Ausgabe 
1.10.1914
 
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England, seine Zustimmung, die von der Pforte garnicht er­beten war, für die Zusicherung der türkischen Neutralität an­zubieten und als dieses kaum ernstgemeinte Angebot abge- lchnt wurde, rücksichtslos zu protestieren. Dabei hatte Eng­land selber diese Kapitulationen in den letzten Wochen un­zählige Male in der rücksichtslosesten Weise verletzt.

In Aegypten blieb von dem international anerkann­ten Rechtsziistand, der die türkische Oberhoheit und nur eine englische Milirärbesetzung kennt, nicht viel mehr übrig, als der Rechtsschutz der Kapitulationen für die Ausländer, die darin gegen'englische Uebcrgriffe eine immerhin brauchbare Stütze fanden. Seit dem Kriegsausbruch hat England all das in Stücke geschlagen, es hat sich alle Rechte der Sou­veränität angcmaßt. Am 8. August erklärte es in Aegypten den Kriegszustand, vier Tage später verkündete cs, dag Aegypten mit Deutschland im Kriege sei. Tie ägyptischen Behörden, die einzigen, die völkerrechtlich anerkannt werden können, erklärten, daß dies alles wider ihren Willen geschehe. Am 2t. August verfügte daraus England, datz alle Hilfs­mittel Aegyptens für die englischen Kriegszwecke zur Ver­fügung gestellt werden. Anfang September aber vollendete es das Werk der Vergewaltigung, indem es die deutschen und österreichisch-ungarischen Konsuln aus Aegypten aus­wies. Wenige Tage später beschlagnahmte es die öffent- lichen Gelder Aegyptens. All das widerspricht den. Kapitu- latloiten, den internationalen Verträgen und der besonderen Rechtslage, die zwischen der Türkei und Aegypten besteht, in offenkundigster Weise. England hat tatsächlich Aegypten cinvcrleibt, es hat das Reich des Khcdiven zu einer unfreien Kolonie gemacht. Daß es dabei den Landesfürsten noch mit Drohungen und Gewalt in sein Reich zurückzwingen will, das cs von indischen Truppen besetzen läßt, weil die ein­heimischen nicht mehr zuverlässig sind, ist schon fast grotesk. Die unmittelbare Folge scheint aber schon jetzt die zu sein, daß Araber und Türken ihre Mißhelligkeiten, die seit Jahr- zehnten künstlich von London aus angestiftet wurden, ver­gessen und erkennen, wo ihr wirklicher Feind zu suchen ist.

Die Stimmuna der Mohammedaner.

(WB. Nichtamtlich.) Die Daily Mail veröffentlicht einen Brief aus Jerusalem vom 8. September, in dem cs heißt:Wenige ge­bildete Mohammedaner sympathisieren mit den Nerbllndeten. Tic Masse ist für die Dcnts<l>en. Türkische Beamte äußerten Sympathie für Deutschland. In Damaskus, Beirut, Aleppo, Haifa und Jeru­salem sind große Militärlager. Tie Soldaten trage» die deutsche Kopfbedeckung statt des Fez: bezeichnend ist, daß dieser Bruch mit der alten Sitte wenig l-cachtet wird. England wird allgemein für den Urheber allen Unheils gehalten. Die Mohammedaner zeigen den hiesigen Engländern gegenüber Hohn, daß der Handel stillstcht iirfolgc der Schließung der Banken."

9 uisiickie Journalisten verlassen die Türkei.

(WB. Nichtamtlich.) Di« Blätter melden aus Konstanttnopel: Di« hiesigen Vertreter russischer Blätter haben gemäß der ihnen von der russischen Regierung erteilten Weisung dir Türkei verlassen. Von russischer Seit« wird di« Maßregel damit erklärt, daß man von der Absicht der ttirkischen Regierung, alle russischen Zcitungskor- respondenken aus den, vttomaittschc» Gebiet auszuweisen, Kenntnis erlangt und es für ziveckmäßig erachtet >>abe, der Aus­führung des Planes zuvorzukommen.

Die Kämpfe in Belgien.

Bcschiessung von Mecheln.

