Ausgabe 
16.9.1914
 
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Die Kämpfe um Lemberg.

WB. Berlin, 14. Scpt. Ans dem österreichischen Kriegs- pressequartier meldet der Kriegsberichterstatter des Berl. Tageb!. über die Ruhepause »ach der Lemberger Schlacht unter dem 14. Septcniber: Nachdem die österreichisch-unga­rische Hauptarmee und die beiden Seitenflügel Anffenbcrg und Tank! die Ablösung dom Gegner glücklich vollzogen hatten, marschierten sic in voller Ordnung und unter Mit- nähme von 10 000 Gesungenen und 80 Geschützen ab. Trotz der gewaltigen Ucbcrniacht vermochte sie der Gegner nicht nennenswert zu beunruhigen. Die österreichisch-ungarischen Truppen nahmen das Bewußtsein eines relativen Erfolges mit, der einen mitbcstiinincnden Faktor für die spätere end- gültige Entscheidung bedeutet. Tie Truppen sind trotz der dreiwöchigen enormen Strapazen und Verluste und trotz der unerwartet gekommenen Wendung guten Muts und blicken lonimcnden Ereignissen mit Zuversicht entgegen. Das bisher schöne und sonnige Wetter ist in kaltes Hcrbstwettcr nnige- schlagen.

Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt zu diesen Vorgängen:

Tie eingehenden Mitteilungen des Kriegsberichterstat­ters des Morgen über die Schlacht bei Lemberg bekräftigen den Eindruck, den der amtliche Bericht des österreichisch- ungarischen Generalstabcs hintcrließ. Lediglich strategische Rücksicht vcranlaßte den Befehl, die Truppen in eine Stel­lung zurückzunehmen, in der die Vorbereitungen für die weiteren Operationen getroffen werden können. Dieser An­ordnung war kein Mißerfolg vorangegangen. Sie wurde im Gegenteil angcordnet, nachücui ein wichtiger Teilerfolg er­rungen war. Die große Uebermacht des Feindes in Ver­bindung mit der Uebcrmüdung der seit Wochen im Kampfe stehenden österreichisch-ungarischen Soldaten machte es un- möglich, auf der ganzen weit ausgedehnten Schlachtlinie die einzelnen Armeen vor der Gefahr von bedenklichen Ilanken- stößcn zu sichern, die ein gleichmäßiges Fortschreitcn der Ope­rationen gewährleisten. Nach berühirtcm Muster dürften die Russen mit bekannter Wahrheitsliebe die Kunde von einem gewaltigen Siege in die Welt hinausgesandt haben. Das ändert an der unumstößlichen Tatsache nicht das ge­ringste, daß das österreichisch-ungarische Heer aus übermäßig schwierigen Kämpfen ungeschlagen hervorgegaugen und sich zu neuen Unternehmungen bereit hält. Ter heldenmütige Kricgsgeist, den es seit Beginn der Auseinandersetzungen m:t dem Feinde so vielfach und in so erhebender Weise bewährt hat, ist ungebrochen. Aus den bisherigen glänzenden Leistungen könne die Erwartung geschöpft werden, daß die österreichisch-ungarischen Heerscharen mit frischer Kraft den Kanipf wieder aufnehmen und unter der hervorragenden Heeresleitung zum endgültigen Siege führen werden. Russische Rulimredercieu.

IV. R. Wien, 14. Scpt. lNichtaiptlich.) Der russische Gcneral- stob hot eine« ausführlichen Bericht über die Kämpfe i» Galizien verbreitet, der von ununterbrochenen Liege» der russischen Truppen gegenüber den österreichisch-ungarischen und deutschen Armee» spricht. Es genügt, die kurzen, aber inhaltsreichen Meldungen des österreichischen Generalstabs diesen umfangreichen Berichten cnt- gegcnzusetzen, worin übrigens die Erfolge der Armeen Tankl und Ausscnberg zugegeben werden, wenn auch die heldenmütigen Rümpfe dieser Armeen als bloße Scharmützel bezeichnet werden. Die Tatsache, daß in diesen Scharmützeln 20 (100 Gefangene gemacht und etwa 200 Geschütze erbeutet worden sind, beweist hinreichend, welchen Anspruch ans Wahrheit die Berichte des russischen General­stabes erheben dürfen.

