Ausgabe 
4.9.1914
 
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Truppen entblößt ist, betrachten viele einflußreiche Scheikö die Zeit für gekommen, das französische Joch abzuschutteln.

Die Jnselsragc.

Die griechische Regierung hat das größte Bestreben, in der Jnsclfrage zu einer Verständigung mit der Türkei zu gelangen. Sic hat daher in Bukarest den Vorschlag gemacht, das Chios und Rvthilcne Autonomie erhalte» tollen. Die Frage der Souveränität und Suzeränltät soll gänzlich offen gelassen werden. Man hosst, auf diese Art und Weise die türkischen Empfindlichkeiten zu schonen, als auch den Ansprüchen der griechischen Bewohner der Inseln gerecht zu werden.

Deutsche Verwaltung in Russisch-Polen.

Die königliche Eiscnbahndlrektion Kattowitz veröffentlicht im Amtsblatt folgende Einrichtung: Errichtung eines Betriebsamtcs und Maschinenamts in Czcnstochau für die von den deutschen Truppen besetzten russischen Gebiete und zwar aus de» Bahnlinien Sosnowice-Pctrikau, Russisch-Herby-Czenstochau und auch Czeii- stochau-Kielce.

Der neue Papst.

"Wir. Rom, 3. September. Kardinal Giacoma della Chics», Erzbischof von Bologna, gcb. 21. November 1854, wurde heute zum Papst gewählt.

Parteinachrichten.

Zum fünfzigsten Todestage Ferdinand Lassalles wurde das Grab des Begründers der deutschen Sozialdemokratie in Breslau mit Blumcnspenden geschmückt. Ter Kranz der Breslauer Parteigcnoffc» enthielt aus seiner großen roten Schleife das Gelöbnis:

In rauhen Krieges- wie Fricbcnszeitcn Bleibe Deinem Ziele treu Der deutsche Proletar!

Der Sozialdemokratische Verein Breslau.

Außerdem legten Kränze nieder: der Verband sozial­demokratischer Wahlvereine in Groß-Berlin, das Breslauer Genoffenschaftstartell und die sozialdemokratischen Frauen, deren Männer zum Teil im Felde stehen.

Am Sonntag mittag tagte im Garten des Gewerkschaftshauses, aus besten Zinnen die weiße Fahne mit rotem Kreuze weht, die Gcöächtnisversammlung für den großen Toten. Obwohl die Mobil­machung auch in die Reihen der Breslauer Partei enorme Lücken gerissen hat, gehörte die Versammlung zu den bcstbcsuchtesten, die je ln unserem Garten stattgcfunden haben. Sehr viele der Be­sucher mußten stehend die Ausführungen des Genosten Eduard B e r n st e i n anhören. Als Genosse Bernstein auf die nationale Haltung zu sprechen kam, die bürgerliche Geschichtsschreiber dem Begründer unserer Partei im Gegensatz zu denen späterer Haltung zuschreiben, sagte er etwa:Die deutsche Sozialdemokratie ist

genau so national, als Ferdinand Lassalle es war, und Ferdinand Lastalle war genau so sehr ein Internationaler, als wir es sein wollen. Das zeigen gerade die heutigen Zeiten. Vom Vertreter Breslaus konnten sie nichts anderes erwarten, als daß er die Kriegskredite bewilligte, wenn sein Wahlkreis und die Provinzial­hauptstadt von der Invasion zarischer Truppen bedroht ist. Wir denken an unser Vaterland, wir denken aber auch an unsere Kul­tur!" (Großer Beifall.! Wir wollen national sein auch beim Frie­densschluß, der hossentlich im Interesse aller Völker nicht zu ferne liegt. Dem Vortrage folgte lauter Beifall. Der gute Besuch der Versammlung und die Kundgebung der Versammelten zeigten deut­lich, daß auch in den außergewöhnlichen Zeiten, in denen wir leben, die Arbeiterschaft der Führung der Partei nicht entraten will, der sic ihre ganze Arbeit und ihre Zukunft anvcrtraut.

Der Straßcrverkauf der Parteiblättcr.

