reckitigkeit läßt das Blatt der Abwehr des Vorwurfs der Barbarei widerfahren. Tie Erfahrung aller Kriege lehre, daß solche Vorwürfe gegenseitig erhoben werden. Daraus müsse ein neutrales Urteil schließen, daß die angeblichen Grausamkeiten entweder vereinzelt Vorkommen, oder daß Jrrtümer oder militärische Notwendigkeiten vorliegen. Jedenfalls sei cs nicht anzunehmcn. daß die hochkultivierte deutsche Nation wissentlich und böswillig massakriere und verwüste. Der deutsche Protest sei deshalb gerechtfertigt, umsomehr als anzucrkcnnen sei, daß die deutsche militärisch? Abwehr zur Verteidigung gegen Jahrhunderte lange feindliche Uebcrfälle erfolge. (Franks. Ztg.)
England und die schwedische <?Ht^auss»»hr.
Ehristiania, S. Okt. (Ctr. Frkft.) Aus Stockholm wird von gestern telegraphiert: Der Minister des Aeußcrn hat von dem
hiesigen britischen Gesandte» die Mitteilung erhalten, daß die britische Liste über Kricgskontcrbandc einer Revision unterworfen wird, wodurch der schwedische Export von magnestschcm Eisenerz, also praktisch gesprochen, der gesamte schwedische Eisenerz- Export bis aus weiteres fortgesetzt werden kann, ohne von britischer Seite auf Hinderniffe zu stohen.
(^ttqlisch-ipanischcs Kabel zerschnitten.
Kopenhagen, 5. Okt. sEtr. Frist.> Politiken zufolge meldet der Pariser Temps, dah das Kabel Bilbao—Longo» durchschnitten worden ist. Es sind dadurch außerordentliche Störunge n in der Verbindung zwischen Spanien und England hcrvor- gcrufen worden.
Die Minensperre.
Amsterdam, 5. Okt. lCtr. Bln.s Ter niederländische Dampfer „Rieuwland", mit Kohlen von Kovle nach Harlingen, ist dreißig Seemeilen von der englischen Humbcrmiindung auf eine Mine gestoßen und gesunken. Bon der Bemannung wurden 17 Personen gerettet.
Poincart>s Reise ins Hauptquartier.
Bordeaux, 5. Okt. Präsident Poincars ist mit den Ministern Millcrand und Viviani zum Besuche der Armee ins Hauptquartier abgereist.
Ausweis,»nq der Deutschen aus bochiuchina.
Amsterdam, 6. Okt. Ti« Deutschen sind aus Saigon, der Hauptstadt von Französisch-Cochinchina. ausgcwiesen worden und haben auf Java freundliche Aufnahme gefunden.
Moyez bons avec len animaux!
Das berliner 8 Uhr-Abendblatt gibt folgende Schilderung vonwcm großen Schlachtfeld in Frankreich wieder, die der bekannte italienische Journalist Diego Angeli im Giornale d'Jtalia entwirft:
„Die Spuren der Schlacht sind in B . . . ganz schrecklich. Das kleine, inmitten der Felder verlorne Torf ist von den Ar- tilleriegcschvsien durchlöchert. Die Schlacht muß um jedes Haus, auf jedem Wege gewütet haben. Ter Kirchturm ist zerstört, die Glocke liegt unten zerbrochen. Die Häuser sind dem Erdboden gleich gemacht. Dreimal wurde das Tors von de» Deutschen verlassen und dreimal wurde es wieder von ihnen erobert. Mau kämpft in jedem Haus, in jedem Hof, in jedem Dinkel. Mau sieht aufgcschlißte Wände, verbrannt, von Granaten zerstört. Der Saal, wo früher einmal die Schule war — auf der Tafel steht noch geschrieben „Soyez bons avec les animaux" — muß der Schauplatz eines verzweifelten Kampfes gewesen sein, die Wände sind mit Blut befleckt, jede Bank diente als Itzte Barrikade. der Fußboden ist mit allerlei Brocken besät. Das ganze Dorf ist eine große Ruine."
Ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele tut sich auf. In der Schule lehrt man die Kinder „Soyez bons avec les hommes!" („Seid gut zu den TierenI") Und angesichts dieser Mahnung, die einen Glanz von Liebe und Güte ausstrahlt, tobt der grausame unerbittliche Kampf von Mann zu Mann. Wann kommt die Zeit, da man als ewig unzerstör- bare, immer gültige Lehre auf olle Schultafeln der Welt die Worte schreiben wird: „Soyez bons avec les hommes!" („Seid gut mit den Mensch e n!")
Für und qcgn de»» Cl»a»»vi»»ism»»s tu de» ennlischen Arbtiterorqanisation.
Aus Holland ivirb uns geschrieben:
In welchem Maße einzelne Parlamentsmitglieder der englischen Arbcitcrparci sich in der Rckrutierungskampagne für die Armcc engagierten, geht aus Berichten hervor, die wir im Tailn Citizen finden. So sagte Charles D u n c a n z. B. auf einem Meeting in Willesdcn, es wäre nicht die Schuld des deutschen Kaisers, wenn die Zerstörungen, die in Belgien vorgekommc», nicht auch in England wiederholt würden. Auf jeden getöteten Soldaten
Asraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 79
Helgestad machte keine andere Bewegung, als daß er sich cm neues Glas einschenkte. „Meine dennoch," sprach ei dann, „daß er sein Bestes tun wird. Ist ein kalter, klarer Kops, weiß, was hinten und was vorn ist, weiß, daß mein Finger ihn zerdrücken kann, und wenn er es nicht weiß, daß das Mädchen sich schicken muß, so weiß sie es. Sie kann nicht zurück zu dem alten Fondrem. mag auch nicht. Liegt abgetan, was vergangen ist, liegt unten tief in der See von Staaten- land, was sie ihr Herz nannte, und ist ihr jetzt alles einerlei, ob dieser oder jener, ob Björnarne oder Olaf, kalkuliere, ioird keine Uinstände machen."
„Ist eine hübsche Sache, ein Weib ohne Herz," lachte de: Vogt, „Weiber haben immer viel davon. Hast sie auf alle Zeit kuriert, Niels, in der Nacht bei Silben. Bist doch gewiß, daß der dänische Räuber und seine Genossen nicht davon- gekommen sind?"
„Bin's gewiß," murmelte Hclgestad. „Sind nackte Klippen viel hundert Fuß hoch, kann keines Menschen Fuß daran hasten. Höre noch den Krach, wie das Boot brach, höre den Schrei, Paulsen, ist sonderbar, manchmal noch in meinen Ohren, wenn ich daran denke."
„Fürchtest dich davor. Mann?" fragte der Vogt spottend.
Helgestad blickte finster auf.
„Kein Gesetz kann dir einen Finger krümmen," fuhr Paulsen fort. „Hast in Nacht und Nebel Räuber auf deine, Jocht gefunden und hast sie von deinem Deck geworfen. Ist aber freilich besser, wenn nicht davon gesprochen wird."
„Weiß es keiner als du und Helge, mein Steuermann, der schweigt still."
„So laß es geschehen sein," sagte der Vogt. „Muß aber -.ein froher Morgen dich angeweht haben nach jener Nacht, als » zum ersten Male wieder vor dem Mädchen standest."
seien in Belgien drei schrecklich und brulol ermordete Zivilisten gekommen. England sei stolz daraus, mit Frankreich in diesem großen Ringcn verbunden zu sein.
Dill Erooks sagte in einer großen Versammlung in Brighton, das britische Reich sei wie eine Familie, die innerhalb des Hauses im Streit liege, aber wenn der Feind vor der Türe stehe, sich gegen ihn zusammenschließe Wenn im inneren England etwas schlecht gehe, so sei das der eigene Fehler der Engländer, die eine sich selber regierende Nation bilden. Sollen zukünftige englische Generationen eine Negierung von Blut und Eise» haben? fragte er, und als die Versammlung „nein" schrie, fuhr er fort: „Also, zeichnet Eure Namen für die neue Armee. Der Militarismus soll für immer gebrochen werden. Wen» unsere Jungen nach Berlin gehen — und das ist der richtige Weg — , werben wir dem Kaiser jagen: „Hier sind unsere Bedingungen, Sie können sie akzeptieren oder abweisc», aber wir habe» noch einige Jungen mehr z» Hause."
