Reiches flawnrtMre*, sind deshalb stark zurückgegangen. Ein Krieg aber erfordert Geld, Geld und nochmals Geld. Außerdem hat China die Revolution, oder zum mindesten dock» di« Nachivehen der Revo- luttion im Leibe. — UeberbieS ist das chinesische Heer dem modern ausgerüsteten japanischen absolut nicht gewachsen. Wohl hat c^uanschikai eS dazu benutzen können, schlecht organisierte rebellische BolkShaufen in di« Flucht zu schlagen, dos aber ist auch alles. Enn chinesisch-japanischer Krieg wllrde also mit äußersten Schwierigketten für China verbunden sein; er wllrde geradezu die Existenz des gewaltigen Reiches im fernen Osten in Frage stellen. Deshalb ist an einen solchen KiautschouS ivegen auf keinen Fall zu denken.
Wenn jedoch di« Japaner Kiautschon ersolgreich angreisen wollen, müssen sie Truppen ans chinesischem Boden landen, also die Neutralität China» brechen. Vermutlich wird man in Peking auch gegen einen solchen Neutralilätkbruch noch kein« Schritte unternehmen, vielmehr alles ovfdieen. um einen Konsltkt mit Japan z» vermeiden. Auch ffn russisch-japanischen Kriege muhte China, weil c» machtlos war. den unbeteiligten Zuschauer spielen und konnte seine Landrechte nicht wahren. Sollten die Japaner es indessen wagen, Teile von China mit Beschlag zu belegen, dann würde ivahr- schetnlich auch da« chinesische Volk in den blutigen Strudel des Weltkrieges hineingestohen werden. Für diesen Fall hat man hie voin Wiener chinesischen Gesandten erwähnte teilweise Mohilisierung der Arm« ungeordnet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein weiteres Vordringen der Japaner einen chinesischen Verzwciflungskamps um di« national« Existenz entfesselt. Es entsteht di« Frage: Wird
Amerika auch dazu schweigen?
Die Neutralen.
Der Krieg zieht die neutralen Länder wirtschaftlich fast ln derselben Weise in Mitleidenschaft, wie die Kriegführenden selbst. Die Arbeit liegt darnieder, die Lebensmittelpreise steigen. Aus Holland wird uns berichtet, daß wenigstens dort die gewerkschaftlichen Organisationen bisher voll intakt geblieben sind. Ein Mitgliederverlust ist so gut wie nicht zu verzeichnen. Einige wenige Gewerkschaften, darunter der Buchdruckerverband, haben sogar einen kleinen Gewinn an Mitgliedern aufzuweisen. Regierung und Gemeindevertretungen haben den Gewerkschaften zugesichert, daß sie in der Weiterzahlung der Arbeitslosenunterstützung weitgehendste materielle Hilfe erlangen sollen. Vielfach hat die Einrichtung schon Platz gegriffen, daß Gewerkschaften Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln für ihre Arbitslosenuntcr- stützung erhalten.
Hollands Verstimmung gegen England.
Amsterdam, 27. Sept. (Ctr. Frks.) Mit ungewöhnlicher Schärfe wendet sich der Nieuwe Rotterdamsche Courant gegen England, das während des russisch-japanischenKrieges aufs schärfste gegen Rußland protestiert habe, das Kohlen und Lebensmittel filr absolute Konterbande erklärte. Heute tue England dasselbe, wie damals Rußland: es nenne Lebensmittel und Brennmaterial zwar relative Konterbande, behandle sie aber als absolute. Nun sei England noch einen Schritt weiter gegangen, indem es Güter, die nach der Londoner Erklärung Überhaupt nicht als Konterbande angesehen werden durften, zu relativer, also ln Wahrheit zu absoluter Konterbande mache. Das Blatt fährt wörtlich fort: „Wir halten e8 fllr unsere Pflicht, mit Nachdruck daraus hinzuwcisen, daß die britische Regierung auf diese Weise handelt, wie Lord Lansdowne 1804 cS gegenüber Rußland ausdrückte, nämlich ohne Achtung der wohlbekannten Rechte der Neutralen, und daß England von dem Nichtinkrafttretcn der Londoner Secrcchtsdeklaration Gebrauch macht, um den neutralen, also auch den niederländischen Handel in willkürlicher Weise zu knebeln."
