Ausgabe 
7.10.1914
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargebicte.

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Nr. 232

Gicßcii, Mittwoch, Den 7 . Oktober 11 H 4

( J. ^litzrgang

DerolganifierteDeutscheuhaßnud die Arbeiterschaft.

Ein hervorragendes Merkmal dieses Krieges ist die völlige Isolierung Deutschlands. Solange cs stark und mächtig dastand, hatte es allenthalben gute Freunde, die stets zu einem Freund­schaftsdienste, an dem etwas zu verdienen war, bereit standen. Das ist gründlich anders geworden, seit die Möglichkeit vorhanden scheint, diesesLand des hochentwickelte» Militarismus" niederzu- ringen. Jetzt plötzlich osscnbart sich, daß mit zahlenmäßig unbe­deutenden Ausnahmen die ganze Welt, Wissenschaft, Industrie, Handel und auch die Arbeiterschaft, sich gegen Deutschland wendet und dessen Niederlage, die zugleich der Todesstoß sllr den Militaris­mus überhaupt sein werde (!), schnlichst herbciwiinscht. Inwie­weit die osfizielle Diplomatie und Auslandspolitik des Deutschen Reiches seine wirtschaftliche Expansion und im Zusammenhänge da­mit Konkurrenzneid und Mißgunst in den rivalisierende» Ländern an diesem starken Vorurteile gegen alles Deutsche schuldig oder mit­schuldig sind, das wird zu gelegenerer Zeit zu untersuchen sein.

Die Presse, die üfsentliche Meinung, spielen im modernen Kriegen eine ungeheure Rolle. Dazu gehört nicht zu aller­letzt auch die Arbeiterpresse, besonders in den sozialden,okratischen Ländern. <Vor Ausbruch des Krieges waren in zirka 30 Ländern säst 2000 Arbeiterzeitungen bekannt!I Und man mutz gestehen, daß cs den Mächten des Dreiverbandes außerordentlich gut gelungen ist, auch einen beträchtlichen Teil der Presse der Arbeiterbewegung in ihren Dienst zu bringen. Mit dem Eintritt des Krigeszustandes wurde sofort jeder Postvcrkehr mehr oder weniger unterbunden. Tie Engländer durchschnitten obendrein die deutschen Kabel, sodaß Nachrichten aus Deutschland in die überseeischen Länder säst nur noch uutcr englischer Kontrolle gelangen konnten. Sofort traten, besonders von Paris und London aus, offizielle und nichtofsizielle Nachrichtenbureaus in Tätigkeit, um snitcmatisch die seit langem von interessscrten Stellen vorbereitete Abneigung gegen die Deut­schen zu rötlichem Haß zu steigern. Die unglaublichsten Tartaren- nachrichtcn wurden zu diesem Zwecke in die Welt gesetzt und säst überall gläubig nachgebctet.

Besondere Sorgfalt verwandte man darauf, die Arbeiterbe­wegung und die mit ihr sumpathisterenden Kreise gegen Deutsch­land einzunehmen. Auch das ist in einem solchen Maße gelungen, daß säst die gesamte Arbeiterpresse des Auslandes der Krieg aus­schließlich als derAngriff des Militarismus aus die englischen Demokratien, aus die Freiheit der Völker" betrachtet, dabei R u ß - land geflissentlich außer Acht lassend. Das Urteil der Arbeiter Presse des gesamten Auslandes richtet sich neuerdings nicht nur gegen das osfizielle Deutschland gegen dessen regierende Kreise, son­dern auch gegen die deutsche Arbeitcrbeivegung wegen ihrer Haltung seit Beginn des Krieges.

Wie immer man sich zu diesem Urteil stellen mag, so ist nicht ppne Wert sllr die Zukunft, zu untersuchen, >vie cs möglich war, da« die Genossen des Auslandes, ohne genauere Einzelheiten aus -ecutuhland abzuwartcn, zu ihren schroffen Ansichten so schnell kom- sps« und daran bislang sesthalten konnten. Denn für den Augen­blick hat dieser Umstand u. a. schon, wie von allen Seiten bedauernd hervorgehoben wird, zumUntergange der Internationale" geführt.

. Reigen erössnete der deutsche sozialdenivkratischc Lcscklub

V>mS. der am Abend des 1. August, also nach der Mobilmachung, P'UP Resolution au die Pariser Presse versandte, durch die das Vor­gehen Deutschlands verurteilt und die Franzosen ausgcfordcrt wurden, nach Berlin zu marschieren, um die deutsche Monarchie zu stürzen.

