Die Plänkeleien in den Karpathen.
Budapest, 28. Sept. (W. B. Nichtamtlich ! Das Ungarische Korrcipondeiizbureau ist von kompetenter Leite ermächtigt, folgendes liekanntzugeben: Bei dem Ilzsokcr Patz ist gestern eine mehrere tausend Mann stark russische Truppenabteilung cingcdrungcn, die bei Malomrct zwischen Fenyvcswoclgy und Ezontos zurückgc- schlagen wurde, Maramoroser Komitat sind bei Tornya ebenfalls Plänkeleien mit dort eingebrochcnen russischen Truppen und unseren zum Grenzschutz befohlenen Truppen im Gang. Von Munkacs und Huszt sind größere Truppenableilungen unterwegs, um die Unseren zu unterstützen. Alle diese Grcnzplänkeleien sind von geringerer Bedeutung und geben, nachdem wir bei der Grenze und im Landesinnern über genügende Truppen verfügen, keinen Anlaß zur Besorgnis.
Ei» Feldpostbrief aus Ostpreußen.
Dem Briefe eines Parteigcnoffen, der als Landwehr-Unteroffizier bei den Truppen im Osten steht, entnehmen wir folgende Schilderung:
Wir haben ifi ununterbrochenen Märschen mit wenig Nachtruhe und natürlich auch wenig Ruhe am Tage an der Verfolgung der Rusicn teilgcnonimcn. Wir waren auch an der Schlacht beteiligt, ,n der die Nullen vollkommen geschlagen wurden. Tu wirst wahrscheinlich durch die Zeitungen viel mehr davon wißen. Wir haben nämlich die ganze letzte Woche überhaupt weiter nichts erfahren, als soviel, daß die Russen geschlagen worden sind. Zu Deiner Beruhigung will ich Dir aber Mitteilen, daß wir an den eigentlichen Kämpfen nicht beteiligt waren. Wie ich Dir wohl schon mitteilie, sind bei uns sehr viel alle Laudwchrlcute, die nicht mehr soviel aushalten, wie junge Leute. Deshalb standen die jüngeren Truppen im Vordcrtresscn, und wir alten Leute blieben immer als Reserve in der hintersten Linie. Wir wären nur daran gekommen, wenn cs die anderen nicht'geschafft hätten. Von sämtlichen Kämpfen haben mir nur das Donnern und Krachen gehört, und als wir am anderen Tage über das Schlachtfeld kamen, lagen nur noch die getöteten Pferde aus den Feldern. Alles andere war schon weggeräumt. AIS dann die Rußen in die Flucht geschlagen waren, genügten auch die anderen Truppen, um die feindliche Armee auszulösen und wir konnten wieder zurllckmarschieren. Seit Samstag befinden wir uns auf dem Rückmarsch nach .... Gestern, Sonntag, sind wir 32 Kilometer marschiert .... Ueber das, was ich gesehen und erlebt habe, kann ich Dir leider sehr wenig schreiben, da es bald dunkel wird und ich kein Licht habe. Persönlich geht es mir soweit gut. Nur auf den Füßen bin ich etwas kaput, das kannst Du Dir wohl leicht denken. ... In den Gegenden, durch die wir durchgekommen sind, haben wir immer nur die Verpflegung durch unsere Bagage erhalten, da die Bewohner der Dörfer alle geflüchtet sind oder von den Rußen ermordet waren, d. h. gemordet haben eigentlich immer nur die Kosaken. Wir sind durch Dörfer gekommen, in denen haben wir noch die armen ermordeten Bewohner liegen sehen, teils auf dem Felde, teils in den Häusern. Tie meisten Dörfer waren bis aus die Mauern niedcrgcbrannt. Gestern auf dem Rückmarsch kamen wir durch ein Torf, da waren gerade die geflüchteten Bewohner zurllckgekommen. Wir Soldaten haben alle unser versligbarcs Brot den Leuten geschenkt, da diese nichts, garnichts zu cßen hatten. Tie wenigen Häuser, die in den Dörfern nicht niedergebrannt sind, sind alle bis aufs letzte geplündert. Und was nicht wegzuschleppen ging, haben die Rußen kurz und klein geschlagen. Ich habe gesehen, wie an dem einen Hause, von dem nur noch zwei halbe Mauern standen, die zurück- gekehrte Frau mit zwei Kindern stand und bitterlich weinte. Da sind auch mir die Tränen hochgekommcn, und ich habe unwillkürlich mein Gewehr fester angesaßt und bedauert, daß ich noch nicht habe aus Kosaken schießen können. Ich könnte noch viel mehr Einzelheiten aufzählcn, aber ich muß jetzt aushörcn. Es wird dunkel und wir miißen unsere Gewehre reinigen.
