Ausgabe 
29.8.1914
 
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UniversitälSplatz cingeäfchert. Als der Brand einen großen Umfang anzunchmen drohte, wurde die Feuerwehr gerufen, die ein weiteres Umsickgreisen verhinderte.

Standrechtlich erschossen.

Fünf belgische Franktireurs wurden vom Kriegsgericht in Trier wegen entsetzlicher Greueltatcn zum Tode, ein Junge zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Todesurteil an den fünf wurde Mittwoch morgen auf den Matheiscr Schiessständen vollstreckt.

Zeppelin über Antwerpen.

Zerstörung der Gasanstalt.

Aus dem Großen Hauptquartier, 27. August, wird der Franks. Ztg. geschrieben: Im Anschluß an die Meldung von dem Erscheinen eines Zeppelins über Antwerpen inöchtcn wir noch bemerken, daß es dem Luftschiff gelang, durch einen Wohl- gezielten Wurf die Gasanstalt zu zerstören. Man konnte die Wirkung dieses Wurfes daran erkennen, daß plötzlich sämt­liche Lichter in einer Hälfte der Stadt erloschen. Ter Zeppelin wurde von den Belgiern heftig unter Feuer genommen, jedoch nicht getroffen ,und traf gänzlich unversehrt am 23. morgens um 4 Uhr auf dem Hciniweg über Lüttich ein.

Aus Frankreich.

Unzusriedenheit der französischen Presse.

In der französischen Presse beginnt man nach Mitteilungen der Frankfurter Zeitung, den offiziellen Kricgsnachrichten bereits Miss­trauen cntgcgcnzubringcn. Blätter wie Matin, Tcmps, Humanite und Petit Journal beklagen sich über die Abfassung der offiziellen kommunigues, die keine aenügendc Vorstellung von den Ereignissen gäben, auf die sie Bezug hätten. Es werde vieles verheimlicht, was gleich hätte gesagt werden können. Man erfahre cs erst durch aus­wärtige Blätter. Daher seien dann Berichtigungen oder Dementis, wie bei der Schlacht in Lothringen, nötig. Man solle sich davor hüten, die Oesfcntlichkcit zum Skeptizismus zu verleiten, indem man ihr nur einen Teil der Wahrheit sage.

Schutzmatznahme» im Louvre.

Im Pariser Louvre werben seit drei Wochen umfassende Mass­nahmen getroffen, um die Kunstschäbe vor Bomben der Zeppeline zu sichern. Sic wurden in. eiserne Kisten verpackt. Tic Statue der Venus von Milo und das Bild der Joconda wurden in Stahlkam­mern cingeschlosse». Der griechische Saal mit den Meisterwerke» des Phidias ist ganz mit Sandsäckcn ausgclcgt worden. Tie oberen Stockwerke des Louvre wurden ausgcräumt und in ein Lazarett umgcwandelt, von dem die Flagge des Noten Kreuzes weht. Zahl­reiche Gemälde wurden aus der Luxembourg-Galerie in bas ehe­malige Pricsterscminar an der Place St. Sulpice geschafft. Französische Stimme» über die Niederlagen in Belgien.

Ter Tcmps, der die drei ersten Tage der grossen Schlachten in Belgien kommentiert, gibt zu, dass es den Franzose» nicht gelungen sei, die deutsche, von einer Million Kämpfer gebildete Linie zu durchbrechen und dass sic sich infolgedessen hinter ihre Deckungs- stcllungcn zurückziehen müssten. Die Hoffnung, durch einen ent­scheidenden Erfolg diesen Krieg zu eröffnen, sei also enttäuscht wor­den.Journal des Debats" schreibt: Nach blutigen Kämpfen hat unsere Offensive in Belgien darauf verzichten müssen, die deutsche Linie zu durchbrechen. Das ist ein Misserfolg. General Joffre handelte richtig, den Kampf cinzustellcn, ehe er in eine Niederlage ausartcte. So sind wir geordnet in die Verteidigungsstellung ein- gerllckt.

