Totpä, wurde z» anderweitiger Verwendung bestimmt. Fllr ihn ist Generalquariicrmeister t>. Stein zum Kommandierenden General des 14. Rcservckorps ernannt. General der Infanterie Graf Kirch- bach, Kommandierender General des 10. Ncfervekorps, wurde ver- k mundet. Für ihn wird General der Infanterie v. Eben Kom- T mandicrcnder General des 10. Ncfervekorps.
Deutsche Angriffe vor Paris.
Rotterdam, 17. Sept. Der Nieuwe Notlerdamsche Courant meldet aus Paris, daß zwischen den jranzösiichen und deutschen Truppen sehr heftig gekämpft werde. Die Denljche» greisen energisch an.
Deutsche Flieger über Paris.
Malmö, 17. Sept. Südwenska Tagblad erfährt ans Paris: Drei deutsche Tauben flogen gestern nachmittag über Paris. Sie wurden von Maschinengewehren bcschoffe», ohne jedoch Schaben zu leiben. Mehrere Personen wurden durch Bombenwürfe lebensgefährlich verletzt, einige sind von Kugeln, die den Fliegern galten, getötet worden. Eine dieser Kugeln fiel gestern in den Hof des schwedischen Gesandtschaftsgebäubes.
Die amerikanische Flotte im Stillen Ozean. Stockholm, 17. Sept. Die Flotte der Bereinigten Staaten im Stillen Ozean ist verstärkt worden «nd ein starkes Geschwader ist nach den Philippinen abgegangen. Diese amerikanische Mahnahme gewinnt, wie die Bossische Zeitung mitteilt, eine groste Bedeutung, da sie zweifellos die Antwort auf Englands Hilferuf an Japan zurUnterdruckung der indischen Aufstandsbewegung darstellt.
Nächtliches Dunkel an Englands Küste.
Malmö, 17. Sept. Dem Südwenska Tagblad zufolge meldete der Kapitän des Dampfers „Konsul Bratt", das; die Lichter an der englischen Küste seit dem 7. September gelöscht seien. Nachtarbeiten an der englischen Küste seien unmöglich, da keine Lichter brennen dürfen.
Deutsche Gefangene in Südafrika.
London, 17. Sept. Daily Telegraph meldet aus Johannesburg: Das Gefangenenlager in Robertsheights wächst täglich. Deutsche und Oesterreicher im Alter von 19 bis 15 Jahren werden aus allen Teilen Südafrikas dort zusammengebracht. Ihre Zahl soll jetzt 4500 betragen.
Französische Liigennachrichicn.
Rom, 17. Sept. Die berüchtigten Blätter des Franzoscntrnsts in Italien bringen aus Konstanz über Lugano Schreckensnachrichten über die Zustände in Deutschland. Das ganze deutsche Volk sei in Hellem Aufruhr gegen die Dynastien. Berlin, München und Leipzig stnd in den Händen des Straßeninobs. Tie deutschen Fürsten ergreifen die Flucht. — Fe mehr Siege die deutschen Truppen erfechten, desto sinnloser wird die Phantasie der schreibenden Feinde Deutschlands.
Aus den portugiesischen Kolonien.
Lisiabon, 17. Sept. Die portugiesische Regierung hat die Truppen ihrer afrikanischen Kolonien in Anbetracht der kriegerischen Verwicklungen, die sich an den Grenzen der portugiesischen Besitzungen sowohl an der Nurdküste wie an der Westküste anspieleil, um 3 000 Mann vermehrt. Tie Truppen sind bereits m, ihren Bcftimmnngs-- ort unterwegs.
Gefährliches Jreudenschicsien.
Chemnitz, 17. Sept. Aus Adorf wird gemeldet: Am Sonntag vormittag 149 Uhr ereignete sich beim Abfeuern von Freudenfchüffen über die letzten Siegesmeldungen auf dem Pfortcnberg ein schwerer Unglücksfall. Beim 5. Schutz fiel die Schützenkanone in Trümmer. Vier Personen wurden verletzt, zum Teil schwer. Zwei der Verletzten haben schwere Beinnmnden davongetragen.
Die Noyaliften Frankreichs wittern Morgenluft.
