Ausgabe 
1.9.1914
 
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renzkamps mit England nicht denken konnte, war Deutschland jahrelang aus englische Erzcngnlste angewiesen, die cs früher zum großen Teile aus Frankreich bezog, Wir hätten unS also im Falle der Nculralilal beide Staaten als Abnehmer unserer Erzeugnisse erhalten. Der Krieg mit Kontinentalstaatcn ist für England ein ganz unmögliches Ding, Die englische Industrie, sei es Tcrttl- ober Maschinenindustric, ist auf den Konlinenlal-Export angewiesen, kann ohne ihn überhaupt nicht existieren, da England selbst nicht ein viertel von den industriellen Erzeugnissen abnehmcn kann, die produziert.

England hat seine Karte auf den französisch-russischen Tieg ge­setzt, Wie aber, wenn Englands Truppen mit den Franzosen ge­meinsam geschlagen werden? Wenn die Kunde von Eng­lands Niederlage und Schwäche hinausdringt in die Kolo- n i c n, die fast nichts mehr gemeinsam haben mit dem Mutterlande, die vielleicht nur aus irgendeine Gelegenheit warten, um vom Mutterlandc ab zu fallen? Wie, wenn Frankreich nicht siegt? Ungeheure Werte gehen dann verloren, und der Verlust an Einfluß auf die kontinentale Politik ist nie wieder, auch in Fahrhunderten nicht, einzuholen, denn dann würde Deutschlands Einfluß in Verbindung mit seinem öster­reichischen Bundesgcnosicn so ungeheuer wachsen, daß es sich mit keiner Macht der Erde auf irgendwelche Vorhaltungen über den Bau seiner Flotte cinlasicn würde, Deutschlands Indu­strie ist stark und wird sich auch durch einen verlorenen Krieg nicht schwächen lassen. Ein so kräftiges, seines Wertes voll- bewußtes Volk wie das deutsche ist nicht in die Fesieln zu legen, die man ihm schmiede» will. Mit beispiellosem Opfermut und wenn der ärmste Taglöhncr seinen letzten Pfennig aus der Tasche hervorsnchen müßte wird man, wenn wir Deutschlands Flotte zerstörten, eine Flotte doppelt und dreifach so groß wieder errichten, so wie im Fahre 1808 der Freiherr vom Stein das Volks- Heer zur Bezwingung seines Unterdrückers Napoleon aus dem Boden stampfte. Wie man sich damals den letzten Bisten vom Munde abdarbte fürs Vaterland, für die große Idee der Be­freiung, so wird dieses Volk durch eine Niederlage zur äußersten Machtanstrcngnng anfgcrüttelt, nicht eher ruhen und nicht eher rasten, als bis es in einem Vernichtungskampf gegen England siege» wirb. Wo die nationale Einheit so gewaltig und so unzer­brechlich dasteht, da bietet die Vollendung auch der wagemutigsten iFdee keine Schwierigkeiten, Man wird sich bis aufs Letzte zum Kampf gegen England einsetzcn.

Was erreiche» wir nun durch eine deutsche Niederlage? Fm gleichen Augenblick wird die russische Macht größer, und Frankreich nachdem seinem Nachccmpsinden gegen Deutsch­land Genüge geschehen wird in England den Mohren sehen, der seine Schuldigkeit getan hat und nun gehen kann. Die Frcnndschast mit Frankreich ist zu flüchtig, um in die Tiefe zu dringen, Frank­reich hat sich nur mit uns verbunden, uni Deutschland zu vernichten, ES wird sich keinen Augenblick scheuen, mit uns einen harten miri- fchaftlichcn Kamps aufzunchmen, wenn cs unsere Freundschaft nicht mehr braucht, und wir sehen uns vielleicht in einigen Fahren ge­zwungen, gegen Frankreich aus denselben Gründen vorzugchcn, wie jetzt gegen Deutschland und zwar aus brutalem Konkur­renzkampf.