Wies auf dem Kauipffelde aussieht.

Aus dem östcrrcichifch-ungarischcn Kricgsprcfsequartier wird der Bofl. Ztg. gemeldet:

Am Freitag war es den Pressevertretern zum ersten Male ver­gönnt, in die Gcscchtslinic zu gelangen. In mehreren Automobilen ging die Fahrt zunächst nach einem Städtchen, in dcstcn nächster Aähc gekämpft wird. Tausend Trainsnhrwcrke, Munitions­kolonnen, dampscnde Fcldkiichcn und seitwärts der Straße lagernde Fcldbäckcrcien bezeichnen den Weg. llcbcrall herrscht wunderbare Ordnung. Fm Städtchen selbst ist der Kampflärm deutlich hörbar. Raschfolgcndc Kanoncnschläge, kurze Stille, dann wieder ganze Ausscucrlagcn lasten erkennen, daß der Kamps im vollen Gange ist. Tuch find überall die Geschäfte offen. Tic Kinder spiele» ans der Straße. Nur verbrannte Häuser am Nordrandc der Stadt

Afra ja.

Ein nordischer Roman von Theodor Plügge. 61

Ist denn dies eitle, stolze Mädchen imstande, dich zu be- glücken?" antwortete Marstrand.Ist es nicht eine Puppe der cs bald leid werden wird, dein Schicksal, wie es kommen mag, zu teilen?"

Halt," rief Henrik,jetzt frevelst du!" und plötzlich lvandte er sich gegen das dunkle Gebüsch und fuhr lachend fort:Tritt hervor, süße Hanna, beweise ihm, daß er dich schmäht, ohne dich zu kennen. Da ist sie, sie hat alles ge- hört, aber sie vergibt dir im voraus deine Sünden, und w:e wäre cs möglich, daß du nicht bereuen solltest!"

Bestürzt sah der Funker, wie nahe ihm das Fräulein ge­wesen war, als er sein Urteil über sic füllte, aber seine Vcr- Wirrung vermehrte sich, als sie in fröhlichster Weise darüber scherzte.Ich habe nichts zu vergeben," sagte sic, denn wie hätte Herr Marstrand ein anderes Urteil fällen können, da ich dies durch mein Betragen reichlich verdiente. Es schien mir jedoch das einzige Mittel, mich vor dem Lyngfjord zu bewahren, wenn ich meinem fürchterlichen Schwiegervater zu beweisen suchte, daß ich nicht dafür paßte. Ich bin friih mutterlos geworden, Herr Marstrand, bin in Kopenhagen in einen, Erziehungshause gewesen, habe dann in Hamburg gelebt und soll »un nach einen, Familicnabkommcn, das ich verabscheue, mein Leben in einer Einöde beschließen. Ich will uichtl" rief sie, sich an ihren Geliebten lehnend,ich mag mich nicht verhandeln lassen. Seit meiner Kindheit denke ich mit Grauen an diesen Helgestad, der mir schon damals oft mit der Ehre drohte, welche er nur jetzt antun will. Mein Vater ist gutherzig, er liebt mich, er wird niir verzeihen, allein nichts in der Welt würde ihn bestimmen können, einen dänischen Offizier zu seinem Schwiegersohn zu niack)en, so lange er es ändern kann. Alle meine Bitten sind vergebens gewesen. Die Gerüchte, welche in Bergen über niich und Henrik umlaufen, haben seinen Stolz empört, ich habe harte

