Ausgabe 
11.9.1914
 
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Sein Kriegszustand aus den italienischen Bahnen.

WS Rom, 10. Sept. Agencia Stefani veröffentlicht folgendes Dementi: Die von der Gazette de Lausanne ans Bern unterm

7 September veröffentlichten Nachrichten, das, ans den italienischen Eisenbahnen der Güter- und Nachtverkehr für Private gegenwärtig aufgehoben sei, ist vollständig unbegründet.

Ei» englischer Protest gegen England.

London, 10. Sept. Die englische liberale Revue Nation Deröffentlicht eine ausführliche Abhandlung über den Krieg, welche darin gipfelt, daß England den Krieg ganz ohne - Krilnd, gegen alle Treu und Glauben vom Zaune gebrochen 'fra&e, daß England Frankreich niemals den Krieg erklärt haben würde, falls dieses in Belgien eingerückt wäre, daß Deutschland stets loyal gegenüber England gehandelt habe und daß England nur dem Zarentum und dem russischen Militarismus aufhelfe und den Fortschritt des russischen Bolkes hemme.

Die englische Vergewaltigung der Kongoakte.

Berlin, 10. Sept. Die evangelischen und katholischen Missionen erheben einen flammenden Protest gegen die Der- letzung der Kongoakte, Artikel 11, wonach kriegerische Ver- Wicklungen unter europäischen Mächten nicht auf afrikanische Gebiete übertragen werden dürfen. England hat den Be- mühungech von verschiedenen Seiten, cs zur Einhaltung der Kongoakte zu veranlassen, nicht entsprochen. Taruni ist der Protest erhoben worden. Seine Verbreitung im weitesten Ausland ist erforderlich. Der Aufruf soll in fremde Sprachen übersetzt und überall verbreitet werden.

Eine englische Lüge.

Kristiania, 10. Sept. Die Behauptung der Times, deutsche Handelsschiffe unter norwegischer Flagge hätten in gesetzwidriger Weise eine Linie zwischen Newyork und Brasilien eröffnet, erweckt hier die größte Entrüstung. Norwegische Rheder erklären diese Behauptung für eine Lüge. Das Morgenblad sagt: Man sei hier der Meinung, die ganze Behauptung der Times sei aus der Lust gegriffen. Der Minister des Aeutzeren hat eine Untersuchung ein­geleitet, um aller Welt die Haltlosigkeit der Angabe der Times zu beweisen. Es gilt hier für sicher, daß die Meldung nur ein eng­lisches Manöver gegen dse korrekte freundliche Haltung Norwegens gegenüber Deutschland därstellc. Alle hiesigen Blätter sprechen sich in diesem Sinne aus.

Telcgrammwechsel zwischen Jossre und Kitchener.

Rom, 10. Sept. General Jossre hat Kitchener ein Telegramni gesandt, in dem er ihm herzlichst für die dauernde Unterstützung dankt, welche die britischen Truppen der französischen Armee wäh­rend des ganzen Verlaufs der Operationen gewährt hätten. Diese Unterstützung sei in diesem Augenblick von höchstem Wert und sic komme aufs kräftigste in dem Kampfe zum Ausdruck, der jetzt gegen den deutsche» rechten Flügel in, Gange sei. Lord Kitchener sagte in seiner Antwort: Die britische Armee freut sich, mit der fran­zösischen zusammenwirkcn zu könne», und England sei stolz auf die Hohe Aufgabe, seine Unterstützung gewähren zu dürfen, auf die General Jossre stets vertrauensvoll zählen könne.

Die Gefangenenbehandlung in Frankreich.

Newport, 10. Sept. Der Botschafter der Vereinigte» Staate» in Paris, Serrik, dem der Schutz der noch in Frankreich befind­lichen deutschen »nd österreichisch-ungarischen Staatsangehörige» übertragen ist, hat beim sranzöflschen Minister des Aeußeren> Delcaste, einen energischk» Protest gegen die grausame und mcnichen- unwürdige Behandlung der in französischer Gesangenschast befind­lichen Deutschen, sowie Lesterrcichcr und Ungarn erhoben. Del- casfe hat dem amerikanischen Botschafter Abhilfe dieser allem Völkerrecht widersprechenden Behandlung zugesagt.

Die russisch« Hceresmacht in Galizien.

