Den französischen Berichterstatter,, verbot die Armee- ■Icitunfl, den Operationen zu folgen. Zugunsten der (Engländer aber wurde eine Ausnahme gemacht, was das zeitweilige Verbot der Times für Frankreich zur Folge hatte.
Der Schrecken in Frankreich.
Rom, 2. Sept. Nach dem Corriere d'Jtalie ist Paris vollständig (?) von dem übrigen Frankreich isoliert. Auch der Telegraph Pari s—M ailand ist unterbrochen. Wes Leben in Frankreich stockt. Uebcrall herrschen grenzen- loser Schrecken, Verzweiflung und allgemeine Arbeitslosigkeit. Nur eines hält einigermaßen den französischen Mut ausrecht, nämlich die Hoffnung auf Ankunft der englischen Verstärkungen.'
Telcgraff meldet aus London: Die Deutschen haben
berniutlich die Verbindung Pari s—L ondon unterbrochen. Seit vorgestern abend 7 Uhr ist kein Telegramm mehr in London aus Paris angekommcn.
Die Russen rücken „geräuschlos" vor!
Das Exchange Telegraphen-Bureau meldet aus Petersburg, dast das Zentrum der russischen Armee, das aus der großen Masse des russischen Heeres besteht, geräuschlos aber mit furchtbarer Gewalt unwiderstehlich auf Posen vorrückt.
Nach den blutigen Schlägen, die sich der rechte Flügel der russischen Armee bei Tanncnberg geholt hat, dürste dieser „geräuschlose, unwiderstehliche Marsch" der Russen bald zu einem geräuschvollen Ende gelangen, wenn die deutschen Batterien auch auf diesem Teile des Kriegsschauplatzes zu sprechen beginnen.
Aus Belgien.
Wie aus Antwerpen gemeldet wird, berichten dort ein- getroffene Flüchtlinge, daß in Brüssel ein deutsch-belgisches Finanzministerium gebildet worden ist, das die Kriegsstcuern einzieht. Dann wurden alle Uhren Belgiens etwa eine Stunde vorgestcllt, so daß sie jetzt deutsche Zeit haben. Als die Bürger protestierten, erwiderte Gencralgouvcrneur v. d. Goltz, daß Deutschland einheitliche Zeit haben müsse. Die Bürger Brüssels geben zu, daß im deutschen Heere glän- zcnde Manneszucht herrscht. Alle^ Zahlungen erfolgen in Gold oder Anweisungen auf die Deutsche Reichsbank.
Der Daily Expreß meldet, daß die vier reichsten Belgier, die Herren S o l v e y, Baron Lambert de R o t h s ch i l'd, Waroque und Baron Empein die Brüssel auferlegte deutsche Kriegssteuer von 200 Millionen Franks bezahlen werden. Daily Telegraph meldet, daß die Lebensmittel in Brüssel anfangen, knapp zu werden. Nur wenige können 'mach Fleisch, Eier und Milch bekommen.
Telegraaf meldet: Die belgische Regierung hat eine
Mission, an der die Minister Huysman und Vandervelde tcil- nehmen werden, nach London entsandt. Eine zweite Mission ist nach den Vereinigten Staaten unterwegs.
Ein englisches Eingeständnis.
Wie dem W. B. aus Zürich gemeldet wird, gibt die englische Gesandtschaft zu Bern in ihrem Berichte über die deutsch- englischen Kämpfe zu, daß die Engländer zurückgewichen sind nnd 6000 Mann verloren haben.
Meuternde Irländer.
Der Corriere della Sera veröffentlicht ein Telegramm seines Sonderkorrespondenten, demzufolge es in einer Kaserne der irländischen Garde zu so .schweren Unruhen gekommen ist, daß berittene Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung herbeigeholt werden mußte. Im Verein mit den Offizieren gelang es, die meuternden Soldaten zn beruhigen. Entschuldigend für diese peinlichen Vorfälle wird angeführt, daß die Irländer nach einer anderen Kaserne überführt werden sollten und daß sie unzufrieden waren, daß sie nicht gleich in den Krieg (!) kommen sollten.
Die überlisteten Japaner.
