Ausgabe 
12.9.1914
 
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rufen. Für die Wahrheit dieses stehen n*ir mit unserem beruflichen Ehrenwort. Gez. Roger Lewis. Associated Preß: Jrvin S. Eobb, Saturday Evening Post: Philadelphia Public Ledger Philad.:

Harry Hansen Chicago Daily New: Chicago James O'Tonnel

Bennet John T. Mac Eutcheon Chicago; Tribüne Chicago.

Wie der Zar weiter gegen das russische Volk wütet.

Der Pariser Humanitä vom 27. August entnehmen wir folgende Mitteilungen:

Die russische öffentliche Meinung verlangte, erwartete und erhoffte eine Amnestie für politische Vergehen. Die Re­gierung des Zaren bietet ihr aber Haussuchungen, Verhaft­ungen und Verfolgungen. In folgendem einige schwer­wiegende Handlungen der Ochrana, welche die russischen Zeitungen melden:

In Petersburg hält man die sozialdemokratischen Schrift- stcller P. Massiosf, F. Gurvitsch und den sozialistisch-revolu­tionären Schriftsteller Bykowsky fest.

In Moskau hat man den sozialistischen Kandidaten bei den letzten Tumawahlcn, den Rechtsanwalt A. Nikitine, der die Arbeiter von der Lena in ihrem Prozeß gegen ihre Mör­der verteidigt hat, gefangen gesetzt.

In Samara unterdrückt nian die letzte sozialdemokratische russische Zeitung Saria Povoljia (Morgenröte der Wolga- Gegend) und man löst eine Gruppe von Arbeiterstudenten auf.

In Kharkosf wurden zahlreiche Untersuchungen gegen Journalisten der Opposition vorgenommen.

Kurz, die Regierung scheint ihre Ochrana gegen alle Uebeldenkenden" losgelassen zu hoben, ganz wie zu den Zeiten der schlimmsten Kontre-Rcvolution. Das ist die Art der Regierung, zu antworten auf die einmütige Begeisterung des Landes gegen dendeutschen Angriff". Man hat einen Freiheitskrieg proklamiert, aber man läßt ihn im Innern begleitet sein von einer Verstärkung der Herrschaft der Ver­dächtigung. Gibt cs denn niemand in den Bureaus der russi- scheu Regierung, der Verständnis dafür hat, daß alle diese Repressalien die nationale Einheit zu zerstören drohen? Und welchen Glauben kann man den liberalen Versprechungen der Regierung bcimessen, welche so ungeniert und frivol den seit den ersten Tagen der Krise proklamierten nationalen Waffen- stillstand bricht?

Soweit die Human itä. Unsere französischen Genossen werden hoffentlich bald erkennen, daß die Versprechungen aus liberale Reformen und auf nationale Autonomie der im russischen Reiche bisher unterdrückten Völkerschaften, mit welchen Nikolaus der Meineidige das russische Volk ködern will, eitel Lug und Trug sind.

Die Absichten Japans.

Stockholm, 10. Sept. (Priv.-Tel. der Frkf. Ztg., Ctr. Frkf.) Beim russischen Botschafter in Tokio, Malewsky, gab der Minister des Auswärtigen, Kato, eine Erklärung ab des Inhalts, daß Japan der Londoner Dreiverbands-Abmachung gegen einen Scperatfrieden beitrete. Kato versicherte, daß selbst die Besetzung Kiautschous nicht das Ende der japani­schen Kriegshandlungen bedeuten werde. Da andererseits Japan versichert hat, auf dem europäischen Kriegsschauplatz nicht eingreifen zu wollen, wird die versteckte Drohung von Operationen gegen den weiteren deutschen Kolonialbesitz nicht gerade freundlichen Widerhall in Australien und Amerika Hervorrufen.

150 Millionen Mark Krieaskredite.

WB. Tokio, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Das Oberhaus bewilligte einstimmig die Kriegskredite von 53 Millionen Nen.

LlnölandSenten.

WB. Wien, lg. Sept. (Nichtamtlich.) Nachrichtenagenturen. Pressebureaus und Blätter in London und Petersburg verbreiten fortgesetzt phantastische Meldungen über angebliche Siege der feind­lichen Armeen, sowie über die Zustände in Oesterreich-Ungarn, die ein Dementi nicht verdienen, da sie durch die Tatsachen täglich widerlegt werden. Offensichtlich verfolgt dieser lügenhafte, ver­leumderische Presseseldzug neben der Irreführung der össentlichen Meinung des eigenen Landes den besonderen Zweck, die nieder­gedrückte Stimmung der französischen Bevölkerung zu mindern »nd den Mut der Franzosen zu heben, die freilich eine wirksamere

Unterstützung von ihren Bundesgenossen erwarten als durH

Lügendepeschen.

