines Ulti­matums zu wiederholen dem in diesem Falle sich auch Griechen­land anschliesscn würde. Ter rumänische Gesandte tut alles, um zu vermitteln, aber die allgemeine Ansicht scheint die zu sei», dah die Spannung sich seht dermassen entwickelt habe, dass es sich als un­möglich erweisen werde, eine Entladung zu verhindern.

Italienische Kriegsrüstungen?

Aus Rom wird nach Paris telegraphiert, das italienische Parlament habe 50 Millionen Lire zur Fortsetzung der mili­tärischen Vorbereitungen bewilligt. Die griechische Regierung habe Italien wissen lassen, daß sie nichts gegen eine italienische Besetzung Volonas einzuwcndcn haben würde. (Ctr. Frftt.)

Die österreichische Offensive in» Osten.

IV. 8 . Wie», 8. Okt. Von hiesiger amtlicher Stelle wird ge- meldet: Unsere Offensive hat gestern, da und dort unter kleineren Gefechten, überall ihre Ziele erreicht. Ein von einem Erkundungs- slugc über Przemysl zurllckgekehrtcr Gcneralstabsosfizier berichtet, dass die Verteidigung der Festung mit der grössten Tätigkeit und Umsicht geführt wird. Mehrere Ausfälle der feindlichen Linien wurde» zurückgebrängt und zahlreiche Gefangene gemacht. Alle An­griffe der Russen sind unter furchtbaren Verjuften im Feuer zurück- geworfen wordrn. Fn den Karpathen östlich vom Biskoper Sattel ist kein Feind mehr. Der bei Marmaros Sziget eingebeochene Gegner ist geschlagen worden: die Stadt ist in unseren Besitz znrück- gelangt.

Poincarö wieder in Bordeaux.

Haag, 8. Okt. Dailv Erpress meldet aus Bordeaux, bah Präsi­dent Poincare und die französische Regierung wieder in Bordeaux cingetrofsen sind, nachdem sie den französischen Truppen auf dem Kriegsschauplätze einen Besuch abgestattct hatten.

Der französische Konsul verlässt Antwerpen.

Rotterdam, 8. Okt. Der französische Konsul in Antwerpen rst mit dem Konsulotsarchiv heut« nacht nach Roseudaal abgereist und fährt von dort nach dem Haag werter.

Ein deutsches Torpedoboot ln Grund geschossen.

T. U. Berlin, 8. Olt. Wie wir erfahren, ist am 6. Oktober nachmittags das Torpedoboot 3 118 während des Vorpostendienstes in der Nordsee durch den Torpedoschuss eines englischen Untersee­boots verloren gegangen. Fast die gesamt« 80 Mann stark« Be­satzung konnte gerettet werben. 8 116 gehört einem alten Typ an und hätte nach dem Flotteugesetz dieses Jahres durch ein neues ersetzt werden müssen. Tie Mannschaft konnte durch eigene Streitkrästc geborgen werben. Das englische Unterseeboot ist nach Londoner Telegrammen ohne weiteren Schaden wieder zur englischen Küste gelangt.

Die Kriegsleistung der Stadt Berlin.

Tie Kämmereiverwaltnng der Stadt Berlin berechnet die Auf- nnmdungen für städtische KriegKIeisttinge» ans ein Fahr mit 100 Millionen Mark, die nur durch eine Erhöhung der Gemeindesteuer ausgeglichen werden können. Zur Unterstützung Arbeitsloser ivaren für di« ersten drei Monat« je 500 000 Mark bewilligt worben, im ersten Monat sind aber bereits 800 000 Mark für diesen Zweck aus- gegeben worden irnd mit dem Eintritt des Winters dürften diese Ausgaben noch ein« weitere Steigerung erfahren.

Vereinbarungen über Ttadtverordnetenwahlen.

.. Der sozialdemokratische Verein Breslau gab am Montag Abend seine Zustimmung zu einer Vereinbarung sämtlicher Par­teien, nach welcher bei den diesjährigen Stadtverordnetcnwahlcn von einem Wahlkamps abgesehen und jeder Fraktion diesenige Zahl von Mandaten garantiert wird, die sie bisher besag. Von den 16 Ge­nossen, di« in der Versammlung sitzen, scheiden diesmal vier aus, ihr« Sitze werden aus weitere sechs Jahre von unserer Partei be­setzt. Gegen das Abkommen erhob in der von 400 Mitgliedern be­suchten Versammlung niemand Widerspruch, di« Annahme erfolgte einstimmig.

Erledigtes Rcichstagsmandat.

Der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Czarnikon-Kolmar- Filehne, Gutsbesitzer Ritter (Kauf) ist gestern nachmittag gestorben.

