Ausgabe 
4.9.1914
 
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Engländern Tausende Jnfantericpatronen mit tief ausge> höhlten Gcschoßspihen abgenonimcn. Die Patronen befanden sich znm Teil noch in der mit dem Fabrikstempel versehenen Packung. Die maschinenmäßige Anfertigung der Geschosse ist durch Zahl und Art unzweifelhaft festgestellt. Im Fort Longwy wurde eine derartige Maschine vorgesunden. Tie Patronen wurden also von der Heeresverwaltung den Trup­pen in dieser Form geliefert. Gefangene englische Offiziere versichern auf Ehrenwort, daß ihnen Munition für die Pistolen ebenfalls mit derartigen Geschossen geliefert worden seil Tie Verwundungen lütterer Krieger zeigen die ver­heerende Wirkung dieser Duin-Dum-Gcschosse. Während Frankreich und England unter grober Verletzung der Genfer Konvention Geschosse zulassen, deren Verwendung ein Merk­mal barbarischer Kriegsführung ist, beobachtet Deutschland die völkerrechtlichen Bcstimmnngen genau. Im gesamten deutschen Heere wird kein Tum-Dum-Gejchoß verwendet.

Ueber die Zerstörung Löweus

schreibt ein belgischer Tominikcincr, der mit noch 32 seiner Kloster­brüder in Köln angckommcn ist, der Kölnischen Volkszeitung:

Die belgische Regierung erlich snach dem Einzug der deutschen Truppen) eine Bekanntmachung, die zur Ruhe ausforderte und be­sonders vor dem Schießen warnte, da sonst schwere Strafen ver­hängt würde». Tic Geistlichen wurden angewiesen, diese Kund­machung an, Sonntag, dein 23. August, zu verkündigen und dein Volke cinzuschärfcn. Von dem deutschen Militär waren Geiseln festgenoinmen worden, die, da alles ruhig blieb, am 24. abends wieder freigelaflen wurden. Am Dienstag, dem 25., morgens wurde noch einmal in allen Kirchen zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt.

Am Nachmittag dieses Tages kamen um 5 Uhr ncnc deutsche Truppen an, die, wie auch die vorhergehenden, die mittlerweile Löwen wieder verlassen hatten, in der Stadt cinguarticrt wurden. Bald darauf verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, Engländer und Franzosen seien von zwei Seiten im Anzug. Man hörte um diese Zeit Kanonendonner und Gcmehrfcncr. Alsbald wurden an? den Hausern vereinzelte Schüsse auf die Soldaten abgegeben, was zur Folge hatte, dah um 7 Uhr 30 Minuten abends die Soldaten unter die Waffen gerufen wurden, Ta begannen die Bürger in größerer Zahl aus den Häusern auf die Teutschc» zu schießen, Tie Truppen antworteten mit Gewehr- und Maschincngcwchrscucr, Der Kampf dauerte die ganze Nacht hindurch. Schon gingen Häuser ln Flammen auf, besonders in der Bahnhosstraße. Tie große P c t c r s k k r ch c, in der man W a s f c n gefunden hatte, wurde zusammcngcschossen. Jeder, der sich am Fenster zeigte, wurde beschossen.

Tie Geiseln wurden von neuem cingezogen und aufs Rathaus gebracht. Taruntcr befanden sich der Vizcrektor der Universität EoenractS, der Subprior der Tominikaucr und noch zwei Priester. Vom Rathaus ivurde» diese Geisel» untcr militärischer Begleitung durch die Straßcii gcsührt, damit sic an den Straßenecken die Be­wohnerschaft in französisch und slämisch zur Ruhe mahnte». Tas dauerte bis 4 Uhr liachis. Gleichwohl wurde während dieser Zeit auS den Häusern geschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und die Brände mehrten sich.

Ai» Mitiivoch mittag wurden die Geiseln von neuem durch die Straßen geführt, und sic verkündeten in beiden Sprachen, baß s i e selbst erschossen würden, wenn der Widerstand nicht eingestellt werde. Es nutzte nichts; selbst wäh­rend dieses NundgangeS wurde das Feuern nicht eingestellt; man schoß sogar auf die Soldaten, die die Geisel» begleiteten, ebenso aus den Arzt. Tic ganze Nacht aus Tonnerstag setzten sich diese Schändlichkeiten fort. Besonders auf dem Boulevard gingen nun immer mehr Häuser in Flamme» auf.