Die Straßenauflage der Breslauer Volksmacht ist in der zwei­ten Woche des öffentlichen Handels von 2000 auf 4000 gestiegen und betrug am Samstag, den 20, August, nahe an 7000 Exemplare. Da alle Käufer ein Lastalle-Gcdcnkblatt mit erhielten, bedeutete diese Steigerung zugleich eine wertvolle Agitation. Seit Samstag ist der Verkauf der Volksmacht auch auf den El sc»bahn Höfen ge­stattet. Zu den Käufern gehören besonders viele Soldaten.

Soziale Rundschau.

Der Notstand in Württemberg.

Der stark zunehmende Notstand in Württemberg hat unsere Genossen veranlaßt, die zuständigen Stellen auf die dringlichsten Maßnahme» hinzuweisen. Der Stuttgarter Gewerkschaftsvorstand stellte fest, daß 19 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder arbeitslos und 15 Prozent einberufen sind. Ter letztere Prozentsatz ist durch Einberufung des Landsturmes noch stark gewachsen. Von 28 Ver­bänden mit 39 779 Mitgliedern sind 7843 arbeitslos: von den übrigen arbeitet ein großer Teil verkürzt, zum Teil nur wenige Stunden in der Woche. Ter Gewcrkschaftsvorstand beschloß, eine Eingabe an die staatlichen und städtischen Behörden zu richten, worin die Bereitstellung von Arbeitsgelegenheit und finanzieller Unterstützung erbeten wird. Die sozialdemokratische Rathaus- sraktton hat beantragt, daß alle lm Etat vorgesehenen Arbeiten der Stadt, die durch den Krieg unterbrochen wurden, sofort wieder in Angriff genommen und daß weiter durch Einstellung von Arbeitern in den städtischen Betrieben die Zahl der Arbeitslosen vermindert wird. Sie fordert weiter eine Ausdehnung der Unterstützung für die Familien der Kriegsteilnehmer sowie für die durch Arbeits­losigkeit in Not geratenen Einwohner Stuttgarts durch die Stadt. Eine Vertretung der Landtagsfraktion begab sich zum Ministerpräsi­denten v. Wcitzsäcker und trug ihm ihre Auffassungen über den Umfang der herrschenden und sich täglich verschärfenden Notlage in der arbeitenden Bevölkerung vor. Sic forderte die Wiederauf­nahme der staatlichen Bauarbeiten und der Arbeiten in den Forsten. Sie forderte weiter die Bereitstellung staatlicher Mittel zur Unterstützung derjenigen Arbeitslosen, denen Arbeitsgelegen­heit nicht geboten werden kann, und verlangt von der Negierung die Anwendung schärfster Maßnahmen gegen die agrarische Preis- steigcrci. In Vorschlag wurde gebracht der Auskauf der Erntevor- rätc in größeren Gebieten und die Verteilung der Ernte zu nor- nialen Preisen unter die Bevölkerung. Der Ministerpräsident versprach eine nähere Prüfung dieser Vorschläge und regte eine weitere Aussprache mit dem Minister des Innern an.

Von den Himmelserscheimmgen iin September.

Trotz der Kricgswirrcn war bas Jnteresic an dem himm­lischen Schauspiel, das uns Sonne und Mond am 21. August boten, nicht erlahmt, so oft auch Wolkcnschleier den Ausblick verhinderten. Dem Referenten ist cs gelungen, die Serie von Ausnahme» durch­zuführen, die er den Besitzern photographischer Apparate in dem in dem Artikel zur Sonnenfinsternis, der leider nicht überall zur rechten Zeit angelangt ist, angcratcn hatte. Mit wenigen Lücken, und abgesehen von dem Beginn der Verfinsterung sind alle Phasen in Abständen von rund 5 Minuten fixiert worden, sodaß sich eine Linie verschieben nebeneinander gelagerter Sicheln ergibt, die wie ein Film den Verlauf der Finsternis anzeigen. Vielleicht bietet sich Gelegenheit, das Bildchen an wett verbreiteter Stelle zu veröffent­lichen. Die Gewinnung solcher kleine» Ergebnisse würde vielen ächer Freude bereiten und ihr Jntcresie für den Gegenstand recht beleben.

