deutsche WefdjiiOfcuer kräftig erwiderte, französische Soldaten lagerten in den Strassen: in der idanptstrasic befand sich ein Ar- tilleriepark, dahinter lag Infanterie.
Stockholm, 22. Scpt. Stockholms Dagblad tritt den Verdächtigungen Delcussös und der Daily Mail entgegen, wonach die Deutschen die Rcimser Krönungskirche absichtlich beschossen häten. Das schwedische Blatt nennt die Behauptung widersinnig und weist darauf hin, daß die Deutschen doch nicht das von ihnen selbst darin angelegte Lazarett mutwillig beschossen hätten. — Es zeigt sich deutlich, Last die Presse der neutralen Länder die fortgesetzte» »n- crwiescncn Grcuclgeschichtcn über die „deutschen Barbaren" griind- lich verleidet sind.
Zürich, 22 . Scpt. Die Neue Züricher Zeitung findet warme Traucrwortc flir den Verlust der Kathedrale vou Reims, sagt aber, eö muh mit allem Nachdruck der Auffaffung entgcgcngctrctcn werden, dass die Kathedrale absichtlich vom deutschen Heer unter Kanonen genommen worden wäre. Dah auch die französische Regierung in ihrem Protest diese Nusfassung sich ancignct itnd keck behauptet, einzig aus Zcrstörungssucht hätten dieTruppen dicKathc- drale einer systematischen Beschickung unterzogen, ändert an der offensichtlichen Unrichtigkeit dieser Behauptung nichts. Zn dieser Beziehung können wir uns unbedingt auf Mitteilungen des Gcnc- ralstabs verlassen. Es ist also daran sestzuhaltcn: die französischen Trupen selbst haben nichts getan, das Arlillerieseucr von Reims abzulcnkcn. Vom feinde aber diese Rücksicht zu erwarten, wäre doch recht naiv.
Nicht nur de» Splitter in den Augen des niedcrn sehen!
Das offiziöse Wolfsche Telegraphenburcau verbreitet folgende Meldung:
„Le Journal brachte am 16. September unter der Ueberschrift „Kraukcuwärtermangel in der Marin«" ein Ministcrdckret, durch welches di« Mediziner mit vier Semestern und Pharmazeuten mit zwei Setnestern ermächtigt werden, in den Schisfsbcsatzungen für die Tauer des Krieg«, freiwillig Dienst zu nehinrn. Der Petit Parisien beklagt die mangelnde fürsorgc für die familicn der Krieger. 1,20 franks für die frau täglich und 0,50 Franks für jedes Kind seien augesetzt und würden in Paris anscheinend ge- zahlt, in den Ortschafte» der Umgebung seien wegen ausgebliebener Zahlung die familicmnütter mit mehreren Kindern in jämmer- lichcr Not. Zn Montgeron erhielt eine Mutter mit vier Kindern gänzlich ungenügende Naturalien. Aus ihre Beschwerde sei ihr erklärt worden, da augezeigt sei. dah sie nur drei Kinder habe, erhalte sic keine Utiterstützung. Das Blatt tadelt dieses Verjähren energisch, da der Vater der Kinder dem Lande Leib, Gut und Blut opfere. Petit Parisieu bringt ferner den Brief eines Bauern, der sich darüber hcschivcrt, dah man nirgends di« Requisitionen durch die tjdccrcsverioalluitg bezahlt erhalle. Man werde vou doni Stcuereinuehuicr zur Rccettc des finauccS, von dort zur Intendanz, von dort zum Generalkommando und dann wieder zum Seimatsbezirk geschickt, erhalt« aber nie etwas.
