Ausgabe 
25.9.1914
 
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rdrf'er eine nvutse Schlacht im Gang zu sein, die Russen bringen nicht so viel Truppen auf die Dauer her, was da aufgericbcn wird. Wie im Westen drausgcgangen wird, ist ebenso stauuenswert, die Verbündeten werden Über kurz oder lang in Streit geraten, wer von ihnen die meisten Prügel bekommen hat. So sehr einem die Opfer au Gut und Blut ins Herz schneide», ändern last! sich an dem Gang der Ereignisse einstweilen nichts, aber es durfte der letzte Krieg sein.

Welches Elend bei den Flüchtlingen herrscht, weißt Du ja tcil- weise aus dem Vorwärts. Es läßt sich einfach in der ganzen Größe nicht schildern. Hassen wir. daß die ungeheuren Schrecken des Kriegcs bald zu Ende gehen.

Die französische Flotte in der Adria.

WTB. Wien, 24. Sept Amtlich wird vcrlaultnrrt: Die srnnzö- sische Flotte, die seit der wirkungslosen Kanonade von Punta d'Ostro oni 1. September außerhalb der Adria geblieben ivar, hat i» den letzten Tagen neuerliche Großtaten vollbracht. Sie erschien am 19. September 6 Uhr vormittag« abermals vor Bocchc di Eattaro und beschoß, durch eine Stunde erneut die Fort« und die Einfahrt aus schivcrstcn Kalibern. Tie erzielte drei Treffer und verwundete einen Kanonier. Hierauf steuerte sie, insgesamt etwa 49 Einheiten stark, gegen Lista und beschoß um 19 Uhr vormittags die Scmaphor- Statiou und den Leuchtturm. Sie verwundete zwei Mann, konnte jedoch sonst nur vorübergehenden Schaden anrichten. Bis ungefähr ö Uhr nachmittags operierte das Gros der Flotte in den Elewästern vor Lista. Die Flotte verließ dann, mit südwestlichem Kurse steuernd, den Schauplatz ihrer Tätigkest. Gelegentlich dieses Rückzuges er­schienen Teile dieser Flotte noch vor Pclagosa. Auch hier wurde der Leuchtturm bcschosten. Nach Zerstörung der Flaggenstation und un­flätiger Berunreinmung des TrinkwastcrS durch gelandete Matrosen und Mitnahme des we-ngen Proviants des arinc» Leuchtturin» Wärters sowie cn-igcr Wäschestücke, verließ auch dieses Geschwader d'« Adria.

Die Lverbunge« in England.

Haag. 23. Sept. Aus London wird gemeldet, daß die Werbungen sür die neu«, ein« hals« Miüion betragende Armee günstige Fort­schritte machen. Dagegen sind für die Ausrüstung der Truppen große Schwierigkeiten entstanden. Es sei, obwohl Tag und Nacht gearbeitet ivcrd«, gänzlich unmöglich, vor Neujahr bedeutend« Truppenmasten noch dem Festlandc zu entsendett. Tic britische Re­gierung hat vergeblich versucht, in Holland in den verschiedenste» Ausrüstungsorgeiistäitdeil Ankäufe zu machen.

Ter südafrikanische Kolonialkricst.

>VB. Kapstadt, 23. Sept. Botha übernimmt das Obe--, konimairdo gegen Deutsch-Südwestafrika.

Amsterdam, 23. Sept. (Priv.-Tcl. Etr. Frkf.) In einem Brief des Generals Beyer an den General Smuts heißt es, die südafrikanische Regierung wisse, daß der größte Teil der holländisch sprechenden Bevölkerung energisch gegen jeden Ansall auf Dcutsch-Tüdwestafrika sei. Ter Rücktritt dreier Minister in England zeige, daß auch dort eine starke Minder- heit vorhanden sei, die nicht von der Rechtlichkeit des Krieges überzeugt ist. Englands Wunsch, die kleinen Nationen zu schützen, sei durch die Vernichtung der Unabhängigkeit der Burcnrepubliken widerlegt worden. Angeblich handle es sich um den Kamps gegen die Barbarei der Deutschen, aber im Burenkrieg hätten die Engländer sovielc Löwens geschaffen, die nicht vergessen worden seien. Beyer widerlegt die Aus­streuungen, daß die Deutschen Südafrika annektieren wollten, und daß deutsche Soldaten die Grenzen überschritten hätten. Smuts könne nicht Gefahren sür Südafrika Nachweisen, das von England verteidigt werde.