Ans den Bedingungen für das Zustandekommen der Jinster- ntsie ergibt sich, daß zwei Verfinsterungen sich leicht kurz aufctn- , r, lm Abstaude von zwei Wochen, folgen können. Das ist auch Fall. Am 4. September findet eine Mondfinsternis uati, otc allerdings bei uns nicht beobachtbar sein wird. Tic Vcr- kiniicrung ist nur partiell: sic beginnt um 1 Uhr 17 Minuten und Ü, t um 4 Uhr 33 Minuten nachmittags. Sic wird im westlichen Noroamcrika, im Pazifischen Ozean, in Austratie», säst dem ganzen Asten, im Indischen Ozean und an der Ostküste Afrikas zu sehen Jcin.

Hessen und Nachbargebiete.

und Umgebung.

Der Krieg und die Konsumgenossenschaften. In Frie- dcnszeiten hat es den Konsumgenossenschaften nicht an Geg­nern gefehlt. Schikanen von seiten der Behörden, der Mittel- standsvereinignngen und mancher Komniunalvertretnngen waren an der Tagesordnung. Bcstimnttcn Beamtcnkatc- gorien war es sogar durch Erlaß verboten, Mitglieder einer Konsumgenossenschaft zu werden. Beim Ausbruch des Krieges änderte sich das Bild. Tic Militärbehörde, die den Genossenschaften sonst recht wenig günstig gesinnt war, brauchte nun die Einrichtungen der Produktivbetriebe, und die Genossenschaften haben die an sie gestellten Anforde­rungen auch in vollem Umfang erfüllt. Wie die Konsnm- genosscnsclzaftliche Rundschau voni 22. August mitteilt, ist die Bäckerei der HandelsgesellschaftProduktion", H a m b u r g, für Militärzwecke in Benutzung genommen worden und der riesige Fleischereibetrieb wird demnächst in größerem Um­fange für das Heer herangezogen werden. Die Lübecker Genossenschaftsbäckcrei ist laut Mitteilung der Geschäftsleitung wom 11. August mit Backen für die Militärbehörde bereits so belastet, daß sie kaum für ihre Kundschaft liefern kann. Ter Konsumverein für Dessau und Umgegend erhielt ganz plötzlich den Auftrag, für die Militärverwaltung Brot zu liefern, weil ein vertraglich verpflichteter Bäckermeister nicht imstande war cs fehlten ihm die erforderlichen Einrich­tungen, seinen Verpflichtungen nachzukommen, und auch die übrigen Bäckermeister am Orte nicht zu helfen vermoch­ten. Die Konsumdereinsbäckcrei lieferte dann in knapp drei Tagen die erforderliche Brotmcnge. Auch in Braun- schweig konnten die vertraglich verpflichteten Bäckermeister, da ihre Gesellen eingezogen waren, nicht liefern. Sie wandten sich deshalb an die Gcschäftsleitung des Allgenieincn Konsumvereins mit der Bitte, die Lieferung zu übernehmen, was auch geschah. Neben ihrer täglichen Produktion für die Vereinsangchörigen stellte die Bäckerei in den ersten fünf Tagen der Mobilmachung noch rund 12 000 Brote für das Militär her. Die Bückerinnung erließ darauf im Volks­freund durch ihren Obermeister eine Danksagung. Die Bäckerei des KonsumvereinsVorwärts" in Branden­burg (Havel) wurde seit dem 8. August von der Garnisons- Verwaltung in Anspruch genommen, ihr blieben zwei Oefen, die kaum zur Befriedigung des Brotbedarss der Mitglieder ausreichten. Die Behörden haben überall gute Erfahrungen mit den Arbeitsleistungen der Genossenschaften gemacht, und man darf nun wohl hoffen- daß diese Hilfsbereitschaft in ruhigeren Tagen nicht vollkommen in Vergessenheit gerät.

Zu dem Kampfe gegen die Fremdwörter, den Abg.