Der Kolonialkrieg.
WB London, 28. Sept. Das Reutersche Bureau meldet aus Pretoria vom 24. September: Die Polizeistatton Rietfon- lein ist am 19. September von einer deutschen Abteilung, di« ungefähr 200 Mann stark ist. genommen worden. Es handelt sich itm eine ziemlich bedeutende englische Station, die östlich von Kretmanshoop liegt.
Eine Antwort an England.
Die englische Regierung hat vor einigen Tagen einen Bericht ihres bisherigen Botschafters in Wien, Sir Maurice de Bunsen, veröffentlicht, in dem der deutschen Vertretung in Wien der Vorwurf gemacht wird, daß sie sich bei den Verhandlungen mit der österreichischen Regierung nicht auch der Mithilfe der Vertreter des Dreiverbandes bedient hätte. Dieser Vorwurf wird zurückgewiesen mit deni Hinweis darauf, daß es ganz ausgeschlossen war, diese Mithilfe zu erbitten, nachdem Rußland auf das allerbcstimmteste erklärt hatte, den Konflikt Oesterreichs mit Serbien als einen Streitfall anzusehen, in den Rußland eingreifen müsse. In der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung werden dann noch einmal die bereits bekannten diplomatischen Verhandlungen aufgeführt und dann wird erklärt:
A f r a j a.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 73
„Sind zur Stelle und kommen zur richtigen Zeit", sagte er, „um das Jubelfest mitzuhaltcn. Anker los denn! Miissen Freude zu Freude bringen."
Der Anker fiel, und in den nächsten Minute lag die Jacht hinter den Booten. Mt derselben Geschwindigkeit wurde die Jolle niedergelassen, die bequemste Leiter an die Wand des Bollwerks gehakt, und nun eilten die Männer, um ihre besten Kleider anzutun.
Wahrend sie sich Putzten, stieg Helgestad in die Kajüte hinunter. Vor der Tür blieb er einen Augenblick stehen, horchte und trat dann mit freundlichem Gesicht herein. Hanna Fandrem stellte eben den Kafsetopf aus dem kleinen Öfen auf den Tisch. Marstrand stand davor und ordnete die Tassen. Beide waren vollständig angekleidet, was Niels zu gefallen schien.
„Nuh!" sagte er leise, „sehe, habt eure Sache in Ord- nung. Bist in den Kleidern. Mädchen, schaust schmuck und festlich aus. Liegen dicht unter Lyngens Kirche im Hellen Sonnenschein, merkt aber kein Mensch etwas davon, als hätten wir Niffelheims Tarnkappe aus die Mastspitze gesetzt. Sitzen alle in der Kirche: kalkuliere, heizt Henrik Sture ihnen mit einer Danksagung ein, die ihnen Augen und Ohren verstopft, aber die Herzen öffnet."
