Ausgabe 
5.9.1914
 
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Gatinro und beschoß aus schwerstem Kaliber Punto d'Ostro. Die Wirkung war kläglich. Drei Festungsartilleristen wur­den leicht verwundet. Ein Haus in der Nähe des Forts wurde zerstört: Nach der Kanonade dampften die feindlichen Schiffe wieder ab.

Die Teilsiegc der Armee» Dank! und Auffenberg.

\V. B.- Wien, 4. Scpt. Aus dem Bereich der Armeen Danil and Austcnberg wurde» bisher II 888 Kriegsgefangene abgcschobcn, etwa 7888 sind uorcrst »och angckündigt. In der Schlacht an der Muczwo wurden, soweit bisher bekannt, 28» Geschütze, sehr viel Kriegsmaterial, zahlreicher Train, vier Automobile und die Feld- kanzlrien des 8. und 18. russischen Armeekorps mit wichtigen Ge- hcimaklcn erbeutet. Ter Feind ist in vollem Rückzüge. Unsere Armee versokgt ihn mit grosicr Kraft. Aus dem Kriegsschauplatz am Balkan drang die von Generalmajor Pongracz bcschligtc 3. Gc- birgsbrigadc, die schon einmal eine» kühnen Borstosi in das rauhe, kriegerische Montenegro crsolgrcich durchgcsührt hat, vor einigen Tagen von neuem gegen die aus den Grcnzhöhcn bei Bilek stehen­den Montenegriner vor und wars die an Zahl überlegene» scind- kichcn Kräfte in mehrtägigem Augriss zurück, nahm ihnen dabei auch schwere Geschütze ab und dcgagiertc durch die kühne Tat die von den Montenegrinern bedrohte Grenzbcscstigung.

Der Stellvertreter des Chefs des GencralftabS. v. Hofer, Generalmajor.

Frankreich will Italien kaufen!

Frankreich hat, wie nian der Franks. Ztg. berichtet, der nalienischcn Regierung durch eine Bankgruppe eine Anleihe von 1 Milliarde und mehr zu guten Bedingungen offerieren lassen. Ministerpräsident Salandra hat die Offerte mit dem Hinweis abgelehnt, daß Italien nicht die Absicht habe, eine auswärtige Anleihe aufzunehmen. Eine würdige Antwort.

Ein französischer n'lottenangriff ans die österreichische Adriaküstc.

W. B. Wien, 8. Sept. Bon anitlicher österreichischer Leite wird bekannt gegeben: Am l. Teptembcr morgens erschien die französische Mitlelmccrjlotte, bestehend aus 18 grosien Einheiten, nämlich Lchlachtschisscn, Panzerkreuzern »nd zahlreiche» Torpedofahrzcugcn aus große Entfernung vor der Einfahrt in der Bucht von kattaro und gab vierzig Lchüsie aus schwerem Kaliber gegen das veraltete Fort aus Punta d'Ostro ab, ohne den dortigen Werken Tchadcn zu- zusllgcn. Bon der Besatzung wurde» drei Mann leicht verwundet. Die Flotte dampfte dann eine zcitlang in westlicher Richtung und wendete sich sodann mit südlichem Kurs, um anscheinend die Adria zu vcrlasicn. Es handelte sich daher offenbar um eine wirkungslose Demonstration der sranzösischcn Ttreitkräste an unserer südlichen Küste. Eattaro ist ein befestigter Tcehascn in der äusierstcn, Montenegro benachbarten Spitze des österreichischen Dalmatien.

Das Bombardement von Mecheln.

Kopenhagen, 3. Scpt. Das gestrige Bombardement von Mecheln in Belgien richtete großen Schaden an. König Albert, der sich bei seinen Truppen befand, wurde von einer Hand durch einen Granatsplitter leicht verletzt.

Kriegszustand ohne Krieg.

