Wesenheit kunt»»ü'brn. Groß war die Enttäuschung der Engländer, dab die Deutschen aus keinerlei Weise reagierten."
Die arabische Gefahr Englands.
WB. Wien, 17. Sept. Der Politischen Korrespondenz k,ird aus Kairo geincldet: Die Stellungnahme der Araber gegen die Engländer nimmt immer schärfere Formen an. Me aus arabischen Gegenden nach Aegypten gelangenden Nachrichten stimmen darin überein, daß die Araber England gegenwärtig als den ärgsten Feind des Islam betrachten.
' Gemäß der Weisung des Scherifs von Mekka versammeln sich jetzt täglich Tausende von Beduinen in der Gegend von Dscheddah und Jambo, um etwaige Landungsvsrsuche der Engländer zu verhindern und die heiligen Stätten des Islams zu schützen. Ferner finden in der Gegend von El-Arisch und Akkaba große Ansammlungen von Beduinen statt, um etwaiges englisches Eindringen zu bekämpfen.
Eine offiziöse Neutralitätserklärung Italiens.
W. B. Rom, 17. Sept. Di« Agenzia Stesoni veröffentlicht folgende Erklärung. Zu den leicht durchsichtigen Zwecken einer tendenziösen Polemik legt man speziell einen, Blatte di« Qualifikation bet, als offiziös und als Vertretung der Gedanken der Negierung über die gegenwärtig« international« Lage zu gelten. Tie Regierung hat keinerlei offiziöses Organ und hat niemand autorisiert, sich zum Interpreten ihrer Absichten und Entschluss« in der auswärtigen Politik zu machen. Tie Regierung, di« während der Tagung der Kammern wiederholt feierliche Beweise des Vertrauens des Parla- uientS erhalten hat und gegenwärtig von dem Gefühl beseelt ist, stark zu sein durch Uebercinstimurung mit d«r grohen Majorität des Landes, ist sich der schweren Verantwortung der aus ihr lastende» hohen Aufgaben bewusst. Sie wird sich dieser Aufgaben entl«dig«n, indem sic ihrem Genüssen folgt und sich ausschließlich von den i lallen ischvn Interessen leiten läht.
Die Politik der Pforte.
Wien, 16. Sept. Der Politischen Korrespondenz wird aus Konstantinopel berichtet: Die Diplomatie der Mächte
des Dreiverbandes setzt ihre Bemühungen, die Politik der Pforte in die Bahnen dieser Gruppe zu lenken, mit zähester Beharrlichkeit fort. Die vollständige Ergebnislosigkeit der Ucberredungsversuche, die der Vertreter Englands in dieser Richtung unternommen hatte, hat den russischen Botschafter v. Giers keineswegs abgeschreckt, die Rolle des Werbers aus der Pforte zu.übernehmen. Er bedient sich der gleichen Mittel, wie sein Vorgänger, indem er vor den Augen der ottomanischen Staatsmänner lockende Bilder für den Fall des Entschlusses der Türkei für den Dreiverband, mit Drohungen für den Fall der Weigerung wechseln läßt. v. Giers war jedoch nicht von größerem Glück begünstigt, als Sir Edward Mallet. Alle Kunstgriffe, mit denen es der Diplomatie früher mitunter gelungen ist, in der Politik der türkischen Regierung Schwankungen herbeizuführen, verfangen jetzt nicht mehr. Die Ileberzeugung der Pforte hinsichtlich der Stellung, welche für die Türkei gegenüber dem gewaltigen europäischen Entscheidungskampse geboten ist, hat sich während des Verlaufes der Ereignisse des Krieges noch vertieft. Das öfter wiederkehrende Gerücht, daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Rußlands bevorstche, daß v. Giers schon seine Koffer packe und daß ein russisches Ulli- matum überreicht werde, bleibt nicht bloß ohne Wirkung auf die leitenden Persönlichkeiten, sondern vermag überhaupt in den türkischen politischen Kreisen keine Bewegung hcrvorzu- bringen. Daß man sich in Petersburg vorläufig noch nicht zu raschem Handeln entschlossen hat, scheint aus der gedämpften Tonart des letzten in Umlauf gesetzten Gerüchts hervorzugehen, nach dem der russische Botschafter der Pforte einige Zeit zur Ueberlegung lassen wolle. Sollte die türkische Ant- wort endgültig verneinend ausfallen, dann werde er Konstantinopel verlassen. In unterrichteten Kreisen kann inan nicht daran glauben, daß sich die Diplomatie des Dreivcr- bandcs wirklich noch Hoffnungen auf eine Sinnesänderung der türkischen Regierung hingibt.
