Ausgabe 
30.9.1914
 
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Jhrleg. Deshalb sei auch ber bisherige Chefredakteur des Avanti zurllckgetretcn. Im allgemeinen wurde die Situation aber eher pessimistisch beurteilt.

Der erlaubte Shakespeare.

Die Direktion des Deutschen Theaters in Berlin hat an verschiedene bekannte Persönlichkeiten die Frage gerichtet, ob es in dieser Zeit erlaubt sei, Shakespeare zu spielen. Dar-' auf antwortete der Reichskanzler kurz und treffend:Shake­speare gehört der ganzen Welt." Auch alle andern Gefragten äußerten sich dahin, daß das geistige Erbe des großen eng­lischen Dichters dem deutschen Volke nicht verkümmert werden dürfe.

Offenbar hat die Direktion des Deutschen Theaters die Umfrage für nötig gehalten, um sich gegen gewisse überhitzte Köpfe eine Rückendeckung zu schaffen. Denn an sich ist die Frage ebenso überflüssig, wie die Antworten selbstverständlich sind. Kunst und Wissenschaft sind inter­national.

Wollten wir aus die geistigen Fortschritte verzichten, die wir dem Auslande verdanken, so dürsten wir unfern ver­wundeten Soldaten nicht einmal antiseptische Verbände an- legen, weil diese Methode von einem englischen Arzt, Lister, erfunden ist. Und wie die Wissenschaft in ihrer praktischen Anwendung mit dem Auslande in lebendiger Wechselwirkung steht, so sind auch die höchsten rein geistigen Errungenschaften des deutschen Volkes ohne die Vor- und Mitarbeit des Aus­landes undenkbar.

Die Kämpfe an der Maassperrpsorte.

Wien, 29. Sept. Der Kriegsberichterstatter des Neuen Wiener Tageblatts meldet aus dem Großen Hauptquartier:

Ich wohnte gestern den Kämpfen des rechten Flügels der Belagerungsarmee bei, deren Ziel es ist, die Maas- sperrfortlinie zwischen Verdun und Toul zu durchbrechen. Die Operationen der Armee begannen vor etwa 5 Tagen. Hierbei kam es zu großen Kämpfen. Der Gegner wurde überall geworfen. Heldenhaft war die Erstürmung der französischen, im Frühjahr ausgebauten Stellungen auf dem Westrande der Cote Lorraine trotz starker artilleristischer Gegenangriffe aus L. und T. Die Deutschen warfen den Feind gegen Verdun derartig zurück, daß er unfähig zu größeren Operationen war. Nach Sicherung der Flanken konnte das Vorgehen der deutschen schweren Artillerie und der österreichischen Motormörser kraftvoll und erfolgreich er­folgen. Am Donnerstag abend eroberten die Deutschen St. Mihiel. Gestern früh wurde das Fort Camp-des- Romains genommen. Einige Schritte neben den Motor­mörser-Batterien geriet der Kriegsberichterstatter in einen heftigen Schrapnell- und Granatenhagcl. Das Pfeifen der Schrapnells war von unheimlicher Wirkung. 8 Schritte vor mir platzte im Walde ein Schrapnell. Ein früherer Schrapnell hate an derselben Stelle zwei deutsche Soldaten getötet. Wir suchten mit den österreichischen Soldaten im Walde Deckung vor der glänzend schießenden feindlichen Artillerie. Unsere Motormörser arbeiteten, von den Deutschen bewundert, vor- züglich. Zwei Kilometer vor uns war ein Jnfanteriegefecht.

Die Flieger über Paris.

Berlin, 28. Sept. Daß über Paris am 27. Sept. nicht einer, sondern zwei deutsche Flieger auf einer Taube erschienen sind, wird den, Berliner Tagebl. über Turin bestätigt. Der zweite Flieger erschien nachmittags über Pastg und war einem heftigen Gewehrseuer ausgesebt. Er hatte nur Zeit, eine einzige Bombe herabzuwerscn, weil die inzwischen von Ist» les Moulineaur hcr- beigceilte französische Fliegerabteilung sofort Jagd auf ihn machte.

Die Angst von Paris.

