Ausgabe 
21.9.1914
 
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'Sage der Dinge gegeben und um so eher möglich, als ja wenigstens die Sozialdemokratie stets gelehrt I>at, daß der wirtschaftliche und politische Kampf nicht den Gegnern persön­lich gilt- sondern ihnen als den Vertretern der Wirtschaft- lichen und sozialen Interessen, die sie nach ihrer Klassen­zugehörigkeit vertreten müssen. Ties Nebeneinanderwirken ,n einer Zeit, da der Krieg das wirtschastliche Leben ganz aus den normalen Bahnen geworfen hat, kann und wird aber keinen, der in der Schule der Arbeiterbewegung denken ge­lernt hat, die Tatsache verkennen lassen, daß Gegensätze da sind und auch wieder zutage treten, sich in wirtschaftlichen und politischen Kämpfen entladen werden, sobald der Friede die wirtschaftliche Entwicklung wieder in die alten Gleise zu­rückgelenkt.

Das Ziel, das Hunderttausende beseelt und aufrecht hält in den Stunden der Erschöpfung, anfeuert in den Stunden des Kampfes, dieses Ziel ist das: Wir wollen Ruhe haben nach auhen, freie Bahn unserer Entwicklung im Innern, wollen zeigen, was die so oft mißachteten und mißhandelten Massen der Proletarier verinögen, wollen unS erringen, tvaS man uns so lange vorenthielt, gleiches Recht für alle, auf daß wir so den Boden ebnen, auf dem wir dann Abrechnung halten können, falls man uns fürder unterdrücken und un­seren wirtschaftlichen Aufstieg zu hemmen suchen wollte.

In diesem Glauben, dieser Hoffnung kämpfen sie, nehmen sie Opfer und Entbehrungen auf sich, lassen sie ihr warines Blut die ftemde Erde düngen .. .

Wer wollte bestreiten, das jenes Ziel, das sie vor Augen sehen, das beste und höchste ist, das einen Proletarier in den Kampf geleiten kann?

Aber wir wissen auch, daß es nicht erreicht werden kann, wenn nicht auch die Daheimgebliebenen ihre Pflicht und Schuldigkeit tun: wenn nicht auch sie das Ihrige erfüllen, um für den späteren Kampf der Parteien und Klassen alles bereit zu halten. Während unsere Brüder draußen im Felde die Grenzen sichern, müssen wir, die wir zu Hause bleiben, das Rüstzeug besorgen für die künftigen Auseinandersetzungen, die mit oder ohne unseren Willen kommen können heraus- gcboren aus dem Zwang der wirtschaftlichen Entwicklung.

Dieses Rüstzeug aber heißt: Organisation, Solidarität. Rur durch den Zusammenschluß, durch die Gemeinschaft wer­den die Besitzlosen eine Macht. Starke, viclbewunderte Oe- ganisaftonen schuf sich das Proletariat bereits in den ver­gangenen Friedenszeiten. Sorgen wir dafür, daß sie nicht zerfallcnl Daß sie auch in den Zeiten des Krieges durch- haltcn, ja, innerlich stärker und gefesftgter werden!

Gefallen.

Om Felde gefallen---Wieviel? Biel«, viel« Taufende.

Da ivtrd der einzeln« namenlos, da vereinigt die vielen ein Name: Söhne des Volkes.

Sie schufen rüstig Kulturwerke, denn es war die Blüte des Volkes. Dann kam der Krieg . . . Aus den Fabriken und Werk­stätten, aus Bergwerken und Schreibstuben, von den Bmitrn, von allen Arbeitsplätzen strömten di« Schassenden herbei. Sie muhten der Macht folgen, die stärker war als sie alle zusammen. Das arbei­tend« Volk legte die Werkzeuge der friedlichen Arbeit in die Ecke und griff zu den Werkzeugen der Vernichtung.

