Der Protest des Kaisers nn Wilson.
Berlin, 8. £tßt. Die Norddeutsche Allgemein« Zeitung veröffentlicht nachstehendes Telegramm, das der Kaiser an den Präsidenten Wilson gerichtet hat:
.Ich betrachsic ez als meine Pflicht, Herr Präsident, Tie als den hcroorragendsten Vertreter der Grundsätze der Menschlichkeit zu benachrichtigen, dass bei der Einnahme der Festung Longwy nrcinc Truppen dort Tausend« von Dnm-Dnm-Geschosscu entdeckt haben, inc durch eine besondere R cgi c rn ng siv«rkstätte hergrstellt waren: ebensolche Geschosse wurden bei verwundeten Soldaten und Gefangenen. auch bei britischen Trrippen ,gesunden. Es ist bekanni, dass solch»« Geschosse grausame Verletzungen verursachen und dass ihre Anwendung durch die anerkannten Grundsätze des internatio- uaichn Rechts streng verboten ist. Ich richte daher an Sic einen flammenden Protest gegen diese Art der Kriegsiihrnng, welche dank den Methoden unserer Gegner eine der barbarischsten geworden ist, die »mn in der Geschichte kennt. Nicht nur haben dieselben diese grausame» Dassen angewendet, sondern die Regierung hat die Teilnahme der belgischen Zivilbevölkerung an dem Kampfe auch offen geduldet und seit langem sorgfältig vorbereitet. Die von Franc» und Kindern und Geistlichen in diesem Guerillakrieg begangenen Grausamikciten, auch an verwundeten Soldaten, Aerztepersonal und Pflegerinnen sAerzte wurden getötet, Lazarette durch Gewehrseuer angegriffen) waren derartig, dag meine Generale sämtlich gezwungen ivaren, die ärgsten Mittel zu ergreife», um die Schuldigen zu bestrafen und die blutdürstige Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer fürchterlichen Mord- und Schandtaten abzuschrccken. Manches berühmte Bauwerk und selbst die alte Stadt Löwen mit Ausnahme des schönen Stadthauses muhte in gerechter Selbstverteidigung nnd zum Schutze meiner Truppen zerstört iverden, (Inzwischen hat sich bekanntlich herausgestellt, daß zun. Gluck nur ein kleiner Teil von Löwen zerstört worden ist, D, Red,) Mein Herz blutet, da solche Maßregeln unvermeidlich geworden sind und wenn ich an di« zahllosen unschuldigen Leute denke, die ihr Leben und Eigentum verlöre» haben infolge des barbarischen Betragens jener Verbrecher!
Gez, Wilhelm I, R."
Vom österreichische» Kriegsschauplatz.
TU. Wien, 8. Sept. Tie vom österreichisch-ungarischen Kriegsschauplatz cintreffenden Nachrichten schildern die Lage für die österreichisch-ungarisch!. Armee nach wie vor sehr günstig. In den Kriegsberichten wird einmütig hervorge- hoöen, daß man den kommenden Ereignissen mit völligster Ruhe entgegensetzen könne.
Nack, der Schlackt bei Taimenbrrg.
In Osterode ist wieder Ruhe cingekehrt. Alle Geschäfte sind geösfnet und der Kosakenschreck ist überwunden. Die Regierung hat weitgehende Maßnahme,, zur Beruhigung getrossen, 9UIe' Gerüchte über eine angebliche Flucht des Landrats sind vollkommen falsch. Der Lanbrat hatte, der Instruktion des Regicrungspräsi- dentei, folgend, wichtige Akten, Kästen und Wertpapiere im Werte über 15 Millionen, nach Daugig gebracht, ivo alle anderen Landrätc ebenfalls eintrascn. Hier fanden wichtige Besprechungen statt, worauf der Landrat nach zweitägiger Abwesenheit wieder nach Osterode zurückkehrtc. Man hat angefangen, ans den nicdcrgc- ' brannten Gehöften in de» von den Russen verwüsteten Gegenden Baracken zur llntcikunst für Mensch und Vieh zu errichten. Es werden auch Bentepferdc und Saatgetreldc dorthin geschafft, damit mit der Winterbcstellung begonnen werden kann, Tie Schlach!- felder von Osterode sind jetzt vollkommen aufgeräumt. Eine Regic- rungskommisston hat eine Fahrt nach den Schlachtfeldern angc treten, um den dort angerichteten Schaden abzuschätzcn.
