nmn ift nilfit imstande, die von London gesorbcrte Entsendung von üritifcfaen Truppen aus Ostindien nach Aegypten durch,uführen, da alle Strcitkräftc im Lande dringend benötigt werden. Ter indische Ni-ekönia ist von seinem Sommcrsttz nach Kalkutta zurückgckehrt ..nd bält täglich Beratungen mit dem HLchstkommandicrcnden.
Allerdings liegt die Möglichkeit nahe, dast die englische Spcku- fation mistgliiikt nnd zum politischen Bankrott des Weltreichs führt das gerade gefestigt und gekittet werden sollte, mit dem Blut Europas. Herr «reu. der Stockengländcr ist und nicht ein Wort cincr fremden Sprache kennt, fiat offenbar die Bcrfiältnisic allzu sehr nach den schlau sür ihn zurcchtgemachtcn Darstellungen der Times »nd ähnlicher, bestimmten privaten Interessen dienender
-Blätter beurteilt. . _ ....
Das Recht Deutschlands.
In der Newyorkcr Staatszeitung vom 9. August bc- findet sich folgende Mitteilung:
James Speyer, der an Bord der notgedrungen in Halifax cingclausencn „Maurctania" aus Europa zurückgckcfirt ist, erklärte nach seiner Ankunft in Newport ausdrücklich, dast Deutschlands kriegerisches Vorgehen eine durch das Interesse der Selbstverteidigung gebotene Notwendigkeit war: Deutschland sei keineswegs der Angreifer gewesen.
Die „Maurctania" - ist bekanntlich von einem deutschen Kriegsschiff verfolgt worden. James Speyer tragt also in dieser Stellungnahme in gerechter Weise der uns aufge- zwungenen Situation Rechnung.
Kosakeu-Greuel.
Der Pester Llopd bringt folgende Meldung: Vor einigen Tagen beschossen Kosaken die galizische Grenzstadt Brvdy und zogen dann in die Stabt ein. Dort angelangt, suchten sic einen Vorwand zum Plündern: beim Vorbeimarsch schosse» sie in jede Wohnung. Es gab viele Tote und Verwundete. Auch brannten sie hundert Häuser völlig nieder und plünderten die jüdischen Häuser. Zu ihnen gesellte sich der Mob und es gab einen regelrechten Pogrom. Als am' Samstag unsere Truppen erschienen, verließen die Kosaken nach zweitägiger Schreckensherrschaft ohne Schnst schleunigst die Stadt. Achnlich erging es an anderen Orten bis zum Eintreffen der Unsrigen. Ueberall steht man sliichtende halb wahnsinnige Mütter und Kinder. Aus dem Rückzüge sengen, plündern und morden die Russen auch auf russischem Grenzgebiet: die Unsrigen werden daher überall als Befreier begrüßt.
Die Bekanntgabe der Verlnfte.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht folgende Bekanntmachung des Ministeriums des Innern: Im Interesse einer schnellen und zuverlässigen Bekanntgabe der Verluste der Armee während des gegenwärtigen Krieges sind folgende Einrichtungen getroffen worden: Erstens, die Verlustlisten werden als Anlagen des Deutschen Reichsanzeigers und des Königlich Preußischen Staatsanzeigcrs veröffentlicht. Außerdem wird jeder Stelle, welche das Armee-Verordnungsblatt erhält, ein Exemplar der Verlustliste überwiesen. Zweitens, den Landrätcn wird eine Anzahl Exemplare der Verlustlisten . übersandt werden, um dieselben in ihren Bureaus und den 'Städten ihres Bezirks öffentlich auSzulegen. In den Stadt- kreisen erhalten sowohl die Magistrate als auch die etwa vorhandenen königl. Polizeiverwaltungen Verlustlisten zur öffentlichen Auslegung, namentlich in den Bureaus der Polizeireviere. Drittens, in allen Kreisen (Land- und Stadtkreisen) werden die Namen derjenigen Toten und Verwundeten, welche den betreffenden Kreisen angehörcn, aus- gezogen werden. Diese Auszüge sind neben den allgemeinen Verlustlisten öffentlich.
