Ausgabe 
1.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

aber nicht töteten. In Gr.-Lemkenberg wurden zehn Per­sonen erschossen.

Lin katholischer Geistlicher aus dem Ermlande In Ost­preußen fuhrt in der Ermländischen Zeitung aus, daß an diesem Kerhalten der Russen die ostpreußische Bevölkerung selbst einen Teil Schuld habe Er schreibt u. a.:Man muß sich wundern, mit wie wenig Vorsicht manche Leute gehandelt haben, als die Feinde in das Land einrückten. Man fand sie in den Häusern, selbst ans den Feldern, mit Flinten oder Revolver»: bisweilen hatten sie ihre Kriegervereinsmüben aus dem Kopf: manche gaben den Feinden prahlerische oder schroffe Antworten: andere ver­

suchten, vor den Augen des Feindes schnell davon zu laufen oder davon zu fahren, ober erregten so Verdacht, Verräter zu sein. Die Folge eines solches Verhallens war dann gewöhnlich eine russische Kugel."

Die englische Admiralität in der Ver­teidigung.

Stockholm, 29. Sept. (Ctr. Frkf.) Dem Aftenbladet wird vus London gemeldet: Die britische Adniiralität erklärt, daß die Forderung, daß Helgoland angegriffen ilnd so ein Weg ge­bahnt werden solle, unmöglich erfüllt werden könnte. Der Vorwurf, daß die Flotte sich untätig verhalte, sei ungerecht. Um aber den Forderungen des Volkes in gewisser Hinsicht ent­gegenzukommen, sei eine gründliche und systematische Razzia mit kleinen Kreuzern, Torpedos und Unterseebooten einge- Icitet worden.

Die Neutralität Italiens.

(WB. Nichtamtlich.) Laut Agenzio Stefan! veröffentlicht bas Amtsblatt «ine Bekanntmachung, welche die Bürger, di« mili­tärische Dienste in den kriegführenden Armeen an­genommen haben, anzunehmcn beabsichtigen ober auf irgend «in« Weise Verletzungen der Neutralität fördern, davon in Kenntnis sekt. daß derartige Handlungen, die im Widerspruch stehen zu den Pflich­ten, die den Bürgern durch die Neutralität des Staates aus- «rlegt sind, von der Negierring nicht gebilligt iverdcn. Tie Regierung erinnert in bester Absicht daran, daß dies« Handlungen die Büraer nicht nur des Rechts berauben, sich auf ihr« Eigenschast als Unter­tanen eines neutralen Staates zu berrifen, sondern, daß sic sich auch den im Strafgesetzbuch und in deni Gesetz über di« staatsbürgerlichen Rechte vorgesehenen Strafen aussetzen.

Rumänien siegen seine Kriegshetzer.

Wien, 29. Sept. (Ctr. Frkf.) Die Südslawische Kor­respondenz meldet aus B u k a r e st: Die rumänischeRe- g i e r u n g scheint entschlossen, gegen die seit einigen Tagen um sich greifenden Straßendemonstrationen, deren Hintermänner hier niemanden unbekannt sind, mit Wort und Tat energisch aufzutreten und gegen die Straßen- politik Front zu machen, die man als Auswüchse am gesunden Körper bezeichnet. Gendarmen und Militär werden von der Regierung aufgeboten, um den Straßendemonstrationen ein Ende zu machen, während die offizielle Presse in scharfer Weise gegen diese Strömungen eine systeniatische Kampagne er­öffnet.

Engländer nnd Franzosen an der Kamerun-

Küste.

Bordeaux, 29. Sept. WTB. Eine französisch-englische Expedition, die von Kriegsschiffen, besonders dem französischen KreuzerBruix" und dem englischen Kreuzer Cumberland be­gleitet war, ist in Kamerun gelandet. Die Hauptstadt Duala ergab sich bedingungslos.

Gefecht bei Hsiderihbucht.

Lüderißbucht, 29. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter-Bureaus: (Gestern fand ein sehr lebhaftes Gefecht bei Lllderjtzbucht zwischen Engländern und Deutschen statt. Die Deutschen hatten fünf Tote und zwei Verwundet«, di« Engländer drei Tote und vier Verwundete.

Eine blödsinnige Verdächtigung.

