Ausgabe 
22.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

hiniveisen, daß Marios befohlen hatte, alle Ortschaften Im Bereich der russischen Truppen zu verbrennen und all« männlichen Einwohner zu erschießen, auch wenn diese sich nicht am Kampfe beteiligten oder sich etwa durch Venveigcruiig von Nahrungsmitteln widersetzlich ge­zeigt hätten. Einen dieser Unmrnschltchkeit ebenbürtigen Befehl hatte bekanntlich auch der Führer der russischen Narcivarm«, Nennen>ka-nipf erlassen. Er befahl, sämtliche Förster der Nomintenerhcide aufzu- heben und zu erschicsicn. Jetzt kommt nun aus Halle die Meldung, das, der General MartoS gefesselt nach Halle gebracht wurde, wo er vor ein deutsches Kriegsgericht gestellt werden soll.

Die Tätigkeit der serbische,» und montenegrinische,» Truppen.

Rom, 19. Scpt. Nach hier eingelaufencn Nachrichten haben sich die beiden montenegrinischen Heere, welche bisher getrennt unter den Generälen Martinowitsch und Wukowitsch operierten, bei Fotscha in der südlichen Herzegowina vereinigt; sie wollen auf Terascwo marschieren.

Aus Risch wird vom 1t>. September gemeldet: Auf der Front von Sjanlavia bis Zvornik dauern die Kämpfe fort. Tic Lage der serbischen Truppen ist im Zentrum befriedigend.

Engländer «nd Franzose» blockieren die Adriaknstc.

Mailand, 20. Scpt. Ter Eorriere dclla Sera meldet aus Bari: Mehrere englische und französische Kriegsschiffe liegen vor Turazzo, andere vor Cattoro in Blockabcstellung.

Die deutsche Regierung gegen die englische Thronrede.

WB. Berlin, 20. Scpt. (Amtlich.) Die Nordd. Allg. Zeitung bemerkt zu der englischen Thronrede: Wenn die eng­lische Regierung jede mögliche Anstrengung zur Erhaltung des Weltfriedens gemacht hätte, so würde er eben erhalten geblieben sein. Solche Anstrengungen hat der deutsche Kaiser noch bis in die letzte Stunde bei den Souveränen von Rußland und England gemacht, und wenn diesen Bemüh­ungen kein Erfolg beschiedcn war, so wissen wir heute aus unwiderleglichen Zeugnissen, zuletzt aus dem am 30. Juli von dem belgischen Gesandten in Petersburg an seine Re­gierung erstatteten Bericht, daß Rußland nur losschlug, weil .hm die positive Zusicherung der englischen Regierung, sie werde am Kriege gegen Deutschland teilnehmen, vorlag. Die­sen Punkt berührt die Thronrede ebensowenig wie sic einen Grund dafür angibt, daß Sir Edward Grey die deutsche An- rcgung, England möge sich für die Neutralität Frankreichs verbürgen und damit mindestens dem Westen Europas den Krieg ersparen, einfach zu Boden fallen ließ. Hiermit er­ledigt sich auch die Versicherung des englischen Königs, er fei durch absichtlichen Bruch von Vertragsvcrpflichtungen zum Kriege gezwungen worden. Nicht absichtlich und aus Freude an der Sache, sondern mit Bedauern und dem unerbittlichen Gebote der Selbstcrhaltung folgend, sah Deutschland sich zum Betreten feindlichen Gebietes gezwungen, als der Krieg, den England hätte verhindern können, unvermeidlich geworden war. Wie die Regierung endlich die Lebensintcressen des britischen Reiches zum Kriege zwangen, ist uns vollkommen unerfindlich. Es hieß doch stets, Englands größtes Interesse sei der Friede und der bisherige Verlauf des Kampfes dürfte diese Formel nicht entkräftet haben.

Patriotische Kundgebttttgen im englischen Nnterhanse.

Rotterdam, 20. Sept. Nachdem im englischen Unterhause die

Thronrede zur Vertagung des Parlaments verlesen worden war, erfolgte eine Kundgebung, wie sie das Haus noch nicht erlebt hatte. Tas Mitglied der Arbeiterpartei, CrookS, stimmte die National­hymne an, die bas ganze Haus und die Galerie stehend mitsanq. Darauf erscholl ein dreifaches Hoch aus de» König und das Haus wibcrhalltc vom begeisterten Jubel. Ein Mitglied der Regierungs­partei rief: Gott behüte Irland! Als Erwiderung darauf rief Redmond: Gott behüte England!

