Verbreitung falscher Nachrichten.
Ein Militärgericht in Qberschlesien hat einen Man», 6er um uiafore und die Bevölkerung be»»ruhigende militärische Nachrichten verbreitet hat, zu neun Monaten Gefängnis verurteilt,
xaS stellvertretende Generalkvmmando wird jeden ähnliche» Fall, der zu feiner Kenntnis gelangt, mit rücksichtsloser Strenge verfolgen.
Zch veröffentliche dies mit der ernsten Mahnung an alle Kreise der Bevölkerung ohne jede Ausnahme, sich in der Besprechung militärischer Angelegenheiten der größten Zurückhaltung zu befleißigen. Der stellvertretende Kommandierende General
von Baemeister.
Paris ein Kriegohasen.
Paris, 2-1. Sept. ((£tr. Bin.) Paris ist ein Kriegshafe» geworden. Seit einigen Tagen bemerkt man au der Aleranderbrücke eine kleine Flottille. Sie besteht aus fünf Schleppdampscrn. die mit Eisenblech gepanzert und arniiert worden sind. Tie Steuermann- Häuschen hat man mit Hilfe von Panzerplatten in eine Art Blockhaus für das Kommando umgeivandelt. Als Armierung dienen kleine Revolverkanonen und Maschinengewehre. Tie Mannschaft der Flottille besteht aus Matrosen der Marine. Zedcn Nachmittag stellt sich ein zahlreiches Publikum aus der Aleranderbrücke ei», um die Flottille manövrieren und die Mannschaft bei der Arbeit zu sehen.
Ausklärende Arbeit der Sozialdemokratie.
München, 24. Sept. Die Münchener Post berichtet, das; es durch eine Reihe persönlicher Anssprachen deutscher und österreichischer Genossen init den italienischen Sozialdemokraten gelungen sei, diese an der .Hand des Tatsachenmaterials über die wahre Sachlage auszuklärcn. Es sei nun in der bisher franzosenfreundlichen Presse ein Umschwung eingctreten. Eine Sitzung des Borslandes der italienischen sozialdemokratischen Partei im Bcrein mit der italienischen sozialdemokratischen Parlamentsgruppe hat sich fiir die strengste Einhaltung der Neutralität Italiens bis zun: Ende des Krieges zwischen Deutschland und dem Dreiverband und Oesterreich und dem Dreiverband ausgesprochen. Auf Veranlassung der schweizerischen Sozialdemokratie soll diese Woche in Chiasso eine Zusammenkunft von Vertretern der schweizerischen und der italienischen Sozialdemokratie eine Besprechung über eine wirksame Tnrchhaltung der Neutralität abgchalten werden.
Keine rulstsche» Truppentransporte über England.
Stockholm, 24 . Sept. (Gtr. Bin.) Hier liegen zuverlässige Nachrichten aus Archangelsk vor, nach denen bis zum 22. September entgegen den in England immer wieder verbreiteten Meldungen kein einziger Truppentransport eiugeschifst ivorden ist.
Ter Eindruck der englische» Seeniederlage in London.
Kopenhagen, 24 . Sept. Des englischen Volkes hat sich beim Bekanntwcrden der Unglücksnachricht eine ungeheuere Erregung bemächtigt. Das Gefühl vollkoinmcncr Sicherheit und Ueberlegenheit ist niit einem Schlage geschwunden. Zu der ständigen Furcht vor Zeppelinen ist nun die Unterseebootangst getreten. Den ganzen Abend erwarteten Tausende vor dem AmiralitätSgebäude nähere Nachrichten. — Ein weiteres Telegramm besagt, daß die Stimmung in den Marinekreisen Englands zwar gedrückt aber vertrauensvoll sei. Der Unter- gang der Schiffe sei loohl bedauernswert, weil so viele Menschenleben dabei verloren gegangen seien, das Geschehnis sei aber nicht geeignet, die Operationen in der Nordsee zu beeinflussen. Die zahlenmäßige Ueberlegenheit der englischen Flotte sei so überwältigend, das; derartige Verluste die Blockade der deutschen Küste nicht beeinträchtigen könnten.
