"bem englischen Kreuzer „Cromwell" vier Tagereisen vor Gibraltar am 14. August gekapert worden. Sämtliche hundert Deutsche wurden als Kriegsgefangene nach Gibraltar gebracht.
Verbot von Garibaldi-Legionen.
Ter Pester Lloyd meldet aus Nom: Nachdem die Regierung
ft, den letzten Wochen ihren ganzen Einfluß aufwandtc, um die von einigen Jrredentistcn vorgeschlagene Bildung italienischer Freikorps für Serbien und Frankreich zu verhindern und die Anwerbung für solche Freikorps auf italienischeni Boden für strafbar erklärt hat, kommt nunmehr die Nachricht, daß in Paris und London Garibaldi-Korps in Bildung begriffe» sind. Fn London haben sich 250 Mann gemeldet, meist Italiener, jedoch auch viele Slawen. Tas Korps Hai dort den Namen Fremdenlegion angenommen. Dreißig Engländer haben Fonds zur Verfügung gestellt. — Ju Paris hat das Korps, das sich hier „Garibaldilegion" nennt, die volle Unterstützung der französischen Behörden gesunden. Tic italienische Regierung hat die Botschaften in London und Paris angewiesen, den betreffenden italienischen Staatsangehörigen, die dem Korps beigetreten seien, mitzuteilen, daß sie aller und jeder Staatsbürgerrechte in Italien durch den Beitritt zu diesen Freikorps verlustig gehen.
Dom Geist des französische»» HeereS.
Durch die Pariser Presse sickert allmählich die Mitteilung don einem bedenklichen Zwischenfall durch. Danach soll in der Schlacht in Lothringen eine Division des 15. Armeekorps durch Gehorsamsverweigerung den fluchtartigen Rückzug der Franzosen veranlaßt haben. Senator Gervais brachte diesen Vorfall tadelnd im Matin öffentlich zur Sprackse, woraus die Zeitung einen Verweis erhielt. Dazu ist zu bemerken, daß alle Artikel der Zensur des Kriegsministeriums unterliegen, also der inkriminicrte Artikel von Gervais anfangs nicht beanstandet wurde.
Tic Deutschen in Japan.
Mehrere Familien in Hamburg haben auf dem Umweg über ein neutrales Land Drahtnachrichten von ihren Angehörigen in Japan erhalten, die übereinstimmend besagen, daß es ihnen gut gehe.
Frauen sollen nicht in das Kampfgebiet reisen!
Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps warnt davor, daß Frauen oder weibliche Verwandte gefallener oder verwundeter Offiziere in das Operationsoder Etappengebie" über die Linie Luxemburg-Mctz-Straß- burg hinausreisen, da die Militärbehörden nicht in der Lage sind, für ihre Sicherheit cinzustehen.
Eine Schlacht iw Osten.
Großer deutscher Sieg.
W. R. Be r l i It, 29. Aug. Unsere Truppen an der Ost- grenzc unter Führung des Generalobersten v. Hindenburg haben die vom Narcwflusse her vordringcnde russische Armee, bestehend aus 5 Armeekorps und 3 Kavallcriedivisioncn, in einer dreitägigen Schlacht bei Willenburg und Ortclsberg geschlagen und verfolgen sic jetzt über die Grenze.
Gcncralquarticrmcister v. Stein.
Die Lage ist ernst!
In einem Manifest der französischen Regierung wird die Lage als ernst, aber nicht Mutlosigkeit rechtfertigend hingestellt. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die gcgcu die wirtschaftliche Krise anfgcwcndetcn Maßnahmen, besonders zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sich voll bewähren werden. In dem Manifest wird die heroische Haltung Belgiens hcrvorgcrufcn.
Manifest der französischen Sozialdemokraten.
Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers aus Paris verbreitet die französische sozialistische Partei ein Manifest, in dem sie erklärt, die Partei habe nicht gezögert, G u e s d e und S e m b a t die Genehmigung zum Eintritt ins Ministerium zu erteilen, da die Zukunft der Nation und das Leben Frankreichs auf dem Spiele stehe. Angesichts der Gefahr, welcher einer der blühendsten Teile Frankreichs ausgcsetzt sei, müsse die ganze Nation'bereit sein, Boden und Freiheit zu verteidigen!
Eine sozialdemokratische Richtigstellung.
