ängstigend rasch Notgedrungen sind, daß sie nnt teuflischem Mut gekämpft haben und immer wieder einem fast sicheren Tode entgegengestürmt sind. Wie wenig zeugt cs für den gesunden Verstand unserer gesamten Presse, das; sie es für einen Vorteil für unsere Truppen gehalten hat, dem Feinde Mangel an Mut und an Organisation anzudichten. Man muß seinen Feind auch im Kriege achten.
Tie Behandlung von Verwundeten und Gefangenen ist cs, waS heutzutage gebildete Völker von barbarischen unter- scheidet. In diesen Dingen mutz Wechselseitigkeit herrschen. Ter blotzc Gedanke an Wicdervcrgeltung in dieser Forui ist abscheulich."
Dic ostprc,«frischen Liege bringen den Lesterreichern Entlastung.
Berlin, 21. Text. Die Voff. Zeitung meldet aus Stockholm: Tie Londoner Tailn Mail hat Nachricht aus Petersburg, dag mau dort auhcrordcutlichc Mastnahmen trifft, um de» General vo» Hinbcnburg auszuhaltc», der mit 760 000 Mann schon aus russischem Boden stehe, bereit, die Ossensivc zu ergreifen und auf Warschau zu marschieren. Hierdurch wäre mau genötigt, einen beträchtliche» Teil von den in Galizien gegen die Oesterreichcr operierenden Armeen gegen v. Hindenburg zu sende».
Das Gouverncrncnt Snwalki.
Das unter die deutsche Verwaltung gestellte Gouvernement Suwalki bildet das nördlichste Gouvernement Russisch-Polens. Im Westen grenzt es an Ostpreußen, im Norden und Osten bildet seine natürliche Grenze gegen die rnssisch-litauischcn Gouvernements Kowno, Wilno und Grobno der ftluf) Njemcn und nur im Süden ist es durch einen schmalen Strich vo» etwa 00 Kilometern mit dem russisch-polnischen Gouvernement Lomza verbunden.
Es nimnit einen Flächcnraum von 12140 Quadratkilometern ein und gehört zu de» am dünnsten besiedelten Teilen Russisch- Polens: im Jahre 1009 hatte es eine Bevölkerungsdichtigkeit von nur 51,5 Einwohnern pro Quadratkilometer, seine Bevölkerung betrug in demselben Fahre rund 63? 000. lieber die Hälfte der Bevölkerung, nämlich 52,3 Prozent, sind Litauer, dann kommen die Polen mit 23 Prozent, der Rest verteilt sich zwischen Inden, Rusien, Weißrussen und Deutschen <0 Prozent). Tie Haupt- crwcrbszweigc sind Ackerbau und Viehzucht. Industrie ist ganz unbedeutend. Im Jahre 1010 wurden in dem ganzen Gouvernement 237 der Gcwerbcinspcktivn unterstellte Betriebe gezählt, welche nur 3088 Arbeiter beschäftigten.
Der Seekrieg.
W. I?. Berlin, 21. Sept. Nach Mitteilungen aus Amsterdam hat die englische Admiralität am 20. September folgendes bekannt gegeben:
Der deutsche Kreuzer „Emden" von der Ehina-Ttation, der sechs Wochen lang ganz aus dem Gesichtskreise verschwunden war, erschien am 10. Scptenibcr plötzlich im Golfe von Bengalen, nahm 6 Schiffe, versenkte 5 davon und sandte das letzte mit den Beniannungen nach Kalkutta. Der englische kleine Kreuzer „Pegasus", von Sansibar aus operierend, zerstörte Dar-es-Salaam und versenkte daselbst das Kanonenboot „Möve". „Pegasus" wurde heute morgen, als er dicht vor Sansibar lag und Maschinen reinigte, von „Königsberg" angegriffen und vollständig unbrauchbar gemacht. 25 Mann der englischen Besatzung sind tot, 30 verwundet.
