W b. London, 12. Sept. Lord Curzo» faßte III einer Rebe iit WlaSßoto, er hoffe es zu erleben, das, die Lanzen bengalischer Reiter ans den Straßen Berlins snnkeln und biinkelhäutigc Gurkhas es sich in den Potsdamer Parks bequem machen würde».
Umschlag der Stimmung in Amerika.
Stockholm, 11. Sept. (Priv.-Tel. der Fr. Ztg., Ctr. Bln.l «in über die Stimmung in den Vereinigten Staaten wohlunterrichteter Amerikaner sagt: Tie anfänglich infolge der Reuter- und Havas-Meldungen deutschfeindliche Stini- mung ist umgeschlagen, seit England durch das Hereinziehen Japans und die Verwendung indischer Truppen das stark entwickelte Rassengefühl des amerikanischen Volkes anfs empfindlichste verletzt.
Präsident Wilson will vermitteln.
Rom, 12. Sept. (Ctr. Frkft,) Der neue amerikanische Botschafter bei der französischen Rcqierniiq, Skcrp, drückte wiederholt den Wunsch des Präsidenten Wilson aus, z» vermitteln.
Die riissischci» Schacherer abgeblitzt.
XV. B. Sofia, 13. Sept. Dnevnik zufolge soll die-russischc Regierung der bulgarischen Regierung für den Fall der piilitärischcn Unterstützung Serbiens gegen Oesterreich-Ungarn als Kompensation die Stadt Jschtip mit 300 Lnadratkilomcter Umgebung versprochen haben, nachdem Serbien vorher Rußland vollkommen freie Hand gelassen hatte, Bulgarien die Gebietsabtretungen anzutragen. Dnevnik erklärt, daß die maßgebenden bulgarischen Kreise sich gegenüber allen Versuchen.-Bulgarien in Abenteuer zu verwickeln, vollkommen gleichgültig verhalten. Das Blatt fügt hinzu, daß die russische Diplomatie, unter deren Patenschaft der serbisch-bulgarische Bündnisvertrag zustande kam, es am wenigsten nötig hätte, heute ähnliche Bcttclanträge zu stellen. — Das Blatt Utro sagt: Rußland und Serbien wollten sich, nachdem sie im vorigen Jahre Bulgarien gcbehmütigt haben, heute über Bulgarien luftig machen, indem sie ihm Brosamen von ihrer Tafel anbictcn. Es wird jedoch der Tag kommen, wo jeder erhält, was ihm zukommt. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher.
Nerrtralitätsversicheruttgett im schwedischen Reichstage.
XV. B. Stockholm, 12. Sept. Der Reichstag hat heute in einer außerordentlichen Sitzung die Vcrtcidigungsvorlagc der Regierung mit einigen von dem Ausschuß vorgenoinmencn unwesentlichen Acndcrungcn angenommen. Alle Parteiführer benutzten die Gelegenheit, sich mit der Neutralitätspolitik der Negierung einverstanden zu erklären. Schweden wolle den Frieden, wolle aber auch imstande sein, seine llnabhängikcit zu verteidigen.
Weitere kriegerische Verwickelungen?
Die Türmer Stampa spricht von Kriegsvorbereitungen der Türkei. Enver Pascha soll niit seinem kriegerischen Anhang immer mehr an Boden gewinnen. Eine Havasmeldnng des Messagero scheint das zu bestätigen. Danach stehe eine türkische Armee zwischen Jaffa und Gaza bereit, in Aegypten einzumarschieren. Die Küste Syriens sei von englischen Kriegsschiffen blockiert.
Aufhebung der Kapitulationen in der Türkei.
Das Wölfische Telegraphcnbureau berichtet aus Konstantinopel: Ans Besorgnis vor einem vermeintlichen Eingreifen der Türkei zugunsten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns l-aben die drei Ententemächte der Türkei ihr Einverständnis mit der Abschaffung der Kapitulationen für den Fall zu erkennen gegeben, daß die Türkei in den: gegenwärtigen Kriege neutral bleiben würde. Tie Pforte hat erwidert, daß ihr« Neutralität nicht käuflich sei. Sie hat aber gleichzeitig aus der Erössnung der Ententc-Botschafker die Konsequenzen gezogen, indem sie ein kaiserliches Jradc crivirkt hat, das die Kapitulationen aufhebt. —
Diese Kapitulationen bestehen darin, daß die in der Türkei ansässigen Angehörigen der Großmächte, der türkischen Gerichtsbarkeit nicht unterstanden. Tie Gerichtsbarkeit über sic lag in den Händen der diplomatischen Vertreter ihres Heimatsstaotcs. Außerdem uitter- Isicltcn die Großmächte eigene Postanitalte» in der Türkei, die nun eingezogen werden müssen.
