Ausgabe 
23.9.1914
 
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tuiiflcn fic3 Geschäftsbetriebes flcniiqt und der Bedienung der Kundschaft dic nötige Sorgfalt und Ausmcrksamkeit gewidmet wer­den foO. Es darf deshalb jedenfalls berechtigter Weise eine kleine Unterbrechung der Arbeitszeit beansprucht werde» und sall diese dadurch erreicht werden, das, die Läden in der Zeit van 1 3 Uhr nachmittags, den Stunde», in denen erfahrungsgemäß der Verkehr nachläßt, geschlossen bleiben. In andere» Städten ist man schon seit längerem, selbst in gewöhnlicher Zeit, zu dieser Einrichtung iibergegangen und bitte» wir auch das hiesige Publikum, deren Durchführung durch entsprechende Betätigung des Einkaufs er­leichtern und unterstützen zn wollen,

Der Konsumverein Gießen zählte nach seinem fetzt vorliegen­den Jahresabschluß am 30, Juni 2713 Mitglieder gegen 2371 in, vorigen Jahre, Infolgedessen stieg auch der Warenumsatz von 4731)00 aus 539 336 Mark, wobei allerdings berücksichtigt werde» muß, daß bei dem vorsährigen Abschluß dic Bäckerei erst ein reich­liches Halbjahr in Betrieb war. In der Sparabteilung wurden 29037 Mark ciugezahit und 9936 Mark znriickgezahltl die Spargelder er­reichten damit die Summe von 68 287 Mark,

EinSp!o»c»"-Auto! biester» gabs in Gießen mal wieder «in« Spionen-Afsärc, wie sie anfangs August aus der Tagesordnung waren. Aus dem Kreisamt fuhr ein Auto, FabrikatNcnaut irreres", vor, Tie Insassen, ein älterer und ei» jüngerer Herr, sprachen den nnversäischten Hamburger Dialekt, Das Auto wurde von zwei Gendarmen und 2 Schutzleuten strcirg bewacht, während der ältere Herr, ein Groß-Kanftnann, sich in däs Kreisamt begab, Bor dem Auto sammelte sich natürlich in hellen Hausen das liebe Publikum, Von dem jüngeren Insassen des Autos erfuhren wir, daß die Fahrt von Hamburg bis Kassel gegangen, daß man dort über­nachtet und unangefochten bis Gießen gekommen war, Tie Neifenden hatten als Ausavers ein« Bescheinigung des Generalkommandos in Hamburg und wollten noch Saarbrücken, Vom Kreisamt ging die Fahrt nach den, Bezirkskommando, wobei der Transport auf jeder Seite des Trittbretts von zwei Beamten bewacht wurde, Nachdem man hier sich als unverdächtig legitimiert und nachdem das gesamte Gepäck in das Bezirkskonunando geschasst war, ,m> dort gründlich untersucht zu werden, konnten die Neifenden ihre Fahrt fortsetzt», Ihr einziges Verbrechen war, daß sie ein in Frankreich hcrgestclltcs Auto benutzten,

Das Rhciii-Mainischc Verbandstheatcr ist eingestellt wor­den, da cs nicht möglich ist, unter den gegenwärtigen »mstände» den Betrieb aufrecht zu erhalten, Tic bei dem Theater beschäftigten Schauspieler sind dadurch in eine sehr fatale Lage geraten,

An der Marktlaubeustraßc ist der bisher dort befindliche Bretterzaun, welcher städtisches brachliegendes Gelände umschloß, beseitigt worden und der Platz wird befestigt und hcrgcrichtet. Da­durch wird ein ganz ansehnlicher Platz gewonnen, der an den Markttagen mitbenntzt werde» kann.

Wie wirken Maschinengewehre?

Die Alten haben den Tod oft als Sensenmann abgebildet, Längst überholt. Auch ddr Tod arbeitet heute mit Maschinen, Eine der furchtbarsten ist das Maschinengewehr:Gicß-

ckanne des Teufels" nanntens die Nüssen im russisch-japanischen Kriege, Wie diese furchtbaren Mordmaschinc» arbeiten, zeigt der Auszug aus einem Feldpostbrief der Hamburger Nachrichten, der Aber das Gefecht bei Soldau folgendes berichtet:

. . Höre denn, was uns Dragoner von Soldau er­zählen: An der Grenze aus einem langgestreckten Hügel eine

preußische Neitcrabteilung. wenige Schwadronen, dicht hinter ihnen, durch den Hügel eben gedeckt, einige Maschinengewehre, der Kavallerie zugetcilt. Da kominen zwei russische Kavallerie- Brigaden an, sehen die paar feldgrauen Reiterchen, und gleich vergnügt aus sic ei», eine Brigade vorü, die andere als Rückhalt hinterher. Unsere Dragoner ihnen entgegen, vor dem Feinde aber, im rasendsten Galopp teilen sie sich rechts und links, den Maschinengewehren frei Schußfeld lassend. Da tat sich den Russen die Hölle auf. Was da geschah, soll unbeschreiblich gewesen sein: in zwei Minuten war dic erste Brigade ei» Knäuel von Menschen- und Pfcrdclcibern (etwa 6000 Menschen!), die zweite, erschüttert, aufgelöst, jagt zurück, aber rechts und links dic deutsche» holten auf, schwenkten ein, preßten die Linie zu einem Haufen zusamnien, wo keiner rücke» und sich rühren konnte, ge­schweige denn Lanze und Schwert gebrauchen. So wurden zwei Brigaden vernichtet mit einem Tpscr von drei Toten und 18 Verwundeten aus unserer Seite,"

Drei englische Kreuzer zerstört.