Wien, 10. Sept. Der Kriogsberlchterstatter des Fremden« blattcs stellt in seinen Berichten fest, daß auf russischer Seite un­gefähr 580 000 Infanteristen, 40 000 Reiter, 1500 Adaschinenigewehre und mehr als 2000 Geschütze an den Kämpfen der letzten Wochen beteiligt gewesen sind. Ein« gewaltig« Streitmacht, zumal diese Ziffern eher zu niedrig gegriffen sind, da die tockniischen Truppen, wie der Train usw., noch nicht einbegriffen wurden. Mindestens die Hälfte davon ist aber unter großen Verlusten zuriickgeschlaqen worden, sodatz die russische Armee ein« empfindliche Einbuße er­litten hat. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, aber die Bilanz der bisherigen Ereignisse ergibt für uns ein mehr als befriedigen­des Resultat.

Tic Bulgaren in Mazedonien.

Bulgarische Freischarcn entfalten neuerdings wieder eine lebhafte Tätigkeit in Mazedonien. Die für den Transport von Lebensmitcln und Truppen äußerst wichtige Bahnstrecke, die Neu-Serbien mit dem Königreich verbindet, ist von bul­garischen Koinitatschis neuerdings wieder zerstört worden, nachdem cs ihnen bereits gelungen war, den Verkehr ans die­ser Strecke für einige Zeit zu unterbinden, lftn russischer Diplomat bestreitet die russischen Truppenlandungen.

IVB. London, 10. Sept. Ter russische Botschafter in London dementiert, daß russische Truppen in Frankreich an Land ge­gangen find.

Frankreich holt den lebten Man» heran.

IV. B. Bordeaux, 10. Sept. eilt gestern zusammengc- trctener Ministcrrat unterbreitete dem Präsidenten Poincar« einen Erlaß, durch welchen diejenigen Männer bis zu 45 Jahren, die bisher dienstuntauglich oder zurückgestellt waren, aufgefordcrt werden, einer neuen ärztlichen Untersuchung sich zu unterziehen. Diejenigen, die dabei als diensttauglich bc- suiidcn werden, sollen unverzüglich ansgchobcn werden. Diejcnigne, die sich auf den Erlaß hin nicht zur Untersuchung melden, werden als diensttauglich angesehen werden.

Poincare fürchtet ei» Atcntat.

T.-U. Genf, 10. Sept. Wie aus Paris hierher gemeldet wird, hält vor dem Sause des Präsidcuten Poincare in Bordeaux eine Leibgarde Wache, weil man Attentate befürchtet.

Ein Sohn des Kaisers verwundet.

W. B. Berlin, 10. Sepi. sAmtl.) Der Prinz Joachim von Preußen (der jüngste Sohn des Kaisers) ist durch ein«» Schrapuell- sckuß verivundet word«n. Ti« Kugel ging durch den rechten Ober­schenkel ohn« den Knochen zu verleben. Ter Prinz war als Ordon­nanzoffizier auf dem Gefcchisselde tätig gewesen. Er ist in das nächst liegende Garnisonlazarett übergeführt worden.

Ein englischer Hilfskreuzer gesunken.

W. B. London, 10. Sepi. Tie Admiralität gibt amtlich be­kannt, daß der als Hilfskreuzer armierte OzeandampscrOcianic" von der White.Star-LInie gestern in der Nähe der Nordküste Tchott- lands Schissbruch gelitten hat. Das Schiss ist vollständig verloren.

Cffijicrc und Mannschaften sind gerettet.

Zu Ludwig Franks Tode.

Wie die Mannheimer Volksstimme berichtet, haben sich die Famitienangchörjj,cn des Genosien Frank im Einvernehmen mit den Parteiinstanzcn von Mannheim mit der Heeresverwaltung in Verbindung gesetzt, um die Erlaubnis zur Ausgrabung und Uebcr- führung der Leiche nach Mannheim zu erhalten. Nach einer Mit-

teilung des Generalkommandos ist die Genehmigung erteilt worben.

lieber die Beweggründe Franks, als Freiwilliger an die Front zu ziehen, teilt Genösse Südeknm in der Völkischen Zeitung einiges mit. Als Frank gleich bei Zusammentritt des Reichstags sich zum aktiven Dienst gemeldet halte, und als seine Freunde ihn ini Hin­blick auf seine spätere Notwendigkeit davon abhallcn wollten, ant- ivortcte er ruhig:Einer muß die Fuudamcntc gesehen haben."