Indien.

i.

Volk and Armee.

Wieder steht da bübische Problem im Vordergründe der welt­politischen Betrachtung, llub doch muß nian sich sagen, daß über dieses Indien di« Menschen so überaus wenig misten. Fa. selbst von der ungeheueren Bedeutung dieses Problems haben die wenigsten Menschen auch nur «ine ganz outferilte Vorstellung. Freilich, die Aufklärung über Fiibien zu schossen, ist nicht leicht möglich. Viel zu kompliziert >st das Problem, viel zu zahlreich sind die Fragen, die da aufzuwersen sind, und eine einheitliche Antwort ist vielfach aus dir Fragen versagt. Wir wisteu sehr wohl, daß im Rahmen einer Zeitung, ja auch vieler Artikel !n einer Zeitung, selbst auch das Wichtigste nicht gesagt werden kann, was man über die unermeß­liche Bedeutung Fndiens für England wissen müßte. Einiges muß aber heut« dargclcgt werden, wo Indiens Besitz für Großbritannien in Frage steht. Mehr als für den Menschen die Amputation eines Beines bedeutet, würde sür Großbritaunien und vor allem für das imperialistisch« Großbrilauuscu, für da« Groß­britannien der Rentner und der vielen Tausend«, die von den indischen Penstvueu leben, der Verlust Fndicn« bedeuten. Gar nicht zu vergleichen wäre dieser Verlust in seiner Bedeutung sirr Großbritannien mit dem Verluste der Neu-Englaudstaaten, die

A s r a j a.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 6J

Es ist in der zehnten Stunde," erwiderte er.

Um elf wird Henrik hier sein," fuhr sie fort.Noch eine lange Stunde, eine bange lange Stundcl Mein Herz will mir zerspringen, aber es soll gehorchen; hört mich an: Wenn wir am Tische sitzen, trinkt mit ihm, haltet ihn fest, ver- wickelt ihn in Erzählungen, sprecht von Euren Plänen, unter­haltet ihn, wie Ihr könnt-, und wenn ich hinausgehe, bleibt sitzen. Wendet alle Kunst an, daß er nichts hört, nichts sieht als Euch."

Ihr sollt tun, was ich Euch sage," fuhr sie fort, als Dkorstcand Einwendungen machte.Ihr bleibt in seiner Ge- loalt und dürft keinen Anteil an meiner Flucht nehmen."

Ich würde meinen Anteil nicht verleugnen, wenn er ihn wissen will," sagte Johann.

Er wird keinen Verdacht schöpfen können, wenn Ihr nicht bei mir seid," antwortete sie.Beschäftigt ihn, deis soll der einzige Anteil sein, den ich verlange. Und nun, werter Herr, laßt uns hinabgehen. Denkt von mir das Beste. Und wenn ich Euch jemals wicdecsehe, laßt mich Eure dankbare Freundin sein."

In der Kajüte stand der Tisch mit Speisen bedeckt und auf dem Ofen brodelte der Teekessel, mit dem sich der alte Schisser angelegentlich beschäftigte. Er war zärtlicher und aufmerksamer als je gegen Hanna, legte die Hand auf ihre Stirne und fühlte ihre Hände.Nuhl" rief er aus,glüht dein Kopf wie Feuer, Mädchen, und deine Finger sind eisig anzufassen. Mußt dich vor Schaden bewahren, Kind, um mit rotem Gesicht an den Lyngcnfjord zu kommen: aber habe hier ein Mittel gegen Frost und Fieber."

Er deutete aus den Napf, in welchem er den nordischen Nektar, den Punsch, bereitete, während Hanna sich herbei machte, die Teller ordnete, das Fleisch zerschnitt, Brot aus

