Ausgabe 
29.9.1914
 
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hiebet: GaS noch elektrisches Licht vorhanden ist was in vielen Arbciterwohnungen der Fall sein wird ist eben äußerste Sparsamkeit anzuratcn. Dazu fordert auch der Konsumverein seine Mitglieder auf. Durch möglichst ge­ringen Verbrauch wird einer etwaigen Preistreiberei der Petroleum-Gesellschaften cntgegengcwirkt.

Ganz wie bei uns. lieber Fleischp reise und Viehpreife schreibe» die Siegblätter, das Aentrnmsorgan für den Wahlkreis Wctziar-Aittnbirchen:Nachdem nunmehr sch»» seit uiehr als eine.» halben Jahre die Viehpreis« ganz bedeutend gesunken, die Fieiich- preise aber kaum l>cruutergegangen sind, nt es wohl endlich an der Zeit, zumal in diesen Tagen der Kriegsnot, dazu ein ernstes Wort zu sagen. Eine solche osfentlichcKlärung liegt sowohl im Interesse der produzierenden Landwirte ivi« vor allem des kaufenden Publi­kums zumal der Arbeiterfamilie». Bei einem Verbrauch von nur einem Pfund pro Tag verliert eine solche Familie 36,50 Mk. pro Jahr, wenn das Pfund auch nur 10 Pfg. zu teuer ist: das macht für die gegenwärtige Zeit ivohl ein halbes Monatseinkommen aus. Wenn man aber die Spannung zwischen Vieh- und FIcischprcifcn besonders von Schweinen ans dem vergangenen Fahre mit der der lebten Mouate vergleicht, dürften wohl fast 20 Pfg. pro Pfund zu viel bezahlt tverden. In einer Sladt am Rhein sagte «in Stadtver­ordneter bei dem KapitelMaßnahmen der Verwaltung gegen Lebensmittelverteuerung" folgendes: Auch für Fleisch besonders für Schweinefleisch, sei der Preis ungerechtfertigt hoch Die Schweine seien außerordentlich billig, ländliche Schwein« säst nicht verkäuflich. Trotzdem ivcrde für Speck und gewöhnliches Frisch­fleisch noch immer 0095 Pfg. für das Pfund von den Metzgern verlangt. Das sei um so bedauerlicher, als es sich dock, um ein un­entbehrliches Na hrringHin Ittel weiter Bolksireise handle. Er möchte fragen, ob di« Verwaltung, welche gegen di« wucherische Preis­steigerung anderer Lebensmittel so energisch vorgegaugen sei, hier nicht «lngrcifen könne und dl« Metzger wenigstens gezwungen iver- dcn könnten, die Preise >m Schaufenster zu vcrösscittlichen. Eine Spannung von 3540 Prozent zwischen Ein- und Verkaufspreis, er wolle nicht die zutreffendste Bezeichnung gebrauchen, sei unerhört. Ter Vorsitzende sagte Abhilfe zu, und cs hat geholfen. Anderswo sollte man ebenso verfahren. Wenn das nicht geschieht, müßte mau zur Selbsthilfe schreiten. Tie Produzenten sollten ihr Vleh selber schlachten, aber mich Reklame machen: oder mehrere Familien sollten genieinsam schlachten, wenn sie allein dazu nicht in der Lag« sind. Nach den Preisnotlerniigen rheinischer Vichmärkte i>eträgt gegen­wärtig der Durchschnittspreis 55 Mk., also das Pfund 55 Pfg. Er­halten die Landwirte hiesiger (hegend mehr? Und was zahlt das kaufende Publikum? 00 Pfg.!nd darliber! Di« weiteren Bcrcch- mrngen und Schlußfolgerungen mag jeder selber machen." Wir haben diesen durchaus ziiireffcndcn Darlegungen nichls hinzu- zufügen.

Das istBernsteins" wilde, verwegene Jagd". Mit dieicm geistreich sein sollenden öde» Gewltzel schloß bekanntlich Abgeord­neter Werner-Kietzen seine Rede im Reichstag, die sich als eine Verleumdung der silbischen Soldaten im allgemeinen »nd als eine Beschimpfung des feinsinnigen sozialistischen Kclchrten Bern­

stein im besonderen erwies. Inzwischen hat die Weltgeschichte mit blutigem Eisengrisfel diese Wcrncr-Worle in ihrer ganzen erbärm­lichen Haltlosigkeit gekennzeichnet. Von hunderten Beispielen neueren Datums für heute nur das eine, das einem Berliner Blatte entnommen ist:

Limburg sLahn). sEine tapfere Tat.) Wie man den, hiesigen Lokalblatt mitteilt, hat der Gefreite Lcvy aus Eulcy in Lothringen die Fahne seines Bataillons gerettet und die Mann­schaften um sich gesammelt. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und wurde zur Beförderung zum Leutnant vor- geschlagcn."

