Ausgabe 
16.9.1914
 
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rechtSschänder, sobald sie gefangen werden, nicht als Soldaten, son­dern als Verbrecher zu behandeln.

Von großem Interesse ist anch der Bericht des Kricgsbericht- «rstatters des Ber!, Tageblatt Paul Binder von den, ostclbischen Krieg-'schauplatz Darin wird unter anderem auch geschildert, was die seht heimatlosen Ostpreußen von den Kosaken zu erleiden halten, Einen Pfarrer erschossen die Russen nur, weil er nicht wußte, ob deutsch«-' Militär in der Nähe sei, Ten besten Weizen warfen sic ihren Pferden gehäuft vor, Tann zeigten sic aus die Trauringe und limt diese nicht schnell genug abgezogen wurden, machte sie eine Be­dang, als ob sie die Hände abhacke,, würden,

^Tic russische Darstellung der russischen Niederlage in Ostpreußen.

Berlin, 14. Sept. Nach einer Meldung des Berl, Lokal- anzcigers gibt eine amtliche russische Meldung den Rückzug der Russen in Ostpreußen zu. Sie besagt: Am 10. September wurde eine überwältigende Bewegung der deutschen Truppen gegen den linken Flügel der Arniee des Generals Rcnnen- kampf bekannt. Diese Bewegung veranlaßte die Russen, sich zurückzuziehcn. Im ersten Augenblick unternahmen die Russen zur Beseitigung der deutschen Offensive aktive Ope­rationen, aber dann stellte sich heraus, daß sic sich einem über- mächtigen Gegner gegenüber befanden; an jener Front dauert

der Kampf an.

Keine französischen Meldungen mehr über die Schlacht bei Paris.

Rotterdam, IS, Sept. Seit gestern ist in Paris jegliche Meldung aus dem Hauptquartier unterblieben, während sonst zwei­mal täglich mehr oder weniger aussiihrlichc Hauptgnarticr- mcldnngcn verösfcntlicht wurden, Reuter und Havas erklären dies dadurch, daß der Gcneralstab zu sehr beschäftigt sei.

Ter Ausfall der Antwerpcner Garnison zurückgcschlatgen.

Rotterdam, 15. Sept. Eine amtliche belgische Mitteilung besagt, daß die belgische Antwerpcner Armee sich nach vier­tägigen teilwcisen Kämpfen vor der Urbcrmacht des Gegners auf Antwerpen zurückgezogen habe. Tic Verluste seien un­beträchtlich gewesen, doch sei der Kampf mit größter Erbitte­

rung geführt worden.

Russische Amnrtruppcn,

Berlin, 15, Sept. In einem Lazarett des preußische» Ostens wurden unlängst russische Kriegsgefangene cingeliefcrt, die durch ihre Schlitzaugen und das sonstige unverkennbare mongolische Aus­sehen auffielen. Aus Befragen nach ihrer Herkunft teilten sie mit, baß sie vom Amur stammten und schon im Frühjahr nach der russischen Grenze transportiert worden seien. Diese Erscheinung bestätigt nicht nur, daß Rußland den Plan des Angriffs gegen uns schon seit lange» Monaten vorbereitet hatte und zum Kriege un­bedingt entschlossen war, sondern auch wie zeitig zwischen Rußland, England und Japan das ganze Spiel abgekartet war. Tenn ohne entsprechende Zusicherungen Japans hätte Rußland nicht wagen können, Amurtruppc» aus Ostasien an seine europäische Wcstgrcnze zu werfen.

Die englischen Verluste,

Rotterdam, 15. Sept, Bis zun, 7. September betrugen die Verluste der englischen Armee in Frankreich und Belgien nach An­gabe des Hauptgarticrs an Offizieren: 73 getötet, 225 verwundet und 291 vermißt, an Soldaten: 273 getötet, 1571 verwundet und 16 296 vermißt.

Wieder ein gefallener Abgeordneter,

Budapest, 15, Sept, Ter Abgeordnete Tr Ernst Dahinten, Mitglied der Mehrhcitspartci, Vertreter de-s sächsischen Wahlbezirks Siebenbürgen, der als Honvcdleutnant auf dem südlichen Kriegs- ichauplatz gcfochtcu hat, ist verwundet worden und gestorben, Ministerpräsident Graf Tisza widmete dem ersten gefallenen ungarischen Abgeordneten der liberalen Parteigruppe einen warmen Nachruf,

Am Vorabend des mexikanischen Krieges.

