Ausgabe 
31.8.1914
 
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JPcflc gehe» Bei einer Wertung unserer Armee und Flotte geht iiici 11 am beste», um eine rohe Schätzung zu erreichen, davon aus, das, ein Soldat aus G.ruud seiner Tätigkeit im Frieden mindestens 1000 Mark im Fahre' verdient. Diese Summe ist gewiß nicht zu Hoch, sondern eher zu niedrig. Aber auch so repräsentiert dann bei einer Kapitalisierung von 4 Prozent jeder Soldat einen Wert von 25 000 Mark. Eine Million Soldaten hat dann einen Vermögcns- wert von mehr als 25 Milliarden Mark, vier Millionen einen solchen von mindestens 100 Milliarden. Diese Berechnung in Bausch und Bogen zeigt, welche Werte in diesem Kriege aus dem Spiele stehen. Wenn die 4. Verlustliste 208 Tote, Verwundete und Vermißte anfweist, so sind, volkswirtschaftlich ausgedriickt, Werte von mehr als 5 Millionen Mark zerstört, teilweise sogar ganz ver­nichtet.

Aber der Wert der Menschen wird durch ihren auf Geld­kapital gebrachten Ausdruck natürlich bei weitem nicht erschöpft. Was diese Berechnung zeigen soll, das ist nur das eine, daß alle unsere anderen Kapitalqüter gegenüber den Menschen geringwertig sind, daß sie erst durch die Menschen ihren Wert gewinnen, steigern und halten können. Das sind alles Wahrheiten, die am Wege liegen, die wir aber oft nicht mehr gesehen haben, weil man eben Selbstverständlichkeiten nicht mehr beachtet. Nun ist es mit einem Schlage anders. Der Wert der Menschen, die das Vaterland zu schützen haben, ist heute so hoch, daß man unsere nüchterne Schätzung vielleicht nicht einmal gelten lasten will. Lebendiges Kapital wird geopfert, müsten wir opfern, um unserer Feinde Herr zu werden, lebendiges Kapital nach Millionen und Milliarden Mark. Sollte angesichts dieser Tatsache nicht auch der Besitz an totem Kapital Opfer bringen müssen? Diese Frage answerfen, heißt sie unter den heutigen Verhältniffen bejahen. Wenn unsere lebendigen Kapitalschätze sich dezimieren lasten, dann wird daS angesammelte tote Kapital erst recht für die Schäden einzustehen haben, die der Krieg im Gefolge hat. Tann schadet es nichts, sondern es ist nütz­lich, wenn von den 050 Milliarden Vermögenswerten für staat­liche Zwecke, zur Linderung der Not und zur Aufrechterhaltnng einer geregelten Wirtschaft ein kräftiger Prozentsatz flüssig gemacht und verausgabt werden muß. Zu den Opfern des Krieges muß jede Privatwirtschaft nach ihrer Leistnngssähigkeit Gut und Blut beisteuern. Durch die allgemeine Wehrpflicht werden bei der Her­gabe von Männern für die Landesverteidigung alle Privatwirt­schaften gleich betroffen. Anders liegen die Dinge bei der Hergabe von Mitteln zur Durchhaltung eines großen Krieges, der den wirt­schaftlichen Verkehr ans eine völlig neue Grundlage schiebt. Hier muß dem begreiflichen, aber im Kriegszustand nicht zu rechtfertigen­den Egoismus der einzelnen Privatwirtschaft beizeiten entgegen­gewirkt werden, damit der wirtschaftliche Verkehr nicht zum Er­lahmen kommt. Nur die weitgehende Flüssigmachung toten .Kapi­talbesitzes vermag in den kommenden Monaten den Geschäftsver­kehr zu beleben und lebendig zu erhalten.

