S8i>Ife nicht verstehen Hoffentlich lehnt die Regierung das Angebot der Parteiführer, di: dazu keinerlei Auftrag ha-den, rundweg ab, um den fchtvcren Fehler, den die bürgerlichen Wortführer begangen haben, nickst zu verschärfen,
Wünscht die Regierung eine Verstärkung der Flotte, die ihr der Reichstag sicherlich nicht versagen wird, so soll sie sich an den Reichstag wenden: dann wird auch die sozinld-emokro.Ische
Fraktion tun, was die Lage des Vaterlandes erfordert, Aber die Vermehrung der Flotte als eine Gabe einzelner Parteiführer und Parteien hrngunehmen, dazu darf und wird sich die Regierung jetzt, ivo es in der Verteidigung des Vaterlandes tatsächlich keine Parteien gibt, unter keinen Umständen verstehen. Wenn sich einzelne Parteien durch falsche parlamentarische Maßnahmen kompromittieren, so braucht die Regierung diese bedauerliche Taktik nicht mitzumachcu.
Es ist schlimm, sehr schlimm, das; di« bürgerliche» Parteien ln diesem Falle weder parlamentarisch klug, noch politisch taktvoll gehandelt haben! Ausdrücklich bemerken wir dabei, daß wir gegen eine beschleunigte Vermehrung unserer Flott« an sich in Anbetracht der lebten Verluste imd der internationalen Lage nicht den geringsten Cinwaüd erheben wcrdin,"
Wie der Vorwärts niitteilt, ist inzwischen die für Samstag geplante Konferenz aller Fraktionen abgesagt worden, da sie sich ja erledigt hat, nachdem die Regierung die klare Er- klärung abgegeben hat, dah sie im Falle der Notwendigkeit nicht unterlassen wird, dem Reichstage die nötigen Vorlagen zu machen.
Die Neniralität Amerikas.
Tbl, Berlin, 0. Sept. Gegenüber Börscngcriichtcn, wonach die Neutralität der Bereinigten Staaten von.Amerika zweifelhaft sei, wird dem Vertreter der B. Z, am Mittag von dem amerikanischen Botschafter Gcrard versichert, das; alle Gerüchte, dcucu zufolge die Vereinigten Staaten ihre Neutralität anfgcbcu würden, barer Unsinn seien. Die Vereinigten Staaten würden ihre Neutralität auf das peinlichste und energischste wahren.
Spanien streng neutral.
WB. Berlin, 51. Scpt, Angesichts der in hiesigen Zeitungen, besonders aber in Provinzialbiattern, beharrlich anftauchenden Gerüchte und Nachrichten bezüglich der Haltung Spaniens in dem gegenwärtigen Konflikt ermächtigt uns der spanische Botschafter, zu erklären, daß, wie seine Negierung vom ersten Augenblick an iviederbolt bekundet habe, Spanien die strengste und vollkommenste Neutralität bewahren wird, wie es ihm seine eigenen Interessen »nd das Empfinden der öffentlichen Meinung raten.
Holländische Knstenstädtc im Belagernngszttstand.
Amsterdam, 9. Sept. Holland verhängt den Belagerungszustand über zahlreiche an den Flüssen und am Meer gelegene Orte in den Provinzen Seeland, Nordbrabant und Limburg. Es soll hiermit die Durchfuhr von Kricgskonter- bande an die kriegführenden Mächte besser als bisher verhindert werden können. Die Handelsschiffahrt soll aber nicht belästigt werden. Tie Regierung behält sich vor, zu entscheiden, ob die betreffende Fracht als Kriegskonterbandc zu betrachten ist oder nicht.
England traut den Aegyptern nicht.