Newyork, 15. Sept. Villa verlangte energisch, Carranza solle die Vereinigten Staaten auffordern, Veracrnz zu räumen. Carranza verhandelt darüber mit Wilsons Ver­treter. Die bereits gemeldeten Unruhen im Staate Pncbla sind offenbar ernst.

Frankreichs finanzieller Ruin vor der Tür.

Berlin, 15. Sept, Rach der Voff. Ztg, verschärft sich die finanzielle Lage Frankreichs unheimlich schnell zu einer Zahlungs­krisis, Rach Pariser Informationen werden die Coupons der Pariser Stadtanleihe und die Psandbricsc des Oreäit loncier nicht bezahlt. Tics ist um so schwerwiegender, als beide Wertpapiere bisher als das Ideal der Vcrmögensanlage besonders für die kleine» Sparer galten. Die Regierung macht die größten An- ftrcngnngen, um einzelne große sranzösiichc Banken zu halten, deren Schwierigkeiten bereits ein offenes Geheimnis sind, Tic Ein­zahlungen aus die im Juli heransgebcnc neue 3'/-prozcntigc An­leihe gehen unter diesen Umständen nnr in ganz geringen Be­trägen ein,

Englands Furcht vor einer osfenen Seeschlacht,

IV, B. London, 15. Sept, Tic Times schreiben in einem Leit­artikel vom 12, September: Admiral Fcllicc leistet dem britischen Reiche einen unvergleichlichen Dienst, indem er die deutsche Flotte von der Nordsee sernhält. Eine große Seeschlacht zwischen der eng­lischen und deutschen Flotte könnte genau die Lage hcrbcisührc», welche die Einleitung des deutschen Floitcngcseßes vom Fahre 1996 skizzierte. Wir sd, h, Englands würden siegen, aber der Preis könnte so hoch sein, daß wir auf lange Zeit aushörcn würden, die größte Seemacht zu sein.

Hesieu nnd Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Die Fra,reu und der Krieg.

Die Zeitschrift der amerikanischen Frauenstiininrechr- kerinnen The- WomanZ Journal vom 8. August bringt eine kurze Notiz über den Krieg. Sie erinnert an die furchtbaren Opfer, die der Krieg von allen am Kampfe beteiligten Nationen fordert, Opfer die weit über den Krieg selbst hin­aus fortdauern und schließt mit den Worten:

Laßt uns unser äußerstes tun, um den Tag zu be- schleunigen, an dem die Wünsche der Mütter ihr volles Gewicht in den öffentlichen Angelegenheiten haben, denn wir wissen, daß wir, indem wir das tun, den Tag beschleu­nigen, an dem Kriege nicht mehr sein werden.

Frauen und Friede, beides schien uns zusammcnzuge- hören, untrennbar miteinander verbunden. Wenn erst die Frauen das Wahlrecht besitzen, dann haben wir die stärksten Friedensgarantien. So sagten viele Frauen, und sic glaubten, was sie sagten.

Und doch ist es nicht wahr: das lehrt uns die Zeit, in oer wir leben. Tausende von Frauen haben mit Begeiste- y>8 in den Kriegsruf cingestimmt. Tausende, die selbst ^ohne und Gatten hergeben niußten, ließen sie freudigen ^ovZcns ziehen. Es waren auch nicht nur die reichen Frauen, die sich als Militaristinnen gebärdeten, bis weit in den Mittelstand, ja bis hin zu der Arbeiterklasse reichte der plötz­

lich erwachte Nationalismus. Deutschland war bedroht, da wurde alles, was man bis dahin gelehrt hatte von Völker- friede, von der Kulturmission der modernen Staaten, ver­gessen. Die Mobilisation warf alles über den Haufen. In dem Klirren der Waffen, unter den Schritten der ausrllcken- dcn Soldaten erstarb der Ruf nach dem Frieden.