Den schlauen Japaner, sie ganz heimlich namentlich aus allen Universitätsstädten verschwanden, um noch vor Uoberreichung des Ultimatums ihrer Negierung über die Grenze zu konnnen, hat die deutsche Negierung doch noch einen Strich durch die Rechnung ge- nmcht. Unseren Behörden umt die Bewegung unter den Japanern nicht imhekannt geblieben, sie konnten ober di« asiatischen Güst« zunächst an der Abreise nicht hindern. Sobald aber das llltiniatmn überreicht war, benachrichtigten sie die Behörden an der holländischen Grenze ln der richtigen Voraussetzung, datz die Japaner ihren Weg über Rotterdam nehmen würden. Es gelang denn auch, einen erheblichen Teil der verschlagenden Gelben an der Grenze noch abzufangen. Sie sind nun nicht in der Lage, ihre dank imferer deutschen Gastfreundschaft erworbenen Kemitmsie gegen uns zu vcrivcrten.
Das Kohlenaiisfnyrverbot.
Infolge der stockenden Zufuhr der englischen Kohle geben Namentlich Dänemark, aber auch die Schweiz und Oesterreich-Ungarn an die mitteldeutsche Braunkohlenindustrie große Aufträge. Um die Zufuhr zu ermöglichen, bittet die Industrie durch die Vermittlung der Hallesthcn idaudelskomnier den Reichskanzler, von, Kohle-naus- fuhrverbot Ausnahmen zuzulaffon.
Begnavistuttq znm Tode Bcr«rt«ilter.
Wie das Leipziger Tageblatt aus gut informierter Quelle erfährt, hat der Kaiser als König von Preußen di« noch der königlichen Bestätigung harrenden Todesurteil« preußischer Schwurgerichte von eurer Unterzeichnung ausgeschlossen und das Justizmiiristcrimi, mit der späteren Vorlage zwecks Umwandlmig der Todesstrafe rn lebenslängliche Zuchthausstrafe beauftragt.
Ein russischer Militärzug in die Weichsel gestürzt.
W. B. Wien, 2. Sept. Nach einer ans Kielec ciugc- trofsenen Meldung ist bei der russischen Festung Jwangorod ein russischer Militärzug bei der Fahrt über die Weichsel ent gleist und in den Fluß gestürzt. 1000 Mann und viele Offiziere sind ertrunken. Eine Anzahl Maschinengewehre sind -verloren. Der die Brücke bewachende Posten wnrde vcr-' hastet, da man Verrat annimmt.
Di« Aushebung oes Militärboykotts gegen die sozialdemokratische Presse.
Der Vorwärts hatte, wie das Parteiprcßbiircau init- teilt, in der Mitte des Monats August an das preußische Kriegsministerium das Ersuchen gerichtet, das Militärverbot gcgcn^ den Vorwärts auszuheben.
Der Kricgsmiuistcr v. Falkcnhayn hat nun geantwortet, daß er die Ziffer I) des kriegsministeriellen Erlasses von
1894, die das Halten und Verbreiten revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften, sowie die Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienstlokale verbietet, aufhebe, soweit dieselben sich auf sozialdemokratische Schriften bezieht, die noch dem 31. August 1911 erschienen sind.' DaZ Kriegsministerium bemerkt dazu, daß die Aufhebung in der Erwartung geschieht, daß die Veröffentlichung von Artikeln unterbleibt, die geeignet find, den militärischen Geist des Heeres zu beeinträchtigen. Sollte dies nicht zutreffen, so ist jedes Generalkommando befugt, das Verbot wieder in Kraft zu setzen.
Tie Bekanntgabe des Erlöstes in der Presse ist nur ohne jede weitere Erläuterung gestattet.
Unter Bezugnahme aus die Aushebung des Militärver- bots fordert der Vorwärts zum Fcldabonnement auf.
Soziale Rundschau.
Sozialdemokratische Kinderfürsorge in Berlin.
Seit Jahren entfalten die Sozialdemokratischen Kinderschud- kvmmissioncn, deren cs zirka 300 im Reiche gibt, eine segensreiche Tätigkeit.
Jetzt, während des Krieges, mit all seinen schweren Röten für die Minderbemittelten, haben sie meistens ihren Aufgabenkrcis stark erweitert, so auch in Berlin.
Seit dem 13 August sammelt die Berliner Kommission die oorschulpflichtigcn und für die schulfreien Stunden dcs Rachmittags auch die schulpflichtigen Kinder der Arbeiterschaft, um sie zu beaufsichtigen und zu b e k ö st i- g e n. Tie Zahl der Kinder, die der Obhut der Genossinnen anvertraut werden, steigt von Tag zu Tag. Bis zum 27. August waren 2000 gemeldet. Ten Müttern ist cs sreigcstellt, an der Aufsicht sich zu beteiligen, um der furchtbar niederdrückendcn Vereinsamung, der sie im Hause ausgcsetzt sind, zu entrinnen.