Der Vorstand der deutschen sozialdemokratischen Partei hat dem Kopcnhagcncr Sazialdemokratcn znsolgc dein römischen Parteiblatt Avanti eine Erklärung zugehen laßen, in der die wilden Gerüchte über Revolution in Deutschland, Kaiser-Attentate, Gefangennahme und Erschießung hervorragender Parteiführer Lügen gestraft werden. „Fn diesem Verteidigungskricg", so heißt es in dein Dementi, „gibt cs in Deutschland keine Parteien, sondern nur den Gedanken, Deutschland zu schütz c n. Liebknecht, der erschossen sein soll, wartet aus seine Einberufung, Dr. Frank steht schon längst vor dein Feind. Die sozialdemokratische Rcichstagssraktion schließt sich als Vertreterin des Arbeitcrstandes der Verteidig nngspolitik des Reiches an und hat deshalb auch das Kricgsbndget bewillig t."
Antwerpen in Verzweiflung.
In Stockholm eingctrofsenc Meldungen aus Antwerpen besagen, daß dort bas Volk der Verzweislung nahe ist. Mail ist endlich darauf gekommen, baß die belgische Regierung die Qcsfcntlich- keit durch salsche Gerüchte gröblich getäuscht hat. Tie Bewohner Antwerpens und die dort eingetrosfenen Flüchtlinge befinden sich in einer bedenklich aufrührerischen Stimmung, und man befürchtet, daß es, noch ehe das Schicksal der Stadt entschieden ist, zu revolutionären Ausständen kommt.
Jtalienitchcr und spanischer Protest
Wie der Deutsche Kurier aus bester Quelle erfahren hat, haben von den Mächten der Algecirasakte die spanische und italienische Regierung gegen die Verletzung des internationalen Abkommens durch die Franzosen bei der Festnahme und Entfernung des dcut- Ichen Gesandten in Tanger durch ihre diplomatischen Vertreter in Paris Einspruch erheben lassen. Qbwohl die Stellungnahme der beiden neutraten Staaten im Augenblick nur einen j"f!^ducn Akt darstcllt. wird ihre Bedeutung nicht gering einge- schatzt.
Der Fürst von Albanien erledigt?
Fürst Wied verläßt nächster Tage Valona wegen politischer, militärischer und finanzieller Schwierigkeiten. Die internationale Kontrollkommission soll vorläufig die Re-
gierungsgeschästc erledigen. Ob der Fürst zurückkehrt, ist zweifelhaft.
Der Reichsverband gegen die Sozial dcmokralie macht Schluß.
Die Norddeutsche Allgemein« Zeitung schreibt: Der RerchSver- band gegen die Sozialdemokratie hak, wie er mitteilt, sein« Tätigkeit gegen di« Sozialdcinokratic r i n g e st c I l t. Dieser Einschluß ist angesichts der voin ganzen deutschen Volke ohne jeden Unterschied der Partei bewiesen«« Opserfreudigkeit mit Dankbarkeit zu begrüßrn. Er bekundet die richtig« Erkenntnis der Lage, in der es keine Partei, sondern nur «in von dem einmütigen Willen, das Vaterland bis zum letzten Atemzuge zu verteidigen, beseeltes Volk gibt. Zugleich ist er für die der Belehrung noch bedürfenden Feinde ein neuer Bciveis, lvie ansstchtlos die.Rechnung aus parteipolitische Spaltungen in unseren Reihen war.
Ferdinand Lasialle.
Zn seinem fünfzigsten Todestag.
Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Ferdinand Lassalle neununddrcißigjährig als Opfer stürmischer LiebcS- tcidenfchast in einem Duell sein Leben fortwarf. Als Begründer der deutschen Arbeiterbewegung, als Vorkämpfer der sozialen Demokratie in Preußen schmückt ihn geschichtlicher Ruhm. Nach einer andern Seite hin, die freilich mit seine: großen Hauptaufgabe in engster Verbindung steht, ist er uns aber erst in diesen Tagen wieder so recht lebendig geworden.