0* schon von jeher das Schicksal vieler Deutschen, die sich lm Auslande nicderlicßen, gewesen, ort zugleich die Nolle desaus­wärtigen Vertreters der deutschen Arbeiterbewegung" z» über­nehmen, nicht immer sschnd dieser Bewegung zur Ehre. Sic möch- Epu bft ..päpstliche als der Papst" sein und staben dabei das Glück, daß ihr Auftreten, ihr? Aeiißerungen stets Anklang finden nur mint immer bei der Arbeiterschaft ihre Adoptivlandcs. Bei wich Ugcn Ereignissen von internationaler Bedeutung dars daher ihre Stimme »cht fehlen, die natürlich in jener OeffcntUchkcii etwas gilt, die sse als eine Aeußcrung der bona licke Vertreter der deut­schen Arbeiterschaft ansseht und verwertet.

Von Mitgliedern dieses Lcscklubs wird jetzt versichert, daß an dem fraglichen Tamstaa iusolge der großen Erregung lind weil die meisten Mitglieder schon abgercist oder im Bcgrisse abziirciien waren, keine Versammlung mehr zustande kam. Die obige Reso- lution könne daher nur von einzelnen Mitgliedern ausgehen.

(Schluß folgt.)

Die Türkei zum .Urie^e bereit!

, Der Nieuwe Rottevdamsche Courant veröffentlicht einen Bries tettteo Korrespondenten aus Konstantinopel, der allerdings schon vor emer oder zwei Wochen geschrieben worden ist, aber gerade heute ^ Interesse beansprucht, weil er die Ansichten d:r leitende» Fittichen Kreise wicdergibt. Es hatten damals durch Vermittlung ü ns i» Bukarest Verhandlungcn zwischen der Türkei und Q.l^chp«s<nid über die Jnselfrag« stattgesmideii. Die bulgarische ! ^^spng sekundierte dabei der türkischen. Rumänien selber vcr- diese Verhandlungen in di« Wege leitete, den Stand- nfv L .k CT Friede von Bukarest sich nicht ausrrcht erhalten lasse, ! D ' rth: auch zugunsten einer sreiwilligen Aenderung aus -i« m *" Tie Griechen schlugen zwar Verstandluiige» nicht Re <(&er durch allerlei Winkelzüge illusorisch. Talaai ^ ".Tappst alz Unterhändler nach Bukarest gegangen. Als aber I >?<n-.o^Ea>eii di« Verhandlungen in die Länge zogen, konnte er nicht I Konstantinopel abwesend bleiben (der Korrespondent

I sn,,- * Ä , 6fn Hivilen Diktator der Türkei und meint, seine I das allzu schroffe Auftreten seines Mildiktotors E n v e r

I vaicha zu mäßigen), und so überließ er die weiteren Verhalt di ungen atil Be» und dein türkischen Gesandten in Bukarest Der Korrespondeiit hat ram Talaai Bey sogleich nach seiner

Der Krieg.