Der Berliner Lokalanzeigcr benierki dazu: „Tie Antwort der Türkei aus bas Ansinnen der Trcivcrbandmächie spricht für die Festigkeit und die offene und ehrliche Gesinnung der türkischen Poliiik, Sie ist ein Beweis dafür, daß die leitenden Männer am Goldenen Horn nicht geneigt sind, die Wahrung ihrer Lebens- intcressen für klingenden Lohn zu opfern, und zwar in einem Moment, wo die allgemeine politische nird militärische Lage in Europa ihnen alle Mittel an die Hand gibt, mit den schmerzlichen Erfahrungen der letzten Zeit ein für allemal aufzuräumen und die Geschichte ihres Landes verheißungsreich wieder in die Hand zu nehmen. Daß die Türkei angesichts dieser sllr sie günstigen Aussichten nicht gezögert hat, die Kapitulationen aus eigener Machtfülle aufzuhcben, wird bei ihren Feinden Vcrblüfsiing, bei ihren Freunden aber uneingeschränkte Zustimmung finden."
Nach einer Meldung aus Mailand begegnet in der italienischen Presse die Abschasfnng der Kapitulationen einer scharfen Opposition. Man weist darauf hin, daß Italien im Frieden von Lausanne zwar, N'ie Oesterreich bei der Beilegung des Annerionsstrcites, versprochen liabe, die Türkei bei Verlnnidlungen zur Abschaffung der Kapitulationen zu unterstützen, aber das schließe nicht die Pflicht ein, einen Gcwaltstreich anzuerkennen. Auch befürchtet Italien, durch den Schritt der Pforte in unabsehbare neue Verwicklungen hineinge- zogcn zu werden, — Die Franks. Ztg, bemerkt dazu: Ter italienische Protest gegen die von der Türkei verfügte Aufhebung der Kapitulationen ist nicht unverständlich. Es wird durch dielen Schritt der Pforte vor allem die Gerichtsbarkeit der europäische» Konsulate für-deren eigene Staatsangehörigen abgeschafft und diese Maßregel niag der italienischen Regierung zu Bedenke» Anlaß gel>en, da von ihren Staatsbürgern viele tausend teilweise in wirtschaftlich wenig geschützter Stellung, z, B. als Arbeiter, mitten in der Türkei leben. Wir vermuten, daß auch die deutsche Regierung diese Neuregelung der NcchtSzustäwdc nicht ohne eine nähere Prüfung wird anerkennen wollen. Diese Prüfung kann aber mit Nutzen nicht sofort, sondern erst nach der Beendigung des Krieges in Europa vorgenommen werden, und wir hosfen, daß auch Italien in einen Aufschub bis dahin «inwilligen werde.
Ferner hat der Präsident des Reichstages, Tr. Kaemps, an die sozialdemokratische Fraktion folgendes Schreiben ge- richtet: Unser Kollege, der Neichstagsabgeordnete Tr. Frank, Mannheim, fand im Kampfe für die Ehre des Vaterlandes den Heldentod. Zu dem schweren Verluste, den dadurch die sozialdemokratische Fraktion und der Reichstag erlitten, ge- statte ich mir. Ihnen meine aufrichtigste und herzlichste Teilnahme anszufprechen. Kaempf, Präsident des Reichstages,
„Barbaren".