Am Donnerstag, 27. Angust, umAf) Uhr vormittags kommt ein deutscher Offizier in Bcgleilnng einiger Soldaten in das Kloster und fordert einige Paters mif, überall z» verkünden, daß die Stadt nun bombardiert werden würbe. Es wurde den Bewohnern ge­raten, alles stehen und liegen z» lassen und sich nach dem Bahnhof zu begeben. Kurz darauf begann das Bombardenicnt der Stadt.

Von anderen Seiten wird berichtet, daß sich besonders das bessere" Bürgertum an den Franktireurkämpfen beteiligt habe, auch daß Klosterbrüder an 50 Soldaten hinterrücks niedergemacht hättcii. Dem Chef des Teutschc» Gcncralstabcs sei die Kehle duichschuittcn worden. (V)

Die Franktireurs von Löwen sind nach dem Truppenübungs­platz Münster in Kricgsgcsangcnschast transportiert worden. Es befinden sich unter Ihnen ein Kjähriger Junge, Burschen von 13 bis 10 Jahren und zwei ehemalige Heidelberger Studenten. Ans der Fahrt von der Westgrcnzc nach Hannover wollte sich ein Franktireur durch eine» Sprung aus dem Zuge befreie». Er wurde von einem O-Zuge auf dem Ncbcngelcisc zermalmt. Ein hünenhafter Bauer warf seine Geldbörse und seine Uhr znm Feilster hinaus und wollte eine» Wachtposten erwürgen. Er mußte durch mehrere Bajonette und eine Kugel getötet werden.

Das Elend in Belgien.

In Brüssel gveift das Elend um sich. 80 000 arme Familien sind ohiie Nahrung. Ter Gcmicindcrat versammelt sich, um helfend «inzugrcifen. Ter Krotzherzog von Mecklenburg wohnt im Ratl>auS. Das Militärkommando befindet sich im Miiijsterium. Tas Schloß wird als Lazarett benutzt.

Tie Besatzung Kaiser Wilhelm des Groszen gerettet.

Berlin, 2 Tcpt. (W. E. Amtlich.) Nach einer telegraphischen Meldung des Koni Mandanten des nach dem Gefecht bei Rio bei Lro versenkten HilfskreuzersKaiser Wilhelm der Große" ist wahr­scheinlich die gesamte Besatzung gerettet worden.

Schwere Brschädignngcit eines englischen Schiffes.

Tailii Telegraph berichtet: Tie englische Flotte ist venn Helgo­länder Gefecht znrückgckehrt. Ein Schiff, dessen Name ungenannt bleibt, trug schwere Spuren des Kanipfes. Es hatte 14 mit Holz­stücken gestopfte Löcher, auch die Brücken waren verbogeii. Das Schiff hatte Tote und Verwundet« an Bord. Ter erste deutsche Schuß hatte die Tunamomaschine getroffen, uiid das Schiff war in Tunk«! gehüllt. Spätere Schüsse fegten die Schornsteine weg, zer­störten Geschütze und drangen in die Ofsiziersmcsse ein.

Jüdische Truppen in Aegypten.

Ter Messagero meldet die Ankunft von 3 Transporte schissen mit 25 000 Mann indischer Truppen in Port Said.

Pharisäertum.

Ju einem Artikel, den der Täglichen Rundschau ein Freund sendet, der als deutscher Seemannspastor in England tätig gewesen ist, findet sich folgende Stelle, die die vcrwersliche Krämeihastigkcil des englischen Volkes charakterisieren soll:

Ich habe noch etn« alte, schöne Kommode, von meiner Mutier ererbt," sagte neniich ein altes, deutsches Bauernmütter- chcn,die will ich gern drangeben, wenn wir bloß siegen"; ivic widerlich protzenhast und doch arnrsrlig klingt dagegen die öffent­liche Bekanntmachung eines englischen Gcldmannrs, der 5000 Mk. dem Soldaten zahlen will, der die erste deutsche Fahne erobert.