Man schreibt uns aus der Schweiz: Obwohl die schwci- zcrischcn Armee vollständig mobilisiert ist, nicht um Krieg zu führen, sondern nur zur Verhinderung des Unglücks, daß die Schweiz zum Kriegsschauplatz wird, leben wir hier wirt­schaftlich vielleicht in höherem Maße im Kriegszustand als in den Großstaatcn, deren Armeen auf dem Schlachtseide stehen. Es fehlen dreimalhunderttausend schweizerische Wehr» männer, es fehlen zirka scchzigtausend cinberufenc Deutsche, Franzosen, Ocsterrcicher und Italiener und trotzdem herrscht bei dem Rest der zurückgebliebenen Arbeiter eine geradzu unheimliche Arbeitslosigkeit. Die schweizerische Export- Industrie liefert einerseits fast nur Lu usprodukte Uhren, Seide, Stickereien, Bänder, Käse, Kondensmilch. Schokolade, andererseits benutzt sie für den Abtransport aus­ländische Eisenbahnen und ausländische Schiffe. Die KaiU- kraft des Weltmarktes für diese Lutusprodukte ist natürlich durch die Kriegswirren rapid zurückgcgangen, fast alle die Schweiz unigebendcn Großmächte (auch Italien) haben eine gewaltige Rollmatcrialnot, da sie mobilisieren und können unsere Güter nicht befördern achtzig Prozent der inter­nationalen Handelsflotte gehört kriegsfllhrcndcn Mächten und ist für die schweizerische Exportindustrie nicht zu ge-

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 52

Nachdem vieles darüber gesprochen war, stieg die Fröh­lichkeit durch den spanischen Wein, den der Gildemeister auf- tragen ließ. Ein Tabakskästchen von chinesischem Porzellan wurde auf den Tisch gesetzt, lange holländische Pfeifen mit bunten, von Silberfäden umsponnenen Posenspitzen brachte Hanna herbei, und auf ihres Vaters Geheiß mußte sie ihr Glas auf Björnarne Wohl leeren und mit dem Wachsstock den Herren die Pfeifen anzündcn, was sic unter Helgestads aufmunternden Scherzen auch glücklich vollbrachte.

Ist Sitte so in Nordland und den Finnmarken, wenn eine schöne Jungfrau die Gäste ehren will", rief Hclgestad, in­dem er sie umfaßte.Hast drei Tage lang fast noch Zeit, alle deine schönen Kleider, Ketten und Ringe den jungen Herren in Bergen zu zeigen, dann kann Paul Petersen sie bewun- dern, der ein Kenner ist, und Johann Marstrand, der die Hof­damen in Kopenhagen gesehen hat."

Ich brauche niemanden, um meinen Putz zu bewun­dern", sagte Hanna, die sich von ihm losmachte.

Bewunderst ihn allein genug und willst lieber selbst be­wundert sein", grinste Helgestad.Bist eine schlaue Hexe, Mädchen, aber Björnarne hat Augen."

Hat er Augen", erwiderte sie,mag er sie aufmachen."

Kalkuliere, wirst ihm dazu helfen", rief er ihr nach.

Will tun, was ich kann", antwortete sie.

Wehr dich, Hanna, wehr dich", sagte Fandrem vergnügt. Es geht nichts über die richtige Erziehung, ihr Herren, und was du auch sagen niagst, Niels, cs ist ein Vorteil, daß sie in Hamburg gewesen ist, wo sie mancherlei gelernt hat."

Helgestad kniff die Lippen zusammen, aber sein Vetter ließ sich nicht stören. Er ließ ihre Stickereien aus dem Hauic holen, zählte auf, wie sic ohne Anstoß deutsch spräche und so- gar das Spinett spielen könne.