Wir hätten es um des Ansehens der. deutschen inneren Wahrhaftigkeit willen lieber gesehen, wenn das Wolffsche Telcgraphenbnreau die Finger von der Verbreitung dieser französischen Preßstimmcn gelassen hätte, die doch den Anschein erwecken sollen, als ob die Kriegsfllrsorge in Frankreich besonders mangelhaft sei. In Wirklichkeit handelt es sich doch um Einzelklagen, wie sie bei uns in Deutschland auch erhoben worden sind und noch immer erhoben werden, ganz nach derselben Richtung sogar, und daß die französische Kricgs- unterstützung von 36 Francs = 28,80 Mark monatlich für eine Kriegerfrau und von 15 Francs — 12 Mark für ein Kriegcrkind schlechter sei als die deutsche, wird man doch beim besten Willen nicht behaupten können. Also mehr innere Wahrhaftigkeit!
Der Handstreich der „Emden."
WB Kalkutta, 22 . Sept. (Nichtamtlich. Reuter.) Die Offiziere und Mannschaften der von dem Kreuzer „Emden" in der Bai von Bengalen versenkten britischen Schisse sind gestern nachmittag hier angckommcn. Tic änderten sich anerkennend über die ihnen von den deutschen Offizieren erwiesene Höflichkeit. Der Streiszug des Kreuzers „Emden" begann ani 10. September. An diesem Tage nahm er den Dampfer „Zndus", der durch Geschützfeuer zum Sinken gebracht wurde, nachdem die Besatzung aus die „Emden" übergcführt worden war. Als der Kreuzer aus die Höhe der Bai kam, fing er alle drahtlosen Nachrichten auf, welche die Abfahrten aus dem Hafen meldeten, und kannte infolgedessen die Lage sämtlicher Schiffe in der Bai. Am 11. September sichtete die „Emden" den Dampfer „Loo", übernahm seine Besatzung und versenkte ihn. Der Dampfer „Kabinga" wurde in der Nacht zum 12. September genommen itnd zwei Stunden später der Dampfer „Killin". Während derselben Nacht wurden drei andere Schiffe gesichtet, jedoch nicht verfolgt. Am Mittag des 12. September »ahmen die Deutschen den Dampfer „Diplomat", der später versenkt wurde. Tann wurde der italienische Dampfer „Lariano" angchalten, aber an demselben Tage wieder frcigclasscn. Aus seinem Rückwege warnte der Dampfer mehrere andcrc Schiffe, welche zurücksuhrcn und so
der Kaperung entgingen. Am 11. September nahm die „Emben^ den Dampfer „Tratbock" und' versenkte ihn durch eine Mine. Tie Besatzung sämtlicher erbeutete» Schisse wurde dann an Bord eines Fahrzeuges gebracht, bas den Befehl erhielt, nach Kalkutta zu fahren. Zwei deutsche Schisse begleiteten es bis innerhalb 75 Meilen von der Mündung des Hngli.
^ London, 22. Scpt. (Zndir. Priv. Tel , Etc. Fkft.) Der Daily Telegraph meldet aus Kalkutta, dass der von der „Emden" auf ihrem kühnen Streiszug angcrichtctc Schaden 15 Millionen Mark betrage. Der Erfolg des deutschen Kreuzers tväre noch gröber gewesen, wenn das italienische Schiff nicht eine Anzahl engpscher Dampfer benachrichtigt hätte.
Eine französische Heldentat.
Ocstcrrcichisch-ungarisches Kricgspreffcquartier, 22. i-eptbr.
lPriv.-Tcl.l Am 10. September erschien eine französische Flotten- abtcilung vor der Znsel Pclagosa nächst der Halbinsel Tabioncello im Adriatischcn Meer und zeistörtc zunächst den Leuchtturm auf Pclagosa, der als internationale Wetterstation auch jetzt unter Schutz steht. Ei» Landungskorps vou Marinesolbatcn nahm danw den kinderreichen Familien der Leuchtturmwächtcr, die in ihrer völligen Abgeschiedenheit vom Festlande und wegen der Unfruchtbarkeit des Bodens auf die Verpflegung von auswärts angewiesen sinü,^die Nahrungsmittelvorräte und sogar die Wüsche weg, machte daS Trinkwasscr in den Zisternen ungeuicstbar und begab sich dann wieder an Bord. Ein Kommentar zu dieser Meldung ist wohb überflüssig.
