Ausgabe 
15.9.1914
 
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feuern Ävicflc lauten jmti ersten Male, tmS zwar auf türkischer Seite, die modernen Spitzgeschosse, wie wir in unserem deutschen ftitfautcTiCflcftfiofi !>N eine* besitzen, und wie sie heute auch in der französischen Armee fast durchgängig zur Einführung gelangt sind, zur Anwendung. Die neuen Spitzgeschosse habe» mit den neuzeitlichen kleinkalibrige» Geschosse» das leichte Geivicht, die geringe Größe gemeinsam. Aber ihre schlanke Form befähigt sie, den bei erheblich vergrösterter Anfangsgeschwindigkeit auch wesent­lich stärkeren Luftwiderstand leichter zu überwinden. Ein Nachteil äst freilich, daß solche Geschosse mit langer schlanker Spitze, bei denen der Schwerpunkt weit hinten liegt, die Neigung haben, sich zu drehen und mit dem Hinteren Teil voran zu fliegen. Die moderne Technik hat durch hohe Anfangsgeschwindigkeit, straffere Zuführung und schnellere, sichere Notation einen stabileren Flug gewährleistet und damit die Verwendung solcher Spitzgeschosse erst ermöglicht. Die gesteigerte Anfangsgeschwindigkeit gibt dem Geschoß gleichzeitig eine gestrecktere Flugbahn und dadurch ausgedehntere bestrichene Räume sowie eine größere Gesamtschußweite. Die straffere Füh­rung vermindert die Streuung und gewährt größere Treffähigkeit. Vor allem zeichnet sich das Spitzgeschoß natürlich durch eine größere Durchschlagskraft aus. Ties zeigt sich beson­ders deutlich bei ividerstandsfähigere» Zielen. Beste Nickelftahl- platten von 5 Millimetern Stärke werden von dem Spitzgeschoß noch auf 100 Meter, solche von 3 Millimeter noch auf 500 bis 000 Meter durchgeschlagen, wogegen das Nundkopfgeschoß 88 die 5 Millimeter starken Platten überhaupt nicht, die 3 Millimeter starken nur auf 200 bis 300 Meter durchschlägt. Daraus ergibt sich, daß die 4 bis 5 Millimeter starken Schutzschilde der Jeldartillerie bei einer Entfernung von unter 300 Meter keinen Schied mehr ge­währen. Was die Wirkung auf den menschlichen Körper anbelangt, so unterscheiden sich glatte Weichteilwunden nicht von denen anderer Mantelgeschosse. Kopf- oder Magenschllsse bei gefülltem Magen sind aus nähere Entfernungen fast immer tödlich. Auf größere Entfernung, auch bei Anstreifen des Ge­schosses an Zweigen oder bei sehr spitzem Einfallwinkel kommen häufiger Querschläger vor. Hierdurch werden einmal größere Wunden erzeugt und außerdem die Olesahr der Wundinfektion durch Mitreißen von Kleiderteilen in die Wunde erhöht. Die auf bulgarischer Seite tätigen Aerzte. die die Wirkung der türkischen Spitzgeschosse studieren konnten, haben auch bezeugt, daß 32 Proz. der Gewehrmunden infiziert waren, während dies im russisch­japanischen Krieg nur bei 15 Proz. der Fall war. Endlich nimmt bei einem Querschläger auch die Kraft des Geschosses rascher in der Wunde ab, die Wirkung ist ein häufigeres Steckenbleiben in der Wunde. Im Balkankrieg blieb das Geschoß in 12 bis 13 Proz. der Wunden stecken, gegenüber 5 Proz. im allgemeinen. Weiter reichende Knochenzersplitlerungen und mehr Gefäß- und Nerven­zerreißungen sind gleichfalls folgen der Querschläger. Im ganzen ist also die Wirkung der Tpitzgeschosse gefährlicher, als die der Rundkopfgeschosse.

^unendlicher Brandstifter. Am Freitag verhandelte die Gießenei Strafkammer gegen den erst 15jährigen Lehrling Hesse aus Gießen wegen Brandstiftung. Der Jüngling batte ein Ver­gnügen daran, weiter zu sehen, weshalb er mehrfad, Scheuern in Brand steckte, sowie auch Feustervortstiuge und sonstiges Brennbare. Wie er angibt, hat er im Kino öfter Brände gesehen und daran soviel Vergnügen gehabt, daß er sich noch weiter den Gettuß ver­schaffen wollte und zwar in natura. Es ivnrde aber mit der Zeit bekannt, daß Hesse diesem merkwürdigen Sport huldigte und weil die Sache nicht ganz ungefährlich ist, ivnrde er eingelocht. Er kam immer noch gut weg. Kür drei Verbrechen der Brandstiftung er­hielt er 10'/- Monate Olefängnis, woraus man ihm 3 Monate Unter­suchungshaft als verbüßt anrechnete. Qbwohl durch die brenzlichen Taten des Angeklagten erheblicher Schaden angerichtet wurde, rechnete man ihm seinen jngenblichen Unverstand als mildernd an.

