Ausgabe 
1.9.1914
 
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h Die abgeschnittenen Engländer.

Der Kriegsberichterstatter der B. Z. am Mittag meldet aus dem ©röfjcn Hauptquartier zu dem Sieg über die Enqländer: Der neue Sieg über die Engländer bei St. Quentin ist dadurch zustande gekommen, daß wir unsere Kavalleriemasien vor die in der Richtung auf St. Quentin fliehenden englischen Heeresmassen schoben und sie solange aufhielten, bis unsere sie verfolgenden Armeekorps sie nochmals entscheidend angreifen konnten. Die Niederlage ist vollständig. Die Engländer sind nun gänzlich von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten und können nur aus einem der Landungshäfen Dünkirchen, Calais, Le Havre oder Cherbourg laufen.

Landung englischer Truppen in Ostende.

Churchill teilte, nach einem Amsterdamer Privattele­gramm der Franks. Zeitung, im englischen Unterhaus mit, daß neue englische Truppen in Ostende gelandet seien. Die Times berichtet hieriiber, dag der Gemeinderat in Ostende zunächst die Landung von Truppen wegen der hiermit verbundenen Beunruhigung der Hotelgäste, die aus vom Innern geflüchteten Belgiern bestehen, abge­lehnt, später aber angenommen habe. Wegen der großen Anzahl der in Ostende anwesenden Flüchtlinge wurden sämtliche Badekutschen als Schlafstütten eingerichtet.

Preistreibereien.

Landesökonoinierat v. Laer schreibt de», Mii»sterischen An­zeiger: In den linksrheinischen Kreisen, z. B. Mörs, Geldern, wer­de» nach amtlichcn Mitteilungen seht große Masten Kartosseln aus- gekaust. Die Händler erscheine» mit großen Wagenparks nnd zahle» den Bauern 5,50 Mk. für 50 Kilo, wobei die Händler das Ausinoche» übernehmen: Arbeiter sind ja billig nnd nwssenhaft m haben. Die Kartosseln sind noch umreis, also ungesund und nicht vollwertig: dazu werden sie miS spater fehlen. Troß aller antt- lichen Warimngen kömum die Bauern der Verlockung, so 000 bis 500 Mk. ans eenen, Morgen in baren, Gelbe M lösen, nicht wider­stehen. Hoffentlich sind di« Mnnsierländer Landwirte klüger ,n,d patriotischer. Zudem ist ja am Rhein die Verwertung auch wegen der Nähe der Heeres»,asten leichter."

Der gutgemeinte Appell an die Münstcrländer Landwirte nsitzt nichts. Hier können nur gesetzlich« Maßnahmen helfen von der Art, wie sie von sozialdemokratischer Seite jetzt dringender als je ge­fordert werden. Patriotismus ist gewiß ei»« schöne Sache, «der der blinkenden Bcrfuchung ans freien Stücken widerstehen^ ist »furchtbar schwer.

Die Todess»hrt kriegsfreitvilliger Flieger.

W. B. Johannisthal (bei Berlin), 30. August. Auf dem hiesigen Flugplätze ereignete sich heute morgen ein schwerer Fliegerunfall. Der Flugschüler Post vom frei­willigen Fliegerkorps war auf einer Taube mit dem Be­obachter Bilderhorn vom freiwilligen Fliegerkorps ge­startet, um die Bedingungen der Prüfung für freiwillige Flieger zu erfüllen. In der Nähe von Alt-Elinicke stürzte Der Apparat aus unbekannter Ursache ab. Die beiden Flieger waren sofort tot. Der Apparat wurde völlig zertrümmert.

Der bayrische Krieflsminister und die sozialdemokratische Presse.

Nach einer Meldung Berliner liberaler Blätter hat der bayerische Kviegsmrnister unter dem 25. August folgenden Erlaß 'all das Heer gerichtet:

Angesichts der Haltung der sozialdemokratischen Partei im gegeuwärttgen Krieg« darf der Lekttlre 'und Berbreittmg dieser Presse unter den Hceresaugehörigen kein Hindernis in den Weg gelegt werden. (gez,): Kreß v. Kressenstein."

Die Bekanntgabe der nationalpolnischen Regierung in Nusfisch-Polen.