Wcttcrauer Kartoffeln als Liebesgabe. Im Vogesenstädtchen Markirch steht das wctterauischc Landsturmbataillon. Auf einer nach Friedberg geschickten Feldpostkarte wurde die Bitte un, Zu­sendung von Kartoffeln ausgedrückt. Die Bitte ward öffentlich bekanntgegeben. Im Handumdrehen standen der Sammclstellc 67 Säcke Kartoffeln zur Verfügung, und zwar nur aus der nächsten Umgebung von Fricdberg. Eine große Anzahl Säcke aus der übrigen Wetterau treffen dieser Tage in der Sammelstcllc ei». Sittii Metzlar.

-i Kriegssürsorge. Endlich ist in Naunheim bei Wetzlar die erste Unterstützung an Frauen von Kriegsteilnehmern ausgc- zahlt worden, nachdem unser liebeoolles Ortsobcrhaupt und Haupt- kricgcrvcreinler Rachsuchende abgewiesen hat. Wie soll da der Kampfes,nut der Männer auf dem Schlachtfeld erstarken?

-r. Gemeindcratöwahlfieg in Kinzenbach. Bei der hier statt­gefundenen Wahl gelang es unserer Partei, den ersten Kenosien in das Genieindeparlament zu entsenden. Es ist dies der Landwirt Georg Pfaff. Bei der Wahl wurde das Verhalten des Bürgermeisters Braun aus Krofdorf als Wahllciter recht unlieb­sam empfunden. Die Beteiligung war wegen des jetzigen Krieges gering und wäre durch die obere Behörde zu erwägen, ob cs nicht angebracht sei, die Wahlen zu vertage», damit nicht die vielen Männer auf dem Schlachtfeld um ihr Wahlrecht kommen.

X Kriegsopfer. Als Tote vom Schlachtfeld aus dom Kreis Wetzlar und Bicdeukops werden ivcittr gemeldet: Reservist Friedrich Bruck aus Blasbach, Jnf.-Regt. Nr. 146 «Gießen): Wilhelm Schlitz (Lehrer) aus Garbeheim, Jnf.-Regt. Nr. 174: Reservist August Stamm aus Wald­girmes, Jnf.-Negt. Nr. 167.

-st. Die Generalversammlung des Actzlar-Braunfelscr Kon- sunivercins. die am Samttag stattfand, war für die jetzig« Zeit sehr gut besucht. Der Verein zählt 4218 Mitglieder und hatte in, ab- gelausencn Geschäftsjahr ein«.» Umsatz von 070 138 Mk. Davon aus eigener Bäckerei 222 514 Mk. Auf Antrag der Gesamtverwal- tung sollen 4 Progent Rückvergütung gewährt iverden, was nach eingehender Begründung auch aus den Reihen der Mitglieder von her Generalversammlung «nistimmig angenommen wird. Tie aus- schcidcnden Aufsichtsratsmitglieder und Ersatzmänner werden cben- salls elnstiminig wiedergcwählt. Zur Zeit hat der Verein 10 Ver­kaufsstellen. davon 4 in der Stadt Wetzlar und Niedergirmes, 4 im Dillkrels: Sin», Herborn, Ballersbach und Dillenburg, und 2 im Kreise Weilbnrg: Phrllppstein und Laudns-Eschdach.

Telegramme.

Das französische Bulletin,

Paris, 28. Sept. (Ctr. Frkft.) In einen, am 27. Dept.

nachts 11 Uhr ausgegebenen Bulletin heißt cs u. a.:Die Deutschen haben in der Nacht vom 26. auf den 26. und bi- zun: 27. bei Tag und Nacht a»f unserer ganzen Front »naich- hörlich mit unerhörter Heftigkeit ihre Angriffe erneuert, mit dem offenbaren Zweck, unsere Linie zu durchbrechen. Die gesamte Anlage der Angriffe beweist, daß Instruktionen voin Oberkommando gekommen sein müssen, eine Lösung der Schlacht zu suchen. Ti« französischen Kominandostcllen teilen »nt, daß die Stimmung der Trupepn trotz der riesigen An- sirengnngen ausgezeichnet sei."