Wir brauchen mit schnödem Diamin«» unsere Söhne im Felde nicht zu ermutigen und wollen solche» feindlichen Protzen nur sagen: Warle mir ein bißchen, die Reihe zu zahle» kommt schon noch an dich, um dein« eigenen und deiner Freunde Fahnen zu retten, falls nock, ivelck^c zu retten sind.

Ter Haß mackst nicht nur blind, er zerstört auch bas Gedächtnis. Ti« Tägl. Rmidsckmn fort ganz vergessen, daß zu Beginn des Krieges auch deutsche Prioatleuie Geldpreise für di« Eroberung der ersten seindlichcn Fahne ansgesctzt haben. Daß die Summen nicht in die Tausende, sondern nur in die Hunderie gingen, macht keinen Unterschieb.

Die Gröhe der Schlacht von St. Quentin.

Nachträglich wird nock, von verschiedene» Berichterstattern Her Berliner Blätter gemeldet: Tic Armee des Obersten von Bülow hat in der sicgreichcn Schlacht von Saint Quentin gegen 4 sranzösischc ArincckorpF und 3 .Kavalleriedivesione» gekämpft. Tic Schiacht war heiß und hat fast zwei Tage gedauert.

Negierungsmaszi,ahmen gegen den Notstand in Württemberg.

Ter Vorstand unserer würiieml-rrgischkn Laudtagsfraklio», der sich vor einigen Tagen mit dein Mimsdcrprästüentcn von Weizsäcker über die Noistandsmaßnatzmen besprach, hat nunmehr auch ein« Aussprache mit dein Minister des Innern von Fkoischauer lstrbei- geführt. Ter Minister stellte die sofortig« Jnangrissnafone einer Reitze öffcirilichcr Arbeiten in Aussicht. So fallen fort der Neckar- Korrektion 3000 Arbeiter beschäftigt werden. Ten Z wischen unter - nehniern sieht ein Reckst auf Auswahl der Arbetter »ich« zu, diele werden ihnen vielmehr von den kommunalen Arbcttsnachweisen zu- grwicscii. Ein bereits an die Gemeinden herausgegebener Erlaß, der die Fortführung der ctatsmaßigcn Gemelndcartzciien anrcgt, soll in den nächsten Tagen erneuert und den Gemcindevcrwaktungcu be­sonders ans Herz gelegt werden. Ter Minister erkannt« an, daß die öfscnllichcn Körperschaften fiir die durch den Krieg in Rot ge­ratenen Volkskrcis« ftir Nahrung, Obdach und Kleidung zu sorgen haben. Tie Wohin,»gssrage sei insoweit gelöst, als nach der Ver­ordnung des Bundesrais d!« Austreibung wegen MictSsordcrungen, die vor dein 31. Juli entstanden sind, nicht stattfinden. Reiche diese Vcvordiiuiig ftir den 1. Oktober als nächsten Mietszniisterniin nicht aus, so müsse eine neue erlassen werden. Für Nahrung und Klei­dung hätten die Gemeinden Sorge zu tragen. In den größeren Städten könnten, soweit dlcz nicht schon geschehen, Einrichtungen zur gemeinsamen Speisung der 'Bedürftigen grtrossen werden, »nd im Übrigen würden bare Untersttitzungen zu gewähren sein. Tie Regierung lehne di« Gewährung von Zuschüssen im Bcbürsnisfoll« nicht ab. Ter Minister erklärte sich auch zur Ausgab« eines ent­sprechenden Eriasies bereit. Von unseren Vertretern wurde die Beschaffung größerer Mengen Nahrungsmittel seitens der Elcmcin- den befürwortet, die vereinzelt schon in die Wege geleitet ist. Ter