WB, Konstantinopel, 10, Scpt. (Nichtamtlich.) Wie Tasvir-i- Efkiar erfährt, legen die Engländer in den letzten Tagen gegenüber der Bevölkerung Aegyptens großes Mißtrauen an den Tag, Einige Blätter bespreche» den zwischen Engla-nb, Frankreich und Rußland abgeschlosienen Vertrag, denen Wortlaut hier von der englischen Botschaft veröffentlicht worden ist: sie erblicken in diesem Vertrage ein Zeichen der Schwäche,
Auch der Osmairische Lloich berichtet: Wie wir ans zuverlässiger Quelle erfahren, tritt in Aegypten die Aufftandsbeivcgunq immer kühner <n». Schon ist die Ei senba-hn strecke Alerairdrien— Kairo zerstört worden, Das ist in der Absicht geschehen, den Transport englisch-indischer Truppen nach Kairo zu stören. Die Boykott- bcwegnng, di« in Aegypten gegen englische Firmen und englische Waren emgcleitct wurde, ist ebensMs im Zuuehmen begriffen.
Die Gärung in Indien.
Aus Indien und anderen mohammedanischen Zentren tvird nach Rom große Gärung gemeldet. Es scheine, daß Ende? Pascha die panislamitischc Bewegung ncubclebt.
Besetzung der Walfischbai durch die Deutschen.
London. !>. Scpt. Deutsche Truppen bcscßtcn die Watsischbai. Die britisckzc Regierung bemerkt dazu: Die Bai kan» leicht wicdcr- gcwonuen werden, sobald die südafrikanische Regierung ihre Vorbereitungen beendigt hat, in Dcutsch-Tiidwestasrika cinzusallen.
Wie es in Belgien anssießt.
Die Norbd. Allg. Zig, bringt «ine weitere ausführliche Schilderung des Direktors der Deutschen Bank Dr, Helserich über den Zustand Belgiens, Tr, Hclserich fragt u, a,: Einig« Ortschaften sind
.völlig zerstört: teils ist in diesen Ortschaften heftig gejochten worden, zum anderen Teile erfolgt« die Zerstörung wegen heimtückischer Ilebersälle nach friedlicher Kapitulation, So wurde die kleine Stadt Batlice niedergcbraunt. welk der Bürgermeister des Ortes nach einer Bewillkommiinnigsansprache den Führer der deutschen Abteilung nlcderschoß. Gleichzeitig wurde aus allen Fenstern ein wütendes Fcucr auf die in den Straßen haltenden Kolonnen eröffnet. Dagegen ist der große Fudustricort Vrrvicrs völlig unversehrt. Tie Stadt Lüttich selbst zeigt nur an wenigen Stellen Spuren des Krieges. Gegenüber der llnloersilät sind allerdings eine Altzahl Häuser znsa-iwmengeschaffcn, well nach der Besetzung der Stadt auf unsere Soldaten von hier geschossen wurde, wie be- hae.ipict wurde vou russischen Studenten. Tie schönst: Brücke LllttlchS und die meisten- Brücken int Maastal sind von den Belgier» ganz zweckloser Welse selbst gesprengt worden. Unsere Truppen errichteten in kürzester Zeit Notbriicken. Zwischen Lllltlch und Tirlemonk, wo unsere Truppen ln breiter Front sich vorwärts be- ,regten, sicht cS bis aus wenige Stellen friedlich ans, als ob nie der Fuß eines scindlichcn Soldaten sic betreten hätte. Nirgends hat man den Eindruck, als ob nufere Truppen ohne Not zerstört nnd verbrannt hätten. Von Löwen ist lediglich derjenige Stadtteil n.lebergebraiint, in dem die heimtückischen ilebersälle und die anhaltenden Straßenkämpfe stattgesunde» haben. Unsere Truppen selbst pcrsuchtcn zu retten, was zu retten war. In der Stadl Brüssel ist keinem menschlich:» Wesen auch mir ein Haar gekrümmt worden. Das Eigentum der Bürger wird aus da-S Peinlichste respektiert: Requisitionen der Truppen wie alle Ein.käusc der einzelne» Soldaten erfolgen gegen bare Bezahlung. Das große Fndustrie- bccken von Eharleroi ist so gut wie vollständig verschont geblieben. Alle Fabriken und Werke sind intakt. Zn der weiteren Umgegend von Maubengc sind die großen Ortschaften im wesentlichen nnbc- rsihrt, dagegen sind die Zerstörungen in der näheren Umgebung, so- ivcit sie im, Bereich der Geschütze d:r Festung liegt, erheblich.