Hierzu wird von zuständiger Stelle folgendes nntgeteilt: Bei „Möve" handelt cs sich keineswegs um ein kampffähiges Kanonenboot. Sie war vielmehr ein Vcrmessungsfahrzeug ohne jeden Kampfwcrt. Bei Beginn des Krieges wurde sie als für die Kricgsführung wertlos abgerüstet. Der englische kleine Kreuzer „Pegasus" hat eine Armierung von 8 Stück 10 Zcntimeter-Schnellladekanonen, während unser kleiner Kreuzer „Königsberg" (denn um diesen handelt es sich in diesem Falle) eine solche von 10 Stück 10,5 Zentimctcr-Schnell- ladckanonen hat.
Die englische Admiralität macht weiter bekannt: Ter englische Hilfskreuzer „Earmiuia" versenkte ani 14. September einen bewaffneten deutschen Danipfer, vermutlich „Kap Trafalgar" oder „Berlin" nach zweistündigem Gefecht. „Carminia" hatte 9 Tote. — Zu dieser Londoner Meldung wird uns von zuständiger Stelle bekannt gegeben: S. M.
Hilfskreuzer „Kap Trafalgar" ist am 14. Scpteniber in der Nähe der brasilianischen Küste nach heftigem Kampfe mit dem englischen Hilfskreuzer „Earniinia" untergegangen. Tie Besatzung ist durch den deutschen Dampfer „Eleonore Wörmann" gerettet worden.
Afraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 67
„Marstrand, niein Freund und Bruder, steh' ihr bei," fuhr er fort, indem er sich zu diesem wandte. „Der Wind ist gut und wird stärker werden. Dic Jacht wird morgen übend an der Mündung des Eidfjord sein, dort erwarte ich sie. Sic wird während der Nachtstunden ankern, denn dieser schwerfällige Kasten wird in der Finsternis nicht durch das Klippcngewirr von Staatenland schleichen oder ins freie Meer hinaus wollen. Dann sei bereit, meine Hanna, ich komme. Alles ist eingerichtet zur raschen Flucht nach Christianssund."
„Du sollst mich finden, Henrik", sagte sic, seine Hand fest- haltend; aber ohne Antwort lietz er sie los, denn eben wurde Hclgcstads Kopf über dem Kajütcnbau sichtbar.
„Ich hoffe, Herr Helgcstad", ries der Beamte, der hinter ihm war, „Sie halten cs dem strengen Dienst zu gut, das; Sie belästigt wurden. Ich will nicht weiter untersuchen. Segel aus, Boot fertig. Glückliche Reise, Herr!"
Ohne Aufenthalt sprangen die beiden Beamten in die wartende Jolle, und mit einigen Dutzend Ruderschlägcn waren sie am Bord des Luggers, der sogleich seine Geitaue fallen lieh und vor der Jacht hinschoh. Die höflichen Beamten grüßten hinüber, Hanna dankte sittsam, und Helgcstad, der seine Kappe ziehen mutzte, murmelte laut genug, daß sic ver- dämmt sein möchten samt allen diesen nichtsnutzigen Aufpassern, die aus lieber Langeweile und llcbcrinut ehrlichen Leuten den Weg verlegten.
Das kleine Abenteuer war so schnell vorübcrgcgangcn und so lustig verlaufen, daß es bald vergessen war, als der Lugger, hart an den Wind gelegt, zurückeilte und in der nächsten halben Stunde verschwand. Tic Jacht setzte den ganzen Tag über ihre Fahrt sort, Helgcstad mischte sich seinen Grog und war guter Laune, daß Wind und Wetter die Fahrt so leicht und angenehm machten. Verschiedentlich durchschnitt
Schließlich macht die englische Admiralität noch folgendes bekannt: In der Nacht vom 14. zum 15. September versuchte ein deutscher Dampfer auf dem Kamcrunfluß das englische Kanonenboot „Twars" durch eine Bombe zu versenken. Der Versuch mitzglückte. Der Dampfer wurde erbeutet. Am 16. September versuchte ein anderer deutscher Dampfer den „Twars" zu rammen. „Twars" wurde nur wenig beschädigt, der deutsche Dampfer wurde vernichtet, ebenso zwei Boote mit Explosivmitteln.