Minister erkannt« an, daß alle diese Unterstützungen sämtlichen Be- bürfttgen zugute konimen müssen. Daß ihnen der Eharaktcr der Arinenuniersrütznng nicht anhaften darf, ist bereits durch den Staats, anzcig«! ausgesprochen worden. ~ Auch die Notwendigkeit, ftir den Großistindel mit Mehl und Kartoffel,, Höchstpreise sestzufetzen, er­kannte der Minister an- Tie Mchlpreise müsien aber, da Württem- b-rg sei» Mehl zun, Teil von den Mühle» an, Rhein bezieht, mit Baden und Baistr» vereinbart werden. Tic eitiflt trete ne Steigerung der Ziickcrpreis« hielt der Minister für völlig ungcrcchifertigt ange­sichts der günstigen Rübenernt« und der völligen Unabhängigkeit der Zuckcrindustrie vom Auslände. Ter Minister vcrfprach, allen diesen Fragen nach wie vor di« größt« Aufmerksamkeit zuzuwcnden.

Tic Siegcsbcutc Oesterreichs. 50 000 russische Gefangene!

Nnch einem Telegramm der Frankfurter Zeitung wird aus Wien nach Berlin berichtet, das, in der grasten Schlacht ,wischen Zamocs-Tyszowlc die Lcstcrrcicher 50 000 Russen gefangen genommen und 200 Geschütze erbeutet haben.

Paris richtet sich auf die Belagerung ein.

DDP. Paris. 3, Sept. Das Bois de Bonlogne ist in! einen inalerischen Tierpark verwandelt, in dem Kühe und Schafe grasen. Der Park von Longchamps beherbergt 2000 Rinder, die in quadratischen Drahtzäunen zusammengepfercht sind, die von Landwchrlcutcn bewacht werden. Auch sonst, wird alles auf eine Belagerung vorbereitet. Tränken werden überall eingerichtet, die vom Flusse aus gespeist werden^ riesige Heufuder werden aufgerichtet. Die Schafherden sind im Park Bogatellc ziisammengctriebcn. Die Börse ha» ihren Verkehr eingestellt.

Die Bedeutung der Anwesenheit des Kaisers aus den Tchlachtscldcrnp

Ter offiziös bebieitte Berliner Lokalan.zcigcr schreibt unter dem Titel:Der Kaiser in Frankreich": Mit der Nachricht von dem neuesten Erfolgen der deutschen Waffen gegen die Franzosen ivurde uns zugleich di« Knud«, das! der Kaiser ivährend des Gefechtes sich bei der Armee des Kronprinzen befunden habe. Für jeden, der sich der Wahrheit nicht absichtlich verschließen will, iplrb dadurch mit größerer Klarheit, als cs die schönsten Worte verniögen, die Ent­wicklung der Tinge auf dem westlichen KriegSsästNipiatz beleuchtet. Ter oberst« .Kriegsherr der Deutschen, der bis vor kurzem, wie nach­träglich gemeldet wird, sein Hauptquartier in Koblenz aufgeschlagen hotte, in Frankreich. Tics« Tatsache spricht «in« deutliche Sprache. Sie lehrt uns, daß wir sicher sein dürfen, daß wtr das, was wir bis­her errungen haben, nickst wieder vcrliereii wollen. Mögen gleich Rückschläge kommen, die in einem solchen Krieg« unvermeidlich sind, nie und ntinmcrmehr hätte der Kaiser sich nach Frankreich begeben» ivemi an irgend einer der verantwortlichen Stellen noch mit best Möglichkeit gerechnet worden wäre, daß wir über die Grenze zurück- geworsen werden könnten. Daß er zu seinem Heer in Feindesland gegangen, wird leinen Eindruck ttn Ausland so wenig verfehlen» wie un Inland« leibst, linsere tapferen Truppen, die von Anfang an mit so siegreichen Waffen für bas Vaterland gesochten, müsien elnon weiteren Ansporn zur Einsetzung aller Kräfte darin erblicken, daß der Kaiser in ihrer Milte weilt. Ein neues Zeichen ist ausgcrichtct, daß heute ein Band Kaiser, Fürsten und Volk umschlingt. Und sq wird es bleiben!

Noch eine Meldung von den galizischen Schlachtfeldern.