Die Militärbehörde in Brannschweig
geht mit seltener Schärfe, die unter der Arbeiterschaft grostc Aufregung hervorruft, gegen die Sozialdemokratie in Braunschweig vor. Genosse Wagner, Redakteur des Volksfrcund, erhielt vor einigen Tagen von dem Adjutanten des Brigadekommandos, dem nationalliberalen Rechtsanwalt und Stadtverordneten Weichsel, der jetzt Landwehrosfizier ist, eine Verwarnung wegen eines Volkssreundartikcls über das Moratorium. Am Samstag nachmittag wurde Genosse Wagner von der Straße weg verhaftet, angeblich, weil der Volkssrcund aufreizend gehalten sei. Was aufreizend sein soll, wurde dabei nicht angegeben, so daß die Redaktion des Volksfrcund auch jetzt noch nicht weiß, welcher Artikel beanstandet worden ist. Zn Braunschwcig ist auch der Militärboykott in der vorigen Woche den Landsturmleuten durch Uebcrreichung einer Liste von 20 verbotenen Lokalen erneut in Erinnerung gebracht worden, obgleich der Saal eines dieser Lokale zu einem großen Lazarett sür Verwundete eingerichtet wurde. In der Arbcitcrschast macht sich arge Mißstimmung über dieses Vorgehen bemerkbar. — Es ist selbstverständlich bei den maßgebenden Ober- bchörden Beschwerde eingelegt worden.
Aufhebung des Belagerungszustandes in Erfurt.
Das Erfurter Garnisonskommando, Generalmajor von Fressenius erjicß am Dienstag folgende Bekanntmachung:
„Die Außerkraftsetzung der Artikel 5, 6, 7, 27, 28, 29, 30 nnd 30 der Vcrfassnngsurkundc vom 31. Januar 1850, die in der Bekanntmachung vom 2. August verfügt ist, wird nicht mehr für erforderlich erachtet. Es werden daher die in der Bekanntmachung gctrofsencn Verordnungen zurückgenommcn. Eine Aenderung des durch allerhöchste Verordnung erklärten Kriegszustandes mit seinen gesetzlichen Folgen tritt infolge dieser Rücknahme nicht ein. Zugleich wird aus die Bekanntmachung des Kommandierenden Generals vom 31. Juli 1914 hingewiesen."
Hierzu wird uns noch berichtet, daß der Presse in Erfurt die Mitteilung zugcgangcn sei. die Zensur über die Presse sei aufgehoben. Auch der ZcitungSverkanf am Bahnhof ist der Tribüne gestattet worden.
„Ich kenne keine Parteien mehr."
Generalmajor v. FresseniuS in Erfurt hat für feinen Bereich weiter folgende Bekanntmachung erlassen:
„Ein Sonderfall gibt mir Veranlassung auf folgendes hjnzu- weiscn: Während der Ereignisse der letzten Zeit ist das in unsere tüchtige Arbeiterschaft gefetzte Vertrauen von dieser in jeder Weise gerechtfertigt worden. Dieses Vertrauen darf auch in Zukunst durch nichts erschüttert werden. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß bei Aufrufen zur Werbung von Arbeitern und Arbeiterinnen für den Dienst der Heeresverwaltung auf die Zugehörigkeit eines Teiles der Arbeiterschaft zu gewissen Organisationen während des Fricdcnszustandcs keine Rücksicht genommen werden darf. Es dürfen also vor allem hieraus Gründe sür die Ablehnung von Meldungen von Arbeitern und Arbeiterinnen unter keinen Umständen hcrgcleitct werden. Ein Ausschluß solcher Arbeiter und Arbeiterinnen würde der Verpflichtung, keine parteipolitischen Unterschiede im Heeresdienst zu machen, widersprechen.
Japanische Staatsgclder beschlagnahmt.
Nach eines: Meldung aus Frankfurt a. M. hat das Reichs- schatzamt die Beschlagnahme der japanischen Staatsguthabcn in Deutschland in die Wege geleitet.
^ Ein Luftkrenzer tut feindlichen Leiter.