erinnern an de» Krieg. Spione sollen sie angczllnbct haben. Zwei Kilometer weiter ist bereits ein großer Teil des Schlachtfeldes zu übersehen. Auf einer weiten Ebene mit auf kleinen Erdwellcn ver­streuten WaldparzcLen sicht man am Horizont die schwarzen Rauch­wolken brennender Ortschaften dahinzichcn. Das ununterbrochene Geschützfencr verdrängt jedes andere Geräusch. Zur Linken liegt ein Wäldchen, über dem fortwährend weiße Schrapnellwolken sichtbar sind, aus denen gelbe Blitze zucken. Ter Wald wurde in schwerem Nachtangriffe genommen. Zur Rechten wird ein Fessel­ballon zeitweise mit Schrapnells bedacht. Im übrigen ist nichts als die berühmte Leere des modernen Schlachtfeldes zu sehen. Fn weiter Ferne sah man einmal ein paar schwarze Punkte, die plötz­lich auftauchten, aber gleich wieder versanken. Offenbar waren cs im Feuer vorgehende Schwarmlinien. Inzwischen machte das Streufeuer russischer Schrapnells, die nur wenige hundert Schritte von uns vorn und rechts crplodierten. das Ausstichen von Tcckungcn nötig. Bald daraus schien sich das feindliche Artillcricscncr zu ent- fcrncn, da unser Angrisf ofscnbar Erfolg gehabt hat. Ter Rück­weg führte uns an Abteilungen gefangener Rüsten vorüber, fast durchwegs kleiner, strapaziert ausscheudcr Leute. Aus dem kleinen Bahnhof wurden in wunderbarer Ordnung die Verwundeten wenige Stunden nach dem Gefecht mit Sanitätsziigcn, die eben Munition gebracht hatten, rückwärts geschickt. Rührend war die Sorgfalt der Sanitätsmannschaft und tadellos die Verbände. Tic Verwundeten wurde» nach Nationen zusammcngclcgt, um einander auf der Fahrt sprechen zu können. Die russischen Verwundeten schiene» sich wohl zu fühlen.

Die englische Angst vor- den Minen.

London, 14. Scpt. Tie Minengefahr in der slkordsc« beschäftigt die englische Presse sortgcsctzt. Im Sprechfaul der Zeitungen werden täglich Ratschläge gegeben, wie man diesen Minen begegnen könne. Conan Totste, der bekannte Tetcktiv-Novelleistchrciber und geistige Vater von Thcrlok Holmes bringt die Anregung, einen Apparat zu bauen, der vor dem Schiss herschwimntt und feindliche Minen zur Erplosion bringt. Fn einer seiner Novellen dürste sich eine solche Erfindung zweifellos äußerst erfolgreich darstcllen lasten. Fn Wirk­lichkeit dagegen dürfte sich eine solche Minenabwehr nicht cinsührc» lasten.

Tie englischeWerbearbeit".

London, 11. Scpt. Im cnglischcn Untcrhouse fragte der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Thomas, den Ministerpräsi­denten, ob es ihm bekannt sei, daß Arbeitgeber in großein Maßstabe unverheiratete Leute entließen, um sic dadurch zu zwingen, sich anwcrbcn zu lassen. Asguith war darauf ge­zwungen, die Antwort zu geben, daß ihm allerdings einige derartige Fälle bekannt geworden seien, daß cs sich aber nicht »m einen allgemeinen Brauch handle. Tic englische Werbe­tätigkeit scheint demnach zu Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen, welche an die Tätigkeit der sogenannten Preßoffizicrc unter Georg III. erinnert, wo junge kräftige Leute den Werbern zugeführt wurden und man ihnen solange mit Wein und anderen geistigen Getränken zusctzte, bis sie den Wcrbe- kontrakt Unterzeichneten.

Aufklärung ist in Amerika dringend nötig.

In de» soeben eingctrofsenen amerikanischen Zeitungen von Ende August findet sich eine gleichlautende L o » d o n c r M c t d u n g, wonachdas deutsche Moratorium" bis Ende September verlängert worden sei. Es handelt sich hier »in eine ungewöhnlich dreiste Fälichung englisckier Provenienz, denn Deutschland hat be­kanntlich lein Moratorium erlassen, kan» also auch keine Verlänge­rung dekretieren. Wie solche Mitteilungen drüben wirken, ergibt sich ü. o. aus einem der Franks. Zig. vorliegenden Brief einer amerika­nischen Firma an einen deutschen Lieferanten: darin steht, Zahlungen könne man leider nicht machen, da ja die deutschen Banke» alle gc- schlostcn seien! Tie Reichsrcgiernng wird nnverziiglich Schritte tu» müssen, um bas neutrale Ausland nicht mir Amerika über diese Falschmeldung aufzullären.

