Ausgabe 
28.9.1914
 
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Das internationale Kapital «nd -er Weltkrieg.

Schon law ist dos Wirtschaftsleben der einzelnen Länder aufs «ngst« Detbunixm. Ti« kapitalistische Wirtschaft kann nur bestehen nls Weltwirtschaft. Das bedingt schon die Arbeitsteilung, di« zmn Warenaustausch sührt. Dabei sind die kapitalistisch am höchsten ent­wickelten Länder gegenseitig ihre besten Kunden. Die Rivalität der Kapitalisten der Großmächte bei ihrem Bestreben, die Welt zu beherr­schen hat zu dem Weltkrieg« qeführt, der jetzt tobt, aber nichtsdesto­weniger bleiben di« kapitalistischen Interessen anss engste verquickt, wobei jedoch der Kriegszustand die tollst« Verwirrung zeitigt,

Bor allem ivaren in jedem Lande bei Kriegsausbruch graste Geldbeträge fällig, dir aus dem Ausland« siir bereits gcliescrte Waren zu fordern sind Mit Ausbruch deS Krieges hört« aber der Zahlungsverkehr zwischen den kriegführenden Staaten aus. Die eng­lischen, französischen, belgischen, russischen, serbischen, japanischen Unternehmer erhalten kein Geld aus Deutschland und Oesterreich und umgekehrt. Aber selbst die Zahlungen aus neutralen Staaten laufen zum Teil nicht ein, weil dort angesichtz des Krieges ein Moratorium »erhängt wurde, die fälligen Wechsel also nicht cingrlöst werden. Für Teutschland kommt dabei noch in Betracht, hast bei dein überseeischen Berkehr ein erheblicher Teil der Waren nicht direkt verkauft wird, sondern durch Vermittlung englischer Handelshäuser. Selbst, wenn di« Ware direkt von Hamburg nach den Vereinigten Staaten ver­schifft wird, nach China oder nach einem südamerikanischen Staate, erfolgt die Zahlnngsregulierung vielfach durch ein engl i seines Handelshaus,

Also ganz abgesehen davon, datz der Warenverkehr stockt, das; di« Schiffe in den Häfen sestliegen, iveil der Kaperkrieg tobt und es somit an Rohstoffen fehlt nnd der Export der Fabrikate nnmöglich wird, haben dt« Unternehmer mit dem Wegsall der fälligen Zahluw gen für früher geliefert« Waren zu rechnen, was ein« empfindlich« Schädigung bedeutet.

Aber es kommt nicht nur der auf Warenaustausch begründet« Geidvcrkchr in Frage, sondern das Kapiial ist auch in dem Sinn« internattonal, daß es Anlage in aller Herren Ländern sucht, ohne sich viel um die noilonalen Grenzen zu kümmern. Ans der einen Seite handelt es sich dabei um Staatsanleihen, indem di« Kapitalisten eines Landes der Regierung eines anderen Landes Geld leihen, aus der anderen Seite inn wirtschaftliche Unternehmungen, di« die Unter­nehmer in fremden Staaten gründen oder an denen sie sich beteiligen. Fortwährend werden also Zinsen fällig, di« di« Kapitalisten der Länder solchen Kapitalexportes aus dem Ausland« zu erhalten haben und ebenso Zinsen und Prosit«,

