Ausgabe 
9.9.1914
 
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sich auch schon gedacht, ab cs denn nicht möglich Iväor. daß wir und Frankreich uns im »alle eines russischen Krieges bewaffnet gegen- übersiehe» blieben, ohne uns anzusreise». Ich fr»a ihn, ob er in bcr Lage wäre, mir zu erklären, dach Frankreich aus einen der­artigen Pakt eingehen wurde, Ta wir weder Frankreich zerstören, noch Gebietsteile erobern ivollten, könne ich mir denken, das; ivir uns aus ein derartiges Abkommen einlosicu würden, das uns die Neutralität Grohbritamriens sichere, Ter Minister sagte, er wolle sich erkundigen, oerkannte auch nicht die Schwierigkeiten, beiderseitig bas Militär in Untätigkeit znrückzuhalten,"

Drittens um V-ß Uhr abends:

. Meine Meldung von heute früh ist durch meine Mel­dung von heute abend aufgehoben, Ta positiver englischer Vor­schlag überhaupt »licht vorliegt, erübrigen sich weitere Schritte im Sinne der mir erteilten Weisungen,"

Wie ersichtlich, enthalten diese Telegramme keinerlei An­deutungen darüber, das; ein Mißverständnis Vorgelegen habe, und nichts über die von englischer Seite behauptete Auf­klärung des angeblichen Mißverständnisses.

Ramfay Macdonald gegen die englische Kriegspolitik.

Ter Führer der englischen Arbeiterpartei, Rmnsay Macdonald, peröffentlicht in der Wochenschrift Labour Leder einen Artikel über den gegenwärtigen Krieg, der die Uebcrschrfft trägtEine Autivort an Sir Edward Grey". Macdonald untersucht, aus welcher Seite die Anstifter des Krieges stehen, und er stellt fest, daß die russisch« Mobik- niachung Dcutschllaud gezwungen habe, den Krieg zu erklären,, das; Rußland und Frankreich sich dann bemühten. sowohl durch öffent- lichcn Trnck wie auch durch List, England dahin zu treiben, fl* mit ihnen zu verbünden und ihnen im Kriege beizustehcn, Tann führt Maedonakd wörtlich fort:

Während der Nntcrhmidümybn war Teulschland bemüht, sich mit England zu verständigen und man wollte den englischen Wün­schen m manchen Punkten «utgegenkmnmcn. Gre,, wies aber alle deutschen Versuche kurzerhand ab und weigerte sich, mit dom deut­schen Botschafter über die Frage der Neutralität Englands zu sprechen, Ties haben Asqutth nnd Grei; in ihren Reden im Parlo- nicnt verschwiegen.

War Grey nicht in der Lage, den Frieden zwischen Rußland und Teutschland zu ivahrei;, so arbeitete er doch vorsätzlich darauf hin, England in den Krieg hineinznziehen und bediente sich zu diesem Zwecke Belgiens, Grey bedeutete in den legten acht Fahren eine Bedrohung des europäische» Friedens, und seine Politik ist ein Unglück für England, AIS Asquith und Grey im Parlament versicherten, daß England durch feine Entente mit Frankreich keine VerpstichÄmgen habe, so war das buchstäblich ivahr, im Wesen aber unwahr.

Aus der Rede Greys vom 3, August und aus dem Blanbnch kan» man ersehen, wie di« Entonte England in ihre Netze verstrickt hat, Bon 1900 ab gab es einen regelmässigen Gedankenaustausch zwischen französischen und englischen Heeres- und Marlnefiihrcrn, Es entstanden Pläne für eine Korporation zu Bester und zu Lande, In Uebercinstiurmung mit diesen Plänen ließ die sran-- sische Flotte die NorMiste Frankreichs unbewacht, Tie Pläne waren überdies ans die Vorstellung begründet, daß Belgiens Neu­tralität in einem allgemeinen Kriege nicht rcspettiert werde . . .