Der russische Generalstab über die Niederlage.
TU. Petersburg, 8, Sept, Der Große Generalstab gibt ein Kommunique über die Niederlage bei Tanncnberg ans, in dem zugegeben wird, baß die deutschen Truppen die Russen unaushaltsam angegriffen und geschlagen haben. Der Hauptgrund des deutschen Sieges wird in der raschen Zusammenzichuug der deutschen Truppen gesehen, die infolge des dichten deutschen Eisenbahnnetzes möglich war. Ferner erleichterte den Deutschen ihre schwere Artillerie den Sieg, die aus den deutschen Festungen auf den Kampfplatz gebracht worden waren. Besonders beklagt wirb der Tod des Generals Marios, der als einer der besten Kenner des deutschen Heeres und der deutschen Taktik galt.
Wie die Russen in Ostpreußen hausten
beweist nach der Deutschen Tageszeitung die dem Grasen Mirbach- Torquittcn von einem hohen Militär zugcgangene Nachricht, daß sein schönes Schloß durch die russische Kavallerie, obwohl bei Torquitten gar kein Kampf stattgefunden habe, zusammcngcschosscn worden sei. Nur ein Teil der Ringmauern sei stehen geblieben. Tie Stadt Allenstein war einen Tag von den Russen besetzt. Die Allcnsteiner Zeitung berichtet jetzt von der Kriegskontribntlon, die der Stadt von den Russe,, auferlegt worden war: „Die Russen verlangten »ngchcucrc Lieferungen, nämlich: 120 000 Kilogramm
Brot, 6000 Kilogramm Zucker, 5000 Kilogramm Salz, 3000 Kilogramm Tee, 15 000 Kilogramm Grütze oder Reis und 100 Kilogramm Pfeffer, Diese „ngchenren Mengen sollte» von unserer Stadt bis Freitag früh um 8 Uhr geliefert werden. Unter Drohungen, zu rcguiricrcn, forderten die Russen, daß alles pünktlich abgcllefert werde. Ta viele Geschäftsleute ihre Läden abgeschlossen hatten und gefluchtet waren, so mutzten bie Läben, in denen sich Lebensmittel befanden, gewaltsam geöffnet werbe», mg die verlangten Vorräte entnehmen zu können. In der Nacht zum Freitag ist in Allenstein in allen Bäckereien im Schncllbetrieb gebacken worden. Mehrere Bäcker waren am Sonntag oder Montag geflohen „nd hatten ihre Bäckereien geschlossen. Die verschlossenen Bäckereien mußten deshalb gewaltsam geöffnet werde». Alle hiesigen Bäcker, viele Bürger, vor allem Frauen und Mädchen stellten ihre Dienste zur Verfügung, und so wurde» denn Unmengen Brot gebacken. Gleichzeitig liefen Frauen die ganze Nacht hindurch von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung und baten überall um Brot. Jeder gab, was er hatte. Tatsächlich sind den Russen geliefert worben 25 096 Kilogramm Brot, 3676 Kilogramm Zucker. 3110 Kilogramm Salz. 110 Kilogramm Tee, 4210 Kilogramm Reis und Grütze, 450 Kilogramm Erbsen, kein Pfeffer, Diese große Lieferung, die Allenftcln den Russen liefern mußte, sollte von ihnen bar bezahlt werden. Beim Abzug der Russen ist die Bezahlung unterbliebe». Es wurde jedoch von den siegreichen dciitschci, Truppen eine russische Kriegskasse eingebracht, deren Inhalt sich auf 180 000 Rubel beziffern soll. Die Bezahlung sur die Lieferung wird die Stadt also schon bekommen."
Die Notlage in Elsaß-Lothringen.