Die Zeit, in der Lassalle den Eigcnwuchs seiner geistigen Persönlichkeit entfaltete, bildet den Anfang einer geschichtlichen Periode, in der die Fragen der innern Politik stinter jenen der auswärtigen weit zurücktraten. Von 1853 bis 1871 herrschte, von kurzen Pausen unterbrochen, Krieg in Europa. Zunächst war es die Balkanfrage, die zum Krimkricg führte, 1859 kam es Uber die italienische Frage zum Krieg zwischen Franz Josef und Napoleon Hl-, 1864 folgte der dänische Feldzug, 1866 der Kampf um die deutsche Vorherrschaft zwischen Preußen und Oesterreich, 1870 endlich der dentsch-sranzösische Krieg. Das Ergebnis war ein einiges Deutschland mit Schleswig und dem Elsaß, aber ohne Dcntschösterreich, ein einiges Italien mit Vcnctien und der Lombardei, aber ohne Trentino und Küstenland, ein republikanisches Frankreich — und ein nngelöstcr Knäuel der Nationalitätenfragen von Bodcnbach bis Konstantinopel.
Ferdinand Lassalle erlebte nur den Anfang dieser Entwicklung. Aber dieser Anfang genügte, ihn in einen scharfen sachlichen Gegensatz zu seinem Freund und Lehrer Karl Marx zu bringen. Als im Jahre 1859 der Krieg ansbrach, den Napoleon III., gestützt auf Rußland, gegen Oesterreich führte, um Italien den Weg zur Einheit freizumachen, war Oesterreich noch deutscher Bundesstaat. Marx und Engels sahen in dem Einvernehmen zwischen Bonapartismus und Zarismus die schlimmste Gefahr für Europa, sie rechneten mit einem französisch-russischen Eroberungskrieg, der Rußland an den Bosporus, Frankreich an den ganzen Rhein bringen sollte, und wünschten, daß das ganze deutsche Volk die italienischen Positionen vorläufig als strategische Bollwerke verteidige. In diesem Sinn schrieb Engels, der die gleichen Gedankengänge in seiner Broschüre „Po und Rhein" verarbeitete, an Lassalle:
,,Viv« la guerre!" (Es lebe der Krieg!) wenn Franzosen und Russen uns zugleich angredfen, wenn wir dom Ertrinken nahe sind, dann in dief-er verzweifolken Situation müssen sich alle Parteien von den jetzt herrschenden bis zu Zitz uud Blum a-brmtzvn und die Nation um sich zu retten, sich endlich an die energischste Partei wenden.
Anders dachte Lassalle. Er sah in einem vom Volke gewollten Krieg gegen Frankreich das größte Unglück und fürchtete, Marx und Engels würden durch ihre Taktik diesen Krieg populär machen. Daß man der italienischen Einheitsbewegung im Interesse Oesterreichs, das er als die reaktionärste Macht Europas betrachtete, Hindernisse in den Weg legen konnte, galt ihm als unvereinbar mit dem demokratischen Grundsatz der nationalen Selbständigkeit. In seiner Schrift „Der italienische Krieg und die Aufgabe Preußens" zeichnete er in den Grundlinien durchaus richtig den Weg, den die italienischen und die deutschen Einheitsbestrebungen gehen müßten, und den sie dann in der Hauptsache auch wirklich gegangen sind. Die Einigung Deutschlands im Kampfe gegen Dänemark und Oesterreich wurde tatsächlich das Bismarcksche Programm der Jahre 1864 und 1866, vier Jahre später folgte die Abrechnung mit Frankreich, nachdem es der Staatskunst Bismarcks gelungen war, sich gegen Rußland den Rücken zu decken. Die Geschicklichkeit, mit der Bismarck seine Gegner vereinzelt zu schlagen verstand, haben wir heute zu bewundern allen Anlaß.
Durch die Hervorhebung des geschichtlichen Berufs Preußens und durch die Verwandtschaft seiner Gedanken mit den Grundzügcn Bismarckscher Realpolitik ist Lassalle zeitweilig in den Ruf eines preußischen Patrioten gckoinmen. Diese Legende ist aber längst zerstört. Aus zahlreichen zwingenden Beweisstücken, vor allein aus seinem Briefwechsel mit Marx ist erwiesen, daß Lassalle sein politisches Progranim in durchaus revolutionärer Absicht veröffentlicht hatte. Er zeigte in seiner Schrift einen Weg, der an sich richtig war, den zu gehen er aber die preußische Regierung für durchaus unfähig hielt. Wandte sich die öffentliche Meinung seinen Vor- schlügen zu und wurde die preußische Regierung zum Hindernis, dann mußte sich die Volkssiimmung gegen sie richten und inan war dem Ziel näher, das Lassalle selber gekennzeichnet hat als das „Deutschland inoins les dynasties" (ohne regierende Familien).