Berlin, 24 . Sept. Das Kopenhagener Blatt Berlinsk Tidcnde schreibt: In der Geschichte des Seekrieges wird der deutsche Sieg stehen bleiben als ein Ereignis von epochc- niachcnder Bedeutung, da die Unterseeboote den Beweis für ihren Wert erbrachten. Das ist ein Beitrag zu dem noch vor Monaten herrschenden Streite, ob die Hauptaufmerksamkeit dem Bau von großen Schiffen oder der Entwicklung von Unterseebooten und Torpedobooten zuzuwcnden sei.
Reichstagsabgeordneter Tr. Temler t.
Hamburg, 23. Sept. Ter Reichslagsabge ordnete Tr. Seniler ist heule im Alter von 56 Zähren gestorben.
Ter Verstorbene war seit 1900 Mitglied des Reichstags, gehörte der nationalliberalen Partei an und vertrat den zweite» hannoversche» Wahlkreis Aiirich-Wiitmund. Sein Wohnsitz ivar Hamburg, dessen parlanientarischer Vertretung er seit 1889 angehörte.
Hessen nnd Nachbargebiete.
«setzen nnd Umgebung.
Die Verlnftmeldutttien.
Tie Auskunftsstelle für Feldpostsendungen inacht daraus aufmerksam, daß außerordentlich häufig sich erste Meldungen aus dem Felde über Verwundungen und Tod von Kriegern nachträglich als irrtümlich erweisen. Selbst Vermerke ans zurückgegangenen Feldpostsendungen wie „verwundet" oder „tot" geben noch keinen sicheren Anhaltspunkt darüber, das; diese Angaben wirklich zutrcfsen. Es sind eine ganze Anzahl solcher irrtümlicher Meldungen schon bekannt geworden, u. a. auch solche, die den ausdrücklichen Regimcntsverinerk trugen: „Starb am . . . den Heldentod fürs Vaterland", worauf ein acht Tage später datierter Kartengruh von dein Krieger eintraf mit dem weiteren Inhalt, daß er sich gesund und munter befinde. Ganz besonders sei davor gewarnt, den zahlreichen Angaben von Verwundeten, dah ibr Kamerad gefallen sei, Glauben zn schenken, da in der Aufregung häufig derartige Berichte in die Heimat gesandt werden, während sich in vielen Fällen nachher herausstcllt, daß der Betreffend? nur verwundet oder gestürzt ist. Sogar in den amtlichen deutschen Verlustlisten kommen häufig nachträglich Korrekturen vor, indem schon als tot Gemeldete nur verwundet sind und zahlreiche als vermißt Gemeldete, die oft als gefallen betrachtet werden, sich bei ihren Truppenteilen wieder ein- iluden.
Erklärung. Die von uns in Nr. 130 der Oberhessischen Bolkszcitung vom 3. Juli 1914 in den, Artikel niit der Be- Zeichnung Ordnungsniann" gegen den Gastwirt Jakob o rn e r in Launsbach abgedruckten Beleidigungen und Verdächtigungen nehmen wir hiermit zurück. Ter Artikel wurde uns von einem Genossen zugeschickt und wir bedauern.
nicht fcstgestcllt zu haben, ob der Inhalt desselben auf Wahr- heit beruhte oder nicht. Inzwischen hat sich die Haltlosigkeit der Angaben heransgcstellt.
Redaktion der Obcrhessischen Volkszeitung.
Ein Wchrman» über die Unterstützung unehelicher Kinder. Tic Unterstützung unehelicher Kinder, wie sie nach dem Vorbild Oesterreichs jetzt bei »ns eingeführt ist, findet bei manchem Kriegsteilnehmer freudige Anerkennung. Ein Wehrmann schreibt aus der Front dem Archiv deutscher Be- russvormünder: „Mit Freuden begrüßen wir das Vorgehen der deutschen Bcrufsvormnndschast, wird doch gerade die Landwehr am härtesten durch den Krieg getroffen. Von uns verlangt der Staat wohl die härteste Ausgabe, Frau und Kinder zu verlassen, die uns härter schien als der Tod. Wir sind fast alle verheiratet und stolz ans unsere Kinder, ohne zu fragen, ob sie ehelicher oder unehelicher Geburt sind. Auch mir brachte meine Frau zwei Kinder in die Ehe, über welche ich gerichtlich bestellter Vormund bin »nd welchen ich meinen Namen erteilen ließ. Tie Aermstcn, die vielleicht dein Staat oder der Gemeinde zur Last gefallen wären, sind nunmehr wohl erzogen nnd gut geborgen. Wie handelte sonst dazu der Staat? Schon während meiner Hebungen mußte ich es hart erfahren, als mir jede Vergünstigung für dieselben abgesprochcn wurde und man mich auf meine Paßnotiz hin. ioics, und dabei ist es bis heute geblieben. Auch jetzt ftol mich der Krieg nicht verschont und mich bereits am ersten Tage aus dem, was mir lieb und teuer war,'herausgerissen. Wer ernährt nun die Acnnsten? Die Frage quält mich und viele Tag und Nacht. Derselbe Staat, dem wir dienen und dem wir unser Leben lassen wollen, sollte sich ihrer erbarmen."