Der Berichterstatter der Neuen Freien Presse meldet ans dem Hauptquartier, daß das L u s t s ch i f j „S ch U t t e - L a n z" nach 13 irahrtstimden 1000 Kilometer zurückgelegt hat. Obwohl es dreimal in icmdlichem Feu-cr war nnd 25 Schüsse in den Hinteren Gaszellen erhielt, konnten wichtige Bcobachtung-cn ausgcfiihrt wevd»l. Die Ballvirhülle wurde während der Fahrt repariert, Die Besä tzung
i st unverletzt. Gewehrschüsse durchschlugen in 2000 Meter Höhe den Blochboden der Gondel nicht. Fm Hauptquartier wurden die Lustschisser dcgeistcrt empfangen - „Schüttc-Lanz" trat seine Rück- sahrt über österreichisches Gebiet, au.
Die Deutsche» iu Riga.
Aus Anfrage einer Hamburger Firma bei einer Firma in Riga über die Sicherheit der Deutschen wurde ans Umwegen telegraphisch mit getollt, daß in Riga alles in größter Ruhe und das Schicksal der Ausländer durchaus geordnet sei.
Gefangene.
Aachen, 20. Aug. sPriv.-Tcl.) Unter den Gefangenen, die gestern Nacht den Bahnhof Aachen passiert haben, befanden sich bei- gische Artilleristen von den Forts mn Namur, ferner Zuoven, Turkos und englische Kavalleristen.
Schwedische Stimmung.
Sven Hedin begann seine auf 115 schwedische Städte berechnete Vortragsrcifc, um für den Anschluß Schwedens und der übrigen beiden skandinavischen Reiche an den Drei- bund zu agitieren. Die schwedische Negierung hat kein Verbot der Vorträge Sven Hcdins erlassen.
Japanische Truppenlanduttgen in China.
Nach cincr Meldung der Frankfurter Zeitung aus Peking erschienen bei Laitschaufu zwei japanische Kreuzer, um Truppen zu landen. Laitschaufu liegt 120 Kilometer von Kiautschou entfernt. — Nach cingegangenen Berichten wnr- den mehrere deutsche Handelsschiffe gekapert, der deutsche Handel ist unterbunden.
Neuer Kurs in Nordschleswig?
Amtlich' wird gemeldet: Mit der Vertretung des be
urlaubten Oberpräsidcnten der Provinz Schleswig-Holstein, von Bülow, ist Staatsminister v. Moltkc beauftragt worden.
Herr v. Moltke gilt als dänenfrcundlich. Der „Urlaub" des für die Mißhandlung der nordschleswigschen Dämssi verantwortlichen Herrn v. Bülow wird sich bald in einen „Abschied" verwandeln.
Entschädigung der ans Belgien vertriebenen Dentschetr.
IV. 8. Als Rcichskominiffar zur Turchführnng der durch Ansrilf vom 18. August ciiigelcitctcn Erörterungen über belgische Gewalttätigkeiten gegen Deutsche wurde der frühere Direktor im Reichsamt des Innern, Just, bestellt. Tic Gc- schäftsstellc befindet sich im Rcichsamt des Innern.
Deutscher Nachrichtendienst in Amerika.
Telegraaf meldet ans London: Der deutsche Botschafter Graf B e r n st o r f s ist gestern abend in Newyork cingctroffcn, begleitet von dem Staatssekretär a. D. Dr. D e r n b u r g. Dr. Dernburg erklärte es als seine Mission, amerikanische Unterstützung für das Rote Kreuz zu gewinnen. Ein neues de n tfchesNach richtend ii reau in Newyork veröffcnt. licht ein Interview mit Graf Bernstorff, in welchem dieser gegen den schändlichen Ueberfall Deutschlands sowie dagegen protestiert, daß England bei der gelben Rasse Hilfe suche. Keine Beschäftigung der Kriegsgefangenen.
IV. ß. Zn den mancherlei falschen Gerüchten, bi« gegenwärtig aiefslackcrn mtö unnötige Besorgnis verbreiten, gehört auch die merkwürdige Behauptung, daß di« Gefangenen in den Bergwerken verwendet werden sollen. Dies« Absicht besteht nirgends. Ebenso sind di« Zentralbehörden im Reich nnd in Preußen, ebenso die meisten anderen Bundesstaaten der Aufsassimg, daß im allgemeinen Kriegsgefangene nicht eher zu Arbeiten verwendet werden sollen, solange sür die fragliche Beschäftigung einhci-nnsch: Arbeitskräfte zur Bcr- fiiguiig stehen.