Die Zeppelinbomben.

lieber die Wirkung der Zeppelinbomben wird dem Berl. Lokal- enzerger aus dem grossen Hauptguortier von gestern gemeldet: Vmi Namur z-uriickgekehrt, sahen wir in der Stacht von, 24. zum 25. August einen Zeppelinkreuzer Uber Lüttich, der in Fahrt nach Antwerpen befindlich war. Seine dortige Tätigkeit hatte durchschlagenden Er­folg. sowohl, was den angerichtetcn Schaden betrifft di« dortige Gasanstalt wurde zerstört, als auch in bezug aus den Eindruck, den di« Unternehnning nanientlich in England hervorgerufen hat Morgens gegen 4 Uhr kehrte der Zeppelin, obgleich heftig beschossen, über Lüttich uUnerschrt zurück, um seinen Hasen in Deutschland mif- zu suchen.

Oesterreich und Italien.

Anvgezeichnete Beziehungen."

Die Agenzia Stcfani meldet: Die von dem Petit Parisien um 23. August veröffentlichten Meldungen entbehren jeder Begründung. Die Beziehungen zwischen Italien und Oester­reich-Ungarn sind ausgezeichnet.

Das offiziöse Wiener Fremdcnblatt tritt der Ausfassnng entgegen, daß der Dreibund erschüttert sei, weil Italien neutral bleibe. Wenn Italiens Stellung im Mittelmccr be- festigt werde, sei das auch fiir seine Bundesgenossen wertvoll. Seit dcni Kriegsausbruch ist dies die erste sympathische Aeußerung gegen Italien, aus der auf eine Klärung des Ver­hältnisses geschlossen werden kann.

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 46

Hclgestads Jacht war jedoch keineswegs die erste nord- kändische, welche in diesem Jahre den Weg hierher fand; dicht an der deutschen Brücke ankerten schon eine Anzahl, allein sie war das erste Fahrzeug aus den Finnmarken, und kaum hatte sic den Hafen erreicht, als langhallcnder Jubel sie empfing.

Bergen war damals, wie auch noch jetzt, die vornchniste And reichste Hafenstadt in Norwegen. Zwischen sieben hohen Bergspitzen breitete es sich im Halbkreise um das ge- räumige Wasserbecken aus, mit welchem der Fjord hier schließ: und den schon im Mittelalter und zur Zeit der Hansa weit- berühmten Hafen bildet. Die deutschen Kansleute, welche Bergen gründeten, hatten die Stadt beinahe zu einer deut­schen gebracht. Oftmals hatten hier große Kriegsflotten ge- ankert und die Macht ihrer Landsleute unterstützt. Der Handel niit Hamburg und Lübeck zog Kauffahrcr zu Tausen­den, jahraus, jahrein, hierher, wo Holzhandel und Fisch­handel reichen Gewinn für die eingeführten Produkte boten. Wie Deutschland noch jetzt zum größten Teil Norwegen mit allen möglichen Waren versorgt, so war der norwegische Han- del dainals in noch höherem Grade in deutschen Händen, und obwohl die Zeit längst aufgehört hatte, wo Bergen eine Er­oberung genannt wurde, obwohl es kein deutsches Kriegs­schiff mehr gab, die Macht der stolzen Hansa längst gebrochen und begraben lag, und die Norweger in Bergen selbst die stolzen deutschen Handelsherren niit dem Schwert in der Hand unterworfen und zu friedlichen Mitbürgern gemacht hatten, so war dennoch der größte Teil der Kauflcute deutsch, und die reichsten und ersten Handelshäuser, die mächtigsten Speicher und Warenlager gehörten deutschen Besitzern.

Nach dem österreichischen csiege.