Nach einem offiziellen belgischen Communique aus Ant- wcrpen sind deutsche Truppenabteilungen, bestehend aus einer Jnfanterie-Brigade, zwei Kavallerie-Regimentern und 6 Batterien Artillerie, davon zwei Batterien schwere Ar. tillerie. im Marsch von Brüssel auf Tcrmonde über Alost mit belgischen Truppen zusammengestoben. Gestern beschossen die Deutschen Mecheln imb unternahmen mit außerordentlich starker Kraft eine allgemeine Bewegung auf die feindliche Front zwischen Mecheln und Alost. Dabei soll cs zu Kämpfen mit belgischer Kavallerie gekommen sein. Durch die Beschießung hat der Bahnhof von Mecheln sehr gelitten. Viele Häuser sind eingestürzt, andere stehen in Flammen. Gegen Antwerpen.

Tie Mittagsblättcr aus London bestätigen alle Berichte, wonach die Deutschen Antwerpen von der Umgebung abgeschnitten haben und die Belagcrungsaltion bevorsieht.

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 74

Während er hcrausstieg, kam die Sonnenkugel höher und beleuchtete mit vollem Glanz die schwarze, stille Gestalt. Hanna hielt die Hände gefaltet und blickte über Fjord und Meer hinaus.Wie süß und sriedcnsvoll ist diese Ruhe." sagte sic vor sich hin,die mein erstarrtes Herz so weich macht, daß ich Tränen vergießen könnte."

Folgen Sie dieser sanften Stimme," erwiderte Mar- strand.Wohin ein Mensch auch gehen mag, welche Leiden Gott ihm schickt, er sendet auch den Versöhnungscngcl. der ih»r befiehlt: Lege deine Rache in meine Hände und gehorche meinem Gebot."

Gewiß, ich will gehorchen," sagte sie im entschlossenen Tone.Da koinmt der Mann, der entsetzlichste aller Men­schen, dessen Anblick ich nicht ertragen könnte, wenn dre Stimme, von der Sie reden, mir nicht geboten hätte: Folge ihm! Ich bin ihm gefolgt, bin seiner Winke gewärtig, bin seine Magd. Er will mich haben, er soll mich haben!"

Das soll er nicht, HannaI" ries ihr Begleiter.Sie sollen zu Ihrem Vater zurückkehren. Helgestad selbst wird nachdrücklichen Vorstellungen, wie ich sie im Sinne habe, nicht widerstehen können."

Weder ein Vater noch eine Heimat erwarten mich." war ihre Antwort.Wo könnte ich leben? Wo ist meine Zukunft? Mein Trachten? Mein Gott?I Er, an den ich jetzt allein glauben soll, er nahm mir alles, was mein war. dafür gab er mir das Recht, ihm anzugehören. Der schwarz: Wurm, der mir ins Herz gestochen hat, ringelt sich zu meinen Füßen. Ich habe einen Bund mit ihm geschlossen, den soll kerncr je zerreißen. Ich habe es beschworen mit tausend Eiden, daß ich dafür leben will, sonst lebte ich nicht mehr. Ich will nicht von ihm lassen, will io viel Glück und Segen über ihn bringen, so viel Freude und so viel Heil, wie ich unter seines Gottes Beistand erdenken kann." Ihre Augen

Von der Südgrenze wirs gemeldet, daß die Teutt'chen sowohl östlich als westlich Antwerpens noch Narben vorgerückt sind.

Amsterdam, 29. Sept. (Etr. Iris) Ter Nieuive Rottcrdamsch« Eoiiranl mcltwt, daß deutsch« Truppen Moll in Bclgisch-Linibnrg tctwa 50 Kilometer östlich von Antwcipen) besetzten. Die Belgier seiensch Timrhout zurückgctrrebcn worden.

Fliegerbomben.

Am Samstag ivarf eine Tsube zwei Bomben über Düffel, die ober ins Wsffer sielen und keinen Schaden anrichteten. Noch der Nicuwe Gazette wurde damit die Zerstörung der Antwerpcncr Wsllerlcituug geplant. Am Freitag ließ ein deutscher Flieger über Calais und Boulogne Bomdcn fallen, di« angeblich nur unbedeuten­den Sachsckiobeu anrichteten.

Schonung der Kunstdenkmäler.

WB. Brüssel, 29. Sept. (Nichtamtlich.) Bei dem

Kampfe um Mecheln hatte die schwere Artillerie des deutschen Heeres den ausdrücklichen Befehl erhalten, nicht auf die Stadt zu schießen, damit die Kathedrale geschont werde. Die Belgier selbst aber warfen aus dem Fort Waelhcm nördlich von Mecheln schwere Granaten in die von den deutschen Truppen besetzte Stadt.