James Parker, der in St. Austall eine Rebe hielt, sagte, Deutschland sei verantwortlich für den Krieg, während England alles tat, ihn zu vermeide». Nach seiner Meinung hätte Deutschland schon während des Balkankriegs England angegriffen, wenn es damals fertig gewesen wäre.
Man sieht, diele Mitglieder der Arbeiterpartei lassen es an Demagogie nicht fehlen.
Aber solche Redensarten werden nicht in der ganzen Partei gebilligt. Die Redaktion der Daily Citizen z. B. führt in, allgemeinen eine ruhige und besonnene Sprache. Sie brachte vor einigen Tagen einen Aufsatz, in welchem sie ihr Einverständnis mit der Haltung des Vorwärts ausdrückte und dessen Haltung als beste Bürgschaft für die Wiederherstellung der Internationale nannte.
Auch der Labour Leader, das Wochenblatt der Unabhängigen Arbeiterpartei, hält sich tapfer. Dem Geschrei der bürgerlichen Presse Englands über die dcutschcn Kriegsgreuel in Belgien und Frankreich stellt er die Erinnerung an die englischen Greuel im Burenkrieg ocgennüber »nd fragt: „Sollten wir den ersten Stein werfen?" Ein anderer Aufsatz befaßt sich in längeren Ausfiih- rmiaen mit der „unveränderten Tyrannei" des russischen Bundesgenossen und fordert ein Zusammengehen mit den Sozialisten neutraler Staaten „zur Beratung was zu tun, damit der vollständige Untergang der Freiheit in Rußland und in aanz Ost-Europa verhindert werde, wenn dieser Krieg vorüber ist".
Kurz, ein großer Teil der englischen Arbeiterbewegung läßt sich vom Chauvinismus nicht blenden.
Rcichstaqsabqeordncte im Feld.
Die Franks. Ztg. schreibt: Wir gaben eine Ziisammen- stellung der preußischen Abgeordneten, die jetzt im Heer Dienst tun. Auch von den Reichstagsabgeordneten ist ein erheblicher Teil im Heer tätig. Nach einer Zusammenstellung der Oktav-Korrespondenz stehen etwa 65 Reichstagsabgeordnete unter den Waffen, zum Teil bei dem Feldheer als Kriegs- trciwilligc, als Reservisten und Landwehrmänner zum Teil oei den Etappenlinien und Landsturmbataillonen. Tic Liste ist nickt vollständig, weil eine Anzahl von Abgeordneten noch ans ihre Einziehung zum Landsturm wartet. Tic Sozialdemokratie als stärkste Partei ist auch im Kriege mit etwa 25 Mitgliedern am stärksten vertreten. Von den Herren d-^ Rechten stehen acht als Offiziere unter den Waffen. Das Zentrum entsandte fünf Abgeordnete. Tie Nationalliberalen stellten eine stattliche Zahl. Auch die Fortschrittliche Volks- vartei sieht viele Mitglieder für Deutschlands Ehre und Freiheit streiten, nämlich den Freiburger Professor v. Schulze- Gävernitz als Kriegsfreiwilligen, außerdem die Abgeordneten Ncumann-Hoser, Sichr mit vier Brüdern, Hähnle, Gunßer, Bruckhofs, Tr. Blnnck. Röter. Tr. Haas, Struve. Der Ab- geordnete Fegter stellt fünf Söhne.
Gegen ss'oststeit «nd Geschmacklost,keit.
Das bayerische Kriegsanmisterimn macht jetzt ofsizicll gegen das »eberhandnehmen der geschmacklosen und rohen KriegS-Ansichts- nnd Witzkarten energisch Front und hat angeordnet, daß fortan alle Kriegskarten dein Kriegsministerium zur Prüfung vorgelegt werden müssen. Ferner wurde besohlen, daß alle anstößigen und geschmacklosen Druckerzeugnisse dieser Art unverzüglich ans den Auslagen zu entfernen seien. — Hoffentlich folgt die preußische Militärverwaltung diesem Beispiel, denn was z. B. in Berlin an Kriegs-Ansichtskarten angeboten wird, ist meist direkt standalös,
Ka ,» Deutschla d ansgehnngert werden?