Das würde nicht anders sein, wenn die Frauen das Wahlrecht hätten. Auch sic wären machtlos gegen die Waffen­politik eines Militärstaatcs, genau so wie unsere große starke Partei machtlos war. AIS die Lage sich soweit zugespitzt hatte, daß nur noch auf den Schlachtfeldern in dem entsetz­lichen Ringen der Völker, die Konflikte ausgetragen werden konnten, da blieb ihr nichts anderes iibrig, als die Mittel zu bewilligen, die das deutsche Heer stark und schlagfertig machen sollten. Eine Verweigerung der Kredite häte die Schwächung der deutschen Waffen und damit die sichere Niederlage be­deutet. Das konnte niemand wollen und niemand verant­worten.

Aber wird nun in aller Ewigkeit damit gerechnet werden müssen, daß Kriege die Kulturarbeit der Völker immer wie- der vernichten? Wenn ein Volk in all seinen Gliedern den Frieden will, so wird es vor allein ernst an sich selbst arbeiten müssen. Es darf nicht dulden, daß chauvinistische Instinkte zum Ausbruch kommen, es muß versuchen, jede unberechtigte-, die Angehörigen der anderen Staaten verhetzende Groß­mäuligkeit zu bekämpfen. Es muß lernen, die eigenen Fehler nnd Schwächen erkennen. Das kann nur ein Volk, das durch und durch demokratisch ist, und davon sind wir in Deutsch­land leider noch weit entfernt. Wir haben eine starke junker­liche Schicht, aber anch unser Bürgertum, ja selbst große Teile der Arbeiterschaft können nicht als demokratisch angesprochen werden. Das wird noch lange Zeit hinaus so bleiben, wenn nicht eine intensive Erziehungsarbeit einsetzt. Hier ist nicht die Schulung durch die Partei gemeint, sondern die systema­tische Erziehung durch Familie, Schule und öffentliches Leben. Erst wenn mehrere Generationen eine solche Er- zichung zur Demokratie genossen haben, kann sie das Lebens- Prinzip eines Volkes werden, und erst dann darf man den Sieg der Kultur über die Kanonen erwarten.

Was essen wir zur Kricgszeit? Rubner, der große Hygieniker, hat in seinein WerkeVolkscrnührungsfragcn" eine Liste über den Nährwert von Nahrungsmitteln bekannt gegeben, die für uns besonders jetzt zur Kriegszeit von Wert ist. Denn wenn wir jetzt nur über.einen begrenzten Betrag für die Ernährung verfügen, so miissen wir bestrebt sein, mit diesem Betrage wenigstens möglichst viel Nährstoffe für un­seren Körper zu erwerben. Rubner gibt in seiner Liste be­kannt, wie das Verhältnis der einzelnen Nahrungsmittel an Nährwert zu einander ist, wenn man von jeder Sorte für eine Mark erwirbt. Darnach sind die billigsten Nahrungs­mittel Kartoffeln, Erbsen und Sckiwarzbrot. Das billigste Gemüse ist Grünkohl, das billigste Nahrungsmittel aus dem Tierreiche die Milch, das billigste Fleisch der Hering, das billigste Obst die getrockneten Aepfcl. Auch das mindeste Rindfleisch ist ein relativ teures Nahrungsmittel; am billig­sten sind hier die sog. Kuttclflccke. Die Tabelle unterlieg! natürlich gewissen Schwankungen durch Ort, Zeit, Zutaten usw. Immerhin vermag sie uns einen Ueberblick darüber zu geben, was uns für unser Geld die meiste Nahrung bietet. In dem Werke ist auch besonders für die jetzige Zeit die Fest­stellung interessant, daß die Margarine nach G. Abel? Untersuchungen ein Speisefett ist, das der Butter nicht nur nicht nachsteht, sondern sie sogar in gewissem Sinne übertrifft, wenn sie aus dem Fett frisch geschlachteter Tiere hcrgcstellt wird. Das sollte eigentlich zu einer genauen staatlichen Kon­trolle der Margarine-Fabriken zwingen. Mit einem Kilo- gramm Margarine kauft man etwa 880 Gr. Fett, mit einem Kilogramm Butter 840 Gr. Fett, Ein Nahrnngs- und Ge- nußmittel, das noch viel zu wenig Beachtung findet, ist der Kakao. Er ist nämlich eins unserer wichtigsten Nahrungs­mittel. Er konimt dem Nährwert des Fleisches gleich oder übcrtrifft ihn. Der Kakao enthält im Durchschnitt 18 bis 19 % Eiweiß, 26 bis 31 % Fett und 28 bis 34 % Kohle- Hydrate, also alle in Betracht kommenden Nährstoffe. Dazu ist im Kakao Eisen, der wichtigste aller Mineralstoffe, relativ reichlich vorhanden. Darum verdient auch der Kakao jetzt zur Kricgszeit die ihm gebührende Beachtung.