Tie Pläne wunden nach Petersburg gesandt, und ein Groß­fürst (ju sagen wohlunterrichtete Autoritäten), der Beziehungen »u der deutschem Partei in Rußland hatte, sandte sic nach Berlin, Teutschland wußte all diese Fahre, daß zwischen England und Frankreich militärtschc Vereinbarungen getroffen worden sind nnd das; Rußland seine militärischen Operationen in Zusammenhang damit führen soll. So litten wir uns in das fna>d,zäsch-russische Bündnis eirrgemischt, daß uns Ser Edward Gre» am 3, ?lugnst ,sogen mußte, wenn unsere Hände frei seien, so wäre doch unsere "Ehre gebunden.

So widerstandslos hatte sich England verpflichtet, für Frank­reich und Rußland zu kämpfen, daß Sir Edward Erreg den Versuch Tcutschlands, ums außerhalb des Streites zu halte», kurzerhand abwics. Deshalb konnte er nicht die ganze Wahrheit dem Paria- nient sagen. Er hat uns v c r s ch w i e g c n , das; n i ch t d i c Un­abhängigkeit, sondern nur die Neutralität Belgiens ge­fährdet war und ließ uns glauben, die Unabhängigkeit dieses Staates iväre gerade so gefährdet, wie seine Neutralität. Auch hat er ims das Gespräch mit den; deutschen Botschafter vom 1. August nicht mitgeteilt. Und warum? Weil Sir Grc», ohne Mitivisten der Nativ». England so sehr an Frankreich und Rußland gebunden und sich verpflichtet hat, an der Seite dieser Mächte zu kämpfen, daß er nicht mehr tu der Lage ivar, über Neutralität zu ver­handeln.

Englands Einmischung ist nur die Folge der Greyschcn Politik,"

Samoa von den Engländern besetzt.

Mailand, 6, Scpt, Aus London wird gemeldet, der deutsche Gouverneur von Samoa, welcher am 29, August kapitulierte, ist als Gefangener nach den Fidschi-Insel» gebracht worden.

Tcutsch-Tamoa, das einen Flächenranm von 2573 Quadrat- ktlometer hat, und dessen Hanptinseln Sawaii und Upolu sind, ist 1889 in deutschen Besitz gekommen. Die Bevölkerung zählt rund 35 009 Personen, darunter etwas über 500 Weiße, von denen aber »ur 300 Tcutiche sind. Ta sich dort nur eine kleine Polizeitruppc befindet, war ein ernstlicher Widerstand natürlich nicht möglich. Für den Verlauf des Krieges hat diese als eine Selbstverständlichkeit zu betrachtende Besetzung ebenso wenig Bedeutung wie die von Togo oder die Wegnahme von Kiautschou durch die Japaner. Die Entscheidung über den Krieg, und damit schließlich auch über die Kolonien kann natürlich nur in Europa fallen.

Ein neuer Gcw-iltstreich Englands.

Konstantinopel, 7. Scpt. Ter englische Koniniandant iw Kairo belegte nach einem Privattclegrainm der Franks. Ztg. den Reservefonds der ägyptischen Dette Publiqne mit Be- schlag, ferner die flüssigen Fonds der dortigen s>dh»ionalbank und des Finanzministeriums, insgesamt acht Millionen Pfund Gold, die mit einem Spezialschiff nach London ge­sandt wurden. Für den Gegenwert wurden Zwangsnoten ausgegebcn.

Ein englischer Kreuzer gesunken.

Amsterdam, 7, Sept. Ter Nicuwc Rottcrdamsäic Courant meldet, der englische KreuzerPathsinder", gebaut 1904, ist auf dem Weg von Tync nach Newcastle aus eine Mine gestoßen und gesunken. Biele Menschen sind dabei umgekommen.

Katzenjammer in England.