In Fallen wie diesem l-at doch der Gesetzgeber jetzt bei uns sicher gewollt, daß solche unehelichen Kinder, die ihr Stiefvater selbst seinen ehelichen Nachkonnnen gleich gestellt hat, die Kricgsunterstützung erhalten. In Oesterreich geschieht es, und bei uns sollten die unteren Behörden ebenso entscheiden. Wo es nicht geschieht, müßte das Reichsamt des Innern, dem die nötigen Vollmachten erteilt sind, eine solche Auslegung vorschreibcn. Es handelt sich dabei um ziemlich viel Kinder, mehr als man gewöhnlich annimmt. Rechnen wir mit einer Million unehelicher Kinder unter 14 Jahre alt, so wird von ihnen etwa ein Fünftel einen solchen Stiefvater haben, der sie mit seinen eigenen Kindern erzieht, nnd der in sehr, sehr vielen Fällen dieselbe brave Gesinnung hat, wie sie ans obigem Briefe spricht. Wie den Kindern ist der Staat auch solchen Vätern eine Hilfe schuldig.
— Der Konsumtiercin Gießen und Umgegend bittet uns um Anfnabme folgender Notiz: Nachdem vor einigen Tagen die Kaiserl. Oberpostdircktion das Verbot der Mitgliedschaft für unserem Verein aufgehoben hat, geht uns heute von der König!. Eisenbahndirektion ebenfalls der Besckieid z», „daß die Mitgliedschaft von Beamten und Arbeitern der Staatseisenbahnverw<iltung bei dem Konsumverein Gießen nnd Umgegend nicht beanstandet werden wird." Somit ist es nun den vielen Angehörigen der Eiscnbahnver- Waitnng, gleich denen der Kaiserl. Postvcrwaltung, möglich, die Vorteile, die der Konsumverein Gießen nachgewiesener- inaßeif so vielen seiner Mitglieder bietet, auch für sich in An- sptuch zu nehnien. Hoffentlich nehmen recht viele Beamte und Arbeiter der Eisenbabn- und Postverwaltung Kenntnis von der Aufhebung de-s Verbotes und werden Mitglieder des Konsumvereins Gießen und Unigegend, der in den 13 Jahren seines Bestehens zirka 142 000 Mk. Rückvergütung an seine Mitglieder in bar zurückgezahlt hat, wovon für das letzte Geschäftsjahr zirka 35 000 Mark Ende Oktober oder Anfang November zur Auszahlung gelangen. „Dem großen Ganzen schließ dich an!", diesen Wahlspruch sollten auch die Beamten und Arbeiter der Staatsbetriebe gebührende Beachtung schenken.
Kriegsfreiwillige nicht unter 20 Jahren. Das Ersatz- Bataillon des Jnfant.-Regt. Nr. 116 ersucht uns um Aufnahme des folgenden: Ans Anordnung des stellvertretenden General-Konunandos 18. Armeekorps Frankfurt a. M. dürfen bis auf weiteres Kriegsfreiwillige, welche das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, nicht mehr eingestellt werden. Es findet vorläufig nur noch eine Vormerkung der sich meldenden Leute statt und zwar mn 25. und 26. d. Mts. in der neuen Kaserne. Diese vorgemerkten Leute werden nur in eintretenden Bedarfsfällen eingestellt.
— Tote des Gießener Regiments. Vom Jnf.-Regt. 116 sind weiter als gefallen bekannt geworden: Am 22. August Einjähr.-Frciw. Hans Carl Frh. v. Bibra, sind. j»r., aus Worms. — Musketier Johannes Kehr, Landwirt auS Burg-Gcmünden.