Er setzte sich nieder, nahm eine Tasse und schenkte sie voll, während er weiter sprach. — „Ist eine alte Sitte aus Heiden- zeit, Herr Marstrand, Julsest zu feiern. Hat viel Blut gekostet. ehe es in Norwegen aufhörte und die Christenprieste: cs durchsetzen konnten, daß Julsest auf Weihnachten verlegt wurde. Ward mehr als ein König von den Bauern gezwungen, Julfeier zu begehen zu Ehien Odins und Thors, Uiiö mußte Haken der Gu.e Stutcnflei.u) dabei essen, wie
„Bei so offenbarer Doppelzüngigkeit der russischen Politik wäre ein weiterer Aufschub auf unserer Seit« geradezu ein Üler- brechen gegen Deutschlands Sickxrheit und vor dem deutschen Volk nicht mehr zu verantworten gewesen. Daher erhielt am gleichen 31. Juli der Kaiserliche Botschafter in St. Petersburg den Befehl, der russischen Regierung zu eröffnen, daß Deutsch land als Gegenmaßregel gegen di« allgemeine russische Mobilmachung vorläufig den Kriegszustand in Deutschland verkündet habe, dem die Mobilisation folgen niiiße. wenn Rußland seine militärischn Maßnahmen nicht binnen 12 Stunden einstellc. Hieraus hat die russisch Regierung überhaupt kein« Antwort gegeben. und es blieb der deutschen Regierung nichts anderes übrig, als der russichn nach Ablaus der gestellten Frist am 1. August erklären zu laßen, daß wir uns als im Kriegszustand mit ihr befindlich betrachteten. Schon am 1. August rückten russisch Truppen auf deutsches Gebiet vor und Rußland begann damit den Krieg gegen uns.
Dies ist in lückenloser chronologischer Folge der Sachverhalt. Es bleibt allen nachträglichn Ausarbeitungen ciiglischcr Diplomaten zum Trotz bei dem. was der Reichskanzler bereits am 3. August in seinem dem Re ich tage vorgelegten Weißbuch auSge- sprochn hat: „Die russisch Regierung hat durch ihr« Riobil-
machung die mühsame VcrmittlungSarbeit der europäischen Staatskanzleien kurz vor dem Erfolge zerschlagen. Die Mobilist erungsmaß reg« In in Verbindung mit ihrer fortgesetzten Ab- leugnung zeigen klar, daß Rußland den Krieg wollte." Und England auch. Eine einfach Erklärung aus London nach St. Petersburg, daß panslawistisch Bestrebungen Rußlands gegen Oesterreich-Ungarn durch den Dreiverband nich gedeckt seien, hätte genügt, um di« russisch Kriegs In st zu dämpfen. Und auch Frankreich würde sich, beim Abrücken Englands von der Be- gllnsttguna einer allslawistischcn Politik deni Bllndnissall haben entziehen können." ,
Schließlich wird dann noch Bezug genommen auf den von der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Bericht des belgischen Geschäftsträgers in St. Petersburg, der seinem Minister des Auswärtigen ausdrücklich schrieb: „Unbestreitbar bleibt, daß Deutschland sich hier <St. Petersburg) ebenso sehr wie in Wien bemüht hat, irgendein Mittel zu finden, um einen allgemeinen Konflikt zu vermeiden, daß cs dabei aber einerseits auf di« feste Entschloß-nheit des Wiener Kabinetts gestoßen ist, keinen Schritt zuriickzuwcichen. und andererseits auf das Mißtrauen des Petersburger Kabinetts". Und weiterhin: „England gab anfänglich zu verstehen, daß es sich nicht in «inen Konflikt hineinzi:l>en laßen wolle. Sir George Buchanon lder britische Botschafter in Petersburg) sprach dies offen aus. Heut« aber ist man in St. Petersburg fest davon überzeugt, ja man hat sogar die Zusicherung, dos, England Frankreich beistehen wird. Dieser Beistand fällt ganz außerordentlich ins Gewicht und hat nicht wenig dazu beigetragen, der Kriegspartei Ober- waßer zu verschaffen."
Der Artikel der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung schließt mit der Bemerkung:
„Diescs Zeugnis für Englands Mitschuld am Obsiegen der russischen Kriegspartei ist durch den Bunsenfchen Bericht nicht fortzufchaffen."
Deutschlands wirtschaftliche Ueberlegenheit über England.
Wie die Franks. Ztg. erfährt, hat im August, dem ersten Kricgsmonat, der deutsche Export weniger gelitten als der englische. Der deutsche Export ist um 345 Millionen Mark gleich 44,8 Prozent zurückgegangen, derjenige Englands aber absolut und relativ stärker, nämlich um 497 Millionen Mark gleich 45,1 Prozent. Das werden die Engländer nicht erwartet haben. Sie glaubten uns wirtschaftlich besiegen zu können. Und nun müssen sie erfahren, daß sie selbst auf dem Gebiete der Ausfuhr, auf dem wir es am schwersten haben, fchlinimer leiden als wirl
Der Wirtschaftekrach Frankreichs vor derTür?