Einem Anträge der Genossinnen a» de» Berliner Magistrat, die Kinderschußkommisfion zu subventionieren und als erste Rate 1000 Mark zu bewilligen, um die Beköstigung durchführen zu können, ist jetzt stattgegcben. Auch hat der Verein für Kindervolks- küchcn wöchentlich 6000 Mittagsmahlzeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Kinderfreunde, welche die Tätigkeit der Kommission beobachtet haben, versichern, cs sei eine Herzensfreunde, zu sehen, wie die Kleinen in sicherer Obhut unserer Genossinnen voller Freude spielen, dem Märchenerzähler lauschen und so recht mit Behagen gemeinsam ihre Mahlzeiten verzehren.
Hessen nnd Nachbargebiete.
Gietzen und Umgebung.
Wie das alles so nnnatürlich ist.
Die hessische Grohherzogin hat vom Großherzoa einen vom 22. August — eilst» einem Hauptgesecht-stage der hessischen Division — beginnende» Brief vom Kriegsschauplätze erhallen, ans dem die Tavmsiädter Zeitung folgende Stellen wiedcrgibt:
„Die Hcnrptsachc ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht in dichtem Waldgestriipp an. Es war ein furchtbarer Kanrps. Ich erinnere mich daß mein Vater sagte, das Schlimmste sei ein Waidgefecht, wobei keiner den andern sieht.
Tie folgend« Rächt schiiescn wir alle in einein Haus auf Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Tiefer brachte uns eine siegreiche Verfolgung.
Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegenüber. Unsere Leute mrrßteir nach der an, vorherigen Tag geschlagenen Schlacht Tag und Nacht lausen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich so großartig geschlagen, daß alles davon sprach.
Friedrich sPrinz Friedrich Karl von Hessen) ist ein Held, seine Leute begeificrnd, imnier voran.
Man erlebt zuviel. Der Tod wird Nebensache. Man sitz! zwischen Toten, Verwundeten, Pferden nsw. Es ist, als ob cs so sein müßte. Aber dann überkommt einem doch das Gefühl, wie das alles so unnäiürlich ist."
Wie das alles so unnatürlich ist! In diesen sechs Worten offenbart sich die ganze Furchtbarkett des Kriege».
— Mehr Rücksicht mit den Steuerzahlern! Von mehreren Seiten wird uns geklagt, daß bei der S t a a t s - st e u c r von den Steuerpflichtigen, die mit der Zahlung bis nach dem 25. August säumten, Mahngebühren verlangt werden. Das ist in jetziger Zeit wirklich ein starkes Stück. Heute, wo die meisten Steuerzahler, besonders kleine Geschäftsleute nnd Arbeiter, ihre Not haben, überhaupt ihre Steliergroichen zusammenzubringen, sollte man nicht in dieser burecmkratischen Weise verfahren nnd die Leute um die Mahngebühr bringen. Bei der Stadt kann die im Juli füllig gewesene Steuer noch bis zum 5. September ohne Kosten bezahlt werden, man brauchte auch nicht bei der Staatsstener so rigoros und ohne Rücksicht auf die jetzigen Zeitverhältnisse vorzugehen.
— Muckerci. Es ist bekannt, daß iin Kreis Gießen, Wetzlar nnd Umgebung das religiöse Sektcnwesen stark verbreitet ist. Jetzt scheint sich wieder eine neue ausgetan zu haben, die nach dem sogenannten Schneeballensysteni arbeitet. Ein Gießencr Genosse erhielt eine Postkarte mit folgendem Inhalt:
„Ein altes Gebet. Allniüchtiger Gott, ich bitte dich, die Menschheit zn regieren: halte fern von uns alles Böse, laß »ns mit Dir sein in aller Ewigkeit. Amen. — Dieses Gebet wurde uns zugesandt und soll in aller Welt verbreitet werden. Schreibt es ab nnd sendet es ohne Namen an alle Glaubensgenossen. In alter Zeit sagte man, wer dieses schreibt, soll von allem Bösen befreit sein. Schreibe es in 4 Tagen an 9 Freunde. Am 9. Tage tritt bei dem Versender große Freude ein. Brechet diese Karte nicht, sondern schreibt weiter ohne Namen."
