Ausgabe 
24.9.1914
 
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»licht mit dem Mafien Anschluß flenufl fein, sondern er suchte durch fleißiges Studium in die politischen und wirtschaftlichen Fragen einzubringen. Unser Genosse war erst 28 Jahre alt, hinterläfit Frau und eine» IV-jährlgen Jungen, an denen beiden er mit großer Liebe hing. Die Wiescckcr Genoffen werden dem so früh dem KriegSmoloch Geopferten ein gutes Andenken bewahre».

veuchelheim. Tie Schrecken des Krieges schlagen täglich neue Wunde». Auch der hiesige Arbeiterbildungsverein und die Freie Turnerschast hat den Verlust von drei braven Genossen zu beklagen. Am 22. August siel Genosse Heinrich Weigand, der besonders für die Freie Turnerschaft einen schmerzlichen Verlust ticöeutet; er war deren Turnwart und ein vorzüglicher Turner. Auch persönlich ivar er seines angenehmen Wesens wegen bei allen, die ihn kannten, beliebt »nd geachtet. Er hinterläfit Frau und ein Kind. Ferner fielen am 8. September, wie bereits in der Oberh. Volksztg. erwähnt, die Genossen Wilh. Hildcbranb und Wilh. S t e i » m ü l l e r. Diese beiden waren Landwehrmünner, während Weigand sich bei dem aktiven Regiment befand. Wir verlieren in ihnen drei überzeugte, brave Geuosien und unser Ort drei tüchtige, solide Bürger. Wir werden ihnen stets ei» ehrendes treues An­denken bewahren.

Aus unserem Orte sind ferner noch zwei junge hoffnungsvolle Männer gefallen und zwar der beim Infanterie-Regiment Nr. 88 in Mainz als Einjähriger dienende Lehrer Wilh. Jung, ein sehr gebildeter und intelligenter Rann, von dem als Lehrer Tüchtiges zu erwarten war und ferner der Schlaffer Fr. G e r n a u d t, ein fleißiger und tüchtiger Mann. Beide waren noch unverheiratet. Ehre ihrem Andenken!

Kr-i» W-Hlar.

X Steuerermäßigung infolge des Krieges. Der preußische Jiinmzminister Tr. Lende hat an die Steuerbehörden einen Ruub- erlafi ergehen lassen, in dem es heißt:

Infolge der kriegerischen Ereigniffe ist mehrfach die Frage ausgewarfen worden, ob der Krieg als ein an fie rge w ö hn l i cher Unglücks fall im Sinne des 8 63 des Einkommensteuergesetzes anzusehen ist. Diese Frage beantwortet sich aus Artikel 80 V der Anweisung vom 2. Juli 1806, wo zum Ausdruck gebracht ist, daß nicht als mifiergewöhniiche Unglücksfälle gelten wirtschaftliche Vor­gänge. die aus einen oder aus eine Mehrheit von EriverbSzweiaen im allgemeinen einen nachteiligen Einslnfi üben, wie Stockungen im gewerblichen und .sdandelsverkebr oder ungünstige Ernten, daß viel­mehr als derartige Ilnglückssälle nur anzusehen sind Krankheiten oder Todesfälle unter den eriverbenden Mitgliedern einer Familie, Viehseuche». Brandschäden, lieberschivemmungen und ähnliche, mit örtlicher oder iitdividueiler Beschränkung wirkende Naturereignisse. Hiernach kau» der Krieg als solcher nicht als ein außergewöhnlicher llngliicksfall gelten: wohl ober kann er in einer Einzelwirtschaft, weitn z. B. im Betriebe einer Landwirtschaft Felder verwüstet oder im Betriebe eines Gewerbes Gebäude oder Maschinen zerstört wor­den sind. Wirkungen äußern, die für den Steuerpflichtige» eine so wesentliche und dauernde Schmälerung des Einkommens herbei­führen, dafi die Annahme eines aufiergewöhn I ichem Unglücks­falles gerechtfertigt erscheint. Gehen diese Wirkungen so weit, daß die Erwerbstätigkeit ganz eingestellt worden ist, so ist der An­spruch auf Ermäßigung wegen Fortfalls der Quelle gegeben. W e g- fallderEinnahmeguelle ivird auch überall da onzunohmen sein, wo kaufmännische oder gewerbliche Atigestellte durch die jetzigen Jeitverhältniffe gezwungen worden sind, in eine wesentliche Herab-