Amsterdam, 27. Sept. sCtr. Frkst.) Tie niederländische Regierung droht damit, über die großen Handelsstädte, also Amsterdam und Rotterdam, den Belagerungszustand zu verhängen, da angeblich Kauflcule die Besehle der Negierung hinsichtlich der Ausfuhrverbote umgehen. Tic Verhängung des Belagerungszustandes brächte neben anderen Unannehmlichkeiten der Kontrolle auch die Zensur der Korrespondenz mit sich.
England hat das holländische Schiss „Sophie", das von Rotterdam nach Newpork unterwegs war, angehaltcn und nach Lowestoft gebracht. Tie Gründe sind unbekannt. Hierbei hat England, wie schon kurz gemeldet, zum ersten Male auch ein ausfahrendcs holländisches Schiff belästigt, was Beunruhigung erregt.
Rumänien erläs;t eirrGetreide-Ausfuyrverbot
Wie der Köln. Ztg. über Zürich gemeldet wirb, hat die rumänische Regiernna ein Ausfuhrverbot für sämtliche Gctreide- arten erlassen. Ter Berl. Lokalanz. sagt dazu: „An hiesigen
Stellen, die über eine derartige Maßnahme Rumäniens genau unterrichtet sein müßte, ist von einer solchen Anordnung der Bukorester Regierung zur Stunde nichts bekannt. Ein Ausfuhrverbot ssir Heu und Hafer besteht allerdings, aber schon seit A»s- bruch des Krieges. Gerste. Weizen, Mais und die daraus gewonnenen Produkte waren jedoch in jener ersten Verordnung ausdrücklich ausgenommen. Die verschiedenen interessierten Kreise haben sich bereits telegraphisch nach Bukarest um Auskunft gewandt, ob es zutrisst, dasi das bisherige Ausfuhrverbot eine solche Ergänzung erfahren solle".
Tie Türkei hebt die fremden Post- berechtigungen auf.
Athen, 26. Sept. Die Postdirektion in Sniyrna ersucht die Postdirektioncn der Großinächte, vom 1. Oktober an ihre Tätigkeit cinzustellen und sämtliche Posten der ottomanischen Postdirektion zu übergeben.
Was das Ausland erzählt und erfindet.
Glatt erfunden.
Die aus italienischer Quelle stammende Nachricht, daß eine sächsische Kavallerie-Division in Russisch-Polen geschlagen wurde und dabei ihre ganze Artillerie verloren hat, ist, wie amtlich erklärt wird, glatt erfunden.
Eine Tchwindclkollektion.
Das Journal du Pas d Calais tischt, wie die Kölnische Zeitung Mitteilt. in seiner Nummer vom 11. September seinen Lesern Nachrichten mit folgenden llebcrschriften aus:
„Französischer Steg auf der ganzen Linie Im Osten — 200 000 Russen landen in Calais und Seebrugg«. — Dänemark erklärt an Deutschland den Krieg. — Die Russen vor Berlin. — Die Revolution in der Stadt. — Die Hungersnot in Berlin. Man bietet bis zu 4 Mark für ein Brot. — Ti« Kronprinzessin durchge- «angen mit einem General. — Ter zweit« Sohn des Kaisers Gefangener tn Antwerpen mit einem General. — Der Kaiser droht, man solle seinen Sohn in Freiheit setzen oder er iverd« Brüssel » drand stecken. — Antwort der belgischen Regierung: Wenn er Brüssel anrühre, werde man seinen Sohn erschießen, — Die »wnzosen und Engländer haben Löwen zurückerobert. — Di« Deutschen überall versagt, missen nicht mehr, wohin sie flüchten ~~ Zum zweiten Male Selbstmordversuch des deutschen Kaisers. 77 Di« Kaiserin beantragt Scheidung. — Kaiser Franz Joseph sei "Tage tot."