W. B. Rom, 7. Sept. Der Londoner Korrespondent des; Giornate d'Jtalia stellt die bittere Enttäuschung ötzs eng- lischen Publikums fest, das vergebens auf eine große See­schlacht niit der Vernichtung der deutschen Flotte wartet. Dieses Warten ist um so peinlicher, als das deutsche Landheeo täglich in Frankreich vordringe. Außerdem müssen die Eng-> ländcr von den fortwährenden Vorstößen der deutschem Torpedoboote hören. Einige deutsche Torpcdogcschwader hätten sogar die englische Blockade durchbrochen und seien an? der englischen Ostküste erschienen. Eine längere Dauer dieses Hangens nnd Bangens nnd der Untätigkeit der eng­lischen Flotte werde auf die englische Volkspsyche höchst niederschmetternd Mrkcn.

Keine Revolution in Odessa?

Von heni soeben st, Hamburg estigetroffeaen Mitglied« der Hain-, burgischen Sonnenfinfbermsexpcbftion Herrn Dr. Grass wird dem Hamburger Fremdcnblatt berichtet: Tic über Rumänien gekom­

menen Nachrichten über den Ausbruch einer Revolution in Odessa mit Straßcirkämpsen, Erschießung von höheren Polizei»^ beamten und Offizieren. Beschießung der Stadt durch ein russisches, Kriegsschiff usw, sind unrichtig. Bis 29, August, an ivelchem' Tage ich Odessa verließ, herrschten jedenfalls in der Stadt und Um­gebung vollkommenste Ruhe und Ordnung. Di: in Odessa zirrllcksi gehaltene» Deutschen befinden sich ebenfalls außer jeder Gefahr, lmö', ihre Verschickung in andere Gouvernements ist, wie die staatlichen, Behörden noch, am 29, August versicherten, vorläufig nicht in Altssicht genommen.

Die Sympathien der Muselmanen.

.Konstantinopel, 6. Sept. Der vom Tanin mitgeteilte Entschluß des deutschen Kaisers, die zahlreich unter den fran­zösischen Gefangenen befindlichen algerischen nnd tunesischen Muselmanen in Freiheit sehen nnd nach den, Sitz des Kali­fates geleiten zu lassen, macht nach einer Privatmeldung der Franks. Ztg. hier ungeheuren Eindruck.

Die Pariser dc«»tschc Sozialisten und der Krieg.

In der ausländischen Presse ist ein anonymes Manifest er­schienen, bas den Anschein erwecken soll, das, der deutsche sozia­listische Lcseklub in Parisnach der allgemeinen Mobilisation" Stellung gegen Teutschland genommen habe. Es muß fcstgestcllt werden, daß sofort nnch der Mobilmachung der Vorstand »nd die meisten Mitglieder des Lcseklnbs in die Heimat zuriickgckchrt sind und keinerlei Manifest hinterlasien haben.

Tum Dum Geschosse.

W. B. Berlin, 8. Scpt. Ter Kriegsberichterstatter des Ber­liner Tageblattes meldet aus den. Grossen Hauptquartier: Ich

habe in. Fort Montmedn in den Gcschoßkammcrn unzählige Duni- Tnm-Patroncn gefunden In Montmcdy waren die Patronen noch so verpackt, wie sic ans der Fabrik gekommen sind mit der Auf- lchrift: Poudre b f. Vif« 1912, 8 Eartouchcs. Alle Verpackungen waren gleichmäßig verschnürt, so das; man die Fcchrik auf de»

Die erste fiel auf das Dach einer Schlosscrwcrkstatt in der Rue Bicnfaisance, die zweite auf den Boulevard des Hospices. Es wurde nur Materialschaden angerichtet.

Belgische Parlamentarier in Amerika.

Tie Kölnische Volkszcitung berichtet, daß die belgische» Partei­führer de Wiart, Hymans und Vandervelde sich über England nach Amerika begeben hätten, um in den Bereinigten Staaten für Bel­gien und gegen Teutschland z» wirken. Eine anderwcitc Bestäti­gung hat diese Meldung bisher nicht gesunden.

Noch ein gefallener Abgeordneter.

Der bayerische Landtagsabgeordnete Loibl ist im Kampfe gegen Frankreich gefallen. Er war Landwchrhauptmann und hatte nach dem Tode des Majors die Führung seines Bataillons übernommen. Er stand im 45. Lebensjahre.