Die Raupenplage hat in unserer Gegend doch einen ganz bedeutenden Umfang angenommen, wovon viele Gärten mit den kahl gefressenen Gemüsepflaitzen trauriges Zeugnis ablegen. DaS Ablesen des Ungeziefers oder schon der Eier hätte vor Wochen schon energischer betrieben werden müssen: oft genug wurde darauf auf­merksam gemacht. Es sei noch daraus hingewiesen, daß die kleinen gelblichen, übersponnenen Häuschen, die man oft bei einer Raupe sieht, Puppe» fOoccusj der Tchlupfwespe sind, die sehr viel zur Vernichtung der Raupe beiträgt. Diele Dingerchen darf man also nicht zerstören und ablöten.

Butzbach Tie männlichen Strasgefaugeneu aus Rocken- berg sind nach Butzbach in das Zellengesängnis gebracht worden, das dadurch zum Teil leer geworden ist, daß eine große Anzahl Be­strafter begnadigt worden sind. Dieser Tage ivurden die Gefangenen nmquartiert, der Umzug, der ja geschlosseneu Wagen erfolgte, dauerte drei Tage.

Kreis Alsfeld-Laitterbacki.

». Schlitz. Der gräflich Gvrtzsche Forstmeister R i e g e r , welcher "«IS Rittmeister der Reserve mit in den Krieg gezogen war, ist ge­fallen. In den Kreisen der Sck>litzer Einwohnerschaft erfreute sich Rieger keiner besondere» Beliebtheit, weil er bei vielen Gelegen­heiten gar zu sehr bas Interesse des Grafen in den Vordergrund stellte.

Streii Wetftar.

X Rechtsauskunft. Wegen der militärischen Eiiiderufuug un­seres Bezirkssekretärs in Eoblenq sindet die festgesetzte Sprechstunde in Wetzlar nicht statt. An deren Stelle wird durch Beschluß des Gewerkschaftskartells j e d e n M i tt w o ch beim Kollege» A. Fant h in Wetzlar. Waldscknnidtstraße 3011., von vormittags 10 bis mittags 1 Uhr unentgeltliche Rechtsauskunft erteilt.

Kreis Marburg-ttirchhai«.

X Feuer in Marburg. In der Nacht zu,» Samstag geriet ein »eben der Oelmühle gelegenes Gebäude, in dem Qelsässer ausbcivahrt ivurden, in Brand. Tie Feuerwehr eilte rasch herbei und es gelang ihr, bas Umstchgreisen der Flammen ans die benachbarten Mühlen­gebäude und die Wohnhäuser zu verhindern, wobei die Mannschasten des Iägerbataillons Hilft leisteten. Durch den Brand ist erheblicher Schaden angerichtet worden.

Bercinskalender.

Mittwoch,10. September.

Wetzlar. Abends 9 Uhr Kartellsttzung. Wichtige Angelegenheit. Be­sondere Einladungen ergehen an die Delegierten nicht mehr.

Ein glänzender Beweis von Hilfsbereitschaft und Solidarität.

I» Nürnberg haben die städtischen Arbeiter einen glänzenden Beweis dafür erbracht, wie stark in ihren Reihen der Geist der Hilfsbereitschaft und der Solidarität ist. Um einer möglichst großen Zahl von Arbeitslosen in städtische» Betrieben Arbeitsmöglichkeit zu verschaffen, hatte dort der Magistrat den bisherigen städtischen Arbeiter» de» Vorschlag gemacht, vorübergehend die Arbeitszeit von 54 aus 30 Stunden wöchentlich zu verkürze» und sich dem­