Fort von Vater und Mutter, von Bruder und Schwester, von Weib und Kind! Fort von allem, was lieb und teuer! Lebt all« wohl, wir ziehen ins Feld---

Brennend war der Treimungsschmerz. Viele konnten cs nicht fasten, dah der, der ihnen lieb war, nun drauhcn in der Schlacht stand, im Zischen und Krachen mörderischer Kugeln und Gra­naten.

Allmählich und zagend zieht neue Hoffnung ein in die Herzen der Zurückgelastenen. Nicht jede Kugel trlsst. Warum soll eine Kugel ihn treffen? Doch die Kugeln sausen ihre Bahn und reihen wahllos nieder, was im Wege steht. Da ist keiner zu kostbar, keiner zu gering . . . Menschenopfer unerhört---

Und wieviel Hoffnungen brechen jäh zusammen, wenn die Nach­richt kommt: Gefallen! Gerade er gefallen? Gerade ihn traf eine Kugel!

Gefallen wie andere gefallen sind und wie noch mehr fallen werden dis die rasende Kriegssurie sich satt gefrcsicn hat. Wer zählt die Gefallenen, wer nennt ihre Namen, die drauhen tot aus blutiger Erde liegen. Da liegt nicht einer oder der andere, nicht dieser oder jener, da liegen Berge zerfetzten, blutige» Fleffches, da liegt ileischgewescne. jugendstarke, zukunftsverheißende Bolkskraft gehäuft, bis die wilde Schlacht Zeit läßt, die toten Masien in die kühl« Erde z» betten.

Nicht einer ist untrr den Gefallenen, der sich nicht ein ehrendes Gedenken erworben hätte. So grob wie die Masi« der Gefallenen, io groh ist der Schmerz der Hinterbliebenen. Der grobe Schmerz des ganzen Volkes, der jeden einzelnen Schmerz auflöst, um sie alle erlösend ,» vereinen.

Und wenn einzelne Nanien ehrend genant werden, dann nicht, um einzelnen Gefallenen einen besonderen NuhmeSkranz zu winden, dann nur, weil einzeln« das Fllhlcn. Denken und Handeln ihrer Klasie verkörperten, dann nur, weil in den einzelnen einer ganzen Klasie Ehrfurcht bezeugt wird. Di« Fahnen, die sich trauernd vor einzelnen senken, senken sich oor allen Gefallenen.

Lebenskreise.

Unser Dasein ist ein Ancinanderliegcn und Ineinander- greifen von Lebenskreisen. Hier dreht sich das Interesse nm dieses Ziel, dort um jenes. Meist stellt dieses Interesse nichts als persönliche Gewinnsucht dar, doch finden wir auch andere Jnteressenkreise; die einen sind von diesem Ziele idealerer Art erfüllt, die anderen von jenen. Natürlich sind diese Kreise nichts Festes: sie schwanken in ihrer Weite und Aus- dehnung. Oft sind sie vorübergehend fast verschwunden und ein anderer größerer Kreis des Interesses tritt an ihre Stelle. So ist es, wenn große, gewaltige Ereignisse die Welt erfassen, wie jetzt zur Knegszcit.

Systein liegt in der bürgerlichen Welt nicht in diesen Lebenskreisen: bemerkenswerte Berührungspunkte kennen

sic nicht. Da ist dieser und dort jener und auch jene großen umfassenden Kreise, wie sie jetzt die Kriegswelt bildet, sind etwas Loses, ohne Zusammenhang. Es fehlt der bürgerlichen Welt ein hoher Geist, eine große Anschauung über Welt und ^eben, die alles eint und all die vielen Lebenskreise zu einem großen Kreise des Daseins zusammenschließt.

Wir haben im Sozialismus diesen großen einenden Kreis. Wir leben nicht kurzsichtig und kleinlich diesem oder jenem Jnteressenkreise und nicksts anderem. Wir schauen von der hohen Warte sozialistischer Weltanschauung auf all die Lebenskreise herab und erkennen so aus der klärenden Höhe,

was jene Lebenskreise trennt und tvas den größeren, ja. großen Kreisen, die wie jetzt eine große Begeisterung eint, ein nur vorübergehendes Dasein schafft.

