unb ausgelöscht. Tcr Geschästsontisemltismus bat sich liier mal wieder in seiner ganzen unverhüllten Nacktheit gezeigt; denn in dem Kampfe um Geschäftsinteressen und angebliche „Neberzeiignngstreue" sind die e r st e r e n Sieger geblieben.
Die hessische Landwehr und die Festung Mo»tm4dp. Das grobe Hanptgiiariicr hatte am 31. August gemeldet, da» die Festung Montmädy gefallen sei, nachdem der Kommandant mit der Besatzung gefangen genommen worden war. Wie dem Hess. Dolksfrcund, unserem Darmstädtcr Parteiblatt, initgetcilt wird, wurde diese Festung, ein Fclsenncst, in der Nacht voni 28. zum 29. August von hessischer Landwehr besetzt, nämlich vom zweiten Bataillon des Landwehr-Regiments Nr. 118, unter ihrem Regimentskommandeur Oberstleutnant Gros. Die Besetzung in der Nacht war so überraschend, daß unsere Artillerie, als sie am folgenden Morgen zur Beschießung der Festung auffuhr, entdeckte, daß Mont mädy schon von der braven Landwehr eingenommen war. Große Vorräte, 31 schwere Feldgeschütze nsw. fielen in die Hände unserer Truppen.
— Antisemitische Hetzerei. Das Hamburger Familicnblatt berichtet aus Nürnberg: „In diesen ernsten Zeiten haben
alle sonstigen Unterschiede onsgchört. (Das stimmt wohl nicht ganz. Red. d. Obcrh. Volksztg.s Draußen aus dem Feld wie hier in der Stadt betätigen sich Angehörige aller Stände und Konfessionen in treuester Pflichterfüllung fürs Vaterland. Die einzigen, die diese Eintracht stören und auch in diesen Tagen ihre hetzerische Wühlarbeit sortsctzcn, sind zur Schmach für unser Nürnberg — einige hiesige Antisemiten. An einer ganzen Reihe jüdischer Geschäftshäuser der inneren Stadt wurden rote Zettel mit antisemitischen Schmähungen angeklebt. Es genügt wohl, solche Gemeinheit der Gesinnung und der Tat ohne weitere Bemerkung hier niedriger zu hängen. — Die Zettel solle» Bruchstücke aus Reden des Abg. Werner- Gießen enthalten haben.
Masuren. Das Land der Masuren, das jetzt durch die russischen Grenzllbcrsällc in den Bereich des össentlichcn Interesses gerückt ist, wurde im Osten zuerst von der Geißel des Krieges betroffen. Ein schönes Land! Hügel nnd Seen wechseln in bunter Folge ab. Zwischen den Masurischen Seen viele kleine Kanäle. So umspannt ein einziges großes Wassernetz das lachende Hochland. Weh dem, dem hier nicht von Jugend auf Weg und Steg bekannt ist. Gefahr droht ihm. ähnlich wie dem Fremden in den russischen Sumpfniederungcn. Eigenartig wie das Land sind auch die Leute Die Masuren, ein polnischer Volksstamm protestantischen Glaubens, sind ein kräftiger, meist blonder Menschenschlag. Große Anhänglichkeit an den heimatlichen Boden ist ihnen eigen. An allen Sitten nnd Gebräuchen halten sic treu fest. Auch sind sie gutmütig, bieder nnd gesellig untereinander. Bekannt ist ihre große Sangcs- frcude. An den langen Winterabenden versammeln sich die jungen Mädchen mit ihren Spinnrocken i» einem bestimmten Hause, mir