Es ist anders gekommen, und wie es kam, das konnte Lassalle nur zum Teile noch miterleben. Es kam die Zeit deS Konflikts, die wieder die innere Politik in den Vordergrund rückte und erwünschte Gelegenheit gab, die Loslösung der Arbeiterbewegung vom Liberalismus zu vollziehen. Die gemeinsame Gegnerschaft gegen das liberale Bürgertum brachte aber Lassalle abermals in eine gewisse Berührung mit seinem großen Gegenspieler: Bisniarck.
Das deutsche Kriegszeitalter von 1861—1871 stand vor der Türe, als die berühmten Unterredungen zwischen Bismarck und Lassalle stattfanden. Sicher hat das britische Stadium, in dem sich damals-die chrenßische auswärtige Politik-
befand, dazu bcigetragen,' die persönliche Annäherung'zwischen dem Repräsentanten der Zollernmoncrrchie und dem vielverfolgten Agitator zu erleichtern. Nicht ohne Vorbedacht hatte auch Lassalle seine große Agitation für das allgemeine, gleiche Wahlrecht in Preußen gerade in diese Zeit verlegt, denn schon damals galt der Satz,, daß Not die Regierungen denken lehrt.
Gewiß lag ein starkes Stück Jllusionskrast -darin, wenn Lassallc mit Bismarck wie von Macht zu Macht verhandeln zu können wähnte. Lassalle hatte keine Massen hinter.sich. Aber im Bewußtsein seiner starken Persönlichkeit,und als Trüget einer großen zukunftsreichen Idee fühlte er sich dem Meistet des diplomatischen Sck>achspicls durchaus ebenbürtig. Bis-i marck konnte glauben, es mit einem Manne zu tun zu haben, der stärker scheinen wollte, als er wirklich war, er konnte immer ans den Gedanken kommen, daß sich ihm in dem! Führer der snngen Arbeiterbewegung etwa ein neuer Agent! zur Durchführung seiner Politik anbietc. Er wußte, daß. ihm- einer gegenüber stand, der seinen eigenen Weg ging!
Ter Vorhang fiel über der Tragödie Lassalle nieder, noch" ehe der zweite Akt des großen weltgeschichtlichen SchauspietL begann. Blutend sinkt seine Gestalt beim Anbruch eineh! blutigen Zeit, und es ist müßig darüber zu phantasieren,! welche Rolle sie noch auf deni Welttbeater hättg.spielen können^ Ihr Charakterbild steht fest in der Geschichte.
Lassalle war in keinen: Augenblick seines-Lebens Hurra-! Patriot. Seine tiefe geschickstliche Einsicht und seine durch alle Hindernisse nur gestärkte zielsichere Willensstärke, be-j wahrten ihn vor dem Schicksal, zu einem gedankenlosen Mit-j läuser der Ereignisse herabzusinken. Wohl aber verstand er) daß die Politik der Arbeiterklasse, so selbständig sie sein wollte und sein mußte, die Lebensnotwcndigkeiten der Bolksgesamt-! heit, deren wichtigen Bestandteil sie bildet, nicht ignorierem darf. Den Sturm der Weltgeschichte konnte er weder anf-z halten noch lenken, aber auf dem Schiss der Arbeiterbewegung wollte er die Segel so stellen, daß es mit dem Sturm seinen eigenen Kurs steuern konnte. Ob sich feine Steuermannskunst! immer bewährt hat, ob namentlich im Streit um den italieni-i scheu Krieg er oder Marx-Engels recht hatten, ist eine Frag? von rein historischem Interesse, die hinter den großen Eng scheidnngen unserer Zeit weit zurücktritt. Wichtig bleibt abep gerade für unsere Zeit die Feststellung, daß die Klassiker des Sozialismus bei allen Meinungsverschiedenheiten doch.einig waren in der Absicht, nichts anderes als sozialistische und demokratische Arbeiterpolitik zu treiben. Sie wußten, daß sie und die damals noch kleine Schar ihrer Anhänger Volk und^ Menschheit nur dadurch dienen konnten, daß sie in Sturm und» Wogcndrang nie ans den Augen verloren, was das Ziel des! proletarischen Befreiungskampfes ist und bleiben muß.