Gehen wir von Deutschland aus, so ist es wohl vorwiegend ein ».Gläubigerstaat", Die Reichs-, Staats- und Kommunalanleihcn sind nn Jnlandc aiftgenommen. Allerdings find wohl auch Anleiheschein« des Reiches und der Einzelstaaten von ausländischen Kapitalisten ge­kauft worden, von Franzosen, Belgien,, Engländern, iveil diese Papiere hohen ZinS abwerfen und weil sie Eiegenstand bcr Speku­lation sind, aber man schätzt diesen Besitz fremder Kapitalien auf höchstens ein paar hundert Millionen Mark, Dagegen sind deutsche Kapitalisten vielfach Gläubiger anderer Staaten, An erster Stelle steht da Rirstland, Allerdings hat das Zarenreich seinen Kredit­bedarf in den letzten beiden Jahrzehnten vorwiegend in Frankreich aufgebracht, aber erstens haben deutsche Kapitalisten vielfach ältere russische Schuldschein« im Besitz, zweitens wurden auch in neuerer Zeft Teilbeträge russischer Staatsanleihen in Deutschland eniitttert Iso 1902 rund 182 Millionen Rubel, 1905 rund 800 Millionen), drittens sind besonders Obligatiemsschulden der russischen Bahnen in Deutschland ausgenommen worden, viertens ebenso Kommunalan­leihen russischer Städte. In einer Arbeit, di« 1905 in einem Sonder­heft der deutschen M a r i n e r u n d s ch a u erschien, wurde der Besitz russischer Staatspapiere in Händen deutscher Kapitalisten auf 8 Mil­liarden Mark geschätzt. Seither ist er gestiegen und unter Zurech­nung der städtische,, Anleihen dürste er wohl an 4 Milliarden Mark betragen, Auster Rußlanb sind Schuldner deutscher Kapitalisten die Türkei, Bulgarien. Griechenland, Serbien, von den amerikanischen Staate» besonders Brasilien, Argenttnien, Mexiko,

In noch wett höherem Mast« ist indessen deutsches Kapital in ausländischen Unteriiehmungei, angelegt. Auch hier spielt Rußland ein« hervorragende Rolle, Weil die Profitrate in Rußland hoch war, gründeten deutsch« Kapitalisten dort zahlreiche Fabriken schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, Als dann die russischen Zölle beständig erhöht wurden, nahm dieser Kapitalexport noch zu. In letzter Zett haben sich deutsche Kapitalisten ganz besonders an der Gründung und Vergrößerung russischer Banke» beteiligt. Es dürf­ten auf solche Weise mindestens zwei Milliarden Mark deutscheii Kapitals in russischen Unternehmungen angelegt sein, auch wenn man jene Kapitalien nicht rechnet, deren Besitzer sich in Rußland ange- sirdclt hoben nnd russische Staatsangehörige geworden sind. Ferner Achtet sich der deutsche Kapitalexport mit großem Eifer nach Sud­an,erika, dann noch Kanada und anderen englischen Kolonien, In den kanadischen Eisenbahnen nnd ben Goldgruben Transvaals sind «in paar Milliarden Mark deuttches Kapital angelegt, aber auch in Indien und Australien sind di« deutschen Kapita linke re sie» sehr stark

vertreten.

Auf der andere,, Seite ist freilich auch fremdes Kapital ln deut­schen Unternehmungen angelegt. Aus früheren Jahrzehnten her stanmit die Beeinflussung der deutschen Gasindustrie Deutschlands durch englisches Kapital, In letzter Zeit macht« viel von sich reden die Beherrschung des Pciroleuwhondels durch den amerikanisck-cn Trust und das Eindringen englischrii Kapitals ii\ die Zigaretten- mdustrie. Ganz besonders verzwickt liegen bie Dinge in der schweren Industrie, Die Kohlen- >md Erzlager in Rheinland-Westfalen, in Belgwn, in Nordsrankreich und in Lothringen bilden qewiffermaßen mn Ganzes, Deshalb findet man denn auch französisch-belgisches stark nt deutschen Unternehmungen vertreten, deutsches in belgisihen und französischen.

Insgesamt kann nian wohl das deutsche im Auslande angelegte Kapitol aus 30 bis 35 Milliarden Mark schätzen, und davon ist ein sehr erheblicher Teil jetzt also tm ftindlichcn Ausland. Dagegen dursten an 10 bis 15 Milliarden Mark englisches, französisches und belgiiches Kapital in Deutschland und seinen Kolonien angelegt lein.

Das englische außerhalb des Heimatlandes angelegte Kapital wurde 1908 aus 81 Milliarden Mark geschätzt, davon 31,3 Milliarden in den englischen Kolonien. 29,7 Mlliardc» im übrigen Auslaiid und zwar in erster Linie in den Bereinigten Staaten und den siidamerika- nischcn Ländern, Heute dürsten die Beträge noch wesentlich höher sein. Frankreich hot über 40 Milliarden Mark im Ausland« an- Kelegt, davon an 10 Milliarden ft, Rußland, dann große Beträge in der Türkei und den übrigen Baikonstaaten in den eigenen und in englischen Kolonien.