Vorliebe dort, wo der Hausbesitzer als Musiklicbhaber und gewandter Geschichtenerzähler einen guten Ruf hat. Beim emsigen Spinnen lauschen dann alle den alten masurischen Märchen und Sagen, und während die Spindel schnurrt, erklingt ein Volkslied nach dem andern. Die masurischen Volkslieder zeichnen sich meist durch tiefes Empfinden aus und die Sangesweiscn tragen das Gepräge echter Einfalt und unverdorbenen Gcsühls in sich. Die masurische Sprache ist wenig schön. Sie ist sehr arm an Begriffen ilnd ein schwerverständllches Gemisch aus allen möglichen slawischen Brocken. Wer längere Zeit in Masuren zubringt, tut gut, sich die Landessprache anzueigncn: denn dem Fremden, der nicht masurisch spricht, begegnen die Eingeborenen mit schwer überwindlichem Mißtrauen. Das masurische Familienleben ist streng patriarchalisch. Tic Familienmitglieder hängen sehr aneinander, geben aber niemals ihrer Zärtlichkeit irgendwelchen Ausdruck, sobald Fremde dabei sind. Die Lebcnsgcwohnheiten, wie Kleidung, Wohnung und Esten, sind äußerst einfach. Einem Laster aber frönen die masurischen Männer: nur allzusehr huldigen sie dem Genuß von Branntwein. Sonst aber leben sie genügsam und fleißig auf ihrem Stück Land, das sic sorgsam bebauen. Mehr und mehr dringt auch die deutsche Sprache vor. Heute wird sie von den meisten Masuren wenigstens einigermaßen verstanden. Stehen so die Masuren auch nicht auf einer sehr hohen Kulturstufe, so sind sie doch alles in allem rin sympathischer Menschenschlag.
Die Ausgabe der neuen Scheine zu 2 Mark soll am 11. d. M. beginnen, während die Scheine zu einer Mark erst später in den Verkehr kommen.
Die Beschränkungen des Postverkchrs mit der Rheinpfalz sind ausgehoben. Dcmuach werden vcrschlostene Postsendungen jeder Art, insbesondere auch Pakete für Ort« in der Rheinpfalz bei dem Rcichs- postanstatten zur Beförderung wieder angenommen.
— Vom Eisenbahnverkehr. Vom gestrigen Tag« ab verkehren folgende Schnellzüge auf der Main-Weserbahn: ab Frankfurt 8.29 Vm., an Gießen 9.44, ab Gießen 9.55, an Betzdorf 11.32, an Siegen 12.04, au vage» 2.25, an Esten 3.38, an Dortmund 3.18, an Köln-Deutz 1.12. Ter Gcgenzug fährt ab Köln-Deutz nach Frankfurt 8.44 Vm., ab Dortmund (1.50, Esten ab fi.20, Siegen ab 7.38, Betzdorf ab 10.35, Gießen ab 12.20, Frankfurt an 1.33 Nachm.
— Die Bevülkcrungsziffcr der am Krieg beteiligten Rationen
beträgt im ganzen 825 Millionen. Von diesen 825 Millionen Menschen sind 118,2 Millionen Deutsche und Oesterreich-Ungarn, während alle übrigen <700,8 Millionen) unsere Feinde sind. Es zählen Einwohner: Oesterreich-Ungarn 51,4 Millionen, Deutsches Reich
66,8, Rußland 107, Grotzbridaim:«« 423, Frankreich 39,0, Belgien 7,4, Serbien 4,3, Montenegro 0,3, Acmpte» 10, Japan 47, Marokko 8 Millionen. Bei Rußland ist aber dessen asiatisches Gebiet und hei England besten überseeische Länder, z. B. Indien Eanoda »sw. mitgcrechnet.