Die Presse Wiens spricht ihre Genugtuung darüber aus, daß die Russen nach den anmaßenden Aeußerungen Sasonows in der Rcichsduma von dein absichtlich verächtlich behandelten Oesterreich solche Schläge bekommen, die die Ucberlcgenheit unserer Waffen beweisen. Der moralische Eindruck auf die slawische Welt und den Orient sei vielleicht noch höher zu bewerten als der strategische Erfolg.

Oestcrreichischc Waffentaten.

Aus dem Kriegs-Prcsseguartier wird amtlich gemeldet: Tie aus Hvnvcb-Kavallcric bestehende fünfte Armeedivision hat am 18. August die Aufgabe erhalten, die russische Grenzstchcrung um Zbruz zu durchbrechen, um festzuflellen, ob sich dahintef stärkere Kräfte befinden. Bei diesem Versuch stieß unser« Kavallerie auf überlegene fci-ndliche Kavallerie, die von Infanterie Miterstützt wurde. Ter Feind wurde trobbem-zu die Flucht getrieben und verfolgt, bis sich russische Verstärkungen in befestigter Stellung zeigten, die sofort vmi den Honvcds angegriffen wurden. Dabei haben dies« grössere Verluste erlitten. Mit der Feststellung stärkerer russischer Kräfte in dieser Gegend war die Ausgabe gelöst. Tie Hon- vcds, die sich darauf in Satanow cinquarticrt hatten, wurden nachts von den Ortsbewohnern überfallen und zum Teil getötet, Ter Ort wurde infolgedessen strafweise niedcrgebrannt, Etn« genaue Angabe der Verluste ist noch nicht möglich.

Italien protestiert gegen die Annektion Aegyptens.

Tic Mailänder Union« erfährt, daß Italien die Prokla- micrung Aegyptens zu einer englischen Kolonie nicht zulasscn könne, und dadurch zu Gegenmaßnahmen wider seinen Willen gezwungen wurde.

Italienische Lobsprüche.

Die Tribuna veröffentlicht einen Bericht von soeben in Rom eingetroffencn Italienern über die ersten Kricgswochen in Berlin, der ganz erfüllt ist von Bewunderung über die patriotische Begeisterung der Bevölkerung, die Ordnung und Präzision der Mobilisierung und Truppenbeförderung und voller Anerkennung fiir die Behandlung der Fremden, auch der feindlichen Staatsangehörigen. .j

Russische Hetzarbeit.

Unter dem TitelDie russischen Agenten an der Arbeit" führt das sozialistische Organ in Sofia aus, dass die russischen Pan­slawisten die hiesigen Rnssophilcn mit Telegrammen überschwem­men, »m Bulgarien znm Bruch der Neutralität zu überreden. Zu­gleich wurden mit russischem Gold von der hiesigen russischen Ge­sandtschaft inspirierte Hetzblätter verbreitet welche gratis verteilt werden. Das Blatt erklärt: Wir wenden uns mit Abscheu von

dieser verbrecherischen Agitation ab, wir verachten die Werkzeuge des despotischen Russlands und protestieren energisch gegen den Verrat, der damit an dem Frieden und der Freiheit Bulgariens begangen wird.

Die türkische Mobilmachung.

Aus Wien wird mitgcteilt, daß die türkische Mobil­machung sich nicht gegen Griechenland richte. Die deutsche Militärmission bleibt weiter in türkischen Diensten und zwar ist der Leiter der deutschen Militärmission, General Liman Pascha, für die europäische Türkei bestimmt. Gegen diese Ernennung haben die Botschafter Rußlands und Frankreichs bei der Pforte Vorstellungen erhoben, die aber unberücksichtigt geblieben sind.

Besorgnisse in Petersburg.

Telegraaf meldet aus London: Nach Telegrammen anS Petersburg hat die Nachricht, daß sich die französische Armee zurückziehcn mußte, dort große Besorgnis erweckt. Englische Prahlereien.