_ Der Kriegszustand bedeutet, baß di« Zinsen und Profite aus diese Kapitalien zu einem großen Teil« nicht regelmäßig gezahlt winden. Ob dabei die deutschen oder die englischen und französische» Kapitalisten mehr geschädigt werden, ist eine müßige Frage, Es dürft« hüben wie drüben der Wirrnisse genug geben. Wenn aber heute die Kapitalisten der einzelnen Länder wütend gegeneinander toben, so wird sich nach dem Kriege sehe bald das alte Verhältnis wieder heraussteilen, denn ein«nationale" Wirtschaft der einzelnen rander im Sinne der vollständigen Isolierung vom Ausland« ist wcht mehr möglich und deshalb bleibt di«golden« Internationale" sicher bestehen.

Deutsche Pflichttreue.

derlln, 26. Sept, lAmtlich) Die oberste Heeresleitung ,ds> einer Erknndbngsfahrt von einer Route nach *n hinein, bei der der aus der Lokomotive stehende lübrer « M Bader den Heldentod fand, hat sich der Lokomotiv- neb»n , ou * Tarnowitz vortreffliche benommen. Weck erhieli rinen ®Ä tmann Bader stehend außer einer Verletzung durch l einfn Schuß durch bie Lunge, Trotz diclcr schweren V 14 ® c <f »och vier Stunden auf seinem Posten anS- Lokomotive glücklich zur Anfahrtsstation zurück- tJV' £ 6ann zusammenbrach. Während der Rückfahrt hat r auch noch oie Lokomotive reparieren und dichten müsicu, weil sie

durch feindliche Schüsse beschädigt worden war, Der Kaiser hat seine Pflichttreue und Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasie belohnt,

Mailand, 25, September, Gestern sind hier drei Deutsche aus Chile durchgeicist, dj« als Freiwillige i» das deutsche Heer ein- treten wollen. Ihr« Reise über de» Ozean war sehr abenteuerlich und ein wahres Wunder ist es, daß sic allen Gefahren entrönne» sind. In Valparaiso sind auf den ersten Kriegsausrus 1500 junge Deutsche aus allen Teilen Chiles eingetrosfeu, die jedoch nicht weiter reisen konnten, weil der deutsche Konsul erklärte, daß man ihrer einstweilen nicht bedürfe. Einige reiste» trotzdem ab und unternahmen, weil j Südamerika jetzt Winter ist und man den Bahnbetrieb einstellte, den liebergang über die Cordillercn zu Fuß, Die Füße, mit rohen Kuhhäuten umwickelt, lim in dem von ungeheuren Schnee- und Eismasscn bedeckten Bergen nicht abzn- stürzen, gelangten sie unter großen Anstrengungen nach Mendoza, der nächsten Bahnstation in Argentinien,

Ein dcritscher Ncichstaqabgeordnetcr in Russland als Spion gefangen?

Peiersburg, 25. Sept. Die russische Regierung hat dem Pcster Lloyd zufolge den Führer der Polenpartei im deutsche» Reichstage, den Fürsten Rabziwtll, besten Verhastung in Wolhynien in den ersten Augusttagen gemeldet war, nach Petersburg gebracht, wo feine Aburteilung wegen Spionage erfolgen soll.

Die Sozialdemokratel» im Kriege.

Nach einer Statistik des Sozialdemokratischen Vereins Breslau besindcn sich von 8171 männlichen Mitgliedern 2 2 53 im Felde, das sind 27 %. Die Zahl vermehrt sich täg­lich durch Einziehung des Landsturms.

Von 27 881 männl. Mitgliedern der freien GcKerk- schäften, die trotz des grossen Funkionärvcrlustes noch be­fragt werden konnten, befinden sich 7489 im Felde, darunter 9219 verheiratete. Hier sind es 24 %, eine Ziffer, die sich durch spätere Einziehungen ebenfalls vergrößert hat.

Indien.

ii.

Englische Berbrechen nnd Sorgen.

