Der Krieg in den Kolonien.
» Deutsche Truppen im Kaplaud.
Die Frankfurter Zeitung bringt anS London eine Depesche,
der ans Kapstadt gemeldet wird: Die Regierung kündigt an, daß deutsche Truppen aus Deutsch-Tüdweslafrika zwischen Nakob and Upington in das Kapland eingcdrnngen sind und sich dort verschanzt haben. Man hält die deutschen Truppen für nicht sehr zahlreich.
Schwierige Lage der vengläuder iu Liidwcstafrika.
London, 22. Sept. Di« Times meldet aus Kapstadt: Der Rücktritt des Generals Beyer, des Oberbefehlshabers der südafrikanische» Miliz, versetze die Regierung in eine schwierige Lage. Es bestehe eine starke Opposition gegen offensive Maßnahmen in Deutsch-Tüdcwstafrika und zwar nicht nur bei den Anhängern des Generals Herzog, sondern auch bei einer Anzahl Buren, die sonst die Regierung unterstützen, namentlich in der Oranje-Kolonie, im Transvaalbczirk, im Bezirk Lichtenberg und den Grenzbezirken der Kapkolonie. Tie Buren sind loyale britische Untertanen, halten aber die Offensive gegen Deutsch-Siidwestasrika für unpolitisch und überflüssig.
Die Japaner vor Kiantschon.
Stockholm, 20. Sept. sPrlv.-Tcl., Etr. Bin.) Rach hier vorliegenden Meldungen soll ein deutsches Flugzeug ans die japanische Vorhut bei Tsingtau eine Bombe geworfen und 30 Mann getötet haben.
Mailand, 21. Sept. (Priv.-Tel., Etr. Bln.) Aus Tokio liegen Meldungen vor, wonach japanische Truppen, die mit der Flotte Zusammenwirken, in der Bai von Lauschan gelandet sind.
Eine kriegsfeindliche Bewegung in Japan?
Wien, 22. Sept. Die Corrcspondcnz Rundschau meldet: Nach Nachrichten aus Peking ist in Japan eine heftige 2k- wegung gegen den Krieg wahrzunchmen. Bei Haussuchungen in Tokio wurden Ausrufe vorgefunden, deren Inhalt in der Erwägung gipfelt, daß Japan, anstatt Krieg mit Deutschland zu beginnen, lieber die Frage der Mandschurei und Mongolei hätte aufrollen sollen. Tie japanische Regierung handele unpatriotisch und stehe offenbar im Solde Englands, das Japan nur verwende, uni die Kastanien aus dein Feuer zu holen, aber sich niemals dankbar erweisen werde. Diese Proklamationen fanden sich auch in den Kasernen in Tokio und Aokohama vor. In der Priesterschaft von Kioto soll gleichfalls lebhafte Mißstimmung wegen des Krieges herrschen. In Osaka entfalten die Agitatoren eine lcbhaftc Tätigkeit, besonders unter den Arsenalnrbeitern, die aufgcfor- dert wurden, sich der neuen, großen „Gelben" Bewegung anzuschließen und die Regierung zu stürzen, die Japan in die Abhängigkeit Europas bringe.
Die Entente nnd die dänische Neutralität.
Kopenhagen, 22. Sept. Lebhask erörtert wird hier ein Artikel des Tenrps, in dem die dänischen Minenspcrrungcn in den Belt«» und im Oere-Sund behandelt werden. Das französische Blakt äußert. daß bi« dänisch« Negierung doch wohl keinen unmöglich«» Widerstand gegen diejenigen fremden Kriegsschiff« zu leisten versuchen würde, di« ohne Hilfe dänischer Lotsen di« Hindernisse beseitigen würde», die sich «kn»a ans dem Weg« befänden, de» sie zurückzulegen hätten, um di« Blockade der deutschen Ostseehäsen einzu- Iciten. Das dänische Rcgierungsovgan Politiken betont demgegenüber, daß der Temps nicht darül>«r im Zweifel sein könn«, daß Minenspcrrungen in dänischen Durchfghrtsgewässern berechtigte Ncutralitätsmaßnahmen seien, und hebt hervor, daß man in Däne- inark nur einer Ansicht sei. nämlich daß das Land sein« loyale Neutralität bewahren müsse und daß diese von allen Seiten zu respektieren sei.