(Priv.-Tel., Ctr. Bln.) Mit welch frechen Verdächtigun­gen die russische Heeresleitung gegen die deutsche Armee arbeitet, beweist eine beim Kriegsministerium einge­gangene telegraphische Mitteilung des Armee-Oberkomman- deurs der 8. Armee, in dem ein Originalbefehl des russischen Generals Schilinski mitgeteilt wird, in dem vor Benutzung von Brunnenwasser gewarnt wird, da bei der deutschen Armee bei Koch hergestellte Cholerabazillen mitgeführt würden.

Freigabe der drei gefangenen deutschen Parlamentäre.

Die Frankfurter Zeitung meldet:

Drei deutsche Parlamentäre, die sich unter dem Schutze der wklße» Fahne einer französischen Stadt näherten, um sie zur Ilebergabe aufzufordern, waren, wie gemeldet, von den Franzosen widerrechtlich gefangen genommen worben, ohne daß bisher über i, «W«« etwas anderes als bas Gerücht, daß sie zu Fuß nach Paris hätten marschieren sollen, sestgestellt werden konnte. ES bsndclte sich um den Major v. Arnim von einem Potsdamer ^"^ekavallcrieregimcnt. den Rittmeister v. Kummer, Adjutant eines Generalkommandos und das bckaniiie Mitglied des König- >'wen Schauspielhauses Karl Elcwing, der den beiden Offizieren <n ^kldcrciter. beigegebcn war. Alle drei sind nunmehr, wie die N. G. C. mitteilt, frcigclasien worden und haben in Mannheim wieder deutschen Boden betreten, um sich oon da aus den Kriegs­schauplatz zurllckzubegcbeii. Sie waren bis Orleans verschleppt worden und lagen dort drei Wochen lang, bis die Franzosen sich überzeugt hatten, daß ihre Gefangennahme unter Mißachtung der Parlamcntärflagge einen großen Bruch des Völkerrechts darstcllc.

Ein schlimmer Gast.

In Oesterreich sind drei Fälle von asiatischer Cholera fest- gestellt worden und zwar zwei Fälle in Wien, einer in Prag. In allen Fällen handelt es sich um Einschleppung vom russi­schen Kriegsschauplatz.

Eine französische Schändung des Roten Kreuzes.

WB. Großes Hauptquartier, 30. Sept. (Amt!.) Der Generalstabsarzt der Armee und Chef des Fkldsanitätswcscn^ von Tchjerning hat dem Kaiser solgende Meldung erstattet: Vor einigen Togen wurde in Orchies (Arrondis. Touais ein Lazarett von »ranzosen überfallen. Bei der am 24. September gegen Orchies ""Krnommenen Straserpediiion durch dos Landwehrregiment Re. 35 i"*R dieses auf überlegene seindlichr Truppen aller Gattungen und wußte unter Verlusten von 8 Toten und 25 Verwundeten zurück. , ° m nächsten Tage entsandtes bayerisches Pionierbataillon stieß

keinen Feind mehr. Es fand Orchies von den Einwohnern vrr. lassen. Fm Lrte wurden 20 beim Gefechte au, oorhergchcnde» Taac "ktwundete Deutsche grauenhaft verstümmelt ausgesunden. Ohren und Nasen waren ihnen abgeschnitten und man hatte sie durch Ein­führung von Sagemehl in Mund und Nase erstickt. Die Richtigkeit des darüber ausgenommcnen Befundes ist von 2 französischen Geist­lichen unterschristlich bestätigt. Orchies wurde dem Erdboden gleich gemacht.

Wer hält es am längsten aus?

Kopenhagen, 30. Sept. (Ctr. Frkst.) Der Daily Tele- graph meldet aus Paris: Tie Verluste und damit die Er- inattung der verbündeten Heere sind enorm. Die kämpfenden Heere halten sich gegenwärtig in Schach. Der Sieg muh zuletzt der Partei zusallen, die imstande sein wird, völlig frische Truppen ins Feld zu führen. In der Haltung drr Heere ist eine deutliche Veränderung eingetreten. Die an- sangliche fieberhafte Hast ist verschwunden. Die Artillerie »ioimt in aller Ruhe »euc Stellungen ein, nachdem die Flug­zeuge das Ziel fcstgcstellt haben. Die Infanterie verrichtet in gleicher Weise ihre Arbeit, indem sie ihre Angriffe rcgel- mähiq sortsetzt.