117. Gens, 15. Sept. Aus Frankreich einlausende Nachrichten berichten über eine fieberhafte Tätigkeit der Geheimagenten der Royalisten lAnhänger des alten französischen Königtumss. Nach der Flucht der Regierung ans Paris wurden maffenhast royaliftische Aufrufe verbreitet, in denen betont wurde: Die Siege der Deuischen seien in erster Linie ans die Stärke des monarchijchen Gedankens in Dcuischland zurückzusühren. (?) Die Proklamationen wurden auch in der Armee verteilt.
Auch der Wechsel in der Pariser Präfektur wird mit dieser Bewegung in Zusammenhang gebracht, weil der bisherige Präfekt von Paris mit dr» Royalisten sympaihisicrie.
Dem Präsidenten Poincare find viele Drohbriefe zugegange». Die Mißstimmung gegen die Regierung wächst »nd läßt neue Veränderungen im französischen Kabinett erwarten.
Arbeiterbewegung.
Tie herrschende Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie bildete den hauptsächlichsten Gegenstand einer Verhandlung, die am 8. September in Berlin zwischen den Zentralvor- ständen der Unternehmer- und Arbeiterorganisationen des HolzgeKerbes stattfand. Der Vorstand des Holzarbeitcrver- bandes. auf dessen Anregung hin die Vorstände zusanimen- gctrcten sind, unterbreitete der Sitzung eine Anzahl von Vorschlägen, wie der Arbeitslosigkeit zu begegnen und auch wie die bestehenden Tarifverträge gegenüber den ungünstigen Zeitumständen zu schützen und hochzuhaltcn seien. Es muh anerkannt werden, dah die Unternchmervcrtreter in gleicher Weise den guten Willen bekundeten, an der Erhaltung und Beschaffung von Arbeitsgelegenheit mitzuwirken, woraus sich alsdann die einstimmige Annahme der nachfolgenden, den örtlichen Vertragsparteien zu unterbreitenden Vorschläge ergab. Die Beschlüsse der Zentralvorständc lauten: a. Zur Linderung der Arbeitslosigkeit.
t. Tic Zentralvorständc richten an di« örtlichen Bcrtrags- partcie» iArbeitgeber wie Arbeitnehmer) das dringende Ersuchen, unverzüglich zu einer Sitzung der örtlichen Vorstände unter Teilnahme der Mitglieder der Schlichtungskommission zusammenzutreten, um di« Frage zu prüfen, auf welche Weise der durch den Krieg erzeugten Notlage der Gewerbsangehörigen, insbesondere der herrschenden Arbeitslosigkeit cutgegenzuwirken ist.
2. Fn erster Linie muß es das Bestreben aller umsichtigen Ver- bandsleitunqcn sein, auf die Schaffung und Erhaltung möglichst dauernder Arbeitsgelegenheit behackst zu sein und zu diesem Zweck auf die Arbeitgeber, ivelckx ihre Betriebe eingeschränkt oder stillgelcgt haben, einzuwirken, soweit als irgend möglich die Tätigkeit ivieder auszunehmen oder fortzusctzen.
3. ES sollten gemeinsame Eingaben oder öffentliche Aufforderungen an die Komniunalbehörden, Bezirksämter sowie an Private gerichtet werden, die Bauten fortzuführen und die hierfür benötigten Tischlerarbeiten. ebenso Wohnungseinrichtungen nsw. tunlichst sofort rn Auftrag zu geben.
4. Dabei sollte zugleich, soweit cs sich nicht um die Erledigung vrmgender Kriegsausträge handelt, die Arbeitszeit in allen Betrieben
einheitlich eingeschränkt werden, um recht viele Arbeitslose ni Arbeit zu bringen. Ob dies« Arbeitszciteinschrünkung in der «form von Feierschichten oder in einer Berkürznng der täglichen Ar- höchstens 0—7 Stunden besteh«» soll, bleibt der örtlichen Verständigung Vorbehalten.
5. Weitere Entlassungen von Arbeitern sollten nicht erfolgen, bevor nicht die Arbeitszeit entsprechend verkürzt wurde.
0. Soweit eilige Austräge fllr die HecresvenvaMmg oder anderer Art vorliegen, sollten anstatt von Ueberstunden möglichst Doppelschichten eingelegt werden.
d) Hochhaltung der Tarifverträge.