Minenopfer.
Kopenhagen, 17. Sept. Eine zuverlässige Zusammenstellung der durch Minen verunglückten Handelsschiffe in der Nord- und Ostsee ergibt, dah 13 Tampscr und Segler seit dem Kriegsausbruch ans Minen ausgelaufen sind. Unter den gesunkenen Schissen sind 5 englische Fischdampfcr. Zwei Verluste entfallen auf die finnische Bucht. Ter Dampfer „Tnsla" ist unter Führung eines staatlichen Lotsen aus eine Mine aufgelaufen und der dänische Dampfer „Brctland" kam fast unbeschädigt davon. Sicht man von de» englischen Fisch- dampsern ab, die beim Austretcn von Mine» in der Nordsee eine noch nicht aufgeklärte Rolle gespielt habe», so sind tatsächlich acht Handelsschiffe den Minen zum Opfer gefallen.
Die Gewissenhaftigkeit der deutschen Verwaltung in Belgien.
Berlin, 17. Sept. sW. B. Nichtamtlich.) Ter Verwaltungs- chcf bei dem Gencratgouvcrncur in Belgien hat im Einvernehmen mit dem Rcichsamt des Innern und dem königlich preußischen Kultusministerium zum Schutze der in Belgien vorhandenen Knnst- schätze Maßnahmen ergriffen. Da die militärische llcbcrwachung der Museen verhältnismäßig leicht ist, bezwecken die Maßnahmen hauptsächlich die Sicherstellung der zahlreichen Kunstwerke, die anderswo, z. B. in Kirchen, Rathäusern und dergleichen nnter- gebracht sind. Diese müssen den Zugriffe» von Händlern und diebischen Landcscinwvhnern entzogen werden: auch gilt cs, alle Kunstwerke von Baudenkmälern bis zu den kostbarsten Werken der Kleinkunst vor achtlosen Beschädigungen z» schütze». Zur Bearbeitung aller dieser Aufgaben wurde der Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums, Geheimer Regierungsrat von Falke, einer der besten Kenner flämischer Kunst, der Zlvilvcrwaltnng Belgiens zugetcilt. Die Entsendung weiterer Kunstsachverständigcr ist in Aussicht genommen. Gcheimrat von Falke ist zurzeit damit beschäftigt, in Fühlung mit belgischen Sachverständigen an Kunst- stättcn wie Löwen, Namur, Andenne, Hny, Nivellcs und Lüttich örtliche Feftstellungc» zu treffen.
Wicvicl organisierte Sozialdemokraten sind 1«»n Kriegsdienst eingezogen?
Ter sozialdemokratisch« Bezirksverband M a g d c b u r g - A n - aal! hat ein« Zählung der zum Militärdienst cinbcruscnen sozialdemokratischen Parteimitglieder vorgenommen, die ei» interessantes Vjflrtms, gezeitigt hat. Der Bezirk umfaßt di« acht Neichk-Iagsivahl- >-«>>« des Regierungsbezirks Magdeburg und die zive, Wahlkreise des -^rzogtumH Anhalt. In diesen zehn Kreis«» hatte die Partei am i- «Juli d. I 28 642 männliche Mitglieder. Von ihnen waren bis znm 6. September, an ivelcheni Tag« die Zählung stattsand. 8162 «a « n Salinen einberufen. TaS sind nicht weniger ais , ..‘t_“ r 0 i *U t. Di« Zahl wird sich noch um ein beträchtliches «r- tzoyen, wenn erst die Einberufung des Landsturms in vollem Umsange durchgeyihrt tft. Unter den Em berufenen befanden sich 4 88 Funktionäre der Partei. In einer Anzahl Orte wurden
sämtliche Funktionäre zum Kriegsdienst «ingczogen. Wie sich leicht ausrechnen läßt, stellen aller» di« organisierten Sozia Idem »- krai«n des Bezirks Magdeburg-Anhalt drei kriegsstark« Regimenter zur Verteidigung des Vaterlandes. Es würde sicher allgemeinem Interesse begegnen, wenn die Parteiorganisationen in, ganzen Reiche «ine gleiche statistische Ausstellung vornehmen würden.
Tie Aufteilung der Welt.