Rückkehr gesprochen, und ivaö er als das Resultat dieser Verl>aiid- Innq mitteilt, ist bedeutsam genug. Zmiüchst wird die Türkei, solange es einigermaßen möglich ist, neutral bleiben, aber sich bereit machen, um einzngrcisen oder ihre Wünsche anzu- iiielden. Trotz dieser Neutralität macht inan kein Geheimnis daraus, daß ein Sieg des Dreiverbandes von der Türkei gleichbedeutend mir der Auslösung des eigenen Staates betrachtet würde: denn Ruß­land würde Konstantinopcl besetzen mid Armenien selbst­ständig machen <?), England Arabien wie Aegnpten unter seine Vormundschaft nehmen und das Koliiat nach Mekka übertragen, und Frankreich würde Syrien tuniftzieren. Beim Siege Deutsch­lands und Oesterreich-Ungarns kann die Türkei nur gewinnen. Dann werde sogleich die Neueiiiteilung der Balkaiihaibinsei auch gegen den Willen Griechenlands und Serbiens vorgenommcn werden, die ägyptische Frag« werde im Sinne der Pforte entschieden und ebenso die Jiiselsraqe, etwa durch Bildung einer ägäischen Republik iiach dein Vorbild der ehemaligen jonischen Republik. Aber Talaat Bcy geht noch welter. Tic Tieg« Deutschlands »ud Oesterreich- Ungarns staben in der Türkei die größte» Sympatstieu sür die Zcntrasmächtc geweckt und eine völlige Geringschätzung des Dreiver- bandes zur Folge gehabt. Man fürchtet einen möglichen Krieg mit Rußland nicht mehr und ebensowenig einen mit England. Tie Engländer suhlen sich daher nicht mehr be­haglich, auch nicht die Offiziere der englischen Marine-Mission, die wogen osfenbar vorsätzlicher und systematischer Vernach­lässigung des Materials und der Instruktion des Per­sonals" entlassen worden sind, und verlassen einer nach dcni aiideren die Stadt. (Tie sind inzwischen nach Sewastopol abge- gangen. D. Red.) Auch di« Franzosen sind (trotz der trabitio- »essen Bewunderung der Levantiner sür alles Französische) völlig abgetan. Tie Regierung ist für den Fall eines Konfliktes mit dem Treiveri>and fest entschlossen. all« llntertaneii dieser Mächte auszuwcisen, auch die französischen Priester und Nonnen, und alle IiistiinItonen unter ihrer Flagge zu schließen, und damit wäre das Werk der sranzösischen Propaganda »nd der französische Einfluß für immer vernichtet.

Des Zusammengehens mit Bulgarien ist man voll­kommen sicher und sicher auch, daß in Rumänien niemand mehr etwas von Rußland erwartet oder hofft, und ebenso gewiß glaubt man der dauernden Neutralität Italiens zu sein, und so »lacht man sich auch über die Obstruktion der Griechen bei den Verhandlungen in Bukarest kein« Sorgen. Wenn sse nicht freiwillig borg eben, was sie sich im vorigen Jahre zu viel zugeeignet haben, wird es ihnen einfach abgcnommen iverden. Auch dafür wird alles, sa ist alles vorbereitet. Noch nie hat man in der Türkei eine Mobilisierung so gusgesührt wie diese. Alle Ltto- nianen, gleichviel von ivclcher Konfesston, vom 20. bi? zum 48. Jahre sind mobilisiert oder zum Heeresdienst verwendet. Alle Transport­mittel, Last- und Reittiere, Velocipcde requiriert. Ueberall Leute in llniform. überall Patrouillen und Wachtposten. Bosporus und Dardanellen sind so d i ch t m i t M i n e n gesperrt wie noch nie. Alles ist zu ni Kriege vorbereitet, und die Türken sehen ihm mit Selb st vertrauen entgegen. (Frkf. Z.)

Wan» ist der Krieg zu Ende?

(\V. B. Nichtamtlich.) Ein militärischer Mitarbeiter der Times schreibt in einer Uebcrsicht über die Lage auf dem Kriegsschauplatz: Selbst wenn es den Verbündeten gelingt, die Deutschen zurückzutreiben und den Russen, ans dem öst­lichen Kriegsschauplatz einen entscheidenden Sieg zu ge­winnen, - sind noch ungeheure Schwierigkeiten zu liberwindcn, die große Opfer kosten werden. Deutschland steht nach wie vor einig da, seine Hilfsquellen sind rcicki, seine militärischen Kräfte in der Hauptsache ungeschwücht und seine Arsenale und Wersten fernerhin iinstandc, dem Heere und der Flotte große Dienste zu leisten. Außerdem muß man damit rechnen, daß hinter den Stellungen an der Aisn? mehrere ähnliche Verteidigungslinien errichtet worden sind und daß der Krieg an der gewaltigen östlichen Front mehrere Monate dauern wird.

Das vcr'chwuttdene Nnter'eeboot.