seßnng Ihrer bisherige» Geholtsbezüge zu willigen. Ueberall kann

die Entscheidung nur nach den Umstände» des einzelnen Falles ge­troffen werden, und sie wird im allgemeinen erst am Ende des Sleuerjahres ergehen können, weil erst dann festgestellt werden kann, ob eine dauernde und nicht etwa nur eine vorübergehende Be­einträchtigung des Erwerbes Vorgelegen hat."

n. Kriegsopfer. Immer grösser wird die Zahl der Lpser in Stadt und Kreis Wetzlar, die das Schlachtfeld fordert. Als tot sind weiter bekannt: Ernst Albrecht, Hauptmann im Gencral- stab 4. Res.-Korps, Wilh. Reineck, Unteroffizier der Landwehr Grenabier-Reg. Nr. 6, aus Oberkleen, Reservist Wilh. Schütz, Jns.-Neg. Nr. 116 (Gießen), ans Oberndorf, Musketier Peter E l a u d n , Jns.-Neg. Nr. 88, aus Nauborn, Sich H i e g e, Fahnen­junker, Fcldartillcrie-Reg. Nr. 59, aus Wetzlar, Landwehrmann Hermann Dicker mann, Jnf.-Reg. Nr. 116 (Gießen), ans Wetzlar, Matrosen-Artillerist Aug. H a m e I aus Wetzlar, Musketier Karl Feith, Jnf.-Reg. Nr. 45, aus Wetzlar, Reservist Heinr. Schory, Jnf.-Reg. Nr. 81. aus Hermannstein.

u. Konsumverein. Sonntag den 27. September, nachmittags 3 Uhr, hält der Wetzlarer-Brannfelfer Konsumverein seine dies­jährige Generalversammiung im Schützengarten in Wetzlar ab. Tie ernste Zeit erfordert jetzt, daß die Mitglieder zahl­reich erscheinen und sich um die Jntereffen ihres Vereins kümmern.

n. Ein junger Held. Der Infanterist Karl Römer aus Vetz­berg kam gestern in Wetzlar verwundet an, geschmückt mit dem eisernen Kreuz, das er für hervorragende Leistung auf dem Schlacht­feld sich verdient hatte. Römer dient beim Jns.-Reg. Nr. 88 und war vor seiner Militärzeit ein einfacher Arbeiter.

X. Fellingshausen. Ter Musketier Philipp Wagner von hier, der mit dem Reserve-Regiment Nr. 83 ins Feld gezogen ist, wurde am 28. August bei Jonc» verwundet.

Telegramme.

Die Schlacht in Frankreich.

WB. Großes Hauptquartier, 23. Sept., abends. (Amt lich. Auf dem rechten Flügel des deutschen Westheeres, jen­seits der Oise, steht der Kampf. UmsassnngSversuche der Franzose» haben keinerlei Crfolg gehabt. Ostwärts bis an den Argonnenwald fanden heute keine größeren Kämpfe statt. Ocstlich der Argonucn ist Varenncs im Lause des Tages ge­nommen worden. Der Angriff schreitet weiter fort. Die gegen die Sperrforts südlich von Verdun aiigreifendcn Armee- teiie haben heftige, aus Verdun über die Maas und aus Toul erfolgte Gegenangriffe siegreich abgeschlagen, Gefangene, Maschinengewehre »nd Geschütze erbeutet. Das Feuer der schweren Artillerie gegen die Sperrsorts Trvvon, Les Paroches, Camp des Romains und Livuville ist mit sichtbarem Crfolg eröffnet worden. In Französisch-Lothringen und an der elsässischen Grenze lviirden die französischen Vortruppe» an einzelnen Stellen zurückgedrängt. Cinc wirkliche Ent­scheidung ist noch nirgends gefallen.