Wie die Gazeta Wieczorma in Lemberg meldet, hat daH geglückte Umgehungsmanöver die Russen mit einem eisernen! Ring umschlossen, nachdem die überlegenen russischen Kräfte in der 12stündigen Schlacht nordöstlich Czernowitz vollständig geschlagen wurden.

Zur Belagerung von Antwerpen.

Alle in Amsterdam von der belgischen Grenze eintrefferk-> den Nachrichten lassen erkennen, daß der Ring um Antwerpens sich enger und enger zu schließen beginnt. Schon gerät mach in der provisorischen Hauptstadt in Besorgnis, was mit den 10 000 unnützen Essern geschehen soll, die aus dem Jnnerü des Landes nach Antwerpen geflüchtet sind. Der Kam« Mandant Dufour hat den Befehl erteilt, daß alle Zivil» Personen, die nicht bis zum 1. August ständigen Wohnsitz in! Antwerpen hatten, die Stadt bis zum 13. September zu vcrtz lassen haben. /

Erhebung in Marokko?

Madrid, 3. September. Die hiesige Zeitung Eorck rcspondcnzia Espana meldet aus Cadix, daß dort Nachrichtens aus Marokko cingctroffen seien, denen zufolge unter dem Bewohnern sich eine lebhafte Bewegung gegen die franzö^ fische Herrschaft bemerkbar mache, und daß es stellenweise be­reits zu Unruhen gegen die französischen Beamten gekommen sei. Da Marokko zum größten Teile von europäischen

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 51

Was meinst da dazu, Mädchen?" fragte Fandrem, der eine Antwort haben wollte.

Ich meine, Vater," erwiderte sie,daß wir Besseres tun können, als damit unsere Zeit verderben."

Hast recht, incin Goldkind! hast recht!" lachte der Gilde- Vorsteher.Da sitzt Helgcstad wie ein halbtoter Mann. Laß die Suppe bringen und wecke ihn ans mit deinem Will­kommen."

Die Suppe wurde gebracht und ein ungeheures Stück Rindfleisch im vollen Dampf daneben ausgestellt. Grüne Erbsen, die in Büchsen ans Holland kamen, ein Nierenstück in seinem Saft gebraten, Aale in Gallert aus Hamburg und ein gefüllter Puthahn, den ein französischer Kapitän ain Tage vorher ans Dicppe für F<indrem niitgebracht hatte, bil­deten die Hauptstücke de? Mahles, dessen Köstlichkeit niemand weniger würdigte alS Helgestad. Er schien Gefallen darin zu finden, ein rücksichtsloser Beurteiler zu sein, und während er tüchtig von allen guten Dingen zulangtc, spottete er über Fandrcms leckere Unmäßigkeit »nd schwor, daß eine einzige Schüssel frischer Scy oder Redsisch und eine Rcnnticrkcule, wie sic Jlda bereite, weit über alle diese fremdländischen Herrlichkeiten gingen.

Jldas bevorstehende Verheiratung mit dem geschworenen Schreiber war die naheliegende Neuigkeit, welche der Gilde­vorsteher seiner Tochter mitteilte, aber was auch darüber wie über manche andere Familicncreignisse gesagt und erzählt werden mochte, Jungfrau Hanna gehörte z» den schweig­samen Naturen. Ein paar vereinzelte Worte, ein Kopfnicken oder ein Lächeln war meist alles, was sie erwiderte; nur cinigemale verstand sic sich zu längeren Antworten, die eben so hochmütig wie anmaßend klangen, alle übrige Zeit saß sie unbeweglich, mit ihrem Anzüge beschäftigt ober mit der schweren goldncn Kette spielend. 19} '

Nun, Muhme", sagte Helgestad endlich, in seiner Art grinsend,bist eine feine Tanie geworden unter den Deut­schen in Hamburg. Hast seine Sitten angenommen und weißt, wie es die vornehmen Leute machen."

Es geht nichts über die richtige ErziehungI" rief Fan- drcm Marstrand zu, indem er sein Glas aufhob.

Ist ein wackeres Wort", sprach Helgcstad,kalkuliere aber, hast aus der Fremde allerlei mitgcbracht, was auf dem norwegischen Boden nicht paßt".

Was meint Vetter Niels?" fragte sie.