Der englische.Handelskrieg.

London, 18. Scpt. Ter Londoner Börscnvorstand bestimmte, dass Zertifikate von amerikanischen Aktien, welche aus den Namen der Untertanen seindlichcr Staaten lauten, nicht mehr lieferbar sind und der Handel in diesen untersagt wird.

Die Engländer verlieren wieder ein Unterseeboot.

London, 20. Sept. Die Admiralität kündete den Empfang eines Telegramms der Regierung von Australien an, in dem der Verlust des Unterseebootes AE I gemeldet wird. Weitere Einzelheiten fehlen.

Kleine aber nützliche Mittel.

Es ist nützlich, in grossen Zeiten auch auf kleine Dinge zu achte». Tenn aus unzähligen kleinen und kleinsten Zügen sum­mieren sich die grossen Entscheidungen.

Ta fällt uns eine Notiz in der Berliner Presse auf, in der be­richtet wird, dass das englische Königspaar am letzten Dienstag ein Lazarett besuchte, in dem fünfhundert deutsche Gefangene gepflegt werden. Der König sprach mit den Verwundeten deutsch und er­klärte, dass zwischen deutschen und englischen Verwundeten kein Unterschied gemacht werden solle.

Zugleich wird ein Bericht der Evcning News verbreitet, in dem die Lage der deutschen Gefangenen in England als geradezu glänzend geschildert wird. Die Leute, heisst es da, wohnten zum <,cil in Offizterskasinos. spielten Billard und Karten, sie dürften Zeitung lesen, musizieren, Besuch empfangen und würden genau io gut verpflegt wie die englischen Soldaten.

Man darf nicht erwarten, dqss diese Meldung augenblicklich in Deutschland grossen Eindruck macht. Denn das deutsche Volk hegt heute gegen die englische Staatslcitung die bittersten Empfindungen und es hat allen Grund dazu. Man wird dazu geneigt sein, vom englischen Cant zu reden, von der Heuchelei, die im einzelnen als Menschenfrcundin erscheinen will, während sie Verderben über alle Welt bringt. Uebrigens wäre cs ganz nutzlos, heute in eine Be­trachtung darüber einzutreten, inwieweit der englische Königsbcsuch bei den verwundeten und gefallenen Feinden am Ende doch aus ursprüngliche Gefühle der Menschlichkeit und Ritterlichkeit zuriick- zusllhren sein könnte, denn cs kommt heute nicht auf die Motive an, aus denen die Handlungen entspringen, sondern darauf, wie sic wirken.

Und da muss man schon sagen, baß der Besuch des englischen Königspaars bei den deutschen Gefangenen zum mindesten ein sehr geschickter Zug war. Heute, wo um die Seele der Neutralen bei- nahe noch leidenschaftlicher gestritten wird als um befestigte Stellungen aus den Schlachtfeldern, hat jede der kämpfenden Mächtegruppen das Bestreben, vor der Belt als der echte Vertreter der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit zu erscheinen. Wenn nun die Nachrichten über die Behandlung deutscher Gefangenen in Eng­land mit bekannten bedauerlichen Vorkommnissen in Deutschland verglichen werben an denen übrigens die Behörden keine Schuld tragen so muß das auf das Ausland einen starken Eindruck machen.

Wenn man den Engländern vorwirft, dass sie hinter freiheit­lichen und menschlichen Allüren ihren Eigennutz und ihre Herrsch­sucht verdecken, so kann man auf der anderen Seite fcststellen, dass manche Deutsche nach Rezepten arbeiten, die politisch viel weniger empfehlenswert sind Diese Deutschen glauben richtig zu handeln, wenn sie ihr menschlich fühlendes Herz hinter einer möglichst rauhen Hülle verbergen und eine mitunter bis an Roheit grenzende Forschheit an den Tag legen, die ihrem innersten Wesen hoffentlich fremd ist. Wir denken dabei besonders an Vorschläge, die in einem Teil der deutschen Presse hinsichtlich der Behandlung der Kriegs­gefangenen gemacht worden sind. Es entstehen dadurch Kontraste des äusseren Benehmens, die der deutschen Sache nicht förderlich sein können.