Rosendaal, 29. Sept. In Frankreich trägt man sich ernst­lich init dem Gedanken, die der Hauptstadt benachbarten Plätze zu befestigen, damit diese nicht, wie beim ersten Vormarsch der Deutschen erneut mit Leichtigkeit in die Hände des Feindes fallen können. General Gallieni, der Befehlshaber der Pariser Besatzungstruppen, hat einen Plan zur Verteidi­gung des Seine-Departements ausgearbeitct, der von dem Generalissimus Joffre gutgeheißen worden ist. Die Rekruten der Jahresklasse. 1914 sollen gemeinschaftlich mit Teilen der Von General Pau im Süden des Landes aufgestellten Armee zur Verteidigung der Städte Gisors, Mont Morcny, Chan­tilly, Mantes, Senlis und einiger anderer hcrangezogen wer­den. Der Bewohner der genannten Städte hat sich angesichts aller dieser Vorbereitungen eine große Panik bemächtigt. Sie bereiten ihre Flucht vor, die sie um so schneller bewerkstelligen wollen, als von der Militärbehörde bereits ein großer Teil der Bevölkerung, meist mittellose Leute, nach dem Süden abgc» schobcn worden ist. Es ist kein Wunder, daß infolge dieser Vorbereitungen in Paris die wildesten Gerüchte umgehen, da man nicht weiß, ob man den offiziellen Meldungen Glauben schenken kann, oder nicht.

Der belgische Truppcnrrsatz verboten.

Köln, 28. Sept. Don der holländischen Grenze wird der Kölnischen Zeitung berichtet: In Belgien haben stellen­weise die Ortsbehörden versucht, die Milizgefchäfte fortzu- setzen, um den einheimischen Truppen Ersatz zufllhren zu können. Daß ihnen dies von den deutschen Behörden unter­sagt wird, versteht sich von selbst.

König Burhan Eddin von Albanien".

Mailand, 28. Sept. Der Eorriere della Sera hat folgende Drahtnachricht aus Durazzo erhalten: Der albanische Senat har

den 30jährigen Prinzen Burhan Eddin Efsendi, einen Sohn des entthronten Sultans Abdul Hamid zum König von Albanien pro- klamiert.

Russisch-persische Zusammenstöße.

Konstantinopel, 29. Sept. Ter türkischen Presse zufolge haben in Sivedji an der persischen Grenze ernstliche Zusam­menstöße zwischen Russen und persischen Sumianomaden statt­gefunden, wobei 2 russische Offiziere und 400 Soldaten getötet und 4 russische Offiziere und 40 Soldaten verwundet worden sind. Die Nachricht wird von offizieller Seite bestätigt.

Eine brennende Stcinkohlengrube.

^ Saarbrücken, 28. Sept. Das Fettkohlcnflöz unter dem Delbrück-Schacht auf Grube Luisenthal steht seit heule früh in slamlnen. 27 Grubenpferbe sind erstickt aufgcfunden worden. Das Feuer ist durch ein bei Schmiedearbeiten von oben den Schacht hinuntersallendcs rotglühendes Stück Eisen, das gerade aus die Einmündung der Wetterführung in Kohlen siel, verursacht worden. Die Kohlen entzündeten sich und der Luststrom trieb den Brand durch das Flöz, in dem Schlagwetter entzündet wurden. Das Ieucr wurde abgedämmt.

Hesse« «nd Nachbargebiete.

Vietze» und Umgebung.

Krieg und Kleinhandwerker.

Wie oft konnte man früher an den Stammtischen, wo sich alltäglich die KIcinmcister zum gemütlichen Abendschoppen trafen, wenn man sich über hohe Politik unterhielt, die Acußerung hören:Es hilft nichts, es muß einmal Krieg geben, daß es besser wird!" Das gedankenlose Geschwätz ist längst verstummt. Zu seinem Schrecken hat man jetzt, nach- dem es ernst wurde, am eigenen Leibe erfahren, was das Wort Krieg bedeutet. Man merkt, wie das wirtschaftliche Leben an der einen Stelle langsamer, an der anderen schneller zu stocken beginnt. Es kommt kein Geld herein. Die Leute, die es in größerer Menge haben, halten es zurück und ver­schanzen sich, wenn sie anderen nicht mehr weismachen können, daß sienichts haben", hinter der Ausrede, daß sie keins flüssig machen können. Dann kommt cs aber zu Verhältnissen, wie sie ein Leser, der in der Nähe der Stadt Darmstadt eine eigene Schreinerei betrieb und seither sein Auskommen hatte, in einem Briefe an den Volksfreund schildert, aus dem wir das Nachstehende auszugsweise wiedergeben. Ter Handwerks­meister schreibt:

Als Abonnent lese ich gerne Ihre Ratschläge zur Linderung der Not und Arbeitslosigkeit im gegenwärtigen Kriege. Auch der Kleingewerbetreibenden muß in diesen Tagen einmal gedacht werden und ich will dieserhalb von eigenen Erlebnissen berichten: Ich habe im April d. I. für zirka 1000 Mark Schreinerarbeiten ftir das Kaufmännische Erholungsheim in Wiesbaden (auf Rech­nung eines Mibelhändlers) geliefert und die Summe in Wech­seln bezahlt erhalten. Nun sind ln den letzten 14 Tagen 700 Mk. davon fällig gewesen, die Wechsel aber nicht eingelöst worden. Der Schuldner sagt:ich bekomme selbst soeben kein Geld herein und muß einrllcken: meine Nachmänner drängen mich zur Deck­ung." Unter diesen Nachmännern sind allerdings Firmen, die bester gestellt sind als ich, denn für mich bedeutet die Hcrbei- schaffung den Ruin. Ich habe wohl soviel Ausstände, aber es zahlt kein Kunde, jeder sagt, ich kann nicht. Wie soll ich mich da verhalten? Meine Schreiner mußte ich aus Mangel an Geld entlasten, obwohl noch Arbeit vorhanden ist und ich selbst muh mich mit meiner Familie von 5 Köpfen aufs äußerste beschrän­ken und Kredit bei Bäcker und Metzger in Anspruch nehmen. Ich habe noch eine vertragsmäßige Arbeit in Händen, da werden aber nur bei Fertigstellung 60 Prozent ausbezahlt, 20 Prozent nach Rechnungsstellung »nd 20 Prozent bleiben 2 Jahre stehen. Der Auftraggeber, ein Sanitätsrat a. D., wäre wohl in dv Lage, diese Bedingungen aufzuheben, aber der führende Architekt hindert ihn daran."

Wir sind der Ansicht, daß sich hier ein weites Feld der Betätigung für die Handwerkskammer auftut, denn dem hier angezogenen Handwerker geht es nicht allein so, er wird noch Leidensgenossen haben.

An unsere Leser. Die vielen an unS gerichteten An­fragen aus unserem Leserkreis, die die Verluste des Gießener Regiments betreffen, müssen wir dahin beantworten, daß bis heute die amtliche Verlustliste irgendwelche Angaben über die Verluste des Gießener Regiments nicht enthält. Sobald die Verlustliste erscheint, wird dieselbe von uns vollständig veröffentlicht.

Gefallene aus Gießen und Nachbargebietcn: Leutnant d. Reserv. Karl Doepfer aus Gießen, Jnf.-Regt. 189. Gefreiter Karl Baiser aus Gießen, Jnf.-Regt. 118. Reservist August Hof f ma nn aus Freiensteinau, Kreis Lauterbach; Unteroffizier Leopold Stern aus Niedcrflor- stadt. Kr. Friedbergj Musketier Karl Koch aus Weniges, Kr. Lauterbach: Gefreiter Konrad Vogel aus Nordeck, Kreis Marburg: Vizefeldwebcl Karl Roos aus Brandoberudorf, Kreis Usingen; Unteroffizier d. R. Otto Lotz aus Hungen, Kreis Gießen, sämtlich Jnf.-Regt. 81. Reservist Otto Röder aus Strcbcndorf, Kreis Alsfeld, Jnf.-Regt. Nr. 87.

Tote des Gießener Regiments. Vom Infanterie- Regiment Nr. 116 sind weiter gefallen: Am 30. August Reservist Ludwig Bamberger, Kaufmann aus Muschcn- heim. Wehrmann Ludwig H a , Gießen. Musketier Ferdinand Gernandt, Schlosser aus Heuchclheim. Am 15. September Landwehrmann Ludwig Schmidt aps Allendorf a. d. Lda. Am 22. August der Einjährige-Unter­offizier Ernst Strack, Kaufmann aus Leihgestern.

Kriegsgefangene in Gießen. Wie wir kürzlich be­richteten, ist der vordere Teil desTrieb" umzäumt und zur Ausnahme von 10 000 Kriegsgefangenen provisorisch her- gerichtet worden. Wie uns nun heute mitgeteilt wird, wer­den in den nächsten Tagen die ersten 3000 Kriegsgefangene hier eintreffen, die mit der Herstellung der für die übrigen Gefangenen bestimmten Baracken beschäftigt werden sollen.