WB. Brüssel, 29. Sept. (Nichtanitlich.) Das Komniando der Antwerpen belagernden deutschen Truppen hat bchufS Verständigung der belgischen Regierung dem amerikanischen und dem spanischen Gesandten in Brüssel folgendes mitge- teilt: Soweit die belgischen Militärbehörden sich verpflichten. Kunstdenkmäler, insbesondere Kirchentürme, nicht für mili­tärische Zwecke nutzbar zu machen, sind die deutschen Belage- rungstrnppen bereit, diese Bauten bei einer Beschießung tunlichst, das heißt insofern es bei der ungeheuren Spreng- Wirkung der modernen Geschosse möglich ist, zll schonen.

Die Kämpfe in Serbien.

Wien, 29. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Anitlich wird bekannt gegeben: Am 28. September trat nach mehr denn vierzehntägigen hartnäckigen Kämpfen, in deren Verlauf die Unsrigen die Drina und die Save neuerdings überschritten, auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze eine Opcrationspause ein. Die Lesterreichcr stehen insgesamt auf serbischem Tcrri- torium und behaupten sich vorerst in den blutig errungenen Positionen gegen unausgesetzte heftige Angriffe. Diese enden stets mit bedeutenden Verlusten des Gegners. In den letzten Kämpfen wurden vierzehn Geschütze und mehrere Ma- schincngewehre erbeutet. Die Zahl der Gefangenen uns Ueberläufer ist bedeutend. Tie Nachrichten über eine serbisch- montenegrinische Offensive nach Bosnien sind durch den Ein­sall untergeordneter Kräfte in das Gebiet der Sandschak- grenze hervorgerufen worden. Maßregeln zur Säuberung des Gebietes sind unverzüglich getroffen worden.

P o t i o r e k, Feldzeugmeistcr.

Persien erhebt sich gegen Nntzland!

Konstantinopel, 29. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Wie Jkdam erfährt, hat zwischen den Russen und dem persischen Stamme der Kardar ein Zusammenstoß stattgcfunden. Der Angriff der Russen ist abgeschlagen worden, ein Offizier und 20 Soldaten wurden getötet. Derselbe Stamm nahm den Scheich von Barzam und seine Anhänger fest, alles russische Parteigänger, die von längerer Zeit geflüchtet waren, und lieferte dieselben den türkischen Behörden ab.

Bei Jaschkale an der persisch-russischen Grenze fand ein heftiger Kampf zwischen persischen Zomalis, einem Berg- stamm, und russischen Truppen statt. Diese erlitten eine empfindliche Niederlage. Zweihundert Russen und vier Offiziere sind tot, vierzig verwundet. Die Zomalis erbeute­ten vier Maschinengewehre.

Jkdam meldet, der Einir von Afghanistan habe an dck russischen Grenze 200 000 Krieger versammelt.

Die Russen verlasicn Persien!

Aus persischen Blättern übernimmt der Jkdam folgende Meldungen: Die Russen ziehen sich aus Persien zurück. Die russischen Kosaken sind aus Mesched üben Aschabad angerückt, haben aber einen Teil ihrer Waffen, Kanonen und Munition zurückgclasscn. Tic Russen haben

funkelten mit dem Ausdruck des tödlichsten Hasses, während ihre Lippen lächelten und sanfter Sonnenglanz ihr Gesicht verklärte.

In diesem Augenblick erscholl aus dem Innern der kleinen Fclsenkirche ein frommer, leiier Gesang. Die Töne des alten Kirchenliedes:O Herr, nimm von uns jede

Schuld und laß nach deinem Bilde in Milde uns tragen alles mit Geduld," drangen durch die finsteren Mauern und kleinen Fenster. Ter uralte Ban und das frische Frühlingsgrün schimmerten in goldiger Pracht. Die heilige Stille der Natur schien von Gottes Atem erfüllt. Groß und herrlich lag sie da in ihrer Unermcßlichkeit. Tie gigantischen Massen von einem rosigen Feuer llbcrglllht, die langen Linien der hohen Alpen duslig angehaucht und ihre Köpfe stolz in den Himmel reichend, der in durchsüchtigcr Bläue darüber ruhte. Alle Nähe und ferne war warm wie von liebenden Händen um- schlungen, die Unendlichkeit des Meeres, der Inseln, der zahl­losen Tindcn und Kuppen gleich einem offenen Buche zu schauen, das von Gottes Liebe und Größe in Jubelgesängen spricht.