Noch keine Unterstützung. Von vielen Landorten wird Klage geführt, daß die Frauen der Kriegsteilnehmer noch keinen Pfennig Unterstützung erhalten haben, obwohl sich die Männer schon 56 Wochen bei den Fahnen befinden. Auch wiederholte Beschwerden bei den betreffenden Bürger­meistern hatten keinen Erfolg, cs wurde den Frauen einfach erklärt, es sei kein Geld da, oder es sei noch nichts angewiesen: in einzelnen Fällen hieß es auch, es gäbe keine Unterstützung. Viele Familien befinden sich infolgedessen in größter Not- läge. Da werden Gelder in Masse gesammelt, man preist die Opserwilligkcit des Volkes in allen Tonarten, aber die Angehörigen der Krieger bekommen nichts! Ten Frauen vom Land ist zu raten, sich direkt an das Krcisamt zu wenden.

Es sei bei dieser Gelegenheit noch darauf hingewicsen, daß unter gewissen Uniständen auch Eltern eines gefallenen Kriegers Unterstützung zu beanspruchen haben. B e d ü r f - t i g e Eltern und Großeltern können, wenn ihr Sohn oder Enkel im Kriege gefallen oder an den Folgen einer Verwun­dung gestorben ist, oder an einer sonstigen Kricgsdicnstbe- schädigung vor Ablauf von 10 Jahren nach dem Friedensschluß stirbt, ein Kricgs-Elterngeld erhalten. Es wird aber nur dann gezahlt, wenn der verstorbene Kriegsteilnehmer vor Eintritt in das Feldheer oder nach seiner Entlassung aus diesem zur Zeit seines Todes oder bis zu seiner letzten Krank­heit den Lebensunterhalt der Eltern oder Großeltern ganz oder überwiegend bestritten hat. Das Kricgs-Elterngeld beträgt für den Vater und jeden Großvater, fiir die Mutter und jede Großmutter eines Soldaten der Unterklasse, eines Unterbeamten oder eines Angehörigen der freiwilligen Kriegs- Krankenpflege höchstens 250 Mark.

Tote des Gicsiencr Regiments. Weiter wurden als gefallen vom Jnf.-Regt. 116 sestgestellt: Hauptmann Eduard Mattel; Reservist Heinrich Wagner aus Gießen.

Ein Barackenlager für Gefangene wird gegenwärtig^ auf dem Trieb errichtet. Es werden etwa 100 Holzbaracken hcrgcstellt, die heizbar sein und für etwa 10 000 Mann Raum gewähren sollen. Umfriedigt werden die Baracken mit Stacheldraht.

Brotaufschlag. Wie wir hören, soll der Brotpreis in den näochsten Tagen hcraufgesetzt werden und zwar um 4 Pfg. der Laib. Veranlassung dazu sind die gesteigerten Mehlpreise, die von den Großmühlen bei Beginn der Mobilmachung in unerhörter Weise in die Höhe getrieben wurden und feitbem trotz behördlicher Preisfestsetzungen und trotz der guten Ernte noch nickt aus die frühere Norm hcrabgegnngen sind. Tie Großmühlen haben jetzt goldene Zeit. Das süddeutsche M ü h I e n s y n d i k a t, bei dem dieJllkirchner Mühlen- wcrke" bei Straßburg i. E. die führende Rolle spielen, arbeitet mit solchen Riesenvcrdicnstcn, daß sic in der Lage sind, ihren beiden Direktoren die Kleinigkeit von je 400 000 'Mark Jahrcsgchalt zahlen zu können. Ta jedoch dem süd­deutschen Mühlcnsyndikat die seitherige hohe Rentabilität nicht genügt, so benutzte cs die Zeit vor und während der Mobilmachung und setzte den Preis für den Doppelzentner Weizenmehl von 30 auf 42 Mk. in die Höhe. Die bereits ab- geschlossenen Liefcrungsverträge führte die Gesellschaft, unter Berufung auf die Kriegsklausel, nicht aus. Auch mit Fest­setzung von Höchstpreisen, da sie nur fiir einen engumschriebe- ncn Kreis erlassen wurden, war dem Syndikat nicht bcizu- kommcn. Dieser allgemeinen Gefahr für die Volkscrnährung vorzubeugen, hat die sozialdemokratische Partei in Mainz in Form einer Interpellation bei der Stadtverwaltung die Errichtung einer städtischen Mühle auf genossenschaftlicher Basis, unter Zuziehung von Bäckern, in Anregung gebracht.