Eine törichte Frage. Was in jetziger Zeit in der Preste an blöder Hetze gegen Ausländer geleistet wird, übersteigt wirklich alles Maß. Fm Gieß. Anz. gibt am SamStag irgend jeniand fol­gendes von sich:

Eine Frage, besonders im Hinblick auf das perfide Albion! ES leben dauernd in Deutschland viele Ausländer, welche sämtliche Vorteile unseres geordneten StaatSwesens genießen, dabei aber sich den Hauptpflichten in egoistischer Weise entziehen. Warum beschränkt man diesen nicht die Aufenthalts­erlaubnis? Mögen sie doch um die deutsche Staatsange­hörigkeit einkommen! Fn begründeten Ausnahmefällen könnte man ja davon absehen. Kl."

, In seinem Hasse gegen bas Ausland hat der kluge Frage­steller jedenfalls nicht bedacht, daß vielleicht die zehnfache Zahl lDeutsche sich im Ausland aushalten ein großer Teil davon dauernd als Ausländer bei uns. Uebrigens wird nach dem Kriege die Verbindung der Völker eine noch stärkere werden als bisher, wie sich auch die deutschen Kapitalisten nicht scheuen werden, mit ihren englischen, russischen und französischen Klastengenosten die Arbeiter aller Nationalitäten auszubeuten.

Opfer des Krieges. Wie wir im der Frankfurter Bolksstnwmc liefen» wurde auch der Sohn des Frankfurter Reichs1agsa'bgeordn>cten IGenosten Tr. Quarck, der als Einjähriger den Krieg miimwchie, schwer verwundet und liegt in einem Frankfurter Lazarett. Ferner wird der Sohn des Genosteid D o r s chn im Lazarett in Zweibrücken an einer gefährtichen Wunde behandelt.

Ans dem Windhof befinden sich noch immer etiva 20 Rüsten, ^meistens Arbeiter. die vor AuAbvuch iwsS Krieges in Deutschland be­schäftigt waren. Es wäre wohl besser gewesen, wenn man die Leute in ihrer Arbeitsstelle gelasten hätte: hier müsten sie jetzt gefüttert werden und sterben bald vor Langeweike.

In Butzbach brannte» am Samstag die Wirtschaftsgebäude des Wagners Sauer bis auf die Grnndinanern ad.

Kreit Nlöfcld-L'auterbach.

Alsfeld, 31. Aug. Ein entsetzlicher U n g l ü ck s s a l l hat sich am Samstag abend im hiesigen Bahnhofe ereignet. Zwei Postbeamte wollten in den um 0 Uhr von Gießen fälligen Personen- zng die Postsendung verladen und fuhren zu dem Zwecke mit dem Handkarren zwischen zwei Gleise. Auf dem ersten Gleis stand eine Rangiermaschine, während auf dem zweiten Gleis der Personenzug rinfahren wollte. Fn dem Augenblick nun, als sich die Post­beamten anschickten, den Gepäckwagen zu drehen, setzte sich die Rangiermaschine in Bewegung, faßte den Gepäckwagen an der Deichsel und warf ihn um. Die Bedienungsmannschast des Wagens, i>ic diesen zur Seite ziehen wollte, ivnrde von der Rangiermaschine ersaßt und schrecklich zerstiimmelt. Dem 25jährigen Posthilssbote» Laut von Eudorf ging die Maschine über beide Beine und die rechte Brustseite, während der in den 50er Fahren stehende Landbrics- träger Papst von Alsfeld eine klaffende Wunde am Hinterkopf und schwere innere Verletzungen davontrug. Laut starb kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus, während Papst hoff­nungslos darniederliegt. Die Stelle, wo sich das Unglück ereignete, soll völlig unbeleuchtet gewesen sein.

Telegramme.

Eine verlorene Seeschlacht.

Ehrenvoller Untermann deutscher Kriegsschiffe.

Endliche Nebermacht.

IV. 8. Berlin, 29. August. Fm Laufe des gestrigen Vor­mittags sind bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische Kreuzer und zwei englische Zerstörerslotillen, elwa 40

Zerstörer, in der deutschen Bucht der Nordsee nordwestlich von Helgoland ansgetreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen diesen und unseren leichten Streitkrästen.