Die kapitalistische Weltanschauung, die jedem ein Leben und Streben für das eigene Ich ermöglicht, ist es, die jenen Lebenskreisen ihr Dasein bringt. Nur in einer Welt, in der ein jeder seine Kräfte für nichts anderes als für das Ganze cinsetzen kann, sind Lebenskreise möglich, die untrennbar verbunden sind und für eine starke Einheit verbürgen bis in alle Ewigkeit. Ter Sozialismus ist dieser große einende Kreis.

Auch jetzt, wo der Krieg das ganze Fühlen und Denken der Kulturwelt in Anspruch nimmt, dürfen wir diesem So­zialismus, der uns sonst stets das Höchste war, nicht minder Treue halten als sonst. Im Gegenteil, von der hohen Warte des Sozialismus ans läßt sich das Glück des Vaterlandes und der Menschheit auch jetzt, wo die Welt in Flammen steht, allein klar und ungetrübt schauen. Gerade jetzt ist es un­würdig, in kleineren Lebenskreisen sich den Blick zu trüben: gerade jetzt hat jeder als Vaterlandsfreund Sozialist zu sein. Eine neue Aera wird nach diesem Kriege beginnen. Ein großer starker Sozialismus wird da auch ein großer treiben- der Faftor sein, t

Die erste Nachricht vom Schatz.

Fröhliches Kinderlachcn. Rf»gel-ring«l-r«ihc tanzen die Kleine» in sorgloser Lust. Ejn junges Mädchen mit blanken Augen und kecken, Stumpfnäschen dreht sich mit in, Kreis. Es hat heute Dienst" in der Kinder-Kriegssürsorge, mutz die Kinder ivarten und anfpaffcu, dass den ganz .Kleinen kein Leid geschieht, auch alle ihr Essen richtig bekommen. Auf da» Spielplatz kommt der Mann mit dem großen Brotkorb. Ein Knirps von sechs Fahren hat ihn zuerst erspäht. Er reißt sich los, jauchzend rennt er über den Rasen:Es gibt Brezel!" Hinter ilgn drein der ganze Schwarm, lachend und schreiend. Die Großen schauen vergnügt lächelnd zu. Nur einer kann sich kein Lächeln abgeminnen. Er koinmt aus dem Krieg. Sein kranker Körper ivar den Strapazen nickst geivachsem Aber Furcht­bares muß er erschaut haben. Sein Haar ist in den wenigen Tagen ergraut, und in den Augen wohnt das Entsetze». Ern Freund schüttelt ihm die Hand:Was nmchen unsere Freunde? Was macht der St. und der M.?"Sie leben noch und waren unverwundet."Und der Br.? Du weißt ja, das große gutmütige Kind mit der lockereu Zunge?Ter Br.? Dem riß bei Beginn des Gefechts «!n Granat­splitter den Arm ab. Wir mußten ihn liegen losten. Wird wohl ver­blutet sein."

Ein greller Schrei, ein Fall, erschreckt fahren di« Männer herum das junge Mädchen, das soeben noch mit den Kindern gelacht und getollt, liegt ohnmächtig am Boden . . .

Dieunvermeidbare" Armut.