Der Berliner Lokalanzeiger schreibt hierzu: Ties« Nachricht laßt erkennen, daß die Kräfte der Verbündeten im einer Weis« gesun­ken sind, daß der Kamps aus der ganzen Front nicht mehr langt ohne Entscheidung bleiben kann, trotzdem nicht zu bezweifeln ist, daß auch bei unsere» Truppen die langen Anstrengungen ermü­de » d wirken müssen. Wir haben aber doch die llederzeugung, baß die deutschen Truppen mehr Strapazen zu ertragen vermögen, als di« weicheren Franzosen und di« durch den leichten FrtedenSdienft nicht abgel-ä rieten Engländer. Ferner ist anzunehiüel., daß dir d c u t s ch e A r m e e es sei» wird, die frische Truppen in die Front werfen kann, während di« Franzosen alles herangezogcn haben dürsten, ivas chnen noch zur Verfügung steht.

Tic Verteidigung von Paris.

Mailand, 30. Sept. (Ctr. Frkst.) Wie der Corriere della Sera aus Bordeaux meldet, hat der letzte Ministerrat

noch keinen endgültigen Beschluß über die Frage gebracht, ob Paris im Falle eines Vorgehens der Deutschen zur offenen Stadt erklärt oder verteidigt wird. Die sozialistischen Mit- glieder des Kabinetts sind entschieden gegen eine Verteidi­gung, solange die Regierung nicht die vorherige Entfernung und Unterbringung der unschuldigen Zivilbevölkerung aus der Festung Paris garantieren kann. Es sei wahrscheinlich, daß die Frage zur Auflösung des bisherigen Kabinetts führen werde.

Die Zustände I» Südsraukreich.

blazetta del Popitlo schildert die kläglichen Zustände in Düd- srankreich. An der ganzen Riviera seien alle Hotels, Schnien und öffentlichen Gebäude in Spitaler verwandelt, in denen di« Verwun­deten Ausnahni« finden, liebevoll stockt das Wirtschaftsleben: Handel. Wandel und Verkehr sind unterbrochen. Vor den Rathäusern stehen endlose Reihen armer Frauen, welche Lebenomitteischeine erwarten. Für di« Weinlese in Tüdfrankreich ist durch spanische Hilfskräfte ziemlich gesorgt.

Die Belagerung von Antwerpen.

Amsterdam, 30. Sept. (Etr. Frkf.) Dem Telegraaf wirb a«8 Antwerpen von gestern gemeldet:

Die Deutschen begannen nachmittags die Beschießung der Außensorts Waethem, St. Katherina und Waevre. Nach offizieller belgischer Mitteilung zogen die Deutschen nachts in Reche!» ein.

Erneute Verhaftung des Bürgermeisters von Brüssel.

Die erneute Verhaftung des Brüsseler Bürgermeisters Max erfolgte nach der Köln. Ztg. wegen der Weigerung des Bürger­meisters, den eingegangcnen Verpflichtungen wegen Zahlung der eigenen Guischeine nach, »kommen. Diese Weigerung beruht ossen» bar auf bösem Willen. DerBürgermeister hat kein Geld herdeischaffen wollen, weil er, wie so viele Brüsseler, den erlogenen Siegesnach­richten glaubte, wonach die Deutschen in Nordfrankreich ge­schlagen und vor den Franzosen aus dem Rückzuge seien.

Das Wirken derEmden".

Die Morning Post meldet aus Kalkutta: Der deutsche KreuzerEmden" ankerte Donnerstag in der Nähe von Pondichcrry und verschwand später.

Führerlose Züge nach Löwe«.

Ter Nieuwe Rotterdamsche Courant entnimmt belgischen Blättern die Nachricht, daß in der Sonntagnacht von einer unge­nannten Station 8 wilde Züge nacheinander nach Löwen abge- lasscn worden sind. Die Maschinisten und Heizer brachten die Züge soweit als möglich, öffneten die Ventile und sprangen ab. Man wisse noch nicht, welches Unheil die Züge angerichtet haben, ehe sie bas von den Deutschen benutzte Netz erreichten.

Fürsorge für die Mieter.

Tie sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadt- verordnctenvcrsammlung hat folgenden Antrag eingebracht: Die Versammlung ersucht den Magisstat, mit den Behörden in Reich und Staat in Verbindung zu treten, um schleunigst Maßnahmen zu treffen, die den Familien der zum Krieg Einberufenen, den Arbeitslosen und kleinen Gewerbe- treibenden, welche durch den Krieg in Not geraten sind, die Wohnungsinöglichkcit sichern."

Die Lage in Albanien.

Nach vorliegenden Meldungen sichen neue Kämpfe in Albanien bevor, obschon der albanische Senat mit großer Mehr­heit den Sohn Abdul Hamids, Prinz Burhan Eddin, zum Fürsten gewählt hat, Essad Pascha soll mit 12 000 Mann aus Durazzo marschieren, um seine eigene Thronkandidatur zu verfechten.