Die Zeit erhält auf Umwegen die Times vom 42. August, deren militärischer Mitarbeiter schreibt, der FcldzugSplan Kitchencrs sehe einen langen Krieg vor. Kitchcncr fordere 500 000 Mann, um den Krieg fortzuschen. wenn die anderen Mächte erschöpft seien. Beim Friedensschluss müsse England allein das massgebende Wort sprechen. Selbst wenn alle Verbündeten zerschmettert würben, müsse England den Kamps fortseben, bis der Feind nicdergcbrochcn fei und da Russland mit dieser Methode nbcrcinstimmc, dürfe England auch bei einer vernichtenden Niederlage der Franzose» nicht den Mut verlieren, England sei eine Dogge, die ihre Fangzähne nicht eher lockere, als die Beute nicht wehrlos am Boden liege.

Zum Untergang derMagdeburg."

Ter 4911 vom Stapel gegangene kleine KreuzerMagde­burg", ein Schwestcrschisf derBreslau", die sich im Mittel­meer ausgezeichnet hat. ist eines der modernsten Schisse dieses Typs (4550 Tonnen Wasserverdrängung, Armierung 12 10 Zentimeter-Geschütze), das die deutsche Flotte besaß. Nicht

Die lange Häuscrreibe an der Westseite des Hafens, vor welcher die Ausladeplätze sich hinzogcn, wurde die deutsche Brücke genannt, und hier ankerte die Nordlandsflotte all­jährlich zu verschiedenen Malen mit ihren Stockfischen und Salzfischen, ihrem Lebertran, ihren Pelzen und Federn, hier luden auch die zahllosen Hcringsjachten ihre Beute aus, wenn, noch in halber Wintcrzcit, der reiche Fang bei Sküdcsnäcs im Gange war, und hier, in den engen tiefgewölbten Kontoren, wurden gewinnbringende große Geschäfte nach allen fernen und nahen Ländern Europas seit Jahrhunderten abgeschlossen. Die ganze Südseite des Hafens zeigte sich dagegen eingefaßt von ungeheuren Speichern, welche, über den Meercsarm hinausgebaut, so eingerichtet waren, daß aus ihren zahlreichen Stockwerken die unter ihnen ankernden Schiffe sofort beladen werden konnten. Hatten die Jachten an der deutschen Brücke ihre Vorräte ans Land geschafft, so steuerten sie dafür unter die Speicher des Kaufmanns, der die Ladung genommen, um mit den verschiedenartigsten Waren gefüllt zu werden, die sie nach Nordland und Finnmarken zurückschifstcn. In der Mitte des weiten Hafenbeckens endlich lagen die Schisse aller Nationen, Franzosen und Italiener, Spanier und Portu­giesen, samt den zahlreichen deutschen Fahrzeugen, welche auf die Ankunft der Nordlandsflotte warteten, und deren Mann­schaft den großen Bergenfahrer jetzt mit wcithallenden Hurras begrüßten.

Marstrand betrachtete voin Verdeck ans voll freudiger Empfindungen das Tal, die Stadt, den Mastcnwald und die Menschen. Ter Mai hatte hier schon den vollen Frühling gebracht. Da lagen Gärten und grüne blumige Auen, da lagen Landhäuser unter laubigen Bäumen, da zogen schöne Anpflanzungen und Frnchtfelder sich von Bergabsatz zu Absatz bis an die nackten Glimmcrmassen der Felsgipfel empor, aus deren Vorsprüngen die Forts Bergcnhans und Friedrichsborg

einem, wenn auch zufällig iin Augenblick des KainpfeS"ül>tzvj legencn Feind ist das schöne Schiss zum Opfer gefallen, foru dern einem Unfall, der in so überaus schwierigen Gewässern, wie cs die Jnselgcbiete des finnischen Meerbusens sind, und bei Nebel jeden bedroht, der etwas wagt. Die Tapferen, di« das Schiff dem Feind entgcgcnführten, haben bis zum letzter! Augenblick ihre Pflicht getan. .

Protest der Sozialisten gegen Englands Krieg.

Aus den nun vorliegenden englischen Zeitungen gewinnt man cm anderes Bild über die letzte Sitzung des Unterhauses, in dct Grcy die Teilnahme an dem Kriege verkündete.