— Vichpreisc und Kartosselpreise. Aus dem Kartosselurarkte in Frankfurt sanken die Kartoft'elpreis« erheblich. Jui Waggon kosteten 1 00 Kilogramm 0—7 Mk. : gestern wurde für den Doppelzentner 5%—0% Mk. bezahlt. Auf dom Haiiptviehmarkt machten die Schw c i ne p r c i s e erneut ciu« Abwärtsbewegung von 2—3 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht durch. Vollfleischige Schweine von 80—100 Kilogramm Lebendgewicht standen pro Psund Schlachk- gewicht 59—01 Pfennig, Voll fleischige Schwein« unter 80 Kilogramm Lebendgewicht, öre am Montag der Vorwoche mit 00—02 Pfennig gehandelt wurden , standen gestern 58—00 Pfennig im Preise. Ten gleichen Preisrückgang zeigten die 3. und 4. Qualität Schweine. Die Ochsen sanken im Preise um 1 —4 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht. Bullon und Kühe behaupteten durchweg ihre seitherigen Preise, während bei den Kälbern eine Haussebewegung einsetzte. Der starke Austrieb von 2519 Schweinen konnte bei gedrücktem Handel nicht gcräinnt werden, sodaß ein Ucberstand verblieb.
— Ein Krankenauto, von Herrn Kommerzienrat Heichelheim gestiftet, stand gestern zur Besichtigung im Hose der Bürger- mcisterci. Es ist für 4 Krankenbahren sehr praktisch eingerichtet »nü zeichnet sich durch ruchigen Gang aus.
— Watzcnborn-Tteinbcrg. Während zu der Erntezeit den Landwirten von alle» Seiten Hilfe angeboten und geleistet wurde, zcigcn sich diese zun, Teil rücksichtslos, sogar schofel gegen ihre ArhcitS- krästc. Diesen werden die Löhne in unerhörter Weise gekürzt, am liebsten iviirde inan ihnen garnichts bezahlen und ganz unisonst arbcilen lassen. Und dies zu einer Zeit, in dcr alle landwirtschast- Itchcn Produkte sehr gut im Preise stehe». Vielfach lasten sich auch die Arbeitsleutc mit einem Bettelpfennig abspeisen und verstehen nicht, ihre Rechte zu wahren. Knecht« und Mägde sind des Glaubens, daß durch den Krieg das Arheitsrdrhältnis sofort gelöst werden könnt« und erklären sül> dann mit den crbärmlichstcu Löhnen einverstanden. Von eiwcim hiesige» Bauer lvurde einem 19jährigen Mädchen, das bei ihm im Tagelohn für 1,50 Mk. pro Tag gearbeitet hatte, sage und schreibe fünfzig Pfennig für den Tag a»geboten! Und cs liegen allein non unserem Orte noch mehrere ähnliche Fäll« vor. Das beste rväre, die Namen jener Menschen in der Zeitung zu veröffentlichen, welche d!« durch de» Krieg hcrvor- «rusc»«» Verhält»,ff« dazu bciiutzcn, sich auf Koste» armer Arbeiter besondere Vorteile zu verschaffen. Solche Leute gehören öffentlich an den Pranger gestellt!
fivdi Wetzlar.
m. Tod bei dcr Arbeit. Im Hofgut« Löwental bei Nauheim geriet am Montag der Arbeiter Konrad Müller aus Oberkleen in die Sclbstbindcprcstc, wobei ihm dcr Kopf zermalmt wurde, so daß der Tod sofort cintrat.
y. Krofdorf. Wie die Obcrh. Voltszeitung berichtet hat, wurde vorige Woche der erste im Kriege Gefallene, Genoste Pfeiffer, unter großer Beteiligung dcr Einwohnerschaft beerdigt. Wie üblich begleitete auch dcr Lehrer mit den Schülern die Leiche. Es erregt aber Entrüstung im Orte, daß Lehrer Hoffmaim gleich an, andern Tage die 01c buh reu für die Begleitung in dcr Höhe von 1,50 Mk. von den Angehörigen einsorderte. War das denn s o eilig und überhaupt, hätte es nicht schöner ausgesehen, wenn in diesem Falle auf die Gebühren verzichtet worden wäre? — Der Sohn des Gc- nietnderats 01cn. Stork ist in einem Gefecht des 1 lß. Regiments ebenfalls erheblich vcrivundct worden und liegt in cinem Gießcner Lazarett.
Telegramme.
Eine Schlacht vor Paris?