(Etr. Bin.) Aus Rom wird der Franks. Zt«. telegraphiert: Das geheimnisvolle Verschwinden eines, wie man hier annimmt, für Rußland erbauten, wegen des Kriegsausbruchs aber nicht abgelieser- >«n U n > c i s c e b o o t s von der Fiat-Werst in Spezia-San Giorgio erregt in Italien größtes Aussehen, Ter Fall ist noch nicht geklärt: vor allem ist es noch nicht stckutr. ob irembe Anstifter vorhanden sind, oder ob nur Abenteurerlust des Führers, eines ehemaligen italicni- ichen Marineoffiziers Nanious Bclloni, die Tat veranlaßt«. Tie Nachforschungen nach dem Schiss sin-d bisher ofsenbar erfolglos ge­blieben. Man nimmt an, daß er sich nach Bastta (Eorsika) gewendet hat. Munition soll nicht an Bord sein. Ter Popolo Romano hält den Zwischensall für außerordentlich schwer. Es erscheine kaum glaublich, daß kein Einverständnis oder leichtfertiges Verschulden der Werft vorlicge. ES werde nicht schwierig sein, die auswärtige Macht sestzustelleii, weich: die Gesellschaft oder ihr Personal bestochen habe. Unzweifelhaft werde die Regierung strengstens in dieser Sache vorgchcn. in der der gute Name der nationalen Industrie und auch der der Nation selbst in Mitleiden schalt gezogen sei.

Man nimmt in Mai land an, daß der Führer des verschwun­denen Unterseebootes in einet» Anfall von U n z u r c ch n u n g s- fäfiifltcit gehandelt hat. An Bord befanden sich außer ihm etwa 10 Mann. Das Unterseeboot soll schon in einen sranzösischen Hafen eingelaufen sein.

(WB. Nichtamtlich.) Die Agenzia S t c f a n i veröffentlichst folgendes: Das Haus Fiat-San Giorgio de Muggiano in Spezia teilte gestern Abend 5 Uhr dem Ehefkommandante» von Spezia mit. daß ein Unterseeboot, das aus der Werst dieses Hauses vollendet werden sollte, plötzlch mtt unbekannter Bestimmung abgesahren sei,

indem es di« Ausfahrt aus der Werft, die zu Versuchen seiner

ftinkenlelegraphisästn Anlage bestimmt ivar, dazu benutzte Das m Betracht kommende Unterseeboot soll nach Versick>er»»geu des Hanfes vollständig unbewaffnet sein mid unter dem Koimnando eines Ange­stellten des Hauses mit einer aus 18 Personen., Ingenieuren und Arbeitern des Hauses Fiat bestehenden Besatznna stelle». Das Unter­seeboot wurde stir Rechnung einer sremden Mackst gebaut, die infolge dos Ausbruches des Krieges, da sic die von Italien erklärte Ncn- tralität achtete, das Unterseeboot nicht abnehmen konnte. Di« Direk­toren, in deren Händen der Ban des Bootes lag, gaben dcni Marine- minister formelle Versicherungen, daß sic ohne vorh:rigc ministerielle Erlaubnis der Abfahrt des U»!ers«bootrs nicht ihre Zustimmung gcgcbcn hätten. Der Minister gab, sobald er benachrichtigt ivar, sofort Anweisungen, noch dem Unterseeboot zu suchen. Außerdem beauftragte der Marmeminister den Generalsekretär Vizeadmiral Nicastro. sch nach Spezia zu begeben und «ine strenge tlnterftlchung cinzulciten. Gegen die Schuldigen werden strenge Strafen verhängt werden, abgesehen von den Strafen, die gemäß deni geltenden Straf­gesetze gegen sic verhängt werden können.

Ettplisil-er Misserfolg m Südafrika.

London, 5. Crt. ((itr. Ftkft.) Die Daily News berichtet aus Südafrika: Colonel Grant telegraphiert, daß die Engländer bei

ihrem Mißerfolg an der Grenze des Nandsonlcin- und des Warm- bad-TistrlkleS 10 Tote, 43 Verwundete, 8 Vermißte und 35 Ge­fangene verloren. Die Gefangene» würde» von den Dcutsehcn gut behandelt. General Lukin telegraphiert, daß Colonel Grant keine Schuld an diesen, Unglück treffe: seine Leute hätten tapfer gesochten. Ern weiteres Telegramm sagt, daß die deutschen Gefangenen aus Ehrenwort entlassen worden seien, da man augenscheinltch Wasser und Siahru.ng sparen wolle.

Die südafrikanische Regiernng teil! dei: Text eines angebliche!» Aufrufes der Deutschen mit, der aber durch Pieter rmd Andries de Wet gezeichnet ist, worin die Buren ausgefordert werden, die eng­lische Herrschaft zu stürzen. Es wird darin weiter deutsche Hilfe zur Errichtung eines Burenkorps, sowie frete Liesenmg von Artillerie lind Gewehren u:id Dkunitton angeboten.

Neue Beschieszunq Eaitaros.