Bon einer gewissen Sorte Menschen wird immer be- hauptet, daß die Armut ein unvermeidbares Uebel sei, das nie aus der Welt geschafft werden könne. Wie sinnlos diese Behauptung ist, beweist einmal wieder dieser Krieg. Nicht als ob durch ihn die Armut beseitigt wäre, im Gegenteil, sie erstreckt sich noch auf weitere Kreise als zu normalen Zeiten. Aber trotzdeni ist die bitterste Not, der Hunger noch seltener als zu normalen Zeiten. Das kommt daher, daß der Wille zu helfen jetzt zur Kriegszeit größer ist. Und von diesem Willen hängt alles ab. Die Statistik hat fcstgestellt, daß der zehnte Teil der Nation im allgemeinen aus Armen besteht. Wie leicht wäre es gewesen, diesen Bruchteil des Volkes vor der Not zu bewahren, wenn der Wille, der jetzt hilft, stel­existiert hätte. Aber bisher hielt man es für unmöglich, daß 90 Menschen, die Brot, Geld und Zeit genug haben, ihren notleidenden Brüdern helfen können. Man sollte diesen Willen zu helfen auch für die Zeit nach dem Kriege beibc- halten und man würde sehen, daß die Armut nicht das un­vermeidbare Uebel ist, als das sie von satten Pharisäern so gern bezeichnet wird.

Mittagsfrieden.

Mittag ist's, vom Turme bang'

Letzte Glockcnschläge schallen. Nirgends froher Vögel Sang,

Stille herrscht, nur Windes Lallen Schläfert ein das müde Land.

Dort des Schmiedes Este ruht Und verstummt ist Hammers Schlag. Um zu schützen hehrstes Gut Ließ der Schmied sein heimisch Dach Und zog in den Kamps.

Aus der Dörfler Kreis heraus Riß so manches Glied der Krieg, Die im wilden, blut'gen Strauß Kämpfen für des Reiches Sieg. Doch nicht alle kehren wieder . . .

Erleichterung der Lazarettbesuche. Der Eisenbahn- minister von Breitenbach hat angeordnet, daß den Ange­hörigen der kranken oder verwundeten deutschen Krieger, die sich innerhalb Deutschlands in ärztlicher Pflege befinden, 6cf Fahrten zum Besuche ihrer im Felde verletzten oder erkrank­ten Anverwandten eine Fahrpreisermäßigung gewährt wird. Tieie soll in der zweiten, dritten und vierten Wagenklasse die Hälfte der gewöhnlichen Sätze betragen: bei Benutzung von Schnellzügen ist außerdem der tarifmäßige Zuschlag zu ent­richten. Die Vergünstigung tritt in den nächsten Tagen für das Gesamtgebict der deutschen Staatseisenbahncn, jedoch nur im Verkehr niit Stationen, die mehr als 50 Kilometer vom Ausgangspunkte der Reise entfernt sind, in Kraft. Al- Angehörige" gelten die Eltern, Kinder, die Eheftau und Verlobte des verwundeten oder kranken Kriegers. Wer für den Besuch solcher die Fahrpreisermäßigung in Anspruch nehmen will, muß sich von der zuständigen Ortspolizeibe­hörde einen Ausweis ausstellcn lassen, bei dessen Vorlegung am Schalter der Abfahrtsstation er die Fahrkarte ausge­händigt erhält.

Feldpostsendungen. Von vielen Seiten wird Klage geführt, daß Postsendungen an die im Felde stehenden Truppen gar nicht oder mit riesiger Verspätung ankommen, was auch umgekehrt ans Sendungen der Kriegsteilnehmer an ihre Angehörigen zutrifft. Daß es mit der Feldpost, die auf den eingeschränkten Eisenbahnverkehr angewiesen ist. nicht so glatt und pünktlich gehen kann, als zu gewöhnlichen Zeiten, ist ohne weiteres klar. Aber es hat doch den An­schein, daß die Feldpost doch etwas mehr leisten könnte und