In der Pariser Humanitö vom 27. August finden wir eins Notiz, die sich aus Kopenhagener Meldungen beruft und die besagt) dasi die Bureaus des Vorwärts i» Berlin von Militaristen ge­plündert worden seien, dasi man die Truckpreffen zerstört habe unfr' daß in den Bureaus alles zerbrochen worden sei. Diese angeblichen Gewaltakte sollen eine Folge von Artikeln sein, in welchen der Vor­wärts die Kaiserliche Negierung für die jetzigen und eventuell zu« lllnftigen fatale» Ereignisse verantwortlich gemacht haben soll.

*

WB. Berlin, 10. Sept. (Amtlich.) Eineamtliche Mifi-ülttN« des englischen Generalkonsuls für die Niederlande in Rotterdam") die unter dem 4. September als Flugblatt in holländischer Sprache in den Straßen verteilt wurde, zeigt erneut, mit welchen Waffen unsere Gegner kämpsen. Sie lautet in Uebersetzung:

Wie wir vernehmen, sind zahlreiche Gerüchte im Umlauf) nach denen sogenannte Dum-Tum-Geschoffe im Besitz englischer Soldaten gesunden sein sollen. Ebenso verlautet, daß bei dem letzten Seegefecht bei Helgoland mehr Deutsche durch englische Kricgsschiffsboote hätten gerettet werden können; doch habe man sie ertrinken lassen, ohne alle möglichen Anstrengungen zu ihrer Rettung gemacht zu haben. Beide Gerüchte und Erklärungen sinh ganz und gar unwahr und böswillig in Umlauf gesetzt worben) Kein einziges Tum-Dum-Geschoß ist von englischen Soldaten' verwendet worden. Was die Beschuldigung anbetrifft, daß man die Deutschen habe ertrinken lassen, so muß sestgestellt werben^ daß die deutschen Offiziere auf die eigenen Mannschaften ge<> schosien haben, um ziz verhindern, daß sie sich von den durch die Engländer ausgesebten Booten aufnehmen ließen. Ferner steht fest, daß die deutschen Kriegsschisse auch auf die englischen Rettungsboote schoflen, während diese die verwundeten, im Wasser!

treibenden deutschen Seeleute retteten."

Hierzu bemerkt das Wolffsche Telegraphen-Bureau: Daß be^ englischen Soldaten Tum-Dum-Geschosse gesunden worden sind, be-t darf nach dem Telegramni des Kaisers an den Präsidenten der Vereinigten Staaten keiner weiteren Bestätigung. Tie unerhörte Verleumdung, deutsche Seeoffiziere hätten auf die im Wafler schwimmenden Mannschaften und deutsche Kriegsschiffe auf die bei Rettungsarbeiten befindlichen Boote geschoflen, steht zu tief, um eines Wortes gewürdigt zu werden.

Das Cngländerheer eine demoralisierte Bande.

Tic Londoner Times haben große Entrüstung hervor) gerufen in England. Das Blatt hat, wie wir aus einer hol­ländischen Zeitung ersehen, einen ausführlichen SPszialberichp aus Amiens veröffentlicht über den Zustand der englischen! Trilppen nach den Känipfen mit den Deutschen auf französi) schein Boden.

Und was ist da berichtet svorden? Man lese, wie das entrüstete England darüber urteilt?:es wird der Eindruck hervorgehoben, daß das britische Kriegshecr nicht nur große Verluste gehabt hat, sondern daß eigentlich nichts davoch übrig geblieben ist, als eine demoralisierte Bande."

So etwas in den Times lesen zu müssen, muß freilich bitter sein. Aber was weiß das Blatt auf die heftigen An»! griffe, denen cs nach dem Aufsehen erregenden Bericht seines besonderen Correspondenten in Amiens" ausgesetzt war, zu antworten?daß der Bericht dem Zensor Vorgelegen habe")

A,«fr,«f der Trade UnionS Min freiwillige«

Kriegsdienst.

London, 10. Sept. Das parlamentarische Komitee des Trab» Union-Kongresses Hot an alle Fachvereinigungen Englaichs ei» Manifest gerichtet, in deui es außerordentlich scharf dagegen Stel­lung nimmt, daß eine längere Fortdauer dazu benutzt werden könne, die allgemein« Wehrpflicht in England einznsühren. Das Manifest sieht in der allgemeinen Wehrpflicht eine Belastung der finanziellen und persönlichen Kräfte des einzelnen, die auf joden Fall vermieden werden müßte. Um jedoch der wahren Demokratie zum Sieg zu verhelsen, müfle die englische Arbeiterschaft zeigen, was ein freies Volk ohne den Zwang der Wehrpflicht leisten könne. Infolgedessen müfle jeder, der es irgendwie könne, sich als Freit williger meldenc

Zwei deutsche Handelsschiffe versenkt.