Aus illordalbanien wird neucrlieft die Beschießung von Cattaro durch drei große französische Panzer und vier französische Kreuzer genieldet. Die Oesterreicher erwiderten da- Feuer auf das energischste. Durch gut gezielte Schüsse wurden zwei Panzerkreuzer inehrmals getrosfeu und mußteit den Kampfplatz verlassen. Dcni größeren der beiden Kreuzer wurden die Schlote glatt weggeschossen. Wegen schwerer Maschineyhavarie wurde der kleinere Krpuzcr von dem größeren ins Schlepptau genomnien und nach dem Kanal Von Korfu geleitet.

Die Stimmrma in Petcrsbnrq.

Christiania, 5. Olt. (WB. Nichtamtlich.) Im Margenbladet er­zählt ei» Norweger, der aus Petersburg hcimkehrte. daß der Tieg .Hindcnburgs in Ostpreußen und dt« Niederlage der Russen ln Petersburg einen lähmenden Eindruck mochten. Nicht weniger groß sei die Trauer darüber, daß zwei Generale, ans die man die größten Hofsnuiigcn setzte, geiollen seien. TaS Publikum ivurdc vorbehaltlos über die Nicdcriogc unterrichtet. Man gab zwar ketne Einzelheiten, erkannte aber den Umfang und die tzledeutnng der Katastrophe an. Von dem Augenblick ab hat sich die Kriegs- b c g e i st e r u n g in Petersburg stark abg « kiihlt. Die späterem Crsolge gegen Oesterreich vermochten nicht, dies ganz auSzugleichen. Man sehe jedoch der Zukunft vertrauensvoll entgegen und Hofs« ans den Sieg, fürchte aber, daß das Heer zu wenig Offiziere habe.

Kohlcuman cl in Rntzland.

Nachdem das Dombrowaer Kohlenrevier von der deutschen Armee eingenommen und besetzt worden ist, bleibt das Donez- Kohlenbecken als die einzig« Quelle zur Beick>affung voi: Kohle für ganz Rußland. Nun ist aber, wie der Pester Llond erfährt, die ruffisck>e Kohlenindustrie, die sich bereits lange vor Kriegsausbruch in einem krisenhaften Zustand-: besand, mininohr in ein katastropha­les Stadium getreten: seit der Durchführung der Arineemobilt-

sicrung werden beinahe keine Kohlen mehr gewonnen. Es herrscht Mangel an den nötigen Arbeitskräften und es häufen sich die finan­ziellen Schwierigkeiten von Tag zu Tag. Di« vorhandenen Kohlen- vvrräte werden bald ersä)öpst iverden. und der allgemeine Kohlen- niangel kann uichst nur eine LahmleMing der Fabrikindnstric, son­dern auch in einem großen Teile Rußlands eine Unterbindung des Ciscnbahnvcrkehrs nach sich ziehe», dessen regelmäßiges Funktio­nieren i» Kriegszeilen von irniibersehbarcr Bedeutung ist. Nicht viel besser ist es uni die finanzielle Seite der rilssischcn Kohlsn- tndusti-ie bestellt. Tie Evubeiibesitzcr luibcn die Regierung bereits niehrcre Niole um eine bedcuteiid« Kreditgewährring ersucht, auch um Vorschüsse auf die sür die Sioatsbahnen zu iieferndc Kohle. Doch ist eine Finanzierung von industriellen Unlcriichmungen, mögen sic auch von staatserhalteiidn Bedeutung sei-ii. zurzeit uiimöglich. wo doch die Llarvorräte der rufstschcil Staatsbank viel zu knapp stnd, um mir die Kriegsauslageu zu decken. Tie Möglichkeit einer Kohlen» znilihr aus England auf dem Sceivcg über Archangelsk ist mehr als problematisch, und so kann Rlißland schon rc<l>t bald in eine höchst mißlich: Lage geraten. Die Naphtlm ans dem Bezirke von Baku kann den Maiigel an Kohle nur in sehr geriiigem llmsauge aus- gleichen.

Eirr gerechtes Urteil.

Nom, 4 . Okt. (Gtr. Frist.) Zu dem Vertcidigungs- ruanifeft deutscher Kulturträger gibt die Tribuna eineu Kommentar, der wenigstens versucht, dcni deutschen Stand­punkt gerecht zu werden, und deshalb ein relativ erfreuliche? Dokument italienischer Presseäußerung darstellt. Volle Ge-