seit 1778 nicht mehr zu Großbrügnnien gehören, und nun bi« gc- ivaltigen Bereinigten Staaten von Amerika geworden sind. Eine einzige Zahl kann das beweisen. Ein« Zahl, die den meisten unserer Leser sosort die ganze BedeuNiug der Problems zwar nicht erklärt, so doch erhellt. F u d i c n ha t n, ehr Einwohner al s ganz Amerika und Afrika zusammen. Heute ist Groß­britannien vor allem dank dem indischen Besitze einer der drei Staaten mit der größten Bevölkerung und dem wciiestc» Flächen­inhalt in der Welt. Fndiens Verlust würde diesen Rang sofort ans- schaitcu. 294 268 791 Personen wurden bei der ersten großen Volkszählung Indiens am 1. März 1991 scstgestelli. Wie lächerlich gering erscheint dagegen die Zahl der Beherrscher dieses Landes, und noch vieler anderer Länder. Tie in Groß- britananicn weilenden Engländer und Schotten verschwinden unter, dieser ungeheure,, Volkszahl. Es gehört zu den merkwürdigsten welt­geschichtlichen Tatsachen, daß England mit einigen Zehntausend:» Menschen das dreihundert Millionenreich Indien, ganz abgesehen von den übrigen Kolonien, beherrscht. Sicherlich sollte da« ver­hindern. ans dieses Volk mit den, Hochmut und der Verächtlichkeit hcrabzusehrn, wie das in Denkschland sicherlich nicht zu unserer Ehr: vielfach geschieht. Die Notwendigkeit de« Krieges zeitigt nicht die Nodwendigkeit, sich unwissend zu stellen.

Die Herrschaft über da« indische Ri« sc »reich ist freilich mit Blut geschrieben. Tauscndsältigc Sünden ans schivarzcn Blättern der Menschheitsgeschichte sind geschrieben al« die Geschichte der Eroberung Indien« durch eine englische Handelsgesell­schaft und der Festhaltnng dieses englischen Besitzes. Aber jcder Tag de« Weiterbcstchen« de-r englischen Herrschaft bleibt ei» Wunder einer Staatskunst, di« wir, wie unsere englischen Parteigenossen, in erster Linie unser Genostc H y n b m a n . stets ans das eiilschicdciiste bekämpften. Nirgends ist das verr-uchte Nömcrwort divide ct ir.ipera (teile und herrsche) so stzstematisch dnrchgeftihrt worden, wie in der indischen Politik Englands. Aber kann, ein andere« Land hat so viel« Versuchung für diese Grundlätze der Politik geschasicn. wie ge­rade Fndic-n. 447 verschiedene Sprachen werden in Indien ge­sprochen. 2878 Kastennnterschcidungen. die sich in 84 Hanptkasten gruppieren, wurden bei der ersten Volkszählung scstgestellt. Reli­gionen und Sekten herrschen dort in einer Mannigsajtigkcft, wie aus keinen, Flecken Erde sonst. So viele Unterscheidungen und Tchwierig- feitc» gibt cs in keinem Volke, wie in dem indischen Völkcrgemische, nirgends so viel Univissenheit und soviel Elend, nirgend auch soviel tiefe philosophische Schulung,chen den dichtest bevölkersilen Gegenden der Welt auch wieder dünn mit Menschen besäte Gebiete. Aber doch war die Dichtigkeit der Gesamldevölkerung in Fndie» (85,5 Einivohncr aus den Quadratkilometer) säst so groß wie die Bauern« <86 Menschen auf den Quadratkilomeier): in einigen

Gegenden, so in Eochin, stieg die Dichtigkeit mit 596 Einwohnern aus de» Quadratkilometer aus säst das Doppelte des Königreichs Sachsen, des dichtbevölkertste» Bundesstaates im Deutschen Reiche. Andcrcr- scits fände,, sich auch Gebiete mit einer Bevölkerung von 81t Per­sonen aus einen Quadratlikometer, ja vereinzelt auch nur drei Per­sonen aus den Quadratkilenietcr. Im Fahre 1911 wurden 5? Städte mit über 59 999 Einwohnern in Britisch-Ostindien gezählt. Groß- Kalkntta mit 1!4 Millionen, Bombay mit annähernd einer Million.