7. Durch die vorstehend empfohlene Einschränkung der Arbeitszeit werden die entsprechende» Bestimmungen der bestehenden Tarifverträge nicht berührt. Es muß vielmehr fllr die beiderseitigen Verbandsangehörigen unter allen Umständen der Grundsatz gelten, daß die in jahrelanger opfervvller Arbeit beider Parteien geschaffenen Tarifverträge auch über die Zeit des Krieges hinaus ihre volle Gültiakeit behalten und in jeder Beziehung zu schützen und cinzuhaltcn sind. Das Gewerbe würde selbst am meisten zu leiden haben, wenn sich in der Zukunft die Kämpfe wiederholen mutzten, welche der Herbeiführung unserer heutigen tariflichen Einrichtungen vorausgegangen sind.
8. Zu den Vcrlragsvcrhandlungen, der Kündigung oder Fortsetzung der im nächsten Frühjahr ablausciiben Verträge werden die Zentralverbände Ende Oktober oder in der ersten Novcmberwoche in einer Sitzung Stellung nehmen.
Bekanntlich besteht im Holzgewcrbe der Brauch, daß in erster Linie die Ortsparteien als die verantwortlichen Träger der Tarifverträge anzusehen sind, weshalb cs auch deren Sache ist, die sür den einzelnen Ort matzgebendcn Beschlüffc herbcizuführen. Es darf jedoch erwartet werden, daß sowohl die Arbeitgeber- wie die Ar- beitervcrtrcter sich mit derselben Einmütigkeit, wie es die Zentral- Vorstände getan haben, der gestellten Aufgabe widmen werden, da cs gilt, in umsichtiger Weise der herrschenden Not zu steuern und zugleich sür die Zukunft vorzubauen.
Hessen «nd Nachbargebiete.
Gießen «nd Umgebung.
Die Drei.
Am Walde bei St. Quentin da brüllte die Schlacht,
Da kämpften drei Nationen bis an die sinkende Nacht. Franzosen und Engländer stritten da vereint In Hatz und Wut gegen den deutschen Feind.
Die Kugeln pfiffen über das weite Feld:
Da sank in das Gras mancher junge Held.
Am Walde bei St. Quentin da lagen ihrer drei:
Ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher dabei.
Die Sonne sank: da haben sie's gewutzt:
Sic hatten alle drei den Tod in der Brust.
Aus breiten Wunden strömte das junge Blut:
Ta starb in den Adern auch der Hatz und die Wut.
Ta rückten die drei zusammen und schlossen Hand in Hand: Die bleichen Lippen hauchten: „Ade, lieb Vaterland!" „Wir haben uns geschlagen, getreu bis in den Tob:
Laßt uns als Brüder sterben beim letzten Abendrot."
Sie sahen sich ins Auge und sanken tot zurück:
Um ihre Stirne glänzte der letzte Sonnenblick.
Am Walde bei St. Quentin da lagen ihrer drei:
Ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher dabei.
So hat man sic gefunden, so senkte man sie hinab Mit festgeschloss'nen Händen in das gemeinsame Grab.
Jürgen Brand.
Gerüchte.
Hermann Friedcmann sagt im März folgende beachtenswerte Worte: Schlimmer als alles find die G erlichte.
Sic sind überall. Sie roachfen aus dem Boden und fall«,, aus der Luft. Sie fchiageu eiuem wie Tanipf entgegen in der ewig siedenden Straße. Morde, Äniegserkläenngen, Verhaftnnaeu, Greuel- tatcn. Altes wird leidenschaftlich geglaubt. Tie Fernsprecher schnurren und schrillen,, auf der Straße wird es zum ParoxyS-mus ...
Vielleicht ist es aussichtslos, sich der Flut entgcgrnzuwcrfen. Wir sollen es dennoch versuchen. Feder, den, es noch möglich ist, mit dem gedruckten Wort zu Menschen zu reden. Bis wir di« Feder sort- wcrfen, ist dies unser Posten und nufere Pflicht.
Seid schwergläubig! Freut euch der guten Nachricht, aber mißtraut allem, was grell ist und ungeheuerlich! Verschließt euch der Sensationsnachricht: sie ist immer falsch: haltet euch, wenn das gleiche Gerücht in verschiedenen Formen oustancht, an die bescheidenste Fassung: sie ist die n-ahrste. Glaubt den gednicktcn Erzählungen, von wem sie auch kommen, nicht vor der dritten Bestätigung! Seid leidenschaftlich kalt . . .