Der Balkan nnd der Krieg.
Türkische Zolle» Höhung.
Wien, 22. Sept. Das österreichische Handelsministerium meldct entgegen anderslautenden Gerüchten aus Konstantinopel, daß die kürkiiche Regierung lediglich die Erhöhung d«s allgemeinen Warenzolles auf 50 Prozent und zivar von, 1. Oktober ab für die nach diesem Tage cing«führt«n Waren beabsichtigt.
Der neue Herr in Albanien.
Köln, 22. Sept. Der Korrespondent der Kölnischen Zeitung i» Sofia erfährt von besonderer Seite, daß der in Risch weilende Essad Pascha, llb«r dessen dortigen Aus«ntl>a>t Sie serbisch« Regierung nichts habe verlauten lassen, ein« niohamedanische Abordnung aus Albanien empfangen habe, di« ihm den albanilchen Thron angebotcn habe. Er habe ihn angenommen und gewisse bisher nicht bekannt gegeben« Bedingungen gestellt.
Die finanzielle Kriegsrüfiniltz.
Mohr als 4200 Millionen Mark sind statt der zunächst aufgelegten 1000 Millionen Mark der Kriegsanleihe gezeichnet worden. Dieses günstige Ergebnis hatte zur Folge, daß die Termine für die Einzahlung der gezeichneten Beträge hinausgcschoben werden konnten. Wie die Berliner Politischen Nachrichten mitteilen, lvar ini Reiche keineswegs ein Mangel an Geldmitteln für die Kriegführung eingetreten. Auch ohne die Einnahmen, die nlinmehr ans den Anleihen der Reichskassc znfließcn, hätten noch für lange Zeit hinaus ausreichende Mittel zur Verfügung gestanden, denn die Reichsbank wäre, wie ihr letzter Ausweis mit einer Bardeckung von fast 45 % erkennen läßt, zur Uebcrnahme von Rcichsschatzanweiiungen und Tarlchnskassenschcinen auch weiter noch in der Lage gewesen. Jedoch niußte, wenn der Status der Reichsbank ein befriedigender bleiben sollte, eine weitere Belastung durch Gewährung von Darlehen vermieden werden, es mußte aus die Ablösung des kurzfristigen Schatz- anwcisungskrcdites Bedacht genommen werden, sobald die Verhältnisse dies angezeigt und durchführbar erscheinen lassen.
lieber die Verwendung der Anleihe sagt die offenbar aus dem Reichsschatzamt stammend« Notiz: „Demgemäß werden aus den Kriegsanleihen zunächst die von der Rcichsbank ge- währten Darlehen zurückgezahlt, die alsdann zur Befriedigung der Bedürfnisse der Kriegführung nicht weiter in An- spruch genommen werden dürfte. Wie weit man mit den nunmehr verfügbaren Mitteln von rnnd 4/,l> Milliarden Mark auszukommen hoffen darf, dafür dürfte die Anberaumung dcZ setzten Einzahlungstermines einen Anhaltspunkt oictcn. Die Wahl dieses Zeitpunktes deutet darauf hin, daß oie Mittel, die für erforderlich erachtet werden, bis hinein m das neue Jahr gesichert sind, da der bisher eingeschlagcne Weg zur Deckung der benötigten Ausgaben, falls die aus den Anleihen fließenden Mittel in Anspruch gcnoinmen sind, aufs neue beschickten werden könnte. Jedenfalls wäre kaum ein zwingender Grund gegeben, daß der Reichstag, der Ende November zu einer kurzen Tagung znsammcntritt, sogleich
mit einer neuen Kriepskreditvorlage befaßt werden müßte. Die Aussicht wird hoffentlich ebensosehr zur Beruhigung ängstlicher Gemüter und zur Wiederbelebung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse beitragen, wie der Uuistand, daß der außerordentlich glänzende Erfolg der Kriegsanleihen eine sehr erfreuliche und wertvolle Stärkung der Reichsbank bedeutet, die dadurch für die Durchführung ihrer Aufgabe, ge- rade in kritischer Zeit die erforderlichen Wirtschcifts- und Kreditmittel zur Verfügung z» halten, wejentliche Unterstützung und Erleichterung erfährt."
Zurückgezogenes Majestätsbeleidignngsverfaüren.