Die elsässische Presse veröffentlichte einen Aufruf zur Linderung der Not in den von den Franzosen besetzten Gebieten, die gewiß allseitige Förderung verdient. Ebenso wie in Ostpreußen haben große Teile Elsaß-Lothringens, das ganze Lbcr-Elsaß, das Breuchtal, die Saarburger und die Dagsbnrger Gegend schwer unter der französischen Invasion und den Folgen des Krieges zu leiden gehabt, der gewaltige Werte in den betroffenen Gebieten vernichtete. Es fehlt besonders an Lebensmitteln, so daß schnelles Handeln nottut. Zugleich bittet die elsässische Presse die deutschen Brüder im übrigen Deutschland, sich tot schnellem Urteil über die Elsaß- Lothringer zu hüten. Die meisten Behauptungen, wonach von Elsaß-Lothringern ans Deutsche geschossen worden sei, haben sich als unbegründet erwiesen. Diese fühlen sich vielmehr gänzlich als Deutsche und tun inehr als ihre Pflicht.
Das ist der Krieg.
Tie Trieiischc Landcszeitung schreibt: „Das ist der Krieg,
idcr entsetzliche, männermorbende Krieg, ber Krieg mit seinen
fürchterliche» Schrecken und Greueln, ber uns setzt die Hekatomben
seiner Opfer zusendet. Seit Sonntag haben die großen Verwun- dctenlrausporte begonnen, die unmittelbaren Folgen unserer siegreichen, aber blutigen Kämpfe in Belgien, Lothringen und Frankreich. In kurzen Zwischenräumen rollen die Züge ln de» Westbahnhof ein, jeder besetzt mit 300 bis 500 Verwundeten. ES sollen nur Leichtverwundete sein,.denn die Schwervcrwundetcii bleiben in großen Fcldlazareiten in der Nähe des Tchlachiscldcs. Aber wer will einen genauen Unterschied machen zwischen Leicht- und Tchwerverwundelen, wo die erste dringende Hilfe sich auf eine flüchtige Untersuchung, eineil durstigen Verband beschränken muß? Mit übermenschlicher Anstrengung arbeitet unser Aerzte- und Tanitätspersonal, aber auch ihrer Leistungsfähigkeit sind Grenzen gesteckt.
Was bei der nochmaligen Besichtigung auf dem Trierer Westbahnhof wirklich als leichiverwundct erkannt wird, das muß-weiter, dem Innern Deutschlands zu, nur die Schweroerwundcten und Schmercrkranktcn bleiben in Trier. Und auch ihrer noch sind cs viele, ach allzu viele. Kaum hält ein Transportzug, so eilen die militärisch geschnlicn Sanitäter — augenblicklich sind es hier die prächtig eingeübten Berliner — mit den Tragbahren von Wagen zu Wagen und tragen hinaus die Braven, denen eine ivcitere Reise verhängnisvoll werden könnte. Und dann geht cs fort mit ihnen in fieberhafter Hast und Eile zu den Verba,idsstelle» und zu den draußen harrenden Ärankeiiautomobilen. Manchmal kommt die Hilfe zu spät, wen» ein Tapferer die Augen zum lebten Schlummer geschlossen hat. Man bettet ihn abseits »nd deckt die Leiche zu — nur die Lebenden haben Recht. Das Herz krampst sich zusammen, wenn man diese zersetzten »nd oerstiimmelten Körper sieht, die blutgetränkten Verbände, das schmerzentftellte Gesicht, lsnd doch, tapfer sind diese prächtigen Mensche», tapfer bis zum letzten Hauch, Wir haben i» der vergangenen Nacht Hunbcrte von ihnen gesehen, aber nicht einen einzigen Schmcrzenslaut gehört, Ihre Lippen bleiben geschlossen, ein deutscher Soldat jammert nicht.
Die Helferinnen vom Roten Kreuz verabreichen in aller Eile Erfrischungen, bann ertönt ein Pfiff und weiter fährt der Zug in die Nacht hinaus, dem Rheine zu. Und schon wartet draußen am Signalarm ein neuer Zug auf die Einfahrt: kaum daß die Tragbahren von ihrer blutigen Last befreit sind, müssen sie zu neuer Arbeit bercitgestcllt werden. So geht es die ganze Nacht hindurch, bis der Morgen graut — das Elend »nd der Jammer wollen nicht enden. Jeder Zug bringt auch französische Verwundete, denen selbstverständlich dieselbe Pflege wie unseren Soldaten zuteil wird: dabei wird streng darauf geachtet, baß sie nur Wasser »nd Brot erhalten, soweit Ihr Zustand solches gestattet.
Wie Reims genommen wurde.
