Ausgabe 
28.8.1914
 
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orfrndjt; manche Kcschäste. z. B. Mc Modewaren, Lcg!ii»eii wieder aufzuatmen. Aach ciniacn weiteren Aussührungen über die Dar- lchnskasie geht Redner noch auf die in der NcichStagssitzimg vom 4. August beschlossenen Gesetze ein. Von dem 2 t u n d u n g S - g c setze hält er nicht viel: in der Praxis könne es dem Schuldner nicht viel nutzen. Von einem Moratorium hat man viel geredet: cs ist nicht eingeführt worden und das ist gut. Arbeitslose sollte es eigentlich nicht neben: wenn 34 Millionen arbcitskräftine Leute im Felde stehen, so mutz es sür die übrigen Arbeit geben: dafür zu sorgen ist Aufgabe der ösfcntlichcn Körperschaften. Die Lage der Fndnstrie sei auch nicht zu pessimistisch anzusehc». Es liege auch im allgemeine» Interesse, daft die Geselligkeit nicht ganz aufgcgcbcn werde, cs sei gut, hier und da zusammcnzukommcn, da- durch werde auch das Wirtsgewerbc unterstützt. Fm ganzen sehe er die Lage heute viel optimistischer an als vor etlichen Wochen. Der Krieg iverde aber auch Gutes leiste». Zunächst habe er bewirkt, batz bas Volk, das vorher in Klassen und Parteien zerklüftet mar, als ein einiges Volk dastehc. auch der letzte Arbeiter habe sich zur Verteidigung des Vaterlandes bereit erklärt. Der Redner schlotz: er verurteile den Krieg, verkenne aber nicht, datz er notwendig war, er verkenne nicht, datz er das deutsche Volk zusammcngesührt hat: ein einig Volk von Brüdern! Lebhafter Beifall folgte den Aus­führungen des Redners. Zur Diskussion meldete sich niemand. Nachdem Grüncwald noch einige Erläuterungen über das allgemeine Bürgerliche Recht in der Kriegszeit gegeben hatte, schlotz der Vor­sitzende die Versammlung mit dem Hinweis, datz in einer späteren Versammlung noch weiter über die Fragen gesprochen werden solle.

Auskuustsstclle. Ter Wahlvcrein Gietzcn und das Gewcrk- schaftSkartcll haben eine AuSkunftsstellc errichtet, welche den Mit­gliedern in bezug auf Arbeitsrecht, Mietrccht, Arbeiter-Versicherung usw. Auskunft erteilen soll. Die Sprcchstunde » sind ans TienStag, Donnerstag und Samstag von 47 IIhr im Gewcrk- schaftshause festgesetzt.

KonfiszierteOrd»ungs"blät1er. Am Mittwoch wurde die

Ar. 190 des Frankfurter General-Anzeigers auf Anordnung des Generalkommandos b c s ch l a q n a h m t. Vorige Woche wurde auch eine Ausgabe der konservativ-bündlerischcn Deutschen Tageszeitung konfisziert, die gcwitz nie geglaubt hat, datz ihr das mal passieren könnte: sie. die oft genug Beschränkung der Prctzfrciheit und

namentlich Knebelung der sozialdemokratischen Presse befürwortet.

Fn unserem Magdeburger Partciblatt, wie auch in dem Esicuer sind öfter halbe und sogar ganze Spalten weitz, die von dem mili­tärischen Zensor gestrichen worden sind.

lieber Zunahme der Arbeitslosigkeit und städtische Matz- nahmcn wird aus H a n a n berichtet: lim der furchtbaren Arbeits­losigkeit cntgegenzutreten. hat die Stadtvcrwaltnug Erdarbcitcn vorgesehen. Sie ersucht die Arbeitslosen, sich in den Vormittags­stunden wegen Arbeit ans dem Rathanse zu melden. Gewährt wird ein Tagelohn von 3.29 Mark. Viele Arbeitslose, die in .Hanau ihren Wohnsitz haben, haben sich zum Ctratzeukehren gemeldet, darunter auch Kaufleute, Techniker. Gold- und Silberarbeiter. Mit weiteren RotstandSaktionen wird sich die Stadtvcrordueteuversaunnluna noch bcschäftlaen. Rach erst vierwöchiger Dauer des Krieges solcher Notstand!