Es scheint ein Widerspruch in sich selbst und bleibt deswegen doch nicht weniger wahr, dass zu den Mitteln der Kriegführung auch die Menschlichkeit gehört. Die Niederkämpfung des bewaffneten Feindes ist ein hartes Muss. Menschlichkeit gegen Wehrlose zir üben, ist aber nicht nur ein schönes Recht, sondern auch eine nationale Pflicht. Wer zu ihrer Missachtung auffordcrt, schadet uns, denn er läßt uns vor der Welt schlechter erscheinen, als wir sind!

Kanadische und australische Truppen» seudungeu.

Mailand, 29. Sept. Die Londoner Presse kündigt die erste kanadische Truppenscndungen von 40 000 Mann an. 20 000 Australier sollen bereits in England eingeschifft sein. Kitchener erklärte, das Heer von 800 000 Mann sei schon bereit.

Die Antwort der deutschen Regierung.

IVB. Berlin, 20. Scpt. (Amtlich.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Nach einer vom Reutcr-Bureau verbreiteten Meldung aus Washington soll der dortige deut- schc Botschastcr erklärt haben, Deutschland sei zum Frieden bereit, falls das deutsche Territorium in Europa nicht ver­kleinert würde. Solche Meldungen sind darauf berechnet, den Eindruck zu erwecken, als ob Deutschland trotz des Sieges- laufes seiner Heere im Westen und Osten kampfesmndc wäre. Deutschland denkt im gegenwärtigen Augenblick garnicht daran, irgendwelche Friedensangebote zu machen. Wir wie­derholen: Deutschland verfolgt nur das eine Ziel: Den ruch­los uns ausgczwungencn Krieg ehrenvoll zu Ende durchzu- fechte». ,

Anspruch haben könnte; sondern es hat auch die von den Aushebungskommissioncn als unbrauchbar Bezcichneten zu einer nochmaligen ärztlichen Untersuchung beordert. Wenn nun General Pan ganz nach der Art gewisser einflußreicher Männer in Jahre 1870 und Anfang 1871 Hilfskorps in Südfrankrcich organisieren will, so ist das ein verstärkter Be- weis dafür, daß man in Frankreich die Lage als sehr ernst betrachtet.

Wie die dcntschen Flieger arbeiten.

WTB. Basel, 19. Scpt. (Nichtamtlich.) Die Gazette de Lausanne enthält ein Telegramm aus Toulouse über den Bericht eines französischen Offiziers, in welchem cs heisst:Auch unsere Feinde haben aus dem letzten Kriege ihre Lehren gezogen. Sie unterhalten den bcstorganisicrtcn Nachrichtendienst, der sich über bie ganze Welt erstreckt und sie mit ziemlich genauen Beobachtungen versorgt. Wir haben nicht geglaubt, dass die deutschen Flieger so zahlreich seien. Ganze Schwärme kuiidschaftctcii unsere Stellungen aus. Wenn einer heruntergeschossen wurde, erschienen fünf andere,' die höher flogen. Das können Tausende von Zeugen versichern. Die Flieger ließen rote Kugeln hcrabfallen. Unsere Soldaten warfen sich zu Boden, denn sic erwarteten eine Explosion; aber nichts erfolgte, nur eine weiße Rauchfahne stieg empor. Ein paar Minuten später aber sauste ein Hagel von Granaten und Schrapnells über uns her. Die deutsche Artillerie zielt und trifft genau, wenn sic uns auch an Material und Munition nicht gleich­kommt. Der Plan, bas Ziel durch Flieger markieren zu lassen, ist eine geniale Idee. Ter Kniff ist nun entdeckt, aber er hat genug genutzt."

Die ökonomische Krisis in Frankreich.

Paris, 18. Scpt. Das Pariser Finanzblatt l'Jnformation veröffentlicht einen längeren Artikel über das Thema:Was ist aus den Plänen betreffend die Wiederaufnahme der Ar­beit geworden?" Das Blatt stellt fest, daß alle beabsichtigten Maßnahmen, um der Arbeitslosigkeit zu steuern, bisher nicht verwirklicht worden sind und man von der Reorganisation der Arbeit überhaupt nicht mehr spreche, sondern anscheinend olle diesbezüglichen Pläne ins Wasser gefallen seien. Unter den Massen des Volkes sei deshalb eine wahre Entmutigung zu verzeichnen. Man könne sich davon überzeugen nach Be- such der Hauptarbeiterzentren, wo man die Gedanken und Meinungen der Arbeiterklassen am besten kennen lerne. Ueberall mache sich eine Mißstimmung bemerkbar. Darin be­stehe eine Gefahr, der durch die Reorganisation der Arbeit umgehend abgeholfen werden müsse. Tas Blatt schließt: Die ökonomische Krisis, die Frankreich durchmacht, ist sehr schwer. Ihre Folgen könnten vernichtend werden, Kenn der Krieg sich in die Länge zieht, ja selbst, wenn er sich wie man jetzt wohl hoffen kann, siegreich hinzieht."

