Ausgabe 
22.9.1914
 
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Einblick Benommen bat, wird uns mitgetcilt, daß bei der Gietzener Zeichnung es Lbercnis erfreulich ist, daß eine sehr große Anzahl Zeichner kleine Leute sind, die ihre Ersparnisse Don wenigen Tausend Mark de», Reiche- zur Verfügung ge­stellt haben,

Die Betriebe aufrecht erhalten! Die Handels­kammer in Karlsruhe wendet sich in der Presse an die Arbeitgeber und iZirmeninhaber mit der Bitte, die wegen der Kriegslage ans 1. Oktober ausgesprochenen Personal- kündig,, ngn nicht aufrecht zu erhalten. Nach Freigabe des Eisenbahngüterverkehrs sei eine fühlbare Be­lebung des ganzen heimischen Marktes eingetreten, Ter bis­herige Verlaus des Krieges gebe die Gewißheit, daß Deutsch­land im großen und ganzen von den unmittelbar verheeren­den Wirkungen des Krieges verschont bleibe. Tie kapital- kräftigen Betriebe sollten ihre Angestellten voll weiter be­schäftigen, und wo das nicht möglich sei, nach dem Vorbilde -der Industrie Wechselschichten einsiihren oder eine Herab­setzung der Arbeitszeit kn Betracht ziehen. Die Gehälter sollten nicht unter die Grenze des zur Lebenshaltung unbe­dingt Notwendige» sinken.

Tie Äartosselerulk hat jetzt in unserer Gegend allge­mein begonnen. Wie wir hören, ist das Ergebnis recht zu­friedenstellend, so daß von einer guten Ernte gesprochen werden kann.

Das ist der Krieg... In unserem Leipziger Parteiblatte lese» wir folgenden Feldpostbrief: Ich schrieb die ersten vier <2citen unter dem Geschützdonner der Kanonade gegen die Festung .... Der Donner hat ausgehört, die Festung hat sich, wie wir hören, ohne Emgretsen der Infanterie, gestern, also 31. Angnst, abends V 2 I Uhr, ergeben. Tagelang dauerte das Artillerieseucr, die Bewohner aus der Umgebung flüchteten, auch aus . . . passierten unsre Postenkette viele Flüchtlinge. Was sich hier an Eiends- bildcrn bot, ist ivirklich kaum zu beschreiben. Männer, Frauen und Kinder zogen mit einer Handvoll ihrer Habe die Landstraße ent­lang. Viele waren nur notdiirstig gekleidet und hatten nur das nackte Leben gerettet. Frauen mit Säuglingen im Arm flüchteteu aus dem Bereich des ArtillerieseuerS. Tie meisten hatten nicht ein­mal so viel zu esien, um den Hunger stillen zu können. Nur wenige hatten noch ein Brot im Bündel. Ich sah eine hochschwangere Frau, die sich mühsam im glühende» Sonnenbrand auf der Landstraße fvrtschlepptc. Sie stieg ans Ufer der Maas und trank das ver­schmutzte Fluhwasser. Ein jüngerer Mann fuhr einen älteren Vater auf einem Karre», kleine, kaum vierjährige Kinder hingen am Rock ihrer Mutter, andre halte» ans der Schulter ihres Vaters Platz gefunden. Die deutschen Landwchrleutc waren tief erschüttert von diesen traurigen Auszügen, sic reichten den Flüchtlingen von ihrem Brot, das ohnehin knapp, sehr knapp, bemessen ist. Auch Master wurde den Flüchtlingen gereicht. Manchem Landwchrmann standen dabei Tränen in den Augen. Die Flüchtlinge nahmen das Gereichte oft weinend, in jedem Fall unter lebhaften DankeS- bezcugnngen an. Tic Flüchtlinge erzählten von der grauenhaften Verwüstung, die das deutsche Artillcricscuer in der beschossenen Festung ungerichtet hat. Die Stadt brennt, die Häuser sind zer­schossen. Einige erzählten, die Zivilbevölkerung von .... hätte von dem Kommandanten der Festung verlangt, er solle die Stadt übergeben. Dieser aber hätte das Ansinnen abgelehnt, lieber solle die Stadt völlig zerschossen werden. Die Zivilbevölkerung habe daraus gedroht, den Kommandanten zu erwürgen. Viele der