150 OOO Nüssen umgekommeu.
Züricher Blätter vcrösfentlicheu ein Telegramm des Reichskanzlers an den dortigem deutschen Generalkonsul, in deui aus- I geführt wird:
„Von der Aimiec SasouowS sind die geringen Teile, die sich auÄ dcn schweren Niederlagen bei Tanneuberg retten konnten, in Auf»! lösitng über die Stareiv geflüchtet. Tie Armee Rennenkampff lNjcmen-Armcc) erlitte eine ähnliche Niederlage südlich von Inster^ bürg und konnte das, was ihr noch übrig blieb, nur durch schleunig^ Flucht über den Nieinen hinter die Festungen Olita und Kmonv retten. Nach vorläufigen Sckiätzungen sind allein bei Tannenhergj und in den Masurischen Sümpfen 150 000 Russen umgekommeu. Bis jetzt find in deutsche» Lagern nntcrgebrächt 200 000 Gefangen«, davon 5000 Offiziere. Die Gesamtzahl aller Gefangenen übersteigt 000 000, wovon über die Hälfte Russen sind, lieber 2000 Geschütz« aller Art wurden erbeutet."
Russisches Erzpharisäei lum!
Die Südslawische Korresp. meldet aus Sofia: Kambana meldet: Wie wir erfahren, läßt die russische Regierung durch ihren früheren Gesandten in Darmstadt, Botkin, eilst Schwarzbuch zusanimcnstellcn, das an die Kabinette gerichtet werden soll. In diesem Schwarzbuch stellt Botkin zahlreiche! Fälle dar, die angebliche Grausamkeiten der Deutschen gegen! die Bevölkerung Polens schildern. Wir sind, sagt Kambana^ überzeugt, daß diese angeblichen Grausamkeiten der Deutschen zur Kriegszeit nicht im entferntesten so furchtbar sein können, wie die Grausamkeiten, die von dcn Russen in Frie- denszeiten gegen die Polen, Kleinrussen, Finnen und andere Nationalitäten begangen werden,.die das Unglück haben, sich des Segens der russischen Herrschaft zu erfreuen.
Die österreichische Offensive in Serbien.
Magyar Hirlap meldet aus Mitrowitza: Seitdem
österreichisch-ungarischen Truppen die serbischen Einbruches blutig zurückgeschlagen und Drina und Save überschrittcni haben, dringen sie siegreich in Serbien vor. Wir hoben be- rcits Drenovac erobert, nachdem wir die serbischen Truppens blutig zurückgeschlagen haben. Nach diesem Kampfe rücktenj unsere Truppen weiter vor und nahmen Pricinovic und Se<( varice ein, wo die Serben neue Niederlagen erlitten. Jetztz beherrschen wir die ganze Gegend, und unsere Truppenä welche südlich obiger Orte kämpfen, stehen mit unserer Armee! in fortwährenden: Kontakt. In Drenovac wurde ein Feld- spital ausgestellt. Ucber Sevarice werden Munition undj Nahrungsmittel an unsere Armee gesendet.
Die Verhandlung gegen vie Attentäter von Serajewo.