Das reichste Glied des großbrittschen Weltreichs, trotz alles Elends der Bevölkerung, aber auch bas folgenreichste Kind des eng­lischen Mutterlandes ist Indien, und war stets Indien. Tie Rück­sicht auf Indien hat oft di« englische Politik bestimmt, so in dem großen europäischen Krieg«, den Großbritannien geführt hat, im Krimkriege, Tantals kam England mit Frankreich und Savoyen, das bald zum Königreich Italien wachsen sollt«, den Türken zur Hilfe gegen Rußland', damals rettete das Mutterland Indiens dem Padischah in Konstontinopcl fein«» Thron und den Frieden für fast ein Vierleljahrhundert. Es ivar eine Zeit der schwersten Un­ruhen in Indien, die mit einer in der Geschichte der euro­päischen Staaten nach nicht dageivesenen Brutalität niedergeschlagen ivurden. Heule, noch 56 Fahre nach dem letzten Aufflackern des lang- jährigen Aufstandes, ist der Grimm immer wieder zu erneuern, den die Erinnerung an die barbarischen Greuel der Engländer heraus­beschworen hat. Es wird sich in diesen Kriegszeiten wohl noch Ge­legenheit geben, an die Brutalität der englischen Herren Indiens zu erinnern.

Das wichtigste Ergebnis dieser Kämpse war die A u f h e b u n g der oft in di scheu Kompagnie, die bis zum Jahre 1600 zuriickging, das Aushören der Herrschaft einer Aktiengesellschaft über dieses gewaltige Landgebiet, Di« Geschichte der ostindischen Kom­pagnie wird ein Schandfleck bleiben in der Geschichte der Menschheit, auch in der Erinnerung der Engländer, Es gibt nichts Unerhörtes, was man nicht der Erwcrbsgier der ostindischen Gesellschaft und ihrer Beamten zugcschrieben hat, Maccaulay, der Geschichts­schreiber Englands, der in seinem Estay über Lord Elive die indische Verwaltung verteidigen wollt«, muß doch zugcstehen, daß man die große Hungersnot im Jahre 1770 nicht aus natürliche Ursachen zurückfühtte, sondern auf di« wucherischen Aufläufe der RciSvorräte, Damals stieg das wichtigste Nahrungsmittel Indiens auf das achtfache, zehnfache, zivölssache des Einkaufspreises, Unge­heure Vermögen entstanden damals, aber auch tausende von Leich­namen trugen die Flüsse Indiens, und die Straßen Kalkuttas ivaren durch Sterbende und Tote versperrt. Den abgemagcrten und halb­verhungerten Ucberlebenden gebrach «S an Kraft, die Körper ihrer Vcrivandten zum Scheiterhaufen oder zu den Wellen des heiligen Flusses zu schassen oder auch selbst nur die Schakals und Geier zu verscheuchen, di« hei Hellem Tage schwelgerischen Fraß an mensch­lichen Ueberresten hielten. Die Höhe der Sterblichkeit bei jener Hungersnot ist nie genau bestimmt worden. Aber gewöhnlich würbe sic, wie Maccaulay anführt, aus Millionen berech­net, Die höchst« Ausregung bemächttgt« sich Englands, di« Inhaber ostindischcr Aktien gerieten in Unruhe wegen ihrer Dividende, Die Not der Indier fand ihren Widerhall in dem Mitleid der Engländer, in der Entrüstung llb«r diese Zustände,