Hesieu nnd Nachbargebiete.

Giessen und Umgebung.

Wer wuchert am meisten?

Das ist die Frage, die jetzt diejenigen beschäfttgt, die aus der Kriegsnot persönliche Vorteile gezogen haben. Die Kleinhändler beklagen sich über die Wuchcrpreise der Grossisten, diese zetern über die Preisaufschläge der Fabrikanten, und diese schieben ditz Schuld auf die Ver­teuerung der Rohmaterialien. Ter Bäcker klagt über die wucherische Preispolitik der Mühlen, und diese bezichtigen di? Agrarier, die Getreidepreise in die Höhe getrieben zu haben. In Wahrheit ist keiner zu kurz gekommen, und nur der Konsument hat den Schaden zu tragen.

So haben sich u. a. die Grossisten der Nahrungsmittel- brauche in Köln in einer Eingabe an den Gouverneur der Festung gegen Höchstpreise im Großhandel gewendet. Das hat den Verein der Kolonialwarenhändler Kölns zu einer Gcgeneingabe veranlaßt, in der es unter anderm heißt:

Hätten di« Grossisten die Preis« nicht so riesig gesleigert, würde der Tetaillist kein« Veranlassung gehabt haben, di« Preise in die Höh« zu setzen. Die Zugeständnisse des Verbandes, dass ein Teil der Großhändler di« Regelung der Preise aus Grund der starken Nachfrage etwas streng gehaubhabt hätten, zeig« schon genügend, dass nicht die Detaillisten, sondern ihre Lieferanken die Teuerung der Lebensmittel verursacht habe. Fast kein einziger Artikel ist zu nennen, auch nicht von alten Lagerbeständen, sür den kein höherer Preis vom Tetaillisten gefordert und gezahlt worden ist. ... Dt« Behauptung der Tetaillisten, dass von ihnen eine zehnprozenkige Kriegszusage verlangt wurde, kann bewiesen

werden: wenn auch der AusdruckKriegszulage" nicht ganz korrekt sein sollte, so wurde die Preissteigerung doch von den Grossisten oerlangk, auch für solche Waren, die ihnen bisher keinen Pfennig mehr gekostek haben. . . . Auftälligerweise wendet "ch der Verband gegen die Festsetzung von Höchstpreisen für den Großhandel. Unsre Bitte arftf min dahin, dass, nachdem man dazu übergeht, für den Produzenten Preise sestzulegen, auch für den Großhandel dieselben Aiaßnahmen treffen muß, den« der Kleinltznidel sowohl wie auch der Konsument kann dadurch nur Nutzen haben.

Hoffentlich werden diese gegenseitigen Vorwürfe die Be­hörde erst recht veranlassen, den Wucherern auf allen Ge- bieten das Handwerk zu legen. Täuschen wir uns nicht: die Not im Innern wird wachsen. Wir sehen dem Winter mit ernsten Sorgen entgegen. Diejenigen, die vom Hauch des! Kapitalismus so vergiftet sind, daß sie von Arbeitslosen, von Kriegcrfrauen und Kriegervätern besondere Vorteile er­pressen, müssen viel schärfer angefaßt werden, als es bisher geschieht. Der Kampf gegen die Franktireure des Wirtschafts- icbens ist nicht minder wichtig wie der in Feindesland. Wer dem Wucher wehrt, leistet wertvolle vaterländische Arbeit.

Arbeitslosigkeit, Armenpflege undKriegssürsarge".