Agram, 22. Sept. Wie mit amtlicher Genehmigung auSk
Serajewo gemeldet wird, ist di« Verhandlung gegen di« Mürber des Erzherzogpaares, Prinzip, sowie »egen Gabrinomitsch und Genossen: auf dcn November auberaumi. Sie wird mit Zustimmung der Be-, Hörde öffentlich sein. Tie Schriftstücke enthalten uugeheuveS. Material. Einzelne Zeugenaussagen umfassen bis zu 500 ©eiiwtJ Tic Verhandlung findet vor dem Ziviigericht und nicht, wi« ursprünglich beabsichtigt war. vor dein Milttärgcricht statt.
scheu hätten ohne die geringste militärische Notwendigkeit den Tom zur Zielscheibe eines systematischen Bombardement? gcinacht. „War' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit — man war' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen". Denn inan sollte meinen, die neutralen Staaten müßten ohne weiteres die elende Heuchelei erkennen, die hinter jenen Pro- testen steckt. Tie Franzosen haben wahrlich oft genug schon in ihrer Vergangenheit — man denke nur an das Heide!- berger Schloß — bewiesen, wie wenig Achtung ihre Heec- führer vor Kultur- und Kunstwerken des Feindes besitzen, und sie haben auch in diesem Kriege, ganz so wie 1870 beim Straßburger Münster, gezeigt, daß es ihnen nicht die geringsten Kulturgcwisscnsbisse bereitet, Kirchen und anders Bauwerke zu militärischen Stützpunkten zu machen und dadurch der Zerstörung durch feindliches Feuer auszusctzen. Welche klägliche Heuchelei: seht gegen die Beschießung des Reimser Doms zu protestieren, nachdem man dieses Bauwerk planmäßig selber dadurch der Beschießung ausgesetzt hat, daß man Reims zu einer starken Festung gemacht hat. Wer eine historisch wertvolle Stätte zur Festung macht, und wer in dieser Festung gerade die zu schützende Stätte zmn Stütz- Punkt seines Angriffs macht, der trägt die Schuld daran, wenn im Kanipfc dann ein Werk zerstört wird, an dem die Kunstfreunde aller Länder ein Interesse haben. Und am Tom von Reims haben die Deutschen gerade ein besonderes Kunstintercsse, nicht nur weil in ihnen die Pietät vor der Kunsterbschaft vergangener Zeiten am tiefsten steckt, sondern auch weil es sich hier ja um ein Bauwerk der von den Deutschen besonders verehrten Gotik handelt. Die deutschen Heerführer, die erwiesenermaßen so außerordentliches Gewicht darauf legen, daß der deutsche Heercsgcist mit dem deutschen Volksgciste im Einklang bleibt, würden eine schwere Verletzung auch ihrer militärischen Pflichten begangen haben, wenn sie durch frivole Zerstörung eines so hervorragenden Kunstwerks dcn deutschen Dolksgeist verletzt Hütten. UiTb solche Verletzung ihrer militärisck)en Interessen werden ihnen doch auch die Feinde — wenn sic schon sonst an ihre Kunstfeindlichkeit glauben mögen — nicht zntrauen, um so weniger als feststeht, daß der Reiniser Dom in dcn Tagen, in denen die Deutschen die Stadt bereits in Besitz gehabt haben, selbst , nach französischem Zeugnis planvoll geschützt und geschont wurde. Das steht fest, andererseits aber steht fest, daß die Franzosen den Dom in frivolster und herausforderndster Weise in dcn Tagen der Belagerung zu einem hervorragenden Stützpunkt ihrer militärischen Operationen gemacht und die Deutschen gezwungen haben, wenn sie nicht pflichtvergessen Tausende von deutschen Soldaten opfern wollten, den Dom zu beschießen. Und das muß doch bei gllcr Ehrfurcht vor der Kunst bestehen bleiben: höher als alle künstlerische Schöpfungen des Menschen stehen die Schöpfer solcher Werke, stehen die Menschen und ihr Leben ist wichtiger als das Bestehen auch des größten Kunstwerks. Ucberhaupt, ist es nicht wie eine bittere Satire der Menschen- und Kulturgeschichte: eine große Protestbewegung gegen die Zerstörung eines Menschenwcrkes in derselben Zeit, wo kein Mensch daran denken darf, Protest gegen die Zerstörung hundert- tausender von Menschenleben zu erheben?