F der indischen Bevölkerung, die nach der Zählung vom Fahre 1 91 1 313,523,981 Einwohner zählte, gab c« noch nicht 4 Millionen Ehristc». aber fast 67 Millionen Mohammedaner, ans die sich die Engländer vor allem stützten. War i» de» großen Ansständen und in den zahlreichen Verschwörungen gegen die eng­lische Herrschaft in Fndien das mohimmedaiiischc Element die ver­läßlichste Stütze der englischen Herrschaft, so wankt nun auch diese Säule. Die Politik Großbritanniens, die zum Bündnis mit Ruß­land geführt hat, hat auch dieEntfrcmdungvv» derTiirkei und damit zum Gegensatz zum Sultan, dem geistigen Haupte der m v h a n, m c d a» i s ch e n Religion, geführt. Das Mißtrauen gegen Großbritamiien wurde bei den indiichcn Mohammedaner» durch die Politik, bi« aus die Teilung Persiens ausging, verstärkt. Di« Konfiskation türkischer Kriegsschisse in Großbritannien, wie das Fehlen jeder moralischen Unterstützung der Türkei durch Großbrftannien in den beide» letzten Kriege» haben zu einem Umschwung der mohammedanischen Bevölkerung in ihrer Stimmung zu England geführt.

Ti« militärische Beherrschung Fndiens durch Kroßbritaniiien ist eines der größte» Kunststücke der Weltgeschichte. Die Armee besteht aus britischen und indische» Truppe», die sich im Oktober 1913 clwa folgen dermaßen verteilten: 52 britische, dagegen 139 ciiigeborenc Fnsanterlebataillone. 9 britische, jedoch 39'/. «siige- borenc Kavallerieregimenter, 91 britische Baltcric» und freilich »ur 13 von Eingeborenen bemannte Batterie,,. Die eingeborenen Trup­pen haben neben den eiiigeboreiiei, Lssizieren auch britische. Tie gesamt« jüdische Armee besteht ans 8119 Lssizicrcn. 168 959 Unter- osfizieren und Mannschaften. Hierzu kommen als Reserven noch 499 Lssiziere und 35 909 Unteroffizier« und Wehrmänner, so daß di« ge­samte indische Armee 211 569 Mann beträgt. Hierzu kommenoch 5699 Pscrdc, Kamele, Elcsanten und Maulesel, doch müssen «vcntnell noch 91 999 Pserde gestellt werden. Ein Teil der Truppe», wie cs scheint, unzuverlässige eingeborene Regimenter, sind »ach Aegypten gebracht worden.

Man begrcist, daß Grohbrilannie», wenn Indien unruhig wird, mit diese» Truppen seinen kostbarsten Besitz nickst sicher» kann. Freilich, ob die Fapancr den Engländern Fndie» sichern wollen und werden, werden die nächsten Monate uns lehren.

dem Wandschrank holte und eine so emsige Geschäftigkeit ent­wickelte, daß Helgestad sein lustiges Gebrumme hören ließ.

Geht dir flink von der Hand," ries er vergnügt zn- schauend.Wirst sic alle ansstechen. Macht das Blut, Hanna. Geht nichts über das reine nordische Blut, tut mehr wie aste Erziehung."

Ich hoffe niir heute deine volle Zufriedenheit zu er­werben, Vetter Niels," erwiderte sie ihm zulächelnd.

Hast sie erworben, Mädchen, hast ein richtiges Gefühl," rief er.Will dich dafür pflegen wie eine gute Tochter. Nimm dein Glas und stoß an, sollst immer so glücklich sein wie heut. Mögen alle unsere Wünsche in Erfüllung gehen!"

Morgen wie hci,t und bis ans Ende!" cntgegnete sie, herzhaft anstoßend und ihr Glas leerend.

Nach Gottes Willen, Amen!" sagte Hclgcstad. Sehe in deine Ai,gcn mit Freude, Hanna, blitzen wie die Sterne am Himmel, Konimt der Wunsch tief ans dcinein Herzen? Denke ja. Ist's nicht so?"

Ja, Vetter, recht aus meiner Seele wünsche ich, daß mein Glück auch dein Glück sein möge."

Kalkuliere, muß so sein", rief er, den Finger über seine Nase legend und schlau blinzelnd.Siehst ans wie deine Mutter, Hanna, schmuck und kräftig und voll Treue. Fehlt nichts wie der grüne, nordländische Nock und die Falten­schürze."

Ich will beides tragen, sobald ich in Nordland bin," er­widerte sic.

Halt dich beim Wort, Mädchen!" schrie er auf.Wirst eine Zierde sein in Tronisö und auf den Märkten."

Unter solchen frohen Gesprächen und Scherzen saßen sie an dem Tische, und Helgestad stellte den dampfenden Napf vor sich hin, schenkte tapfer ein und spottete über Marstrands ernstes Gesicht, das nach seiner Behauptung aussah wie ein EiSlagcr vom Kilpis,

Nuh!" spottete er,weiß nicht, was Euch Plagt, inuß aber schwer m , ertragen sein. Kommt zurück an den Aals-

Das Gesamtergebnis der deutschen Kriegs» anleihcn.