Flüchtlinge wollten nach...... einer Stadt an der Maas. Wir

Landwchrleute wußte», welche fürchterliche Wirkung die deutsche

Artillerie hat, wir hatten.....gesehen und wußten, daß gerade

diese Stadt ein Beispiel und Zeuge dieser Wirkung ist. So flohen also die Leute aus einem Trümmerhaufen in einen ander», denn

.....ist in den Kämpsen um die Maasliuic von der deutschen

Artillerie in eine Stcinwüste verwandelt worden. Was wir bei dem Marsch durch.....und durch die dahinterlicgendcn Ort­

schaften gesehen haben, kann ich unmöglich beschreibe», auch wen» ich viel mehr Zeit hätte, als ich zum Schreiben dieses Briefes habe. Welche Feder soll 100 hl diese grauenhaften Eindrücke wiedergeben könne»? Hier an der Maas hatten die Franzosen eine feste Stel­lung bezogen, die von unsrer Artillerie tagelang heftig und mit großer Wirkung beschossen wurde. Wir marschierten nach der großen Artillerieschlacht durch Ortschaften, in denen nicht ein Haus verschont geblieben war. Meist ragten nur die Grundmauer» der Gebäude in die Höhe und zeugten davon, daß dort ehemals ein blühendes Gemeinwesen gestnndcn hatte. Ver­reckte. abgestochcnc und erschossene Schweine, Kühe und Pferde lagen auf der Straße, hier und da liefen ein paar Hühner oder eine .Kuh oder ein Schivein umher, sonst war nichts Lebendes mehr in den Orte» zu finden. Wir zogen an den Verschanzungcn der Franzosen vorbei, in denen zahlreiche AusriistungSstücke der französischen Armee verstreut umherlagen. Wir fanden aber auch blutgetränkte Röcke deutscher Kameraden, zerbrochene Gewehrkolben, verbogene Bajonetts und andere Zeugen grausamer, blutiger Kämpfe. Und weiter zogen wir vorbei a» den Massengräbern ge­fallener deuftchcr Kameraden und französischer Soldaten und Land- wchrlentc. Die Lazarette sind übcrsüllt von Verwundeten aus den Kämpfen um die Maaslinie, die VcrwnndctctranSportc nahmen kein Ende. Viel brave deutsche LandSlcutc mußten hier ihr Leben lassen, viele werde» Krüppel bleiben. Das ist der scheuß­liche, fürchterliche Krieg! Der Krieg, der dieses schöne blühende Land in eine Wüste verwandelt, in der eS nicht genug zu essen gibt für die vielen Menschen, die jetzt hier liegen, der Krieg, der die Kulturarbeit vieler Generationen im Handumdrehen ver­nichtet.

Der amtliche Nachrichtendienst wird von de» Engländern trotz der Prcssczcnsur folgendermaßen verulkt:Wenn das Prcsse- burcau feine bisherige Vorsicht und Acngstlichkcit sortsetzt, können wir uns gefaßt machen, nächstens in der Tagespreise nur noch Nach­richten von etwa folgender Art zu finden: Die Tonne ging gestern früh auf und gestern abend wieder unter. Diese Mitteilung hat dem Prcsscburcn» ordnungsgemäß Vorgelegen, das ihre Vcrössent- lichung nicht beanstandet, aber für ihre Richtigkeit keine Gewähr übernimmt."