Vergessen wir auch folgendes nicht: Kaiser Wilhelm ver­

kündete bei seinem Einzüge in Tanger, er käme als Freund der Mohammedaner 250 Millionen Mohammedaner in allen Gebieten des Islams haben an diese Frcnndschast geglaubt. Dieser Glaube wurde beeinträchtigt durch den Krieg Ftalicns gegen die Türkei, den der Kaiser im Fntercsse seines italienischen BundcS- gcnostcn nicht hinderte. Die jetzige Kriegslage drängt die Türken an die Seite Deutschlands, Wenn wir im Orient einigen Einfluß besessen haben, so ist dieser jetzt vernichtet, und mit dieser Ver­nichtung hängt unsere Herrschaft über viele, viele Millionen Moham­medaner zusammen, die sich wie ein vernichtender Orkan erheben werden, ivcnn der Sultan die Kalifcn-Flagge entfaltet und alle Moslem» zum heiligen Kriege rnst, denn Konstantinopel ist ein Heiligtum der Mohammedaner, hier thront der Nachfolger Moham­meds. 250 Millionen Mohammedaner zitier» für deutsche Siege und werden ihre Ketten wie Kinderspielzcug abschüttcln, wenn Deutschland siegt. Fn englischen Dominions wohnen über 100 Millionen Mohamincdaner. Tie Fahne Mohammeds wird voran- gctragen werden, wenn die Flammcii des Aufruhrs in F n d i e n hochschlagen. Man wird den heiligen Teppich ans der Kaaba holen und ihn vorantragen, wenn ein zweiter Mahdi er­stünde und über die Leiche» der in Khartum stchcndcn englischen Truppen die Fdce der Erweckung des Volkes Mohammeds nach Aegnpten trägt.

Englang spielt das Spiel mit seiner Existenz und dieses Spiel riihig anzuschen, ohne auf die niöglichcn Folge» hinzuweise», hieße zum Verräter an der englischen Nation werden.

Meinungsfreiheit.

Ein in Wien lvohncndcr Engländer namens Brookc hat an die Blätter eine Zuschrift gerichtet, in der er seine Ent­rüstung über die Haltung Englands gegenüber Oesterreich. Ungarn ausspricht und erklärt, daß der größte Teil des eng­lischen Volkes die Politik der gegenwärtigen englischen Negie­rung verurteile. Es ist das nicht die erste Kundgebung dieser Art, Mehrfach haben wir in den letzten Wochen von Eng-

ländern gehört, die ihrem Mißfallen über die Politik der Lon­doner Regierung offen Ansdruck gaben, und wir wissen ja vor allein, daß auch noch nach Ausbruch des Krieges bis in die -jüngste Zeit hinein von der englischen Arbeiterpartei in London, Manchester usw. große und stark besuchte Dcmon- strationsversammllingen gegen den Krieg veranstaltet wor- öön sind.

Man hat alle diese Manifestationen in Deutschland mit Genugtuung verzeichnet, ohne dabei die Frage aufzuwcrfen, was wohl mit einem Deutschen geschehen würde, der cs wagte, ans einer vielleicht falschen aber ehrlichen Uebcrzcugung her- ans im gegenwärtigen Moment eine ebenso abfällige Kritik an dem Verhalten des anitlichen Deutschlands zu üben. Es ist niemandem eingefallen, die Vaterlandsliebe derjenigen Engländer anzuzwciseln, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwinimen und mitten im Krieg ihrer Regierung unangenehme Wahrheiten zu sagen. Aber wer eine solche Kritik als etwas Selbstverständliches hinnimmt, erkennt da­mit gleichzeitig, auch wenn er sich im einzelnen Fall darüber nicht klar wird, an, daß nichts falscher ist, als die Behauptung, bas WortRecht oder schlecht, cs ist mein Vaterland" sei ein jedem Engländer in Fleisch und Blut nbcrgegangcner Grundsatz des politischen Denkens.

Ter Brite darf cs sich herausnchmcn, auch in einem Zeitpunkt, wo die Waffen sprechen, seine Meinung frei zu äußern und den Machthabern Opposition in den schärf­sten Formen zu niachen. Wir haben das während des Burcn- krieges erfahren als beispielsweise der gegenwärtige Minister Lloyd George mit einer Rücksichtslosigkeit, die keine Grenzen kannte, in der Ocfscntlichkeit die Chamberlainsche Kriegs- Politik verdammte und wir erfahren das jetzt aufs neue. Diese Tatsache aber sollte uns eine Mahnung sein, nicht das ganze englische Volk für die Politik des Sir Edward Grcy verantwortlich zu machen und mit der rollen­den Phrase voin perfiden Albion einen für ewige Zeiten un­überbrückbaren Gegensatz zwischen.der deutschen und der eng- lischcn Nation zu konstruieren. Die, die sich jenseits der Nordsee ihre eigene Meinung bewahrt haben und sic von dem in ihrem Lande geltenden Rechte der Redefreiheit Gebrauch machend, offen äußern, sind die Elemente, die uns i n derZukunft einmal helfen werden, die zer­rissenen Fäden wieder zu knüpfen und die nnterbrockicne Arbeit an dem Gebäude der Menschhcitskultur wieder auszu­nehmen.