— Gefallene aus Gießen und Nachbargebicten: Unteroffizier Ligi Kiepe aus Wetzlar; Feld-Art.-Regt. Nr. 59. — Reservist Otto Ior ans Niederbeslingen; Feld.-Art. Nr. 25.
Krieg nnd Jnvalideiipersichcrung. In den amtlichen Nachrichten der Landesversicherungsanstalt Hannover behandelt Lnndesrat Dr. Wilhelm den Einfluß des Krieges au; die Invalidenversicherung. Er kommt zu dem Schluß: „Nach Anhäufung der Riescnkapitalien sind die Landesversicherungsanstalten in der Lage, auch wenn während des Krieges die Einnahmen aus den Beiträgen nicht hinreiche» sollten, um die laufenden Ausgaben zu decken, dennoch die gesetzlichen Leistungen zu erfüllen, insbesondere die Renten z>l zahlen, und das furchtbare durch den Weltkrieg hcrvorgerusene Elend für unsere invalide gewordenen braven Krieger selbst, aber auch für die invaliden Witwen und die unversorgten Kinder der Gefallenen zu lindern. Tie Vorstände der Landesver- sichcrungsanstaltcn werden cs sich angelegen sein lassen, für eine s ch l e u n i g e E r l e d i g u n g der an sie herantretenden Renten- usw. Anträge Sorge zu tragen."
Die hessische Kriegsversicherung finbet fortgesetzt An- kiang. Nach den vorliegenden Nachrichten sind bis jetzt 15 000 Anteilscheine mit einem Einlegckapital von 150 000 Mk. gelöst. Nach einer dieser Tage aufgestellten Uebcrsichl sind Anteilscheine gelöst worden in der Provinz: Nheinbessen rund 4600, wofür 46 000 Mk. cingezahlt wurden, Starkcnburg rund 3800, mit 38 000 Mk.. Oberhessen rund 2900, wofür
29 000 Mk. eingezahlt wurden, zusammen rund 11 300 miß einem Betrag von 113 000 Mk. Ta die Annahmestellen demnächst geschlossen werden dürften, ist die baldige Versicherung erforderlich, weil dann nur noch bei der Hauptgeschäftsstelle in Tarmstadt — Obcrversicherungsamt —, Neckarstraße 1, versichert werden kann. Erfreulich ist, daß viele Arbeitgeber/ Städte, Gemeinden und Vereine Gesamtversicherungen für die in Betracht konnnenden znm Heeresdienst Einberufenen, abgeschlossen haben.
— Krjegsbildee Zm Hamburger Echo erschien der Brief eines Pioniers von der Eiseiibahnbankoiiipagnie'. „Wieviel Elend habe ich/
gesehen! Z»........einem kleinen reichen sraiizösiichcii Tors.i
sind alle Häuser Niedergebra»,», da schossen Fmuttireur» noch aus' den brennenden Häusern, als wir morgens antamen. Alles war »er-! wüstet uns in Flammen, die Bevölkerung war gesloheu. Auf den! Straße» lagen Möbel und allez mögliche wüst durcheinander, holb! verbrannt, da ein 8lavier, da Betten, ein 8iick>e»schrank oder Kiuder- lpielzeug Ich machte nttt einigen Kamerad«» «inen Slrnszug durch das Torf, das EKivrhr schnßl>ereit in der Hand. Zu einem Hqzisc, welches wir diirchiuchten, fanden wir Saffcctaffen und Geschirr aus dem Tisch, die nolweiidigsten Kleider hatten sie Leute aus der Flucht, herausgeriffen aus den Schränken Zu der Küche stand ein Kinder-! stühlchen, auf dem noch ein Rest Brot lag. das wohl das Bab» Inttb' verzehrt l>atte, iu der Stube am Fenster fand ich ein Tcknilzeichenhest' mit Buntsttstmalerei. das Kind hatte vielleicht glücklich n'chtsah'neiid gemalt, als das Unheil hereinbrach. Tas Buch habe ich als Andenken, behalte». Zu der Küche standen halbseitige Speisen. Nacht-er war alles verwüstet, ein wildes Chaos. Wir haben nichts an uns genommen, ich verachte das Plündern. Tie arme» Menschen sind