Ausgabe 
7.10.1914
 
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jn vergehen pflegen, tritt dieses Stadium bei den im Kriege Be­findlichen schon nach 5 10 Jahren ein.

Die Behandlung der Geisteskranken im Feld hat zunächst in ihrer schleunigen Entfernung aus der Front damit sic dort keinen Schaden anrtchten und dann wenn es sich um Ausrcgungs- zuftände handelt ln ihrer Beruhigung durch Skopolamin- Morphiumdosen, die in den Sanitätskasten vorrätig sind, zu bestehen. Niemals dürfen solche «ranke wieder vor die Front zurück. Fn den Etappenlazaretten ist ausserdem für weitere Bcruhigungsmittel zu sorgen, so sllr feste unzerreißbare Anzüge, Borrichtungcn für Dauer­bäder. Sobald als tunlich ist. wenn sich der Zustand nicht von selbst hebt was übrigens sehr häufig der Fall ist für eine lieber- fiihrung in eine Irrenanstalt zu sorgen.

Besondere Sorgfalt will aber Bonhöffer schon auf die militär- ärztliche Voruntersuchung gelegt haben. Hier gilt es bereits nach Möglichkeit alle diejenigen Personen auszusondern, bei denen mit dem Ausbruch einer Geisteskrankheit im Felddienst gerechnet werden muß. Es sind dies also nicht nur diejenigen, die schon einmal in einer Irrenanstalt gesessen haben, sondern auch diejenigen Personen, deren schwache geistige und seelische Konstitution sic zwar den An­forderungen des gewöhnlichen Lebens noch gewachsen sein lässt, die aber unter der starken Inanspruchnahme der Nerven durch den Krieg zu schwereren oder leichteren Störungen neigen. Bei der kurzen Untersuchung ist cs natürlich nicht möglich, solche Anlagen seftzuftellen. B. tritt deshalb dafür ein, bah in die Stammrollen nicht nur der Aufenthalt in Irrenanstalten und Epileptikerheimen. sondern auch der Aufenthalt in Psychopathenheimen und Fllrsorge- anstalten, der Besuch von Hilfsschulen und Hilssklassen, sowie er­littene Vorstrafen auszunehmen sind. Dann könnte der Arzt in solchen, gewissermassen verdächtigen Fällen die Prüfung aus geistige Gesundheit mit umso grösserer Sorgfalt vornehmen.

Die Japaner vor Kiautschou geschlagen.

<2500 Mann Verlust,.)

WB. Berlin, 6. Okt. Die B. Z. am Mittag meldet ans Rotterdam: Beim erste» Sturmangriff auf die Infanterie- Werke von Tsingtau wurden die vereinigten Japaner und Engländer mit einem Verlust von 2500 Mann zurückge- schlagen. Die Wirkung der deutschen Waffen, Geschütze und Maschiuengewehre waren vernichtend. Ter rechte Flügel der Verbündeten wurde von dem österreichischen KreuzerElisa beth" und dem deutschen KreuzerJaguar" wirksam be­schossen. Die deutschen Verluste sollen gering sein. Die Japaner wollen erst Verstärkung abwarten.

Russische Niederlage.

WB. Wien, 6. Okt. Amtlich wird veelautbar 5. Okt.: Die Operationen in Pole« und Galizien schreiten günstig vorwärts. Schulter an Schulter kämpfen die deutschen und österrrichisch-ungarischea Truppen und warfen den Feind von Opatowklinurrtow gegen die Weichsel zurück. In den Kar- pathcn wurden die Russen am Uszokrrgcbirge völlig ge­schlagen.

Verzweiflung in Antwerpen.

Nach im Haag eingetrofsenen Nachrichten ist die Stim­mung in Antwerpen trotz der schließlich doch eingetrofsenen englischen Hilfe verzweifelt. Bei der Aussichtslosigkeit weiteren Widerstandes wird ernstlich erwogen, ob die Be­satzung kapitulieren oder, was noch möglich ist, ent­weichen soll. Die Befürchtung einer Zerstörung der Stadt bei der Fortsetzung des Bombardements spielt bei den Erwägungen eine große Rolle. Das unerwartete Ein­treffen Churchills in Antwerpen bezweckt offenbar, die Belgier zum äußersten Widerstand anzufeuern. Bemerkens­wert ist, daß unter den aus Antwerpen in Holland ange­kommenen Flüchtlingen Männer und junge Leute im Alter von 19 Jahren überwiegen.