Dr. Werner im Gieß. Anz. eröfsnete, erhielten wir noch eine Zuschrift, die wir aber nicht in ihrem ganzen Umfange abdrucken können. Unter anderem heißt cs da: Eigentlich waren wir erstaunt über die sprachenkundigen Darlegungen des Herrn Abgeordneten. Wir glaubten nicht, daß er jetzt dazu Zeit hätte, jetzt, wo die Angehörigen aller Parteien ihre Haut für das Vaterland zu Markte tragen. Sogar die Juden. Beim Gießener Regiment soll sich sogar einer freiwillig zum Fahnenträger gemeldet haben und die Blätter berichten, daß die erste französische Fahne von einem jüdischen Soldaten erbeutet wurde! Wir sahen im Geiste auch die reckenhafte, deutschvölkische, Germanengcstalt des Herrn Dr. Werner in der männcrmordenden Schlacht. Statt dessen sehen wir ihn im weniger mörderischen Kampfe gegen die Fremdwörter und plagt sich mit dem wichtigen Thema ab, ob man Kaffee mit einem oder zwei f, oder mit einem oder zwei e schreibt.Lieb Vaterland magst ruhig sein." Nun ist Deutschland gerettet! Aber abgesehen von der kriegerischen Zeit: welchen wissenschaftlichen und literarischen Wert haben die sprachlichen Kinkerlitzchen des Herrn Dr., die ja schon in der Oberh. Volksztg. von Fachleuten gebührend verulkt wurden. Dr. Hans Benzmann sprach kürzlich in der Frankfurter Zeitung vonjenen marktschreierischen Dilct- tonten, die alle Kunst von einem rückständigenvölkischen" Standpunkt aus bewerten und die die eigentlichen Nichts­könner unserer Zeit sind".--

Gerechtigkcitshalbcr muß aber auch gesagt werden, daß sich der Herr Abgeordnete auch kriegerisch betätigt: er be­

wacht nämlich als Landwehrmann den Butzbacher Bahnhof.

Arbeitslosigkeit. Aus Frankfurt wird berichtet, daß die Verhältnisse bei allen industriellen Betrieben höchst ungünstig liegen, besonders in der Metallindustrie, wo die Arbeitszeit stark verkürzt ist und nach dem Ausweis des Mctallarbeitervcrbandes etwa 1500 Arbeitslose vorhan­den sind. Aus Mitteln des Verbandes wurden am letzten Samstag 7000 Mk. an Unterstützung gezahlt. In der H o l z- b r a n ch e ist die Nachftage nach Arbeitskräften wieder einigermaßen in Fluß gekommen, wenngleich hier lebhafte Klage geführt wird, daß zahlungsfähige Leute niit ihren

Aufträgen immer noch scheu zurückhalten. Die Zahl der inil Holzarbeiterverband organisierten Arbeitslosen beträgt jetzt" 240. Tie Unterstützung ist in der Weise geregelt, daß für Verheiratete 6 Mk., für Ledige 4 Mk. und an die Familien! der Kriegsteilnehmer pro Woche 2 Mk. gezahlt wird. Eine sehr hohe Arbeitslosenziffer weist auch das graphische Gewerbe auf. So zählen allein die Buchdrucker über 600 Kon-! ditionslosc und nur wenige Betriebe mit voller Beschäftigung! sind zu verzeichnen. In der Hauptsache herrscht eine halb-" tagsweise Beschäftigung vor. Der Bezirksverein des Ver­bandes der Dclitschen Buchdrucker zahlte in der letzten Woch^ etwa 7000 Mk. an Unterstützung.

Tarlchuskassenschcine zu 2 und 1 Mark. Durch einen! unter dem 31. August nachträglich bekanntgemachten Beschluß.' des Bundesrats ist die Reichsschuldenvcrwaltung nunmehr ermächtigt werden, außer den Darlehnskassenscheinen zu 5 Mark »ind zu 20 Mark auch solche auf Beträge zu 2 und!

1 Mark auszustellen. Dazu wird bemerkt: Nachdem die!

Tilberausprägung wesentlich vermehrt und erhebliche Bc-i träge kleiner Geldinünzen in den Verkehr geleitet sind, soll: die Ausgabe von Darlehnskassenscheinen in Beträgen von

2 und 1 Mark ein weiteres Mittel darstellcn, um dem Mangel an kleinen Geldzeichen, die sich in der ersten Zeit nach denn Kriegsausbruch zeigte, zu beseitigen. Die Tarlehnskassen^ scheine fließen bekanntlich im Austausch gegen Rcichsbank- noten an die Reichsbank, so daß diese in die Lage kommt, auch die kleinen Darlehnskassenscheine in geeigneter Weise dem Verkehr zu übergehen. Mit der Ausgabe dieser kleinen! Darlehnskassenscheine wird in den nächsten Tagen begonnen^ und zwar zunächst mit solchen zu 2 Mark.