Tie Anklage gegen den Simplizisflmus wegen Majestäts- bekcidigung, die in der ani Montag in München beginnenden Schwnrgerichksperiodc zur Verhandlung kämmen sollte, ist zurückgezogen worden.
Feindliche Flieger über Düsseldorf?
IVB. Düsseldorf, 22. Sept. (Nichtamtlich.) In der Nähe der Luftschiffhalle wurden heute, >vie die Düsseldorfer Zeitung meldet, von einem feindliche» Flugzeug zwei Fliegerbomben abgcworscn. Schade» wurde, abgesehen von einigen gesprungenen Fensterscheiben, nicht «»gerichtet.
In und vor Paris.
Paris, 22. Sept. Tie Passicrkarten, Kelche die Erlaubnis erteilen, Paris mit cineni Automobil zu verlassen, sind nunmehr eingczogen worden. 800 Feuerwehrleute sind ans Paris auf die Schlachtfelder geschickt worden, um sie zu säubern und die Tausenden von Leichen, welche noch immer dort liegen und die Luft verpesten, zu verbrennen oder zu begraben.
Im belagerten Antwerpen.
Lhristianio, 23. Sept. I» der Zeitung Astenposten heißt cs in einer Schilderung Antwerpens: 'Beinahe jeder zweite Mann auf der Straße ist in Uniform. Die ganze belgische Armee, etwa 200 000 Mann, lagert um die Stadt. Um 8 Uhr werden alle Lichter gelöscht wegen der Zcppeltngesahr. Der Feind ist nur etwa drei Meilen entfernt. Man hört den Kanonendonner. Viele Leute haben ihr ständiges Quartier in de» Kellern.
Flieger über Holland.
Rotterdam, 23. Sept. Gestern morgen fiel ans einem sehr hoch über der Stadt schwebenden Flugzeug eine Bombe aus die holländische Stadt Maastricht. Einige Fensterscheiben wurden zertrümmert. Der Materialschaden ist nicht groß: es wurden einige Kühe getötet. Vermutlich handelt es sich um einen Irrtum. — Ter Bcrl. Lokalanz. bemerkt dazu: Man ist versucht, zu glauben, daß es sich um einen französi- scheu oder einen englischen Flieger handelte, der statt aus deutsche Truppen, auf die holländische Stadt seine Bomben hat fallen lassen. Möglicherweise ist es derselbe Flieger, der in Düsseldorf versuchte, die dortige Luftschiffshallc z» zerstören.
Russinnen in der Schweiz verhasiet.
Genf, 23. Sept. Wie gemeldet wird, wurden in Zürich zwei Russtune» dem Untersuchungsrichter des Militärgerichts über- miesen, welche verdächtigt werden, die Bildung eines polnischen Freikorps in der Schweiz betrieben und so deren Neutralität verletzt zu haben.
Bauunglück.
Stuttgart, 23. Sept. Beim Bau der neuen Stuttgarter Kai- anlageu bei Mülheim am Neckar sind 5 Personen ertrunken.
Schneesall in den Bogeic».
Karlsruhe, 23. Sept. Ans dem Hochplateau der Vogesen und des Schwarzivaldes ist während der letzten Tage starker Tchneefall eingetretcn.
Sozialdemokraten im Kriege.
Leipzig, 23. Sept. Die sozialdemokratische Parteiorganisation des Leipziger Bezirks (11., 12., 13. und 14. Wahlkreis) haben eine Erhebung veranstaltet, wie viele ihrer Nickglieder zu den Fahnen cinbcrufen worden sind. Das Ergebnis stellt fest, daß von 40 934 männlichen Mitgliedern insgesamt 10 835 im Felde stehen, das sind 26 Prozent. Es werden also vier kriegsstarke Regimenter von der sozialdemo- kratifchen Parteiorganisation in Leipzig gebildet.
.Hessen „nd Nachbargebiete.
Giessen und Umgebung.