Die Antwerpener Flüchtlinge, die in Terneuzen ange­kommen find, bestätigen, daß die erste Fortslinie durchbrochen ist und die Antwerpener Behörde die Bevölkerung aufge- sordert hat, Frauen und Kinder wegzuschaffen. Der Strom belgischer Flüchtlinge, die zu Lande und aus dem Wasserwege nach den Niederlanden kommen, dauert unver­mindert an.

Flüchtlinge aus Maastricht melden, daß gestern zwischen den Deutschen und Belgiern bei L a n e k e n an der luxem­burgischen Grenze gekämpft wurde. Nach der Be­hauptung der Deutschen haben sich auch Bürger an den Scharmützeln beteiligt. Es wurden deshalb verschiedene -Häuser von Laneken in B r a n d g e st e ck t. In die Kirch? der Stadt sind drei Granaten gefallen, die ziemlich viel Schaden angerichtet haben. Auf dem Wege von Laneken nach -rourncbride sind alle Häuser verbrannt.

König AlbertsAbreise".

Tie Kölnische Zeitung erhält in einem Telegramm von der holländischen Grenze die Meldung, daß König Albert von Belgien bereits aus Antwerpen abgcrcist sei. Gestern früh 11 Uhr bestieg er einen Kraftwagen nach Ostende, um dort aus einem Kreuzer nach England iiberzu- sehen, angeblich, um mit der englischen Regierung zu beraten. Nach einer englischen Version ist der Marineminister Churchill in Antwerpen eingetrofsen, um mit König Albert eine Be­ratung zu pflegen.

Tie zweite Verteidigungslinie.

Die Franzosen verlieren die Hoffnung.

WB. Kopeuhagen, 6. Lkt. (Nichtamtlich.) Politiken nieldet aus London: Ter Gouverneur von Paris hat Joffre vocgeschlagen, alle Städte in der Umgebung von Paris zu b c f e st i g e n , die bei dem Vorrücken der Deutschen widerstandslos in die Hände der Deutschen gefallen sind. Die Befestigung soll so stark wie möglich gemacht wer­den, so daß die deutschen Truppen bei einem neuerlichen Vorstoß auf weit stärkere Hindernisse und einen stärkeren Widerstand stoßen, als bei dem Vorrücken auf Paris im August und September. Mit Billigung Joffrcs werden fol- gcnde Städte befestigt: Scnlis, Gifore, Saint Marent, Mont- morency, Beauvais, Chantilly, Melun, Mantos, Meaut. 2)t- sfiornifon dieser Städte wird aus den Rekruten des Jahr­ganges 1914, sowie aus Divisionen einer Armee bestehen, die unter Pau's Leitung in Slldfrankreich gesammelt wird. In f^reusot wird Tag und Nacht an der Herstellung schwerer Artillerie gearbeitet, die Mitte Oktober an die Front geführt werden soll.

Aus dieser Meldung geht deutlich hervor, daß die Fran­zosen mit einem erfolgreichen Vorgehen der Deutschen rechnen.

Eine nahe Schlacht im Osten?

Tein Giornalc d'Jtalia wird aus Petersburg gemeldet, in der Gegend von Krakau stehe angeblich eine große Schlacht zwischen Russen und Oesterreichern be­vor. Tie Russen seien IMillronMannstark mit einer mächtigen Artillerie.

Nach Petersburger Meldungen der Times glauben die russischen Regicrungskreise, daß Deutschlands Schicksal an dem Punkt entschieden werde, wo die drei Kaiserreiche zu- sammcnstoßen. Tort rücken angeblich 20 russische Armee­korps auf zwei Linien vorwärts. Wenn es den Deutschen nicht glückt, hier die russische Sturmflut auszuhaltcn, würden die Russen hinter den Derteidigungswerken an der Oder nach Deutschland eindringen.

Französische Nervosität.