Serbische Kampfesweise.

WB. Sofia, 30. Sept. Agence Bulgare meldet aus Stromitza: In der letzten Nacht kamen 100 Flüchtlinge ans llcskueb an. Sie erzählten von fürchterlichen Dingen. Tie Stadt sei von serbischen Truppen cingeschlossen und die Männer mit Waffengewalt gefangen genommen worden, um sic zur serbischen Armee zu schicken. Zwischen der Gendarmerie und den Bürgern sei es zweimal zu eineni Feucrgcfecht ge- kommen. 283 Familien, deren Oberhäupter nach Bnlgarien flüchteten, wurden verhaftet. 4 Frauen haben im Gefängnis entbunden. Tie Bevölkerung der Stadt und des Bezirks sind einer wilden Verfolgung preisgegeben.

Gute Kunde aus Ost und West.

Die russische Offensive vor vem Zusammenbruch. In Frankreich steht ein großer Sieg bevor.

WB. Wien, 30. Scpt. (Amtlich.) Ter Oberkomman- dant der österreichisch-ungarischen Armee erließ einen Armee­befehl, in dem es u. a. heißt:

Tie Situation ist für uns und für das deutsche Heer sehr günstig. Tic russische Offensive i» Galizien ist im Begriffe zusammenzubreche».

Gegen Frankreich steht ein neuer großer Sieg bevor.

Auf dem balkanischen Kriegsschauplätze kämpfen wir gleichfalls im Feindesland.

Innere Unruhen, Ausstände, Elend und Hungersnot be- drohen unsere Feinde im Rücken, während die Monarchie und das verbündete Deutsche Reich einig und in starker Zuversicht daftehen, um diesen uns freventlich aufgczwungenen Krieg bis zu dem für uns siegreichen Ende durchzukämpfen.

Weitere Husarenstreiche derEmden".

WB. London, 30. Sept. Die Admiralität gibt bekannt^ daß während der letzten Tage der KreuzerEmden" die DampferTumerizo",Kinglud".Riberia" undToyle" weggenommen und sic in den Grund gebohrt und ein Kohlen­schiff genommen hat. Die Bemannungen der Schiffe wurden auf dem DampferGyfedale", der ebenfalls genommen, aber freigelassen wurde, nach Colombo gebracht, wo sie gestern stütz eintrafen.

Ein japanischer Landangrisf aus Kiantfchou.

WB. Tokio, 30. Sept. das Reuterbureau meldest Drei Japaner haben am Sonntag die Deutschen fünf Meilen von Tsingtau entfernt angegriffen.

WB. Tokio, 30. Sept. Eine hiesige amtliche Mitteilung besagt: Bei ihrem Landangriff auf die nächste Umgebung von Lingtao hatten die Japaner 3 Tote nnd 12 Verwundete.

Arbeiterbewegung.

Gewerkschaftsmitglieder im Kriegsdienst.

Die einzelnen Gewerkschaften stellen prozentual sehe unterschiedlich Mitglieder zum Kriegsdienst. Im allge- meinen ist der Prozentsatz ein ziemlich hoher, da die über­große Mehrzahl der Gewerkschaftsmitglieder sich im Heeres- pflichtigen Alter befindet. Der Flci'cherverband Iwt aber von allen Gewerkschaften unzweifelhaft den größten Prozent­satz der Mitglieder im Felde stehen. Nach einer statistischen Feststellung des Zentralvorstandes genannten VerbandeS sind 55,4 Prozent seiner Mitglieder zum .Kriegsdienst ein»! gezogen.

Partei'Nachrichten.

Ein Führer der Arbritrrjngend gefalle».

Wie die Wiener Arbeiterzeitung meldet, ist der frühere Ob», mann der Freien Vereinigung sozialistischer Studenten, Genoss« Leopold Weiler, am 5. d. M. in der Schlacht bei Lubltn gefallen. Er war zuletzt als Bildungsbeirat tn den Gruppen Brigittenau und Zwischenbrücken unserer Jugendorganisation tätig und stellte auch seinen Mann in der politischen Organisation in der Bri­gittenau. Genosse Weiler war erst 22 Jahre alt: er studierte die Rechte und hatte schon die zweite Staatsprüfung gemacht. Vor einem Jahre diente er sein Freiwtlligenjahr. Jetzt stand er aH Fähnrich im Fel de.

-efieu nnd Nachbargebiete.