Aus Belgien »nd ans dem Osten ist nicht Neues zu melden.

Die Beschießung von Reims.

W. B. Großes Hauptquartier, 23. Sept. (Amtlich.) Der Ober- kommandierende der bei Reims kämpfenden Truppen hat der Obersten Heeresleitung heute folgendes gemeldet: Wie nachträglich festgestellt worben ist, ist ans die Kathedrale von Reims auch ein Mörserschuß abgegeben morden. Nach einer Meldung des . . ten Armeekorps ist das notwendig gewesen, weil es nicht möglich war. mit dem Feuer der Fcldartillcric die deutlich erkannte feindliche Beobachtungsstelle von der Kathedrale zu vertreiben.

Von Oesterreichs Krie§sschnwplätze«.

WB. Wien, 23. Sept., mittags. Amtlich wird ge­meldet: Am russischen Kriegsschauplatz wurde in den lebten Tagen, von einigen unwesentlichen Kanonaden abgesehen, nicht gekämpft. Unsere Truppen sind ungeaehtet der an­dauernd ungünstigen Witterung in vorzüglicher Verfassung. In Serbien ringen unsere Balkanstreitkräfte mit größter Zähigkeit um ihren Erfolg. Sehr wichtige Positionen sind bereits in unserem Besitz. In diesen Känipsen wurden auch Geschütze genommen.

WB. Wien, 23. Sept., abends. Amtlich wird gemeldet: Soeben angelangte Nachrichten vom Balkan-Kriegsschauplatz lassen erkennen, daß nunmehr die beherrschenden Höhen westlich Krupanj (Jogodajah, Biljeg, Crni), um welche tage­lang erbittert gekämpft wurde, sämtlich in unserem Besitz sindi und daß hier der Widerstand der Serben gebrochen wurde. Daß, es wegen der Kämpfe des Gros unserer Balkan-Streit- kräfte einzelnen serbischen oder montenegrinischen Banden ge­lingen konnte, in jene Gebiete vorzudringen, wo nur wenige Gendarmen und die unumgänglich nötigen Stcherheitsbesatz- ungen zurückgeblieben sind, kann bei dein Charakter des Landes niemand überraschen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor.

Vercinskalcnder.

Freitag, 2 5. September.

Wetzlar. Gesa» gvc rein Hoffnung. Diese Woche Freitag, abends 9 Uhr. Zusammenkunft, nicht Samstag. Samstag, 2 6. September.

Wetzlar. W a h l v e r e i n. Abends 8% Uhr Versammlung bei Schreier.

Sonntag, 2 7. September.

Gießen. Staats- und Gemeindearbeiterver- band. N a chmi ttags 3 Uhr Versammlung im Gewerkschastshaus.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & Eie., Gießen.

Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.

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Wringende Kitte!

Den Linien-, Reserve- und Laudwchrtruppen des hiesigen Ncgimeiits, die sich in schweren Kämpfen heldenmütig geschlagen haben, sollen in aller Kürze Liebesgabe«» auf die rascheste Weise zugesührt werden.

Die Bürgerschast der Stadt Giessen wird hiermit aufgeruscn, die in erster Linie notwendigsten Liebesgaben, namentlich:

Wollene Kemden, wollene Unterjacken, wollene Socken, Auklappe» aus Leinen oder Aiieöerluch, ungesäumt, etwa 45 ein im Huadrai, Pulswärmer, ^Leibbinden, Tabak. Zigarre», Streichhölzer, Aauer- wurst, Schokolade, Dörrobst usw. reichlich und möglichst sofort zu spenden.

Es wird gebeten, auf den Paketen namentlich Inhalt zu vermerken.

Sl»n»ahrncstellc der Ltadt: Stadtknabenschnle täglich von 8 bis 12 mich 2 bis 6 Uhr.

Annahmestelle des Rote» Krc»»zes : Alte 8 bis 6 Uhr.

Gießen, den 22. September 1914.

Der Oberbürgermeister: Keller. Zweigverein vom Roten Kreuz: Alice-Frauenverein:

Wiener. Frau Gebhardt.

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