Tie Tätigkeit der Oesterreicher ?,«»r See.
Mailand, 21. Sept. Dem Giornale d'Italia zufolge hat ein österreichisch-ungarisches Geschwader, bestehend aus 6 Torpedobooten und einem Kreuzer, dic Station siir drahtlose Telegraphie in Antivari beschosien und schwimmende Minen gelegt.
Vi«« japanisches Torpedoboot pcrttichtet.
Nach Meldungen englischer Blätter lst ein japanisches Torpedoboot vor Äiautschau auf eine Mine gestosten und untergegangen.
Die Kämpfe m den Koirnlicu.
London, 21. Sept. Aus Kapstadt wird gemeldet: Tie Regierung kündigt an, daß deutsche Truppen aus Südwest zwischen Nokob und Upington ins Kapland eingedrungen sind und sich dort verschanzt haben. Man hält die deutschen Trup- Pen für wenig zahlreich.
Alle naturalisierten Deutschen in Südafrika sind cinge- sperrt und in Johannisburg und Bloemfontein konzentriert worden. Aus Kapstadt sind in den letzten zwei Tagen fast 200 nach Bloemfontein abgcgangen, darunter Prinz Salm- Salm. (?) Zwei deutsche Handelsschiffe von je etwa 5000 Tonnen sind in Kapstadt beschlagnahmt worden.
Nairobi, 21. Sept. Der britische Dampfer „Kavirondo" brachte zwei deutsche Handelsboote auf dem Viktoria Njnnsa- Sec zum Sinken. Der deutsche Dampfer „Muanza" griff am 15. September den britischen Dampfer „Winifred" an, welcher im Begriff war. in die englische Karungu-Bai einzu- fahren. Der „Winifred" zog sich zurück und kehrte später zusammen init dem „Kavirondo" zuriick. Er traf in Karungu, ohne Widerstand zu finden, ein.
Was Indien erfährt.
Wien, 21. Sept. Ein Kenner Indiens erklärte der Neuen Freien Presie gegenüber Englands Politik geradezu als selbstmörderisch. Die Einstellung der Dampserlinicn »ach Bagdad und von Bombay nach Buschir lägt verniutcn, das, eine mohamedanischc Bewegung in Indien im Entstehen ist. Diese Masinahmen würden jedoch in keiner Weise etwas nützen, da trotz alledem die Eingeborene» Indiens erführen, was in Europa vorgehe, und zwar aus den Bazargerüchten, die sich wie ein Lauffeuer aus noch aufgeklärte Weise über ganz Indien verbreiteten und oft Dinge verrieten, dic nie in europäischen Zeitungen erschienen. To sei der grosie Aufstand 1857/58 ohne Post und Telegraphie vorbereitet worden.
Die Unruhen in Kairo.
Berlin, 22. Sept. Ein vom 6. Septeinber datierter Brief eines in Kairo lebenden Oesterrcichers bestätigt die Meldung, daß in Kairo Unruhen ausgebrochcn sind. ES herrscht hier schon ein großer Aufruhr, was gefährlich werden kann, denn wenn die Araber den Heiligen Krieg erklären, kennen sie nur Christen und keine Nationalität. Gestern wurden dic Mufti- und die Ben cl Sulcin-Stratze im Hauptge- schäftsviertcl geplündert und ausgcraubt. Englische Kavallerie kam wohl und säuberte die Straßen, aber zu spät, es ging drunter und drüber. Es ist unmöglich, Geschäfte z» machen. Infolge des Moratoriums fällt cs den arabischen Kunden nicht ein, zu zahlen.
Italiens Neutralität.
Rom, 21. Sept. Die Stampa erfährt, daß der Ministerrat beschlossen habe, auch weiterhin eine Politik der Neutralität zu befolgen, da bisher keinerlei Ereignisse cingctreten seien, die Italien veranlassen könnten, aus seiner Neutralität herauszutreten. Tie Negierung erkenne jedoch dic Notwendigkeit, ihre Neutralität mit immer größerer Wachsamkeit und neuen Rüstungen zu umgeben.