Aber kämpfen werden wir wider das Ungetüm ans Papierdrcck und Feuer, das von der Auspeitschung des Wahnsinns lebt. Wider Gespenster und Ungeheuer. Wenn wir ihnen nicht Widerstand leisten, dann starrt uns das grinsende Schrecknis an. Ward nicht am ersten Kriegstag berichtet, Franzosen hätten versucht, mit Cholcrabakterien die Brunnen z» vergiften? Ti« Nachricht war falsch: aber wer liest di« Richtigstellung? Seid dreimal unipanzcrt wvder die eigene Phanbafic! Hütet euch vor den Nacht- acspenstcrn: euer Glaube macht sic zur Wirklichkeit. Ter giftige Hatz, den sie euch einslüsiern, ist kein guter Zorn, er kann uns nicht helfen. Aber sein« Saat geht in Feindeslamd auf: und unser« Soldaten, milsere Verwundeten oder Gefangenen werben es büßen. Denkt daran!
Wir führen Krieg . . . Nur vor dem eigenen Bewußtsein können und wollen wir nicht alles, was uns bis heute menfchen- wllrdig schien, de» Stolz unserer Erkenntnis, oerleugn«». Ein Bezirk in unserem Innern muß unbestechlich bleiben, wissend und schonungslos klar. Denn von hier aus wird unser Nervensystem regiert.
Weh uns, tvcnn diese me»,schlich hell« Instanz versagt! Es werden auch ohne Nachhilfe der Greuel genug gesck-ehen: die Wut wird keines Schürens bedürfen. Wir aber vergessen nicht, daß auch in diesem Kriege die Welt nicht untergeht und daß wir sür die kommenden Tage ein Menschentum auszusparcn habe». Es ist so unendlich leicht, den Wahnsinn zu rufen, wie es schiver ist, ihm Halt zu gebieten.
— Falsche Liebesgaben-Sammler. Vom Gr. Polizei- anit wird uns folgender Vorfall mitgeteilt: Einige Schüler, darunter auch solche von auswärts, in der Uniform der Jugendwchr, haben schon seit einiger Zeit den Namen des Noten Kreuzes mißbraucht, indem sie in hiesigen Geschäften sich als Beauftragte des Roten Kreuzes ausgaben und erklärten, sie sollten Liebesgaben für das Rote Kreuz ein- sanuneln. Trotzdem sie keine Legitimation besaßen, wurde ihnen in vielen Gcsel>äftcn Kaffee, Tee, Schokolade und dcrgl. verabfolgt. Tic ausgeschwindelten Waren boten die Burschen in anderen Geschäften zum Verkauf an mit dem Vorgeben, das Rote. Kreuz brauche Geld zur Beschasfting von Betten und müsse deshalb andere Liebesgaben verkaufen. Auch dieser Schwindel gelang ihnen, das für die Waren erhaltene Geld haben die Jungen unter sich geteilt und vernascht. — - Die Leitung des Roten Kreuzes teilt mit, daß sie Liebesgaben in Naturalien durch Beauftragte nicht habe einsammeln, ebensowenig eingegangene Liebesgaben habe verkaufen lassen. Es wird deshalb davor gewarnt, an angeblich Beauftragte des Roten Kreuzes, die sich nicht durch einen vom Vorsitzenden unterschriebenen und mit dem Stempel des
Zweigvereins versehenen Ausweis legitimieren können!, irgendwelche Gaben in Naturalien oder Geld zu geben.
— Tote des Gicßcner Regiments. Als gefallen werdeift weiter folgende Angehörige des Regiments 116 gemeldet^ Rcserveleutnant Dr. Ernst Keller, Oberlehrer in! Gießen. — Reservist Heinrich Bindewald aus Groß« Felda. — Vizeseldwebel der Reserve Philipp Guntrum^ Lehramtsassessor in Alsfeld.
— Obstversteigcrung des Kreises. Die diesjährige Obst« ernte an den Kreisstraßen wird in den Tagen vom 23. Sep« tember bis 28. September versteigert. Zusammenkunft ist) immer in den betreffenden Bezirken.