Englische Beute.
IV. 8. Tie Blätter melden ans Falmoitth: Der holländische Dampfer Potsdam traf hier von Newyork kommend mit 400 deutschen Reservisten und einigen österreichischen Dienstpslichtigcn ein. Ti« deutsche Post wurde bcschlagyghyit und die Reservisten zu Gefangenen gemacht.
Die Deutsche» tu Marokko.
IV. ß. Nach einer Mitteilung des kaiserliche» Geschäftsträgers in Tanger sind Deutsche in Tanger bis zu seiner Abfahrt von den marokkanischen Bohörden nicht behelligt worden. Sic flüchteten größtenteils nach Cadiz.
Ein Attentat ans Vandervelde.
Nach cincr Privatmcldung aus Rasendal in Holland ist gegen Emil Vandervelde, den Tozialistensührcr, der bekanntlich in das belgische Ministerium cingctrclc» war, gesiern morgen, als er mit seiner Gattin in Antwerpen eine Automobil-Tpazicrsahrt unternahm, ein Rcvolvcrattcntat verübt worden. Drei Kugeln durchdrungen den Wage», ohne die Jnsasscn zu verletzen. Die Meldung vermutet, dast der Attcnlätcr ein Sozialist sei, der mi! der Haltung Banderveldes in der Kricgsfrage nicht cinverstandc» ist.
Das »cuc Ministerium vor nationale» Verteidigung in Paris.
In der Absicht, dem französischen Ministerium eine breitere Unterlage zu geben, hat Viviani dem Präsidenten die Abdankung des Ministeriums übergebe». Sic ist angenommen worden und Viviani ist mit der Neubildung betraut loordcn. Dieser hat dem Präsidenten solgcndc neue Liste unterbreitet: Viviani, Minister
präsident: Brian, Justiz; Delcassö, Acußercs; Maloy, Inneres: Millcrand, Krieg: Augagncur, Marine: Ribot, Finanzen; Tarrant, ltntcrricht: Tcmbot, össcntlichc Arbeiten; Thomson, Handel:
Donmcrgnc, Kolonien: Fernand David, Landwirtschast »nd Jules Gucsde ohne Porteseuillc.
Das Londoner Unterhaus nnd Belgien.
\V. B. Aus London wird gemeldet: Im Untcrhansc teilte der Ministerpräsident Asquith unter lautem Beifall mit, er werde morgen eine Aürcsic an den König beantragen, in der dieser gebeten werden soll, dem Könige der Belgier die Sympathie znm Ausdruck zu bringen, die das Unterhaus dem Schicksa! des tapscrcn Belgiens cntgcgcnbriugt, das sich gegen die lcichtscrtige Invasion seines Gebietes gewehrt habe. Gleichzeitig soll dem belgischen Könige die Versicherung gegeben werden, daß England die Anstrengungen Belgiens seine Unabhängigkeit und Neutralität zu sichern, in jeder Weise unterstützen werde.
Ein deutsches Kriegsschiff vernichtet.
W. B. Berlin, 27. August. S. M. Kleiner Kreuzer „Magdeburg" ist beim Vordringen im Finnischen Meerbusen in der Nähe der Insel Ldcnsholm im Nebel aus Grund geraten. Hilseleistung durch andere Schisse war bei dem dicken Wetter unmöglich. Da cs nicht gelang, das Schiss abzubringcn, wurde es beim Angriss weit überlegener russischer Streitkräste in die Lust gesprengt und hat so eine» ehrcnvollcu llnlcrgang gesuadeu. Unter drm srindlichcn Feuer wurde vom Torpedoboot „V 20" der größte Teil der Besatzung des Kreuzers gerettet; es wird Donnerstag in einem deutschen Hasen cintresscn. Die bisherige Berlnstlisti ergibt 17 Totr, 21 Verwundete und 85 Vermißte; darunter den Komuiandantcn des Krrnzers. sAiytlich i . ..... - ^
Eine kühne Reiiertat der ungarischen Landwehr.