Seine stetige aus de» Grund der Tinge gerichtete krastvollc Geistesart", so sagt Südeknm,sein fester Wille und zugleich auch die Gabe, dem inneren Erlebnis und bcm Schwung des EnischtusteS die rechte Form zu leihen", stecken in diesem Ausspruch. Elldekum charakterisiert den gefallenen Helden als einen Herold der inter- »aiivnaleu Verständigung und doch einen kernfesten Deutschen, als einen Mann derben und fast bäuerlichen Wesens, umflosien von, Zauber hoher Kultur. Er zitiert einen Brief von Frank, der aus dem Jahre 1012 stammt und auf einen Artikel Slldekums anspielt. Die Ansicht, die darin zum Ausdruck kommt, ist nicht neu, aber wenn mau mit ihr das Wort zusammenhält: Einer muß die

Fundamente gesehen haben, dann gewinnt man einigen Aufschluß über die Motive, die Frank in diesen Krieg getrieben haben. Er schrieb damals:

Also ist auch Dir der Faden der Geduld einmal geriffcn, jetzt verstehst Tu wohl spspchologisch) meine Ailmersdorser Keneralstreikrebe bester (als bei einer vorausgcgangenen Dis­kussion). Wenn man bei uns nicht cinsieht, daß mit der Sozial­demokratie sehr wohl eine Politik zu machen wäre, und wenn die reaktionären Kräfte nicht einsehcu wollen, daß gegen die Sozial­demokratie auf die Dauer doch eben keine Politik zu machen ist, bann gehen wir in Deutschland schweren Zeiten entgegen, aber ich hoffe, daß wir beiden noch eine gründliche Acnderung der jetzt freilich beinahe unerträglichen Verhältnisse erleben werden. Tn hast ganz recht, daß es so, wie zuletzt nicht weiter geht." Und er bekräftigte seine Anschauung später am 31. August, als er an SUbekum den letzten Brief schrieb, der begann:Heute geht's fort an die Front! Endlich! Soeben kam der telegraphische Marschbefehl." In diesem letzten Briese hieß es:Ich habe

während dieser anstrengenden, aber wohltuenden Wochen meiner militärischen Wiederausfrischung manche Stunde zum stillen Nachdenken übrig gehabt und manchmal über das gesonnen, was werden soll. Ich laste mich nicht davon abbringen, daß in diesem Kriege die Grundlagen für einen unabsehbaren Fortschritt gelegt werden. Doch darüber mündlich viel, viel mehr!"

Die Kugel, die Frank getroffen hat so meint hierzu dle Frankfurter Zeitung hat mehr vernichtet als nur ein Menschen­leben. Da? fühlen auch die berufenen Vertreter aller politischen Parteien und die e r n st e Preste und sie alle senken in ehrlicher Hochachtung die Waffen vor dem toten Gegner. Nur Blätter vom Schlage einer Ossenbacher Zeitung, die sonst wegen jeder Selbst­verständlichkeit ein großes Ruhmcsgemüse ihren Lesern vorsetzt, geht stolz und kühl über Franks Tod hinweg. Es ist auch bester so.

Von Beileidskundgebungen mögen noch folgende abgedruckt werden:

Berlin, den 8. September 1914.

An den Landesvorstanb der Sozialdemokratie Badens.

Die Todesnachricht unseres treuen Freundes Frank hat uns tief ergriffen. Mit Frank, der wie tausend andere unserer Brüder auf dem Schlachtfelde verblutete, verliert die Svzialdemokratic einen ihrer Besten. Seine Begabung und Tatkraft berechtigen zu den größten Hoffnungen. Ter Svzialdemvkratie Badens, die von dem Verlust am schwersten betroffen wird, übermitteln wir unser herzlichstes Beileid. Der Parteivorstand.

An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei, dahier.

Gestatten Sie auch uns. Sie unserer herzlichsten Teilnahme an dem unersetzlichen Verlust zu versichern, welchen nicht nur Ihre Partei, sondern das ganze fortschrittlich gesinnte deulschc Volk durch das jähe Hinscheiden Ludwig Franks erlitten hat.