Bestürzung in England.

In fast allen englischen Blättern spiegelt sich die Bestür­zung über den unerwarteten tind für die Engländer unerklär­lichen Fall Nainurs wieder. Tie Wcstminster Gazette erhebt sogar einen versteckten Vorwurf gegen die Belgier, indem sic sagt, man könne nicht erwarten, daß belgische Festungen und Städte wie französische betrachtet werden könnten, die für eine nationale Sache fechten.

Ein Artikel der Times faßt ernsthaft den Marsch der Deutschen auf Paris ins Auge und mahnt, einen kühlen Kopf zu behalten. Ter bekannte Militärkritikcr der Times sieht die Möglichkeit voraus, daß die Deutschen die Häfen Nord­frankreichs besetzen itnb von hier aus die Verbindung der end­lichen Truppen bei Namnr mit der Küste stören. (Die Nieder­lage der Engländer bei St. -Quentin überhebt Herrn Reping- ton dieser Sorge D. Red.) Die Aussicht einer deutschen Be­setzung der französischen Nordwesthäscn läßt die Times der­art die Fassung verlieren, daß sie den Holländern zuruft, der Sieg Deutschlands bedeute die Annexion aller Nordsechäfcn von Dover bis Emden. In Holland bleibt man jedoch gegen- über diesen Aufstachelnngsversuchcn kühl.

Daily Chronicle erkennt an, daß die Deutschen ihren Geg­nern schwere Schläge beigebracht haben. Ernüchternd wirkt auch, daß das englische Kricgsministerium mit der Veröffent­lichung von Verlustlisten begonnen hat.

(England und die neutrale Schiffahrt.

England läßt die ®uf den holländischen DampfernTubantia" undZoclandia" scstgenonimenen Oesterreich«! und Deutschen frei und schickt sie »ach Holland zurück.

Malien und die deutschen Siege.

Tie Nachrichten von den deutschen Siegen, welche durch die Mittagsausgaben sowie Extrablätter bekannt wurden, rufen in Italien um so größeren Eindruck hervor, als die Presse, die meist aus fraitzösischer Quelle informiert wird, durch die etwas einseitige Registrierung anfangs das Publi­kuni an ftanzösischc Fortschritte hatte glauben machen. Dia deutschen Siege geben nunmehr der italienischen Regierung Widerstandskraft gegen die Strömungen, welche sie zum Kriege gegen Oesterreich drängen möchten. Die frankophile Presse ist bereits seit mehreren Tagen überaus kleinlaut. In den militärischen Kreisen herrscht offenbare Sympathie für den deutschen Schneid, welchen nian dem untätigen Vcr. halten der englischen Flotte entgegensetzt.

Türkische Kriegsvorbcreitungei».

Eine offizielle Mitteilung der Pforte besagt:Wegen,

der Mobilisierung ist es ausländischen Flug­zeugen verboten, über türkisches Gebiet zu fliegen; die Militärposicn sind angewiesen, auf Zuwiderhandelnde zu schießen." Infolge der Mobilisierung entfaltet der Rote Halbmond seit einigen Tagen eine eifrige Tätigkeit in Stambnl. Drei große Schulen wurden als Spitäler einge­richtet und eine Komniission gebildet, deren Aufgabe cs ist, die Mittel zur Sicherung der Verproviantierung Konstantinopcls sowie zur Hereinbringung der Ernte und zur Durchführung der landwirtschaftlichen Arbeiten des loinmcnden Jahres zu prüfen. Die Stadtpräfektnr teilt mit, daß die Einfuhr von Getreide frei ist.

Franzosen und Engländer verwende» DnmDnmgeschoffe.

(W. 15.) (Amtlich.) In Longwy ist eine maschinelle Bor- richtung vorgcsunden worden, welche dazu diente, Gewchr- uud Knrabincrgcschossc oben abzu platten und mit einer von der Spitze ausgehenden trichterförmigen A u sb o hrnng zu versehen. In den Taschen französischer und englischer Soldaten fand man zahlreiche D n m - D n m - Geschosse, d. h Hohl- oder Blcispitzengeschosse. Durch die Entfernung eines Teiles der ans Hartcmctall bestehenden Geschoßmateispitze tritt bei dem Aufschlagen der weichere Geschoßkcrn nach vorne heraus, schlägt sich breit und der- nrsacht bcjonedrs grausame, mit unnötigen Leiden verbundene Verwundung. Deutschland sieht sich genötigt, mit den aller- s ch ä r f st e n Maßregeln vorzugchen, wenn diese durch Völkerrecht (vergl. iusb. Art. 23 Abs. 1 <: der Haager Land- kricgsordnung) verbotenen Geschosse von unseren Feipdctt noch weiter verwendet werden sollten.