Hessen und Nachbargebiete.
Bietzen und Umgebung.
— Gegen den Lcbensmittclwuchcr. Der preußische Mi-i nister für Handel und Gewerbe erläßt folgende Bekannt« machung:
Vielfach wird darüber geklagt, daß die Preise für Lebense Mittel auch im Großhandel unangemessen erhöht worden seien. Solche Preistreibereien waren schon verwerft sich, als sie in der ersten Bestürzung über die unvermeidlichen Verkehrsbeschränkungcn erfolgten, sie nötigen zu scharfeil Gegeninaßregeln, wenn sie jetzt, angesichts der Verkehrsart leichtcrungen iind des Standes der Ernte fortgesetzt werden.! Um den Kleinhandel und die Verbraucher vor Ueberteucrungj zu schützen, werden, da wo es nötig sein sollte. Höchst«j preise fü r den Großhandel festgesetzt werden. Nach dem Gesetz kann alsdann die Behörde die Vorräte übernehmen und zu den festgesetzten Höchstpreisen ans Rechming und Kosten des Besitzers verkaufen, wenn dieser sich weigert/ zu den Höchstpreisen zu verkaufen. Bei der Festsetzung von Höchstpreisen wird die normale Marktlage maßgebend sein und auf vorangegangene Preistreibereien keine Rücksicht ge-' nommen werden.
Dieser Erlaß ist gewiß sehr angebracht, allein er hätte vier Wochen früher kommen müssen; jetzt haben die Groß-! lieferanten ihr Schäfchen geschoren und die Konsumentenl ind die Leidtragenden.
— Tie prositlichen Bäcker. Auch in Frankfurt haben die Bäcker ihr Geschäft zu gut verstanden, wie ans einer Bekaiintinachnng des Polizeipräsidenten hervorgeht, die folgenden Wortlaut hat:
„Ans Grund mehrfacher Beschwerden ist festgestellt wo» den, daß hiesige Bäcker unter dem Druck der Mchltcucrung Brotlaibe für Vierpfünder verkauft haben, obwohl diese etJ hcvlich leichteren Gewichts waren. Nach dev Polizeiverordnnng vom 15. Januar 1880 sind Brotverkäufcr verpflichtet, Preise und Gewicht ihrer Brotsorten für den Zeitraum von je 14 Tagen durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufslokal bekanntzugebcn und einzuhalten/ Der Anschlag ist polizeilich abzustempeln. Bäcker, die sich, an das angegebene Gewicht nicht halten, ziehen sich Strafverfolgung wegen- Betrugs eventl. ZwangsvcrwaltnngS- Maßnahmen zu."
Ja, die Herren Bäckermeister wußten sich zu helfen und folgten in erster Linie dem Grundsatz: „vom Profit raucht der Schornstein."
— Meiischcnwcrt und Wclbfapitat. Tie täglich zur Verösscnt- lichung gelangenden Verlustlisten, die so viel Trauer über zahl reiche Familien bringen, rege» zu einer Schätzung des Wertes am der in jedem unserer Krieger steckt. Fn Friedcnszeiten hat mar den Wert der Menschen nicht geschätzt, wie cs jetzt angesichts des Massentodcs der Fall ist. Im Felde, da ist der Mann noch was ivert. Und dieser Wert sei nun auch wirtschaftlich in Ziffern auL- gedrückt. Vor einiger Zeit hat man Untersuchungen über den Wert des deutschen Volksvermögens angeftellt, hat aber bei diese» Schätzung nur die toten Güter und die Tiere berücksichtigt. Ran ist bis zu einem Wert von 350 Milliarden gelangt, indem man den Wert aller Vermögcnsstllckc in Geld ausgedrllckt und gewisser» maßen zu Geldkapital gemacht hat. Nun, wenn schon unser kapitalistisches Zeitalter alle Werte in Geld auszudrückcn beliebt, so kan» und darf man auch den Menschen nach der nämlichen Methode bewerten. Man wird dann sehen, daß der Wert der Menschen ganz crhebUch größer ist als der Wert der toten Güter und Tiere. Uvr die Bewertung der Menschen zu ermitteln, kann man verschiedene