Auch der Professor der Philosophie Wilhelm Wundt hat in einem zu Leipzig gehaltenen Dortrag die Welt bereits auf- geteilt. Er will ni dem für ihn selbstverständlichen Falle des deutschen Sieges Frankreich schonend behandeln nnd ihm nur ein für allemal den Revanchegedanken austreiben. Schlimmer soll es England ergehen, das nach Meinung des Prof. Wundt für einen kleinen Inselstaat allzuschwer an seinem kolonialen Besitz trägt:
Es wird uns reichlich zahlen müssen von dem, was es zu viel hat, wenn aus diesen, Kriege ein« gerechte Verteilung der kolonialen Kulturarbeit der Nationen hcrvorgehen soll. Im übrigen können wir Großbritannien jener ivcitercn Entwicklung seiner Kolonialmacht überlassen die Föhn Burns, der als ehemaliger Minister Englands Zustände kennen muß, in Aussicht gestellt hat.
Auch Rußland muh sich gewaltige Abstriche gefallen lassen:
Das heutig« Russisch-Polen wird tn der Vereinigung mit den deutschen und den anderen skavischen Ländern Oesterreichs den Schub und die Freiheit finden, die die österreichisch-ungarische Rtonarchie allen unter ihren Szepter vereinigten Nationen zuteil werden läßt, und di« in diesem Krieg« alle unter Oesterreichs Fahne zum begeisterten Kampf gegen Rußland mit den deutschen verwundeten Slawen dankbar bezeugen. Tie deutschen Balten, denen Rußland ihre Dienste so schnöde belohnt hat, werden als gerechte Sühne für die Mißhandlung, die sie erfahren, dem deutschen Mutterland«, dein das Herz der Besten unter ihnen allezeit treu geblieben ist, wieder zugcsiihrt werden.
Wir wissen nicht, ob es Herrn Prof. Wundt ganz klar ist, daß wir, wenn wir die deutschen Balten in das deutsche Reich einverleiben, auch eine viel größere Zahl von Esthen und Letten mitverschlucken müssen, die für Deutschland unter Umständen doch recht unbequem werden könnten. Aber ganz davon abgesehen, möchten wir es für besser halten, daß auch die Herren Professoren darauf verzichteten, öffentliche Betrachtungen über die ihrer Ansicht nach notwendigen Annexionen anzustellen. Denn einmal hat es für Leute von Geschmack nnd Besonnenheit unter allen Umständen etwas peinliches, zuzusehen, wie das Fell des noch nicht erlegten Bären verteilt wird, nnd znm andern muß die Darlegung der Pläne der Annexionspolitiker die Gegner von neuen Gc- vietscrwerbungen veranlassen, ihre abweichende Meinung zu äußern. Da aber die Behörde eine Polemik Wider die Anhänger der territorialen Machterwciternng gegenwärtig nicht für wünschenswert erachtet, würde sic unseres Erachtens gut daran tun, auch den Annexionspolitikern während der Dauer des Krieges Stillschweigen zu empfehlen.
Die zaristische Gefahr.
Der frühere deutsche Botschafter in Rom, Gras A. von Monts, der sehr zum Leidwesen der Deutschen Tageszcilnng vor kurzem im Berliner Tageblatt angedcutet hat, daß Deutschland gegen Frankreich und England keinen Vernichtungskrieg zu führen habe, sondern so oder so mit den Veskmächten schließlich wieder zu einer Verständigung gelange» müsse, verbreitet sich jetzt an derselben Stelle über den r u s s i s ch e n F e i n d. Er gelangt zu folgendem Schluß: Mit unseren westlichen Nachbarn werden wir uns schließlich als Bewohner desselben Hauses, als Europäer, auseinandersetzcn. Aber mit Rußland in der Staatsform der asiatischen Despotie ist ein Ausgleich glatterdings unmöglich. Weder bei uns noch bei unserem Alliierten besteht ein Haß gegen das arme, unterjochte Volk, wir müssen uns indes sagen, daß nur allein die Millionen seiner Krieger die Basis bilden für das schändliche Treiben der jetzigen Machthaber. Wenn die Russen selbst sich nicht dieser Volksvcrderber entledigen können, so müssen wir das mit Blut und Tränen zusammcngekittete zarischc Regime Umstürzen, damit unsere Söhne und Nachkommen nicht ähnlich Furchtbares dnrchzukämpfcn haben wie die jetzige Generation.
Wir freuen uns natürlich, daß dieses Verständnis für bas ivahre Wesen des Zarismus und die Notwendigkeit seiner Beseitigung, das noch vor einem Vicrtelsahr ausschließlich in der Sozialdemokratie eine Heimstätte hatte, nun auch von Leuten geteilt wird, die wie der Graf A. Monts auf hervorragende» diplomatischen Posten Gelegenheiten hatten, Welt und Menschen kennen zu lernen.
Ein e»tschcide»der Sieg im Weste».
Großes Hatiptquarticr, 18. Sept., vormittags, amtlich. Zur Ergänzung der Meldung von gestern abend.