Maccaulay vergißt aber an dieser Stelle seines berühmten Essays darauf hinzuwciscn, daß dies« Verzweiflung der Indier in die Zci! fiel, als die Neuenglandstaaten das Band lösten, das sic mit Groß­britannien vereinigt hotte, seitdem Neuamsterdain in Ncwyork um- gcnannt worden war. Aber damals fürchtete man keinen Aufstand in Indien, So groß auch die Verzweiflung war, so fern lag den Indern damals der Gedanke, das Joch der indischen Aktionär« abzu- schüttcln, das auf ihnen so schwer lastete, Tie Indier galten als eine Rasse ohn« jeden Zusammenhalt, ohne jede Widerstandskraft, als eine Sklavcnnation, bestimmt, ausgebeutet zu werden und den Be­sitzern der osttndischen Kompagnie Reichtum zu schaffen. An den Verlust Indiens dacht« damals niemand in England, Ein fest­gefügter Besitz, unzerreißbar verknüpft mit dem Mutterland« schien dieses größte Ausbeutnngsgebiet, desseit sich jemals eine Akttengcftll- schaft bemächttgt hatte. Heute ist bas Vertrauen in die Unzerrcih- barkcit des Bandes zwisä>en Indien und Großbritannien gesunken. Herrscht zwar in Indien nicht mehr ein« Aktiengesellschaft, so fehl! es doch nicht an Grundsätzen, die denen einer Aktiengesellschaft durch­aus nicht unähnlich sind. Sicherlich herrscht nicht mehr die gleich« Rücksichtslosigkeit in Indien, wie zu den bitteren Zeiten, als War - rcn Hastings Gencralstatthalter von Bengalen war. Sicherlich hat England siir diese Kolonie Aufwendungen gemacht, um die Hungersnöte nicht mehr so furchtbar wirken zu lassen, obgleich nach genug Hungersnot dort herrscht. Sicherlich hat man zur Bekämpfung der Pest mancherlei Maßregeln ergriffen. Es fehlt nicht an Eisen­bahnen, an mancherlei Schulen» aber bi« armen Inder müssen siir alles zahlen, z. B, wurden di« australischen und kanadischen Truppen, die im Burenkrteg« in Südafrika wirkten, von England bezahlt, di« indischen Truppen dort aber von Indien, Wie zurzeit des Buren- kricges ist es auch heute. Ami 17, September dieses Jahres, haben beide Häuser des englischen Parlaments tu London den Beschluß gefaßt, die Regierung Indiens, das heißt zu deutsch: hie Steuerzahler Indiens zu ermächtigen, die Kosten siir die Ausrüstuna der indischen Erpcditions-Armcc zu bezahlen, dieser Ex- pedittonsarmec, die anscheinend nach Europa, aller Wahrscheinlich- keft nach aber nur nach Aegypten geht,

Wi« im Burenkrieg«, so ist auch henke Indien ein« Milchkuh für ben englischen Militarismus. Di« gleichen Indier, die ihr Blut auf den Kriegsschauplätzen des englischen Imperialismus vergießen müssen, die gleiche» Indier werden als Privatleute, als Arbeiter ln dem übrigen englischen Koloniaigebiet nicht geduldet, Austtalien» Kanada, Südafrika verbieten und erschweren die Einwanderung in­discher Arbeiter, Tie englische Koloni« Natal in Südafrika verlangx 60 Ntark Steuer von jedem astatischen Arbeiter, der sich ohne Kon­trakt in Natal aushält nur für die Ausenthaitsberechttgung, Diese Besttmmung gegen die Einwanderung chinesischer und japanischer Kulis wurde auf die Inder angewandt. Im Jahre 1913 wurden indische Kontraktarbeiter in Südafrika bei dem Streik so brutal be­handelt. daß in Proteitoersanimlunge» in Indien unter Beteiligung indischer Großer dagegen aus das Schärfste protestiert wurde.

Dabei ist die Auswanderung der indischen Arbeiter wegen bed in unserem gestrigen Artikel schon nachgewicsenen gewaltigen Be­völkerung eine unbedingte Notwendigkeit, trotz der zunehmenden Industrialisierung Indien?, vor allcni auf dem Gebiete der Textil­industrie, die freilich von Großbritannien selbst nicht gern gesehen wurde, Indien als Agrarstaat und als Rohbaumwollprodiizciiten zu erhalten, schien England wegen der Versorgung seiner Bevölke­rung mit Getreide ttnö seiner Spinnereien mit Rohstoff ebenso wichtig, wie es das Streben hatte, Indien zur ausschließlichen Ab­nahme englischer Jndustrieprodukte zu nötigen.