Wie die deutsche» Husaren in Reims einrücktcn, wird von den Kriegsberichterstattern aus dem Hauptquartier im wesentlichen übereinstimmend, wie folgt berichtet: Da noch nicht bekannt war, ob die Aussagen der Einwohner wahr seien, welche lauteten, die Besatzung hätte Reims verlassen, beschlaß Rittmeister v. Hubracht, mit einer Patrouille sestzustcllen, ob das Fort Vitry les Reims frei vom Feinde sei. Auf die Frage, wer freiwillig mitreiten wolle, meldeten sich viele, von denen der Rittmeister Oberleutnant v. Stcinäcker, Leutnant Martiny, Leutnant v, Waldow, Fähnrich Jäckel, Unteroffizier Dr. Arnhold, Trompeter Zwahle» und die Husaren Knappe, Krause, Buse, Retnelt, Rohne und Starke aus- wählte. Aus einem einsamen, sechs Stunden lange» Waldwege, in großen Sicherheitsabständen, galoppierte die Patrouille an das Fort heran und stellte fest, daß es vom Feinde frei war. Nun ritt die Patrouille weiter und erreichte um 9 Uhr abends die Stadtgrenze von Reims. Durch die von Neugierigen gefüllten Straßen zog die Patrouille vor das Nathans, Tort erklärte man dem mit den Ratsherrcn heranstretcndcn Bürgermeister, daß hiermit Reims in deutschem Besitz sei »nd daß er selbst als Geisel für die Sicherheit der deutschen Truppen hafte, Leutnant Martin» wurde mit der Meldung des Erreichten znrückgesandt, Mannschaften und Pferde bezogen Quartier, Rittmeister o, Hubracht, Leutnant v, Waldow und Unteroffizier Dr, Arnhold blieben über Nacht bei dem Btirgermetster im Sitzungssaal und hielten abwechselnd »eben ihm Wache, Am anderen Morgen um 5 llhr ritt die Patrouille zurück, zog aber am Nachmittag, an der Spitze der Brigade Tnckow, die mit klingendem Spiel in die alte Stadt einrückte, wieder mit ein. Reims selbst ist nnzcrstört, die Bevölkerung ruhig ' und entgegenkommend.
Die rnsslsche» Tnkppcntra»,Sporte in England?
WB. Rom, 9. Sept. Der Kapitän des Kahlendampfers „Mary", von England nach Ahaus unterwegs, will laut Mcsfagcro bei Lcith eine Reihe von 40 Eiscnbahnziigen mir russischen Soldaten gesehen haben, von denen etwa 1000 Mann in jedem Zuge waren. Sie seien von Archangelsk übergcfllhrt.
Eine französische Zeitung in London.
WB. London, 8, Sept, (Nichtamtlich,) Hier erscheint eine französische Zeitung Erl de Landres, Ehcfrcdakleiir de Ehassaigne, in starker Auflage,
Russische Agenten in der asiatischen Türkei.
TU. Wien, 8. Sept, Die türkischen Behörden beschlagnahmten im Wilajct Erzcrnm Tausende, von russischen Agenten verteilte, gegen Deutschland gerichtete Aufrufe.
Steckbrief gegen Blnmenthal.
Tie TlaatSanivaltschast in Kolmar hat gegen de» in französische Dienste Über getretenen Bürgermeister Blnmenthal in Kolmar einen Steckbrief wegen Betruges und Unterschlagung von 1000 Mark zum Schaden ber Sladthauptkasse erlassen.
Siegreicher Vormarsch auf Antwerpen.
W.B. Paris, 9. Sept. (Amtl.) Aus Ostende wird vom 7. Sept. gemeldet: Die Deutschen gingen gestern nordwestlich von Brüssel zwischen Gent und Antwerpen vor. Alle Verbindungen zwischen diesen beiden Städten sind unterbrochen. Bei Cordege in der Nähe von Wetteren fand gestern ein Gefecht statt. Die Belgier mußten sich vor der feindlichen Uebermacht zurückziehen. Der Kommandant Commiack ist gefallen.
Scharmützel zur See.
W.6. Berlin, 9. Sept. Die B, Z. a. M. berichtet aus Wilhelmshafen: Der kleine Kreuzer Karlsruhe hatte, wie die englischen Blätter melden, in diesen Tagen ein Scharmützel mit englischen Kreuzern zu bestehen.