Helgestad hörte alles ruhig an und bekräftigte die Lob-

brauchen. Infolgedessen haben alle Exportindustriefabriken geschlossen, Hundcrtausende liegen aus dem Pflaster. Wäh­rend die Landwirtschaft nicht weiß, wohin mit dem Schweizcr- käse, befürchtet man in weiteren Kreisen eine Gctreidenot. Das egoistische Bürgertum hat sich in den Tagen der Kriegs- pauik in seinen privaten Haushaltungen gewaltige Lcbens- niittelvorräte aufgestapclr und alle Bargelder thesauriert. So besteht auch für die Industrien für den Inlandsbedarf gar keine Krediftuöglichkcit und für die Konsumenten, die zudem noch arbeitslos sind, eine fühlbare Teuerung. Dazu kommen noch die Exmissionen von Familien eingerücktcr in- und aus­ländischer Landesvcrteidigcr durch brutale Hausmeister, so- daß sich zu den Geißeln der Arbeitslosigkeit und Teuerung noch die Obdachlosigkeit gesellt, da die Wehrmannuntcr- stühung, die die Faniilie erhält, drei Franken im Tag, wohl zum Leben, aber nicht für die Wohnung ausreicht. Da zudem noch die Volksstimmung der strikten Neutralität ent- spricht und es unserem Publikum völlig gleichgültig ist, welche Großmachtgruppc siegt, so fehlt auch die Begeisterung oder sonstige Spannung, mit der vielleicht die Völker krieg- führender Staaten über die Misere hinwegkommen. Die Schlachtberichte selbst werden mit völliger Apathie ausge­nommen, man sehnt sich nur krampfhaft nach Friedenshoff­nungen und möchte alltzn Beteiligten Demütigungen er­sparen, die den Keim neuer Revanchekriego in sich bergen. Weil so jede Begeisterung fehlt, besteht auch ini Bürgertum leider recht wenig Neigung, der Gesamtheit Opfer zu bringen, so daß den wenigen noch beschäftigten Arbeitern der Lohn ganz unvcrschänit gedrückt wird. So haben wir alle Schatten- seiten des Krieges auszukosten und haben doch keinen Krieg.

Glückliches Land!

Die einzige europäische Großmacht, die im Weltkrieg neutral geblieben ist, Italic», kann sich unter seinem blassen Himmel des Friedens srcucn, während die anderen Völker in den Schützcn- gräben Frankreichs und Polens in wochcnlangcn Schlachten siegen. Woher diese glückliche Sonderstellung kommt, erklärt der Deutsche Kurier folgendermaßen:

Italien ist wirklich dcniokratisch. Gegen die Volksstim­mung können weitgehende kriegerische Unternehmungen nichi unternommen werden In einer Reihe von öffentlichen Ver­sammlungen haben aber die demokratischen Elemente, die sich, sogar stark radikal angehaucht, bis tief in den Mittelstand hinein erstrecken, erklärt, daß sie gegen jedes kriegerische Engagement Italiens sind. Mit dieser inncrpolitischcr Situation hat die italienische Regierung zu rechnen.

Gleichgültig, ob die Darstellung des Vcrfasiers für die wirk­lichen Zustände Italiens zntrifft. so enthält sic doch eine große all­gemeine Wahrheit. Wenn alle Völker Europaswirklich demo­kratisch" und dabei friedliebend mären, dann gäbe es keinen Krieg. Die Völker zu Herren ihres eigenen Schicksals zu machen und sie zu den Idealen der Jnternativnalität zu erziehen, ihnen im Kampf um die Besserung der Zustände daheim ein höheres Ziel zu geben, als im heutigen Kampf gegeneinander das war die Arbeit des Sozialismus, die durch die Weltkataftrophc in so grausamer Weise unterbrochen worden ist. Sie wird nach dem Friedensschluss mit vervielfachtem Eifer und mit ganz anderen Aussichten ans Erfolg als bisher ausgenommen werden: denn diese Generation, die den Weltkrieg erlebt hat. wird keinen zweiten erleben wollen.

Glückliches Italien!" rufen wir also, sofern sich die Schilde­rung des Deutschen Kurier bewahrheitet:Glückliches Europa!"

werden wir später einmal rufen dürfen, wenn alle Völkerwirklich demokratisch" »nb alle Regierungen genötigt sein werben, mit ihrem energischen und unbedingte» Friedenswillen zu rechnen.