plötzlich, unerivartet vom Unheil überrascht. Eine Fra« kam jam-inernd zurück und suchte ihre zivci Kinder. Tie dal uns. sie durch;» laste n. Wir lgiben ein Her; im Leide! Tie hat ihre Kinder geiuuden. Weiter iKTbcn wir da keinen Menschen mehr gesehen. Ein Haus ivar verschont für Lazarettzwecke, die Fahne niit den, raten Kren.; hingt heraus. Nachmittags mn 5 Uhr fällt auch ans diesem Hause noch ein Schuß von einen, Franktireur. Er wurde im Kleiderschrank ver-' steckt gefunden, wurde erschaffen und auch dieses Hans verbrannt.! Es standen nun noch eine Brauerei und das Bahnhosshotel mtttenl in dem Flammenmeer Zm Bahnhosshotel lagen vorn im Nestau-- raitt auf Stroh ein alter Mann »nd ebne alte Fra». Mir grisf's' ans Herz! Doch weiter, cS ist Krieg und gilt bas eigene Leben zu! schlitzen. Nachher winden die Leute mit den Verwundeten sorltraiis- portiert. Wir übevnachteteii in der Brauerei. Zch lag mit einiaen Kameraden im Pserdestall, (bewehr in der Hand, jeden Augenblick gewärtig, daß und das Tack, über dem Kops abbrannte oder so ein! Halunke von Frantireur herausgeschlichen käme Tas ivar eine Nacht! Zmiiitteii brennender Häuser. Schrecklich, snrchlbar und großartig! Ta Hab ich me!» Geioet>r so lieb gehabt wie mein eigen!
Weib und Kind. Tock> genug davon. Ei» anderes Bild: Zn..... j
bauten wir eine Rampe zum Verlade» der Artillerie, wir arbeiteten- eine» Tag und eine Nacht. Während der ganzen Zeit kam ein Wagen! nach dem andern nach dem Bahnhof mit Verwundeten. Ties Elends-' bild zu schildern, fällt mir schwer. Zch habe vielen geholfen, habe sie' getragen, ihnen Wasser geholt, inein bißchen Bkol ihnen gegeben,! auch aus meiner Kameraden Brotbeutel das Brot gestohlen und mich das den arme» Verwundeten gebracht. Ta ivareu welche mit vier Schüffe»: Bein, Kops nnd Rücken, kaum noch atmend, hungrig und schmachtend. Tie meisten hatten 8 bis 16 Tlnndcn in ihrem Blut' auf dem Tchlackitfelde gelegen, waren dann k» irgend einer Scheune oder Kirche oder Schule 2 bis 3 Tage, mit Nvtverband versehen, uutcrgebracht, imd sollten min noch vielleicht 1 bis 2 Tage aus der- Bah» liegen nach dem nächsten größeren Lazarett. ES ist mir kaum möglich, noch mehr davon zu schreiben. Einen kleinen Franzose» Hab ich auch nach dem Wagen getragen, er hat einen Fuß verletzt er ist. doch auch Fleisch und Blut ivie wir! Toch ich sollte noch Schreck-' sicheres sehen; Zn einem Wage» lag eine Mutter mit zivei Kindern,' sie selbst war heil, aber l>alb wahnsinnig vor Schmerz, eine ins Hans einschlagende Granate halt« zivei ihrer Kinder getötet. Auch
in.....(einer dentsch-lothri»gischen Stadt), wo ich eine Nacht
ivar, dasselbe Bild, viele, viele Verwundete. Auch dort eine Frau,! selbst am Kopf schwer verletzt, mit zivei verwundeten Kindern. Tie. Väter dieser beiden Familie» sind besser dran, wenn sie eine gnädige' Kugel erreicht. Wenn Tn nun, liebe Schwester, angesichls des Zam-' iiiers an Deine eigene Not denkst, so wird die Dir wohl klein erscheinen. Wenn Zhr nun einmal ieni in der Heimat trocken Brot eßt, so schützt Euch glücklich «ngesichi.. deffen, was ich bis jetzt gesehen. Zch führe Tagebuch »nd wünsche, daß Tn auch diesen Brief, mishebst. / ,
Wann wird denn endlich Zgnnner und Elend genug sein? Wan» hat der Moloch sich satt getrunken an Blut? Ter Sensen»! mann grinst, er hat rciche Beute.....