Prozeß gegen den Frankfurter Titten-Polizeikommissar. Tie

Verhandlung an der Frankfurter Stvaskanimcr gegen den Polizel- kommissar Schmidt wegen Bestechung beginnt am nächsten Montag morgen mn 8 Uhr. Es sind zwei Tage vorgesehen. Den Vorsitz wird Landgerichtsdircktor Tr. .Hel-dmann fuhren. Mehr als 59 Zeugen sind zu der Verhandlung geladen. tz

Der Güterverkehr rauf der Eisenbahn ist ini Tirektionsbezirk Frankfurt a. M., als auch im Bereich der meisten übrigen deutschen Eiseubohnvcrwaltungen wieder ausgenommen. lieber Beschränkun­gen, die zurzeit noch im Güterverkehr mit einzelnen deutschen Ver­waltungen best-eben, zum Beispiel mit Stationen der Bezirke Köln, Saarbrijchen, Mainz, Lnbmigshraseii, Stratzbnrg !. E-, Bromberg, Königsberg, Danzig und Posen geben die Eilgut- und Güterabferti­gungen Auskunft.

ü Burgsolms. Die 19. Verlustliste der Kriegsteilnehmer be­richtet auch über den Tot eines hiesige» Sohnes,. Es betrifft den linkerofsizier Facob Schmidt, der beim Fnfantcrie-Rcgimeut Nr. 171 m Eolmar i. Elf. diente.

Aus Rodhcim a. d. B. wird uns von einem Bergmann mit- gcteilt, datz cs sich bei den in der gestrigen Notiz ans Heuchelheim erwähnten jungen Burschen, die in die Acpfclbäiimc geworfen haben, nicht imi Bergleute handeln könne. Denn auch die jugend­lichen unler diesen fahren stets mit den älteren zusammen nach .Haus« und letztere würden nie zngeben, datz die Burschen an das Obst gmgen.

Krei» Wetzlar.

ü. Langsame Verkchrsverbesicrung. Zwischen Wetzlar und G i c tz e n sind setzt zwei weitere P c r s o n c n z li g c mit Gcpäckvcr- kehr von der Eisenbahudlrektion Frankfurt eingelegt worden. Die Abfahrt in Wetzlar erfolgt 9.25 llhr vormittags und 9.25 Uhr abends.

«rei< Marbttra-Klrchhal«.

* Tod bei der Dreschmaschine. Zn Bügeln bei Marburg ge­riet ein Mann bei der Arbeit ran der Dreschn,aschine zwischen die Strohpresse und wurde t o kg c drückt. Er hintcrlätzt ente Frau mit drei Kindern.

X Laarivafscr. Die Ferieukainnrer des Landgerichts Mar­burg beschäftigte sich mit einer Auslage gegen einen Alaun ans dcni Kreise Biedenkopf, der in betrügerischer Absicht ans Branntwein und Klettenwurzelöl eine Mischung bereitet und dieses Gebräu als totsichcr wirkendes Haarwasser in den Handel gebracht hatte. Zwei Frauen waren der Bolihils« beschuldigt, weil sie die Ancrkcn- nuugSschrcibcu liescrtcn. Das Gericht erkannte gegen Heu Mann auf vier Wochen Gefängnis, während die beiden Mftangitlog- tcn Freisprechung erzirltcii.__

Telegramme.

Siegreiches Vordringen aus der ganzen Linie!

Mit acht Heeressäulen in Frankreich hinein!