I» Rutzland stocken Handel und Verkehr.

Basel, 19. Sept. Die Neue Züricher Zeitung vom 18. Sevtcmber bringt den Privatbrief eines Schweizers aus Moskau vom 24. August, in dem es heißt: Handel und Ver­kehr fangen an zu stocken. Industrielle und gewerbliche Unternchinungen sind zwar zur Zeit noch gut beschäftigt, doch wird dies nicht mehr lange dauern. Zwar wird behauptet, die Messe in Nischni-Nowgorod habe in jüngster Zeit etwas angezogen, und auch der Bahnverkehr würde demnächst wie- der in norniale Bahnen gelenkt. Die Lebensmiftelpreise seien im allgemeinen gestiegen, nur einige Gegenstände seien wegen des Ausfalls im Exportgeschäft billiger. Die öffent­liche Wohltäftgkeit wird bereits stark in Anspruch genommen. Ueber den Gang des Krieges erfahren wir nur aus russischen Zeitungen, nach denen die Schweiz bereits mit deutschen und französischen Verwundeten und Flüchtlingen über- füllt sei.

Eine deutsche Warnung an Rutzland.

Berlin, 29. Scpt. Wie die Post erfährt, ist durch Vermitt­lung einer neutralen Macht von der deutschen Regierung wegen der von russischen Generäle» befohlene» ruisifchcn Mordtaten eine ichoric Warnung an die russische ergangen. Die weiteren Feststellungen an Ort und Stelle habe» ergebe», dass die Sckmndtaten a» einer fried­lichen Zivilbevölkerung verübt morde» waren, die de» russische» Truppen nicht dcn geringstc» Widcrsiand cntgcgcngcicszt hatte.,

Ein russischer Mordbrenncrgcneral vor de»n dcntschen Kriegsgericht.

Bei dem General Markos, einem Kommandeur der russischen Armee, di« in Ostpreusscn cinficl, sind, als er von deutlchen Truppen gelanget» genommen wurde, Dokumente gefunden worden, die daraui

Slfraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 66

Hclgestad warf einen Blick hinüber und lachte dazu. Nuh!" rief er, .kommst mir vor wie der Nordländer in Kopenhagen, der, als er Goldfische in des Königs Teiche schwimmen sah, zu seinem Begleiter sagte: Peter, sieh die

Heringe hier an, sind wie bei uns, nur etwas kleiner; aber bei St. Olafs Bart! sie haben die Tiere rot angcstrichcn. Wie der ehrliche Bursche jeden Fisch, den er nicht kannte, für einen Hering hielt, hältst du jedes Sccboot für eine Jacht. Wirst aber den Unterschied kennen lernen, Mädchen, hast gute Augen. Denke es ist so?"

Und wie nennst du das Schiff?" fragte Hanna.

Helgestad sah noch einmal hin, dann spie er grämlich aus und zog seine Kappe um den Kopf.Ist eines von denen." sagte er.die wie Haie auf- und obstreichen, und wo sie sich blicken lassen, danke» ehrliche Leute Gott, wenn sic ohne Schaden davonkommen."

Wie, ist ein Seeräuber?" rief Hanna.

Nuh!" rief der Kaufmann,möchte es glauben, daß der Bursche Raub im Sinne bat, wenn es angeht. Schau hin, da schießt er aus der Bucht hervor. Ist lang, spitz und schmal wie ein Schelm, und flattert oben am Kopf ein War- nungszcichcn, daß jeder sich vor ihm hüten soll."

Es ist ein Kllstcnwächter, der hier umkreuzt," sagte Marstrand, welcher die Regicrungsslaggc erkannt batte.

Ein Spürhund," antwortete Helgestad,wie sie viele jetzt ausschickcn, armen Leuten das Leben sauer zu machen."