Höher geht's wirklich nimmer! Auf seinerEsclswiese^ gibt der Darmstädter Tägl. Anzeiger folgendem Eingesandp Raum:

Japanesen".

So hießen di« gelben Kulturträger bis vor noch garnicht langer Zeit. Und der Neun« hatte, schon in seineni Klang, etwas" ungemein bezeichnendes. Seit etwa zwanzig Jahren, mit dem japanisch-chinesischen Krieg, biirgerte sich immer mehr der stolzere Name Japaner «in, der auch europäischer klingt, wieJapanesen",' Di« gelben Herrschaften legten selbst größten Wert daraus, daß sie Japaner" gemnirtt wurden, und bekämpften den Ausdruck Japa­nesen.

Wäre es mm nicht angebracht, wenn man das gelbe Kultur-», voll, das sich so herrlich offenbart, wieder mit dem alten Namen Japanesen" belegte? Es würde dann schon äußerlich dargetanj daß diese Knltunasfen nicht höher wie andere Asiaten beivertet werden, wie Chinesen, Singhalcseii und andereesen" inchr. Viel­leicht gelingt es der Presie. den schönen NamenJapanesen" wieder, einzubürgern, indem sie sich in Zukunft mir noch dieser Bezeich­nung bedient.

Um der Vaterlandsliebe willen, unter deren Flagget solcheAnregungen" in der Regel segeln, sollten ernste Zei-l tungen solchem Blödsinn man verzeihe den harten Ausdrucks aber es gibt keinen anderen dafür selbst auf ihren Esels­wiesen keinen Raum geben.

Zu einem gewaltigen Zarensresscr bar dem Herrn hat^ sich Herr Hirsche! in der Friedbergcr Neuen Tageszeitung! gewandelt. Er bemerkt zu dem zarischen Ukas über diel Namensänderung von Petersburg in Petrograd folgendes:!

Wir Deutsche haben Anlaß, erfreut zu sein, daß fortan dis deutsche Sprache nicht mehr dadurch geschändet werde, zur Tragimg de Namens der Hauptstadt des russischen Bcrrbarenreiches benutzt zu werden. Zn iviinschen wäre auch daß dt« deutschen Namen in der russischen Armee verschwänden, die nanrcmtlich bei den Heer­führern Vorkommen. Auch sie müßten russifiziert nnd in Namen wie Knlliiowirsch Betrunkowiksch und dergleichen mngeänderj! werden."

Spät kommt die Einsicht, doch sie kommt.

Androhung von Höchstpreisen in Bayern. Das bayerische! Ministerium des Innern gibt bekannt: Ucber die Preis-!

bildung verschiedener Nahrungsmiftel, besonders des Mehls! im Großhandel, ist vielfach Klage laut geworden. So wurde! berichtet, daß einzelne Großmühlen den Mehlpreis von 32 auf 43 Mark und darüber gesteigert haben, obwohl sie noch! mit Vorräten aus der Zeit vor der Kriegserklärung versehen waren. Solche Preistreibereien konnten schon in der ersten! Zeit nach der Mobilmachung nicht entschuldigt werden. Nach" Eintritt der Verkebrserleichtcrnngen tind nach der inzwischen! erfolgten Beruhigung der Getreidemärkte können derartige! Ausschreitungen, die auf eine Ausbeutung der Bevölkerung hinaiislausen, unter keinen Umstünden geduldet werdend Wenn deshalb der Großhandel nnd die Mühlen nicht sofort! zu angemessenen Preisen zurückkehren, werden zum Schutze des Kleinhandels und der Verbraucher vor Uebertcuerung! Höchstpreise in dem Großhandel festgesetzt werden. Nach dem Gesetz kann die Behörde die Vorräte übernehmen und; zu den festgesetzten Höchstpreisen für Rechnung »nd auf Kosten des Besitzers verkaufen, wenn dieser sich weigert, zw den Höchstpreisen zu verkaufen. Für die Festsetzung der Höchstpreise ist nur die wirkliche Marktlage bestimmend.