War er auch nicht Mitglied unserer Organisation, so durften wir ihn doch insofern zu uns zählen, als er einer der begeisterten Vorkämpfer des Gedankens der Verständigung der Völker war. Schrieb er doch noch wenige Tage vor seinem Ansmarsch an ein Vorstandsmitglied unseres Vereins:

Ich teile Ihre Aiischamingen durchaus, daß daS Ziel des Krieges dauernde Freundschaft der europäischen Westmächte sein muß. Da ich aber Soldat bin, kann ich auf absehbare Zeit für die auch mir erwünschte Zusammenarbeit zwischen proletarischer und bürgerlicher Friedensbewegung wenig zu tun."

Mit Recht sagt die Volksstimme in ihrem Nachruf, daß Deutschland den Verstorbenen nach dem Krieg, bei den großen Um­wälzungen, welche dieser zur Folge haben wird, nötiger hätte als je, und in diesem Sinne betrauern auch wir den viel zu frühe» Tod des Verstorbenen anfs tiesste.

Mit vorzüglicher Hochachtung!

Ortsgruppe Mannheim der deutsche» Friebcnsgescllschast:

A. v. Harder, Vorsitzender. Otto Wüst, Schriftführer.

An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Mannheim.

Das deutsche Volk trauert heute um einen seiner Vesten. In Ludwig Frank ist ein Mann von uns geschieden, der weit über den Rahmen seiner Partei hinaus sich Achtung und Zuneigung er­worben hatte. Was er für Mannheim und für Baden war, misten wir alle.

Ihm ward das beste Los, für sein Volk zu wirken und sur dessen Freiheit zu sterben. Dennoch stehen wir tief erschüttert vor der Tatsache seines Todes und sprechen der Sozialdemokratischen Partei in Mannheim unsere herzlichste Teilnahme aus.

Fortschrittliche Volkspartei in Mannheim.

Karl Vogel.

Verehrl. sozialdemokratische BttrgerauSschuß-Fraktion

Mannheim.

Sehr geehrte Herren!

Wir stehen unter dem erschütternden Eindruck der Nachricht, baß Herr Reichs- und Landtagsabgcordiictcr Dr. Frank gleich, nachdem er auf dem Felde erschienen war, gefallen ist.

Er starb den Heldentod für unser bedrängtes Vaterland. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Ihre Partei er-' leidet mit dem Hinscheiden des Herrn Dr. Frank einen schweren Verlust, zu dem wir Ihnen unsere herzliche Teilnahme aussprechcn.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Nationalliberale Bürgerausschußfraktion Ter Vorsitzende: König.

An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hier!

Namens der Zentrumspariei des hiesigen Bezirks, sowie der Zentrumsfraktion des Biirgcrausschusscs gestatte ich mir, der Sozialdemokratischen Partei das innigste, tiefste Beileid anszu- sprechen zu dem schweren, fast unersetzlichen Verlust, der Ihre Pariei durch den so raschen Tod Jhrers Führers, Reichstagsabgc- ordnetcn, StadtverordiictcnTr. Frank, betroffen hat.

Wenn die Zentrumspartei auch in langem politischem Kampfe oft mit ihm die Waffen gekreuzt und seine Ziele bekämpft hat, kv wußten wir aber doch, daß er i» ehrlicher Ilebcrzeugung mit der ganzen, ihm eigenen Kraft für die von ihm richtig gehaltenen Grundsätze eintrat und das Beste des Volkes, wie insbesondere auch unserer Vaterstadt wollte. Seine Besähignng und Tatkraft, sein Opfersinn und persönlicher Charakter wurde» auch von uns anerkannt und hochgeschätzt. Nun hat er i» der Not der Zeit, da wir alle um die Ehre und Existenz des großen Vaterlandes kämp­fen, daS Höchste, sei» Leben, für die Verteidigung des VatertandcS eingesetzt und hingegebcn. Diese höchste PslichtersUllung hat die Bewunderung aller gefunden und wird ihm ein immerwährendes ehrenvolles Andenken sichern.

An der tiefen Trauer Ihrer Partei, an dem Verluste Ihres hochbcsähigten, wohlverdienten Führers nimmt die Zentrnmsparlci herzlichsten Anteil.

In vorzüglicher Hochachtung für die Zentrumspartei

I. G i e ß I e r . Amtsgerichtsdirektor.

An die Redaktion der Volksstimme, Mannheim.