Man sollte wirklich nicht für möglich halten, daß es heut- zutage noch Menschen gibt, die auf solchen Blödsinn herein- sallcn nnd 45 Psg. für Postkarten hinanSwerfen. Wir wollen nns mit dem Machwerk weiter nicht befassen. Bemerkt sei nur, daß die Leute, die täglich beten: Gott möge das Böse von ihnen fernhalten, in der Regel solche sind, die das selber nicht können und alles vermissen lassen, was der Mensch als Tugend bezeichnet. Denn wer „das Böse" nicht selbst in sich fernhalten kann, ist ein erbärmlicher Mensch, dcni natürlich auch kein Gott Helsen kann. — Obige Karte ist aber ein kleines Dokument für unsere heutige, vielgerühmtc Kultur: sie zeigt, daß in vielen Winkeln noch Finsternis nnd Aberglaube herrscht. Zum Teil dürfte das auf Mängel in -der Schulbildung und Erziehung zurückzuführcn sein.
— Von de» Verlusten des Gießencr Regiments sind bereits eine ganze Anzahl bekannt geworden, obwohl dis offizielle Verlustliste noch nicht herausgekommen ist. Diele Angehörige der mit dem Regiment hinausgezogenen befinden sich in banger Sorge ,md Ungewißheit über deren Schicksal. — Uebrigens sicht die vorgestern herausgekommene Verlustliste — die 15. sehr merkwürdig aus. Wenns in der Tat zutreffen würde, was da an Verlusten aufgeführt wird, so wäre das ja nnr erffeulich, so gering sind sie. Eine ganze Anzahl Regimenter werden da aufgezählt, die nur einen Toten oder einen oder ein paar Verwundete gehabt haben. Wie gesagt, es wäre ja gut, wonns nicht mehr wären. Das will uns aber nicht recht glaublich erscheinen'! es scheint sich da jedenfalls um Nachträge zu handeln.
— Die Volksschulen in Gießen haben heute den Unterbricht wieder ausgenommen. Leider hatten diesmal die Kinder nicht viel von ihren Ferien, an Ausflügen, Wanderungen, Ferienkolonien usw. konnte wenig oder gar nicht gedacht werden, obwohl das Wetter im allgemeinen herrlich war. In mancher Beziehung ist es gut, daß die Kinder wieder in ihre Ordnung nnd viele von der Straße weg kommen, wo sie vielfach nachteiligen Einflüssen ausgesetzt waren, ganz besonders in jetziger Zeit.
Zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit hat dass preußische Kriegsministerium dem stellvertretenden Mikr- tärinspektor für die freiwillige Kranken-! pflege folgende Mitteilung zugehen lassen:
Tie gegenwärtige wirffchaftliche Lage der arbeitender! Bevölkerung läßt es angezeigt erscheinen, in den Reserve^ lazaretten tunlichst Wirtschastspersonal gegen Entgelt anzu-z stellen, selbst wenn aus die freiwillige unentgeltliche lieber-- nähme von Wirtschaftszweigen in Reservelazaretten verzichtet lverden muß. Den Damen und Herren, die diese Arbeit aus patriotischer Begeisterung bisher freiwillig getan! haben oder zu tun sich bereit erklären, ist für ihre so anerkennenswerte Bereitwilligkeit in geeigneter Weise zu danken. Sie werden gewiß gern bereit sein, durch den Verzicht auß diese Tätigkeit zur Linderung der Not der Wirtschaftlich- Schwachen auf diesem Wege etwas beitragen zu können.
Landwirte sorgt für normale Winterbcstclliing! Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in' dieser ernsten Zeit zn einem dringenden Gebvt, mit allen« Mitteln für eine normale Winterbestellung zw sorgen. Da von verschiedenen Seiten die Besorgnis ausgesprochen ist, daß viele Landwirte wegen der Kriegsgefahr dis Winterbestellnng entweder nicht oder nicht in dem bisherigen Umfange vorznnehmen gedenken, wird die dringende Bitte ausgesprochen, mit allen Mitteln dahin wirken zu wollen, daß die Winterbestellung, Bodenbearbeitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger, sowie Aussaat in demselben Uni fange nnd mit derselben- Sorgfalt vorgenommen wird, wie in Friedensjahrerw Da das Wintergetreide in Deutschland fast 60 Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung unserer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Friedensstande eine Gefahr nicht nuo für die Landwirtschaft selbst, sondern für die gesamte Volks- ernährung herbeiführen können.