Aus Löwen und Mecheln.

Nach Mitteilung des belgischen Gesandten in London brennen in Löwen auch die herrliche Kathedrale und di« Universität- nitt der berühmten Bibliothek, Verschieden« Notabel» seien er­schollen worden, zuvor hätten die Einwohner di« Stadt verlast«»» müssen. Ein Teil der Männer sei gefangen. Frauen und K-inder seien imch anderen Orlen gebracht worden.

Die Belgier fahren mit ihren mimnehr kindisch amnutenden: Siegesberichten fort. So wird offiziell aus Antwerpen mttgetei'lt, der belgische Ausfall ans Mecheln sei vollständig geglückt, da es ge­lungen sei, die dcutichen Verteidigungswerte zu vernichten und eut l>c veits nach Süden ab zielendes deutsches Korps zu zwlngeit» nach Mecheln zur Verstärkung zu koninten. Die Stadt Mecheln selb st Hatz infolge der Beschießung durch di« Belgier und dann durch die Deich, scheu sehr gelttten,

Verhaftungen in Brüssel.

Ta Bürgerineister Max von Brüssel erklärte, die Gc-, mcindckassc sei nach Antwerpen gebracht und die Kriegsrate könne nicht bezahlt werden, wurden der bekannte Groß- industrielle Solvay und der Baron Lambert-Roth4 schild als Geiseln gefangen genommen.

Griechenland vor der Mobilmachung.

W. B. Konstantinopel. 30. August. Der griechische

Generalkonsul in Konstantinopel gab eine Verordnung der griechischen Regierung bekannt, wonach die Reservisten und der Landsturm aller Waffengattungen im Falle der Mobilmachung sich sofort in ihren Standorten zu stellen

haben.

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 48

Während Fondrcm sich zurückzog und seine Gäste sich ein- richteten, teilte Helgestad seinem Begleiter mit. was er für nötig hielt,Habe mit Euch noch nicht über live gesprochen," sagte er.wollte cs erst tun an Ort und Stelle. Ist einer der ersten hier in Bergen, ist Gildcvorstchcr und Ratsherr, dabei ein Mann, der das meiste sich selbst verdankt, schnell von Blick, rasch in seinem Wesen, klug und fest in allem, was er will. Vor dreißig Jahren besaß er nichts. Fing einen kleinen Handel an, der nicht fortkommen wollte, bis ich ihn kennen lernte. Tat sich mit mir zusammen; war damals noch nicht dagcwcscn, daß ein Nordländer den Blutsaugern aus den Fingern ging. Gab einen Höllenspektakel; wollten mich ausstoßen und aufhüngcn. hals aber alles nichts. Gab ihnen so viel zu bedenken, daß sie i»ich endlich gern wieder herein- ließen, und seit dieser Zeit haben wir treulich zusammenge- halten und gute Zeiten erlebt."

Sie sind also Teilnehmer an Fandrcms Geschäft?" fragte Marstrand,

Bin's gewesen," erwiderte Hclgcstad, die Augen zu- kneifend;kalkuliere aber, ist jede Kompanie doch Lumpanie, nimmer was Rechtes und Ganzes, obcnein wenn der eine am Lyngenfjord wohnt, der andere am Floyfjcld. Kann dicke Handclsbllchcr nicht dnrchlcsen, die langen Rechnungen nicht studieren, ist aber meine Sache nicht, einen anderen die Zahlen machen zu lassen und endlich zu nchnicn, was er mir geben will."

Marstrand lächelte. Es kam ihm der Gedanke, daß Uve Fandrem das Zahlen machen wohl noch besser verstanden habe wie Helgestad in seinem Schnldbuchc für Fischer, Quüncr und Lappen, und wahrscheinlich nicrkte der schlaue Handels­mann, jöas in seinem Gefährten vorging.Will niemanden

anklagcn," fuhr er fort,am wenigsten den redlichen Fandrem; kalkuliere aber, daß cs jedes Mannes Sache ist, sich auf keinen Stuhl zu setzen, der ein Loch hat. Habe darnin mich so geeinigt seit langer Zeit, daß Uve meine Waren kauft, ich von ihn> nehme, was niir gefällt, was er sonst tut, mich aber nichts angcht."