Den Weg nach Indien sich gegen alle Gefährdung zu sichern, war für Großbritannien eine der wichtigste,t Aufgaben. Deshalb galt cs als ein Geniestreich des konservativen Premiers Bcacvn- fieid, sich die Mehrheit der Aktien des Tuczkanals zu sichern, um die wichtigste Straße, de» raschesten Weg nach Indien, in die eigene Hand zu bekommen. Freilich ist der Zuezkanai eine neutrale Wclt- handelsstraße nnd für alle Schiffe, Kriegsschisse und Handelsschiffe aller Länder, frei. Nur hat die englische Diplomatie, die sich schon so häusig der Diplomatie der anderen Länder überlegen erwiesen hat, de» berühmten Konjtantiiieplcr Vertrag vom 29. Oktober 1888, ivvuach der Suezkaual in Kriegs- nnd Friedenszeiien siir alle Handels- und Kriegsschiffs ohne llnterschied der Flagge frei und offen sein soll, durch den einen Vorbehalt, den die Mächte an­erkannt hatten, für sich umgeformt, Großbritannien hat erklärt, daß diese Vertragsbesttmmungcu insoweit die englische Regierung, binden, als sie vereinbar sein würden mit dem vorübergehenden Ausnahmezustand, in dem sich zurzeit Aegypten besindet, undals sie während der Dauer der Besetzung durch die Truppen seiner britischen Majestät die Freiheit des Handels der britischen Regie­rung beeinträchtigen sollte". Die Großmächte haben nicht begriffen, daß Großbritannien aus seiner Stellung, wie aus der ägyptischen niemals weichen würde, wenn es aus ihr nicht herausgedrängc wird. Und so ist nun über ein Vierteljahrhunbert das Suezkanai- abkommcn ein einseitiges Abkommen zugunsten Großbritanniens, was man wohl in diesen Kriegsläuften fühlen dürfte.

Durch die Aussaugung der indischen Bevölkerung bis auf den' letzten Tropfen Blut sollte ermöglicht werden, daß die Mohamme­daner gegen die Hindus stets ausgchctzt werden. Aber diese Mohammedaner sind heute nicht mehr die ivilligcn Werkzeuge Großbritanniens und seiner Beamten, die nur ans kurze Zeit in das Land kommen und mit ihm niemals vcrslochten werden. Der Gegensatz zwischen Hindus und Mohammedanern nimmt ab. Das dankt Großbritannien seiner Politik der Einkreisung Deutschlands, die es zu dem Abkommen mit Rußland, die zur Gleichgültigkeit der Türkei, zur Feindschaft gegen Persien geführt hat. Der Umschlag der Stimmung der indischen Mohammedaner gegen Großbrttannien läßt sich genau versolgen und ungeheuer eindrucksvoll gestalten, wenn man daneben die ivichtigstcn Date» der europäischen Politik Großbritanniens stellen wollte. Aber das ist in einer Zeitung nicht gut möglich. Wir wollen nur einige Daten aus der letzten Zeit anführen, aber auch sie werden schon manches zeigen und lehrenh

26. Dezember 1912, Der indische Nationnlkongreß wird in Bankiporc eröffnet. Ter mohammedanische Präsident des Empfangskomitecs tadelt in schärfster Weise Englands Sai­tling gegenüber der Türkei und die Intoleranz der englischen Minister gegen den Islam, Er hebt hervor, daß hierin bei Hindus nnd Mohammedanern völlige Einigkeit der Gesinnung bestehe und spricht die Erwartung aus, daß diese Einigkeit einen engeren Zusammenschluß herbeiführen werde,

4, August 1913, I» Eawupur kömmt es wegen Niederrcißung einer Moschee zum Zwecke der Straßcnvcrbreiterung zu Un­ruhe» der Mohammedaner, Dreizehn Denionstranten »nd ein Polizist werden erschossen, dreißig Demonstranten »nd vierzig Polizisten verwundet,

5. August 1913. Es verlautet, daß die indischen Mohammedaner-! unruhcn teilweise auch aus politische Gründe zurückzuführeir sind. Die Mohammedaner verlangten von der Regierung das Verspreche», daß sie nicht für die Abtretung Adrianopels an Bulgarien eintreten werde.