Mailand, 9. Sept. (Priv.-Tel. der Jrklf. Ztg., Ctr. Bin.)!. Aus Bordeaux wird gemeldet, daß nach einer offiziellen Mit- tcilnng zwei deutsche Handelsschiffe im Atlantischen Ozeans durch französische Kreuzer versenkt worden sind.

Eine reichsosfiziöse Würdigung des Genossen Frank.

Der Tod des Genossen Frank wird von der bürgerlichen; Presse durchgehends mit warmer Anteilnahme besprochen. Einige Blätter, wie Berliner Zeitung am Mittag und Ber-

patrouille aus dem Hinterhalt niederschossen. Das Torf sei darauf zerstört worden. Ferner wird gemeldet, daß in Belgien der Franktireurkricg weitet organisiert wird. Dem Berliner Lokalanzcigcr wird geschrieben: In mehreren Ant- wcrpencr Zeitungen, zum Beispiel dem Antwcrpcner Han­delsblad, Metropole, Gazette d'Anvors usw., soll, wie man uns mitteilt, ein Aufruf veröffentlicht worden sein, worin das belgische Volk aufgcfordert wird, sich zu verteidigen, wie in dergüldenen Sporenschlacht", wo sich Greise, Frauen und Kinder in glänzender Weise hervorgetan hätten, wie die streitbare Macht. Das offiziös bediente Blatt bemerkt dazu: Tie Antwerpener Zeitungen würden mit der Veröffentlichung solcher Aufrufe eine schwere Blutschuld auf sich laden. Wenn das ohnehin durch französische und englische Siegeslügen ver­blendete belgische Volk sich zu neuen Gewalttätigkeiten gegen unsere Truppen hinreißen lassen sollte, so mühte daraus ein schonungsloses Strafgericht folgen. Inzwischen wird ja wohl der belgischen Regierung von befreundeter neutraler Seite nahegelegt worden sein, von der sogenannten Volkserhebung keinen Gebrauch mehr zu niachen, sondern die Kämpfe denen zu überlassen, zwischen denen allein der Krieg sich in ritter­licher und soweit angängig menschlicher Weise abspielen kann, nämlich den regulären Truppen.

Belgien protestiert gegendeutsche Greuel".

Die belgische Regierung hat durch Vermittlung des spanischen Botschafters der deutschen Reichsregierung eine Protestnote zugehen lassen, über deren Inhalt italienische Blätter berichten:

Belgien, das den Frieden wollte, ist von Deutschland ge­zwungen worben, zu den Waffen zu greifen und gegen einen durch keinerlei Handlungen gerechtfertigten Angriff, der den feierliche» Verpflichtungen der Verträge zuwiderläuft, sich in der Notwehr zu schützen. Belgien ehrt sich selbst, indem es loyal mit Beachtung aller Regeln des Völkerrechts und des Krieges kämpft. Nach dem Einbringen deutscher Truppen auf sein Gebiet hat Belgien durch seine Negierung in allen Gegenden Maueranschlägen erlassen und täglich auch in den Zeitungen Versügungen bekannt gemacht, die den nicht am Kampfe beteiligten Bürgern verbieten, feindselige Handlungen gegen die in das Land einbringenden Truppen z» unternehmen. Die belgische Regierung erhebt lebhaften Einspruch gegen die von der deutschen Regierung zur Begründung ihrer odiösen Unterdrückungsmaßregeln verbreitete falsche Darstellung. Wen» einige den Kriegsregeln zuwiderlaufende Handlungen nach- zuweisen sind, so muß man vor ihrer Beurteilung die gerechte Ent­rüstung in Rechnung stellen, die die von den deutschen Soldaten begangenen Grausamkeiten im belgischen Volke hervorgerufen haben. Das belgische Volk sei außerordentlich friedlich gesinnt, aber zur Verteidigung seiner Rechte entschlossen und in der Achtung vor der Menschlichkeit gleichermaßen energisch." Die belgische Note zählt sodann eine Reihe von Ausschreitungen auf, die angeb­lich bis znm 20. August von deutschen Truppen in Belgien be­gangen worden sein sollen. Die Note schließt dann mit den Worten: Diese Tatsachen umfassen die Niedermetzelung unbewaffneter Bauern, Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, Brand­legung von Dörfern und einzelnen Häusern, aus denen kein Wider­stand geleistet worben war, und zahllose Diebstähle. Viele dieser Handlungen wurden von deutschen Soldaten in Gegenwart ihrer Ossiziere und oft sogar auf deren Veranlassung verübt. Es ist offenbar, daß der Zweck der deutschen Behörde der ist, die belgische Bevölkerung zu terrorisieren."