— Verwendung von Gcwcrkschastsräumen sür Kriegszwecke. Ein aus dem Kriege zurückgekehrtcr Dresdner Hertz teilt der Dresdener Volksztg. mit, daß auch das Metallarbeit e r h e i in des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Stuttgart für Lazarettzwecke verwendet wird? Er schreibt ». a.: „Ich war als Verwundeter im Stuttgarter Metall»! arbeiterheim ausgenommen worden. Es ist ein Schmuckkast-i lein. In jedem Zimmer sind nur 1 bis 2 Betten. Alles ist mit Linoleum belegt. Im ganzen waren 136 Verwundete! darin untergebracht, ohne das dazu gehörige Pflegepersonals Die Behandlung, die Verpflegung nsw. waren erstklassig^ Die Hausverwaltung hatte den Verwundeten sämtliche Neben« räume, als Lesezimmer, Erfrischungsräume usw. zur Veri fllgung gestellt. Wir waren alle auf das beste aufgehoben.^
— Einen Feldpostbrief aus Ostpreußen von einem Parte!« geiiossen veröffentlicht die Leipz. Volksztg. Es heißt in dem von, 9. September datierten Briefe:
„Habe Euch schon manchen Brief geschrieben, aber unter solchen: Umständen, wie diesen, noch keinen. Seit 4 Nhr früh unaushör-: licher Kanonendonner und seit '/-6 Uhr marschieren wir dem Donner! entgegen. Fetzt liege» wir in Kompagnickolonncn in Bereitschaft znm Eingreifen und hier finde ich diesen Augenblick, um Dir die! Zeile» zu schreiben. Meine Gedanken stnd bei Euch, bei meinem Kindern. Es ist leicht möglich, daß es meine letzten Gedanken sind. Es ist niittags 12 Uhr. Einige Kilometer vor mir liegt unsre Artillerie, die ihr mörderisches Schnellfeuer aus den Gegner losläßt. Schon lange lodern die Feucrsäulcn brennender Städte und Dörfer empor und Hunderte von weißen Wölkchen schmücken am Horizont den blauen Himmel. Es sind Zeichen der krepierten Granaten. Das Jnfantericfeuer ist vor dem furchtbaren Tonneri der Geschütze kaum vernehmbar. Was wird nun der Abend oder der morgige oder übermorgige Tag bringen?, fo fliegen mir ab- nnd zu die Gedanken durch den Kops, denke an meine Lieben zu, Hause und dabei geht es immer wieder vorwärts.
Ich liege jetzt 50 Kilometer hinter .... nach .... zu, von! wo ich Euch die letzte Karte geschrieben hatte. Von den Ber« Wüstungen, welche die Russen hier angcrichtct haben, könnt Ihr Euch keinen Begriff inachen. Die Dörfer, ungefähr 3 Kilometer hinter .... sind vollständig zusammcngebrannt und ausgeraubt. Einwohner hingeschlachtet. Angen ausgestochen, Nasen abgeschnittcn, teilweise auch der Leib ausgeschnitten, liegen sie am Wege im Dorf und hauptsächlich in der Kirche, wo sich die Bewohner in ihrer! Angst hingefliichtct hatten.
Bekam eben eine Kohlrübe von einem Kameraden hingeworfenl die ich mir sofort geschält und gegessen habe. Hat mir ausgezcichnev geschmeckt, zunial wenn inan bedenkt, daß ich seit gestern mittag, wo! ich mir von einem Kameraden ein paar Konserven geben ließ, außer einigem Feldzwieback, nichts weiter gegessen habe. Da heißt estz lerne leiben ohne zu klagen. Dabei mußt Du bedenken, daß 30 Kilometer Marsch der Durchschnitt ist. Der Tornister wiegt durchschnittlich 50 Pfund, Lcderzug mit Patronentaschen 32 Pfund, dass Gewehr &Vt Pfund, sind insgesamt 90 Pfund.
Das den ganzen Tag zu schleppen, will etwas heißen. Und dazu die große Hitze! — Doch zurück wo ich war. Unter diesen Ermordeten befinden sich Männer, Frauen und Kinder. Nichts hat diese Räuberbande verschont. Die Leichen liegen, wie schon bemerkt, alle noch da, obgleich dieses Morden seit de» 29. August vor sich gegangen ist. Auch manches griinbekränztc Grab steht man, wo! ein ober mehrere Kameraden begrabe» sind. Kohlschwarz sehen bitz Gesichter, daran die Krähen herumhacken. Ab und zu weht ein Pcstwind um uns und macht uns aufmerksam, daß wieder tote Menschen und Tiere am Wege liege». — Auch Tiere haben diese Banden in Hülle und Fülle totgeschlagen. Das Vieh f.Kllhe, Pferde und Schweine) läuft hier in Herden bis fast zu hundert auf der Weide herum.