Zunächst kamen die Zustimmungsrufe vorwiegend von der Rechten, wenn GreyEnglands Ehre" als entscheidendes Moment anricf, während die Linke schwieg und nur ihren Beifall ausdrücktc. als der Redner erwähnte, dass England unter der ietzigen Krise dis zum vorigen Tage lSonntag, den 2. August) Frankreich nichts anderes als eine diplomatische Unterstützung zugcsagt hatte: auch dass England keineswegs eine derartige Ehrenpflicht gegen Franko reich hätte wie dieses gegen Russland, lind als er die Worte sprach:Wir haben viele Jahre hindurch eine erprobte Freundschaft mit Frankreich gehabt", da wurde er durch den Zuruf unterbrochen: Und mit Deutschland!" Die Opposition griff auch nicht de» Schutz der belgischen Neutralität, sondern den Gesichtspunkt der Ab4 wehr der deutschen Gefahr in der Rcgierungspolitik an.

Ter erste Redner, der Führer der Arbeiterpartei Ramsay M a c d o n a l d, hätte die Regierung darin unterstützt, wenn sie sich darauf beschränkt hätte, Belgiens Neutralität wahren zu helfen) nicht aber nur um Frankreichs und Russlands willen zu den Waffen zu greisen.Gre» hat davon gesprochen, wasEnglands Ehre" er­forderte", führt Macdonald aus und fuhr sodann fort:Es gibt wohl keinen Krieg, auch nicht den verbrecherischsten, für den nicht Staatsmänner die Ehre der Nation berufen hätten. So war eS mit dem Krimkrieg, so mit dem Burcnkricg und so ist es jetzt. Was hat cs für einen Sinn, zu sagen, dass wir Belgien helfen müßten, wenn wir in Wahrheit uns in einen Krieg ein-q lassen, der Europas Karte ändern muh? Grcy hat nicht ein Wort von Russland gesprochen: aber man möchte auch gern darüber ein Wort hören. Wir möchten eine Vorstellung davon haben, was geschehen wird, wenn die Macht in Europa an Rußland übergeht. Unsere Freundschaft mit Frankreich, auch so wie Grcy sie schildert, kann keines der Länder berechtigen, sich um des anderen willen in einen Krieg cinzulasicn. Der Gedanke, dass Frankreich in Gefahr käme, aus Europa vertilgt zu werden, dass cs nicht mehr seine Rolle in der Zivilisation spielen könnte, i st eine absolute Absurdität: Grey hatte ja auch gesagt, dass Frankreich imstande wäre, sich selbst zu verteidigen. Aber der Gedanke selbst ist eine Ungereimtheit und kann keineswegs ein Eingreifen in den Krieg von unserer Seite rechtfertigen. Ich weiß, dass wir die Majorität des Hauses gegen uns haben: aber so war cs auch beim Burenkrieg, und darauf folgte der grosse Um* schlag von 4000. Wir bereiten uns nun darauf vor, dasselbe durch« zumachcn wie damals. Was auch geschehen mag und welchen An­griffen wir auch ausgesetzt sein mögen, so werden wir doch immer wieder sagen, dassEngland hätte neutral bleiben müssen, weil wir ans innerstem Herzen überzeugt sind, dass dies das Richtige gewesen ist und das eiinige, das mit der Ebrr der Nation »nd den Traditionen der jetzige» Regierungspartei übcrcingestimmt hätte."