— Unsaubere Konkurrenzmanover. Wie die nationalistische Hetze zum Geschäfte machen benutzt wird, zeigt sich m einem Zcitnngskampfe, den eine Anzahl „patrioti- scher" Unternehmer der Gummi-Industrie gegen die Dnnlop- Gummifabrik in Hanau führen. Ganze Seiten Inserate werden in verschiedenen Zeitungen losgelassen, um zu beweisen, daß die genannte Fabrik ein „englisches" llntec- nehmcn sei. Daß dabei nur Geldbeutel-Interessen in Frage kommen, nnlerliegt keinem Zweifel. Tie Herrschaften bezeichnen es als „eine unglaubliche englische Anmaßung" der Duulopfabrik, wenn sie in der Presse die Mitteilung verbreitet, daß sie als rein deutsche Firma nicht beabsichtige, sich einer Erhöhung der Gummipreise anznschließen. Die deutschen Firnicn haben sich nun auch der Heeresverwaltung verpflichtet, für die ganze Dauer des Krieges diese Preise zu berechnen, die sie vom 1. Tage der Mobilmachung an in Rechnung gestellt haben, obwohl die Gumniiprerse um 60 Prozent gestiegen seien. In dcui Inserat wird dann weiter gefragt, wer die deutsche Tunlop Company sei und zum Schluß wird ihr der gute Rat gegeben, sic möge sich nur recht ruhig verhalten, sonst könnten cvcntl. Maßregeln ergriffen werden, die auf gut deutsch bedeuten, daß die Unternehmer-Chauvinisten der deutschen Gnmmi-Jndustrie cs fertig bringen, der Tnnlop-Fabrik das Licht ansznblasen nnd dadurch Hunderte von Arbeitern brotlos zu machen. Das ganze Pamphlet zeugt von recht niedriger Gesinnung. Tie deutschen Industriellen sollten sich doch einmal in ihren eigenen Reihen umschaucn, sagte dazu mit Recht unser Frankfurter Parteiblatt. Haben sie sich bisher gescheut, mit französischem, englischem oder russischem Kapital zu arbeiten? Mit aller Schärfe nnissen wir uns gegen diese chanvinistische, unpatriotische Kampfesweisc der deutschen Unternehmer wenden, die sich nicht scheuen, in dieser schweren Zeit noch mehr Unglück über die deutsche Arbeiterschaft zu bringen.
— Tote des Gicßcncr Regiments. Vom Jnf.-Rgt. 116 lind weiter als gefallen bekannt geworden: Musketier Hcinr. Weigand aus Heuchelbeim. — Musketier Fr. Gernand aus Hcuchelheim. — Musketier Heinrich Zecher aus
Staufenberg. — Einjähriger Gefreiter Hermann Möbus, Bankbeamter aus Gießen. — Gefreiter Heinrich Steyh auÄ WcitcrShain. -- Landwchrmann Hermann Tickermann/ ans Wetzlar. Bisher zählen ivir 18 Gefallene bei den 116ern-
— Gesallklie aus Obcrhcsse» und Nachbargebirtent Wilhelm Jung, Lehrer ans Hcuchelheim, Jnf.-Regt. 88. — 1 Leutn. d. Reserve Krause aus Gießen, Jnf.-Regt. 87.
— Vom früheren Gießencr Oberbürgermeister Gnauth ist am 15. Tepteniber ebenfalls ein Sohn im Kriege gefallen, der Hess. Regierungsbauineister Adolf Gnauth, der a/s Re» servelentnant des Feld-Artillerie-Regts. 25 in Darmstadt amt Feldzüge teilnahm.