Das Oberkommando hat in Versailles durch Maueranschlag bekannt gegeben:

Jeder Deutsche, welcher hinter der Front in Ziviskleidung an­getroffen wird, wird als Spion betrachtet. Wer die Zivilklcidung geliefert hat und wer diese Tatsache kannte, ohne die Militärbehörde zu benachrichtigen, wird als Helfershelfer angesehen. Jeder Deutsche, welcher nicht auf den ersten Anruf stehen bleibt, wird erschossen. Jeder Trupp von mehr als drei bewaffneten Deutschen hinter der Front wird als bei der Verübung von Räubereien betroffen er­achtet, und erschossen. Jede Zivil- und Mlitärpcrson, die dcs Diebstahls auf den Schlachtfeldern überfuhrt ist, wird vor ein Kriegsgericht gestellt.

Hinter der französischen Front nur sie kann gemeint sein haben die Deutschen in Zivilkseidung allerdings nichts zu suchen. Werden aber bewaffnete deutsche Soldaten hinter der französischen Front betroffen, so sind die Franzosen nicht berechtigt, sie einfach niedcrzuschiessen, sofern sie sich gefangen geben. Tun sie es dennoch, so wird gegen die französischen Soldaten, die hinter der deutschen Front augetrossen werden, nach derselben von den Franzosen be­liebten Art verfahren werden. Der französische Erlass ist ein neuer Beweis, dass die Franzosen schuld sind, wenn die Härten des Kriegs noch schlimmer werden, als sie an und sür sich schon sind.

Russland und Persien.

(W. B. Nichtamtlich.) Das st, Konstanttnopel erscheinend« persische Blatt Hover enthalt folgend« Mitteilungen: Persien hat Russland ein« neuerliche Note überreicht, bezüglich welcher noch die Verhandlungen zwischen den berden Regierungen andouern. In­folge der Schritt« Persiens haben di« Russen den Häuptling deS Stonimes Mag», Jkbal-es-Dultane. und dessen Sohn wieder srei- gelossen. Der hervorragend« persisch« General Salah-cs-Douleh ist mit einer Menge Waffen und Munition in der Grenzstadt Hasriischirin eingetroffen, um den Russe» Berlegenltkiten zn be­reiten. Di« persische Regierung hat de» belgischen Generalschatz­meister Mornard und alle anderen in persischen Diensten steheitden Belgier abgelebt und eine Kommijssou zur Prüfung der Rechnungen Moruards gebildet. Amtlichen Nachrichten .zufolge hat brr Kriegs- niiinfter den Provin.chehörden und ollen StannnesobcrhSnpiern befohlen, ein« beträchtliche Streitkraft zu sammeln. Ter Schach bot die schleunig« Wiedereröffnung des Parlaments augeordnet. Er hat eine Lifte aller Beainlen verlangt, die russische Parteigänger sind: diese Beamten wenden wahrscheinlich abgesetzt werben.

Die badische Regierung gegen den Brotwucher.

Das badische Ministerium des Innern teilt mit, daß es iin Hinblick auf das stete Steigen der Getreidepreise und die erneute Erhöhung der Mehlpreise in den letzten Wochen Ver­anlassung genommen hat, beim Rerchsomt des Innern sich dafür auszusprechen, daß unter Führung der Reichsleituna durch die Bundesregierungen Höch st preise für Ge­treide und Mühlenerzeugnisse festgesetzt wer­den. Gleichzeitig sollen die zutreffenden Maßnahmen er­gänzt werden durch Festsetzung von Höchstpreisen für Brote durch die Bezirksbehörden.

Tödlicher Fliegerabsturz.

Posen, 0. Okt. Gestern stürzt« bei Tarnvnntz der erst neuer­dings zu in Leutnant besörderte Pilot Stiefvater und sein Begleii- offizier Kappe aus beträchtlicher Höhe ab. Beide Flieger waren sofort tot. Otto Stiefvater ivar einer der bekanntesten deutschen Flieger, der schon in den erstrn Jahren der deutschen Fliegerei sei,, Pilotenexamen gemacht hatte. Gleich zu Beginn des Krieges stellte sich Sliefoater, der von Geburt Oesterreicher ist. der deutschen Heeresverwaltung zur Verfügung. Er wurde von dieser zu einem Fliegerdetachementach dem Osten beordert. Durch besonders gute Erkundigungsslsige hatte , er sich das Eiserne Kreuz und die Be­förderung zum Leutnant erworben.