Hclgcstad langte setzt auch oben an, entblößte sein Haupt »nd faltete seine Hände zum Gebet. Das gelbe, graugemischtc Haar siel ihm auf die Schultern, auch in seine harten Züge drang das Himmelslicht und schien diese zu erweichen. Der gewaltige Mann mit aller seiner List und Kühnheit beugte (eine Seele vor einer unsichtbaren Macht, die den vermessen­sten Sterblichen zuweilen erreicht, und mit halblauten Worten sagte er:Da bin ich wieder, mein Gott, der d» inich aus üicicr Gefahr errettet »nd hierher geführt hast. Will's dir danken. Herr, so viel ich vermag, und will's getreulich halten, als Mensch und Christ auf deinen Wegen zu wandeln, um vor dich hinzutretcn ohne Furcht als den gerechten Richter."

Er schielte nach Hanna hin, die unbeweglich ihn betrach­tete, und sagte hierauf lauter zu Marstrand:Habe mein Lebtag nichts Schöneres gesehen als diesen gesegneten Mor­gen. Ist ein edles Fest, wo der alte Adam abfallen soll und

aus Angst vor der Revolution über alle von Muselmanen bewohnten Gebiete Rußlands den Belagerungszustand ver­hängt.

Tie Nachricht, daß die Russen von den Oesterreichern und Deutschen geschlagen worden sind, hat eine heftiges Strömung gegen Rußland hervorgcrufcn. In Turkestan dauert der Transport von Truppen nach Rußland fort, der Post- und Handelsverkehr ist eingestellt. Die Russen verstärken die Befestigungen an der afghanischen Grenze bet Kuschk. Tie Afghanen haben den Hügel angegriffen, der den nach Afghanistan führenden russischen Tunnel be­herrscht. Ter Tunnel soll eingestürzt und mehrere Russen sollen verschüttet sein. Der Emir von Afghanistan entsandte 180 000 Mann an die Grenze von Turkestan: diese Truppen sollen noch verstärkt, werden. Die Russen sollen auch befürch­ten, datz die Perserprovinzen Aserbeidschan und Chorassan gegen sic marschieren würden.

Konstanttnopel, 29. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Nachrichten aus hiesigen liberalen Streifen zufolge wurde bcr Gcncralgouvcr- ncur von Aserbeidschan. der berüchtigte Samad Khan, ein Partei­gänger Rußlands, a b g e s e d t und durch den jüngeren Bruder des Schahs, den Thronfolger Mehmed Hasian Mirza, ersetzt. Dem neuen Gcneralgouverneur wird der ehemalige Walt von Kcrman» schah, Prinz Ferma» Ferma. zur Seite gestellt werden.

(Diese Meldung bestätigt indirekt die Räumung Persiens durch die Russen, denn solange diese dort die Herr­schaft haben, könnten die Perser nicht wagen, die Kreatur Ruß­lands, Samad Khan, der auch als Subja »nd Doule bekannt ist, zu entfernen.)

Japan und Rustland.

Wien, 29. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die KorrS-

spondenz Rundschau meldet: Tie Errichtung japanischer

Konsulate im Gebiete des rechten Amur-Ufers, in Aigun wwie im Zentrum von Barga und Chailar erregt in Peters­burg die Befürchtung, daß Japan seine Erpansionsbestrebun- gcn bis an die sibirische Grenze ausdehnen werde. In russi­schen nationalistischen Kreisen äußert man immer lauter die Besorgnis, Japan werde seine Bnndesgenossenschaft in diesem Kriege benutzen, um die Aufmerksamkeit Rußlands ganz von Ostasien abzulenkcn und sich bis hart an die sibirische Grenze vorznschicben. Rußland müsse auf seiner Hut sein, denn Japan sei für das russische Reich als Freund gefährlicher denn als Feind.

Russische Greneltaten in Ostpreusten.