Kampf dcr italicttischc» Sozialist«« fiir die Neutralität.
Rom, 21. Sept. Fraktion und Parieileitnnq her radikalen Sozialisten b-lschlosscn, nicht nur fernerhin an der Politik jdcr Reu-
die schöne Jlda offene Mecresstcllcn, wo sie von gröberen Wogen gefaßt und geschaukelt wurde, aber bald verlor sic sich wieder zwischen den endlosen schmalen Sunden, bis zuletzt dic Dunkelheit kam und Helgcstad cs für das Beste hielt, seinen Anker in einer stillen kleinen Bucht fallen zu lassen.
Hanna konnte sich nicht über Mangel an Aufmerksamkeit und Freundschaft beklagen. Co viel als möglich war der Schiffsherr sorgsam mit ihr beschäftigt und Marstrand immer bereit zu Gespräch und Unterhaltung. — Was der Gegenstand derselben war, ist leicht zu erraten. Wo cs nur geschehen konnte, verhandelte da? Fräulein ihren Plan, Helgcstad zu täuschen, und wie es am besten zu ermöglichen sei, bei Nachtzeit aus das Teck der Jacht zu kommen. Das Kabinett, in welchem Hanna schlief, bildete den innersten Raum dcr Ka- iiite. Sie mußte durch diese gehen, um nach der Tür zur Treppen zu gelangen. Eine Lampe brannte dort an der Decke, und rechts und links schliefen Helgcstad und Marstrand. Tie meiste Hoffnung, die Gefahr zu überwinden, war, wenn sie mit List oder Beharrlichkeit auf dem Teck zu verweilen suchte, bis Helgcstad von Ermüdung bewogen sein Lager suchte und den Verbündeten freies Spiel ließ.
Um dies ausfiihrcn zu können, legte Hanna schon heute Hand ans Werk. Nach dem Abendessen, als der alte Schiffer seinen Schlaftrunk genommen hatte und schweigsam sich reckte, band sie den Hut von neuem auf und forderte Marstrands Begleitung zu einer Promenade auf dem Teck.
„Bist närrisch, Mädchen", sagte Helgcstad, grälich lachend. „Ist dunkle Nacht draußen. Liegen hier zwischen jähen Klippen und fallen dic Nebel schwer wie blei auf die Brust."
„Ich liebe die Nacht," anwortcte sic. „Es ist trostvoll und schön, mitten im Meere von eines Sternes Licht übcr- zittcrt zu werden, ihm zu vertrauen, wenn dic bösen Geister in Nebeln niedcrfahren, wenn Funken aus den Wolken sprühen und die hohlen Töne des Windes wie Geisterstimmen aus Klüften und Felsspalten sprechen."
„Nuh!" rief Helgestad boshaft grinsend, „hört sich der
I tveüiÄr sesizuhallen, sondern auch in ganz Italien eine Aqitaki'oii !K-(K» di« Kri-ogStrcibercien zu erössnen, da vor allem die ökonomische Lag« d«S Landes de» Frieden erheisch«.
Die Kapitulation«».
Wie», 21. Sepi. Wie nun bekannt wird, haben die vier Groß--' möchte, Rußland, Frankreich, England und die Bereinigt«» Siaatrn, di« sich gegen dic Aushebung dcr Kapiiulationcn ausgesprochen hatten, offiziell bei der türkischen Regierung Protest emgelcgt. Teiitjchland, Italien und Oesterreich-Ungarn haben keinerlei Einspruch erhoben.
Mailand, 2t. Sept. Di« Psortc hat nach hier ciniresjenden Nachrichten di« Not« des Dreiverbandes wegen Aufhebnna dcr Kapitu-- lationcn abgelehnl. jcdcch di« Frist bis zum 1. November vcr!7 gcrt. Man nimmt an, die Mächte dcz Dreiverbandes würden der Pforte Vorschlägen, wenigstens die Kapitulationen über das Gerichtswesen besiehe» zu lassen.