8. Darmstadi, 6. Okt. Wertvolle Kriegsbeute. Ein ganzer Eisenbahnzug, etwa 30 Wagen, teil verarbeiteen, teils unver- arbciiete Baumwolle im Wert von über Vi Million Mark, ist vom französischen Kriegsschauplatz hier eingetrofsen. lieber drei- hundertsnnfzlg französische Gefangene sind in der gestrigen Nacht wieder hier eingetrosscn und aus dem Grleshelmer Truppen­übungsplatz unlcrgebracht worden. Bei den Arbeiten ist inicr- essant, zu beobachte», wie der einzige dort befindliche Engländer, ein baumlanger stämmiger Schotiländer, von seinen französischen Bundcskameradcn" behandelt wird. Bei den Erdbewegungs­arbeiten wird er in den Karren gespannt »nd muss die Hauptlast ziehen. In dem jetzigen Völkerringcn ist es umgekehrt: da ist Frankreich an den englischen Karren gespannt worden und muss die Hauptlast ziehen.

Der sozialistische Gedanke im Krieg.

Au zahlreichen Vorschlägen und Maßnahmen kann man jetzt das ungeahnte Vordringen des sozialistischen Ge­dankens verfolgen. Ueberall bewegt man sich jetzt auf Ge­bieten, die man bisher als sozialistisch streng verdammte. Jetzt betritt gar ein bürgerlicher Nationalökonom jene sonst so scheu gemiedenen Gefilde, Prof. Paul Arndt. Er macht in der Frankfurter Zeitung den Vorschlag, auch den gesamten Produktionsprozeß, nicht nur im Handel und Verkehr, unter slaaissozialistische Kontrolle zu stelle». Heute kann der Kom- mandiercnde General, so schreibt er, Geschäfte, in denen Wuchcrprcise verlangt werden, einfach schließen. Warum solle der Staat nicht auch das Recht haben, vorschnell geschlossene Arbeitsstätten, von denen die Existenz von Hunderten ab­hängt, wieder zu eröffnen und wenn nötig, unter seiner Leitung den Betrieb fortzufiihren. Dadurch würde auch der Vergeudung von jetzt besonders wertvollem Nationalver­mögen Einhalt getan. Wenn gütliches Zureden nicht hilft, so brauche man in einer Zeit, wo das Höchste auf dem Spiele steht, vor rücksichtslosem Eingreifen in die Private Bewegungsfreiheit zum Wohle der Ge- srmthcit auf wirtschaftlichem Gebiete ebensowenig zu­rückzuschrecken, wie auf militärischem.Mir scheint", so heißt es weiter,es sollten in allen Mittelpunkten unseres Wirtschaftslebens, besonders also in den größeren Städten, Ausschüsse eingesetzt werden, die aus erfahrenen Vertretern der Industrie, des .Handwerks und der Landwirtschaft be-

stehen, und deren Aufgabe es sein würde, auf eine zweck- mäßige Verwendung der vorhandenen nationalen Kapitalien hinzuwirken und die notwendige Neueinrichtung der Volkswirt schuft in die Wege zu leiten." Oft lehrt die ?!ot eben denken, fozialistisch denken!

BediUMMn

dcr Bolkslürsorqc-KrieMcrsicherunMasse a. G.

8 1. TieVolksfürsorge-Kiiegoversick>«ru,igs4asse o. 8." ge­wöhn den Hinterbliebenen von Angehörigen heg d.-nischen HrcreS und der dorischen Marin« einen Versicherungsanipruch sür de» Fall, dass der Tod des oersichcrten Kriegsteilnehmers während des ini Jahre 1014 ansgebroä>enen Krieges oder innerhalb dreier Monate nach Friedensschluss stifotg« einer wahrend der Kriegsdienstleistung erlittene» Verleg,mg, Verunglückung oder Erkrankung rintritt.