Der Kommandant der polnischen Freiwilligenlegion übernahm die Verwaltung der russisch-polnischen Stadt Kielce. Er ließ alle russischen Aufschriften entfernen und auf allen öffentlichen Gebäuden die polnische National­fahne hiffen. In der russisch-polnischen Stadt Sosnowice erscheint bereits die erste nationalpolnische Zeitung. Der neue Drahtdienst funktioniert bereits so gut, daß das Blatt amtliche deutsche Depeschen veröffentlichen kann. Die Einigkeit der österreichischen Polen im Kampfe gegen Rntzlanv.

.wird durch di« Taksache gekennzeichnet, baß in Krakau ein National- komttee aus den sühreuben Männer,, aller polnische» P a r - ieicu gegründet wurde. Ter Präsident ist der konservaiive Groß- grmchbesitzcr Abg. Dr. v. Jaworski: Vizepräsidenten sind der Präsi­dent der Akademie der Wissenschaften in Krakau. Graf Tarnowsii und der Führer unserer polnischen Bruderpartei, Reichsratsabge- ordneter Genosse Dasznnski. der jahrzehntelang den heftigsten Kamps gegen die polnischen Großgrundbesitzer gesiihrt hat.

Pogrom in Wilna.

I» Wilna veranstaltete das Militär einen furchtbaren Pogrom wegen der östcrreichfrcimblichen Haltung der dortigen Juden. Diese setzten sich aber mit Tapferkeit zur Wehr, errichteten Barrikaden und warfen Bomben. Das Nktlttär erlitt infolge des verzweifelten und gut organisierten Widerstandes der Juden derartige Verluste, daß es zur Einstellung des Pogroms gezwungen war.

Das neutrale Norwegen.

Rußland hält noch dreißig norwegische Schiffe in seinen Häfen zurück, obwohl cs den schwedischen die Absahrt erlaubt, was hier peinliches Aussehen erregt. Dagegen befördern di« iwr- ivegischeu StaatSbahncn via KristianiaBergen täglich an 80 000 Kilo s i » l ä n d i s ch e Butter ziun Versand nach England.

Amerikas Nenkralität.

Nach einer Privatmeldung aus Washington ver­öffentlichte Präsident Wilson eine Erklärung, in der er die Neutralität der Bereinigten Staaten in dem Kriege zwischen Japan und Deutschland und zwischen Japan nnd Oesterreich-Ungarn ankündigt.

Tic Blockade von Kiantschon.

Die japanische Botschaft in London kündigt nach einer Privatmeldung an, daß die Blockade der Küste von Kiautschou am 27. Aug. 9 Uhr morgens begonnen hat. Die Familien in Tsingtau.

O v - B. Amtlich.) Während in ganz Deutschland das wärmste ontercsse besteht <m den, heldenmütigen Kampfe, welchen die tapfere Marinebesatzmig von Tsingtau gegen di« japanisch-englische uebermacht bis zum Aenßcrste,, imrchlämpfen wird, ist zugleich tiefe mcmchlche Teilnahme verbreitet an dem Schicksal der st rauen u n d K i n d c r, die sich i» der Kolonie befanden. Es wird deshalb überall das Gcjühl der Beruhigung und Genug,imng erwecken, daß cs> zuverlässigen Nachrichten gelungen ist, die Familien aus ^.jingtau zu entfernen und nach neutralem chinesischen Ge­

biete zn bringen. Inzwischen dürften sic bereits in Sck>anghLi eingetrosfen sein- Von der Mariueverwwlttuig ist rechtzeitig alles veranlaßt ivvrden, um diese Familien mit Geldmitteln nnd sonst in jeder Weise zu mvtcrstützeii.

Ausschluß der Ausländer von den Hochschulen.

Zwischen den deutschen Bnn'desstaatcn ist ein llcbereii,kommen dahin gctrofjen worden, daß neben rnssischc», serbischen und japani­schen Studenten auch die Staatsangehörigen aller übrigen mit Deutschland und Lesterreich-IIngarn im Kriege stehenden Mächte nicht mehr zn den deutschen Hochschulen zugelastcn werden sollen.

Ärakchl unter Kriegsgefangenen.

AuS Köln wird gemeldet: Als am Donnerstag wiederum ein Gefangenentransport belgischer, französischer und englischer Soldaten hier dnrchbefördcrt wurde, kam es zwischen sranMischen imi> belgi­schen uni belgischen und englischen Gesängen«,, zn Streitigkeiten, so- daß man sich gezwungen sah, die Gefangenen i» einzelnen Trupps, je nach der Nattoimlität gesondert, weiter zn transportieren.

Lille von den Franzosen geräumt?