müßte. Wenn Briefe und Karten aus Belgien und Nord^ frankreich bis hierher 8 bis 10 Tage brauchen, so ist das denn doch zu lange, selbst unter den jetzigen Verhältnissen. Es müßte doch etwas mehr für bessere Beförderung getan wer­den. Es läßt sich ja denken, daß sich die Briefschaften ich Masse aufhäufen, weil große Mengen unbestellbar bleiben, viele Adressaten gefallen oder in ein Lazarett gebracht wor- oen sind. Vielfach werden aber auch ungenaue, schlecht und undeutlich geschriebene Adressen daran die Schuld tragen. Bor allein müssen die T r u p p e n t e i l e bet denen der Adressat steht, genau angegeben wer-' den: dagegen ist es überflüssg und irreführend, einen! Bestimmungsort anzugebcn. Ta die Aufenthaltsorte der einzelnen Truppenteile häufig wechseln und die Feldpost­stationen vielfach verlegt oder gänzlich aufgehoben werden,! muß vor der Anbringung derartiger Angaben in den Auf­schriften im Interesse der sicheren und schnellen Beförderung und Zustellung der Sendungen dringend gewarnt wer­den. Am besten verwendet man Kuverts mit Vordruck.

Daß die Feldpost nicht auf der Höhe ist, beweist auch eine Beschwerde des Generalleutnants Schott in der Vossi- schen Zeitung:Ich habe in dem Feldzug 1870 regelmäßig meine Nachrichten von Hause bekommen. Heute sind die Armeen allerdings viel größer, aber die Verbindungen und die Verkehrsmittel sind auch sehr viel größer geworden. Der Grund der mangelhaften Beförderung liegt nicht in Schwie- rigkeitcn, sondern in der Unfähigkeit, diese z» überwinden. Wohin würde es geführt haben, wenn die Eisenbahnen eben­so versagt hätten? Uebrigens ist nicht mir die Feldpost dev Verbesserung bedürftig, sondern auch die Post im allge­meinen, besonders sind die Postämter sehr mangelhaft mit Personal besetzt. Behörden, die dcni Publikum dienen, soll­ten in erster Linie sich berufen fühlen, daß sie den Anforder­ungen gerecht werden. Es gibt genug stellenlose Leute, die Verwendung finden könnten: wenn die Behörden sagen, sie können nicht, dann wollen sie nicht, oder der blinde Bnreau- kratismns ist schuld: ihn abzustreifen, sollte eine-der ersten. Lehren des Krieges sein".

Tote des Gießcner Regiments. Als gefallen werden weiter gemeldet: Landwehrmann Wilh. Hildebrand. Maurer aus Hcnchelhcii». Landwehrmann Wilhelm Steinmüller, Weißbinder aus Heuchelheim. Am 8. September: Musketier Fritz Scho mb er aus Gießen. Am 9. September: Einjähriger Unteroffizier Karl Hahn, Bankbeamter aus Gießen. Am 22. August: Unteroffizier der Reserve Karl H e u n, Postassistent aus Romrod bei Als­feld. Landwehrmann Heinrich Stock aus Angersbach. Reservist Arthur Landgraf ans Wetzlar. Reservist Friedrich Hardt aus Burgsolms. Am 7. September: Reservist Jakob H a g n e r aus Oberbiel.

Gefallen aus Oberbesscn und Nachbargebictcn: Mus­ketier Wilhelm Schneller aus Gießen, Jnf.-Reg. 137 (Hagenau), 7. Komp.

Nachricht von den Kriegsgefangenen. Amtlich wird bekannt gegeben: Mit der britischen, französischen und russische» Regierung ist der Austausch der Listen der Kriegsgefangenen verabredet wor­den. Die Listen der deutschen Kriegsgefangenen werden, soweit eS sich um Angehörige des Landheercs handelt, an das Zentral-Nach- weisbureau des Königlich Preußischen KricgSministeriumS, Berlin NW., Dorothcenstraße 48, und soweit es sich um Angehörige der Marine handelt, an das Zentral-NachweiSbureau des Ncichs- marineamts, Berlin NW., Matthäikirchstraße 9, gelangen. Diese beiden Stellen werden »ach einiger Zeit, jedoch nicht vor den, 1. Oktober, in der Lage sein, Auskünfte über das Schicksal der dentfchen Kriegsgefangenen zu erteilen.