Ucber die Haltung Schwedens

erklärt die in Stockholm erscheinend« Norrköpings Tidniwgar, daß Schweden nunmehr eine Streitmacht von ungefähr 450 000 Mann auf die Bein« bringen könnte und daher wohl imstande sei, seine Neu­tralität zu sichern. Am Schluß der Ausführungen heißt es: die Neu­tralität, die wir bisher beobachteten, wollen wir auch weiter aufrecht erhalten. Ein Schweden, an die vielen Feinde Deutschlands ange- schlossen, ift aber etwas Undenkbares.

Das mysteriöse Mißverständnis.

Die Nordd. Allg. Ztg. wendet sich mit einer scharfen Erklärung gegen unwahre Angaben, die der englische Premier­minister Grey im Unterhaus gemacht hat. Die Erklärung besagt:

Nach hier vorliegenden Nachrichten hat Sir E. Grey im Unterhaus erklärt, die von der deutschen Regierung vcran- laßte Veröffentlichung des dcutsch-englischen Telegramm- Wechsels vor dem Kriege sei unvollständig. Fürst Lichnowsky habe seine Meldung über das bekannte Telephongespräch gleich darauf telegraphisch zurückgezogen, nachdem er darüber aufgeklärt worden sei, daß ein Mißverständnis vorliege. Dieses Telegramm sei nicht veröffentlicht worden. Die Times hat, anscheinend auf Grund von Informationen von amtlicher Seite, dieselbe Behauptung aufgestellt und daran die Bemerkung geknüpft, das Telegrainm sei von der deutschen Regierung unterdrückt worden, um England der Pcrfidie be­schuldigen nnd Deutschlands Friedensliebe beweisen zu können.

Wir stellen demgegenüber fest, daß ein solches Tele­gramm nicht existiert. Fürst Lichnowsky hat außer dem be­reits veröffentlichten Telegramm, das um 11 Uhr vormittags aus London abgegangen war, am 1. August noch folgende Telegramnie abgesandt:

Erstens um 1 Uhr 15 nachmittags:

. . . Der Prioatsekretär Str E. Grcys war eben bei mir, um usir zu sagen, der Minister wolle mir Vorschläge sür bi« Neu­tralität Englands machen, selbst für den Fall, daß wir mit Ruß­land wie mit Frankreich Krieg hätten. Ich sehe Sir E. Grey henk« nachmittag und werde sofort berichten."

Zweitens um %6 Uhr abends:

Sir E. Grey las mir soeben die nachstehende Erklärung vor, die vom Kabinett einstimmig gefaßt worben war: Die Antwort der dentschcn Regierung bezüglich der Neutralttät Belgiens ist un- gemein bedauerlich, weil die Neutralität Belgiens die Gefühle dieses Landes angeht. Wenn Teutschland einen Weg sehen könnte, die gleiche positive Antwort zu geben, wie diejenige, die von Frank­reich gegeben worden ist, würbe dies wesentlich dazu beitragen, die Besargnts imd die Spannung hier zu beheben, während cs auf der andern Seite äußerst schwierig sein würde, die öffentliche Stim­mung in diesem Lande zurückzitdämmeu, ivenu eine Verletzung der Neutralität Belgiens durch einen der Kämpfenden stattfäichc, während der andere sie respektierte. Aus mein« Frage, ob er unter der Bedingung, daß wir die belgische Neutralität wahrten, mir ein« b«sttmntt« Erklärung über di« Neutralität Großbritanniens abgebcn könne, «rividcrt« der Minister, das sei ihm nicht möglich, doch würde dies« Foage ein« grosse Rolle bei der hiesigen öffent­lichen Meinung spielen. Verletzten wir die belgische Neutralität in einem Kriege mit Frankreich, so würde sicherlich ein Umschwung in der Stimniung eintrctcn. di« es der hiesigen Regierung er­schweren würde, eine freundliche Neutralität cinzunehmen. Vor­läufig beständen nicht die geringsten Absichten, gegen uns feindlich vorzugehen. Man wurde dies, wemi irgend möglich, zu veoinctde» wünschen. Es ließe sich ober schwerlich eine Linie ziehen, bis wo- Wn wir gehen dürsten, ohne das, nia» diesseits einschrcitc. Er kani immer wieder auf die belgische Neutralität zurück und meinte, dies« Frage würde jedenfalls ctne große Rolle spielen. Er habe