Wir fragen nun: ist die Beschießung des Reimser Doms eine deutsche oder eine französische Kulturschandc? Wie gesagt, die Sache wäre wirklich zu dumm, wenn nicht ans die heuchlerische Protesthetze der Franzosen das »ns Deutschen an sich so ungünstige gesinnte Ausland hineinfallcn würde und die Neutralen noch mehr von uns abgestoßcn würden. Allerdings haben wir noch immer die Hoffnung, daß der schlaue Plan an deni gesunden Sinne der Menschen schließlich doch zugrunde gehen wird.
Kühl beurteilende Auslandsstimmen.
London, 22. Sept. Tie Times melden aus Paris: Drei
Amerikaner, die am Freitag in Reims eintraseu, erklärten, daß dar Blut von den Treppcustufcu der Kathedrale herabströmt. Die Franzosen hätten augenscheinlich die Beschickung herausgcfordert, indeni sic Artillerie in der Stadt aufstcllteu.
London, 22. Sept. Die Times meldet aus Paris: Theoretisch ivurdc das Bombardement von Reims durch die sranzössschc Artillerie hcrausgefordcrt, die in der Stadt aufgcsicltt mar und das
Afraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 68
Die Spötterei des alten Spekulanten trug insofern ihre Fruchte, daß Hanna, um ihr zu entgehen, wirklich Hand ans Werk legte und sich geschickt genug als Anfängerin benahm. Teils mochte sie Helgestad freundlich erhalten wollen, teils war es ein Zeitvertreib, oder sie beschwichtigte damit die Un- ruhe ihres Herzens, die sie immer wieder antricb, in jeder Bucht und jedem Felsenspalt nmhcrzusuchcn und mit Helge- stads Glas am Auge alle fernen Inseln und Sunde zu durch- forschen, ohne jemals die hohen spitzen Segel des Luggers zu entdecken.
Je Näher der Abend kam, um so höher stieg ihre Vangig-
und vor ihr öffnete sich ein breiter Meeresarin mit kleinen Felseninseln und Felsenbrocken übcrsät, hinter denen eine langgestreckte Küste in duftiger Ferne auftauchte. Zur Linken aber rollte die unermeßliche See in breiten Wogen, auf deren schäuniigen Gipfeln das Abendlicht funkelte.
Helgestad stand am Steuer, Wind und Wetter musternd. — „Nutz!" sagte er, indcin er Hanna angrinste, die sich neben ihn gestellt hatte, „wirst bald einen Tag erleben, bei dem es lustig hcrgeht. Sieh hin, dort die lange, dunkle Leiste, an der die Brandung auffliegt, das ist Staatenland. Müssen ab davon und ins hohe Meer hinaus, wo der Südwest der schönen Jlda eins ausspielen wird."
Die Fahrt an Norwegens Küste geht fast immer zwischen dcn unzähligen Inseln und Felscngruppen hin, welche aus den Revolutionen der Natur übrig geblieben sind und jene
die in dcn Fels eingelassen waren: ein Beweis, daß dieser Platz häufig als Nothelfer benutzt wurde. Noch aber war die Mannschaft der Jacht damit beschäftigt, als, fast unkenntlich in der Dunkelheit, dicht vor der Bucht ein Boot sichtbar wurde, das seine Segel zusammengezogen hatte und von zwei Männern gerudert ward. Ein dritter stand an der Spitze und' schrie die Jacht an: „Gottes Friede mit euch," rief er. „Wo kommt ihr her?" '
Hclgestad lehnte über das Tafarell und blickte scharf nach, dem Boote. „Von Bergen," war seine Antwort. „Seilt spät auf dem Wasser."
„Sind's gewöhnt," schrie der Mann zurück. „Sind Fischer von Scllöen."
„Hast Fische, Mann? Bring sie her," forderte der Nordländer.
kett. Wo war das rettende Boot geblieben, und was sollte aus ihr werden, wenn es nicht erschien? Marstrand beruhigte sie, so gut er konnte. — „Mir ist es nicht zweifelhaft," sagte er, „daß der Lugger in der Nacht an uns vorbeigcgangen ist und an dem bestimmten Platz in irgend einem Versteck uns auflauert."