Meine deine bunte Haut", lachte der rauhe Mann,das französische Schnürleib da, die glitzernde Kappe und das Mehl auf deinem Kopf."

Hanna sah stolz und beleidigt auf.Am Lyngenfjord weiß man freilich nichts von dem, was die Welt verlangt," erwiderte sie.

Mag sein, Mädchen", war seine Antwort,wäre aber so unrecht nicht, wüßtest du, was am Lyngenfjord verlangt wird. Denke an deine Mutter", fuhr er fort, als er sah, daß ihr Ge­sicht sich rot färbte.War eine echte Nordländerin, hatte Kopf und Füße auf dem rechten Fleck und trug bis an ihr selig Ende ihre Faltcnschllrzc wie in jungen Jahren". Er streckte seine grobe Tatze über den Tisch fort nach der erzürnten Jungsran ans.Bah!" rief er,wirst dem alten Niels Helge­stad wohl ein Wort zu gut halten; weißt ja, was deiner Mutter Wunsch und Wille war, und habe heut schon mit deinem Vater darum geredet. Schlag ein, Hanna, sollst die Reise mit uns ninchen und sehen, wie der Gaard von Oerenäes beschaffen ist. Jlda wird voller Liebe sein, wenn du kommst; machst uns alle froh, Mädchen, und Björnarne bringt dich bei der zweiten Fahrt zurück; kannst dich ihm sicher anvertraucn."

Dies Anerbieten kam so plötzlich und wurde mit solcher Bestimmtheit gemacht, daß Hanna nicht zu widersprechen wagte. Sie tat, was Helgestad ihr geboten, legte mit er­zwungenem Lächeln ihre Hand in die seine und sagte phleg- niatisch:Wenn cs meinem Vater so gefällt und er cs recht

findet, daß ich von ihm gehe, so mögt Ihr mich mitnchmen."

Es ist eine alte Verabredung, Hanna," rief ihr Vater» verlegen über die Erklärung.Weiht es." Sie nickte.

Ist freilich seit Jahren die Rede nicht mehr davon ge» wesen", fuhr er fort,aber Niels hat heute sein Wort ge- sprachen."

Hoffe, war ein Wort, das dir gefallen hat?" fragt» Hclgestnd.

Alte Freundschaft und alte Treue", antwortete der Gildcmcistcr,habe lange auf dies Wort gewartet."

Sie hoben beide ihre Gläser auf.Ausgetrunken, Hcr^ Marstrand!" rief Helges,ad,seid Zeuge hier und mögt für Björnarne sprechen. Blick' hierher, Mädchen," fuhr er fort/ sollst hören, wie ein Freund redet, der Björnarne kennt und weiß, wie cs um sein Herz steht."

Aber Hanna lief ins Haus, und ein donnerndes Gelächter begleitete ihre Flucht.

geber

Bord baben", sagte Helgestachund wird sich alles wenn Björne ihr den Ring an den Finger steckt."

Marstrand hatte wohl vermutet, daß Helgcstad auf di 2°* " f£ ,ne§ Lreundes spekuliere, aber er war doch übci rascht daß eine oftenc Erklärung und Verständigung so schne cmgetreten sei. Wahrend er mit Dahlen sprach mußte Niel ein Wort angebracht ,tnd bereitwillige Annahme gefun^ haben ^ctzt erfuhr er icdoch auch, daß nach alter Sitte ei Faimlicnverlprechen zwischen Fandrem und Helgcstad fo Itoiib. Zu lener Zeit war .Hanna kaum geboren aber ibi Mutter wünschte als echte Nordländerin, daß ihr' Kind ein wieder,n der sehnsüchtig geliebten Heimat wohnen möcht die sie selbst ausgeben mußte. Fandrem, der Helgestad all- °^°nkt^gi^g°rnauf dies Versprechen ein. und wenn au, lefet sich manches geander hatte und die Familienverbindun 'hm nicht mehr so wünschenswe: scheinen mochte, so war die Heirat doch immer eine nnm tebem: und der Pakt selbst viel zu heilig, ^brachen z

(Fortsetzung folgt.)