Aus Antwerpen wird der Kölnischen Volkszeitung ge» meldet: Die französische Besatzung von Lille, ungefähr 50 000 Monn, hat die Stadt verlassen, um sich weiter südlich noch der Ostfront zu wenden. Sie nimmt dabei den Weg, der unter den Geschützen von Manbcnge vorbcizieht. Die Folge ist, daß Lille eine offene Stadt geworden ist. Bon großer stra­tegischer Bedeutung, so fügt man von französischer Seite hin­zu, ist sie nicht. Nachdem die eigenen Truppen die ganze Stadt verlassen hatten, zog sich der Präfekt des Norddeparte- mcnts nach Dünkirchen zurück. Ans Befehl des Bürger­meisters von Lille wurde die Polizei eniwaffnct. Die Be­völkerung wird durch Aufrufe zur Ruhe ermahnt und auf das mögliche Hcrannahen der Deutschen vorbereitet. Ein in Lille bisher erschienenes Blatt hat sein Erscheinen eingestellt, nm nicht unter die deutsche Zensur zu kommen.

Aus Paris.

Ein Schioeizer, der von einem Vorort von Paris, o, gestellt ivar, nach Zürich zurückgekehri ist. erzählt, daß man zahlreich und fieber­haft an der Instandsetzung der Feldbefestigungen arbeite, um di« Fords von Paris zn verstärken. Tie Grande Ecinture ist di« äußerste Fortsli-nie und 30 Kilometer von der Stadt entfernt. Eime zweite nähere Fortslinie bildet die Pctite Eemknre. Endlich bildet die Umfassungsmauer von Paris mit ihrem Graben eine dritte Linie, die aber keine ernst«ttlitärische Bcdeuttiua hat.

Aus Paris wird von, 28. August gemeldet: Die ?lpachen sind nach den ersten patriotischen Einende- und Plüii-dcrnngstagen vom strengen Regiment des Poitzcipräfckten aus- der inneren Stadt ver­trieben worden: aber nachts soll die Jagd auch in den Vororten weitergeheu. Die Znaven knallen iu St. Denis ans den Bahn­gleisen nnd kn den Straßen die Raubgesellen zu Dutzenden nieder. Alle Restaurmtts und Kneipen sind abends 9 Uhr geschlosten.

Die russische Niederlage.

Heber die rnffischc Niederlage schreibt der Lokalanzcigcr u. a.: Ucbcr die russischen Eindringlinge ist also ein furcht-, bares Strafgericht hcrcingcbroche». Das war vorauszuschcn. Die Seen und Sümpfe im masurischen Distrikt lassen nur schmale Wege offen, aus denen das Militär sich durch dichten Wald oft >,»r reihenweise sortbcwcgc» kann. Der Feldherr, der in diesem Gelände cinznbrcchen wagte, mußte mit Weg und Steg vertraut sei», oder gute Führer besitzen. Als die Schlacht ausbrach, habe» die Russen sicherlich mit dem Mute der Verzweiflung sich geschlagen. Man kann cs wohl bcgrei- fcn, das; ein verzweifeltes Heer, den Tod der Kameraden iu Sümpfen nnd Seen vor sich und die Lanzen der Verfolger hinter sich sehend, zu Tausenden die Waffen streckt, sodaß die Zahl der Gefangenen 30 000 überstieg. In, Berliner Tage­blatt berichtet Paul Lindcberg von einer Fahrt über das Schlachtfeld: Ncberall habe« die Russen furchtbar gehaust. Alles liegt zertrümmert, aber unsere schwere Artillerie heizt ihnen den Abzug gehörig ein.

Deutscher Einmarsch itt Belgisch-Kongo.

Eine Depesche ans Libreville, der Hauptstadt von Franzö- sisch-Kongo, meldet den Einmarsch deutscher Trup. p c n in Bclgisch-Kongo.

Ausländer im Reiche.

Die Norddeutsche Allg. Ztg. schreibt: Nachdem die Eisenbahnen in weiterem Umfange sür den allgen, einen Verkehr wieder frei ge­worben sind,.wird den in Deutschland sich anfhaktenden Angehörigen der feindlichen Staaten das Verlassen des Reichsgebietes gestattet, soweit in ihren, Heimatland« den Deutsche,, gleichfalls die Erlaubnis zur Abreise erteilt wird. Dies« Verfügung tritt tcilwciie siir die Deutsche, l in Rußland in Kraft, da nach einer Erklärung des hiesigen spanischen Botschafters, die nicht km wehrpflkchttgen Atter stehenden Deutsche,, Rußland verlassen dürfe». Mit der gleichen Einschräittumg dürfen daher die in Deutschland lebenden Nüssen abrersqi. Die Reise erfolgt wahrscheinlich über Schweden und wird von der schwedischen Negierung tmilichst erleichtert werden.