Hieran anknüpsend hörte Marstrand, daß der Gildcvor- steher mächtige Geschäfte nach Lübeck, Hamburg, Holland und bis ins Mittelniccr mache, daß er außer dem Fischhandel auch großen Holzhandel treibe und ganze Wälder schon angckauft habe, die in den Niederlanden zu Rost und Pfahlwerken ver­braucht wurden, endlich, daß er für all seinen Reichtum nur zwei Erben besitze, einen Sohn, der seit Jahren in einem großen Hamburger Hause arbeite, und eine Tochter, die mit dem Vater lebe, Damit erfuhr Marstrand denn auch zu­gleich, daß Helgcstad seinem ehemaligen Kompagnon eine Frau verschafft habe, die aus den Finnmarken gebürtig, seine eigene Verwandte gewesen sei. Ihr Vermögen hatte nicht wenig zu Fandrcms wachsendem Reichtum beigetragcn, und Vcrwandt- schaftsbande hatten die Freundschaft bei den beiden Männern verstärkt.

Nach einiger Zeit fand sich Fandrem wieder ein, der seine Gäste nun in das Wohnzimmer führte, wo der Tisch gedeckt war und nach üblicher Sitte der Wirt das Willkommen aus­brachte. Mehr als einmal wurden die Gläser gefüllt und ge­leert und dabei die nächsten Geschäfte verabredet. Helgestad forderte für Marstrand Kredit, wozu der Berger Handelsherr sofort bereit war. Obwohl nun die Sck,iffe der Nordländer bei ihrer ersten Fahrt gewöhnlich nur Lebensmittel und Ge­räte zum Fischfang mit nach Haus nehmen, bei der zweiten Fahrt aber den langen Bestellzettel für alle möglichen Be­dürfnisse des Kramladens nach Bergen bringen, so war Helge- stad doch willens, von dieser alten Sitte abzuwcichcn und seine Jacht zum guten Teil für die rasche Einrichtung der Nieder- lassung am Balsfjord herzugcben. Er versprach das Ver-

Beste anszuwnhlen und die billigsten Preise zu machen. Das ganze Geschäft war mit einem Händeschütteln in einigen Minuten abgetan, und kaum längere Zeit gehörte dazu, um die Ladung der schönen Jlda an Fandrem zu verkaufen. Der Giidevorstehcr ließ einen Makler kommen, denn durch diese Mittelspersonen wurden damals wie noch jetzt alle Geschäfte in Bergen abgeschlossen. Ter Makler zählte ein halbes Dutzend Verkäufe aus, die am heutigen Tage zustande gebracht waren, Fandrem bewilligte den höchsten Preis, und mit einem andern Handschlage war auch diese Angelegenheit beseiftgt.

Und nun, ihr Herren," sprach der Handelsherr, als sic endlich aufgestanden,noch ein Glas auf unsere dauernde Freundschaft. Hoffe Sie alle Jahre zweimal in Bergen zu sehen, Herr Marstrand, und wie es üblich ist. nächstens mit der jungen Frau. He," schrie er lustig,wie steht es damit? Es gibt in Nordland und Finnmarken der schmucken Mädchen gar manche, weiß selbst davon ein Lied zu singen. Aber die schönste Jungfrau vom Lyngenfjord und weit und breit ist doch meine Muhme Jlda. Hab ich recht, Herr Marstrand? Laßt uns anstoßcn aus ihr Wohl!"

-delsisstad hielt cs für dienlich, diese Späße und ihre Nebenbeziehungen mit cincmmale durch die Erklärung ab,u- jckinciden, daß Jlda nächstens ihre Verlobung mit dem Neffen seines alten Freundes in Tromsö feiern werde, daß aber für Marstrand sich die beste Partie im Lande machen könne sobald - r - C i ft Balsfford warm sitze. Es gab ein langes Ge- jprach zwischen den Verwandten mit reichlichen Glückwünschen fragen und Erkundigungen gewürzt, daS endlich dam'k endigte daß Herr Fandrem feine vicrgchäusige dicke goldene Uyr aus der Tajche zog, sie Helgestad unter die Nase hielt und dabe, jchwor. es sei keine Zeit mehr zu verlieren, wenn die Krautcrsuppc und das Nierenstück in seinem Garten am Signalbcckcn nicht kalt werden und verbrennen sollten.

lKortsctzung folgt.) - -