8 2. Tic Mittel zur Befriedigung dieser Ansprüche werde« durch Barciuzahluugen dcr versichernden Personen aufgebracht. Für jeden Kriegsteiliiehiiier können von derVolkssiirsovge-KriegSver- sichernngSkasse a. G." einmalig oder wieder!>ol! Anicil scheine er- ivorl»en iverden, die ans den Namen des Versicherten lauicn und je 5 Mark kosten. Für einen Kriegsteilnehmer dürfen insgesamt nicht mehr als 20 Anteilscheine gelüst iverden.

8 3. Di« Versicherung beginnt mi! der Leistung der tBarcüi- »ahlnngen. sofern di« Todesursache des Versicherten bis zu diesem Augenblick noch nicht emgeireten war. Einlagen, di« nach Eintritt der Todesursache geleistet worden sind, berechtigen zu keinen, An­spruch und iverden zurückerstatlei.

8 4. Die Kriegsslerbesäll« sind der Volksfllrsorge unverzüglich, spätestens jedoch vier Monate nach Friedensschluss airzuzelgen und durch militärbehorbliche Papiere nachzuwe, sen. Spätere Anzeigen baden keine Berechtigung zu einem Anspruch: jedoch sollen iikl>t aus­drücklich a»gemeldete Kriegssierbcsällc, ivelche der Volkssürsovge innerhalb der genannten Frist ans anderem Wege bekannt geivordn» sind, als rechtzeittg angemelbet gelten.

Den Verstorbenen iverden diejenigen Versicherten gleichgestellt, welche vier Monate nach Fttcdensschluss als .Vermisste" in den, onttlicheii Listen ausgeführt iverden. Der Ziachiveis hierfür ist vori den Ansprncherhebcnden zu erbringen.

8 S. Der Stersicheriingsansprnch richtet sich nach der Summe der Gcsamieinzahlungen bei Beendigung des Krieges, nach dcr An. zahl dcr Bcrstorbenen »nd der aus diese gelösten Anteilscheine. Das vorhandene Vermögen wird noch dem Kriege ohne Abzug sür Ber- ivalttmgskosten. aber auch ohne Zinszuschlag im Verhältnis der auf di« Berstorbcncn ausgestellten Anteilschein« ausgeteilt.

Ti« AuSzahlimg erfolgt spätestens sechs Monate nach Friedens­schluss gegen Rückgabe der Anteilschein« an diejenigen Personen, zu deren Gunsten die Versicherung abgeschlossen ivnrbc: von ihnen gilt als empfangsberechtigt, wer sich im Besitze der Anteilscheine befindet.

Abschlagszahlungen können auf Wunsch schon früher geleistet iverden.

Ungültiger Lohuverzichk. Vereinbarungen, denen zu­folge Dienstmädchen des Kriegsausbruchs wegen auf ihren Lohn verzichtet haben, find nichtig. So entschied in diesen Tagen das Berliner Gewerbegericht. Es handelte sich uni die Klage eines Dienstmädchens gegen die Gastwirtin Gaczki. Der Klägerin waren nicht nur 25 Mark vom Julilohn ein- behalten worden für eine zerbrochene Glasschale, deren Wert das Gericht nach eingehender Prüfung auf 3 Mark abschätzte. Es wurde ihr auch von der Beklagten zngemutet, weil der Krieg ansgebrochen war, auf Gehalt zu verzichten und nur gegen freie Station tätig zu fein. In ihrer Unersahrenheit hatte die Klägerin zugestimmt, um nicht sofort völlig brotlos zu werden, denn sie war der ebenfalls irrigen Rainung, daß mit dem Ausbruch der Feindseligkeiten die Dienstverträge hinfällig würden. Der Vorsitzende Gcwerberichter, Rat v. Schulz, wendete sich mit scharfen Worten gegen das Vor­gehen der Beklagten un8 bezeichnete diese Ausbeutung der Angcstelltcnnotlage als einewucherische". Deshalb seien derartige Abreden als nichtig zu betrachten. Die Beklagtes wurde verurteilt, an die Klägerin 39 Mark zu zahlen.