WB. Berlin, 23. Sept. (Amtlich.) Auf die Kricgs-

inlcihen sind gezeichnet worden:

1 318199 80(1 Mark Rcichsschatzanwcisnngcn,

1 177 203 000 Mark Reichsanleihe mit Schuld- buchcintragung,

1 894 171 200 Mark Rcichsanleihc ohne Schuld» bnchcintragnng,

zusammen 4 389 57(> 000 Mark.

Kriegsgreuel und Kriegsaberglaubcu.

Ei» sehr wertvolles LrziehungStverk an seine» Landsleuteni versucht der englische Schriftsteller H. R. Brailsfvrd, indem er ihnen! die unsinnigen Grcuelgeschichten auszurcüe» versucht, die in Eng­land über die deutsche Kriegführung verbreitet werden. Er siihrt wie wir der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung entnehmen 1 in den Londoner Daily News svlgcndcs auS:

Fch habe in Berlin gelebt, und obwohl ich mit einem ziemlich cingcwnrzellcn Mißsallcn gegen de» preußischen Geist und noch mehr gegen preußsichc Manieren zurückkomme, so weigere ich! mich doch entschieden, manche dieser Geschichte» zu glauben, biäj nicht ein Gcrichtshos neutraler Richter sic für wahr befunden hat, nachdem er beide Seiten angchört hat. Eine Ver-: stiimmclungsgeschichte wird von einem uygcnannten englischen Qsfizscr erzählt, der sagt, er habe diese unbcgrcisliche Grausam­keit mit seine» eigenen Augen in einer Entfernung von 300 Meter gesehen und daraufhin den schuldigen Deutschen nieder- geschosten. Der Vorgang ereignete sich in den Schützengräben! während eine« heiße» Kampfes, der den ganzen Tag gedauert! hatte. Nun.könnte man ja vielleicht glauben, daß Deutsche so etwas tun in voller Sicherheit »ach einen, Sieg, aber wer sagt, daß ein Offizier die Muße finde» kann, zuerst einem Mädchen Ge­walt anzutun und c« dann zu verstümmeln, mitten im Feuer, in der Hitze der Schlacht, 390 Meter von der scindlichen Front, der behauptet etwas, das einfach unmöglich ist. Vor zwei Monaten würde jeder englische Redakteur, dem man zugcmutet hätte, eine Geschichte von Deutschen zu bringen, die kleine Kinder auf ihre Bajonette a u f s p i c ß c » , den Erzähler erst auf seinen Geisteszustand haben untersuchen lasten. Unser Glaube, von vor zwei Monaten, nach dem die Deutschen zivilifierte mo­derne Menschen waren, vielleicht mit etwas schlechtere» Manieren, aber mit einer viel besseren Erziehung als wir selbst, beruhte- auf klareren und nüchterneren Beobachtungen als die gegenwär-j tige Ansicht. Ter Leser mag einwendcn, daß die Nicderbrcnnung von Löwen und Aerschot unzweifelhafte Tatsachen sind. Ich bitte! aber den Leser, sich zu erinnern, daß wir selbst unter dem Zwang einer scheinbaren militärische» Notwendigkeit jede« Bauerngehöft und viele Städle in Transvaal und im Freistaat nicdergebraiint haben. Nach meiner Ansicht beweisen solche harte Maßnahmen, nicht so viel für die besondere und ungewöhnliche Wildheit der Deutschen als sür die G r a u s a m k e j t des Krieges überhaupt. Solche Geschichten, die unter dem einfachen Volke nun Tag sür Tag die Runde machen, werde» ihre ernsten Folgen haben. Sie werden ln unserem Heer und de» Heeren der Verbündeten Hcn Geist nähren, der Wikdcrvergcltnng fordert, und die Masten z» Hanse werden sie glauben machen, dieser Feldzug sei ein Rachekrieg. Am Ende des zweite» Balkankricgs prägten die griechischen Zcituiigc» gerade durch eine solche Methode der Tchmähung und Herabsetzung den Griechen die Lehre ei», daß die Bulgarenkeine Mensche» wären". Dek Erfolg! war, daß die griechischen Soldaie» die bulgarische Bevölkerung, die nicht kämpfte, wie schädliches Ungeziefer behandelte». Wenn der Augenblick gekommen ist, um an Frieden zu denke», wenn Sic und andere zweisellos wünsche», daß das deutsche Volk nicht ver­nichtet und nicht ans unedle Weise erniedrigt werden darf, dann werde» Sic sich an eine Maste wende», die Ihnen antworten wird:Was? Mit Wilden soüen wir uns vertragen, die Kinder; gespießt und Mädchen verstümmelt haben?" Fcdc« zornigk Woet», jede Lngcngcschichte, jeder parteiische Artlkel verlängert den! Krlrg und läßt aus der Tchmähnna von gestern die Vergeltung von morgen erstehen. Noch mehr. Es trägt dazu bei, ein Europa zu machen, dem der Fdealist vergebens Brüderlichkcitj und Menschlichkeit predigen wird.