Großbritannien ist vor allem eine Handelsnation und des- ivegen ist es bei jeder Beurteilung der englische» Politik von großer Wichtigkeit, zu zeigen, was das Land, dem die Absichten GroßbritauulenS gelten, für seinen Handel bedeutet. Von der ge­waltigen Ausfuhr Großbritanniens ist seit dcni Jahre 1854 nur in fünf Jahren weniger wie ein Zehntel nach Indien gegangen, !n allen übrigen Jahren mehr wie ein Achtel der Gesamtausfuhr Krohbritaniiiens, Noch viel wichtiger ist aber die von Groß­britannien betriebene Ausbeutung durch die Bemächtigung aller produktiven Anlagen in Indien, Ties kommt znm Ausdruck in dem ungeheuren Kapitalexport Großbritanniens nach Indien, Er nimmt zwar ab, aber nur deshalb, weil schon so »ngchenre Massen englischen Kapitals in Indien wirken. In abgerundeten Millionen Mark ging englisches Kapital nach Indien im Jahre 1908 263, im Jahre 1909 307, im Jahre 1910 360, im Jahre 1911 193, im Jahr- 1912 75, im Jahre 1913 76. immer Millionen Mark, Dazu kommt noch, daß mit gewaltigen Gehältern englische Beamte und Offiziere in Indien erhalten werden und daß ihnen dann Indien bis zum Lebensende riesige Pensionen senden mutz, die nicht in Indien, fon« der» im Mutterlgnde verzehrt werden.

So ist Indien die Milchkuh Großbritanniens. Der Verlust Indiens wäre der Zusammenbruch zahlreicher großer Unter­nehmungen, Es wäre von einem Verhängnis für Großbritannien, wie man sich ein größeres nicht vorstcllcn kann. Freilich, ob Indien wirklich sich aufraffen kann, aus eigener Kraft die englische Herr­schaft abzuschütteln, das kann niemand Voraussagen, und cbens» schwer ist es, zu ahnen, was Japan im Schilde führt.

Tic französische Bestätigung des deutschen Durchbruchs bei Mihiel.

Frankfurt a. M., 26. Setzt. Tie Franks. Ztg. gibt folgen­des Extrablatt heraus: Nach dem amtlichen Pariser Bulletin vom 25. September, 3 Uhr nachm., finden im Zentrum außerordentlich heftige Kämpfe statt, bei denen die Deutschen an der Maas nördlich von Verdun sehr wichtige Erfolge da­vontrugen. Lestlich der Argonncn hat der Feind (die Deut­schen) von Varcnncs auf das rechte Ufer der Maas vorge- ftostcn. Es ist ihm gelungen, auf den Höhen an der Maas bei Hnicaun Chatcll Fust zu fasten, er geht auf St. Mihiel vor und hat die Forts Parochcs und Camp-des-Romainech beschossen.

Ter äghptische Konflikt.

IVB. Wien, 26. Setzt. (Nichtamtlich.) Tie politische Korespondcnz erfährt ans London über Holland: In unter­richteten Kreisen bestätigt man, dass zwischen dein Vizckönig Abbns Pascha und der englischen Regierung ein scharfer Zwiespalt entstanden ist. Zur Ucbcrwachnng der Regierung habe Abbas Pascha gegen das Vorgehen der Engländer in Acghptcn einen sehr entschiedenen Einspruch erhoben und ihnen daS Recht bestritten, dort nach ihrem Gutdünken eine Mobilisierung zu verfügen und andere entscheidende Maß­nahmen zu treffen, wie cs in den letzten Wochen vorgckom- mcn sei. Selbstverständlich sei an eine Rückkehr des sich in Konstantinopel befindlichen Bizckönigs Abbas Pascha bis auf weiteres nicht zu denken.

Das englische Hauptquartier über die deutschen Haubitzen. Rotterdam, 20, Sept, Wie aus London gemeldet wird, ver-> öffentiicht das englische Hauptquartier einen Bericht über die Operationen bis zum 2V. September. Darin heißt es:

Ter Aufmarsch war lanasam, aber unmtlerbrochcn. Die Ent­scheidung kann noch einige Tage ausbleiben. Die Deutschen sind stark infolge ihrer schweren Geschntzc. Man nimmt an, daß die Deutschen die Artillerie benutzen, die zur Belagerung von ParÄ