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 55

Fandrem sah Hclgestad an, der mit einem Ausdruck von größtem Wohlgefallen Marstrand zunickte und dabei sagte: Jeder Mann muß wissen, was er tut, und niemals be­dauern, was daraus erfolgt. Ihr wißt, ist mein Wahlspruch, Herr Marstrand."

Abgetan also", sprach der Gildemeister.Jeder nach seiner Weise. Will nichts bedeuten, wenn ein Mann seine Vorteile sucht, wo er sie finden kann. Zahle Ihnen den Preis der Kommission.

Nach einer Stunde waren sie auf deni Wege zur Stadt. Die Turmglocken schlugen siebenmal, der Morgen war wundervoll. Vögel sangen in den Bäumen, warm und sonnenvoll kam der Tag, aber Hannas Vorhänge taten sich nicht auf, und der kleine dicke Handelsherr zog dreimal seine ungeheure Uhr heraus, hielt sie ans Ohr, betrachtete Fenster und Haus, kehrte um, blieb stehen und ging endlich ärgerlich den beiden anderen nach, die schon am Signalturm standen und ihn erwarteten.

Ani Hafen war längst die Arbeit in voller Tätigkeit. Der Gildevorsteher gab den Aufsehern, die ihn vor seinem Haust' erwarteten. Befehle, dann führte er Helgestad in seine Kon- torstube, wo Rechnungen und Handclskontos bereit lagen, und wo auch Marstrand Kontrakte unterzeichnen und die Ver­pflichtung eingehen sollte, nur mit Uve Fandrem in Bergen Handel und Verkehr zu treiben.

Das Kontor des reichen Kaufmanns war klein und düster. Ein einziger, alter Buchhalter saß auf einem eben so alten Schreibbocke, denn trotz ihrer bedeutenden Geschäfte hatten die Handelsherren in der Stadt nicht viel zu schreiben. Sie bedurften weit mehr Arbeiter nnd Aufseher in ihren Magazinen als Gehilfen in der Schreibstube. In einem Winkel standen große Handlungsbücher hinter einem Gitter­spind, das vor einem Jahrhundert vielleicht cinnial weiß angestrichen wurde, und die engen Fenster ließen eben nur so viel Licht in das Gewölbe, um ein paar nägelbcschlagene

Juchtcnstühle mit hohen Lehnen und einen schwerfälligen Zahltisch zu erkennen. Der übrige Raum war mit Kisten und Kasten, Seehnndsfellen und Federbällen vollgestopft, und an der Wandscite stand ein künstlicher Bau hochaufge- tllrmter kleiner Fässer, die Marstrand bei seinen Bemühun­gen, sich durch dies Labyrinth zu schlängeln, beinahe über seinen Kopf zusammengestürzt hätte.

Fandrcni rief ihm eine Warnung zu.Ist ein feines Haus," sagte er,mit tausend Ecken und Winkeln, die ei» weiser Mann besser benutzen kann als große Räume. Alles hat da seine Stelle, und sind lauter Leckerbissen, Herr Mar- strnnd, für gute Freunde, Honig und Hcdcmarken und Butter aus Flensburg."

Sein Gelächter wurde durch die Mitteilung erklärt, daß diese Leckerbissen für die Mannschaften der nordländischen Schiffe bestimmt seien, deren Ladung Herr Fandrem kaufte, und welche nach altem Gebrauch mit Lebensmitteln beschenkt werden mußten. Das Beste und Frischeste wurde natürlich für diese unverdorbenen Magen nicht ausgesucht, daher kam cs denn, daß der Duft von Fett und Fleisch eine Mischung bildete, welche für den Uneingeweihten eben kein Rosenöl war.