Tic deutsche Kriegsanleihe.

Berlin, 14. Sept. Der Andrang zur Zeichnung der deut­schen Kriegsanleihe war heute an der Berliner Sparkasse und deren Zweigstellen ungemein groß. Vielfach stockte der Be- iricb längere Zeit, weil cs nicht niöglich war, das Pnbliknin so schnell abzufcrtigcn, wie cs verlangt wurde. Bei der städtischen Sparkasse ninßten zeitweilig Hilfskräfte einge­stellt werden.

Oberst von Reuter gefallen.

Köln. 14. Sept. Tie Kölnische Zig. meldet: Nach den Mitteilun­gen mehrerer in Brüssel eingclieserker, verwundeter Ofsizicrc ist in Frankreich »un auch Oberst von Rcutcr, der frühere Kommandeur des 09. Fnsantcric-Regiments in Zaber», au der Spitze des Grcna- dier-Rcgiments Nr 12 gefallen und zwar als Kommandeur desselben Regiments, an dcstcn Spitze auch sein Vater 1870 siel.

Auftritte erlebt. Jetzt hat er den Anträge Helgestads mit Freuden ergriffen, uni mich bis ans Ende der Welt zu schaffen, und lieber mag ich untergehen, wenn er sich dafür von dem errettet, was er Schmach und Schande nennt." Sie schwieg einen Augenblick und sagte dann im sanfteren Tone:Seit dieser Zeit habe ich meinen Frohsinn verloren, doch meine Hofsnung nicht aufgegeben. Vereinsamt, wie ich bin, habe ich geduldig erfüllt, was ich soll: ein freudiges Gesicht konnte ich dem Vater nicht mehr zeigen, der unväterlich mich von sich stieß, und dessen Zorn ansbrach, sobald er Henriks Namen hörte, dennoch haben wir uns oft und heimlich gesehen. Gott verzeihe mir die Sünde! wenn cs eine ist, aber hat der Himmel Eltern solche Gewalt verliehen? Sind Kinder so ganz ihre Geschöpfe, um Leib und Seele wie Sklaven hin- zuwerscn? Tie Gesetze sagen es, die heiligen Gebote drohen den Ungehorsamen mit Fluch und ewigem Verderben, die Sitte fordert demütige Unterwerfung und verachten die Uebertrctcr ich glaube es nicht, ich kann cs nicht glauben, daß meine Liebe ein Verbrechen ist. Wie konnte sie das sein? Wo ist der Makel, der ihn trifft? Wo ist die Schande, die seine Nähe bringt? Wer weiß Böses von ihm zu sagen? Und das ist unsere Geschichte, Herr Marstrand; unzählige Male ist sie vorgckommcn und hat mit Kummer und Unglück geendet. Was sagten Sic heut an meines Vaters Tische? Sic sagten, der großen Glücksgöttin müsse nian vertrauen, sci» Glück verteidigen gegen Arglist und Falschheit. Mein Herz habe ich verloren, aber niein Kopf ist erfüllt von dein Gedanken, da z» sein, wo mein Herz ist, und den nimmer zu lassen, der es mir genommen hat."

Nun, Freund", sagte Dahlen,kannst du zögern, uns ücizustehen?"

Nein", erwiderte Marstrand,ich will helfen, tvo ich eS vermag: aber gibt es keinen andere» Weg als de» gcsährlichcn und zweifelhaften, den du gehen willst?"

Es gibt keinen anderen, der weniger gefährlich wäre. Meine Maßregeln sind gut getroffen. Vor allen Strafen ihrer verdammten Gesetze bin ich geschützt. Verfolgung ist

Ft'ä"ks Leiche kann noch nicht heimgebracht werden.