„Und wenn er ausbleibt? Wenn ich vergebens hoffte? Wenn ihm Unheil begegnet ist?" murmelte sie angstvoll.
„So wird er morgen kommen oder uns Botschaft schicken."
„Er muß kommen, wenn ich nicht verzweifeln soll," war ihre Antwort. „Ich wurde es nicht ertragen, keinen Tag mehr mich verstellen können mit dieser Angst !m Herzen."
„Hat Helgestad falsch gesehen," fragte Marstrand, „wenn er Ihnen große Willenskraft zuschreibt?"
Sie schwieg und sagte dann ruhiger: „Er kennt mich nicht, aber er hat recht, von mir etwas zu erwarten. Ich habe allen Mut notig, um nicht vor seinen Blicken zu erstarren, die mich zuweilen eiskalt überlaufen."
Die Dämmerung war tiefer geworden, rote Abendwolken lösten sich von einem dunklen Wolkenrand ab und zogen über den Himmel hin. Die Jacht flog rascher vor den, Winde
wunderbaren Straßen und Sunde bilden: zuweilen aber
hören diese auf; die Wogen des Atlantischen Ozeans und deS nördlichen Eismeeres rollen dann ungebrochen gegen die mächtigen Fclscnmassen des Festlandes, und oft müssen die schwerfälligen Jachten viele Tage in irgend einem Schlupf- Winkel warten, ehe sie dcn gefährlichen Weg über das stürmische Meer wagen.
Auch Helgestad wollte cs nicht unternehmen, bei Nacht Staatenland z» umschiffen, obwohl der Wind halb und nicht 5U heftig war. — „Sollst ruhig schlafen," sagte er, „will alle Sorge für dich tragen; hoffe, wirst morgen ruhiger in deinem Bette bleiben, wenn draußen das Spritzwasser über die Buge schlägt. Siehst dort die spitzen Felsen vor uns? Ist das Eiland Silben. Hat kein Mensch dort eine sichere Wohnung, ist aber dennoch Gottes Wohltat und von seiner Hand getmut, denn in der Bucht können zwanzig Jachten auf einmal wie in Abrahams Schoß geborgen liegen."
Nach einer halben Stunde trat die schöne Jlda unter den Schutz der hohen Wände von Silden, alle Bewegung hörte auf, und leise vom Windzüge an die sichere Stelle geführt, wurde das Schiff an einem der großen Eisenrings befesftgt,
»
„Wollen unser» Fang erst machen," versetzte der Boots- führer. „Liegen unsere Netze fertig, und um elf Uhr kommt erst die Flut."
„Heini und Stern!" lachte Hclgestad, „müßt gute Augen haben. Rat' euch, fahrt nach Hanse, wird eine wilde Nacht werden."
„Nacht oder nicht," war die Antwort, „finden int Dunkeln, was wir suchen."
Ein Gelächter begleitete diese Worte, das an Bord der Jacht wiederholt wurde, während das Boot in dem Kanal versck>wand, der ans der Bucht zwischen den Felsen hinlaufcnd sich in eckigen Windungen gegen das Meer öffnete.
„Sind tapfere Bursche," sagte Helgestad. „Ist eitt schweres Werk, um ohne Zagen daran zu gehen; werden von Glück zu sagen haben, wenn der Morgen sie frisch und fröhlich findet."
Hanna drückte sich leise zitternd an Marstrand, und als Hclgestad sich entfernt hatte, flüsterte sie in heftiger Aift- regnng: „Er war es, cs war seine Stimmei Jetzt, Herr
Marstrand, jetzt gilt es, allen Mut zu bewahren. Was haben wir an der Zeit?" (Fortsetzung folgt.)