An dieser Stelle schaltet Dr, Helsscrich ein, daß die bei den Ausfälle« aus Maubengc gefangen:,, englischen Soldaten übcrelu- stlmmeud anssagten, daß sie ihre scharfe Munition ans einem in Maudeugc eingerichteten Depot erhielten, wobei zu beachten ist, daß das englische ttzewehrkaliber nicht mit dem französischen identisch ist, daß also speziell die Munition für die englischen Truppen be- rcitgchalten worden war. Bei den englischen Soldaten wurden große Mengen von Dum-Dum-Gcschossen vorgefu-nden. In der Gegend zwischen Sambrc und Maas kehrten die Einwohner zurück. Nachdem dort erbitterte Känepsc stattgefniiden hatten, haben sich die Einwohner überzeugt, daß der deutsche Soldat, solange man ihm nicht an-S Leben geht, der niedlichste Mensch der ganzen Welt ist. Im Tal der Maas wurde Dinant total zerstört, weil unsere Truppe» nach friedlicher Kapltitlatioii der Stadt »nd mehrtägigem Aufenthalt plötzlich von allen Seiten her von de» Einwohnern bc- schvsien wurden, Aus dem gleichen Grund: niußtc die Zerstörung eines großen Tcl-ls der Stadt Anden»« erfo'gen. Den meisten übrigen Orten des Maaslalcs ist von den Schrecken des Krieges nichts anzmnerken. Der Gesmiitclndriick ist, daß unsere Truppen mir dort zerstören, wo die bittere Notwendigkeit des Gefechtes es verlangte oder wo das Verhalten der Einwohnerschaft die schwersten Repressalien nötig machte. An zahlreiche» Stellen ist cs klar ersichtlich, daß unsere Truppen geradezu bemüht wären, die Zerstörungen auf den notivendigsten Umfang zu beschränken »nd alles zu schonen, ivas geschont werden durste. Eine der wlchtlgften Auf- gaden deS deutschen Generasgouuc rneniei, tS wird es sein, de» Wirt- schastsbctrleb, die Landwirtschast, die Industrie und das kaufmännische Gewerbe wieder ln Gang zu bringen.
Auf Mine» gelaufen.
WB. London, 51. Sept. Zwei weitere Schlepper sind in der Nordsee auf Minen gelaufen und gesunken. Es handelt sich um die Schlepper „Imperialist" und „Revigi". Zwei Mann der Besatzung des „Imperialist" werden vermißt.
Reichsgerichts» äte als Kriegsfreiwillige.
Eine Reihe von Mitgliedern des Reichsgerichts, meist vorgerückten Alters, von Anfang bis Ende 00, sind als Kriegsfreiwillige i» das Heer eingetreten. Sic stehen teils schon im Felde, teils bei ihren Regimentern in der Heimat. Von ihnen haben der Rcichs- gerichtsrat Könige und Reichsanwalt Tietz schon den Feldzug 70/71 als Kriegsfreiwillige mitgeniacht.
In Wahrheit ein vaterlatt-slo?er Geselle!
Ter Zentrumsabgeordneie Hans; veröffentlicht als Vorsitzender der Zcntrumsfraktion des Landtags von Elsaß-Lothringen eine gegen den katholischen Priester und Zentrumsparlamentarier Abb-i Wetterlc, der als Landesverräter nach Frankreich gcslohen ist, gerichtete Erklürniig, in der eS unter Bezugnahme auf den Artikel Wetterlcs im Echo de Paris heißt:
Herr Wetterlc hat in einer geradezu verbrecherischen Weise dem Programm des Zentrums zilwidergehaiidelt. Er hat sich damit des schwersten Wortbruchs schuldig gemacht bezüglich der vor zwei Fahren der Fraktion bestimmt abgegebenen Ver- sprechungen durch seine llnierschrift. Als ehemaliger Abgeordneter hat er die Fraktion der Notwendigkeit enthoben, ihn als einen llnwiirdigen auszustotzen.
Der letzte Satz ist nicht ganz richtig, denn Wetterlc hat ausdrücklich nur als „ehemaliger ReichslagSabgeordneter" unterschrieben. Die Landtagssraktion wird wohl Stellung nehmen müssen, weil Wetterlc solange Abgeordneter bleibt, bis er durch
eine formelle Erklärung ober ein den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte mit sich sührendes Urteil die Abgeorbneten-Eigenschast verloren hat.