Ucbcr dic Hcibsttaqung des Reichstages
berichtet «in« Korrespondenz: Dcr Reichstag ist bekanntlich bis znm 24. November vertagt morden. Ob dcr Reichstag bereits an diesem Tag« zuiammcntriit, ist noch unbestimmt, doch wird angenommen, das, der Reichstag ein« kurze Tagung vor Weihnachten obhalten wird, um einige Vorlagen zu beraten, die durch de» Kricqsvcrlans not- ivcndig geworden sind. Mit dem neuen Etat siir 1816 wird sich der Reichstag im Herbst noch nicht beschästigcn, sondern wahrsck>«in'iich erst im Frühjahr einen provssorischcu Etat verabschieden. Ob die Negierung Flottcnforderungen über den Rahmen des Etats hinaus schon jetzt stelle» wird, steh: noch nicht fest. Man ist der Ansicht, das; die im Kriege verlorenen Schisse tunlichst bald ersetzt iverden, ohne das; über den Rahmen des FlottengcsetzeS hinousg«gang«n wird. Die Veschlcunignng der bereits in Angriff genommenen Neubauten liegt im Interesse dcS Vaterlandes. Neubauten, die erst siir später in Aussicht gcuomnien waren, schon jetzt in Bestellung zu geben, wird während der Kriegsdauer kaum möglich sein.
Die politische Wandlung in Badei«.
In einem Vierteljahre hat sich i» Baden auf dem Gebiete der inneren Verwaltung eleu völlige Wandlung vollzogen. ES war am 16. Iunt d. I., als in dcr 01. Sitzung dcr Zweiten badischen Kammer dcr Minister Freiherr v. Bodman erklärte: es könne siir die Regierung keine Rede davon sein, dass Mitglieder dcr republikanische» Sozialdemokratie zu. Bezirksrätcu ernannt werden, da bei Ichicrcn nie entsprechender „Gcmcinsinn" (§ 2 Vcrwaltungs- gcsctz) vorausgesetzt werde» müsse. Nachdem Genosse Geist gegen diese Behandlung der Sozialdemokratie aus auLnahmegcsctzllche Weise energisch protestiert hatte, erhob sich auch Genosse Frank, une z» erklären: Tic heniigc Erklärung des Ministers ist ein bedauerlicher Schritt rückwärts, da er früher wenigstens nicht den Versuch machte, diese politische Vergewaltigung einer Volksklasic in eine gesetzliche Form zu kleiden: so ist er dazu gekommen, eine ganze Klaffe her Bevölkerung schwer zu beleidigen durch de» Vorwurf, wir Sozialdemokraten erniangellcn des GcmcinsinnS. Ich protestiere gegen diese Beleidigung unserer Partei, die ihren Gemcin- fiiitt einem Minister gegenüber nicht zu beweisen nötig hat.
Minister v. Bodman entgcgncie: Er habe weder eine Bevölkc» rnngsklaffc, noch eine Partei als bar des GcnieinsinnS bezeichnet, sondern nur gesagt, die Angehörigen dcr Sozialdemokratie hätten nicht den Gcmcinsinn, welchen die Bestimmung dcS BerwaltungS- gcsedcS voraussctzt. Nicht nur von dcr republikanischen Gesinnung, sondern von den, Spielen mit dcr Revolution habe dcr Minister gesprochen. Dazu gehöre auch die Rede Dr. Franks zur Empfehlung des Massenstreiks als Gewaltmittel. Auf den Zurns Dr. Franks: „Ich will auch nicht Bczirksrat werden", bemerkte von Bodman: „Ja, Tic wären auch sehr ungeeignet dazu. Und solange Sie mtt dcr Idee dcr Revolution spiele», sind Sic nicht im Sinne des Gesetzes von 1863 geeignet, im Bezirksrat mitznwirken."