.Ein zum Landsturm cingezogener Genosse schreibt unscrm Kölner Parteiblatt: „Bei B, in Belgien liegt ein Dorf F, In
mesem kaufte der zweite Zug der 1, Kompagnie des 2, Landsturm- Bataillons Köln seine Butter und Eier, Eines Tages sah eine alte Bauerssran sehr gedruckt aus. Ich fragte sie, warum sie so traurig E, chic alte Frau brach in Tränen aus und sagte mir ans frangö- man ilite Tochter sei soeben an der Geburt des fünften Kindes ge- ltorven. Das Kind lebt: der Vater sei im Krieg. So etwas ist zu liaurig für einen seden Menschen. Ich sprach mein Beileid aus, so gut es auf französisch ging. Den Fall meldete ich meinem Zug- fiiyrer, und dann wurde schnell ein großer Kranz ans blühender Erika gebunden und durch ein Schreiben unser herzliches Beileid ausgelprochen. Das Begleitschreiben enthielt folgendes:
Sehr geehrte Frau!
Bei dem Hinschcideii Ihrer lieben Techlcr lMntlcr von vier Kindern), welche in dem Augenblicke, einem Kinde das Leben zu geben, von der Welt abbcruscii wurde, sprechen wir deutsche Landstiirmmänncr ans Köln am Rhein unser innigstes Beileid aus. Möge cs Ihnen dennoch vergönnt sein, ihre Enkel zu guten Menschen großzuzichc», und Ihnen dadurch ein Trust für den großen SckMerz erstehen.
Die Landstiirmmänncr des 2. Bataillons der 1. Kompagnie, der
2. Zug, welche z. Z. in B. iicgcn."
Der Tabaktrust unter staatlicher Kontrolle.
Tie deutschen Unternehmunsien und Fabriken des Tabak- trnstes wurden, wie der Deutsche Kurier erfährt, am 7. September in Gemäßheit der letzten Bundesratsverfügung der deutschen Staatskoutrolle unterstellt.
„Einzug in Berlin 191-1".
Die B. Z, a. M. meldet: Nach brieflicher Mitteilung eines
Berliner Arztes fand man ln einem Kasten der erbeuteten russischen Geschütze hundert Stück einer frisch geprägten Kiipscrmünzc, die auf der einen Seite das Bild des Zaren, auf der andern Seite die Aufschrift: „Einzug j» Berlin 1811" trügt.
Die Suffragette» mache» »robil.
Die sattsam bekannte» englischen Sussragctten treten jetzt gegen Deutschland ans den Plan. Miß Pankhiirst erläßt in Londoner Blättern einen schwülstigen Aufruf und feuert alle Suffragetten znm Kampfe gegen die dcnischc Gefahr an. — Wenn die Suffragetten etwa nach dem Festland transportiert werden wollen, wird die englische Regierung diesen Wunsch gewiß mit ganz besonderem Vergnügen erfüllen.
Tie Kämpfe vor Paris in holländischer Beleuchtung.
Rotterdam, 14. Sept. Zu den englischen und französischen Siegesmeldungen schreibt in Erörterung der Lage der Reue Rotterdamsche Courant: Nachdem der südöstlich vorgeschobene deutsche rechte Flügel, um der llmzingelung durch von Westen kommende feindliche Hilfstruppen zu entgehen, nach Norden zurückgezogen worden war, war ein entsprechendes Manöver im Zentrum zur Wiederherstellung der Front eine selbstverständliche Notwendigkeit.
Schcilern der französischen Anleihe.
Berlin, 14. Sept. Nach dem hier eingetroffenen Financial Commercial Chroniele vom 22 . August hat Staatssekretär Bryan auf eine Anfrage bezüglich einer weiteren Anleihe erklärt, daß Anleihen von amerikanischen Bankiers an irgendwelche kriegführenden ausländischen Nationen mit dem wahren Geist der Neutralität nicht vereinbar seien. Daraufhin haben I. P. Morgan n. Co. offiziell angekündigt, daß die Verhandlungen wegen Gewährung einer Anleihe von 100 Millionen Dollars an Frankreich fallen gelassen worden sind. Gegen eine schweizerische Anleihe feien nach Bryans Erklärung keine Einwendungen zu machen. Darnach wäre also der französische Anleiheversuch in Amerika gescheiterk.
Der englische Lügenapparat.