Wien, 27. August. Eine amtliche Meldung deS Kriegspresse^ quarticrs besagt: Honvcdkavallcrtc der 5. Division hatte au»
10. August den Austrag erhalten, die russische Grcnzstcherung bei Zbrul zu durchbrechen, nm scstziistellen, ob dahinter stärkere russische Kräfte versammelt sind. Sic stießen aus überlegene feindliche Kavallerie, die von Infanterie unterstützt war. Trotzdem wurde der Feind in die Flucht geschlagen nnd solange versolgt, bis die Russen Verstärkung erhielten. Auch diese wurden von den Honveds angegrisscn. Sic erlitten dabei aber schwere Verluste. Da ihre Ausgabe gelöst war, zogen sie sich wieder zurück. In dem Dorfe, w, sie übernachteten, wurden sie von den Bauern übersallen «nd viele von ihnen meuchlings getötet. Das Dorf wurde zur Strasc nieder, gebrannt.
Einr Sammlung französischer Soldaten sür unser Rotes Kreuz.
Wie aus Straßburg gemeldet wird, haben verwundete Fron« zosen, die im Genesungsheim der elsäsfischcn Landesverstchcrungs» anstatt zu Schirmeck »ntcrgcbracht sind, eine Sammlung zngunsteiz des deutschen Roten Kreuzes, die 78,90 Mk. ergab, veranstaltet.
Eine Hilfsaktion sür Industrie »nd Handel.
I» München fand unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters ». Barsch! gestern eine Vrrsammlung von Vertretern der Großindustrie, des Großhandels und der Großbanken statt, nm die Gründung cincr Kricgskrcdilbank zu brschließcn. Es wurde» 40 Millionen Mark gezeichnet, dazu kommen noch 2 Millionen Mark Garantiesumme der Stadt München, so daß die Reichöbank einen Kredit von 42 Millionen Mark zur Verfügung stcllrn wird. Die Mittel sollen dazu dienen, insbesondere dem kleinen Handel und Gewerbe die Möglichkeit znr Fortführung ihrer Gkschäste zu ver» schassen.
Hessen und Nachbargebiete.
Gietzen und Umgebung.
— Allerlei gute Mahnungen. Von der Handelskammer. wird uns folgendes geschrieben: Im gegenwärtigen Zeitpunkts werden an die Zahlnngskrast des Kaufmanns und Gewerbetreibenden außerordentliche Anforderungen gestellt. Die aur' Versorgung der Bevölkerung notwendigen Warenbezüge' müssen jetzt von den Gcschüftstrcibendcn bar oder sogar inti boraus bezahlt werden; dies ist ihnen ober nur dann möglich, wenn ihnen ihre Ansständc beglichen werden. Es ergeht deshalb insonderheit an die bemittelten Kreise der Bevölkerung die dringende Bitte, die Waren nach Möglichkeit gegen bar cinznkaufen nnd alle Rechnungen ohne Zögern zu bezahlen, damit der Kanfniann nnd der Gewerbetreibende in dieser schweren Zeit in den Stand gesetzt werden, ihren eigenen Vcr- pslichtnngen vollständig nnd pünktlich nachznkoninien.
Soweit die Handelskammer. Sic sollte aber nicht allein; znr Barzahlung ausfordern, sondern nuch die Groß»! I i e f c r a n t e n zu ettvas mehr Rücksicht. Den kleinen. Geschäftsleuten ist es incist gar nicht möglich, jetzt bar oder gar voraus zu zahlen, während sie in gewöhnlichen Zeiten, mindestens 3 oder auch 6 Monate Ziel haben. Gegen solches Verlangen wendet sich auch gestern ein Artikel der Fr. Ztg., der vielen Kreditgebern und Banken Egoismus und Rücksichtslosigkeit vorwirst. Zweifellos mit Recht, denn man kann' der Frankfurter Zeitung sicher keine Voreingenommenheit gegen jene Kreise vorwersen. Das Blatt führt dabei eine Reihe Beispiele an, wie rücksichtslos von großen Firmen vorgegangen wird.