Berlin, 29. Sept. In einem Artikel „Vorboten des großen Krachs" glaubt die Tägliche Rundschau Voraussagen zu können, daß die heute schon den französischen Geldmarkt verwüstende Panik nur noch wilder und die Flucht der Millionen ins Ausland noch allgemeiner werde, wenn die 509 000 Dcpotcinlcger keine Dividende vom Credit Lyonnais erhielten. Am Schluffe des Artikels heißt cs: Der französische Krach und das Versagen der Millerandschen Heeresverwaltung kann den raschen Abstieg der Poincarch Delcassä usw. nur noch beschleunigen. Brinnd, der dieser Firma geistig weit überlegene Ergcnosjc, steht nur kühl zu ihr und warte: seine Diktaiorstunde ab. Das Schwanken der Regierungs- manner zwischen Bordeaux und Paris untergräbt den Rest von Ansehen, der ihnen noch verblieben ist. Daran, daß diese Republik ini Sterben liegt, ist nickit mehr zu zweifeln.
sehr er sich auch sträubte. Kannten sich Christen und Heiden viele Menschenaltcr lang daran, daß am Sonnenwendetag diese sich schmückten und opferten."
„Das Julsest war also in alter Zeit die Frühlingsfeier?" sagte Marstrand.
„War das größte Fest der Menschen und das schönste Fest, »m den Allvater zu bitten, seinen Kindern gnädig zu sein," antwortete Niels, „und haben es hier erhalten, bloß umge- wandelt nach christlichem Sinn, wie es überall am besten erhalten blieben wäre. Nun aber laßt uns nicht länger sitzen. Miissen ans Land und wollen sie überraschen in ihren Betstühlen. Wirst sie sehen, Hanna, denke, fehlt keiner. Liegt mein größtes Boot an den Steinen und trägt seine stolze Fahne, die Gula letztes Jahr gestickt hat."
Er warf seine Jacke ab, zog den blauen, grün gefütterten Rock an, und als Hanna in die Nebcnkammer ging, redete er mit Marstrand. „Nuh!" sagte er, „ist allerlei Mißmut in Euren Kopf gekommen, seid verdrießlich und schwermütig geworden, soll jedoch kein Spahn zwischen uns liegen, der nicht sortgcstoßcn würde. Biete Euch nieinc Hand, Herr, laßt alles zwischen uns sein, wie es war. Achte Euch als einen Mann, der seinen Willen klar zu machen weiß, müßt dagegen achten, was ich als richtig kalkuliere: stellt sich Rechnung
gegen Rechnung, nehmt aber Wort und Scklag darauf, bleibe Niels Helgcstad, der cs Euch zusagte. Euer Helfer zu sein, so viel er immer kann."
Marstrand nahm die dargebotene Hand an. - „Ich sage Ihnen Dank, Herr Helgestad," erwiderte er, „und bin gern bereit, den Frieden zu bewahren."
„Habt Einsehen von Gott bekommen," sprach Niels, „wird Euch Vertrauen zu mir geben. Denke, müßt Euch freuen, an diesem Tag hier zu sein. Findet alle sittsamen Jungfrauen da oben beisammen. Schickt der Herr Euch gleich seine Wachteln entgegen, könnt die fetteste sangen, wenn Ihr wollt."
Eine Krieg kundgcbung der deutschen Kandels- und Fndustriewelt.