Weiterer Krebsgang der Nnfallversichcrung. Die llnfallvcr- sichcrungs-Bcrufsgcnossenschaftcn haben nunmehr fast sämtlich ihre Geschäftsberichte aus das Jahr 19>3 erscheinen lasse». Sie zeigen, in welcher Weise bereits 1913 die wirtschaftliche Krise wirkte. In, übrigen legen sic von neuem Zeugnis davon ab, wie die Leistungen der nnfallversichcrung immer weiter zurückgehcn. Bei sämtliche» Bcrufsgcnossenschaftcn der Eisen- und Stahlindustrie vermehrte sich die Zahl der Versicherten von l -WA 816 im Fahre 1912 auf 1459 091 im Fahre 1913. Der Durchschnittslohn pro Versicherten erhöhte sich von 1343 auf 1413 Mk. Die Ursache dieser Veränderungen liegt aber in den neuen Bestimmungen der Rcichsvcrsichcrungsordnung, die für das Gebiet der »nsallver- sichcrnng am 1. Januar 1913 in Kraft traten. So wurde seither dcr Lohn eines Versicherten nur bis 1500 Mk. voll angerechnet, nunmehr aber bis 1800 Mk. In welchem Maße die Leistungen zurückgegangen sind, ersieht man, wenn man die ausgczahltcn Ent- schädigungsbciträgc im Verhältnis zu einer bestimmten Summe der anrechnungsfäbigcn Löhne bringt. Fst doch der FahresarbeitS- verdicnft die Grundlage, nach der die EntschädigungSbcträge be­messen werden. Es verminderten sich nun in der Zeit von 1909 bis 1913 die Entschädigungsbeträge pro 1000 Mk. der an­rechnungsfähigen Löhne bei der Süddeutschen Eisen- und Stahl- Bcrufsgcnossenschaft von 12,00 auf 9,97 Mk., der Tüdwestdcutfchen Eisen-Berufsgenosscnschast von 17,24 auf 13,52 Mk., der Rheinisch- Westfälischen Hütten- und Walzwerks-Bcrussgenosscnschast von 18,34 aus 15,49 Mk.. der Maschinenbau- und Kleinciscn-Bcruss- tzenossenschaft von 11,38 auf 8,58 Mk., der Sächsisch-Thüringischen

Eisen- und Stahlberussgenosscnschaft von 9,13 auf 7,16 Mk., ber Nordöstlichen Eisen- und Stahl-Bcrufsgcnosscnschaft von 19,93 auf 16,21 Mk. ufw. Trotz der Vermehrung der Versicherten und der Unfälle verminderten sich bei einer Anzahl Bcrufsgenosscnschajtcn in den letzten Fahren sogar die absolute Höhe der Ausgabe». Da» alles ist nur eine Folge der veränderten engherzigen Abschätzung ber Unfallsolgcn, d. h. des Wertes der verbliebenen Erwerbs- fählgkeit.

Tchrebergärtuer als Fleischproduzenten. Welche immerhin beträchtliche Rolle die Laubenkolonien, Schrebergärten und ähnliche zwcrglandwirtschafllichc Betriebe für die Fleischversorgung ge­winnen können, der ja in Kriegszeite» erhöhte Bedeutung zu- kommt, zeigt eine Statistik über die Laubenkolonien in Groß- Berlin. Es wurden ungefähr 45 000 Laubcnkolouiften gezählt, die inSgesagit 1400 Hektar baureifes Brachland landwirtschaftlich nutzten. Wie die Zahl der ermittelten Geflügel- und Fleischtierc beweist, haben die Kolonisten auf ihrem doch immerhin sehr winzige» Terrain eine sehr erfolgreiche Fleischproduktion betrieben. Sie besaßen insgesamt 237 264 Hühner, 64 848 Tauben, 18 960 Enten, 7440 Gänse. 336 Puten, 134 046 Kaninchen und 2976 Ziegen. Alts jeden Kolonisten entfielen also im Durchschnitt rund 7 Stück Geflügel und 3 Stück Kaninchen. In Anbetracht dieser Ergebnisse will die Berliner Landpachtgcnossenschaft ihren Pachtbesitz von rund 200 Hektaren sofort beackern lassen und Kolonisten zur Ver­fügung stellen. Gleichzeitig stellte sie an die Gemeindebehörde» Groß-Berlins den Antrag, vorläufig unbenutzbare kommunale Ländereien zum gleichen Zwecke ohne Vergütung herzugeben. Viel­leicht wäre eS auch ln anderen Großstädten möglich, aus diese Weise den Bestand des vorhandenen Fleischviehes vergrößern zu können. Nach dem einstimmigen Urteil aller Fachleute ist z. B. die Kaninchenzucht ohne besondere Vorkcnntnissc, Mühen und Kosten möglich. Gleichzeitig schildern sie Kaninchenfleisch als sehr nahr­haft und wohlschmeckend.