Das französische 13. und 4. Armeekorps und Teile einer weiteren Division sind gestern südlich Nohon entscheidend geschlagen worden und haben mehrere Batterie» verloren. Feindliche Angrisse gegen verschiedene Stellungen der Schlachlsront sind blutig znsammcngebrochcn. Ebenso ist das Vorgehen sranzösischer Alpenjäger am Vogescnkamm Breuschtal zurückgcwicscn worden. — Bei Erstürmung des Chateaubrinnont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht abzu- jchcn ist.
Unser Ostheer.
Großes Sauptguarticr, 18. Sept. vormittags, amtlich. Unser Osthccr setzt seine Operationen im Gouvcrneincnt Snivalli fort. Teile gehen anf die Festung Osowiec vor.
Tic italienische Neutralität.
Rom, 18. Sept. In einem Leitartikel führt der Popolo Romano aus: Das italienische Kabinett besteht aus Ehren- männern, die keinen Treubruch begehen werden. Wer dies will, ist ein Bernfshetzer oder ein unreifer Bursche, ganz abgesehen von der Nolle, welche ausländisches Gold bei dieser Sache spielt. Die italienische Negierung und das Volk weiß was die Ehre ihnen gebietet.
Die sozialistischen Dumamitgliedcr.
Bukarest, 18. Sept. Nach einer Petersburger Meldung beschlossen die sozialistischen Dumaabgeordneten sowie die Abgeordneten der Arbeiterorganisationen, den Dnmasitzungcn, in denen Kricgsvorlagen der Regierung zur Ansschrcibung neuer Stenern zur Verhandlung gelangen, sorta» fernzublciben.
Englische Arbeiter für die Franzose».
Wien, 18. Sept. Die englische Regierung soll sich mit der Absicht tragen, 1(1000 Erdarbeiter für die Armee anzuwerben und dem fianzösischcn Oberkommando siir Schanzarbeiten zur Verfügung zu stelle».
Die Schwarzen in Paris.
Berlin, 18. Sept. Das Berliner Tageblatt schreibt: Ter Pariser Korrespondent des Corricre della Sera entwirft
ein überaus drastisches Bild der Negerinvasimi, die zurzeik Paris überflutet. Hinter den seltsam kostüierten schwärzest Regimentern komemn endlose Reihen schwer beladener Last« kamele aus Afrika. Sie überschwemmen den Boulevards! Sebastopol. Es sei ein Schauspiel wie im alten Rom, dos ebenfalls seine Barbaren-Legionen gegen den Feind aufbot.
Die Cholera in Risch.
Saloniki, 18. Sept. In Risch ist die Cholera aiisgetreten. ES wurden bereits zahlreiche Fälle festgestellt.
Tilsit nach der Russenzeit.
Berlin 18._ Sept. Nach dreiwöchiger Herrschaft der Russen isl die Stadt Tilsit wieder von den Eindringlingen befreit. Aist Dienstag ist die Tilsiter Zeitung wieder von neuem erschienen, di« einen begeisterten Artikel über unsere Truppen bringt und fest« stellt, daß es das Verdienst der Stadtverwaltung sei, die Nusserr zu einer Haltung in Tilsit veranlaßt zu haben, wie sie eine solche ist keiner anderen von ihnen besetzten Stabt gezeigt haben.
Ein ftanzösischcr Ministerrat.
Bordeaux, 18. Sept. (Privattelegr.) Der Ministerratt der gestern unter Poincarss Vorsitz tagte, beschäftigte sich ausschließlich mit der diplomatischen und militärischen Lage^ Die Minister Doumergue und Thomson waren abwesend«" Doumergue weilt im Marnegebiet, Thomson führt im Nord« dcpartement und in Pas de Calais die Untersuchung übev die Bedürfnisse der Bevölkerung. ■'..
Italien geht nicht nach Albanien.
WB. Rom, 18. Sept. Agcncia Stcfani meldet: Tiq
ausländische Blättermeldnng, daß Italien in Balona (Albanien) Truppen lande oder im Begriffe sei, eine Landung vorznnehmen, entbehrt jeder Begründung.
Das englische Parlament vertagt.
Kopenhagen, 18. Sept. Titcnde meldet aus Londons Das Parlament vertagt sich morgen bis zum 18. Oktobers Die Home Rule-Bill und das Gesetz über die Entstaatlichung der Kirche in Wales werden Gesetz, sie treten jedoch auf Grund des Auffchubgesetzes erst nach dem Kriege in Kraft« Wien braucht nicht um Frieden zu bitten.