^ — Liebesgaben fiir die 118er. Wir werden um Ausnahme deÄ
,»»lp.sn-e» ersuch!: Nachdem bekannt geworden war, daß die Be«i fövderung v 2 „ Liebesgaben von den Sanunelstetlen aus mit Rücksicht! nick die stark« Jnanspruchnahmc der Bahnen durch Truppen- und. Munitionstransiporte nicht mit der wünschenswerten Schnelligkeit erfolge» kann, hat sich unser« Stadtverwaltung seit einiger Zeit mit 1 dem Plan befaßt, Liebesgaben mittels ttrajtwagen abgehci, z» lassend In dankenswerter Weist litten sich der hiesige Oberhesssiche Auto-! mabilkliib ii»fr mehrere Krastivagenbesitzer dem Herrn Oberbürgermeister gegenüber bereit erklärt, ans eigen« Gefahr und Kosten! Liebesgaben an di« Formationen des hiesigen Regiments (Linie. Re»- scroe und Landwehr) zu befördern. Darauf hat di« Stadtverwaltung! durch einen ihrer Beamten in Tarmstadt — «n wo kürzlich schmr! eine Kraslwagentollonne mit Erfolg nach Frankreich abgcgangen ivar — und bei dem Generalkommando in Frankfurt a. R. persönlich Erkundigung über diese Transportniögtichkeiten c!»ziehen lassen.- Durch das tatkräftige Eingreifen der Großherzogiii ist cs m ermöglicht worden, daß wiederum ein Automobilzug von Darmstabt abfahren konnte und cs Ist unsere Stadtverwaltung nach längeren! Verhandlungen gelungen, die hiesigen Kraftwagen der Darmsladterj Kolonne anMschlleße». Diese Darmstädter Kolonne, di« bei ihrer, ersten Fahrt teilweise unter erheblichen Schmierigkeiten bis Sedan! und »»eitev gelangte, hatte sestgestellt, daß tn den dortigen Kriegs- imd Feldlazaretten — wo viel« 118er liegen — namentlich Zigarren) Tabak, Dauerwurst. Streichhölzer und Verbandmaterial erwünscht seien. Die städtische Verwaltung (jat daraufhin unverzüglich das, Nötig« teils selbst beschafft, teils von der Leitung des hiesigen Roten! Kreuzes und durch das opferwilltge Entgegenkommen hiesiger Firmen geliefert erhalten, Di« hiesige Automobilkolonnc — bestehend aus den Wagen der Herren Geh.-Rat Dr Gail, Dentist, O. Graes und Direktor Stocke — konnte bereits in der Nacht vom 21/22. d. Bl. nach! Mainz abgehcn. wo sie mit dem Dainistädter Transport zusainmen- tras. Hierdurch» ist es möglich gcrvorden, die notwendigsten Liebesgaben aus die rascheste Weise unteren braven tapferen 116crn w- zusühren, die dies« ersten Gaben aus der Hciniat mit größter Freud« und Dankbarkeit begrüßen werden, lieber den Verlauf der Fahrti wird später berichtet werden.
Um auch den in der Front befindlichen Forniationkn der 116er Liebesgaben zuführen zu können, hat der Herr Oberbürgermeister bereits unterm 10. d. Ms. Verhandlungen mit dem Generalkom» mando eingeleitet, die zivar noch nicht abgeschlossen sind, aber ,w der Hoffnung berechtigten, daß schon in aller Kürze ein größerer Krast- wagenzug von hier abgehen kann, der den kämpfenden Truppen dl« Liebesgaben möglichst bis an die Fiont hevanbrtngen soll. Ans den, Aufruf tu heutiger Nummer zur Stiftung von Liebesgaben zu diesem Zivrck wird verwiesen.
Bei der jetzigen Jahreszeit wird unseren Kric-gcrn namentlich warmes Unterzeug erwünscht sein. I« schneller und reichlicher gegeben wird, nm so eher kann die zweite Denüting abgchen.
— Das Fahr geht seinem Ende zu, der Herbst hat begonnen und es hat sich schon eine sehr bedeutende Kühle eingestellt. Da mutz mau auch bald wieder an die Anschaffung eines Kalenders denken. Schon vor mehreren Wochen ist der allgemein beliebte „Neue Welt-Kalender" erschienen, auf den wir anfmcrtsam machen möchten. Wie alljährlich, so bietet er auch diesmal wieder einen sehr reichen und gediegenen Inhalt, aus dem wir folgendes an- führen: Kalendarium. — Postalisches. — Beachteiisipertc Adressen.
— Statistisches. — Rückblick. — Messen und Märkte. — Im Kreiß- lauf des Jahres. — August Bebel (mit Illustration). — Unsere Toten (mit Porträts). — Die Kinder. Erzählung von Elara Bicbig (mit Illustrationen). — Tie Wirkungen des Sports auf den menschlichen Organismus. Van Eurt Biging (mit Zeichnungen). — Gesinde und Herrschaft. Von Jda Baar (mit Illustrationen. — O stürmt nur, stürmt, ihr Fragen. Gedicht von R. Seidel. — Die Hungerschlacht. Gedicht von Seävola. — Unsere Bilder. — Allzu scharf macht schartia! Eine lustige Geschichte voll Emil Uuqer (mit Fllustration). — Der Panamakanal. Vau Hermann Wendel (mit Illustrationen). — Hüt' dich. Sklave! Gedicht von Adolf Mätze.