„Es ist eine ebenso unbillige Ausnutzung —sagt es —> wenn eine große Finna ihren Schnldneni androht, daß sie ihnen bei jeder Verzögerung der Zahlung hohe Verzugszinsen; in Anrechnung bringe; wenn ferner eine der größten Privat- Montanunternehninngen erklärt, daß sie einstweilen keine Zahlungen leiste, während die mittleren und kleinen Geschäfts-! lcute, die ihren Gläubigern gegenüber sich nicht ans diesen kühlen Machtstandpunkt stellen können, unverändert Zahlungen verpflichtet bleiben; wenn solvente Firmen, dick bisher bar bezahlen »nd dies offenbar auch weiter könnten, jetzt die Gelegenheit benutzen, nm von ihren Lieferanten einen Ertrarabatt zu erpressen nnd sogar mit der Entziehung der Kundschaft drohen, falls dies nicht schlankweg bewilligt wird; wenn Preisaufschläge gemacht werden nicht nur zum! Ausgleich tatsächlicher Mehrkosten bei der Herstellung, sondern' auch ans die alten, zu Friedenspreisen erzeugten Lagerbeständp und anderes mehr."
Auch ihren Arbeitern nnd Angestellten gegenüber ver-: bündcn sich die wirtschaftlich Mächtigeren zu schofelster Lohn- drückerei. „Firmen haben sich zusammengetan, nm gemein^ sam das Gehalt ihrer Angestellten und Arbeiter zu kürzend auch solche Einzelfirmcn, die für» sich einen solchen Schritt hätten vermeiden können und deshalb vermeiden müssen, haben durch diese Verabredung ihr Gewissen beruhigt." —-
So benutzen die Großen, die Kapitalbesitzer und Patent- Patrioten den Krieg zu ihrer weiteren Bereicherung nnd zur! Erhöhung des Profits. Das arbeitende Volk aber muß bluten! und die Kosten bezahlen.
— Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und Krieg, lieber dieses Thema sprach Toiiucrstag abend Herr Bei«. Justizrat Grüne-, io a l d in cincr gut besuchten össentlichcn Versammlung des Bürgervercins zu Gießen im Saale des Eafö Leib. Der Vorsitzende Lehrer V. Müller begrüßte die Erschienenen und auf seine Aufforderung erhob sich die Versammlung zu Ehren der Gesallcncn von den Sitze». — Justizrat G rünen> ald erklärte z» Beginn seines Vortrages, daß cs kaum möglich sei, sich strikte au die Tagesordnung zu halten. Eigentlich wären setzt mehr Taten als Worte nötig: doch, so sehr uns die Ereignisse in Anspruch nehmen, müsse» wir a»ch de», Worte ci»e Stätte geben, die AnSsprachc kann immer nützlich sein. To vielgestaltig das Wirtschaftsleben ohnehin ist, bringt der Krieg immerhin eine Reihe verwickelter Frage». An sich allerdings werden die Rechtsverhältnisse dnrch den Krieg nicht geändert. Aber je mehr mau sich mit den Fragen beschäftigt, desto mehr stößt man aus Schwierigkeiten. Man kann das Material kaum überblicke»; cs ist ja auch geplant, daß ein RcchtSauS schuß von der Stadt errichtet wird, der Auskunst an Rcchtssuchendc erteilen wird. — Vor dem Kriege lag das Wirtschastslcben darnieder, wie seit langem nicht — der Krieg brachte gewissermaßen eine Erlösung aus der Spannung. Seit langem war man darauf vorbereitet; die Schüsse von Tcrajcwo waren nur das Signal. — Unsere finanzielle Rüstung war die denkbar beste, dank der Organisation nnd dem vorsichtigen Gebaren der Reichsbank. Natürlich entstand dnrch den Krieg eine schwere Krise. Doch wurde die Ernte gut eingebracht und die Ernährung dürste gesichert sein. Auch die entstehende Panik wegen des Papiergeldes wurde bald überwunden. Die neu errichtete Reichsdarlehenskasse wirkte günstig dabei mit, wenn man auch damit vereinzelt nicht zufrieden war. Dieses Institut läßt sich noch weiter ausgcstalten; sehr cinsach ist das zwar nicht immer. — Die Banken haben zweifellos Verdienste »ni Hebung von Handel und Industrie, aber in der sctzigc» Zeit haben sie versagt. — Die Leben» m ittelpreis c, die erst rapid irr die-Hphe gingen, wnrdcmbaid-wiederKiuj-normalcs Maß zurück-