K e i r H a r d i c von der Arbeiterpartei setzte die Kritik acaen GreyS Politik fort. Der bekannte Friedensfreund Morel! änsscrie, dass die wirkliche Ursache zu Englands Einmischung der von der föderalistischen Presse grossgezogenc Neid und das Miss­trauen gegen Deutschland wären,Wenn wir setzt in den Krieg gehen, so tun wir das ebenso sehr, um den russischen Despotismus zu bewahren, wie um Deutschlands ehrgeizige Pläne zu brechen. Und so wenig Sympathie ich für Deutschland und deutsche Rc« gierungsmcthodcn habe, so habe ich doch noch geringere für Russ« jand »nd russische Rcgierungsmcthoden," In ähnlicher Weis« sprach der Liberale Ponsoby, Campbell-Bancrmanns Nachfolger in Stirling Burghs:Wir stehen vor einem grossen Kriege und es ist widerwärtig, z» sehen, wie sich Leute leichten Herzens darein­finden, Das Kriegsficber hat schon begonnen." Der Redner schilderte die Strassendcmonstrationen vor dem Kricae. wie halb« trunkene Schreihälse von den Balkons der feinen Klubs aufge- muntcrt wurden. Das nennt man Patriotismus! Sir Edward Grens Rede zeigte, wie der Unwille gegen Deutschland viele Jahre lang wie eine Eiterbeule gewesen ist: jetzt ist er zum Ausbruch gekommen". Andere Redner wiesen auf die Not und das Elend siirden ärmeren Teil besBolkeS hin, die der Krieg im Gcsolge hätte: wenn der Hunger käme und die Masten nicht Brot kaufen könnten, würden sie cs selbst nehmen« und dann stände die Revolution vor der Tür.

Diese Reden der Opposition geben doch ein wesentlich anderes Bild von der Stimmung des Unterhauses als die offizielle Bureau- mcidung, die nur den Teil von Macdonalds Rede enthielt, der de« Schutz der belgischen Neutralität billigte und deshalb wie ein An­schluss an Grey ausschcn konnte.

Die Landwirtschaft und der Krieg.

Mit dem Nachlassen des Futtermittelangcbots ist die Schweinemast erheblich eingeschränkt worden. Die Westfälische Landwirtschaftskammcr macht jetzt darauf aufmerksam, daßj

ihre weißglänzenden Mauern ausstrcckten. Ein paar Ka­nonenschüsse fielen von der Hafenbatterie, bunte Flaggen ivehtcn von den Häusern der Kauflcute und von Schonern, Briggs, Galeassen, Barkschiffen und Fregatten, an deren Linie die Jacht vorüberging, um ihren Platz an der Brücke einzunehnicn, Ueberall gab es Tätigkeit, Matrosengesang an Winden und Krahnen, Geschrei und Grüße aus den Booten, Willkommenruf von alten Bekannten, Erkundig­ungen »nd Fragen, Gelächter und Glückwünsche. Marstrand fand sich plötzlich ans Klippen und Mccreswogen wieder in di« zivilisierte Welt versetzt, und er streckte ihr seine Hände ent­gegen wie einem alten teuer» Freund, der uns unerwartet in einer Wüste begegnet.

Noch che jedoch die schöne Jlda ihre Tone an 'einem detz mächtigen Hafcnblöcke befestigte, war ihr Deck init einer An­zahl alter und junger Männer gefüllt, die sich an Bord rudern ließen oder von einer Jacht in die andere sprangen, bis sie glücklich ihr Ziel erreichten. Es waren Makler und Kauf- lcutc, die Neues hören wollten, Helgcstad mit Fragen be­stürmten, ihn über den Ausfall der Fischernte auf den Le* fodcn ausforschten und seine Anssprüche, die so vieldeutig und ungewiß waren, wie seiner Zeit die des delphischen Orakels, mit Scherz und Ernst, Gelächter und Verwünsch­ungen beantworteten.

Der dänische Ansiedler von Balsfjord hatte inzwischen von fern gestanden und dem Getümmel zugeschaut, bis sein« Aufmerksamkeit sich ans einen Mann richtete, der erst ani Bord erschien, als die meisten sich wieder entfernt hatten. Hastig stieg er über die ansgcspanntcn Seile, bis er Helge- stad erreicht hatte, dem er schon von fern seine Arme entgegen­streckte und ihn in vertrauter Weise anredete.

(Fortsetzung folgt.) .