— Krieg ist kein Grund zu plötzlicher Eittlaflnng. To entschicds das Kaufmannsgericht in Frankfurt. Eine beim dortige»! Adrcffcnvcrlag Prester beschäftigte Kontoristin war am 1. August ivegen des Krieges ohne Kündigung cntlaffe» worden. Zn einer von ihr gegen den Geschäftsführer Wallerseld erhobenen Klage wurde» ihr im Bergleichsivegen 65 Mark -»gesprochen. Ta Zahlung ausblieb und eine Pfänd»»g sruchllos ivar, klagte sie »un- mehr gegen die Firma Prester auf Zahlung des rückständige» Gehalts bis zum Ablauf der .Kündigungsfrist. Das Gericht erkennt de» Rücktritt von, Vergleich als berechtigt an, weil Zahinng nicht erfolgt ist. Zn Nebereiiistimniuiig mit früheren Ertenntniffen, wonach der Ausbruch des Krieges zu kündigungSloser Entlastung nicht berechtigt, wurde die Beklagte verurteilt, an die Klägerin 146 Mark sofort und 75 Mark Ende September zu bezahlen.
Sammelt Eicheln! Die Franks. Ztg. erhält sulgenbe Zuschrift:! „ES ist uns anfge,'allen und auch von verschiedenen Seiten be» stätigt worden, daß in diesem Zahre eine ungeheuer große Ernte von Eicheln zu verzeichne,, ist. liniere Beobachtungen sind namentlich aus die Wälder im Odenwald zuruckzusühren, doch dürste zweisellos auch in anderen Gegenden das gleiche der Fall sein. Es durste sich nun für die Lehrer in den Dörfern, ivelche in der Nähe der Dörfer liege», empsehle», für die Schüler Erlaubnisscheine zum Taiiiiiiel» der Eichel» von de» betr. Forstämtern zu beschaffen und dafür zu sorgen, daß die Schüler au freien Nachmittagen die als Futtermittel sehr geschützten Früchte sammeln. Bei dem Ernst der Zeiten und in Anbetracht des llmstandes, daß der Winter vor der Türe steht, wäre es sicherlich schade, wenn man nicht in ausgiebigem Maße die Eicheln sammeln und das geschätzte Futermittel unnötig verderben ließe."
Tie Relchspostverwaliung verteidigt sich. Mit den Klagen über die mehr als maiigell>ai>en Leistungen der Feldpost l>at sich natürlich auch di« ReickK-postverwaltnng beschäftigen müffe» »nd sie schiebt die Schuld auf die Heeresleitung, die mehrsach die Aushändigung der Postsendungen aus taktischen Gründe,, verboten habe. ES wird erinnert an die amtliche Mitteilung des Generalquartiermeisters von Stein, der ausdrücklich erklärt lmt, daß auch die im Felde geschriebene» Briese auf Veranlaffuiig des Generalstabs zurllckgehalten worden sind. Tie Zurückhaltung dicier Briefschiasten lmbe teilweise bis drei Wochen gedauert. Tie Reichspost vermöge den Unwillen der Briefschreiöer und Empsäiiqer zu ermestcn. muffe sich alxr den militärischen Jnterelle,, unterordne». die im Kriege an erster Stelle stehen, lieber die Schvieri gleiten, mit denen die Feldpost zu rechnen hat, wird lMSgeführt: „Tie Etappenstraßen, die an die Armeen
hcranführe», dienen in erster Linie den Munittonskolonnen. deir Proviantziigeii und der Besörder»i,g der Verwundete». bkegenltber diesen Transporten ist die Feldpost nicht gleichberechtigt, sic niuß mit ihren Krafttvageii, deren sie jetzt schon gegen 250 >m Felde hat. zuruckstehen, ivonn dringende militärische Transport« dies erfordern. Es muß ferner berücksichtigt iverden, daß die Armecpvstdirektionen. welche die Postverb,ndmigen ans den Etappe »straßei, ei »zu richten und z» regeln haben, dabei täglich aus die Meldungen der Felbpost- anstaltei, über die Marschquartiere angewiesen sind, die ihnen, dick beim Stabe mitinarschieren, von der Militärbehörde mitgeleilt n>er- dcn sollen. Tic Quartiere aber wechieln täglich nach den jeweiligem militärischen Maßnahmen. Bei den mißervrüentltch großen Marsch-