London, 14. Scpt. Sir Edward Grey hat dem Unterhause Mit- teilunq davon gemacht, daß die englische Regierung Maßnahmen geirofscn habe, um den durch deutsche Agenten verbreiteten Nachrichten in neutralen Ländern cntgegenzutrctcn. Sumniarischc Auszüge der offiziellen Nachrichten werden regelmäßig an die englischen Vertreter in den ncntralcn Ländern telegraphiert und dort in weitestem Maße verbreitet. England besonders schädliche Meldungen deutscher Agenten wurden dementiert. Dieses Vorgehen habe eine ausgezeichnete Wirkung gehabt.
Seiiillii wieder frei.
Budapest, 14. Sept. Tie Blatter aus Vukewar melden: Der Stadtrat von Semlln hat an die Redaktion des Blattes Srijemski Novine folgendes Telegramm gerichtet: Nach einer Mitteilung des hiesigen Militärkommandos ist jede Gefahr bezüglich der Stadt Semlin geschwunden, indem unsere Truppen die Serben auf der ganzen Linie über die Save zurllckgcdrängt haben.
Indische Truppen unterwegs,
Rotterdam, 14, Scpt. Eine Rcuiermeldung berichtet: Es ist kein Geheimnis, daß Indien bereits zwei Infanteriedivisionen und eine Kavallcriebrigadc nach Europa abgcsandt hat. Weitere drei Kavallcricbrigaden werden unmittelbar folgen, sobast eine indische Armee in einer Stärke von 70 000 Mann nach dem Kriegsschauplatz abgchcn wird.
Ein deutscher Konsul hingerichtct,
Köln, 14, Sept. Nach einer Meldung der Kölnischen Zeitung aus London haben die russischen Behörden den deutschen Kvnsul in Abo in Finnland unter dem Vorwände der Spionage hinrichten lassen,
Ter Aufstand in Indien.
Stockholm, 14. Sept. Aus London meldet Götheborgs Morgenpost die erste englische Bestätigung des indischen Aufstandes. Obgleich in der Presse für das Publikum bestimmte schön gefärbte Berichte herausgegeben werden, verhehlen sich die maßgebenden englischen Kreise nicht, daß sie bis vor wenigen Tagen die Situation in Indien verkannt haben und daß die ansgebrochene Meuterei zu ernsteren Besorgnissen Anlaß geben kann.
Havarierte englische Kriegsschiffe in iiciitralcn Häfen,
Wien, 14, Scpt, Aus Athen wird gemeldet daß havarierte englische Torpcdobootszcrstürcr in den italienischen Hafen Brindisi geflüchtet sind.
Tie Gefahr eines amerikanisch-mexikanischen Krieges.
XX B, Kopenhagen. Berl. Tit. meldet aus London: Von jvohluntcrrichtetcr Seite wird mitgcteilt, daß das Verhältnis zwischen Präsident Wilson und dem mexikanischen General Caranza, dem wirklichen Obcrmachthnbcr der Republik Mexiko, sehr gespannt ist, weil dieser in ziemlich nnverschäm- 1cm Tone forderte, daß die Truppen der Vereinigten Staaten Vcracrnz räumen sollen. In den letzte» Tagen sind starke amerikanische Truppcnmaffen nach der mexikanischen Grenze abgcgangen.
Ein schweres Brückciiunglück,
XV. B. Budapest, 14. Scpt, Bei den Ausb-esserilligsgrbcitcn an der Kettenbrücke riß das Seil eines Kranes, mit dem mehrere Zentner schwere Eisenstücke in die Höhe gehoben werden sollten. Das in die Diese sausende Eisenstück durchbrach einen Teil des Geländes, wodurch von den Arbeitern 8 schwer und viele leicht verletzt wurden,
Ein neuer Bcrlnst der deutschen Kriegsmarine.
WB. Berlin, 14. Sept. (Amtl.) Am 13. Sept. vormittags wurde S. M. Kleiner Kreuzer Hela durch einen Torpedo- schuß eines feindlichen Unterseebootes zum Sinken gebracht. Die gesamte Mannschaft wurde gerettet.
Der stcllv. Chef des Admiralsstabs: Behacke.
Keine Cholera in Königsberg.
XVB. Berlin, 14. Scpt, (Amtlich,) Gegenüber einem hier ausgetretenen Gerüchte, daß in Königsberg und in den benach
barten Gebieten Ostpreußens die Cholera ausgebrochen sei, ist zu< stänbigerseits festgcstellt worden, daß bis jetzt weder in der Stadt noch im Regierungsbezirk Königsberg Fälle von Cholera vorqc- kommen sind. Auch in den an den Bezirk Memel grenzenden russischen Bezirken herrscht keine Cholera.