Anläßlich des Heldentodes des Rcichstagsabgcordnetcn Dr. Ludwig Frank ivrechcn wir Ihnen und der Sozialdemokratischen

Partei unser ticsgefühltes Beileid aus. Möge 5aS, was er» nicht mehr selbst verkünden kann, in seinen Werken sortleben. Hochachtungsvoll H a l m. Fr. D o h m a n n.

Für de» Verband der Deutschen Handlungsgehilfen Leipzig, Geschästsstclle Mannheim.

Hcsieu nnd Nachbargebiete.

Gießen nnd Umaebung.

Das hessische Regierungsblatt zmn Tode Franks.

linier der lleberschristTr. FvankS Heldentod" schreibt di« Darmstädter Zeitung, das amtliche Organ nuferer hessischen Re­gierung:

DaS Schicksal geht oft soltsa-n« Weg«. War «in Mensch, der Fähigsten einer, der zu hunderten Aiale-n gegen de» Mitftari«nw-ft gegen unser Staatsspstcm, gegen die heutige bürgerliche Gesellschaft: gegen all« tatsächlichen und oermoindlichen Schäden unseres Vater­landes Sturm lief. In sarkastischer Form, in leidenschaftlicher, in humoristischer, in gehässiger, in allen Arten und Tönen: in verletzen­der und in versöhnlicher Weise. Aber trotz alledenr: «in Monn, den man achten mußte, der aus seiner Ueberzengnng wenigstens kein Hehl machte, wcmr sie auch von unserem Standpunkt« in den meisten Fällen nicht gebilligt werden konnte. Kern Haupt seiner Partei, aber doch der geistigen Fichrer einer, besten gemäßigterer Auf- faffung des Sozialismus wegen vor allem die süddeutschen Sozial Demokraten in ihm einen ihrer Bosten verlieren. Kein leerer Phrasenheld und Kosuistiker, kein dogmatischer Gritbler und Haar­spalter, aber ein praktischer Politiker durch und durch, ein Führer mit klaren, Blick. Und als Mensch eine vornehme und hilfreich« Natur. Das alles war Dr. Frank bis zum Augenblicke der Modi!- nrachung.

Da kam mit einem Schlag der Uebersall unserer Feinde gegen unser Vaterland. Derriijchlands Friedensliebe wurde zu Bode,« getreten, Deutschlands Selbständigkeit sollte unter die Borcrhäiide der Briten, Denischlands Kultur unter die Nägelstiefel der Kosaken, Denischlands Sitten unter das Niveau des Montmartre geraten. So ivar's in London, Paris und Petersburg ausgeheckt. Der greise Bebel hätte wie «r selbst gestand in einem solchen Falle das Gewehr aus den Buckel genommen.. Auch Lud-ivig Frank, dessen internationale Politik stets der Verständigung Denischlands und Frankreichs, der Sicherung des Friedens gewtdnret war, dessen Werk noch im Vorjahre der Berner Friedenskongreß war, auch er siihltc mit Bitterkeit die insamen Leidenschaften des feindlicher« Anstandes. Diesen Krieg hielt Frank in Uebereinstinmiung mit seiner ganzen Partei nnd mit dem ganzen deutsche,« Volk fiir ge- recht, lind darum war er einer der ersten, der die Flinte als Frei­williger auf die Schulter nahnr. um mitzukämpsen. Er zog diel Umstände sägten es so gegen Frankreich, das er im Frieden liebte. In Wahrheit aber nnd nach seinem inneren Empsindeit zog er mit gegen Rußland zu Felde, das Land der Knechtschaft und der Verderbtheit.

Als einer der ersten sollte er fallen. In der Blüte seines Lebens er ist kaum 40 Jahre alt trat das Unheil seinen Körper hinweggemüht, gegen das «r im Leben so tüchtig ankämpfte. Der Krieg, der unerbittliche Krieg, der unserem Vaterlande aber die Einigkeit wieder gab. Und so entbehrt Dr. Franks Heldentod auch der Tragik nicht: er ist der erste Blutzeuge für das hehre Worb unseres Kaisers, daß es in Deutschland keine Parteien nrehr gibt) Daß es nur noch ein einiges Vaterland gibt. Ter Heldentod Dr.^ Franks braucht nichts mehr guszu'Iöschen. was die Andersgesinnte,« an niiang-cnehinen Erinnerungen mit seiner Person verknüpfte.! Denn was Dr. Frank «inst in ungestiünem Drang und heftige,« Debatten an Trennendem ansrichtete, das hat alles schon seine vaterländische .Haltung hiniveggcräumt, die er sofort nach Kriegs-' ausbruch amiahni. Tie Feinde seines Vaterlandes waren auch seine Feinde. Er hat es ihnen gezeigt als tapferer deutscher Soldat als einer der Bielen, die ihr Leben für Deutschlands Unabhängig­keit opferten, als einer der Wenigen, deren Namen in der Geschichte fortleben wird. Er starb den schönsten Tod, den er sterben tomite. Sein Andenken wird nicht eine Partei, sondern sein ganzes Volk ehren und wahren."