Russische Schandtaten in Ostpreußen.
W. B. Berlin, 5. Sept. (Amtlich.) Bel ihre», Eindringen in Telle von Ostpreußen haben die Russen zahllose Schandtaten und Grausamkeiten begangen. Aus der unendliche» Menge der darüber vorliegenden Nachrichten teilen wir aber zunächst nur solche Fälle mit, die durch amtliche Ermittelungen bereits zuverlässig beglaubigt sind.
Eine Reihe von Landräten sind von den Russen sestgeiiommen und „ach Rußland geführt worden. Der Landrat von Goldag , gezwungen worden, Vieh, das aus seinem Kreise von de» Riisi.n zusammengetrieben worden ist, nach Rußland zu treiben. Von vielen Gendarmen des Grenzbezirks fehlt jede Spur. Feststeht, daß ein Gendarm aus dem Kreise Pillkallen erstochen worden ist Der Gendarm aus Bilderweitschen wurde von den Russen gefangen genommen. Man hat gesehen, wie er auf einer Protze gefesselt durch Eydtkiihnen gebracht wurde, dann ist er erstochen worden. Seine Leiche lag aus dem Marktplätze in Kirbaty.
Tie evangelischen Pfarrer in Kukowe», Kreis Marggrabowa und i» Szittkehmen, Kreis Goldap, weigerten sich, den Russen Angaben über die Stellungen unserer Truppen zu machen. Sie wurden deshalb in den Mund geschossen. Der eine ist tot, der andere wurde schwer verwundet ohne Hoffnung ans Genesung in das Krankenhaus nach Goldap gebracht.
In einem Dorse im Kreise Pillkallen wurde» Frauen und Kinder zusannnen in ein Gehöft getrieben, die Hoftore geschlossen und das Gehöft in Brand gesetzt. Erst als die Eingeschlossenen in höchste Not und Bedrängnis gerieten, wurden die Tore geöffnet und die geguälten Leute herausgelassen. Auf dem Gutshofe in Szittkehmen wurde der alte Gutsbesitzer erschlagen. Die Witwe wurde genötigt, den Russen Speisen und Getränke zu bringen. Als alles aufgezehrt war, mußte sie in einer Gasse, die von russischen Soldaten mit ausgepflanztem Bajonett gebildet worden war, Spießruten lausen und wurde dabei schwer verletzt.
In einem Torfe des Kreises Stallupönen wurden unter dev unwahre» Behauptung, daß ans dem Dorfe geschossen worden sei, eine Reihe von Bewohnern, darunter Frauen »nd Kinder, nach vorheriger Marterung erschossen. Ebenso wurden in dem Torfe Tchorellen im Kreise Pillkallen zehn Personen unter dem gleichen falschen Vorgeben niedergemacht.
Fm Dorfe Radzen haben die russischen Soldaten fast alle Gebäude angezündet, fo daß im Augenblick fast das ganze Dorf in Flammen aufging Ans die unglücklichen Bewohner des Dorfes wurde mit Hieb- u»d Schußwaffen loSgegangen. Getötet wurden in diesem einen Dorf zwei Männer und acht Frauen: drei Männer werden vermißt.
Aehnliche Vorfälle von Mord, Brand und Verwüstung werben ans zahlreichen Grenzorten gemeldet. Beim Mordbrennen gingen die Rüsten in der Weise vor, daß sie zunächst die Tomänengehöste als königliches Elgentuin mit allen Vorräten »iederbrannte», dann die Güter Wegnahmen und darauf die Dörfer anzünbeten Bis zum 15. August waren ans dem Gumbinner Bezirk sechs Domänen, aus dem Pillkaller Kreise allein über 15 Dörfer und Güter ntederge- brannt. Nach den vorliegenden Schilderungen sind die Russen bei diesen Mordbreiinerelen ganz systematisch vorgegangen. Den Truppen zogen mit Zündmaterial ausgerüstete Brandkommandos voran, welche die Häuser mit in Pelrolenm getränkten Schwämmen versahen und dann Brand anlegten Gewöhnlich wurden die Bewohner zuvor aufgefordert, die Häuser zu verlassen. Mancher Kommandant ließ gelegentlich die Wohnhäuser stehen und beschränkte sich aus das Abbrenne» der Ställe und Scheunen. Di« Vernichtung der Dörfer wurde häufig unter dem Vorwände vor- qenommen, daß aus ihnen geschossen worden sei. Fn Wirklichkeit ist dies niemals der Fall gewesen. Tie in den westlichen Gouvernements garnisvnierenden Truppe», besonders das Gardekorps, scheinen im großen und ganzen die Grundsätze des Völkerrechts eher beobachtet z„ haben. Gelegentlich warnten solche Trnppenführer, die bei frühere» Durchzügen eine ihren Wünschen entsprechende Aufnahme gefunden hatte», Pfarrer nnd Gutsbesitzer vor den Grausamkeiten ihrer eigenen später eintresfende» Kameraden.