Russische Juden als Hüter der Menschlichkeit im Kriege. In der kleinen ostpreu-ßischen Stadt verdauen und 0 , deren Umgebung hakten die russischen Regimenter besonders unmenschlich gehaust. In seiner Erzählung über die Greuel-taten berichtet der Verwalter des nahe bei der Stadt gelogenen Schlosses des Herr» v. Jansen u. a. folgen­des:Wir im Schlösse haben weniger zu leiden gehabt, weil die .Herrschaft dogeblieben war, aber in der Stadt und Uingegend habe» die Burschen bös gehaust. Die einzigen, die nicht plündern und sich gut benehmen, find die jüdischen Soldaten, sie mögen manches von ihren Kameraden zu leiden lmben". Tic Leidens- und Gesinnungs­genossen dieser jüdischen Soldaten aber sind bei uns in Ostenbach von gewissen Elementen, unter denen sogar em ehemaliger Stadtverord­neter der Mau» ist zugleich ein besonders eisriger Sozialisten- sresscr beobachtet wurde, in den ersten Kriegstageu aus den Straßen überfallen und schwer gemißhandelt worden. Ob die trau­rigen Progromisten vom 3., 4. und 5. August sich jetzt wohl bis vtnä tiefst« Innere schämen werden?

Postbeamte dürsen dem Konsumverein beitrete». Wie die Eifen- bahnbeljürden für ihr-c Beamte, so hat jetzt auch der Staatssekretär Krätkr vom Reichsposdamt versügt, baß dom Eiittritt der Postbeamten i» den Konsumverein fortan nichts niohr in den Weg gelegt werden soll. Die Oberpostblrektrvn Frankfurt hat darauf das bezügliche Ver­bot über den Eintritt in den Konsumverein für Frankfurt und Um­gegend sofort aufgehoben.

Korikatiircnpostkartcn. Fi, vielen Schaufenstern kan» man jetzt Postkarten mit Karikaturen unsrer Feinde sehen, die letztere in allen möglichen Darstellungen bringen: es seien nur dieEuropäische Ver- brcchcrgalerich und Menagerie" genannt. Es scheint aber angc.zeigi. einmal darüber uachzicdcnken. ob es richtig ist, unsre Feinde direkt als Schivächlmge imd Feiglinge hinzirftellen. Man setzt ja eigentlich die Siege unsrer tapferen Truppen herab, wenn man den Eindruck durch di« Karten erweckt, als seien unsre Feinde weiter nichts als Memmen, deren Bekämpfung nur ein Kinderspiel sei. Mit Recht meinte dieser Tage eine konservative Zeitung:Unwürdig der Deut­schen sind die ebenso geschmacklosen wie törichten Postkarten, die man jetzt viel an den Papierläden und an andern Stellen ousgehängt sieht. Für solche schlechten Witze ist die Zeit wirklich zu ernst. Auch ist es nicht richtig, daß Deutschland der Riese ist, der seine Feinde spielend ousspicßt oder st: wie Kinder verprügelt. Zum Maulheldentum haben wir keine Veranlassung." Darum fort mit diesen dummen Karten. Karikatur und Satire haben damit wir nicht mißver­standen werden auch in ernster Zeit ihre künstlerische und sittliche Berechtigung. Aber dann dürfen sie nicht »irr den schwächeren oder vermeintlich schwächeren Gegner zum Gegenstand« haben, sie dürfen nicht nur den Splitter im Auge der feindlichen sllochbarn sehen, son­dern müssen auch dem Balken im eigenen Auge Beachtung schenken. Andernfalls sind ssc tatsächlich nur schlechte, würdelose Witze.

Die Vcrbrauchsabgabc (Oktroi) im Rechnungsjahr 4913/14 ergab in Gießen 88 570 Mk. (gegenüber 86 845 Mk. im Jahre zu­vor). Die Bruttobeträge der Steuer belaufe» sich aus Brenn­material 51146 Mk.. aus Getränke 43 875 Mk. Die Rück- vergütungspostcn, die davon in Abzug kommen, stellen sich ans zu­sammen 2703 Mk., zu denen noch 113 Mk. für Drucksachenunkostcn und 3580 Mk. für Gehakt an 2 Beamte kommen. Die B c r - m a l t u n g s k 0 st c n betragen beninach für das Oktroi 2,5 Prozent der Bruttoeinnahme. Interessant sind die Angaben der Oktroi­verwaltung über den Biervcrbrauch in der Stadt Gießen für die beiden letzten Rechnungsjahre. (Die Berechnung der Abgabe ans Bier nach wirklich verbrauchten Hektolitern ist erst seit April 1912 cingcführt.) Es wurden in Gießen danach 46 118 Hektoliter Lager­bier getrunken, 1324 Hektoliter weniger als im Vorjahre. TaS ergibt pro Koos der Einwohnerschaft 113 Liter, reichlich 4 Liter weniger, als im Vorjahre.