Sozialdemokratische Zeitm»asfeldpost.

Der Erlaß des preußischen Krtegsministers. der die Verbrei­tung sozialdemokratischer Zeitungen im Heere gestattet, wird von allen bürgerlichen Blättern ohne Kommentar als etwas Selbstver­ständliches wiedergegcben. Nur die Post läßt sich folgenden Stoß­seufzer entfahren:

Auf eine Erörterung dieses Erlasses müssen wir verzichten, da eine solche sicher der Zensur verfallen würde.

Vor dem Kriegsausbruch hat die Post bekanntlich die Verhaf­tung aller sozialdemokratischen Führer und das Verbot sämtlicher sozialdemokratischen Zeitungen gefordert. Jetzt muß sie erleben, daß die Lektüre sozialdemokratischer Blätter nicht nur dem Zivil, sondern gar auch dem Militär erlaubt wird, »nd sie darf dazu nicht einmal etwas sagen, weil das sonstsicher der Zensur verfallen würde". Die Situation entbehrt, wie man sieht, nicht einer ge­wissen Komik.

Kei» tUHmatn», Englands an Holland.

Der englische Generalkonsul in Rotterdam erklärt dort um­laufende Gerüchte iibcr ein von England an Holland wegen Turch-

rcde der Vottrefflichkcitcn und Tugenden mit einigen kräfti­gen Gurgeltöncn und seinem schlausten Grinsen.Ist eine feine Jungfrau", sprach er dann,zu gut für Bergen, aber ein Vater kann seine Tochter, und wäre sie sein größter Schatz, nicht für sich behalten. Habe das auch bedacht und muß JIda also von mir tun und Hanna dafür eintauschcn."

Wirst nichts verlieren", rief Fandrem.

Denke zu gewinnen", sagte Hclgestad,und eben darum, daniit keiner zurück kann in der Sache, zahle ich die dreißig- tausend blanke Speziestaler, wenn Björnarne nicht um deinen Segen bittet, fordere sie aber auch von dir, wenn du ihm Hanna weigerst oder sie ihn nicht mag."

Marstrand war Zeuge des sonderbaren Handels, der, im Scherz begonnen, ein ernsthaftes Ende nahm. Ter Gilde- mcister lachte anfangs dazu, als sein Verwandter aber auscin- andersetzte, daß er besorge, der Vater könne sich nicht von seinem Kinde trennen, schlug er ein und nahni das hohe Reu­geld an.

Es war abend geworden. Die Sonne beleuchtete die Felsenklippen mit rotem Fcuerglanz, und in der Tiefe lagen bläuliche Nebel, welche dämmervoll «nd weich Stadt und Hafen einhülltcn. Verworrenes Rufen und Geschrei stieg von dort empor und verhallte in der reinen stillen Luft. Ein schöneres Bild war kaum zu denken, als dies große lebens­volle Tal, über welcheni ein wolkenloser tiefblauer Himmel schwebte. Ein blasses Mondstück hing am Rande des höchsten Fjeldcs, und weit in der Ferne blitzten die Arme des Meeres, zeigten sich große Schiffe und flatternde Segel.

Marstrand war bis an die Spitze des GartcnS gegangen, welche steil an dem Felsen niederfiel, und eben an dieser Stelle fand er Iandrems Tochter wieder. Sie lehnte sich über die Brüstung, warf einen Stein hinab, dem sie nach­blickte, und richtete sich unmutig auf, als sie Marstrands Schritte in der Nähe hörte.

Er sagte einige Morte zum Lobe Bergen?, die sie gleich­gültig anhörtc, seine nordländische Jucke betrachtete und ihre Goldkcttc um die Hand wand.

Zugs englischer Truppen längs der Schelde gerichteten lllrünattunS! für durchaus unbegründet, da die britische Regierung entschlossen sei. Hollands Neutralität in jeder Hinsicht und unter allen Umständen zu respektieren.