Das ist ganz recht, nur dadurch kann jener Beutcpolitik nachdrücklich entgegengewirkt werden, Staatsbehörden und Stadtverwaltungen sollten dabei energisch mithelsen.

Tie hessischen Verlustlisten, Amtlich wird mitqetcilt: Eine Zuschrift aus Hcsicn an das Preußische Kricgsministcrium beklagt sich darüber, daß die hessischen Verluste nicht vcrüsscntlicht würden. Tic Zuschrift beruht auf einem Irrtum, Das hessische Kontingent ist ein Teil der preußischen Armee und seine Verluste werden un­mittelbar nach Eingang der Verlustlisten veröfsentlicht, ebenso wie dies bei anderen preußischen Truppenteilen der Fall ist. Wenn bisher in den Verlustlichcn nur wenige Truppenteile des hessischen Kontingents anfgefiihrt waren, so hat das seinen Grund darin, daß die Truppen ihre Verlustlisten noch nicht fcrtiggcstcllt haben, oder daß die Verbindung zwischen den Truppen und der Heimat unter­brochen war,

Tic Kriegsanleihe. Tie hessische Lanbeshypothekenbank ersucht uns folgende Mahnung zu veröffentlichen. Kapitalisten und Vermögensverwaltungen lombardiert Wert­papiere und zeichnet damit Kriegsanleihe! Kapi­talisten und Vcrniögensvcrwaltungen, die augenblicklich nicht über flüssige Mittel verfügen, können trotzdem größere Betrage auf die Kriegsanleihe des Reichs zeichnen. Tie Besitzer von Wertpapieren können sich nämlich die Mittel zur Zeichnung auf die neue Anleihe durch Verpfändung eines Teiles dieser Papiere bei den Kriegs- darlchenskassen sReichsbankanstalteni beschaffe» Ter Lombard- Zinssatz ist für diesen Zweck auf 6 Prozent ermäßigt worden, Tie neuen Schatzanwcisunge» und die neue Rcichsaulcihc rentieren nach Bcrcchnnngcn der Fachpresse durchschnittlich etwa zu 5'/- Prozent, Tic Zeichner müßten also vorläufig einen Zinsverlust von etwa j% Prozent auf sich nehmen. Dem steht aber die Möglichkeit eines erheblichen Kursgewinns bei günstigem Ausgang des Kriegs gegcn- iibcr. Aber selbst wenn die lombardierten Effekten demnächst mit einem erheblichen Kursvcrlust verkauft werden müßten, so würde dieser Verlust voraussichtlich dadurch ausgeglichen, daß an Stelle von 3/* Prozent oder 4 Prozent Papieren 5 Prozent Rcichsanleihe eventuell mit Riickzahlungsgewinn treten würde. Wenn z, B, 190 090 Mk, 4 Prozent Papiere, die zuletzt mit 96 Prozent notiert waren, zu 90 Prozent verkauft werden müßten, so wäre der Erlös 90 000 Mk, und cs würden jährlich 4000 Mk, Zinsen Wegfällen. Es ist dabei also mit einem sehr erheblichen Kursrückgang gerechnet. Wenn siir diese baren 90 000 Mk, 5 Prozent Rcichsanleihe zu 97,50 gezeichnet würden, dann könnten nominell 92 300 Mk, bezogen wer­den, die sich jährlich mit 4615 Mk, verzinsen würben. Es würde also ein jährlicher Zinsgcwinn von 615 Mk, zur Verfügung stehen. Die Frist zur Zeichnung läuft mit dem 19, September ab,