Sitzung der Stadtverordneten. Die gestrige Stadtverord- ncten-Vcrsammlung, seit 8 Wochen Pause einmal wieder eine Zu­sammenkunft der Vertreter der Bürgerschaft, wurde vom Vor­sitzenden, Oberbürgermeister Keller, eröffnet. Als Urkundspersonen wurden die Stadtverordneten Orbig und Helsrich ernannt. Es fand zuerst eine Auslosung von Schuldverschreibungen der Stabt Gießen statt. Der Oberbürgermeister machte Mitteilung vom Tode des Stadtverordneten Friedrich Helm, der in allen Fragen des Verkehrs der Versammlung ei» zuverlässiger und erfahrener Berater gewesen ist. der in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorstandes des Verkehrsvereins die Förderung des Verkehrs in unserer Stadl tatkräftig gefördert hat. Die Versammlung wird dem verstorbenen Kollegen allezeit ein ehrendes (Bedenken bewahren. Der Oberbürgermeister bemerkt sodann, baß es seine Absicht war, der Versammlung über die Tätigkeit der Stadt seit Eintritt der Mobilmachung einen eingehenden Bericht zu erstatten, wegen über­häufter Arbeit sei er aber bis heute nicht dazu gekommen, den Bericht abzusasten. Er wolle aber mitteilen, daß er am 13. Sep­tember d. I. an der zuständigen Stelle einen Antrag unterbreitet hat, über den Verbleib unserer Angehörigen im Felde einen schnelleren Nachrichtendienst einzurichten, als dies bisher der Fall gewesen. Das lange Ausbleiben der Verlustlisten sei zweifellos peinlichnd führe zu Unzuträglichkciten, die vermieden werden müsien. Ter Oberbürgermeister teilt die schon bekannte Tatsache mit, daß für die Kriegsanleihe von der Stadt 250 000 Mk. ge­zeichnet und die Zeichnung in unserer Stadt den Betrag von 6,8 Millionen Mark erreicht habe. Im Vergleich zu den Zeichnungen anderer hessischer Städte sei das Ergebnis bei uns als glänzend zu bezeichnen, umsomehr als Millionenposten, wie solche anderwärts vorgekommen sind, in Gießen nicht zu erwarten waren. Es sei der kleine Sparer und der Mittelstand, der sich in Gießen an ber An­leihe im Interesse des Vaterlandes beteiligt hat und dafür wolle er öffentlich den Dank der Stadt aussprcchen. Aus Untvcrsitäts- kreisen war eine Anregung gegeben, wöchentlich fllr die Angehörigen der hessischen Division als Publikationsorgan eine Feldpost heraus­zugeben, für welche die Städte mit Garnison tn Hesien die Druck-

kojtcn iibernehmen sollten. Durch dieses Blatt sollte zwischen dep Heimat und den Angehörigen des Heeres eine geistige Verbindung hergestcllt werden. Nachdem die Städte Mainz und Darmstadt eine finanzielle Beteiligung an ber Sache abgelehnt hatten, Gießen, Offenbach und Worms waren dazu bereit, ist die Anregung ins Wasser gefallen: der Redakteur Schaum der Hessischen Feldpost hat den Gedanken, den Teilnehmern im Felde sein Blatt gratis zuzu- stellen, daraufhin abgelehnt. Stadtv. Sommer erklärt, unsere Soldaten lechzen nach Zeitungen draußen im Felde, er schlägt daher vor, alle Woche ein Auto mit Zeitungen und Druckschriften an untere Truppen ins !^eld iiu senden. Der Oberbürgermeister er- klärt, daß demnächst 6 Autos mit Liebesgaben ins Feld gehen und daß er veranlasien wird, mit diesen Zeitungen mitzugebcn. Pros. Sommer ist der Ansicht, es könne nicht viel kosten, wenn alle Woche ein Auto mit Zeitungen nach Frankreich abginge. Der Ober­bürgermeister bemerkt, daß diese Transporte doch nicht so einfach und billig durchzusühren seien, weil die Autos auf dem Wege sehr leiden. Der Vorsitzende teilt mit, baß Stadtverordneter Heichel­heim 10 000 Mark zur Beschaffung eines Krankenautomobils der Stadt zur Verfügung gestellt hat; er dankt demselben namens der Stadt für diese Spende und bemerkt, daß bisher 250 Verwundete mit dem Auto in die Lazarette befördert wurden. Es wird dann Mitteilung gemacht von dem Plan, auch in Gießen eine Kriegs- kreditkasie zu gründen. Man werde abwarten, in welcher Höhe Anteilscheine zu dieser Kreditgenossenschaft gezeichnet werden, um dann zu erwägen, mit welchem Betrage sich die Stadt an diesen, sozialen Unternehmen beteiligen soll. Beigeordneter Grünewald bemerkt dazu, daß er sich habe überzeugen lasten, daß eine solche Genossenschaft auch in unserer Stadt eine Notwendigkeit sei, um durch den Krieg schwach gewordene Existenzen zu hallen und zu stützen. Es sind dies besonders Personen des Handwerks und des Handels. Es ist unbedingt notwendig, daß alle Kreise unserer Bevölkerung aus Gründen der allgemeinen Fürsorge sich an den, Unternehmen als Genosten beteiligen. Ans Vorschlag des Ober­bürgermeisters hat sich der Rektor der Universität damit einver­standen erklärt, daß die Eingänge für die von der Hochschule ver­anstalteten Vorträge dazu verwendet werden, um damit Unter­stützungen der Familien unserer im Felde gebliebenen Mitbürger zu leisten. Der Oberbürgermeister ist an der zuständigen Stelle vorstellig geworden, damit die Getreidepreise für ganz Deutschland in erträglicher Höhe von der Zentralstelle aus veranlaßt werde». Die Stadtverordneten Heichelheim und Loeber sind der Ansicht, daß sich dies nur für Gießen resp. für jeden Bezirk besonders regeln laste, weil zwischen dem Berliner Preis und den, Preise tn Gießen doch immer eine Disserenz bestehe. Fllr die durch die Invasion der Russen in Ostpreußen entstandenen Schäden werben 3000 Mark bewilligt.