Die deutschen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen nach Westen nach und geriete» dabei infolge der beschränkten Sichtweite ins Gefecht mit mehreren starken Panzerkreuzern. S. M. Schiff Ariadne sank, von zwei Schlachtschifspanzer» der Lionklaste ans kurze Entfernung von schwerer Artillerie beschaffen, nach ehren­vollem Kampfe.

Auch das Torpedoboot V 187 ging, von einem kleinen Kreuzer und 10 Zerstörern auf heftigste beschossen, bis zuletzt seuernd, i» die Tiefe. Der Flottenchef und Kommandant sind gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet.

Die kleinen Kreuzer Köln und Mainz werden vermißt. Sie sind nach einer heutigen Reutermrldung aus England gleichsalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken. Ein Teil ihrer Besatzung 9 Offiziere und 81 Mann scheinen durch Schisse gerettet worden z» sei». Nach der gleichen englischen Quelle haben die englischen Schisse schwere Beschädigungen erlitten.

Kauslcute, 3 Kellner, Schreiber,' landwirtschaftliche Arbeiter uitS* Knechte, Erdarbeiter, Taqlöhner, Hausburschen, Putz-, Wasch- und Laufsrauen.

Standesamt Lollar.

Geborene.

Am 9. August. Dem Wagner Ludwig Seipp 8. ein Sohn Walter. Am 17. August. Dem Hüttenarbeiter Peter Preis ein Sohn Friedrich.

Eheschließungen.

3(ni 19. August. Johann Conrad Matter», Kutscher in, Gießen, mit Barbara Kumpf in Lollar.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm & Cie., Gießen.

Druck: Verlag Osfenbacher Abendblatt, G. m. b. H.. Offenbach a. M.

Die siegreiche Schlacht bci Krasnik dauert fort.

10 russische Divisionen neuerlich geschlagen.

Das Frankfurter österreichisch-ungarische Generalkonsulat stellt der Presse folgende Zirkulardepesche des österreichischen Ministerpräsidenten vom Sonntag abend zur Verfügung:

Soweit sich heute mittag überblicke» lässt, ist das große Ringen unserer Armeen mit Hauptkräfte» des russischen Heeres noch nicht zur Entscheidung herangereist. Nur die Erfolge der von dem General der Kavallerie Viktor Tankl in der Schlacht bei Krasnik siegreich geführten Armee sind bereits einigermaßen zu übersehen. In einer zweiten Schlacht vom 27. August, die durch die heldenmütige Er­stürmung einer stark befestigten Stellung ans den Hohen von Redrshwizadnsha gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgeworsenen russischen Kräfte und herangeführten Ver­stärkungen im ganzen etwa 10 Divisionen von sechs ver­schiedenen Korps neuerlich zu schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser zweiten Schlacht einen General, einen Obersten, 3 sonstige Stabs- und 40 andere Offiziere nnd zirka 2000 Mann gefangen »nd erbeutete wieder sehr viel Kriegsmaterial."

Bei Ortelsburg 30000 Rusien qesanaen.

Berlin, 30. Aug. (W. B.) (Amtlich.) Bei den großen Kämpfen, in denen die russische Armee in Ostprcnßrn bei Dannenberg, Hohensteiw und Ortelsburg geworfen wurde, sind nach vorläufiger Schätzung Über 30 000 Russen mit vielen hohen Ossi,ziere» in Gefangenschaft geraten.

Standesamt Gießen.

Geborene.

9(11(1110 17. Dem Kanalarbeiter Mar Paul Psitzncr eine Tochter, 9l»na. Dem Hausdiener Maximilian Pohl eine Tochter, Marie Elisabeth. 19. Dem Großb. Oberlehrer Ludwig Barth ein Sohn, Heinz Helmut. 20. Dem Wirt Eduard Gustav Krüger ein Sohn, Heinrich Eduard. Dem Schreiner Rudolf Karl Fohann Hvlmelin ein Sohn. 21. Dem Schreiner Karl 9lngust Gäbisch ein Sohn, Walter 9lugust 9ldoif. Dem Lbermusikmeister Wilhelm Löber ein Sohn, Heinrich. Dem Hilssfeiicrmann Johannes Heuser ein Sohn, Hans. Dem stellvertretenden Intendantur-Sekretär Karl Vetzberger eine Tochter, Viktoria 3lnita Marie Lina Paula.