In seiner Replik entgcgncie Genoffe Frank: „Ich habe nichts dagegen, wenn dcr Herr Minister a»S einer Partei Persönlich- kciten hcrausgrcist, dic ihm als Bezirksräte nicht geeignet erscheinen, und quittiere dankend, dast er mich als zu „revolutionär" sllr ungeeignet betrachtet. Ich weist nicinc Zeit anders anzu- wende», als im Bezirksrat zu sitzen! Dcr Minister hat aber nach der Verfassung kein Recht, meine vielen Parteigenossen, die ssch im Gegensatz zu mir als BezirkSrätc eignen, auSzuschliesten. Sein Tadel über unsere Haltung zur Monarchie laust immer wieder auf die Gcssnnungsverfolgung hinaus."
Es war dic letzte polemische Parlamcntsrede des Abgeordneten Dr. Frank, die er überhaupt hielt, die letzte auch gegen den Minister v. Bodman, für welchen bekanntlich dcr Genosse Frank ans einem sozialdemokratischen Parteitag das Wort prägte von der „komplizierten Natur", Genau ei» Vierteljahr »ach jener Landtagspolcmik, welche noch lange in einer persönlichen Stimmung nachgewirkt hatte, am 16, September machte die Mannheimer Volksstimmc bekannt — »nd der Telegraph trug es durch's ganze Land — dast der Abg. Geist vom Mannheimer Bezirksamt die Erössnnng erhielt, derselbe sei von dcr Rcglerung zum Bezirksrat ernannt, Vicllelcht kommt auch noch der Tag, an welchem die Vertretungen znm Bczirksrat und zur Kreisversammlung in Baden durch das Volk mittels des allgemeinen. direkten Wahlrechts vorgenommen werden.
Unsinn gut genug ein. Nennen es poetisch und ist gemacht von Leuten, die Zeit dazu haben, sich dic Dinge, wie sie sind, so einzubilde», wie sie sein könnten. Wirst aber bald davon geheilt werden, Hanna, wirst die rauhe Wirklichkeit schon fühlen »nd das sichere Hans und Bett suchen, wenn draußen der Stern nichts bleibt als ein zuckend Gefunkel ohne Heil und Frieden. — Geht mit ihr, Herr Marstrand, und zeigt, daß Ihr noch etwas von der Schwärmerei in Euch habt, von welcher Paul Peterscn ein Kapitel zu erzählen weiß: aber seht zu, daß Ihr sie richtig wieder abliefcrt, wenn ihr die Untcrröcke zu feucht werden."
Mit dieser derben Spötterei ließ er beide laufen und lag in festem Schlaf, als Hanna nach einigen Stunden an seinem Lager vorübcrschlich und Marstrand leise gute Nacht sagte.
Ter nächste Tag verging wie der erste. Das Wetter blieb schön, aber dcr Wind wehte dann und wann breite Wolken- masscn herauf und blies dabei mit doppelter Kraft in die Tegel. Tie Mceresbecken zeigten sich heute auch mannig- faitig belebt. Seehunde und Tümmler umschwärmtcn das Tchiff, aus den Vrütplätzc» dcr Seevögel flatterten Schwärme schreiender Raben und Alken auf, ein Finnfisch spritzte seine hohen Fontänen in dic Luft »nd verkündigte Hcringsscharcn, mit deren Fang sich zahlreiche Fischerboote beschäftigten. — Hummer und rotäugige Ure kaufte Helgestad von einem solchen Boote für den Mittagstisch, und durch seinen Spott und seine Künste nötigte er Hanna, selbst in der Küche zu versuchen, was sie zu Hause nie getan, sondern der erfahrenen Wirtschafterin ihres Vaters überlassen hatte.
„Wirst es lernen, Kind," sagte er; „ist der Mensch darum auf der Welt, alles zu lernen, und gebe denen recht, die da meinen, Not sei die beste Lehrerin. Wirst an Jlda sehen, wie man ein Hans regiert, und hast etwas in deinem Gesicht, was mir sagt, kannst vieles, wenn du willst. Liegt in deinen Augen ein stolzer Ausdruck, nirgends znrückznstehen und keinem zu weichen."
lFortsetzung solch.)