IV. B. Berlin, 18. Sept. Das Wiener Korpsburcau gibt be« kannt: Die Meldung der Prcflr des feindlichen Auslandes, daß Oesterreich-Ungarn wegen angeblicher Einleitung vo» Friedens- Verhandlungen das Terrain sondieren lasse, ist durchaus tendenziös erfunden.
Hesse,l nnd Nachbargebiete.
«ietzen und Umgebung.
— Die „Wacht am Rhein". Wo stammt das Lied her, das man jetzt jeden Tag unzählige Male singen und pfeifen! hört und wer ist sein Verfasser? Wohl die wenigsten derjenigen, die es hinausschmettern, werden darüber eine Kenntnis haben. Verfasser des Liedes ist der im Jahre 1819 iw Taiheiin bei Tuttlingen geborene Dichter Max Schnecken« b ii r g e r , der es im Jahre 1840 herausgab. Von dem am! 5. September 1815 als Sohn des mit 20 Gulden Gehalt an« gcstellten Stadtniufikus Wilhelm in Schmalkalden geborenen! Musiklehrcr in Krefeld, Karl Wilhelm, wurde es im Jahre 1854 vertont. Nur allmählich wurde das Lied bekannte Zuerst wurde es von einer größeren Sängerschar in Kiesels an, 11. Juli 1863 gesungen. Es geriet jedoch fast in Per« gessenheit, und erst 1870, in der Begeisterung über die deutschen Siege fand es seine Stellung als Nationalhymne, die es bis heute unbestritten behauptete, soweit kriegsbegeisterte Patrioten in Frage kommen. Der Komponist Karl Wilhelist jedoch war ein Sonderling, Bis 1863 verblieb er in Krefeldi Nach Niederlegung seiner Stellung zog er nach Schmalkalden zu seiner alten Mutter, bei der als menschenscheuer Pessimist lebte. Selbst der Siegeszuq seiner Melodie durch die deutschen Gaue vermochte ihn nicht zn ersreuen. Die Begeisterung für den Komponisten war wohl zu überschwenglich, um in deni so zurückgezogenen Wilhelm nicht Mißtrauen undj Verbitterung zu erwecken. Im November 1870 kostete er dennoch seinen Triumph ans. Er wurde nach Berlin eingeladen und erhielt eine Audienz bei Hofe, um dann ins Zirkus Renz am 20. November 1870 zum letzten Male seinü eigene Schöpfung zu dirigieren. Durch Bismarcks Vermittelung erhielt Karl Wilhelm eine jährliche Dotation von 300Q Mark aus der Nationalspendc. Er starb jedoch bereits ans 26. August 1873 in Schmalkalden.
Nach dem 70er Kriege wurde die „Wacht am Rhein" bis zum Ueberdruß gesungen, gespielt und gepfiffen, so daß dis Melodie schließlich ein Schrecken aller derjenigen wurde, ^>ie ein feineres musikalisches Empfinden besitzen. Damals wav cs auch, als der bekannte Frankfurter Dichter durch das ewige! Wacht am Rhein-Gedudel zu folgenden Versen veranlaßt wurde:
Die Wacht am Rhei, — nlcrr hat kää Ruh,
Merr heert se alsfort drille.
Merr wisset ja, zum Deiwel zu,
Un ääch um Gotteswille.
Heint Nacht um Zwelf ehrscht schlaf ich ein.
Da stolpern Zwää voriwwer Und drille laut die Wacht am Rhei,
So daß ich usfwach driwwer.
Ich haww' en ääch mein Dank gezollt:
„Ihr Männer ihr, ihr brave!
Wacht ihr am Rhei, so viel derr wollt,
In Frankfurt laßt mich schlafe!"
— Bnbenkrieg. Wie der Krieg überhaupt verrohend toirkt — oft auch bei Leuten, die man als gebildete angesehen hat, so übt er auch auf die Jugend vielfach nachteilig ein. Vor kurzeni wiesen wir bereits einmal darauf hin, daß jetzt bet der Schuljugend die „Kriegsspiele" wieder in Schwung gekommen sind und oft einen bedenklichen Umfang an- nehoien. Die Jungen bewaffnen sich init Holzsäbeln, alten Degen, Spießen und Eisenstangen und gehen damit gegen! einander los. Dabei kann es leicht zu schweren Verletzungen kommen, noch leichter kann das passieren, wenn sich die Buben mit Steinen Wersen, was auch mit zu dem kriegerischen Programm gehört. Die ganze Kriegsspielerei sollten die Eltern energisch bekämpfen nicht nur wegen der Gefahr der Verletzung, sondern auch aus sittlichen Gründen. Es weckt gerade nicht die besten Triebe, wenn die Kinder mit allerlei