Amerikanische Kriegsberichterstatter haben keine deutschen Greuel beobachtet.

WB. Berlin, 10. Sept. (Nichtamtlich.) Nachstehende Erklärung der Kriegskorrespondenten hervorragender Organe der amerikani­schen Presse wird uns zur Veröffentlichung übergeben:Um der Wahrheit die Ehre zu geben, erklären wir einstimmig diedeutschen Greuel", soweit wir beobachten konnten, für unwahr. Nach zioei- wöchentlichem Aufenthalt im deutschen Heere, die Truppen über 100 Meilen begleitend, sind wir tatsächlich nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Fall unverdienter Strafe und Vergeltungsmaß­regeln zu berichten. Wir sind ferner nicht in der Lage, die Ge­rüchte bezüglich Mißhandlungen von Gefangenen und Nichtkombat­tanten zu bestätigen. Mit den deutschen Truppen durch Landen, Brüssel, Nivelles, Binche, Buissiere, Hautes-Wiheris, Marbes-le- Ehateau, Sorle-sur-Sambre, Beaumont haben wir nicht die ge­ringste Unterlage für einen einzigen Fall von Zügellosigkeit. Zahl­reiche Gerüchte fanden wir nach Untersuchung grundlos. Wir sahen überall die deutschen Soldaten ihre Einkäufe bezahlen und das persönliche Eigentum und die Rechte der Bürger achten. Nach der Schlacht von Buissiere fanden wir belgische Frauen und Kinder im Gefühl völliger Sicherheit. In Merbes-Ie-Chateau ivurde ein Bürger getötet, doch konnte niemand seine Schuldlosigteit beweisen. Flüchtlinge, welche von Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten er­zählte», konnten absolut keinen Beweis beibringen. Die Disziplin der deutsche» Soldaten ist hervorragend. Keine Trunkenheit kommt vor. Der Bürgermeister von Sorle-sur-Sambre hat unaufgefordert die Gerüchte von Grausamkeiten in der dortigen Gegend wider-

Afraja.

Ein nordischer Roman^on Theodor Mügge. 88

Selbstvertrauen muß jeder Mensch haben, wenn er in schwierigen Lagen nicht untergehen soll", antwortete Mar- strand.

Aber Vorsicht darf nicht fehlen", fiel der Gildcmeistcr ein.Die goldene Regel jedes Kaufmannes ist, nichts zu unternehmen, wozu seine Kräfte nicht ausrcichen. Speku­lation ist die Seele des Handels, doch wer ins Blaue ohne Mittel spekuliert, gerät in Schwindel. Langsam gehen, aber sicher gehen, das ist die Sache. Geh langsam an, kommst oben an, heißt das alte richtige Sprichwort, das jeder sich merken inuß."

Nicht jeder, Herr Fandrem, denn bei allem, was ein Mensch unternehmen mag, gibt das Gliick den Ausschlag. Spekuliert so vorsichtig, wie Ihr wollt, alles wird zu schänden werden, wenn das Gliick Euch verläßt; unternehmt das Ge- wagteste, und cs wird gelingen, wenn die große Göttin Glück Euch den Finger reicht."

He! und Sie sind solch ein Sonntagskind der Glücks­göttin, wie ich meine?" rief Fandrem lachend.

Ich habe wenigstens den Mut, es sein zu wollen", ant­wortete der junge Abenteurer.Früh Hab ich des Glückes Mißgunst erfahren, warum soll ich nicht glauben, daß cs jetzt mir treuer sein wird? Leicht will ich cs keinem Widersacher machen, mich anszustechen. Ich will mein Glück festhaltcn bei jedem Zipfel, und wer das Unglück nicht fürchtet, hat immer die meiste Aussicht auf Erfolg."

Wünsche Ihnen alles Gute", rief der Handelsherr, sein Glas erhebend,und daß kein Tag kommen möge, wo Ihr Glücksschiff auf eine blinde Klippe läuft."