Ei» deutsches Patroulleustückche».
Berlin, 14, Scpt, Die Vossischc Zeitung erfährt aus Babenhausen: Der Fürst Fugger-Babenhausen, der beim Gardekorps steht, hat bei einem Patrouillenritt mit 20 Mann eine ganze eng. lijche Schwadron gefangen genommen.
Hessen m»d Nachbm gebiete.
«ieffe» u»d Umgebung.
— Die antisemitische Staatsbürgcrzciiuiig, welche jetzt
nur noch als Wochenblatt erscheint, hat jetzt ihre Not, einen Drucker zu finden. Das Blatt erzählt selber darüber:
Direktor Tr. Tietzsch, der Leiter der Lindendruckerei, die die Zeitung bisher druckte, erklärte ihr vor einigen Wochen plötzlich, er dulde nicht mehr, daß die Staats- biirgerzeitung antisemitische Artikel bringe.' Auf den Vertrag aufmerksam gemacht, meinte Tr. Tietzsch, das fei ihm gleich, daun breche er den Vertrag. Er verbiete der Zeitung den Antisemitismus nur in ihrem eigenen Interesse, denn, wenn jetzt in der Kriegszeit antisemitische Ar- iikel erfolgten, würde das Volt die Redaktion stürmen una die Redakteure totschlagen. „Warum", rief Tr. Tietzsch, „wollen Sie antisemitisch bleiben? Wir sind doch jetzt alle Brüder!" Ter Leiter der Lindendruckerei ging so- gar noch weiter. Er weigerte sich, einen Leitartikel abzusetzen, worin die Schriftleitung auseinandergesetzt hatte, „was Deutschland ini Falle von Sieg und Niederlage zn hoffen und zu fürchten habe". Tr. Tietzsch erklärte solche Ausführungen für takilos. „Ta wir die Ueberzeugnng gewannen," so schließt die Staatsbürgerzeitung, „daß Tr. Tietzsch darauf ansging, unsere Staatsbürgerzeitung zu ruinieren, wie er auch seinerzeit unser Zwölf-Uhr-Nachtblatt ruiniert hat, so sind wir von der Linüekldruckerei fortgegangen und lassen jetzt unser Blatt in einem anderen Truckekeibetriebe Herstellen,"
Allerdings hat der Drucker einer Zeitung nicht das Recht, in deren redaktionelle Führung hineinznreden, aber wenn die Staatsbürgerzeitung von ihrem Drucker so behandelt wird, läßt das erkennen, daß sie völlig auf dem Hund ist,
— Frauen gegen den Krieg. Arnoldo Cipolla, der, Pariser Berichterstatter der Stampa (Turin) macht auf einen' Faktor der öffentlichen Meinung in Frankreich aufmerksam, der bisher merkwürdig wenig beachtet worden ist, obgleich er von jeher in der Geschichte Frankreichs eine große, oft selbst ausschlaggebende Rolle gckspielt hat. Das sind die Fram°«, und die französischen Frauen sind, so versicherte nach der Fr. Ztg. der italienische Schriftsteller auf Grund seiner Beobachtungen, im Grunde ihres Herzens erbitterte Gegnerinnen dieses verhängnisvollen Krieges. Die französischen Frauen haben nach ihm nie an der Kriegsbegeisterung teilgenommen: sie haben von vornherein die Empfindung, ja die Ueberzengung gehabt, daß dieser Krieg von Frankreich schnell und ganz verloren werden müsse. Sie, deren Männer ins Feld gerufen wurden, deren Heimstätten! verödeten, haben das ganze Elend ermessen können, das dieser Krieg über ihr Land gebracht hat und noch bringen wird. Auch ist die französische Frau selbst in sehr umfassendem Maße im geschäftlichen und industriellen Leben tätig und vermag daher die Katastrophe', der das französische Wirt-, schaftsleben durch den Krieg ausgeseht ist, wohl zu beurteilen. Sie wird die Stimme der Menschlichkeit bald erheben, uni, ihr Anrecht ans Leben zur Geltung zu bringen.