Tiefe Frage erörtert eingehend Prof. Tr. Wohltmann, der Leiter des Landwirtschaftlichen Instituts der Universität Halle, in der Zeitschrift Das größere Deutschland. Wohlt- mann komint in seinen Betrachtungen zu dem Ergebnis, daß keinerlei Besorgnis »m die Ernährung des deutschen Volkes bis zum Termin der nächsten Ernte nötig ist.
Die Dorlolienskastenscheine.
Nach dem Tarlehrnskassengesctz vom 4. August wird der Ge-
„Habe sic drei Tage lang nicht gesehen," antwortete Helgcstad. „Lag in ihrer Kammer wie eine Tote, kam niemand zu ihr als er, der ihr Helfer gewesen war."
„Und dann?" fragte Paulsen behaglich.
„Dann kam sie, »nd ich gab ihr die Hand, Es war keine Rede von jener Nacht zwischen »ns und soll nie davon gesprochen werden."
„Hast es nicht versucht?"
„Will's nicht versuchen," erwiderte Hclgestad. „Sah, daß der Jammer an ihrem Leben zehrte; tat alles, was ich konnte, um ihr zu zeigen, daß ich's gut machen wollte."
Ter Vogt schnitt ein höhnisches Gesicht. „Bist ein vortrefflicher Vater, Niels," ries er. „Hast ein mildes, versöhn- liches Gemüt. Ich könnte es nicht so leicht verwinden, wenn meinem Sohn die Braut davonlaufen wollte. Aber ich begreife, alter Pfiffikus, cs handelt sich nicht »m die Tirne, cs handelt sich um die Verbindung, »m Fandrem, um die reiche Erbschaft. Würde es aber dem dänischen Scheint nimmer vergeben, daß er dazu mithelsen wollte."
„Wird seine Stunde kommen," murmelte Hclgestad.
„Denke wohl! Und wird eine gute Stunde sein. Mach' nicht zu lange damit, halte dich nicht ans, hast ihn jetzt schon in der Hand. Auch Paul meint, je eher je lieber solle der Faden reißen, ehe er sich anhcsten kann,"
Hclgestad erwiderte nichts, denn eben sah er Marstrand kommen, der Hanna Fandrem an der Hand führte. Er stieß einen langen knurrenden Gurgelton ans und deutete mit der Spitze seiner Pfeife ans die Nahenden.
„Ich will Euch selbst Antwort bringen." sagte Hanna als sie vor ihm stand. „Herr Marstrand hat mir Euren - »nsch eröffnet. Vetter, und cs bedurfte keiner langen ttcber- rcdung. Wenn es Euch Freude gewährt, mich heut schon als Eures Sohnes Braut zu erklären, wenn ich dadurch zu Eurem Glück beitragen kann, und wenn Björnarne mich bitten will, wie cs sich gezieint, so will ich mich fügen, da ich weiß, daß ich es muß."
samtbetrag der auszugebenden Darlehnskassenscheine mit 1500 Ml. liontn begrenzt, doch wurde der BundcSrat zu einer Erhöhung bts Betrages crniächllgt. Davon hat der Bundesrat nun Gebrauch gemacht, indem er de» Betrag aus 3060 MiUionen erhöht hat.
Janrds letzier Wille.
Tic Hunianits veröffentlicht einen Artikel Jaurds, der unter seinen hintcrlossenen Papieren gefunden wurde. Ter Artikel, der Ende Juli geschrieben wurde, enthält einen Auf- ruf an die französische Nation, den europäischen Frieden zu bewahren, um dem Wcltdrama zu entgehen.
Krieq nnd Geisteskrankheiten.