Tic beteiligten Kreise werden darauf aufmerksam gemacht, daß auch die städtische Sparkasse Zcichnungsstcllc siir die Kriegs­anleihe ist,

Kricgsspendcn von Lehrcrvcrcinen, Kürzlich berichteten wir über die KricgSspende des Deutschen Lehrervcrcins, Nun treten auch seine Zweigvereine mit namhaften Summen hervor: Ter

Sächsische Lchrcrvcrein mit vorläufig 60 000 Mark teils zur Ilntcr- stiitzung der Familien von Kriegsteilnehmern, teils zur Linderung der Not, die durch Arbeitslosigkeit entsteht, teils für Lehrerfamilicn, deren Ernährer auf dem Schlachtselde gefallen oder durch den Krieg dienstunfähig geworden sind, Ter Lchrcrvcrein Hannover-Lindeu bewilligte als erste ,KricgSspende 12 MO Mark, der Münchener Lchrcrvcrein 10 000 Mark, der Bayerische Volksschullehrervercin 10 000 Mark, der Dresdener Lchrcrvcrein MOO Mark, nnd viele kleinere Lchrcrvercine stellte» 10003000 Mark fiir Kriegszwecke zur Verfügung.

Das Turnen der Schuljugend, Da? Großh. Ministerium de? Innern, Abteilung für Schulangelegcnhcilen, hat an die unter­stellten Großh, Direktionen, die Leiter der höheren Bürgerschulen und an die Großh. Krcisschulkommissionen folgendes Ausschrcibcn ergehen lassen:Um den übrigen Unterricht während des Krieges aufrecht zu erhalten, ist cs vielfach nötig gewesen neben den andere» technischen Fächern den Turnunterricht einzuschränken oder ganz ausfallcn zu lassen, Ter Ernst der Zeit fordert aber neben einem geregelten Unterrichtsbetrieb in erhöhtem Maße die körper­liche Ausbildung der männlichen Fugend durch Turnen und Spielen. Bei dem Mangel an Lehrkräften werden die Turnvereine des Landes auf Ansordern gewiß bereit fein, hier helfend einzu- grcifen. Wir empfehlen Ihnen daher, im Benehmen mit den am Schnlort bcstcheudcn Turnvereinen alsbald die zur Durchführung erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Hierbei ist davon auszu- gche», das; die Beteiligung der Schüler, soweit sic sich nicht im Rahmen der üblichen Untcrrichtsstundcnzahl hält, eine freiwillige sein soll, daß aber die Schule mit allem Nachdruck auf eine all­gemeine und regelmäßige Beteiligung hinwirkt. Wegen der gleich­zeitig durch Durchführung gelangenden Maßnahmen zur mili- tärijchen Vorbereitung der Jugend lvergl, Tarmstädtcr Zeitung Nr. 211) kommen siir den vorliegenden Zweck in der Regel nur die Schüler bis zum 15, Lebensjahr einschließlich in Betracht, Ter Großh. Landesturninspektor ist angewiesen, sich mit Ihnen, ins­besondere den Großh, Kreisschnlkommissionen wegen der Durch­führung in Verbindung zu setzen. Tic Großh, Krcisschul- kommisfionen wollen die Ortsschulvorstänbe alsbald mit Anweisung versehen."

Fiir notleidende Patentinhaber hat der deutsche Bundesrat folgende KricgSerleichtcrnnge» in Kraft treten lassen: S 1. Das

Patentamt kann bis auf weiteres einem Patentinhaber, der infolge dek- Krieges außerstand gesetzt worden ist. die noch § 8 Abs, 2 des Patentgesetzes vom 7, dlpril 1891 fällige Fahresgebiihr zu zahlen, auf Antrag die Gebühr bis zum Ablauf von längstens neun Mo­naten vom Beginn« des laufenden Patentjahrcs an st u n d c n und die Zuschlagsgcbiihr <8 8 Abs, 3 a, a, L,s erlassen, Tic Entscheidung des Patentamtes ist unanfechtbar, 8 - Für Patente, die am 31, Juli 1914 noch nicht erloschen ivaretl, ist di« SNindung auch dann