Beamte und Konsumvereine. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine hat sich an mehrere Reichsbehörden gewandt mit dem Ersuchen, in Zukunst der Mitglledschast der Beamten in den dem Zentralverband angeschloffenen Konsumvereinen nicht? mehr in den Weg zu legen. Vom Rcichspostamt ist daraus folgende Ant­wort eingegangen:

Es wird kein Einspruch erhoben werden, wenn Angehörige der Reichspost- und Telegraphenverwaltung den Koiisumgcnoffcn- schasten des Zentralverbandcs deutscher Konsumvereine beitreten. Die Oberpostdirektioncn haben hiervon Kenntnis erhalten.

Fm Auftrag des Staatssekretärs, gez. Aschenborn.

In Einzelfällen haben sich Konsumvereine mit einer gleichen Eingabe an die lokalen und provinziellen Behörden gewandt. Auch sic haben zum Teil bereits ähnliche Antworten erhalten wie die vorstehende des Reichspostamtes. Es sicht zu erwarten, baß auch die Entscheidungen der übrigen Zentralstelle», vor allem des prenßischen Eisenbahnministers, in gleichem Sinne ausfallen.

Renirnempfängcr als Heeresangehörige. Amtlich wird bekannt- gegeben: ES ist nicht ausgcschioffen, daß sich unter den zu Kriegs­diensten Einberufenen vereinzelt Empfänger von Renten aus der gesetzlichen Arbeitcrversicherung befinden. Diese werden in der Regel an der persönlichen Empfangnahme der Rente verhindert sein und inüffcn deshalb, wenn die Rente den Angehörigen gesandt wer­den soll, diesen Vollmacht zur Abhebung erteilen. Die Renten wer­de» bann weiter gesandt, bis die Vollmacht widerrufen oder der Tod des Empfängers den RentcnzahlstcNen bekannt wirb. Ob den in Gefangenschaft Geratenen oder Vermißten die Rente vorläufig weiter gewährt werden kann, werden die Vcrstchcrungsträgcr im Einzelfall wohlwollend beraten.

Zur Durchflihruna einer geordneten Rentenzahlung a» die An­gehörigen wird es erforderlich sein, daß die Dienststellen erstens durch Umfrage die Rentenempfänger ermitteln und sic, soweit dies nicht vor der Einberufung geschehen ist, zur schleunigen Ucbersend- ung einer Vollmacht an die Angehörigen veranlaffcn. Die Voll­macht kann die am Schluß abgedrucktc Form erhalten: zweitens die Benachrichtigung der Rcntcnzahlstellen (Postanstalt) von dem Tod usw. der Empfänger übernehmen.

Z» diesem Zweck ist dort, wo Kriegsstammrollen geführt wer- den, in diesen der Vermerk auf,»nehmen: Rcntcncmpsängcr, Post­anstalt N . . . Stirbt ein Rentenempfänger, dann ist der Post­anstalt sofort eine kurze Mitteilung zu übersenden. Bei Gefangenen oder Vermißten hat dies tu der Regel erst nach Verlauf von acht Tagen zu geschehen. Dienststellen, die Kriegsstammrollen nicht führen, haben in geeigneter Weise für die Ermittlung und Kontrolle der bei ihnen befindlichen Rentenempfänger, für die Uebcrscndung der Vollmacht an die Angehörigen und die Benachrichtigung der Postbehörde zu sorge».

Vollmacht.

Ich erteile hiermit meiner Ehefrau (andern Angehörigen, sonstigen Personen) Anna . . geborene . . . in . . . Vollmacht, meine ... Rente ... zu erheben.

Ort. Datum, Unterschrift.

Diepatriotischen Kundgebungen" mit Gesang und Hochhurra entspringen meist nicht patriotischen Gefühlen. sondern der Ra da» - stimmung. Dieser Einsicht ist auch der Anklagevertreter vor den, Breslauer Kriegsgericht. Er beantragte gegen drei Bürsch­chen, die eine solche .Kundgebung vor der konservativen Schieftschc» Zcittmg. den Denkmälern der Stadt und vor den, österreichische»