Russische „Sicgesnachrichten".
Wien, 9. Sept. Tie Petersburger Tclegraphcnagcntur hatte die Meldungen von den Siegen der österreichischen Armeen Ausfenberg und Tankl bei Zamocz und Tyschowszy bestritten, dagegen behauptet, daß die Russen einen großen Sieg bei Lcnibcrg errungen und 70 000 Lesterreicher gefangen genommen hätten. Dem gegenüber erklärt die österreichische Armecleitung, daß bei Lemberg überhaupt keine Schlacht stattgefundcn hat, daß die Lesterreicher vielniebr Lemberg bereits vor deni Anrücken der Russen aus strategischen Gründen geräumt hatten. Infolge dessen können auch keine 70 000 Lcsterrcicher kriegsgcfangen sein, es sei denn, daß die russische Heeresleitung die gesamte Einwohnerschaft von Lemberg als kriegsgefangen bezeichnet. Die Meldungen
von den österreichischen Siegen aber hätten durch die späteren Vorgänge ihre Bestätigung erhalten. Daran könne das bunteste Lügengewebe der Russen nichts mehr ändern.
Tic Verzweislnngsstimmnng wächst in Frankreich.
Rom, 9. Sept. Der Kriegsberichterstatter Sipolla de Stampa schildert in seinem Blatt, wie das Vertrauen der Franzosen in den französischen Generalstab allenthalben geschwunden sei, wie die Vorbereitung Deutschlands als vollkommen anerkannt wird und wie die Aktion der Engländer ein jähes Ende gefunden hat. Nachdem das kleine Heer Frcnchs bei Compidgnc dezimiert worden sei, würden die Engländer wahrscheinlich von weiteren Unternehmungen dieser Art abstehen. Niemand habe mehr Vertrauen ans das Heer. Die Pariser wissen, daß in nicht ferner Stunde alle Lrte Frankreichs mit Verwundeten überschwemmt sind, »nd daß das nur ein kleiner Teil der Verluste sein wird. In Paris ahnt man auch, daß große Heercsteile gefangen gcnoni- »ien und nach Deutschland gebracht worden sind. Am ent- schiedcnsten gegen die Fortsetzung des Krieges aber sind die französischen Frauen, die den Krieg von ganzer Seele hassen, besonders in Paris lehnen sie sich gegen die Fortsetzung auf und dieMänner, so schreibt der Korrespondent, werden ihnen, folgen.
30 000 Engländer in Maubcuge gcsangc»?
Berlin, 9. Sept. Zu der Kapitulation von Maubcuge schreibt der Berliner Lokalanzeiger: Dir vorgesehene Kricgsbesatzung von Maubcuge zählt rund 10 000 Man», Da nun die Engländer bei Maubcuge geschlagen worden sind, ist anzunchaie», daß wir 30 000 in die Festung geworfene Engländer mit gefangen genommen haben.
Rußland muß schon lange vor dem Kriege mobilisiert haben.
Rom, 9. Tept. Während die hiesige Presse zmneist ihrem bewundernden Staunen über die genial« Unternehmung des russischen Seetransports nach Frankreich nicht verigchlt, urteilt der Populo Romano wesentlich anders. Er schreibt: Sollte es siel» wie cs scheint, bestätige», daß 250 000 Russen im Weißen Meer eingeschifft worden sind, so ist klar, daß ihre Mobilmachung schon vor der Kriegserklärung erfolgt sein muß, also zu einer Zelt, da die Kabinette noch über eine möglich« srie-dlbckfe Beilegung verhandelten, denn vom Weißen Meer kann man beim besten Willen ein« solch inrgoheure Erpedition »ach Europa nicht in vier Wochen transportieren.
Französische Flieger mit Notschreien an den Zaren?
München, 9. Sept, Nach der Meldung eines bayerischen Offiziers teilt die München-?!, igsburgcr Abendzeitung mit, daß bei Nancy einige französische Flieger heruntergeschossen worben seien. Unter ihnen hesand sich auch ein Pilot, der einen Bericht an, den Zaren bringen wollte, worin der Präsident der Republik den Zaren ersucht, für 8 Tage eine kräftige Offensive zu ergreifen, damit Frankreich slir diese Zeit Ruhe bekomme, da cs sich sonst nicht mehr halten könne.