Gegen die Preistreiberei, die bei Beginn des Krieges

von den Großlieferanten von Getreide- nnd Lebensmitteln^ geübt wurde, ergriff die Militärverwaltung energische Maß-, nahmen, die auch Erfolg hatten. Allein trotzdem sind jetzt trotz der reichlichen Ernte die Preise verschiedener lcmdwirt- schaftlicher Produkte höher als früher nnd zeigen auch keine Abwärtsbewegung. Das kommt daher, weil die Militärver- waltnng selbst höhere Preise bezahlt, als es normaler Weise richtig wäre und wirkt somit selber preistreibend. Viele Kleinhändler nnd Konsumenten klagen niit Recht darüber.^ Zum Beispiel würde der Hafer viel zu teuer bezahlt, auch Mehl und Stroh. Für Speck und Dörrfleisch zahlte die Militärverwaltung beim Einkauf im großen dieselben Preise, als sie im Klcinverkanf sieben. Natürlich lassen sich das diö Metzger und Lieferanten gerne gefallen, die Konsumenten haben aber den Schaden. Jetzt, wo viele Arbeiter keinen oder sebr geringen Verdienst haben, fiiyt die Verteuerung der Lebensmittel doppelt schwer ins Gewicht.

Kinderei. Es ist kaum zlt glauben, tvas in der gegen­wärtigen Zeit für Ansichten, Vorschläge und Wünsche zutag« gefördert werden. Jin gestrigen Gieß. Anz. will einer un&c-' dingt eroberte Geschütze in Gießen ausgestellt haben. Er schreibt deni Blatte:In Tarmstadt wurde in den letzten Tagen ein namhafter Teil der Siegesbeute an Geschützen ii. bergt, unter großem Jubel der Bevölkerung eingcbracht. Einige Geschütze haben am Landcsdenknial Aufstellung ge­funden. Wäre es nicht möglich, auch unsere Stadt leihweise mit etwa zwei erbeuteten Geschützen zu bedenken und dieso öffentlich, etwa an der Zeughauskaserne, aufzustellen?"

Was ist denn der Stadt nnd ihrer Bevölkerung für eine Wohltat geschehen, wenn zwei Kanonen dastehen. Was ist Interessantes und Belehrendes daran? Nach ein paar Tagen sieht sie niemand mehr an. Ilebrigens stehen auf dem Glei­berg ein paar, die von ehrwürdigem Alter nnd zweifellos historischer Bedeutung sind, man kann sich bei ihrem Anblick in die schöne Zeit des Rittertums versenken. . .

Mehr Gemcinsinn mehr Verstand! Immer wieder wird uns so schreibt die Frkf. Ztg. von Fällen berichtet, in denen, allen Mahnungen znm Trotz, wirtschaftlich starke Firmen in rigoroser Weise Vorgehen. So schreibt man »nS auch heute von einem besonders krassen Fall:

Ein kleiner Zigarrenhändler in einer hessischen Stadt mußte infolge des Krieges seine Zahlungen einstellcii. Um das Konkurs­verfahren zu vermeiden, bot er seinen Gläubigern 83 X Prozent, was ihm nur dadurch möglich war, daß seine Frau mit ihrer Mitgift zurücktrat. Ais Antwort aus diesen Verglctchrvorschlag beantragte eine große vberhcssische Zigarrenfabrik, die gegen ihn eine Forderung von sage und schreibe 80 Mk. hatte, die Eröffnung des Konkursverfahrens. Sie hat diesen Antrag auch da»» nicht zurückgenomme», als ihr die tatsächlichen Bcrhällnistc als wahr­heitsgetreu mitgetcilt worden waren.