»itftttt und Umgebung.

Sitzung der Stadtverordnete». Am Dienstag be-

schlossen die Stadtverordneten nach einem sehr eingehenden Referat des Beigeordneten Justizrat Grünewald, daß daS Sladttheater am 1. November d. I. seine Spielzeit wieder er- öffnen soll. Die Stadt liefert dem Theater Beleuchtung und Heizung für diese Saison unentgeltlich und garantiert dem Thcatcrbanvcrein eine Abgabe für Miete bis zur Höhe von 10 000 Mark. Es sollen in der Woche nur 2 Abonnements- Vorstellungen stattfinden (Dienstag und Freitag). Zur Aus- führung kommen nur ernste, vornehmlich vaterländische der Zeit angepaßte Stücke, doch sollen auch Lustspiel« zugelassen werden. Die Stücke für Sonntag sollen dem Geschmack dess weiteren Publikums angepaßt werden. Beigeordneter Grünewald begründet den Anstag für das Theater, daß es unbedingt notwendig sei, in dieser ernsten Zeit für die Bürger der Stadt einen gesellschaftlichen Sammelpunkt zu schassen, an dem man sich gegenseitig aussprechcn, erholen und erbauen kann. Es sei das Theater ein Betrieb wie jeder andere Betrieb auch, dasselbe sei in unserer Universitätsstadt ein Bedürfnis, aber auch vom sozialen Standpunkt müsse inan den Künstlern auch in diesem Winter Gelegenheit geben, ihren Beruf auszuüben. Schaftstaedt und Habenicht stellen sich dem Antrag nur entgegen, als sie die Sache noch sür zn verfrüht ansehen. Es genüge jetzt, wo in den meisten Fa­milien Trauer eingekehrt sei, wenn das Theater am 1. De­zember, oder noch besser am 1. Januar eröffnet werde. Die Not der Zeit verbiete jetzt, an das Theater zu denken, nnd solle man erst abwartcn, was aus dem Kriege wird. Stadtv. Ebel tritt diesen Ausführungen entgegen, er zitiert Schiller, der auf dem Standpunkt steht, das Theater solle eine Stätte der Erbauung sein, auch oder gerade wenn herbe Schläge des Schicksals an den Menschen heransteten. Beigeordneter Grüncwald erklärt, daß ein späteres Beginnen des Theaters sich nicht machen lassen werde, da wir jetzt noch unsere Künst­ler beisammen haben. Die Verhältnisse des Krieges be» rechligen vollauf zu der frohen Hoffnung, daß wir aus dem Kampfe als Sieger hervorgchem Betreffs der Straßen- bahn liegt ein Antrag vor, den Fahrpreis sür Militärperso- ncn auf 5 Pfg. pro Fahrt herabzusetzen. Verwundete, Aerzte im Dienste der Lazarette und Personen im Dienste des Roten Kreuzes sollen gratis befördert werden. Der Anstag findet die Billigung der Versammlung. Die vorliegenden Wirtschaftsgesuche des Bäckermeister Reuß (sür eine Kaffee- Wirtschaft) Scltersweg 46, des .Hans Schmidt für Sonnen- straße 13 und des Ernst Albrecht für Kaiserstrahc 24 werden befürwortet. Beigeordneter Grüncwald weist darauf hin, daß zu Anfang des Krieges das Ministerium durch Erlaß an- geordnet hat. alle öffentlichen Arbeiten tunlichst einzu- schränken und in Aussicht genommene Bauten zu unterlassen. Er halte gerade in der jetzigen Kriegszeit diese Anordnung sür falsch und beanstagt deshalb bei der Versammlung, die- selbe möge beschließen, dem Oberbürgermeister zu ersuchen, beim Ministerium vorstellig zu werden, diesen Erlaß für die Stadt Gießen wieder aufzuheben. Die Stadtverordneten stimmen dem Antrag einstimmig zu. Es folgte eine nicht­öffentliche Sitzung.

Große Militärausträge in der Schnhindnsstie. Die Militärverwaltung in Halle an der Saale hat dem Berliner Tageblatt zusolge zur Linderung der Not der Arbeitslosen den Weißenfelser Schuhfabriken einen Auftrag in Militär- stiefeln für 2 Millionen Mark gemacht.

Fürsorge der Heeresverwaltung sür den deutsche» Vieh­bestand. Die preußische, bayerische, sächsische und württem- bergische Heeresverwaltung haben einer Anregung der Reechs- regierimg Rechnung getragen, die eine Förderung de« deut-