In dem dicken rotem Gesicht war eine Teilnahme zu be­merken, die sich vermehrte, als Marstrand antwortete:In der ganzen Welt, »vo Menschen nach einem Ziele ringen, stellt

sich Glück gegen Glück. Jeder hat seinen Anteil daran, es fragt sich nur, wer das Meiste bekommen hat. Die sich die Stolzesten und Sichersten dünken, ihre Pläne auf das Ge­heimste und Künstlichste machen, werden oft am leichtesten von Gegnern besiegt, die sic kaum beachten. Recht muß man tun, Herr Fandrem. das Gewissen muß immer in Ord­nung sein, und der Kopf nicht allein, sondern auch das Herz an der rechten Stelle sitzen, so kann man es mit jedem Feinde aufnehmen. Es steht in der Bibel geschrieben: Seid klug wie die Schlangen, doch ohne Falsch wie die Tauben, und das ist ein richtiger Spruch, der hilft ans vielen Nöten."

Diese letzte Antwort machte einen verschiedenen Eindruck auf die Tischgcnosscn. Fandrem brummte vor sich hin und trank sein Glas aus, seiner Tochter Gesicht wurde auf einen Augenblick so belebt, wie es noch nie gewesen war, Hclgestad aber begegnete den Augen des kühnen Sprechers, und beide suchten zu verstehen, was in ihnen vorging.

Ruh!" rief der Nordländer, dann in seiner bedächtigen, kurzen Art,kalkuliere, daß jeder tue, was er kann, und das Ende den Meister lobt. Recht hat, wer oben schwimmt und was er anfängt auch ausführt. Denke, hat jeder niit sich selbst abzumachen, was er Gewissen heißt, sagt das eine dies, das andere jenes, ist aber Herr Marstrand ein Mann, der seine stolzen Worte wohl noch in mancherlei Sturm und Wetter er- proben mag.".

Dann wird cs sich zeigen, ob ich Ihr Lob verdiene."

Ob das Glück anshält," sagte Niels, ihn angrinsend.

Ich denke, Herr Fandrem, es soll bald zeigen, daß ich Hclgestads Lehren wohl verstanden habe", rief Marstrand lebhaft.

Ich zweifle nicht daran und achte Sie dafür", antwortete der Gildevorsteher, sein Glas ausstreckend.Wäre der Kapitän ein Mann Ihres Schlages, bei Gott! er schlug mit dem Heft des Messers, das er in der Hand hielt, auf den Tisch er sollte an meinem Tische sitzen und meinem Hause willkom­men lein."

Henrik Dahlen ist, soweit ich ihn kenne, ein ehrenhafter und wackerer Mann", sagte Marstrand, der für seinen Freund sprach.

Ein dänischer Windbeutel, ein Hans Narr in roten Hosen, ein Unglück für das Land, das solche Faulenzer er­nähren inuß", rief Fandrem heftig.Wollte Gott", fuhr er; mit einem Seufzer fort,Norwegen wäre, was es ehemals war, ein freies und selbständiges Reich und Bergen wieder eine Stadt, die sich selbst ihre Gesetze machte. Damals stand es besser mit uns als jetzt, wo die Dänen Blutsauger aller Art, Zöllner, Richter, Priester und verdammte Soldaten uns über den Hals schicken."

Die schönen Jungfrauen von Bergen werden milder darüber denken", rief Marstrand belustigend.Was sagt Jungfrau Hanna dazu?"

Bah!" rief ihr Vater ärgerlich,haltet Euch ehrbar, Herr, und fragt sittlich erzogene Jungfrau nach solchen Dingen. Bergen ist, dem Himmel sei Tank, kein solches So­dom wie Tronthjem, wo die dänischen Offiziere in die Häuser der besten Familien kommen, und Bälle samt anderen sündigen Lustbarkeiten die Jugend verderben."

Wird denn in Bergen nicht getanzt?" fragte Marstrand.

Wir leben in einer ehrbaren Stadt", antwortete Hanna, wo man nicht von dergleichen Possen weiß. Hier hören wir glücklicherweise nur von Stockfischen und Heringen und statt der Musik die Töne der Winden an den Packhäusern und den Gesang unserer teuren Freunde, der Nordländer, deren Gcselb- schaft uns so wohl tut. Unser schuldloses Vergnügen besteht darin, zur Sommerzeit hier oben in freier Luft und im Winter auf der deutschen Brücke am warmen Ofen zu sitzen. Zweihundert Tage iin Jahre regnet es regelmäßig in Bergen, wenn es nicht zur Abwechslung schneit; so nehmen wir denn jeden Sonnenstrahl wahr »nd freuen wir nns über Gottes gute Gaben, zu denen man freilich am wenigsten die dänischen Soldaten rechnen darf."

«Fortsetzung folgt.)