entsprechend mit einer Lohnvermindernng von 37 Prozent einver­standen zu erklären. Im ungünstigsten Falle bleibt nun den bis­herigen städtischen Arbeitern ein Mindestlohn von 15 Mark (bet Frauen von 7,50 Mark» für die Woche gewährleistet, der sich je nach der Zahl der vorhandenen Kinder auf 1019 Mark erhöht. Eine große Versammlung der städtischen Arbeiter hat zu dieser Rege­lung mit erdrückender Mehrheit im Interesse ihrer arbeitslosen Klaffenbrüber die Zustimmung gegeben. Vielleicht hätte angesichts solcher Qpferwilligkeit der Magistrat trotz der Kriegslage es er­möglichen können, das; nicht die vollen 37 Prozent abgezogen zu werden brauchten. Aber dem sei jetzt, wie es sei. So ist jetzt durch die Qpferwilligkeit der städtischen Arbeiter allein auf diese Weise die Möglichkeit geschaffen worden, für viele Hunderte von notleiden­den Familie» zn sorgen. Die neueingestellten Arbeiter erhallen den der zugewiesenen Arbeit entsprechenden Anfangslohn gemäß der geltenden städtischen Lohntasel. Mit Recht konnte Oberbürger­meister Tr. Geßler erklären, daß dieser Beweis des Solidaritäts- gefühls ein Ruhmesblatt der Nürnberger Arbeiter bleiben wird. Mancher Arbeitgeber könnte sich daran ein Beispiel nehmen.

Telegramme.

Die Russen im Osten vernichtet.

Ei» russischer Verwaltungsbezirk in deutscher Verwaltung.

WH. Grosses Hauptquartier, 14. Sept. (Amtlich.) Im Osten schreitet die Vernichtung der russischen Armee sort. Tie eigenen Verluste sind berhiiltnisuiüssig gering. Tie Armee b. Hindenburg ist mit starten Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gonperiiement Snwalki wurde unter deutsche Verwaltung gestellt.

W. B. Großes Hauptquartier, 14. Sept. (Amtlich.) General v. Hindenburg telegraphierte an Seine Aiaftstät:Die Wilna er Armee 12., 3., 4., 20. Armeekorps, 3. und 4. Reservedivision, fünf Kavalleriedivifionen) ist durch die Schlacht an den masurische» Seen und die sich daran schließende Verfolgung vollständig geschlagen. Die G r od n o e r Reservearmee <22. Armee- koips, Rest des 0. Armeekorps, Teile des 3. sibirische» Armeekorpsl bat in besonderem Gefecht bei L tz ck schwer gelitten. Der Feind bat starke Verluste an Toten und Verwundeten, die Zahl der Gesangenen steigert sich, die Kriegsbeute i st außerordentlich Bei der Frontbreite der Armee von über 100 Kilonieter, den nngeheuren Marschleistungen von zum Teil 150 Kilometer in vier Tagcki, bei den sich auf dieser ganzen Front und Tiefe abspielenden Kämpfen kgm, ich den vollen Umfang noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, die Verluste sind aber doch nur ge­ring. Die Armee war siegreich ans der ganze,, Linie gegen einen hartnäckig kämpfenden, aber schließlich fliehende» Feind. Die Armee ist stolz daraus, daß ein kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und geblutet hat. Gez. Hindenburg."

Vor Paris noch keine Entscheidung.

Ei» französischer Durchbruchsversuch zurnck- geschlageu.

W. B. Großes Hauptqortier, 14. Sept. lAmtlich.) Im Weste» finden auf dem rechten Sceresflügel schwere, bisher unentschiedene Kämpfe statt. Ein von den Franzosen versuchter Durchbruch wurde siegreich zurückgeschlagen. Sonst ist an keiner Stelle eine Ent­scheidung gesalle».______________

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & Eie., Gießen.

Druck: Verlag Qftenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Offenbach a. M.

Bekanntmachung.

Betrisst: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte.

Di« Urliste für die Schöffen und Geschivorencu liegt von Mitt­woch, den 10. September bis Mittwoch, den 23. September ds. Is. auf dem Stadthaus, Zftumer Nr. 9, zu jedermanns Einsicht offen. Innerhalb der Offtiiftgungssrist kann gegen die Richtigkeit und Voll­ständigkeit der Urliste Einspruch erhoben werden.

Gießen, den 12. September 1914.

_ Der Oberbürgermeister: _

Bekanntmachung

Tie amtlichen deutschen Verlustliste» liegen von jetzt ab auj dem

Stadthaus Zimmer Nr. 2 auj der Polizeiwache in der Weiden- gassc und auf der Polizeiwache am Selterstor zur Einsicht offen.

Gießen, den 14. September 1914.

Der Oberbürgermeister:

Keller.

Setter MnW Brtlzfor.

Unsere Mitglieder, die im Laufe dieser Woche zum Militär einrücken, iverden im eigenen und im Interesse der Familien gebeten, die Derbandsbiichcr im Vrtbauds- burean, Schaiizenstraße 16, 1 abzugebcn. In jedem Buch ist anzugeben, ob der Einrnckendc verheiratet ist und wieviel er in diesem Fall Kinder unter 14 Jahren hat. Die Bücher sind aber immer erst dann sofort ab- zuliefcrn, wenn der Einriickcnde die Gewißheit hat, daß er vorläufig bei der Truppe bleibt.

Der Borstand. I. A.: Albin Mann.

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