— Tvtc des Gicßencr Regiments. Als gefallen sind vom Regiment 116 weiter festgestellt worden: Feldwebel Heinr. Dl o in b e r g e r ans Stumpertenrod; Reserveleutn. Eduard Castringius, Lehramtskandidat.
— Tcr Sturm von Samstag Nacht und Sonntag, der in unserer Gegend viel Schaden anrichtete, hat in der Wet- leran, in Friedberg und Nauheim noch schlimmer gehaust. Wie von dort berichtet wird, wurden Bümne geknickt und die Obsternte zum größten Teile heruntergeschüftelt.
— Die amtlichen Verlustlisten liegen noch einer Bckauni- machung des Kreisamtes in Gießen auf dem Amtszimmer Nr. 2 des Oberbürgermeisters aus, serncr aus der Polizeiwachtstubc in der Wcidcngasse und auf der Polizeiwache am Sclierstor, Ferner auf den Biiracrnicistcrcien in Ellerstadt, Großen-Buseck, Griinberg, Hungen, Lang-Köns, Lich, Lollar, Londorf, Lumda, Obcr-Bcssingcn, Villingen und Wieseck,
In unserer Erpediiion Bahnhofstrabe 23 liegt die amtliche Verlustliste ebenfalls ans. — Die gestern eingctroffenc hatte einen ganz erheblichen Umfang, sie umfaßte nicht weniger als 02 Seiten. Schau das zeigt, daß unsere Verluste nicht gering sind, was ja bei der heutigen Waffentechnik auch sehr begreiflich ist, wo die Maschinengewehre ans beiden Seiten furchtbar blutige Arbeit verrichten. — Viele in Gießen und Umgegend, deren Angehörige bei den 1I8crn stehen, sind noch über das Schicksal derselben im Ungewissen.
— Militärschneiderei, Ans Wornis wird geschrieben: Wenn das Tchneidergcwcrbe in der gegenwärtigen Kricgszeit nicht von den BeklcibungSämtcrn der verschiedenen Armeekorps beschäftigt würde, würde dieser Berns vollständig brach liegen. Bei den Schneidern macht sich zur Zeit in den meisten Städten eine berechtigte Mißstimmung über die Verteilung der Arbeit geltend. Ucbcrall machen sich bei Vergebung der Arbeiten Zivischcnuntcr- nehnier beinerlbar und drücken dadurch den Lohn für die Schncidcr- gcsellen ganz wesentlich herab, da sic einen erheblichen Teil des von der Militärverwaltung für die Anfertigung bezahlten Betrages für die Vermittlung beanspruchen, Sv ist es auch in Worms, Einige Bekleidungsämter lassen bei der Firma L. Jsay Militärröckc an- fertigen und bezahlen 8,50 Mk, für einen Rock, Tic Firma läßt die Arbeiten durch hiesige Kleidcrsabriken Herstellen und diese erhalten 0,50 Mk. pro Stück, Die Schneider erhalten nur 5 Mk. für die Arbeit, Daß die Vcrdienstvcrlcilnng bei diesem System eine sehr nngcrcchtc ist, liegt ans der Hand, Die erstcrc Firma verdient bei der Vermittlung an jedem Ruck 2 Mk,, der eigentliche Arbeitgeber 1,50 Mk, und muß dafür seine Wcrkstelle zur Verfügung stcllcn, Nähgarn liefern und die Versicherungsbeiträge für die Arbeiter bezahlen, Sv bleibt dann für die schwere Arbeit bei dem dicken Militürstofs nach 5 Mk, für den Arbeiter über. Es ist dringend nötig, daß bei dieser Arbeit die Zwischenunternehmer auSgcschaltct werden, damit den Arbeitern bei anstrengender Arbeit wenigstens das Allernvtwendigste gewährt werden kann. Die Kleidcrsabriken sind sicher bereit, die Arbeit direkt vvn der Militärverwaltung zn übernehmen,
lieber die Wirkung drr modkriirn Jnsanlcrie Spisigeschossc
verbreitete sich in einem Aussatz der Umschau ans Grund der Er- sahrungcn des Balkankricgcs 1912/13 der Hauptmann Ocselc, In