Mannheim, 14. Sept. Ter Plan der Heinibringung dev Leiche des Reichstagsabgeordnetcn Tr. Frank vom Feindes­land nach Mannheim, der von einer Abordnung der Mann- hcilncr sozialdemokratischen Partei Ausgang voriger Woche versucht wurde, war nach der Mannh. Volksstimme nickt von Erfolg begleitet. Die militärischen Operationen gestä'ten vorerst noch nicht, an die Ausführung des Planes Hera', zu- treten. Das sozialdemokratische Blatt anerkennt gerne und dankbar das große Entgegenkommen, das die Militärbehör­den sowohl in Berlin wie in Karlsruhe und auf den Etappen- stationen für die Ausführung des Planes bekundeten.

Immer mehr Greneltaten der Nüssen.

Amtsvorsteher Graap vom Kirchdorfe Ab schwangen.

' e !? P r. Eylau, erzählt, daß am 29. August eine deutsche Kiirnsstcrpatrouillc auf die Russen geschossen hätte. Als daraus die Russen nach dem Torf gekommen wären, hätte» sic zunächst den Lehrer Hochwald, Vater von sechs Kinder», erschossen.

Tann wurden all« Ortseinwohner in zwei Hälften geteilt und nach beiden Enden des Torfes abgeführt. Hier mutzten sich die männlichen Bewohner über Fahren ,» Reih und Glied stellen, während Frauen und Kinder einig« Schritte von »ns entfernt Aus­stellung nehmen mußlen. Noch ahnten wir nicht, was die Russen mit uns beabsichtigten, doch ließen ihre grimmtgen Mienen das schlimmste befürchten. Fetzt erst cröfsncte uns der russische Lssizier, der übrigens die deutsche Sprache säst vollkommen beherrschte, daß, weil von Zivilpersonen des Torfes auf ein russisches Auto geschossen wäre, alle ausgestellten männliche,, Personen standrechtlich erschossen werden würde». Ter Fammcr unserer Franc,, und Kinder, die nach den Bestimmungen des Offiziers Augenzeugen dieses entsetzlichen Massen­mordes als abschreckendes Beispiel sein sollten, ivar herzzerreißend. Trotzdcni wir all«, an meiner Seite mein sünszehn Fahre alter Sohn, demns bevorstelienden Ende niutig entgcgenschantcn, schnitt uns das entsetzliche Weh und die traurige Zukunft unserer Frauen und Kinder gewaltig ins Herz. Noch einmal schwor ich dem die Erekution leitenden russischen Ossizicr unter nochmaliger Abgabe meines Ehrenwortes, daß nicht von Zivilpersonen, sondern von der deutschen Patrouille geschossen wäre. Gleichzeitig zeigte ich dom Offizier ein Dankschreiben eines russische» Obersten vor, das letzterer mir für die gute Bewirtung seinerzeit übergeben hatte. Ob nun die Angabe meines Ehrenwortes oder das Dankschreiben des Obersten den russischen Offizier milde und nachgiebig gestimmt hat, konnte ich nicht ermessen. Genug, er ließ sich von dem herzzerreißenden Jammer der Frauen und Kinder crivcichcn, und nahm von einer Erckution der einen Hälfte gegenüber Abstand. Schlimmer erging es freilich der anderen Hälfte unserer Dorfbewohner. Hier waren alle Tränen und Bitten der Frauen vergeblich. Eine krachende Salve vom ent- gcgcngescvten Ende des Torfes belehrte uns, daß ein Teil unserer Mitbewohner, zirka 40 an der Zahl, unter der mörderischen Gewalt, tat eines brutalen Feindes das Leben ausgchaucht hatte. Unter den Opfern befand sich auch ein 80 Fahre alter Arbeiter, der mir 50 Fahre treu gedient und jetzt sein Gnadenbrot bei mir bis zu seinem ttaurigen Ende erhalten hatte."

Tie Darstellung des Amisvorstchers Graap zeigt, wie leicht di« Menschenleben im Kriege wiegen, sie zeigt aber auch, wie leicht Un­schuldige hingemordct werden können. Die Vorsorge, daß Soldaten nicht meuchlings von Zinilpersonc» niedcrgemacht werden, ist gewiß notwendig und wichtig, aber wie bas hier erzählte Beispiel zeigt, »niß be! der Untersuchung der Schuld auch mit peinlichster Gewissen- Hastigkeit zu Werke gegangen werden.