Eine Preisgabe der Neutralität Chinas zugunsten Japans^
\YU. Frankfurt, 10. Sept. Laut einem hier vorliegenden Exemplar des Nienwe Rotterd. Courant hat die chinesische Regierung nach einem Berichte des Korrespondenten des Times in Peking die Erklärung abgegeben, dah sie auf den Punkten innerhalb Lunkau, Laitschau und der Umgebung der Kiautschauber, welche durch die kriegführenden Truppen notwendigerweise passiert werden müssen, nicht die Verantwortung für eine strikte Handhabung der Unparteilichkeit iibernehmen könne. Die Regierung weise darauf hin, dah die kriegführenden Mächte die territorialen und administrativen Rechte Chinas und alles Privateigentuni in diesem Gebiete achten mühten.
Tiefe Erklärung erlaubt Japan, so fügt der Korrespondent hinzu, von den hauptsächlichsten Wegen Gebrauch zg machen, um ein Heer hinter Kiautschau herum zu führen.
Afra j a.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 57
„Seit wann ist es Sitte im Lande", fragte Helgestad, „dah ein Mann in seinem eigenen Hause sich von einem verhöhnen läht, den er nicht darin dulden will?"
„Guter Freund," jagte der Kapitän, der eben gehen wollte, „wartet ab, bis man Euch frägt, und mischt Euch nicht in Dinge, die mich angehen."
„Ruh!" grinste Helgestad, „will gern aus Eurem Wege gehen, junger Herr, hütet Euch nur. in mein Fahrwasser zu kommen."
„Da ich kein Kabeljau, kein Hering und kein Dorsch bin," rief der junge Offizier, „auch kein unglücklicher Lappe, und ebensowenig ein Königsbrief mir das Vergnügen einer näheren Bekanntschaft mit Euch verschafft, so hoffe ich für alle Zeit davor bewahrt zu bleiben. — Frieden in Ihr Haus, Herr Fandrem, bewahren Sie mir ein gutes Andenken, und du, Marstrand, halte deine Augen wach, bis wir uns wieder- sehen."
Er drückte seines Freundes Hand , und dieser fühlte einen kleinen Zettel zwischen seinen Fingern. Zugleich trat Dahlen seinen Rückzug an, warf unbarmherzig mit Fiihstöhen zur Seite, was ihn hinderte, und verschwand mit einem Fluche auf den schändlichen Geruch und mit einem Gelächter über die rollenden und fallenden Fähchen und Kistchen, die von dem künstlichen Aufbau an der Wand herunterstürzten.
„Da seht hin," sprach Helgestad verächtlich, „das sind die Menschen, die sich besser dünken als wir durch Namen, Stand und Ehre, wie sie es nennen. Nutz! laßt ihn laufen: wünsche niemals mehr mit ihm Auge in Auge zu stehen, könnte anders enden wie heut. — Dort liegt das Papier, Herr Marstrand, und hier bin ich. Soll meine Bürgschaft
gelten, oder meinen Sie ohne mich in Zukunft fertig zu werden?"