WB Berlin, 28. Sept Die heutige gemeinsame Sitzung tx 4
Dcuisckien HandelstageS. des Dcutsck-ei, Lamdwirtschaslsralcs, des Krieqs<russchusies der Deutschen Industrie somic des Deutschen Handwerks- und GcivcrbekamumertageS nahm bei überaus starkem Besuch eine» erhebenden Verlauf. Es wurde einmütig jvig:nüe Erklärung angenommen:
Ei» frevelhafter Krieg ist gegen uns entbrannt. Eine Welt von Feinden hat sich verbündet, um das Deutsche Reich politisch und wirtschaftlich zu vernichten. Voll Zorn und voll Begeisterung erhob sich, um seinen Kaiser geschart, das deutsche VoU einmütig. Feder unserer Krieger in Heer und Flott« n>eiß. daß es sich um Sein oder Nichtsein des Vaierlandcs handelt. Daher Izaden unsere Wasjcn ihre glänzenden Erfolg« errungen, daher wird ihnen der Sieg beschieden sein. Hierfür bürgt auch di« starke Gesundheit unserer Voltsivirtfchaft und der beispiellos« Erfolg der mit fast 4Mi Milliarden Mark gezeichneten Kriegsan - I c i I) c n. Wohl hat uns der Krieg schwere wirtschaftliche Lasten auferlegt, freudig sind sie für das Vaterland überivommen worden. Zu sedcm weiteren Opfer bereit, sind all« Teile des deutschen Wirtschaftslebens, der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels und des Handwerks einmütig eirt schlossen, des zu dem Ergebnis durchzuhalten, das de» ungeheure» Opfern dieses Krieges cirt- spricht und dessen Wiederkehr ausschließt. Tann wird ein« gesicherte Grundlage gegeben sein für neu« Blüte, neue Macht und neu« Wohlfahrt des Deutschen Reiches. — Es wurde dann bc- schloßen, folgendes Telegramni abzusenben:
„Sr. Majestät dom Deutschen Kaiser, Großes Hauptquartier: Eurer Majestät bringt die von dem Deutschen Haudeistag, dem Deutschen Landwirtschaftsrat, dem Kriegsausfchuß der Deutschen Industrie und dem Teutfchen Handiverks- und Gewerbekammertag veranstaltete große V ersann» ln na di« eftrsurchtsvollste Huldigung dar. Einmütig im Zorn über den sreoelhaft gegen uns entflammten Krieg, einmütig jn der Zuversicht auf den Sieg unserer Waffen und einmütig in dem Gefühl unserer wirtschaftlichen Kraft, bekunden die Vertreter aller Teil« des deutschen Wirtschaftslebens, der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels und des Handwerks, ihre feste Entschlossenheit, durchzuhalten bis zu dem Ergech- rris. das den ungeheuren Opfern dieses Krieges entspricht und dessen Wiederkehr ausschließt. Dann wirb unter seinem glvr- reichen Kaiser das Deutsche Reich <mf sicherer Grundlage zu »euer Macht und Wohlfahrt gelange».
Dr. Kämpf, Gras von Schwerin-Läwitz, Roetger, Friedrichs, Plate."
Das Nie^enheer der kleinen Anleihe-Zeichner.
Schon sofort während und nach der KriegSanleihe- Zeichnung ist sichtbar gewesen, mit welcher Freude und mit welchem rückhaltlosen Vertrauen gerade di« kleinen Sparer und Kapitalisten dem Reiche ihre Ersparnisse zur Verfügung stellten. Wir können setzt einen ztsfernmäßigen Beleg dafllr bringen. Wie wir nämlich erfahren, sind an Zeichnungen von 196 bis 200 Mark iiber 200000 Stück eing«lausen, an Zeichnungen von 200 bis 2000 Mark fast 700 000 Stück Diese beiden Gruppen von zusammen 900 000 kleinen Zeichnern, di« vielfach aus den Sparkassen kamen, hassen allein % Milliarden Mark ausgemacht!
In den Dardanellen nnd im Schwarzen Meere.
Konstantinopcl, 28. Sept. Tie Dardanellen wurden für jeden Verkehr durch Seeminen gesperrt.
WH. Konstnutinopcl, 29. Sept. Die Leuchttürme von Kara Burun und Jniadc an der europäischen und von Schile an der asiatischen Küste des Schwarzen Meeres nahe dem Bosporus sind wieder angezündet worden.
Eine Konferenz der schweizerischen nnd italienischen Sostalisten.