Die Hamburger Bürgerschaft.

Die Bürgerschaft bewilligte aus Antrag des Senats 200 000 Mark zur Untersttitznng der vom Kriege betroiscncn ostprcußr- s ch e n Bevölkerung nnd «ruiächtigtc den Senat sür die Dauer des gegenwärtigen Krieges ein durch eine Hambnrgische Behörde eingcleitctes oder vor ei,Mn Hamburger Gericht schwebendes Straf­verfahren gegen Personen, die zu den Fahnen cinberiifen sind, nieder zu sch lagen.

Ci» neuer Neutralitätsbruch Englands.

Kaiser Wilhelm oer Graste" z«m Sinken gebracht.

(Amtlich.)

W. B. Berlin, 31. August. Nach einer Meldung aus La Palma ist der als Hilfskreuzer ausgerüstete Schnelldampfer des Nord­deutschen Lloyd,Kaiser Wilhelm der Große" von dem englischen KreuzerHighslycr" zum Sinken gebracht worden, als er i» den uciitralcn Gewässern der spanischen Kolonie Rio de Oro sipan. Be­sitz an der Westküste Afrikas. Red. d. O. A.) zu Anker lag. Gegen diese, dem Völkerrechte widersprechende Verletzung der Neutrali- tätsgesctzc muß Protest erhoben werde». Großbritaunicu hat durch die Mißachtung der stets von allen Nationen theoretisch und prak­tisch anerkannte» lknvcrlctzlichkeit »eutrakcr Sohcitsgcwäfler ge­zeigt, daß cs sich nicht scheut, über die Hohcitsrcchtc neutraler Staa­ten hinwcgzugchc»,

Politische Rundschau.

Der Neichsverband kapitirliert.

Ter Reichsverbcmd zur Bekämpfung der Sozialdemo- fiotie gibt in einer Sonderausgabe seiner Korrespondenz folgendes bekannt:

DerNeichsverbaud gegen die Sozialdemokratie" hat un­mittelbarach dem denkwürdigen Ncichstagsbeschluß vom 4. August seine gesamte Tätigkeit eingestellt und seine Provinzial- stcllcn und Ortsgruppen angeiviesen, solange der Kriegszustand dauert, völlig passiv zu bleiben. Das glänzende Verhalten des

gesamten deutschen Volkes, dem Feinde gibt dem Vor! der Rcichsvcrband nicht n der Dauer des Krieges h hegt, daß späterhin eine 4 kratic nicht mehr erfordert sicht hin, daß in Zukunft Vaterland bedrohenden Fi Streitigkeiten aus Nation lassen.

Der Vorstand des Re, personal, Schreibmaschine, den nationalen Wohlsahr »nd eine Spende für das Der Liebertschen O. sehr leicht. Ter Krieg, in kc>m ihr sehr gelegen, d kundig war nnd, was sie empfand, die materiellen Kampfes fehlten. Sie kan Versöhnlichkeit hüllen und rnng in der Politik der der Existenz des Reichsverba Wir haben natürlich cinignng, die den polltischen giftet hat nnd in ihm in gewissem Sinne die Rolle spielte, die in Belgien die Franktireurs übernommen haben, nichts! einzuwenden. Aber wir würden es doch für einen Verstoß wider die Ehrlichkeit halten, wenn wir die Anerkennung, die uns die Erklärung des ReichsverbandeS zollt, ohne Wider- fprnch entgegennähmcn. Es heißt da, daß in Zukunft etwü entstehende wirtschaftliche Streitigkeiten hoffentlich aus­schließlich auf nationaler Grundlage erledigt werden könnten: Dasetwa" schon ist recht koniisch, denn im Ernst wird sich Wohl nieinand der Erwartung hingeben, daß nach Beendi­gung des Krieges auch der Klassenkanipf beseitigt sei. Wenn dann aber weiter gesagt wird, daß die wirtschaftlichen Aus­einandersetzungen sich auf nationalem Boden abspielen wür­den, so wäre es gut, wenn der Reichsvcrband in dein Ab­schiedsbrief an seine Freunde den Begriffnational" etwas genauer definiert Hütte. Die Sozialdemokralle ihrerseits, des darf man allgemein gewiß sein, wird ihn nach dem Kriege nicht anders aii3(cqen als zuvor. Sie wird sich bei den Kämpfen, die zu führen sind, stets nur von den Rück­sichten ans die Interessen der Arbeiter leiten lassen nnd der, der etwa damit rechnen sollte, daß die sozialdeniokratische Ar­beiterbewegung unter dem Eindruck der kricgellschen Er­eignisse in das Fahrwasser der Gelben gleiten werde, dürfte sich einer sehr schweren Täuschung hingeben.