Der Ton war so bestimmt und so drohend ernst, dah kein Zweifel war, Helgestad hatte seinen Entschluh aefaht. Er wußte aber viel zu gut, dah sein Schützling bedächtig war und nichts anderes konnte, als den Widerstand fallen lassen — Nach einigen Reden und Gegenreden kam eS dahin, dah Niels die Bürgschaft Unterzeichnete und mit Fandrem im Verein Marstrand nochmals bewies, dah dies eben so üblich wie recht sei, doch eben nur der Form wegen geschehe, da niemand zweifle, der neue Kaufmann am Balsfjord werde in Jahresfrist seine Zahlungen decken und dann ofsenen und unverbürgten Kredit haben.
Ter ganze Tag verging jetzt damit, dah in den grohen Magazinen des Berger Handelsherrn die Waren besichtigt und ausgesucht wurden, welche die schöne Jlda einladen sollte. Helgestad selbst kaufte eine Menge Mehlballen nnd viele Leinen und Angeln, dabei prüfte und probte er, waS für Marstrand bestimmt war, und gab als ein erfahrener Mann diesem nützlichen Unterricht in Warenkenntnis der allerber- schiedensten Art. Das Wiegen, Packen, Zusammenschnürer, und Aufschreiben nahm viele Stunden fort nnd lieh dem jungen Ansiedler, für dessen Rechnung dies alles geschah, nicht viel Zeit, um an das Letzterlebte zu denken. Seines Freundes auffallendes Benehmen in Fandrems Hause und dessen harte und höhnende Worte hatten ihm wenig behagt, aber er muhte glauben, dah darin irgend eine geheime Absicht versteckt lag. Ter kleine Zettel, den Dahlen zwischen seine Finger geschoben hatte, enthielt ein paar Zeilen, welche seine Neugier noch mehr anregte». „Ich muh dich heut noch sehen," stand darin, „denn du sollst allerlei erfahren, was dich und mich betrifft Wenn die beiden alten Burschen ihre volle Ladung haben, waS nicht fehlen kann, so steige aus deinem Kammerfenster, du wirst mich im Garten finden."
In Fandrems Landhause und bei Nacht wollte Dahlen ihn also aufsuchen, und was hatte er ihm zu entdecken? Mar- strand grübelte hin und her, ohne eine seiner Vermutungen festzuhalten. Ter Lärm der Geschäfte, das Geschrei der Arbeiter, das Getümmel im Hafen, die geräuschvolle Tätigkeit so vieler Menschen und die fortgesetzte Nähe Helgestads, ivelche die Vermutung erregen konnte, daß er absichtlich seinen Schützling nicht verlasse, um ihn in Aussicht zu behalten, alles vereint machte, dah bis zum Schluß des Tagewerkes Marstrand eifrig seinen Obliegenheiten nachkam. Seine Unverdrossen- heit und sein geschicktes Haudanlegen Ivurden dafür von Helge- stad viel gerühmt, als endlich Fandrem kam, um seine Gäste abzurufen und mitzunehinen. Sie gingen denselben Weg zu dem artigen Landhanse, fanden den Tisch gedeckt und Hanna sie erwartend, geputzt in einem »och schöneren Kleide, aber eben so schweigsam und eben so unbeweglich wie gestern. Fandrem versuchte einige freundliche Worte, doch diese hatten so wenig Wirkung wie Helgestads Scherze. Das Fräulein »ahm nicht den geringsten Anteil, und was sie gezwungen antwortete, war so kurz abstoßend und abwehrend, dah ihr Vater kaum seinen Zorn bemeisterte.
Endlich war der Handel wieder Gegenstand der Gespräche; die Flasche ging umher, der Gildevorsteher hatte seine gute Laune wieder bekommen und sagte seinem guten Freunde allerlei schmeichelhafte Tinge. „Ein Mann wie Sie", rief er endlich, „wird vorwärts kommen, Arbeit macht das Leben süß; aufgepaßt auf alle Vorteile, heiht es in dieser Welt."
„Ich werde mein Bestes tun", antwortete Johann, „arbeiten will ich fleißig, und mein Anfang ist gut, auch glaube ich, dah ich Sinn für den Handel habe und mir zu helfen weih, wenn andere Leute ohne Erfahrung nicht willen würden, wo sie angreifen sollten."
„Recht so", rief der Gildemeister. „Selbstvertrauen muh ein Mann haben, wenn er Geschäfte machen will."
(Fortsetzung folgt.)