WB. Berlin, 23. Scpt. Aus London wird unter dem 22. September amtlich gemeldet: Deutsche Nntcrsccbovtc

schosse» in der Nordsee dic englischen PanzerkreuzerLlbou- fii",Hoguc" undCressy" i» den (strund. Cinc beträchtliche Anzahl Mannschaften ivurde» durch herbcigceiltc englische Kriegsschiffe und holländische Dampfer gerettet.

Wie uns von amtlicher Stelle initgetcilt wird, kann eine Bestätiguug der Nachricht dcutschrrscits noch nicht erfolgen, da die Unterseeboote infolge der Entfernung Meldung noch nicht haben erstatten können.

Aus anderen Quellen wird bekannt, das, der Zusammen­stoß am 22. zwischen ti und 8 Uhr früh 20 Seemeilen nord­westlich von Hocck van Holland stattsand.Aboukir"" wurde als erstes Schiff durch einen Torpedo getroffen. Ter hol­ländische DampferFlora" brachte 287 llebcrlebende nach Vmuiden.

Dic PanzerkreuzerCressy",Abonkir" undHogue" stammen aus dem Jahre 1900, haben je 12 200 Tonnen Wasserverdrängung, eine Bestückung von zwei 23,1, zwölf 15 und zwölf 7,6 cin-Geschützen, Maschinen von 22 000 Pferde­stärken und 755 Man» Besatzung.

Tie Kathedrale von Reims.

IV, B. Großes Hauptquartier, 22. Scpt,. abends, sAmtlich > Die französische Regierung hat behaupte«, daß die Beschießung der Kathedrale von Reims keine militärische Notwendigkeit gewesen sei. Demgegenüber sei folgendes scstgestcllt: Nachdem die Franzosen die Stadt Reims durch starke Vcrschanzungen zum Hauptstühpunkt ihrer Verteidigung gemacht hatten, zwangen sic »ns selbst zum Angrisf ans dic Stadt mit alten zur Dnrchsührnng möglichen Mitteln. Die Kathedrale sollte ans Anordnung des deutschen Armcckommandos geschont werden, so lange der Feind sic nicht zu seinen Gunsten ausnuhtk Seit dem 20, September wurde auf der Kathedrale die weiße Fahne gezeigt und von uns geachtet Trotz- dcm konnten wir aus dem Turm eine» Bcobachtungsposten sest-

stcllen, der die gute Wirkung der feindlichen Artillerie gegen unser,

angreiscnde Infanterie erklärte. Es war nötig, ihn z« beseitigen. Dies geschah durch Schropnellscucr der Fcldartillcrie Das Feuer schwerer Artillerie wurde auch jetzt noch nicht gestattet nnd das Feuer eingestellt, nachdem der Posten beseitigt war.

Wie wir bcobnchicn können, stehen Turm und Acußcres der Kathedrale iinzcrftört. Der Dachstuhl ist in Flammen ausgegangcn Die angrciscnden Truppen sind also nur so weil gegangen, wie sic unbedingt gehen mußten, Dic Verantwortung trägt der Feind, der ein ehrwürdiges Bauwerk unter dem Schutze der Weißen Flagge zu iiiißbrauchc» ocrsuchtc.

Vereinskalender.

Sonntag, 27, September.

Gießen, Staats- und Gemein bearbeite rver- b a » d, Nachmittags 3 Ohr Versammlung im Gewcrkschastshaus.

Verantworllichcr Rcbakteur: F, Vetter«, Gießen,

Verlag von Krumm & Cie,, Gießen,

Druck: Verlag Osfcnbachcr Abendblatt, G, m, b, H Ofsenbach a, M,

Bekanntmachung.

Die Vergütungen für Verpflegung der in Bürgerwohnungcn nntergcbrachtcn Mnnnschaficn des Landsturms zunächst ftir dic Zeit bis 3t, August werden vom 2», ds, Mts, an im Stabthairsc, Gartcnstraßc 2, Scitcubau, in den Stunden von 3 bis 6 Nhr nach, mittags bezahlt.

Zur Vereinfachung wird für jedes Haus in einem Betrag an den Hausbesitzer oder einen der beteiligten Bewohner Zahlung ge­leistet, Die Auseinandersetzung mit den übrigen Beteiligten ist Sache des Empfängers, Will der Hausbesitzer ober einer der be­teiligten Bewohner die Erhebung des Geldes durch einen Dritten bciorgcn lassen, so muss der Beauftragte einen schriftlichen Aus­weis sVollmacht) bcsitzcn.

Die in ihre» eignen Wohnungen verbliebenen sakso die Gicßencr) Landsturmlcutc könne» dic ihnen bis Ende August zu- kommenden Vergütungen schon von heute an erheben.

Gießen, den 22. September 1914.

Der Oberbürgermeister.

Keller,

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