Bekanntmachung.

Zu vergeben sind aus der Elisabeth Schmidt-Ttistung:

4 Gaben von je 17 Mark an bedürftige, unbescholtene, ledige Dienstmädchen im Alter von über 50 Jahren und

10 desgleichen a» arme Witwen. Meldungen nimmt bis zum 10. Oktober 1014 das Städtische Armcnamt, Astcrwcg 9, entgegen. Gießen, den 25. September 1914.

Der Oberbürgermeister.

(Armenverwaltung.)

_ gez.: Keller. ___

Druck: Verlag Ofsenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Ofsenbach a. S>L Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Kietzen. _Verlag von Krumm & Cie., Gießen.

Konsum-Verein Giessen u. Umges.

Zur Aufklärung!

Wie uns mehrfach mitgeteilt wurde, ist das Gerücht verbreitet dass die

diesjährige Rückvergütung

nicht an unsere Mitglieder zur Auszahlung gelangt, sondern für andere Zwecke Verwendung finden soll. Des ferneren wird herumgesprochen, dass wir überhaupt nicht in der Lage wären, die Rückvergütung auszahlen zu können. Wir erklären

Mdu» Gerücht« unwahr und als Verleumdung

und werden in Zukunft besonders gegen die Verbreiter der letzten Behauptung in unnachsiclitlicher Weise vorgehen und, falls Mitglieder dabei in Frage kommen, den Ausschluss derselben wegen Geschäftsschädigung bewirken. Die Höhe der Verteilung der Rückvergütung unterliegt der am 18. Oktober stattfindenden Generalversammlung, jedoch ist der Verein auch dieses Jahr wieder in der angenehmen Lage, eine Rückvergütung von 5 Prozent auszahlen zu können. Die Auszahlung

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erfolgt sofort nach stattgeiundener Generalversammlung, wovon unsere werten Mitglieder schon heute Kenntnis nehmen wollen. Die jetzige schwere Zeit stellt grosse Anforderungen an die Verwaltung. Wenn wir uns auch in jeder Weise bemühen, möglichst allen Wünschen gerecht zu werden, kann es doch Vorkommen, dass nicht alles wunschgemäss zu erledigen ist. Die Verhältnisse sind eben mächtiger als wir. Das mögen unsere Mitglieder berücksichtigen, ver Vorstand.

HV;

Todes -Anzeige.

Verwandten, Freunden und Bekannten hier­durch die schmerzliche Nachricht, dass mein ! innigstgeliebter guter Gatte, treusorgender Vater und unser lieber Freund

-M

I

I am 9. September im Kampfe fürs Vaterland im Alter von 26 Jahren den Heldentod gestoiben ist.]

Krofdorf, den 28. September 1914.

In tiefster Trauer:

Frau Katharine Schneider

geb. Kirch und Kind

Frau Kath. Schleenbecker Wwe. Marie Drescher.

Freie T urnerschaft K rofdorf.

Nachruf.

Den Heldentod fürs Vaterland starb am | 9. September unser wertes Mitglied

An diejenigen Einwohner aber, die noch noch nicht Mitglied des Konsumvereins Giessen sind, ergeht der Ruf: Tretet ein in den Konsumverein, damit auch Ihr in Zukunft Anteil an den gewaltigen Summen habt, die unser Verein alljährlich an seine Mitglieder in bar zurückvergütet. Keine Zeit ist geeigneter zum Beitritt als die jetzige. Das Eintrittsgeld beträgt 50 Pfennig und werden Anmeldungen in allen Verteilungsstellen entgegengenommen.

: im Alter von 26 Jahren.

Durch seinen aufrichtigen und festen Charakter I hat er sich bei uns ein dauerndes Andenken ge- s ' c ^ ieit * Der Vorstand.

Feldpost-Pakete

an Soldaten des L8. Armeekorps

sind erlaubt

Wichtigste Bekleidungsstücke

in vorschriftsmässiyen Kistchen mit wasserdichter Wachstuchhülle versandfertig

Lungens chüt z er Kniewärmer Leibbinden Kopfschützer

Socken

Strümpfe

Hosenträger

Taschentücher

Normal-Hemden N ormal-Hosen Unter-Wamse Wollene Sweaters

Grosse Mengen. Nur prima Sachen. Zum grossen Teil an Angehörige des Regiments geliefert.

Bahnhofstr. 14 Kaufhaus Katz, Giessen, Bahnhofstr. 14

Schriftliche Bestellungen werden prompt ausgeführt.