Die nltc Klinik ist jetzt mm Verwundeten bezogen worden, cs sind deren jetzt dort etwa 80 Mann nnlergebvacht, von denen die größte Mehrzahl nur leicht verletzt ist. 300 Bellen sind oistgestellt.

Ein Unfall postierte gestern Nachmittag aus der oberen Bohn- hosstraße einem Landsturmmannc. Er ging sehr nah: am Gleise der Straßenbahn und bemerkt« jedenfalls nicht, daß «in Wagen von bintc» her kam, vmi dem er angerannt und umgeworfeu wurde. Dabei schlug er mit dem Kopse ans die Kante des Trottoirs auf und trug blutende Verletzungen davon.

Konscrvicruna vo Schweinefleisch. Zur Fleischver- s 0 r g 11 n g veröffentlicht die Kölner Regierung eine Mitteilung, wo­nach infolge des NeberstusseS an Schweinen vielfach Zuchtmatc- rial statt schlachtreifer Tier« von den Landwirten abgcstoßen werden, so daß bald ein Mangel an Schweinefleisch bei anziehendem Preise entfielen würde. Ten Verbrauchern von Schweinefleisch, den Metzgern, Krankenhäusern »sw., sei daher dringend zu empfehlen, di« jetzigen niedrigen Preise zu benützen, um größere Mengen Schweinefleisch durch Ei n p ök« I » oder aus andere Weist zu Dauerware rerarbeiten zu lassen und das Schweinefleisch dem Genuß anderer Fleischforten vorzu,ziehen.

Hcuchrlhkim. In der gestrigen Notiz wird bezüglich der ge- falleneir Kriegsleilnchmer Hildebrand und Steinmüller gesagt, daß leibe verhciralet seien. Das ist nicht zutreffend, nur Hildebrand ist verheiratet und hinterläßt Frau und 2 Kinder.

Kr,i» Wetzlar.

X Ortslöhne für Wetzlar. Der Landrat in Wetzlar gibt bekannt, daß die vom Oberversichcrungsamt Eoblenz scstgesetzten Lrtslöhnc für das Jahr 1914 auch für,1915 Geltung bchalten.

X Kriegsopfer. Ter Reservist Jacob Hagner von Oberbiel (Inf.-Reg. Nr. 116, Gießen) ist ans dem Schlachtfeld« gefallen, er hiiiterläßt Frau imd Kinder Der Leutnant Hans Werner von Zeugen, Inf.-Rcg. Nr. 166, Sohn dcz früheren Bürgermeisters in Wctzlar, kam am Sonntag schwer vertvincdct in Wetzlar an. Er soll der emsige noch lebende Offizier seines Bataillons sein.

Briefkasten.

H. A. Sie schreiben, daß ein Mitglied der Friedberger Kreis- krankenkassc statutengemäß 21,60 Mk. Krankengeld zu boatstpruchen

hakte, ihm aber 7,60 Mlk. abgezogen wurden. Wir können Ihnen

ohne nähere Ke,mlnis -es Sachverhalts keine beftim/.rtc Erklärung geben, jedensalls ist die Mindestleistung in Anwendung gekommen, die cuf Grund der Gesetze vom 4. Angnst während dcs Krieges fest­gesetzt iv:vV;; kann.

Telegramme.

Die i&t ttfce Rieseuschlacht im Weste«.

IVB. Großes Hnuptqunrtier, 21. Scpt., abends, (ähri- lich.) Bei den Kämpsen um Rtzims wurden die festungs- arkigen Höhen von Ernonellc erobert und im Vorgehen gegen das brennende Reims der Ort Bethenp genommen. Der Au- griff gegen die Sperrsortslinie südlich Verdun überschritt siegreich den Lstrand der vorgelagerten, vom französischrir 8. Armeekorps verteidigten Cötc Lorraine. Ein Ausfall aus der Nordostsront von Verdun wurde zurnckgeioicsen. Nörd­lich Toul wurden französische Truppen im Biwak durch Artilleriescucr überrascht. In, übrigen fanden heute auf dem französischen Kriegsschauplatz keine größeren Kämpfe statt.