Der diesjährige Verbandst«» der gemrinnüssigen Bauoereine im Grossherzogtum Hesien findet am Sonntag, den 11. Oktober 1014, vormittags 10'/- Uhr, in Gustavsburg bei Mainz im Kaiscr- saal, Tarmstädter Landstraße 183, statt. Der Verbandsvorftand war anfänglich der Meinung, die Tagung müsse des Krieges wegen in diesem Jahre ausfallen. Bon einigen Vcrbandsvereinen ist je­doch angeregt worden, die Tagung abznhaltcn. Es sei gerade wünschenswert, eine Aussprache der führenden Persönlichkeiten darüber herbeizusühren. in welcher Weise die Verwaltung der Bauoereine während der Kriegszeit zu handhaben, und wie bas Verhältnis zu den Mietern bezw. Käufern der Vereinshäuser zu gestalten sei. Ter Verbandsvorstand glaubte, sich dieser Anregung nicht verschließen zu sollen, da auch ihm eine derartige Aussprache ersprießlich erscheint. Demgemäss ist im Einvernehmen mit der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in Gustavsburg, die die Freund­lichkeit hatte, im vorigen Jahre den Berbandstag dorthin einzu­laden, die Versammlung auf obigen Zeitpunkt anberanmt wor­den. Auf der Tagesordnung steht ausser den regelmäßigen 8e- schästsangelegenheiten ein Vortrag des Landeswohnnngsinspeklors Gretzschel-Tarmstadt über das Thema:Die gemeinnützigen Ban- vcreine und der Krieg". Ferner wird Pfarrer Haus-Gustavsburg über die Entwicklung der Gemeinnützigen Bangenossenschast in Gustavsburg sprechen.

Die Aufbewahrnng von Kariosseln und allen Hackfrüchten kann durch einfache Mittel verbessert werden. Sei cs im Freien oder in gedeckten Räumen, so bringt man vorteilhaft zunächst auf den Untergrund eine Lage von 3 bis 4 cm grobe Asche, daraus legt man die Hackfrüchte (möglichst in trockenem Wetter geerntet) in Schichten von 3050 cm und streut zwischen jede Lage pulveri­sierten Schwefel. Durch dieses Verfahren kommen die Früchte nicht direkt mit dem Boden in Berührung, es kann Lust darunter hin- durch und der Schwefel unterdrückt die Fäulnis. Selbst stark mit angesaulien versetzte Kartossein lassen sich auf diese Weise gut durch den Winter bringen. Die gesunden bleiben gesund. sAus der Deutschen Obstbauzeiiung. Vereinsschrist des Deutschen Pomo- logen-Vereins in Eisenach).

Höchstpreise für den Großhandel. In einem Schreiben an den Regierungspräsiöenten führt« d«r Frank­furt e r M a g i st ra t aus, er habe bisher von der Fcstietziiiig von Höchstpreisen Abstand genomnien. weil es durch Verhandlungen mtt den Kleinhändlern, insbesondere den grossen Koloniolivaren- handlungen, erreicht iverden konnte, daß die Kleinhandelspreise i» einem angeincssene» Verhältnisse zu den Großhandelspreisen blieben. Gleich« Verhandlungen mit ben Mühlenbesitzern sind aber gänzlich erfolglos geblieben. Wir haben zur,zeit, so heisst es stk dem Schreiben, wieder die höchsten Preise sür Weizen- und Roggen­mehl seit der MobAmachung. eine Erhöhung dcr Brotprcis« für Frankfurt hat bereits stattgesunden und es ist «ine weitere Erlröhung zu befürchte,,. Trotz der Schwierigkeiten, di« dir Festsetzung von Großhandelspreisen macht, glauben wir, da di« Androhung von Höchstpreise» mehr fach und dringend erfolgt, aber wirkungslos ge­blieben ist, dass nunmehr die Notwendigkeit vorliegt, dass der Minister Höchstpreise für den Großhandel mtt Getreide, Mehl und Kartoffeln alsbald festsetzt. Es wird schwer sein, die Höchstpreise auf Grund einzelner Kalkulationen scsttusetzen: man wird viestnehr aus Schätzungen angewiesen sein. Tüm Produzenten wird jeden falls krsti Unrecht geschehen, wenn die