Japanische Flieger über Kiautschou.
WB, Tokio 9, Tept. Japanische Flieger habe» Bomben aus Tsingtau geworfen.
Ein Tagesbefehl an die Pariser Armee.
WB, Paris, 9, Sept, Von amtlicher französischer Stelle wird gemeldet, daß der Generalissimus an die Truppen einen Tagesbefehl erlasse» Hai, in dem es heißt: Es ist jetzt nicht mehr drr Augenblick, rückwärts zu schauen, sondern anzugrcifcn, den Feind zuriick- zudrängen und das gewonnene Terrain, koste es was es wolle, z« behaupten.
Das Anerbacher Schloß abgebrannt,
WB Auerbach a, Bergstr,, 9, Sept. Das zur Zeit unbewohnte Hauptwjrtschastsgcbäudc des bekannten Anerbacher Schlosses ist heute niedcrgebrannt. Ran vermutet Brandstiftung.
.Sesierr nnd Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Gefährliche Patrioten.
Welche Blüten de: Hurrapatriotismus zeitigt, zeigt ein Brief, der dieser Tage dem Inhaber eines Frankfurter Re- staurants zugegangcn ist:
Falls Sie nicht bis „wogen (Donnerstag) abend die in Ihrem Lokal zum Awshamg gebrachten ekelhaften russisthen Bilder von Leo Tolstoi entfernen, wird Ihr Lokal einfach demoliert, und in den Frankfurter Tageszeitungen werde» entsprechende Notizen erscheinen, die Ihnen nicht sehr angenehm sein bürsten.
Mehrere Patrioten, die schon dafür gesorgt haben, daß Ihr Lokal kauen noch besucht wird.
Diese Patrioten sollten sich eigentlich richtiger Van- d a l c n nennen, bemerkt die Volksst. dazu, denn ihre Androhung der Zerstörung von Bildern Tolstois ist nichts als gemeiner Vandalismus. Es handelt sich um zwei künstlerische Bilder: Tolstoi als pflügender Bauer und ein Brust- bild. Es zeugt von einer bemitleidenswerten Unkenntnis, wenn Deutsche, die sich gewiß einbilden, auf einer hohen Kulturstufe zu stehen, unter dem Tecknfantel des Patriotis- inns in dieser Art Bilderstürmerci betreiben. Wissen diese „Patrioten" nicht, wer Tolstoi war?, waS er der gesamten Kulturmenschheit an literarischen und kulturellen Werten hintcrlasscn hat? Wissen sie nicht, wie gerade er sein ganzes Leben daran gearbeitet hat, um das russische Volk auszu- klären und aus der Barbarei des Zarismus zu befreien? Ter Mann strebt kulturell zu hoch, um von patriotischen Ignoranten geschmäht werden zu können: aber tief beschämend ist es doch, daß solche Wichte sich jetzt als „Patrioten" aufblähcn können.
Tic deutschen Arbeitgeberverbände gegen die wirtschaftliche Freibeuterei.
Die deutschen Arbeitgeberverbände wenden sich, nach einer Mel. düng des W, T -B,, onergßsch gegen die Versuche einzelner Unter, nehmer, die durch de» Krieg hcrbcigeslihrtc Schwächung der Gewerkschaften zum Bruch der tarislickfcn Abmachungen zu mißbrauche». In
einem Ausruf des Arbeitgeberverbandes sur das Baugewerbe lfeißt es: Alle Verträge mit den Arbeiterorganisationen ixstfalten ihre Gültigkeit. Die Arbcitcrzentialorganisationon haben die bestehende» Streiks und Aussperrungen außgehoöen und damit zu erkennen ge- geben, daß sie während des äußeren Kampfes im Inner» den wirtschaftlichen Frieden erhallen wollon, ES wird in den ernsten Zeiten auf bc-idcn Seiten nicht der flirte Will« fehlen, all« Reibungen zwischen den für die Fertigstellung der Bauten noch verfügbaren Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu vernieiden. Die Mehrzahl der deutsch«» Arbeiter steht heute neben unser«» Mitglieder» i»i Felde, Wir fpiinsthc» allen eine glückliche Heimkehr!
Gewisse Osscndacher Unternehmer, besonders aus der Milirär- effektentndustrie inachen wir aus diese Kundgebung besonders aus- merffewn.