Vennruhigttng in England.

Nach einer Stockholmer Depesche der Kölnischen Ztg. wurde laut einer Meldung der Times im Untcrhausc die Nieder­lage der englischen Armee besprochen. In England herrscht große Unruhe.

John Butt das Großmaul.

_ Tie Londoner Daily Mail veröffentlicht folgende Zuschrift:. Unsere Söhne verlassen ihre Heimstätten, mn allen Schrecknissen des Krieges cntgcgcnzugchen. Nicht, weil sie oder ivir Deutschland hassen.Für immer abgetan!" Darf ich Vorschlägen, daß diese Worte aus die Torn-ister unserer Soldaten gestickt werden? Tie cvige Drohung der gewappneten Faust des bekannten Militärstaatos gegen die friedliche Bevölkerung aller anderen Länder Europas muß jetzt unter alle» Umständen, und koste cS, was eS wolle, aushören. Wir begehren weder Land noch Gold anderer Nationen, wir dürsten nicht nach Ruhm oder Vorherrschaft. Aber ivir wünschen, des reit 31 *' werden von dem Schreckgespenst dieses Gernegroß, der die Welt be­herrschen möchte und der uns in ein Meer von Angst und Schrecke» stürzt. Ter Krieg darf nicht eher cmshören, als bis alle deutschcir Kriegsschiffe in den Grund gebohrt, alle Festungen imn Erdboden gleichgemacht, das Neer vernichtet, und diejenigen, die di« Pforten der Hölle so leichtsinnig geöftnet haben, erschossen oder verbaimt werden. Oelencke k8t Germania! (Deutschland muß vernichtet werden.)

Der Brief ist von einer Reihe von Engländern unterzeichnet. Iw einem anderen Brief wird die Regierung Englands gebeten, doch dafür zu sorgen, daß Deutschland nicht ganz und gar vernichtet wird, sondern als- kleiner Staat unter englischer Oberherrschaft sortbcstchow bleibt als Schutz gegen di« Slawen.

Verlotterung in der französischen Armee.

Der Korrespondent des Giornale d'Italia berichtet aus Lille,, daß für die einberufenen Reserven nur ungenügende Iluisormstückc vorhanden waren. Bei dem fluchtartigen Abzüge der Garnison anS! Lille hat di« Artillerie ihre Kanonen einfach liegen lassem Tie Er-' bitterung im Volke über dies« Verlotterung wächst mit jeder Stunde. DicZahl derfeindlichenGefangenc» in Deutschland

Bis zum 30. Anglist waren in Deutschland an Gefangenen nntcrgcbracht: Franzosen: 283 Offiziere. 15 328 Mann, Russen: 78 Osfizicrc, 18 128 Mann, Belgier: Offizicrzahl unbekannt, 12351 Mann. Jetzt sind bei Ncidenburg noch 88 880 Russen dazu ge­fangen worden. Tie Zahl der englischen Gefangenen fehlt noch, auch die der französischen, russischen und belgischen Gefangenen, die noch nicht nach Deutschland gebracht worden sind. Der Nienwc Rotterdamschc Courant schreibt: Die bisherigen englischen Vcrlust»> listen melden als verwundet, gefallen und vermißt 188 Offiziere und 4939 Mann.

Der Dank für vir freiwillige Erntearbeit.

Als zu Beginn des August mit der Mobilisation der Truppcw begonnen wurde, erklang von allen Seiten der Ruf: Hinaus aufs Land mit freiwilligen Hilfskräften zur Bergung der Ernte! DaS hatte zur Folge, daß in jenen Tagen alle möglichen Hilfskräfte, ohne jede Prüfung auf ihre rechte Verwendbarkeit für die Ernte« arbeit aufgebotcn wurden.