Kartoffelmehl als Zusatz zum Brot. In der letzten Zeit ist schon wiederholt der Vorschlag gemacht worden, dem Brot Kartoffelmehl zuzusetzen. Durch diesen Zusatz würde das Brot verbilligt und die zur Verfügung stehende Menge Mehl vergrößert werden. Nach Berliner Blättern hat sich auch die Rcichsregierung bereits mit der Frage deschäftigt, ob sie die Bäcker veranlaßen soll, einen Kartosselmehlzusatz zum Brot zu nehmen. Allerdings sollte die Einführung der Deklarationspslicht die Vorbedingung dafür sein. Feder, der Kartoffelmehl unter das Roggenmehl mischt, müßte den Prozentsatz des Kartosselmehlgehalts angeben. Fn Berlin sollen auf Anordnung der Behörden mehrere Bäcker Brote mit 20 Prozent Kartosselmehlzusatz gebacken habe». Das Brot soll ebenso schmackhaft sein, wie bas aus reinem Roggenmehl gebackene. Die Verdaulichkeit soll durch den Zusatz sogar erhöht worden sein. Daß der Nährwert geringer ist, kann nicht bestritten werden. Es wird aber behauptet, daß ber Nährgehalt nur unwesentlich ver- ringert sei.

Von derElektrischen". Aus der grünen Linie unserer Straßenbahn läuft seit einigen Tagen ein Wagen, der ein (Ge­räusch verursacht, das Leute, die cs den ganzen Tag mit anhören. müssen, nervös macl>en kann. Weshalb die Verwaltung der Straßenbahn diesen Wagen nicht auswechselt und einer gründlichen Reparatur unterzieht, ist uns nicht recht verständlich.

Erweiterter Zugverkehr. Vom 15. Oktober d. I. ab tritt der ständige Eifeubahnfahrplan im EisenbahndirektionsbeArk Frankfurt a. M. wieder in Kraft Der 1, Oktober wird jedoch schon erhebliche Erleichterungen im Zugverkehr bringen.

Blutige Ehezwiste. In Frankfurt a. M.-Bockenh«im bat gestern ber 67jährig« Häfner Christoph Hcnzel seine 51 Jahre alte Ehefrau erschossen. Der Täter ging dam, flüchtig. An­scheinend geschah di« Tat aus Eifersucht nird Rache. Ter eiser- süchtige Gatte hatte oft die Frau mißhandelt, weil er glaubte, sic unterhalte mit einem Mieter intime Beziehungen. Als die Frau die Mißhandlungen nicht mehr ertragen konnte, erstattete sie An­zeige. Gestern sollte deshatb eine Vernehmung vor der Poltzei er­folgen. Vor dieser Vernehmung beging Henzel die scheußliche Tat. Ein zweiter blutiger Ehestreit trug sich in K i l ta n st ä d te n zu. Dort weilte ein Frankfurter namens Johann Henning seit einiger Zeit zur Erholung. Vor einigen Tagen besucht« ihn dort seine Frau. Gestern wollt« das Paar abreisen und ,nachte vorher noch einen Spaziergang durch den Wald. Später kam di« Frau allein zurück mit einer blutenden Wunde am Halse und gab an, ihr Mann habe sie gestochen. Tic wurde in ärztliche Behandlung genommen, während der Mann verhaftet wurde, lieber den Grund dieser Tat wurde noch nichts bekannt.