Daß der Krieg eine ungeheuere Vermehrung der Krankheiten mit sich bringe» wird, unteriicgl {einem Zweifel. Strapazen und Entbehrungen, Nässe und Kälte werden auch unter denjenigen, die nicht von einem feindlichen Geschoß getroffen werden, manche Opfer fordern. Vor allem werden bei Leuten schwüchiicker Konstitution schlummernde Krankheitskeime geweckt und zur Entwicklung gebracht werden.
Aber nicht nur an die körperliche, auch an die geistige Gesundheit stellt der Krieg unerhörte Anforderungen. Wenn der Mangel an Schias und Ruhe, die starken körperlichen Anstrengungen einerseits, Singst und Schrecken und der Anblick all der surchtbarc» Greuel, die nun einmal nntrennbar mit dem Kriege verbunden sind, andererseits schon auf normale Nerve» ini höchsten Grade verwirrend und aufreizend wirken müssen, so wird ein bereits im labilen Gleichgewicht befindliches Ncrvcnsystcnl durch sie ohne weiteres zum Zusammenbruch getrieben werden. Hat sich doch im Kriege 1870/71, sowie während des Burcnkriegcs gezeigt, daß die Zahl der Geisteskranken, die in normalen Zeiten 0,3 pro Tausend der Bevölkerung beträgt, aus 5,0 pro Tausend, also aus das 17sache stieg. Auch aus dem jetzigen Kriege sind schon einzelne Fülle plöb- jich ausbrcchcnder Geisteskrankheit bekaunt gcivorde». So der eines Soldaten, der eines Tages ohne jeden Grund ansing, aus einer Kirche heraus auf seine Kameraden zn schießen, oder der jenes Soldaten, der ganz uncrwarict daheim bei seiner Frau anklopfte und als diese, erfreut über die schnelle Heimkehr ihm öffnete, das Gewehr auf sie anlegte »nd sie niederschoß. Von einem Vize» selüwebel wurde berichtet, daß er mehrfach dienstliche Befehle nicht befolgte und schließlich vor der Front seinen Truppenteil verließ. Vor dem Kriegsgericht machte» seine Angehörigen darauf aufmerksam, daß der Mann Paralytiker sei, was ihm den Kopf rettete. Ein anderer hatte, heimlich die Truppe verlassen und es war ihm gelungen, in voller feldmarschmäßiger Ausrüstung sich auf die Bahn zu setzen und nach Hause zu fahren. Seine Frau, die seinen Zustand erkannte, brachte ihn sofort in ein Lazarett und verhinderte so feine kriegsgerichtliche Aburteilung.
In der Deutschen medizinischen Wochenschrift beschäftigt sich K. Bonhösfer eingehend mit den Gefahren, die aus dem Ausbruch geistiger Störungen im Kriege sowohl sür die Betresfenden selbst, als auch sür de» disziplinären Organismus des Heeres entstehen können und erwägt die Mittel zur Abhilfe. Gewisse Störungen des geistigen Gleichgewichts der Völker zeigten sich schön zu Beginn des Krieges, wo sie teilweise als eine Art Massenpsychose auftraten. Bonhösfer erinnert an die Spionensurcht und die Spioncnheve», die in den ersten Tagen der Mobilmachung in allen triegsfllhrenden Ländern ansbrachcn. z. T. mit genau den gleichen Symptonien saii» gebliche Brunnenvergisinna ufro.) und denen manch unschuldiger Ausländer zum Opfer gefallen ist.