«Im*. Schlimmste ist, daß solche Wahnmitzigkeiten von vielen gc-
tnouvr werden!
Sozialdemokraten im s^elde.
bäuerische Parteiorganisation hat statistische Fest- wem wgen Wer die Zahl der zum Heere cingezogenen organisierten «WtaDemokraten getrofsen. In Prozenten der Mitgltederzohl aus- gedrückt. sind erngezogen au« den Wahlkreisen: «ichbach 28. Wasser
burg 2ä, Weil heim 40, Rosenhoim 35, Traunstein 30, Landshut 3V, Straubing 80, Passau 35, Pfarrkirchen 25, Teggenüvrf 30, Kelheim 40, Augsburg 35, Donamvörth 25, Tillingcn 30, Jllertissen 35, Re- genSburg 30, Kaufbeuren 30, Jm-menstadt 35, Amberg 30, Neumarkt i. O. 25, Neustadt a. W.-N. 30, Hos 40, Bayreuth 55, Forchheim- Kulmbach 57, Kronach-Ltchtensels 30, Bamberg 40, Nürnberg 28, Erlaugen-Fllrth 40, Ansbach-Schwabach 35, Eichstätl-Weißenburg 48, Tlnkclsbühs-Gunzenh-rusen 50, Rothenburg o. T. 41, Aschaffenburg 40, Kitzingcn 39. Lohr 35. Neustadt a. S. 20, Schweiufurt 70, Wurzburg 38. — Das sind rund 35 Prozent der organisierten bayerischen Parteigenossen: darunter besinden sich 873 Vorstandsmitglieder und Funktionäre der Partei.
Von den rund 38 400 männlichen Mitgliedern der Partei im nlederrheinischcn Agitationsbezirk sind 9705 zu den Fahnen einberufen. Das sind zirka 24,7 Prozent. Bon den Einberufenen sind fast 1000 als Vorstandsmitglieder, Bezirksfuhrer, Revierleute und Funktionäre der Partei tätig gewesen. Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß der Landsturm in diesem Bezirk nur tetlweis« einberufen ist.
Ein wie starkes Kontingent di« orggnisierten Sozialdemokraten auch in Landkreisen zum Heere stellen, bas beweist der Wahlkreis Breslau-Land-Neumarkt. Hier stehe» 3 Vorstandsmitglieder, 11 Tistriktsführcr, 47 Bczirksführer und 835 weitere Genossen im Heere, das sind über 28 Prozent aller Mitglieder,
Scharfes Vorgehen gegen die sozialdemokratische Presse.
Das Oberkommando in den Marken hat am Sonntag abend dem Vorwärts folgende Verfügung zugestellt: Dos
Erscheinen des Vorwärts wird hiermit bis auf weiteres verboten. — Unser Stettiner Parteiblatt, der Volksbote, erscheint jetzt unter einer verschärften Zensur. Auf Anordnung des stellvertretenden Obcrkommandierenden des 2. Armeekorps muß ein Bürstenabzug vor dem Erscheinen deS Blattes dem Polizeipräsidenten zur Zensur vorgelegt werden. Der Straßenverkauf wurde bis zum 30. d. M. untersagt und den Lazaretften verboten, bis zu diesem Tage das Blatt anzunehmen. Tie Abgabe der Zeitung in den Lazaretten erfolgte auf Wunsch der Verwundeten und selbstver- ständlich kostenlos. — Wie das Bochumer Volksblatt erfährt, wird sein verantwortlicher Redakteur, Genosse Pierenkämper, vor das Kriegsgericht gestellt werden. Die Anklage steht im Zusammenhänge mit dem auf einen Tag bemessen gewesenen Verbot des Blattes. Das Volksblatt bemerkt dazu: Welche gesetzlichen Bestimmungen die Grundlage der Anklage bilden sollen, ist uns noch nicht bekannt. Die Verurteilung halten wir für ausgeschlossen. — Am heutigen Montag hat sich der Redakteur der Breslauer Volkswacht, Genosse Förster, vor dem Kriegsgericht zu verantworten. In der Volkswacht waren einige von der Zensur beanstandeten Zeilen (eine Polemik gegen ein konservatives Blatt) aus Versehen nicht ausgemerzt worden und dieser „Widerstand gegen behördliche Anordnungen" bildet den Gegenstand der Klage.