Jedenfalls müssen cs sonderbare Schwärmer sein, die ans dem Boden der bürgerlichen Parteien stehend davon reden können, daß einmal eine politische Bekämpfung der Sozial­demokratie nicht m e h r e r-f o r d e r l i ch sein könne. Wir! geben ihnen die Versicherung, daß die Sozialdemokratie mit dieser Bekämpfung als etwas Selbstverständlichem rechnet und ans Verteidigung und Angriff vorbereitet ist. Allerdings würde sie es mit Freuden begrüßen, wenn der Krieg die Folgewirkung hätte, daß die Auseinandersetzung in anständi­ger Weise geführt würde, und daß Gebilde vom Schlage des Reichsverbandes im politischen Leben Deutschlands zu­künftig unmöglich wären. .

Lassalle-Gedenkfeier verboten.

In Charlottenburn war für nächsten Sonntag eine Gedenkfeier zum fünfzigjährige» Todestag Ferdinand Lassalles geplant. Ge­nosse Katzcnstein sollte eine Gedächtnisrede halten, an die sich Rezi­tationen und Gcsangsvortrügc anschließcn sollten. Das Ober­kommando von Berlin bat diese Gedenkfeier verboten mit der Be­gründung, daß die gegenwärtige Zeit zu derartigen Gedenkfeiern wenig angetan sei: man möge sie aus später verschieben.

.Hessen und Nachbar gebiete.

viesten und Umgebung.

Arbeitgeber und Arbeiter in der Klavierbranchc. Die» beiden bedeutenden Klavicrhandlnngei, Wilhelm Rudolf nnd August F ö r st e r in Gießen beschäftigen trotz der ganz außerordentlich »ngünstigen Geschäftskonjnnktnr gerade int dieser Branche ihr gesamtes Personal bei vollem Gehaltz weiter. Auch sonst sind die Lohn- nnd Arbeitsbedingungen bei beiden Firmen als mustergültig zu bezeichnen. Die Ar­beiter beider Betriebe beschäftigten sich in ihrer letzten Sek- tionsversammlnng niit der großen Arbeitslosigkeit in der Holzindustrie, insbesondere in der Klavierindnstrie, nnd be­schlossen einstimmig, einen bestimmten Teil ihres Lohnes an Arbeitslose dieser Branche abzüssihren.

Tic Verlustlisten sollen nach einer Bekanillmachun» des Reichsanzeigers in den Zeitungen nicht niehr mit Rainen veröffentlicht werden, sondern nur die Truppenteile mit der sie betreffenden Verlustzahl. Es soll jedoch dafür gesorgt werden, daß die ausführlichen Verlust, listen durch öffentliche Auslage bekannt werden.

Unter den Verlusten des hiesigen Regiments, die es in den letzten Kämpfen erlitten hat, befinden sich natürlich eine Anzahl Söhne Gießcner Bürger. Einige Verwundete befinden sich in den hiesigen Lazaretten, wo es hoffentlich gelingt, sie bald wieder herzustellen.

Ein katholisches Blatt über den Krieg. Im Juni erschien in der katholisch-sozialen Halbmonatsschrift Stönde- Ordnnng ein Artikel überKriegs- und Rüstungslasten", in dein bekannt wurde, daß die Kriege insgesamt 1200 Millionen Menschen vernichtet nnd einen Schaden von 2000 Milliarden verursacht haben. Das Blatt schreibt:

Wenn man die enormen Lasten eine? Kriege? be­denkt, ganz abgesehen von den Verltisten an Menschen­leben, so muß man sich wundern, daß die Geldfrage allein nicht verniocht hat, Kriege ans der Welt zu schaffen. Wahrscheinlich würde das in viel höherem Maße der Fall sein, wenn die Kriege den Fürsten nnd Staats- l e n k e r n persönlich so große Unbequemlichkeiten, Opfer nnd Lasten auferlcgtcn als den Völkern selbst."

Trotz all dieser Opfer werdedas Land im ganzen dnrck, Kriegserobcrungen nicht um einen Fußbreit vermehrt". Es heißt dann weiter; - ^ - .....