Wie ei» sozialdemokratischer Reichstagsabgcordiieicr ins Feld zog, darüber berichtet die Mannheimer Volksstimme folgendest Genoffe Dr. Ludwig Frank ist gestern abend zur Front abgcgangen.

Die Frage nach den Quellen der Sonncnwärme, die durch Arrhenius in eine so verheißungsvolle Richtung gewiesen war, ist durch A. Verarmet kürzlich wieder einmal unter die Lupe genom­men worden. Er kommt zu ganz abweichenden Ergebnisien, wie vor ihm andere, die ebenfalls das Problem bereits kritisch durch- gcarbeitct haben und meint, daß die durch die chemischen Prozesse freiwerdcndc Wärme in der ganzen Sonnenmasie höchstens eine für 2000 Jahre ausreichende Wärmemenge liefern können. Ferner: Ilm die gegenwärtige Tonncnstrahlnng unverändert erhalten zu können, miisic man 2 Gramm Radium in jeder Tonne der Sonncn- substanz annchmen. erhielte aber auch dadurch nur eine für 2000 Jahre reichende Wärmequelle. Zudem müßte man annchmen, daß die ganze Soniicnniafle aus Uranium bestände, aus dem sich stets eine genllgendc Menge Radiuni bilde» könne. Eine Berechnung des durch Alphastrahlen des Radiums erzeugten Heliums in der Sonncnatmosphäre stihrt gleichfalls zu einem Widerspruch zwischen der erforderlichen Menge des Radiums und der beobachteten Menge des Heliums. Zu der Anschauung, daß durch den Anssturz von Meteoren auf die Sonne die erforderliche Wärme erzeugt sein könnte, bemerkt er. daß die dadurch notivendtg entstehende Ver­kürzung der Tageslängc um 0,53 Sekunden in jedem Jahrhundert eine Zunahme der Sonnenmasie angtbt, die nur dem 400. Teil der­jenigen Strahlung entspräche, die die Tonne wirklich ausscndct. Veronnet meint daher, daß die Hclmholbschc Anschauung die rich­tige sei, wonach die Wärme durch die Zusanimcnzichnng der Sonne allein erzeugt wäre. Sie würde die Sonnenstrahlung in gleichem Maße wie jetzt ungefähr 20 Millionen Jahre lang decken. Nenn

die Geologen mit diesen Zeiträumen für die Entwicklung der Erd- sormattoncn und der Lebcwelt nicht auszukommcn glauben, so komme das daher, weil sie nicht berücksichtigen, daß auch die erd- btldnerischen Kräfte in kürzerer Zeit um das Vielfache wirksamer gewesen wären. Es macht den Eindruck, als ob dieser französische Rechner ebenso falsch gerechnet habe, wie seine Kollegen im Gene­ralstabe.

Bon den große» Planeten sind Merkur und Mars unsichtbar, die Venus ist den ganzen Monat hindurch etwa % Stunde lang des Abends im Tttdostcn zu sehen. Jupiter geht immer früher am Tagesanbruch unter, so daß die Dauer seiner Sichtbarkeit allmäh­lich wieder abnimmt bis auf etwa 0 Stunden am Ende des Monats. Saturn steht in der Mitte der zweiten Hälfte des Monats bei Sonnenaufgang hoch im Meridian: seine SichtbarkeltSdauer nimmt bis an 7'A Stunden zu.

Der Sternhimmel bietet jetzt, wo die herbstliche» Bilder des Abends im Osten heraufzusteigen beginnen, wieder schöne Gelegen­heit zu allerlei anregenden Beobachtungen. Die Freunde der Himmelskundc sollten sie über der kricgspolitischen Mannegießerei nicht ganz vergesien und der Mahnung ernster Männer folgen, mehr ihre gewohnte Beschäftigung zu verfolgen, als es jetzt gewöhnlich, geschieht, um alles das im Gang zu erhalten, waS in langer müh- seliger Kulturarbeit ausgerichte! wurde und desie» Sicherung doch den Gegenstand des Kampfes bildet. Wir werden »ns deshalb iit unserer Berichterstattung nicht beirren kasien, solange das mög­lich ist. j. - -