WB. Berli » , 9. Scpt. Nach einer Rottcrdanicr Meldung des Berliner Tngcblattcs wogt gegenwärtig vor Paris
£üi
eine allgemeine Schlacht. Tic Mitteilung besagt »netter, daß dcr französische linke Flügel mit dem dcntschcn rechten Flügel Fühlung genommen habe: die englische» Truppe» hätten sich bei», Angriff auf die dcntschcn Armeen beteiligt. Nach dem Messagero sei die große Schlacht südöstlich von Paris im Gange: ans dieser Richtung vernchnic man in der Stadt den Geschützdonner. >
Deutsche Truppen auf den» Schauplatz der österreichisch-russischen Riesenschlacht.
Wien, 8. Scpt. Wie aus Krakau gemeldet wird, hatten die russischen Truppen am 20. August Radom (südwestlich Iwangorod) in Russisch-Polen verlassen. Art' 27. morgens kehrten die Russen aber in Stärke von 2000 Mann wieder zurück. Als sich abends die Nachricht verbreitete, daß deutsche Truppen herannahten, entstand unter den Russen eine fürchterliche Panik. In großer Hast und Unordnung verließen sie die Stadt. Die russische Infanterie hielt 6 Werst hinter Radom. Als sich nun russische Kavallerie-Partrouillen zeigten, glaubten sie, cs sei der Feind und begrüßten sie mit einem Hagel von Geschossen. Es gab viele Tote und Verwundete. 9 verwundete Pferde kehrten am 28. ds. Mts. ohne Reiter in die Stadt zurück. Am 29. August besetzten die Deutschen Radom. Ter deutsche Kommandant ließ sofort 18 polnische Häftlinge frei, darunter zwei Frauen.
Uni die gleichen Kämpfe handelt es sich offenbar bei folgender Meldung:
IV. 8. Breslau, 8. Sept. sNichtamtlich.) Von dem hiesigen stellvcrlrctcnden Oicneralkommando wird dcr Schlesischen Zeitung mitgctcilt: Unsere schlesische Landwehr hat gestern nach einem siegreichen Gefecht 17 Ossizicrc und 1000 Mann vom russischen Gardc- korps und dritten kaukassischcn Korps gefangen genommen.
Immer wieder Dum-Dum-Geschosie.
WB. Großes Hauptquartier, 8. Sept. Immer wieder finden unsere Truppen auf der ganzen Front bei den gefangenen Franzosen »nd bei 62 Engländern Dum-Dum-Gc- schosse in fabrikmäßiger Verpackung, wie sie von der Heeresverwaltung geliefert sind. Diese bewußte grobe Verletzung dcr Genfer Konvention durch Kulturvölker kann nicht scharf genug verurteilt werden. Das Vorgehen Frankreichs nnd Englands wird Deutschland schließlich zwingen, die barbarische Kriegführung seiner Gegner mit den gleichen Mitteln z» erwidern.
Gent verhandelt.
Amsterdam, 8. Scpt. Da die Dcutschcu zwischen Antwerpen und Gent vorriicken, hak dcr Bürgermeister von Gent Abgesandte zu Unterhandlungen an den deutschen Befehlshaber geschickt.
Bekanntmachung.
Die Gcschästsstiinden des Vcrsicherungsamteö und der Gerichls- schrciberci des Gewerbe- und Kausmannsgerichts — Geschäftszimmer: Kartciistraße 2, Seitenbau — werden bis ans weiteres von 8 Uhr vormittags bis t Uhr nachmittags festgesetzt.
Innerhalb dieser Stunde» kann auch in dcmjclben Geschäftszimmer die Anrufung des Tchiedsamts für Mictsstreitigkeitcn erfolgen.
Die Vergütungen für Verpflegung der in Bürgcrwohnungcn untergebrachten Truppen iverdcu am gleicher Stelle in den Stunden
von 3 — 7 Uhr nachmittags gezahlt und zwar zunächst für die Mannschaften der Reserve und Landwehr.
Gießen, den 7. September 1914.
Der Oberbürgermeister.
Keller.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.
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