Die Deutschen in Frank», eich von Cambrai bis zu den Sudvogesen.

Hauptquartier, 27. Aug. (W. B.) Tas beut, s ch c W c st h c e r ist neun Tage nach Beendigung seines Auf- niurschcs unter fortgesetzt siegreichen Kämpfen auf französisches Gebiet von C a ui b r a i bis zu den Südoogesen cinge- d r n n g e n. Ter Feind ist überall geschlagen und befindet sich in v o l l st ä » d i g c m Rückzüge. Tie Größe seiner Verluste an Gefallenen, Gefangenen und Trophäen läßt sich bei der gelvaltigen Ausdehnung der Schlachtfelder in zum Teil unübersichtlichen! Wald- und Gcbirgsgeländc noch nicht annähernd übersehen.

Tic Armee des Generalobersten v. K l u ck hat die eng­lische Armee bei Mau bei, ge geworfen und sic heute südwestlich von Maubeuge unter Umfassung erneut angegriffen.

Tie Armeen der Geueralubersteii v. Bülow und vvn Hansen habe» ctiun eicht Armeekorps französischer und belgischer Truppen zwischen Sambre, Namnr und Maas- in mehrtägigen Kämpfen v o l l st ä n d i g geschlagen und verfolgen sie jetzt östlich Maiibcngc vorbei. Namnr ist nach dreitägiger Beschießung gefallen. Der Angriff aus M a u b e n g c ist c i n g c l e i t c t.

Tie Armee des Herzogs A l b r c ch t von Württem­berg hat den geschlagenen Feind über de» Semois verfolgt und die Maas überschritten.

Die Armee des deutschen Kronprinzen hat bc festigte Skcllung vorwärts Longwv genommen und einen starken Angriff aus Verdun abgcwicscn. Sic befindet sich im Vorgehen gegen die Maas. Longwh ist gefallen.

Tic Armee des Kronprinzen von Bayern ist bei der Verfolgung in Lothringen von neuen feindlichen Kräften in der Position vor Nanev »nd a»s südlicher Rich­tung angegriffen worden. Sie hat den Angriff z«- rückgewiesen.

Tic Armee des Generalobersten v. H c e r i n g c n setzt die Vcrfoignng in den Vogesen nach Süden fort. Das Elsaß ist vom Feinde geräumt.

Der Gciicralqnarticrmeister v. Stein.

Vereinskalender.

Samstag, 29. A u g u st.

Gleiberg. Freie T n r n e r sch a ft. Abends k-9 Uhr Mit- glledcr-Bcrsaminlung tm Vereiiislokal.

Wicscck. Wahl verein. Abends punkt 9 Uhr Versammlung ini Vcreinskokalc. Alle Mitglieder, welche nicht emibcruftn sind, wollen erscheinen. Gesangverein S ä n g c r k r a n z. Abends 9 Uhr Generalversammlung. Erscheinen notwendig!

Aufruf.

Alle Untcroffizicrc und Mannschaften der Reserve, Landwehr I und II aller Waffen, die zurzeit eine gültige rote Kricgsbcordc- riing nicht in Händen haben, erhalten hierdurch den Befehl, sich sofort, spätestens aber bis 31. August 1914 bei dem zustän» digeu Bczirksfeldwebel persönlich zu melden.

' Befreit von dieser Meldung sind nur diefeiiigeii Eisenbahn- und Postbeamte, über die eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung dein Bczirkskommanbo ciiigercicht ist.

Unterlassung dieser Meldung hat Bestrafung-nach den Kriegst gcsetzcn zur Folge.

Gießen, den 29. August 1914.

Grotzh. Bczirkskoiiimaiido:

N a i, m a n n, Oberstleutnant und Bezirkskommandcur. . -

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. -s Verlag von Krumm & Cie., Gietzcn.

Truck: Verlag Osfcnbacher Abendblatt, E. m. b. H Offenbach a. M.

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