Ansgebote.

August 22. Hermann Ehristian Wilhelm Schmuch, Buchbinder, mit Sophie Adelheid Lampe, beide in Bremen.24. Adolf Theodor Willi Schnitze, Schreiner, mit Marie Margarete Lisette Trank, beide in Gießen. Jakob Wilhelm Fuchs, Oberlehrer in Frankfurt a. M., mit Maria Elisabeth Auguste Braun in Gießen.

Eheschließungen.

9!ngust 20. Ericki Moritz Julius Otto Langerhannß, Chemiker in Gießen, mit Elisabeth 9l»guste Frieda Marie Brandt in Rostock sMecklenbnrg). Samuel Teller, Kaufmann, mit Frime Ehrcn- brod, beide in Gießen.

Sierhesälle.

9l»q»st 20. Friedrich Füller, 82 Jahre alt, Licherstraße 74. 23. Willi Erb, 2 Monate alt, Nenenweg 48. 25. Albert Karl Trinthammer, Handlnngslehrling, 15 Jahre alt, Bnrggraben 9. 27. Abraham Griinebanm. Rentner, 06 Jahre alt, Westanlage 60.

Städtischer Wohmlngsnachweis Gießern

Es sind zu vermieten:

1 Wohnung von 7 Zimmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern und

2 Mansardenzimmern, 2 Wohnungen von 5 Zimmern, 1 Wohnung von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 45 Zimmern, 2 Wohnungen von

3 Zimmern, 2 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zim­

mern ohne Küche, 1 Lager- oder Fabrikraum, 1 Werkstatt, 1 drei­stöckiges Lagerhaus mit Pserdestall und Heuboden, 1 möbliertes Zimmer. __ ,

Zu mieten gesucht:

35 Wohnungen von 20 Zimmern.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.

Es können eingestellt werden:

a) bet hiesigen Arbeitgebern:

1 Schmied, 1 jung. Spengler, 1 Installateur, 1 Schuhmacher, 10 Schneider, 1 Friseur. 1 Dausbursche, 6 landwirlschaftliche Ar­beiter, Knechte, 2 Wärterinnen.

Lehrlinge: 1 Kaufmann.

d) bei auswärtigen Arbeitgebern:

1 Dachdecker. 1 Schmied, 1 Müller, 1 'Bäcker, 10 Schneider, 4 Trainagenarbeiten, 3 Dienstmädchen, landwirtschaftliche 9lrbeiter und Knechte.

Lehrlinge: 1 Kellnerlehrling.

Es suchen Arbeit:

1 Steinmetz, 8 Tchlosier, 1 Eiektronwntenr, 1 Mechaniker, 2 Polsterer nnd Tapezierer. 12 Schreiner, 5 Maurer, 1 Zinimcrmann, 12 Weißbinder und Lackierer, 1 Glaser, 1 Stukkateur, 4 Heizer, 0

Wir empfehlen:

Inhcrtt:

5 borschriftsmästig bedruckte Felvpoftbricf- -,. r Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feld- Postkarten.

Aechch. Mheitlliig Gicht«, 2 ?-

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für Stadt und Landkreis Giessen Giessen, Ästenveg 9, nui. Stock Q

Sprechstunde: Jeden Donnerstag 67 1 /. Uhr abends. [jh]

Unentgeltliche ärztliche Untersuchung von Alkohol- A kranken. r

Kat und Beistand für sio und ihre-Angehörigen,*auchÄi

hinsichtlich der Heilung:. fcj

Auch schriftliche Anfragen werden von cler. Trinker-,^|7| Fürsorgestelle beantwortet. v

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Oberhcssische Volkszeitnng Gießen, SchchMchc 23, Ttlkphoi, 2008.