Daß bei de» Russen solche Gcwisscnhafligkeit nicht obwaltet, daß anscheinend vielmehr von oben hcrnntcr rücksichtslosester Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung des fcindlickic,, Landes gepredigt wurde, zeigt folgende Veröffentlichung des deutschen Kriegsberichterstatters v. Koschützkn der Vossischen Zeitung:

Nachstehend zwci empörende Tatsachen, die ich an zu ständiger Stelle erfahre:

1. Ter russische Generalissimus Rcnncnkamps hat den Befehl er­lassen,durch eine besonders couragierte Kompagnie all« Förster der Romintener Heid« aufhcben u>nd erschießen zu lassen/

2. Ter, inzwischen gcsangenc. General Martes hat befohlen, alle Ortschaften im Bereiche der russischen Truppen zu verbrennen und alle männlichen Einwohner zu erschießen, auch wenn diese sich nicht an dom Kampfe beteilige», noch die Hcrgabe von Nahrungsmitteln usw. veriveigern."

Fch habe bisher falsche Gerüchte über eine grausame Kriegs- sührung der Russen sogleich dementiert, sobald ich den Tachvcrhalk fcststellen konnte. Hier handelt cs sich dagegen um die zivcisctlos, z. T. aus den Akten des Generals Marios, sestgestcllte Tatsache, daß russische Heerführer eine immenschliche Kriegführung befehle». Fch weiß nicht, ob die europäische Kriogsgeschichtc der letzten 200 Fahre einen ähnlichen Fall ailfziuveisen hat. Aber ich glaube, daß die öffentliche Meinung sich gcgen die Einfitzrung astatischer Barbarei ans deutschem Boden mit dom Verlangen anslehnrn wirb, die Völkcr-

nicht möglich, und den Spaß habe ist umsonst, den alten Taugenichts Helgestad geprellt zu haben, wo er cs am wenig- sie» erwartete."

Sie gingen auf und ab und besprachen, was geschehen sollte. In drei Tagen konnte die Jacht auSIaufen, am Aus­gang des Fjords sollte der Lugger sic erwarten. Zeichen wurden verabredet zur Verständigung, die Begünstigung der Flucht übernahm Marstrand, aber er forderte dafür, daß Hanna nochmals vorher alle Mittel versuche, um ihres Vaters Sinn zu ändern.

Es wird vergebens sein", antwortete sie,allein ich will nichts sparen, uni mich selbst zu überzeugen, daß mir kein? andere Wahl bleibt."

Ein falber Dämmerschein hing an den Spitzen der höch­sten Berge, als Marstrand die Liebenden verlassen wollte. Nimm sie mit dir", tagte Dahlen,ich bleibe sonst, bis der Himmel verräterisch Bergen erzählt, was hier geschah. Sei ipr Schlitz, Marstrand, und wo es auch sein mag, ich will da­für dein treuer Genosse sein." Er legte beide Hände um Hannas Kopf, suchte ihre Züge zu erkennen und zog sie dann an sein Herz.Es schlägt für dich bis auf den letzten Schlag," sagte er.Glaubst du fest daran?"

In Ewigkeit, mein Henrik", flüsterte sie.

Tann lebe wohl und sci bereit. Vertraue meiner Liebe und deni Glück!"

Mit raschen Schritten eilte er an der Mauer hin, und auf dein jähen Pfade, der am Bergabsatze nicdcrführte, war er schnell verschwunden.

Lebe wohl!" ries Hanna ihm nach, und sie horchte, bis er unten in seine Hände schlug.Er ist fort", sagte sie dann,er ist schnell und klug, ich habe keine Furcht. Gestern lag er dort unter den Btischen und erwartete den Stein, an welchen ich mein Briefchen gebunden -hatte. Sic kanien da­zu, und ich wußte nicht, wie ich mich der »nbeqnemen Gesell­schaft entledigen sollte, bis ich es für das Beste hielt, ohne Antwort sortzugchen."

llFortsetzunti folgt.)