Das heißt also Krica. — Manchmal hat man darüber gesprochen und schon beim Worte selbst zitterte man, wenn man sich halbwegs hineinbachtc. Fetzt stehe ich mitten drin und cs ist schlimmer, als wie cs sich die kühnste Phantasie auszudenken vermag. Der ganze Umstand ist der, daß man sich nach und nach an solche Anblicke gewöhnt, ebenso — wie Du bei dem Worte Krieg nicht mehr erschrecken wirst wie früher. Nur Sieg ist die Losung! Und das ist auch meine Losung. Fetzt gibt es kein Zagen, die beste Waffe ist hier der Hieb.! Und da cs nun so sein muß. ist mir mein Vaterland mit meinen: Lieben zu Hause doch das liebste, und die kann ich am ehesten Wiedersehen, wenn wir sieacn. Und darum werde ich kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Mit schwerem Herzen und Tränen im Auge schreibe ich cs nieder, aber es ist mir eine Erleichterung. . . ."
— Erfolg städtischer Viehweiden. Fm Amtsblatt der Wies« babcner Landwirtschaftskammer berichtet der Domänenpächter Schneider von Hof K I c e b e r g im Westerwald über erfolgreiche Auftriebsversuche mit Magervieh auf die Fettweide durch die Stadt Frankfurt. Die Stadt Frankfurt hat eine größere Zahl Magervieh »ach Halbs auf die Fettweide geschickt. Am 17. August wurden 20 städtische Rinder aus Veranlassung des städtischen Verkehrsamtes an den Frankfurter Schlachtvichhof geschickt, da infolge der Mobilmachung der Viehzutricb gering war und die Preise in die Höhe schnellten. Ans der Gcwichtstabclle der einzelnen Tiere ist zu entnehmen, daß Gewichtszunahnien von 134 bis 256 Pfund zu konstatieren waren, und bas nach dreimonatiger Weide. Die Tiere befanden sich beim Abtrieb in schlachtreifem Zustand: über die Hälfte hatte bereits den höchsten Mastgrad erreicht und war für den Ladenverkauf nach dem Geschmack der Metzger schon zu fett. Schon bei der Besichtigung am 25. Juli äußerte Schlachthofinspektor Keßler-Frankfurt, daß es Zeit sei, mindestens die Hälfte der Tiere zu schlachten, weil sie sonst zu fett würden. Der Pächter Schneider behauptet, daß das erzielte Resultat in Konkurrenz mit den besten Marschwcidcn Holsteins acstellt werde» könne. Es wäre möglich gewesen, bei einer fünf- bis sechsmonatigen Weidcperiode Lcbcnd- gewichtszunahmen pro Tier von 300 bis 400 Pfund zu erreichen. Ein so glänzendes Resultat war nicht erwartet worden. Der Vorsitzende des Deutschen Viehhändlerbundcs, Daniel aus Dierdorf, mußte in ber Vichhändlerprcsse erklären, daß er gerne Gelegenheit nähme, von den früheren ungünstigen Urteilen über das Unternehmen öffentlich vieles zurückzunehmen.
Krieg und Steuern. Unter dieser Ueberfchrift teilte die Franks. Zeitung am 20. August aus Darmstadt mit, daß das Ministerium der Finanzen angeordnet habe, die Steuerveranlagung für daS Steucrjahr 1915 vorerst nicht vorzunehmen. Auch sollen die Finanzämter angewiesen sein, Berufungen gegen die Steuerveranlagung solcher Steuerpflichtigen, die zur Fahne cinberusen wurden, von amiswegcn aufzunehmen und die Berufungen möglichst noch zu entscheiden. So weit, so gut. Doch sind wir der Meinung, das Ministerium Hütte noch einen Schritt weiter gehen und auch der durch den Krieg erwerbslos Gewordenen gedenken sollen. Die Arbeitslosen, deren Zahl sich in die Tausende beläuft, stnd ebenso hart, wenn nicht noch härter, durch den Kriegszustand betroffen. Es wäre deshalb sehr angebracht, wenn unser Finanz« Ministerium die Finanzämter anweisen würde, auch die Be-