Höchstpreise für Getreide «nd Mühlenfabrikate.
Berlin, 25. Sept. Die Festsetzung von Höchstpreisen fllr Getreide und, was auch nicht zu vermeiden sein wird, für Mühlenfabrikate, ist grundsätzlich entschieden und es ist zu erwarten, daß sie in der nächsten Woche erfolgen wird. Es wird wahrscheinlich notwendig werden, auch für andere Nah- rnngs- und Genußmittel Höchstpreise festznsetzen, worüber die Erwägungen noch schweben.
Kricgsnot und Slrbeitsloseitfürsorge in Bayern.
Am Freitag waren Vertreter der Freien Gewerkschaften unter Führung des LandtagSabgcordnetcn Scgitz beim Ministerpräsidenten v. Hertling, um mit ihm die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu besprechen. Landtagsabg. Segitz wünschte mit dem Hinweis, dasi Sachsen bereits 30 Millionen für Arbeits- losensürsorgc bereit gestellt, und daß Preußen sllr die Beratung einer Notstanbsvorlage den Landtag cinbcrusen habe, ebenfalls die sofortige Einberufung des bayerischen Landtags. Weiter wurde angeregt, ans die bayerischen Versicherungsanstalten einzuwirken, damit sie, ähnlich wie dies von verschiedenen außcrbayerischen Versicherungsanstalten bereits geschehen sei, auch ihrerseits reichliche Mittel zur Arbeltsloscnfllrsorge bereit stellen.
Ferner wurde die Deputation auch bei den Ministern des Innern, der Finanzen und des Krieges vorstellig. Bei diesen Besuchen stand ebenfalls die Arbeitsloscnfrage im Vordergrund der Erörterung. Aber auch andere Verhältnisse wurden besprochen, so die Verzögerung der Auszahlung der Unterstütz,mg an die Familie» der zum Kriegsdienst einberufenen Mannschaften und die engherzige »nd dem Sinn und den Geist des Gesetzes widersprechende Auslegung der Vorschriften durch verschiedene Bezirks- amtsmänncr. Tic ungenügende Bezahlung von Arbeitern einzelner Privatunternehmer, die Aufträge sllr die Militärverwaltung übernommen haben, wurde weiter vorgcbracht. Unangemessene Behandlung von Landwehrmännern und Landsturmlcute» im Garnisonsdienst und im Felde war auch Gegenstand der Besprechung. Tie Fortsetzung der militärischen Bauten in Augsburg, Nürnberg und Fiirth wurde erbeten, sowie vermehrte Beschäftigung in den staatlichen Forsten, ferner die Abgabe von billigem Waldholz und reichlicherer Walüstreuabgabe.
Die Minister sagten durchgängig Prüfung der Beschwerden und möglichst Abhilse zu.
Lohttkiirzunaen auf Zechen.
Essen, 20. Sept. Stach dem Organ des Gewerkvercins christlicher Bergarbeiter nehmen eine Reihe Zechenverwaltungen Lohnkürzungen vor. Das Blatt zählt acht Zechen, zumeist im Gelsen- kirchcner und Recklinghauser Revier auf, die Lohnabzüge von 40 Pfennig biß 1.80 Mark für die Schicht vorgenommen habe». Der Gcwerkvercin christlicher Bergarbeiter ersucht erneut den Zcchcnverbanb, ans die Zechenverwaltungen cinzuwirkcn, daß von einer Verschlechterung der Lohnverhältnisse ln dieser ernsten Zeit abgesehen wird. Sollten die Klagen der Bergleute bei den Zechenverwaltungen kein Gehör finden, will man sich mit den Militärbehörden in Verbindung setzen und diese bitten, im obengenannten Sinne aus die Zechenverwaltungen einzuwirkcn.
Englische Unterseeboote in der Ostsee?