Das Großh. Ministerium des Innern hat in einem Dv.s- schreiben an die Großh. Kreisämter erneut als Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit und Sorgfaft die Verhütung der Arbeitslosigkeit bezeichnet ilnd das Zusammenarbeiten aller örtlichen Arbeitsnachweise von Arbeitgebern, Arbeitern, Korporationen usw. mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis wiederholt dringend empfohlen. Da aber trotz aller diese Maßnahmen eine Inanspruchnahme der Armenpflege vielfach wohl kaum vermieden werden könne, sei es weiterhin nötig, daß die Gemeindeverwaltungen rechtzeitig mit den Arbeit­gebern und Arbeiterorganisationen Fühlung nehmen, um zu verhüten, daß die Armenpflege in übermäßigem »nd über­flüssigem Umfange in Anspruch genommen werde. Das Großh. Ministerium weist hieran anschließend darauf hin, in erster Linie sei stets darauf Bedacht zu nehmen, daß nach Möglichkeit Arbeitsgelegenheit geschaffen werden muß. Hier müßten gerade die Kommunalverwaltungen in ihrer Eigen­schaft als Arbeit- nnd Auftraggeber Mitwirken und die be­reits in Angriff genommenen Arbeiten nicht etwa aus An­laß des Krieges unterbrechen, sondern ungesämnt fortführen. Zu wünschen sei auch, daß sie diejenigen Arbeiten, die zwar beschlossen, aber noch nicht begonnen seien, unverzüglich in Angriff nehmen. Bei Ausführung dieser Arbeiten müsse Rücksicht genommen werden, möglichst viele Personen ge­gebenenfalls unter Verkürzung der üblichen Arbeitszeit Verdienst zu gewähren. Eine Beschäftigung freiwilliger Kräfte habe dagegen ganz zu unterbleiben. Ferner müsse man versuchen, bei Vergebung neuer Lieferungen den Fir­men zur Bedingung zu Machen, Massenentlassungcn von Ar­beitnehmern oder Lohnkürzungen zu unterlassen. Auch bet Unternehmern, die sich bereits im Besitz größerer Aufträge befinden, würden dahingehende Bemühungen vielfach nicht ohne den gewünschten Erfolg bleiben. Den Gemeinden wird weiterhin in dem Erlaß nahegelegt, bei Anstalten, wie zuin Beispiel die der Straßenbahnen, die zunächst eine Einschränk­ung des Betriebes hätten eintreten lassen müssen, alsbald den früheren Betrieb in vollem Umfange wieder aufzunehmen und zu diesem Zweck eine entsprechende Zahl neuer Arbeits­kräfte einzustellen. Die vorstehenden, hauptsächlich für den Arbeiterstand gegebenen Hinweise seien aber vielfach auch ans andere Kreise, insbesondere ans die der kaufmännischen nnd technischen Angestellten, anwendbar. Auch hier dürften solche Stellenlosen nach Möglichkeit bei der Vergebung geeigneter, Arbeiten, z. B. im Kanzleidienst, zu berücksichtigen sein.

Kriegszustand auf den Eisenbahnen. Die offiziösen: Berliner Poliftschen Nachrichten veröffentlichen folgende Mahnung:Seit Ausbruch des Krieges ist im Eisen­bahnverkehr, wie uns von der maßgebenden Stelle mitgeteilt wird, mehrfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Ordnung in den Zügen namentlich in den D-Zügen zu wünschen übrig läßt. Bei einer ganzen Anzahl von Reisenden besteht die aus dem Gedankenim Kriege ist alles gleichgültig" hervorgehende Neigung, sich über die bahn- polizeilichen Ordnungsvorschriften hinwegzusetzen und im Zuge da Platz zu nehmen, wo es ihnen gerade paßt. Nicht­raucherabteile werden von Rauchern, Frauenabteile von Männern besetzt. Andere Reisende wiederum geben sich gar nicht die Mühe, einen Platz in der ihrer Fahrkarte ent­sprechenden Klasse aufzusuchen, sondern setzen sich ohne weiteres in eine höhere Klasse.

Es hat die Weisung ergehen müssen, solchen Reisenden gegenüber mehr als bisher auf Ordnung zu halten. Unser Volk, das sich von jeher durch Ordnungssinn ausgezeichnet hat und dessen wehrfähiger Teil zurzeit täglich unvergäng­liche Beweise seiner straften Manneszucht liefert, sollte auch im Bahnverkehr Unregelmäßigkeiten, wie die vorstehend ge­schilderten, aus freien Stücken vermeiden. Jeder Reisende sollte bedenken, daß ein Verstoß gegen die Ordnungsvor­schriften eine Benachteiligung der übrigen Reisenden dar- stcllt und den Eisenbahnbediensteten in den Zügen und auf den Bahnhöfen ihre jetzt besonders schwierige Aufgabe er­schwert. Und dann noch eins. Es ist gewiß ein begreifliches Verlangen, von den Erlebnissen der aus dem Felde heim­kehrenden verwundeten Krieger zu hören. Aber ein solches Bestreben darf sich nicht zu einer Belästigung dieser Krieger in den Eisenbahnzügen auswachsen. Die Staatseisenbahn- vcrwaltung hat in zahlreiche Schnellzüge besondere Abteil­wagen für einzeln reisende Verwundete eingestellt. Es ist nicht zu billigen, wenn andere Reisende sich unaufgefordert in diese Wagen mithineinsetzen oder die Verwundeten durch ihre Bitten und Fragen veranlassen, nicht dort, sondern mit ihnen in den Durchgangswagen Platz zu nehmen. Damit leistet man solchen Verwundeten, die schon mehrere Tage unterwegs und der größtmöglichen Ruhe dringend bedürftig sind, ganz gewiß keinen Dienst; übrigens werden diejenigen Verwundeten, die Lust haben, sich mit anderen Leuten zu unterhalten, schon von selbst da Platz nehmen, wo es ihnen behagl."