Lugano, 28. Sept. sCtr. Frkft.) Die heute Morgen abgeschlossene Konferenz schweizerischer und italienischer Sozialisten, die unter Ausschluß der Oesfentlichkeit tagte, war von acht Schweizern und 9 Italienern besucht. Unter diesen befanden sich die Abgeordneten Morgart, Prampolint, Modigliani, Mussati und Turati: ferner waren die Parteileitung und die Redaktion de» Avanti, vertreten durch Ratti, Sarrati und Mussolini, und die ans Rußland stammende Arbeitersetrctürin Balabanoss anwesend. Die Konferenz ernannte den Schweizer Nationalrat Greulich zum Präsidenten. I» der lebhaften Aussprache kam der allgemeine Wille zum Ausdruck, sein Möglichstes zu tun, um die Neutralität der bisher nicht in den Krieg verwickelien Staaten aufrecht zu halten. Gleichzeitig sollen Schritte getan werden zur Beendigung des mörderischen Kampfes in den Kricgsstaatcn. Dabei wurde ganz besonders die Aufgabe der neutralen Staaten hcrvorgchobcn, die heute noch 80 Millionen Menschen »Insassen, zum Teil aber von der Kriegsgefahr bedroht sind und direkt ebenfalls schwer zu leiben haben. Unter den sozialistischen Parteien der verschiedensten Länder sollen die Beziehungen wieder ausgenommen werden. ES wurde die Anregung gemacht, die italienische Kammcrfraklion solle die italienische Regierung veranlassen, im Sinne der Friedensvcr- mittlung eine Aktion zu unternehmen. In Italien seien die organisierten Sozialisten, namentlich die linksstehenden gegen den
Marstrand lachte, indem er den Kopf schüttelte, aber Helgestad fuhr vertraulich fort: „Sucht umher und bindet der, die Euch zumeist gefällt, ein Band um den Flügel. Ist uralte Sitte, daß am Julsest Bekanntschaften gemacht werden, denen die Hochzeit folgt. Hoffe, am Balssjord steht Euer Haus fertig: wollen in ein paar Tagen Euch und Eure Waren hinüber bringen und weiter sehen, was zu tun ist. Doch nun vorwärts! Da kommt Hanna, ehrbar und stolz, in Schleiertuch und Faltenschllrze, und rufen von oben unS an die Jolle, haben keine Zeit, länger zu warten."
Er stülpte seinen Hut auf, schlang ein buntes Seiden- tnch um den Hals und führte Hanna nnd Marstrand in das wartende Boot. Mit wenigen Stößen flog dies an die Stein- ölöckc der Ufertreppe, von wo es zurückkehrte, um die sämtliche Schiffsmannschaft ans Land zu befördern.
Hanna stieg rasch über die Ielscnstufen der gewaltigen Gneislager, welche übereinander geworfen auf die Spitze der Klippe führten. Marsttand blieb neben ihr, aber Helgestad war weit zurück, als die beiden schon oben standen.
„Nuh!" murmelte er hinaufschend, indem er sie betrachtete, „ist wahrlich eine Taube, die ihr Futter aus jedermanns Hand nimmt. Schaut auf mich herunter wie ein Bild von Stein oder wie eine Norne, von der die alten Sagas reden, die den Menschen ihr Schicksal sangen. Denke aber, soll mir kein Finger davon weh tun. Habe sie jetzt, wo ich sie haben will; bist mein, sollst mir nicht mehr entkommen!"
Er nickte zu ihr hin und bedachte, daß sie Björnarne wohl gefallen werde, denn groß und stark und stattlich sah sie aus. Ihre vollen, festen Züge hatten sich gerötet von der Anstrengung, nnd ihr Gewand von schwarzer Seite glänzte im Sonnenschein. Dazu trug sie eine nordländische Falten- schürzc und ein weißes Schleicrtuch, das in ihren Haaren fest- gcsteckt war. Helgestad war in, Zweifel, wer schöner sei, sein eigenes Kind JIda oder diese Schwiegertochter, die sein ge- Heimes Wohlgefallen und seinen Hochmut erregte. (Forts, f.)