Alles riecht gut, was Geld bringt," sagte der Gildcvor- stcher,und wenn nian von Bergen spottend im Lande sagt, es sei viel weiter zu riechen, als zu sehen, so können wir nur wünschen, daß dies Wort niemals zu Schanden werde; denn je weiter man uns riecht, um so mehr Jachten liegen in unserm Hafen und um so höher türmen sich an der deutschen Brücke die Haufen Stockfische, Heringe und Tranfässer auf, deren Geruch uns so süß und wohlgefällig ist, wie den alten Gottheiten der Geruch ihrer Brandopfer, Widder, Schafe und Stiere, die ihren göttlick)en Nasen so besonders angcnchnl waren nnd doch eben auch nicht wie Ambra und Myrrhen gerochen haben können."

___ Nach diesem Witze zog Fandrem Marstrand an das Schreibpult, wo er ihn die Kontrakte durchlcsen und unter­zeichnen ließ. Hierauf nahm Helgestad die Feder und stellte eine besondere Bürgschaft aus, durch welche er sich für den Betrag der Schuldsumnie verpflichtete, welche Marstrand an Waren im ersten Jahre von Fadrcm entnehmen würde.

Wie?" fragte der junge Mann erstaunt,ist der Kredit, den Sie mir anboten, so gemeint, daß ein anderer für mich als Bürger eintrctcn soll?"

Ist Sitte so in Bergen," antwortete Hclgestad,und tue es gern. Würde ohne Bürgschaft sich wohl so leicht nie­mand finden, der Euer Haus mit seinen Waren füllte."

Ich sollte denken," erwiderte Marstrand gereizt,daß mein Besitztum, wenn nicht mein Wort nnd meine Ehre, Bürgschaft genug für jeden wäre."

Nuh!" sagte der Kaufmann unerschütterlich, «sprecht einmal wieder wie ein dänischer Junker, nicht wie ein nach- dcnkender Mann, der die Dinge betrachtet, wie sie sind. Wer soll wissen, ob die Balsclf einen Balken oder ein Brett liefern kann? Dazu gehören inancherlci Künste samt großen Mitteln. Denkt an Olaf, Herr Marstrand, tvelchcr jeden für einen Narren erklärt, der einen Schilling dafür aus seiner Tasch: holt. Endlich aber kalkuliert, ob ein Mensch in Bergen Euch kennt, denn ich allein."

Marstrand war in hohem Grade mißvergnügt über die Entdeckung, daß auch durch dies neue Verhältnis seine Ab­hängigkeit von Hclgestad vermehrt werde. Er hatte im Gegenteil gemeint, damit den Anfang zu machen, seinen eigenen Weg cinzuschlagcn, und allerlei Pläne auf Fandrcms Wohlwollen nnd Kredit gebaut, jetzt war cs wieder nur Helge- stads Bürgschaft, die cs möglich machte, die harte Hand deS Berger.Handelsherrn zu öffnen.Hclgestads Antwort zeigte ihm deutlich genug, wie sein Wohl in dessen Händen liege, nnd er glaubte in den gierigen Augen des alten ManncS Hohn über seine hilflose Lage zu lesen. Ter wüste Balsfjord war nichts ohne Hclgestads Geld. Er kain sich vor wie eine Fliege zwischen den groben Fingern dieses listigen Spekulan­ten, der sie nach Gefallen so lange flattern ließ, bis cs ihm Zeit fdjeinc, ein Ende damit zu machen. Tics Mißtrauen bemächtigte sich seiner in so hohem Grade, daß er alle Vor- sich vergaß.Ich mag Ihre Bürgschaft in diesem Falle nicht annchincn," sagte er gereizt.Die Zahl niciner Ver­pflichtungen ist ohnehin so groß, daß ich sie nicht vermehren will.'!

(Fortsetzung folgt.)