— Die Kultur der Arbeit und ihre Stätten. Von Hugo Hillig (mit
Illustrationen). — Der alte Landstreicher. Erzählung von Paul Eitel (mit Illustrationen). — Es keimt die Saat! Gedicht von Fritz Droov. — Fliegende Blatter. — Die Stiefel von Nr. 13. — Volks- kalender-Prophezciungeii. Von Adolf Glaßbrcnner. — Für unsere Rätsellöser. — Hierzu vier Bilder: Holländische Wohnstube. —
Fischerboote. — Kühe aus der Weide. — Winter. — Außerdempj Ein Kunstblatt lBildnis Bebels). — Ein Wandkalender.
— Gewerkschaften und der Krieg, lieber den Mitglicberstan!»
des Metallarbeitcrvcrbandes in der dritten Kriegs- wvche schreibt die MetaUarbeitcr-Zcitniig: Es haben nur einige wenige Verwaltungen keine Berichte gesandt. Von einem Teil dieser Verwaltungen ist dazu noch anzunehmen, daß sie überhaupt nicht berichten können, weil sie vom Verkehr abgeschnittcn sind. In den 398 berichtenden Verwaltungen waren zu Anfang der Berichts- woche 408 377 Mitglieder. Zum Militär sind abgcgangcn im Laufe der Woche 21 893: aus anderen Gründen sind abzurechnen 4146: der Gesanitabganq beträgt somit 25 839. Am Schlüsse der Woche waren noch vorhanden 382 538 Mitglieder. In den ersten zwei Kriegswochcn sind 121 550 Mitglieder abgegangen, davon 140198.. zum Militär: es sind in den drei ersten Kriegswochcn also 131 891 1 Mitglieder unseres Verbandes zu den Fahnen berufen worden. Das sind bei Zugrundelegung der Mitgliederzahl vom 1. Juli dieses Jahres 24,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei der Zählung vom 1. September dieses Jahres auf 76 711 fest- gestellt worden. In Wirklichkeit ist die Zahl der Arbeitslosen sicher höher. Berichte liegen nur von 381 Verwaltungen mit 357 164 Mitglieder vor: über rund 28 000 Mitglieder wurde nicht berichtet. Auch dürfte sich et» Teil der nichtbezngsberechtigten Arbeitslosen nicht gemeldet haben. Das ergibt sich schon aus der geringen Differenz zwischen der Gesamtzahl der Arbeitslosen und der Zahl der bczugSbercchligten Arbeitslosen. Diese beträgt 75 407: das sind 19,7 Prozent der am Schlüsse der dritten Krtcgswoche noch vorhandenen Mitglieder. Tic Ausgabe für Arbeitslosenuntcr- stützunq hat sich bedeutend gesteigert: cs kamen tn der dritten
Kriegswüchc 438 752 Mt. zur Auszahlung gegen 338 711 Mt. in den zwei ersten Kriegswochcn. Es sind also in den ersten drei Kriegswochcn bereits über '% Millionen Mark an Arbeitslosenunterstützung ausbezahlt worden.
Achtung, arbeitslose Sattler! Für Militärarbciten werben fortwährend Sattler verlangt. Sattler, auch wenn sie nicht auf Militärarbeit eingearbeitet, sondern nur im Nähen geübt sind, sollten sich umgehend schriftlich oder mündlich beim Zentralvorstand des Sattler- nnd Portefenillerverbandes, Berlin 30., Brückenstraßc 10 b, melden,
— Wiesest. Unter den im Kriege Gefaltcncn haben wir auch unseren Genossen Panl Zeidler zu beklagen, der am 22. August von einer tödlichen Kugel getroffen wurde. Er wohnte erst 1 Jahr tn Wlcseck, hat sich aber während dieser Zeit die Achtuna aller erworben, die ihn kennen, sein gebtcaencs Wese» und tanteren Eharakter schätzen lernten. Zeidler ist in Zossen bei Berlin geboren, erlernte das Tapczicrcrhnndwerk und war zuletzt Dekorateur bei der Firma Hartman» in Gießen. Seit langem gehörte er der gewcrkschaftltchci, nnd politischen Organtsatio» an, er ließ cs aber