Wie nun die freiwillige Erntearbeit der städtischen Jugend be­wertet wird, zeigt ein Bericht der Schlesischen Landwirtschaftskam« mer, die folgendes veröffentlicht:

Aus einem schlesischen Kreise kommt die Klage, daß bäuer­liche Besitzer die Gymnasial- und Volksschüler, welche ihnen in der Ernte helfen, wenig gut behandeln. Obgleich sie ihre Dienste ganz umsonst leisten, sind sie llnfreundlichkciten anßgesctzt »nd haben an einzelnen Stellen trotz Arbeit den ganzen Tag über nicht die kleinste Erfrischung erhalten. Derartige Vorkommnisse sind mehr als bedauerlich. Tie jugendlichen Helfer wollen das Beste, und wen» auch die Hilfe vielleicht hier und da aus Un­kenntnis der ländlichen Arbeit heraus weniger wirksam ist als erwartet wurde, so muß cs doch für den Besitzer, welcher einmal die Hilfe in Anspruch nimmt, eine Ehrensache sei», die jungew begeisterten Helfer aut zu ernähren und gut zu behandeln. Wer anders handelt, weiß nichts von der stolzen Ehrenhaftigkeit des deutschen Bauern."

Dem konservativen Blatte !n Görlitz sind ähnliche Klagen zu« gegangen. ES sagt z» denunerhörten Vorfällen":

daß bäuerliche Besitzer, die ihre srcswilligen Helfer so mit Un-. dank belohnen, in den Kreisen ihrer Standcsgenossen selbst mit verdienter Verachtung bestraft werden müßten."

DerDank", mit dem hier Landwirte die freiwillige Ernte» hilfsarbeit von Gymnasial- und Volksschülcrn lohnen, wirb wohl den Veranstaltern von Erntchilfsaktioncn für die Zukunft eine gute Lehre sein.

Tie Mohamedaner auf dem Sprunge.

Ter aus Alexandrien in Aegypten erwartete Dampfes Umbria" ist am Donnerstag in Neapel eingctroftcn. Die

Nachdem sic eine Zeitlang seine Fragen mit ja oder nein beantwortet hatte, ließ sie ihn stehen »nd lehnte sich wieder über die Brüstung, bis sie sich umwandte und ohne Grutz und Abschied dem Hause zuging.

Es geht nichts über eine richtige Erziehung und wenn man sich in der Welt umgesehen hat," rief Marstrand ihr nach.Gott behüte den armen Björnarne vor dieser feinen Jungfrau, die aus Zitz und Gold besteht, also ganz ungenicß-l bar ist."

Mit diesem Spott kehrte er zu den beiden alten Herren, zurück, welche streitend und zechend ani Tische saßen, und' längst hing der Hinimcl als stcrngcstickter Teppich über ihnen, che es Fandrem endlich gefiel, seinen Gästen den Schlaf zu empfehlen, um morgen mit frischen Kräften neu anfangen zu können.

Und wo ist Hanna?" fragte Hclgestad, der sich mühsam, ans den Beinen zu halten schien.

Wohin eine sittsame Jungfrau gehört, wenn die Nacht kommt", antwortete Fandrem.Liegt unter ihren Decken und seufzt über den gottlosen Schwiegervater, der des süßen Giftes nicht satt werden kann."

Und träumt vom Lyngenfjord und von dem schönen Tage, wo Björnarne sie an sein Herz drücken- wird", rief Helgestad.

Schweig still, du alter Sünder", lachte der dicke Gilde­vorsteher,daß sie nicht aufwacht und es hört. Würde es dir nimmermehr vergeben, von ihr zu denken, daß ein Mann sie an sich drücken könnte."

Und lassen cs sich doch alle gefallen", grinste Helgestads kalkuliere, die tut es auch."

Kalkuliere, hast dein Gehirn z» stark erhitzt, Niels", er­widerte Fandrem, in das Gelächter einstiminend,ist aber Zeit, dich ins Bett zu schassen. Gebt ihni den Arni, Herr Marstrand, und führt ihn hinein. Es geht nichts über dir richtige Erziehung und über die Mäßigkeit."

(Fortsetzung folgt.)