Genaue Adressierung von Briessendunge»! Noch immer gehen in Metz täglich Tausende von Vriessendnngen für Angehörige der mobilen Truppen ein, durchweg mit der Bcstimmungsbezeichnung „Metz", „bei Metz" und dergleichen. Diese Sendungen miisien zunächst aus den vielen für die Kriegsbcsatzung der Festung Metz bestimmten ausgesondcrt und dann auf die Fcldpostsammelstelle in Straßburg zurückgcleitet werden, um von da nach nochmaliger Bearbeitung endlich ans den rechten Weg zum Feldheere zu gelangen. Durch die vorschriftswidrige Adressierung cnfftcht nicht bloß eine mehrtägige Unterbrechung in der Beförderung zum Feldheere, sondern es werben auch die Abflußkanäle, die sllr andere Sendungen (an Private und an Truppen in festen Standguartiercnl freigehalten werden miisien, unnötigerweise verstopft und der Post die Erfüllung ihrer schweren Ausgabe, der sic seit Wochen mit vermindertem Personal in ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht gerecht zu werden sucht, säst unmöglich gemacht. Ten Schaden aber hat bas Publikum selbst und unsere brave Armee.
Es ergeht deshalb immer wieder die dringende Bitte an alle ?' eiligten, auf Feldpostbriefen an Angehörige des Feldheeres doch keinen Bestimmungsort, sondern nur den Truppenteil anzugcben. Nur Sendungen an Truppen in festen Standguartieren (Festungs- besatzungen und dergleichen), an Kranke und Verwundete i» Lazaretten sollen eine Bestimmungsangabc enthalten. Im weiteren wird daran erinnert, daß verschlossene Privatbriese nach Elsaß- Lothringen "nicht zulässig sind.
De» überspannten Kriegsenthusiaften sind Besuche in den Feldlazaretten zu enipfchlen, wo der Jammer der Schwcrvcrwundeten vorherrscht. Ter Munchen-Gladbacher Zentrums-Agitator Tr. Sonnenschein schildert in der Kölnischen Volkszcitung seinen Besuch im Lütticher Lazarett und erzählt dabei:
Eine Treppe höher. Lange Gänge hindurch. Hier liegen die Berbranntcn, die von den Forts kommen. Was ich hier sah, werde ich mein Leben nicht vergcsicn. Mensche», au denen nicht ein Stück mehr menschlich war. Die verbundenen Arme und Hände ivciß verwickelt, anfgcreckt, der Kopf unkenntlich — nur ein Flcischklumpen. Bo» Augen kaum eine Spur mehr. — Alles versalbt . . . Ausbrechcndcr Eiter: über die Betten Gaze ge- spannt, damit die Fliegen im heißen August die Schmerzen nicht noch vermehren. Seit vierzehn Tagen kommen Aerzte und Pfleger kaum ins Beit . . . Man liest sonst vom Kriege in den Büchern. Wer ihn aber einmal so aus der furchtbaren Nähe sah. sicht erschüttert und wortlos vor dem unsagbar Schrecklichen, bas er bringt. Und man betet, ohne die Lippen zu regen, ein Gebet für den Frieden.
Das ist der Krieg — anders, als ihn sicgesbegcistcric Philister fern von den Schlachtfeldern in den Kaffeehäusern und Wirtschaften vor Augen haben.
Dei Feuerbestattung im Monat Juli 1014. Im Monat Juti 1014 erfolgten in Deutschland 915 Fcucrbcstattnngen, 132 mehr als im Juli 1013. Die meisten Feuerbestattungen hatte wieder Leipzig, nämlich 100: dann sulgen: Berlin mit 84, Chemnitz mit 65, Bremen mit 62, Gotha mit 50 und Dresden mit 52. Stuttgart hatte 10, Hamburg 36, Jena 31 und Mainz und Zittau je 30 Feuerbestattungen. Die ivenigsten Feuerbestattungen erzielten die Veraschungsstätten in: Freiburg i. Br. und Treptow je 5, Reutlingen 1, Göppingen, Greifswald und Heilbronn je 3 und Tesian 2. — Die verhältnismäßig meiste» Feuerbestattungen hatten wie immer die fünf sächsischen Anstalten, nämlich 261 oder 27,5 Prozent: die neun thüringischen hatten 100, die acht preußischen 131, die der drei Frcistäbte 106 Fcncrbestattunge» usw. Die 11 sächsisch-thüringische» Veraschungsstätten weisen demnach nahezu die Hälfte sämtlicher Feuerbestattungen Deutschlands auf. Mehr als drei Viertel der Feuerbestattungen stammten aus den Krcmatoricnstädtc» »nd ihrer Umgebung. Die Gesamtzahl aller bisher in Deutschland vorgenommcncn Feuerbestattungen beträgt 63115.