Es ist nicht nötig, hinzuzufügen, daß die Kricgsphantasie, die aui den wirklichen Schrecken des Krieges noch erträumte Tcheußlich-i keilen hinzufügt, nicht nur l» England, zu Hause ist. Alle diese Ge­schichten verdlenen mit starkem Mißtrauen ausgenommen zu wer­de», und selbst wenn sich einzelne von ihnen als wahr erweisen! sollten, wird man mit ihnen nicht vorschnell das Tchuldkonto eines ganzen Volkes belasten dürfen. Verbrechen und Wahnsinn sind ja- leider auch zur Fricdenszcit keinem Volk uiibckanntc Erscheinungen.! Man darf sich also weder durch Phantnsieprodnkse den Kopf ver­wirren lasten, noch wenn wirklich Greuel fcstgestellt sind, die über die Notwendigkeiten des Krieges hlnausgchen durch vor­eilige Bcrallgemctnerungcn über ganze Völker de» Stab zu brechen,

fiorb wie ein Mcinn, der an seine Taschen schlagen mag, wo cr will, es klingt gut. Habt Elire Fische klug festgechalten. habt den richtigen Blick gehabt, bringt eine Jacht voll Waren! heim, und steht Euer Haus wohl schon fir und fertig da,! braucht nnr hineinzutreten und Euch niederzusetzen. Aber merke wohl," fuhr er fort, inbcni cr sich zu Hanna wandteQ ist ein banges Gefühl in ihm wegen des Alleinseins, da^ vor Gott und Menschen nicht wohlgefällig ist. Müssen für. ihn sorgen, Hanna: wollen uns alle zusammen tun, daß wir eine finden, die ihm die Falten von der Stirne streicht, und. wenn s nicht glücken will, ihm das Herz weich zu machen, muß.! Afraja kommen und ihm einen Hexenbrei beibringen."

Marstrand wurde durch diese Spötterei aus seine? Schweigsamkeit alifgeweckt. Er war seit den zwei Tagen in Zwiespalt mit sich selbst. So lebhaften Anteil er auch an seines Freundes Glück nahin und so herzlich er wünschte, daß dessen gewagtes Spiel gelingen möge, so fühlte er doch eine tiefe Abneigung vor dem Gedanken, dabei ein Helfer und Ver­bündeter zu sein. Er verachtete die Beweggründe, welche Helgestad leiteten, er kannte seinen Plan, sich diese Schwieger­tochter zu verschaffen, und empfand das äußerste Mitleid so­wohl für Hanna wie für Björnarste-, allein sein Rechtsgefühl sagte ihm dennoch, daß er nichts gegen diesen Mann tun dürfe, dem er so viel verschulde. Bei allem Mißtrauen gegen Helgestad schien ihm dies ein Akt der schlimmsten Undank­barkeit, und was er sich auch als Entschuldigung anführte, immer kam die Stimme wieder, daß er Böses mit Bösem hindern und vergelten wolle. Er würde seinem Charakter nach Hanna jeden Beistand geleistet haben, wenn sic in offener Weise Hclgestad Widerstand geleistet hätte, ebensowohl wie er den Sohn gegen den Vater unterstützt haben würde, wenn Björnarne ihn dazu auffordern wollte: doch durch heuch­

lerische List den alten Spekulanten zu betrügen, diinkie ihm, mit diesem sich auf gleiche Stufe stellen.

sFortsetzung folgt.)