Im Kriege selbst äußern sich die verschiedenen angeborenen psychopathischen sgcistia krankhaften) Zustände und die Abstufungen der geistige» Defekte in sehr verschiedener Weise. Manche bekommen hysterische Zufälle. Ohnmächten, funktionelle Krämpfe, aus- gelöst z. B. durch de» Anblick eines Verwundctcntransportcs. Andere bekommen Anqstznständc, hysterisches Erbrechen, Schlaslosig- kcit, krankhafte Abneigungen aller Art. Am gefährlichsten sind di« auf dem Boden epileptischer Anlagen und leichter Erregbarkeit erwachsenden Vcrslinimunge» »nd Dämmerzustände, in denen oft unkontrollierte Handlungen schwerwiegendster Art begangen werden. Selbstverständlich nimmt auch bei sonst ganz gesunden Personen die Neigung zu Affekt- und Jmpulshandlungcn zu. Die fürchterlichen Vorkommnisse — Verstümmelungen Verwundeter, Schändung von Frauen und Kindern — die von Leuten begangen werden, die sonst zn Hause autmiitiae harmlose Geselle» waren, sind vielleicht aus diese Weise zu erklären, als Ausbrllchc eines vorübergehenden Irreseins. Manche gcistia schwache Konstitutionen fallen auch unter dem Eindruck all des Fürchterlichen, das sic sehen niiissen, in einen Zu- stand der Depression, in dem sie unter allen möglichen Sinnestäuschungen leiben. Sie hören ununterbrochen den Donner der Kanone», das Platzen der Gelchosse, Ne alauben faulende Leichen zu riechen usw. Bei anderen äußert sich die Erschütterung in einer lieberempfindlichkeit gegen alle Sinncseinbrücke, insbesondere Geräusche Sie befinden sicki in einem sortwährendcn Zittern und haben dle seltsamsten Angst,zustände.
EhronischeAlkoholiker sind ja unter de» jüngeren Mannschaften jetzt glücklicherweise itltencr. Dagegen wurden bei der Landwehr einige Fälle von Delirium tremens beobachtet. Eine besondere Kateaorie stellen die Paralntiker. Das Schreckliche dabei ist, baß der Ausbruch dieser cntscülichcn Folgekrankheit der SnphiliS er- sahrnngsaemäß durch den Krieg beschleunigt wird. Während sonst 12—20 Jahre von der ersten Ansteckung bis zum tertiären Stadium
„Willst es tun, Herzensmädchen?" ries Helgestad, „willst in Oerenäesgaard einziehen als meine Tochter? — Ruft Bjöornarne her, aus seinen Knieen soll er deine Hände küssen. Rust ihn her und den alten Klaus dazu. Ruft alle her, die da sind, Jlda und Paul. Soll eine Hochzeit werden ain Lsingensjord, von der in jeder Hütte in Finnmarken nach sünszig Jahren noch erzählt wird."
Hclgestad hatte sich in eine Aufregung versetzt, die so selten bei ihm war, daß der Vogt ihn vewundert beobachtete, weil er nicht wußte, was ivahr und was falsch daran sei. — Viele, die in der Nähe waren, traten inzwischen näher, und das Aufsehen war nicht gering, als sie die Ursache der lauten Freude ihres reichen 'Nachbarn erfuhren. Glückwünsche kanicn von allen Seiten, und jetzt führten ein paar jung? Leute auch Björnarne herbei, der mit der Schützcngesellschaft nach der Scheibe schoß und noch die Büchse in der Hand hielt, als seine lustigen Freunde ihn fortschlcpptcn, ohne ihm zu cutdccken, um was es sich handle.
„Konmi her, Björnarne," rief sein Vater ihm entgegen, „wirf die Flinte fort, gibt ein ander Wild hier, das auf dich wartet. Sollst cs mitten ins Herz schießen ohne Pulver und Blei. Kalkuliere, verstehst die Kunst. Sieh hier, da steht Hanna, hat nichts dagegen, wenn du init ihr zu Klaus Horne- mann gehst. Nuhl du Narr, bist zu Stein geworden vor Jubel? Faß sie an, ist von Fleisch und Bein, fall nieder, sie wird dich aufheben."
Helgcstad hatte nicht unrecht, wenn er seinen Sohn mit einem Stein verglich-, die Ueberraschnng schien Björnarne gelähmt zu haben. Einige Minuten lang war er bleich, dann wurde sein ganzer Kopf dnnkelrot, er ließ die Büchse aus de: Hand sinken und seine Augen flogen scheu uniher: doch die väterliche Gewalt siegte schnell über seine widerstrebenden Gefühle, und bei den letzten Worten Helgestads machte er wirklich eine Bewegung, als wolle er sein Knie beugen.
(Fortsetzung folgt.)