Kopenhagen, 28. Sept. In den letzten Tagen waren nach dem Berliner Lokalanzcigcr in Schweden Gerüchte der- breitet, daß cs englischen Unterseebooten gelungen sei, in die Ostsee cinzudringen. Mit diesem Gerücht wurde die vorübergehende Einstellung der Fahrten des auf der Saßnitz. Trellcborger Route verkehrenden deutschen Dampfers „Preußen" und das Ausbleiben der regelmäßigen Fahrten der aus der Route Lübcck-Kopcnhagen-Malmö verkehrenden deutschen Dampfer in Verbindung gebracht. — Diese Gerüchte sind unbegründet; cs liegt keine Veranlassung vor, anzunehmen, daß englische Unterseeboote in der Ostsee seien. Ter Dampfer „Preußen" hat bereits seine regelmäßigen Fahrten wieder ausgenommen und auch die Schiffe der oben-
genannten Dampftrlinic sind wieder iu regelmäßige« Betrieb.
Peftgesahr für Europa?
Berlin, 28. Sept. Einem Rundschreiben des norwegischen Ministers für Soziale Wohlsohrt zufolge, ist in folgenden Ländern die Pest ausgetreten: Vorderindien, Birma, Tonking, Formosa, ganz Japan und Egypten. Das Auftreten der Pest in den englischen Kolonien ist darum besonders bedenklich, weil England durch seine angeblich nach Europa zu entsendenden, Hundcrttausciide von Hindus „nd dergl. Pestoerschlcpper nach den, europäischen Kontingent bringe, würde.
Die allgemeine Wehrpflicht für England.
Haag, 28. Sept. Lloyd George kündigt die allgemeine Wehrpflicht für England an. Es koste schwere Opfer, sagte er in einer seiner letzten Agitationsreden, eine große Flotte zu erhalten; aber wir müssen auch ein starkes Heer besitzen. Wie auch der Krieg zu Ende gehen möge, wir müssen diese Aufgabe durchführen.
Die britischen Sozialdemokraten gegen die englisch« Regiert,ngss Politik.
Kopenhagen, 28. Sept. Nach dem Manifest der unabhängigen Arbeiterpartei kritisiert nun auch ein Ausruf der britischen Sozialdemokratie vom 15. September, den das dänische Blatt Sozialdemokrat mittcilt, die gewissenlose britische Regierungspolitik. Zwar setzt die Partei ihre Hoffnungen auf die internationale Solidarität der Arbeiterklasse, zwar »ritt sie der Regierung bei der Werbung von Freiwilligen zur Seite, aber man erkennt doch ans dem Manifest die enorme militärische und ökonomische Ohnmacht Englands.
In Antwerpen.
Amsterdam, 28. Sept. Das Antwerpener Handelsblaii meldet, daß der englische Minister des Innern, Mac Kenna, in Antwerpen angekommen sei, ferner Oberst Kitchener, ein Bruder des Generals, der ein Gentlemenkorps aus 200 älteren Herren bilde, um der Besatzung von Antwerpen den Dienst zu erleichtern. Gestern nachmittag flog eine „Taube" über Antwerpen, die heftig beschossen wurde, doch unbeschädigt verschwand und drei Bomben zwischen Waelhem und Düffel warf. Infolge des Erscheinens eines Zeppelins über Ostender flüchteten etwa 200 Personen.
Deutsch-Kongo von Franzosen besetzt.
Bordeaux, 29. Sept. Der Marineminister Augagneur teilt) mit, baß das Kanonenboot „Surprise" den Ort Occo-Beach, der in dem 1912 an Deutschland abgetretenen Kongogebict liegt, besetzt: habe. ^
Hesse» und Nachbargebiete.
Kietzen und Umgebung.