In Belgien und inVOstcp ist die Lage unverändert.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetter«, Gießen.

Verlag von Krumm & Cie., Gießen.

Druck: Verlag Ossenbacher Abendblatt, G. m. b. H., OffetLachp.-M.

Bekanntmachung.

Den nachstehenden, Aufruf des ObcrbüvgermefstsrS der Stadt Königsberg in Ostpreußen bringe ich unter dem Airfügen .zur allge­meinen Kenntnis, baß Gaben für die Provinz Oftprarßen tm Stadt.

haus Zimmer Nr. 15 cn-tgsgengenommen werden.

Giessen, 19. September 1914.

Der Oberbürgermeister:

K cl-l-e r.

Mitbürger!

We: : T>-.e>i..i nuferer gesegneten ostpreutzischen Fluren sind vorliberg.-henb vom Feinte besetzt und fast überall barbarisch ver­wüstet worden. Biele n-nferer Landsleute sind grau!am hnigemordet, wer das nackte Leben gerettet hat, ist zumeist au den Bettelstab ge­bracht.

Namenloses Leid ist so über tanzen,de von Familien gebracht worden.

Wohlan denn, liebe Mitbürger! Laßt uns ihr Leib ats eigenes Mitempfinden!

Unsere Provinzialhanptstadt zeige sich ihrer Ucberlieserung

würdig. Sie ist von den wlrkftchcn Leiden des Krieges noch unbe­rührt, unser herrliches Heer schützt sic. wie die noch unbesetzten Teile Oftpreutzens mit unvergleichlicher Tapferkeit.

Von nuferer asten Krömmgeftadt soll der Ruf in das ganze Vaterland hinansgehen:

Helft unsere» armen von Hans und Hos vertriebenen oftpreußische»

Laniklcnten!

Können wir ihnen auch zurzeit felü-ft leider nur vorübergehend ein Obdach gewähren, so laßt uns doch alsbald den Grundstock zu einer Sammlung legen, die der Flüchtigen Hilfe, den Hcimkehrenden demnächst einige Unterstützung zur Wiedererlangung ihrer wirt- schastliche» Eriftcnz gewähren soll!

Spende ei» Jeder freudig nach seinen Kräften, jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen. Ganz Dcntschlnnd wird sicherlich freudig z» unserem Werke mithclscn.

Geht doch durch diese ssir unser teures Vaterland schwere, aber auch so grosic, gewaltige Zeit nur der eine Gedanke:

Einer für Alle und Alle für Einen!

Der Oberbürgermeister: ____Di. K ört «. ________

LSochenmarktpreike in Gietzcn

am 22. September 1914

Butter per Psd. 1.101.20 Mk. Milch Liter 22 Pfg.

Hühnereier Stück 910 Pfg Gänsccier Stück Pfg.

Käs- Stück 66 Pfg.

Käscmatte 2 Stück 56 Pfg.

Tauben per Paar 0.8O1.20 MI. Hühner per Stück 1.201.80 Mk. Hähne per Stück 1.50-2.80 Mk. Gänse per Pfund 0.000 00 Psg. Enten per Stuck 0.00- 0.00 Mk.

Ochsensieisch per Psd. 0.860.92Mk. Kalbsteisch per Psd. 8690Psg.

Knh-n.Riiidsi- per Psd. 8084 Pfg. Schweinestcisch per Psd. 7090 Psg.

Lamn,elsscisch per Psd. 7096 Pfg. Kartostein v. Ztr. 4.00 4.30 Mk. Neue Kartoffeln v Psd. 45 Psg. Zwiebeln per Pfund 56 Pfg. Blumenkohl per Sick. 1530 Psg. Gelbe Rübchen Päck 56 Psg. Kohlrabi Stck b-6 Psg.

Gurken Sick. 1015 Pfg.

Gnrkc», kleine Stück 35 Psg.

im Hundert 23 Mk.

Weißkraut p. Haupt 1020 Pfg. Aepfet per Pfund 1015 Pfg. Lirne,i Psund 1218 Psg.

Fassäpfel Md. 5-6 Pfg.

Zwelschen Psd. 78 Pfg.

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