In seinen Aerger stimmten damals viele ein. denn die Regierung hielt die Einfuhr unter bedeutendem Zoll und ließ mehr als je streng darüber Wachen, daß von Deutschland und England herüber nicht Paschhandcl getrieben, Waren aller Art, namentlich Branntwein, eingeschmuggelt wurden, was an diesen tausendfach zerrissenen Küsten schwer zu ver­

meiden war. Die Küstenwächtcr hatten das Recht, jcdcs Fahrzeug anzuhalten, wenn sie wollten, dessen Ladung zu untersuchen und mit den Ausweisen zu vergleichen. Die dänischen Lugger und Sloops waren darum aufs tiefste ver­haßt, und eine Reihe von Verniutungen begleiteten auch jetzt dcn raschen Segler, der von seiner großen Raa am Haupt­mast den Danebrog flattern ließ und scharf an dcn Wind liegend auf die Jacht hielt.

Wie ein Raubvogel, der seine Beute umkreist und be­trachtet, lies er in weiten Boigen um das schwere Schiff. Auf dem Deck des Luggers standen ein paar Offiziere, welche mit ihren Gläsern die Jacht musterten, und eine Zeitlang schien cs, als ob sie sich damit begnügen würden; plötzlich aber wandte der Küstenwächtcr um, und zu Helgcstads schweren! Mißmut war er bald dicht an seinen Fersen und rief den Nordländer an.

Wollt' cs Euch sagen, wenn ich Euch hätte, wo ich wollte," murmelte Hclgestad, indem er antwortete, aber sein Aerger steigerte sich, als ein Boot des Luggers vom Stern herabgclassen wurde, in welches ein halbes Dutzend Matrosen und zwei Männer in der Uniform der Stcucrbamten sprangen, die sogleich auf die Jacht loSruderten, deren Segel fallen mußten. Ter Küstenwächter legte sich inzwischen auf Kabellänge an dcn Nordländer: sein Teck war gut besetzt, und der lange Vierundzwanzigpfiindcr auf Drchzapfen, den er vorn führte, flößte die gehörige Beachtung seiner Be­fehle ein.

In der nächsten Minute war die Hälfte der Seeleute mit ihren Anführern an der Knotenlciter der Jacht aufgestiegen, die wie ein Riese gegen den kleinen flachen Lugger ans dem Wasser aitfragtc. Wie ein gebundener Riese gehorchte auch Helgestad, als der erste Ofizicr des Küstcnwächtcrs ihn auf- fordcrtc, seine Papiere zu zeigen. Mit miirischen Blicken stieg er in die Kajüte hinab, gefolgt von den: Beamten, der scharf umhcrsah und jeden Winkel musterte.

. Sein Begleiter blieb auf dem Deck, und während die Mannschaft mit den fremden Matrosen sprach, beliebte es ihm, sich dem Fräulein und Marstrand zu nähern. Ein Fall oder eine Wunde mußte ihm eine Beschädigung im Ge­sicht zugezogcn haben, denn ein schwarzes Pflaster deckte ein Auge zu, und ein buschiger, rotbrauner Bart lief breit über seine Backen hin.

Wir wissen," sagte er in rauhem Tone,daß dies Schiff voll gefährlicher Konterbande steckt. Sie würden wohl tun. nichts zu verheimlichen."

Sieht der Herr mich etwa dafür an?" fragte die junge Dame.

Ach, Hanna," erwiderte er mit flüsternder Stimme, wie gern würde ich diese Konterbande gleich an mein Herz drücken und mitnehmen. Nun wahrlich," fuhr er leise lachend fort,meine Maske muß gelungen sein, daß selbst die Liebe sie nicht sogleich durchschaute."

Henrik," antwortete sie zitternd vor Freude und Furcht, welche Ucberraschung und welcher Uebermut! Ich erwartete dich nicht hier, nicht heute, am wenigsten in der Gestalt eines Zollbeamten."

Alles, was helfen kann, muß dienen," sagte der Kapitän. Ich mußte dich sehen, Hanna, mußte dir sagen, daß ich bc- reit und dir nahe bin. Der eigentliche Kllstcnwächter kreuzt an der Mündung des Sognefjord, Leutnant Hansen, niein Freund, dem es Vergnügen macht, uns zu helfen, hatte die alten Kleider der Zollwächter noch an seinem Bord, und als wir dein schwimmendes Gefängnis erblickten, kam er auf den Einfall, einen Besuch bei dir abzustatten. Es ist gelungen, teure Hanna, er wird den alten Taugenichts bei de Pa­pieren so lange aushalten, wie cs angcht. Sei bereit, mein Leben. Schlafe diese Nacht süß und fest, aber morgen wache und hoffe."

sFortsetzung folgt.)