Iin. Altweiberklatsch. Wie der Vorstand des Konsums
Vereins durch Inserat in der heutigen Nummer bekannt macht, ist in der Stadt das Gerücht verbreitet, daß der» Konsum-Verein (wohl infolge des ausgebrochenen Krieges) nicht in der Lage sei, die alljährliche Rückvergütung auszahlen zu können, oder das Geld für andere Zwecke verwendenj wolle. Ganz davon abgesehen, daß solch törichte Rederei, besonders wenn sie von Mitgliedern ausgeht, geeignet ist, die! Genossenschaft gerade in der jetzigen Zeit schwer zu schädigen, sei auch darauf aufmerksam gemacht, daß sich der Urheber! oder Verbreiter derarttger Gerüchte schwerer Strafen aussetzt, wenn seitens des Vorstandes gegen ihn vorgegangen, wird. Das Unternehmen steht nach wie vor gut da, die Auszahlung der Rückvergütung, die dieses Jahr etwa 33 000 Mk, beträgt, erfolgt sofort nach Genehmigung durch die General») Versammlung und deshalb sollten alle diejenigen, wegen denen wir diese Zeilen schreiben müssen, mit ihren Worten sparsamer mngehen und der Verwaltung nicht nnnützenveisS ihr verantwortungsvolles Amt zu erschweren suchen.
— Das Schwurgericht der Provinz Oberhesscn, das anü Montag vormittag unter dem Vorsitz des Landgcrichtsrats Neucnhagen zusammentrat, hat im ganzen 9 Fälle ab- zuurteilcn, für die die Tage vom 28. September bis einschließlich 7. Oktober vorgesehen sind. Ter Mangel an Richtern, der durch die Einberufungen zum Militär überall; in Erscheinung tritt, machte sich bei Besetzung des Richter-, kollegiums ebenfalls bemerkbar, und es trat der seltene Fall! ein, daß ein Landgerichtsdirektor, nämlich Herr Prä-s t o r i ii s, als bcisitzcnder Richter zugezogen werden mußten In nichtöffentlicher Sitzung wurde die Anklage gegen den! Dienstknecht Wilhelm Müller von Ruppertsburg wegen Notzucht verhandelt. Tie Anklage vertrat Oberstaatsanwalt H o f m a n n , die Verteidigung führte Justizrat Jung. Dem unverheirateten Angeklagten, der wegen des gleichem Delikts mit 2 Jahren Gefängnis vorbestraft ist. »iirben, mildernde Umstände versagt, worauf ihn das Gericht zuj! 2U> Jahren Zuchthaus verurteilte.
— Mit Petroleum sparen! In den letzten Tagen isL unser notwendigstes »nd am meisten verwendetes Leucht» mittel, das Petroleum, knapp geworden. Die Detaillistenerhalten von ihren Lieferanten nicht die nötigen Mengen! und können ihre Kundschaft nicht befriedigen. Lieferungs- Verträge der Detaillisten mit den Großlieferanten werden! von letzteren einfach nicht erfüllt, auch wenn sie schon vor langer Zeit abgeschlossen wurden. Das Ucbel wird dadurch! verschlimmert, daß der Petroleumhandel fast völlig vertrustet ist und sich in den Händen weniger Gesellschaften befindet. Es mag sein, daß die amerikanische Zufuhr schwächergeworden ist, obwohl man annehmen sollte, daß sie über Holland und andere neutrale Länder jetzt noch in gleicher Weise als vor dem Kriege zu ermöglichen wäre. Man kann den Verdacht nicht ganz von der Hand weisen, daß die Ware von Großlieferanten zurückgehalten wird, um so die P r e i s e in die Höhe zu treiben. Zu solcher Preistreiberei wird der Krieg vielfach mit Erfolg von den Handelskapitalisten be- nutzt und das konsumierende Publikum ansgebeutet. Es .wäre zu wünschen, daß die staatlichen Behörden diesen Dingen ihre Aufmerksamkeit schenkten und Maßnahmen zum Schutze des Publikums ergriffen würden. — Vorläufig ist aber den Konsumenten zu raten, nach Möglichkeit sparsam mit Petroleum umzugehen. Wer es machen kann, soll lieber Gas oder elettrisches Licht brennen, worauf wir schon vor mehreren Wochen einmal hingewiesen haben. Selbstverständlich gilt dieser Rat nur für solche Häuser, in denen bereits Gasleitung liegt, wenn diese erst installiert werden müßte, würde die Sache allerdings teurer. Wo