Schwurgericht. Tie gestrige Verhandlung fand ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Angeklagt ivar der Ar­beiter Johannes Marchewka aus Stenschewo wegen je eines Verbrechens der Notzucht und des Notzuchtsversuchs. Die Ver­handlung gestaltete sich insofern recht schwierig^ als sowohl der An- geklagte wie -nnh die Zeugen der deutsche Sprache nicht mächtig sind, sodaß sich die Mitwirkung eines DoknetscherS erforderlich macht«. Der Spruch der Geschworenen lautete bezüglich des Not- zuchtrersuchs ans Nichtschuldig, worauf der Angeklagte wegen dieses Delikts frei,gesprochen wurde. Tie Frage auf vollendete Notzucht wurde bejaht und der Angeklagte unter Versagung mildcrnder Umstände zu 1 Jahr 0 Monaten Gefängnis verurteilt. Tie er. litten« Untersuchungshaft wurde nicht angercchnet. Die Anklage vertrat Herr Gerichts« ff« ssor Knanß, Verteidiger war Herr Jnsttzrat Metz.

Zu dem Fonds für Liebesgabe» sind bei dem Oberbürger­meister weiter eingegangcn: von Gießener Oberlehrern 160 Mark, von Stadtgeometcr Wißner 2. Rate 20 Mk.. von Photograph Ludwig Uhl 15 Ml., von Hermann Winthcr Witwe 0 Mk., von Landgc- richtsrat Schudt 30 Mk., von Professor Dr. Kalbsleisch 20 Mk., von Fra» T. 50 Mk., von Gustav Lehr Witive 10 Mk., von Karl Horn 20 Mk., von Stodtrcchmr Maser- 30 Mk., von Ungenannt 100 Mk.. von, Gießener Lokomotivführer-Berem 2. Rate 80 Mk., voni Gießener Lehrerverein 2. Rate 200 Mk., von, Verein städtischer Beamten 3. Rate 100 Mk.. von Reailehrer Jonn 2. Rate 15 Mk., von Bürgermeistcreisekretär Kolb 2. Rate 20 Mk-, von Laudge- richtsrat Neuenhagen 2. Rate 25 Mk., von Ftnanzrat Tr. Ofsen- bächer 2. Rate 20 Sttf von Prokurist Georg Kreuder 20 Mk.. von N. 9t. 3 Mk., von Feldbaretnigungägeometcr Mener 2. Rate 10 Mk., von Professor Schaumanu 10 Mk., von Rentamtmann Weimer 2. Rate 10 Mk., von Milchhändler Nathan Eharack 7,50 Mk.. von Kaufmann Robcrt Stuhl 18 Mk., von Möbelfabrikant Franz Brtick 6 Mt., von Kaufmann Bruno Krohm 3 Mk., von Heinrich Zunmer Wttwe 3 Mk., von Geh. Schulrat Dr. Stoeriko 18 Mk.. oon Pro­fessor Tr. Hirt 42 Mk., von Bnchdrnckereibesitzer I. Weinert 6 Mk., von Musikalienhändler E. Challier 6 Mk., von Emil Schmall Witwe 5 Mk., von Landgerichts rat Wiener 13,50 Mk., von Glascrmeisier Georg Luh 0 Mk., von Hoflieferant Heinrich Hettler 4,50 Mk.. von August Letthäuser 1,50 Bkk . von Weinhäudler Karl Küchel 18 Mk., von Mctzgermeister Friedrich Schreiner 37,50 Mk.. Inhalt einer Sammelbüchse, aufgestellt bei der Auszahlung der Eiuguartiernngs» geiber 173,54 Mk., zusammen 1346,04 Mk.

Mit herzlichem Tank fllr diese Gaben wird um ivcitere Zu. Wendungen gebeten-