Von allen Seiten kommen noch glaubwürdige Nachrichten über das schreckliche Vorgehen der Russen. Im Regierungsbezirk Gumbinnen sind nach amtlichen Feststellungen allein über 860 Personen ermordet worden. In Opehlischken wurde am tt. September der Müller Nasiowitz von den Kosaken mißhandelt, an einen Baum gebunden und dann erschosien. Ter Man» hinter­läßt seine Frau und zwei Kinder. In Schillgallcn bei Tilsit wurde die 18 Jahre alte Tochter des Gemeindevorstehers Funk durchs Fenster erschosien. Der 55 Jahre alte Schmicdemcistcr K u r m i e 8 und der 30 Jahre alte Maurer Schaak wurden aus den Häusern geschleppt und von den Kosaken durch Bajonett st tche ge­tötet. Entsetzlich war das Geschrei der beiden Männer. Kurmics wies nicht weniger als 47 Stiche auf, als seine Leiche gesunden wurde. In Angerburg wurde von durchziehenden Kosaken zwei Männern bedeutet, aus dem Hause zu kommen. Als sie er­schienen, mußten sie sich an die Wand stellen und wurden erschosien. In HeinrtchSwalde sollte angeblich von Zivilisten auf eine russische Patrouille geschosien worden sein. Deshalb lautete das Urteil: Alles soll des Todes sterben und der Ort wird nieder- gebrannt. Schließlich begnadigte man die Frauen und Kinder, doch die Männer wurden geknotet, bis sie in Ohnmacht sielen. In Petcrswalde bei Buttstabt kam, als die Kosaken erschienen, der Bruder des Besitzers K a t h c r mit einer Forke aus dem Stall, den er gereinigt hatte. Der Mann wurde erschosien. Das Gehöft steckten die Kosaken in Brand. Dabei verbrannte eine Tochter, die sich versteckt hatte: ein anderes Mädchen erlitt schwere Brandwunden. In Landsberg wurden sechs Zivilpersonen erschosien. Der Sohn des Stellmachermeisters G r a v hatte sich nur mit einem preußischen Ulanen unterhalten. Deswegen wurde er von den anrückenden Rusicn niedergeknallt.

In B i s ch o f s st e i » und Umgegend sind 20 Personen er­schosien. 14 von ihnen mußten sich in einer Reibe ausftellen und wurden getötet. Einer war nicht tödlich getroffen. Es gelang ihm, sich später in Sicherheit zu bringen. In Sturmhübel wurden elf Personen, darunter zwei Frauen, ermordet. In L o k a u wurde eine Anzahl Personen getötet. Ein Dienstmädchen und ein Kind verbrannten. Der im vierzehnten Jahre stehende Sohn des Besitzers Schmidt erhielt sieben Streifschllsie, die ihn

alle Herzen sich zum Guten öffnen. Laßt uns in die Vor­halle treten und Gott unser» Preis bringen. Ist ein lange? Lied, das sie singen, können sie derweil betrachten, ohne daß sie uns inne werden. Denke, mein guter Freund Sture hat keinen Atem mehr für heut und wird die nächste Woche in; Heiserkeit zubringen, wenn das reiche Opfer nicht Wunder an ihm tut."

Mit diesen unheiligen Spöttereien war der alte Geist zw Hclgcstad zurückgckehrt. Er öffnete die niedere Kirchtür und trat in den dunkeln Raum hinter dem Vorbau. Von hie: aus konnte er Gemeinde und Priester sehen, und seine Blicke flogen rasch über die dichtgedrängte Schar, hafteten auf der Stelle, wo seine Kirchenbank stand, und zogen sich finster zu­sammen, als er bemerkte, daß statt des dicken roten Pastors vom Lyngenfjord der silberhaarige Greis Klaus Hornemann das Altargebct verrichtete. Dann blickte er über die Ver­sammlung, welche aus vielen wohlbekannten Gesichtern be­stand, in denen sich häufig die Ungeduld malte, diese Kirchen- seicr zu Ende zu bringen, um ins Freie hinaus zu eilen; andere schienen ergriffen und bewegt zu sein, und Helgestad sah lange still aus seine Kinder, che er seiner Begleiterin beide nannte und zeigte. Sie saßen beisammen. An Jldas Seite tauchte der rote Kopf des Schreibers auf, hinter ihnen ragte Olaf empor, und neben Björnarne hatte ein Mann Platz genommen, dessen Anblick Hclgcstad ein lautes Grun­zen ausprcßtc. Es war kein anderer als der Vogt von Tromsö in eigener Person. Das dicke Gesicht mit den kleinen bösartigen Augen, die feurige Rase und die breiten, hängenden Unterlippen konnten keinem als ihm angehören. Helgestad schien nicht recht zu wissen, ob er sich über die An­wesenheit dieses würdigen ersten Magistrates der Finn­marken freuen oder ärgern sollte. Er hatt«? absichtlich seine Jacht ans dem Rückwege bei Tromsö vorübcrlausen lassen, ohne anzulcgen, uni dem Platze ausznweichcn, jetzt saß dieser vor ihm, und um ein Kleines war er sicher nicht gekominen.

(Fortsetzung folgt.)