Ausgabe 
27.8.1914
 
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Champagner und Kognak werden die Angehörigen 'unserer besseren Kreise sicher nicht verzichten wollen!

Vom Zuge überfahre». Im Giehcner Giiterbahnhof wurde ani Dienstag der Hilssweichcnstcller Siegel aus 'Fronhausen a. d. Lahn von einen, vom Rangierbcrg ab- 'laufenden Wagen erfaßt und sofort getötet. Jedenfalls war der Verunglückte an einer Weiche beschäftigt und hat den heraukommcndcn Wagen nicht bemerkt. Siegel war ver­heiratet und hintcrläßt Familie.

Der gestrige Hanptviehmarkt i» Frankfurt brachte abermals einen ganz erheblichen Prcisfall in allen Viehgatlungen, vor allein bei den Schweinen. verblieb von den 2203 aufgctricbenen Schweinen nach gedrücktem Handel ein Ucbcrstand.

Die Kolonie Togo, deren Hauptstadt Lome vor kurzem von

den Engländern besetzt worden ist, wurde im Jahre 1884 von Deutschland in Besitz genommen. Das Land umsastt einen Flächen­raum von 87 200 Quadratkilometer» und zählte nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das Deutsche gleich im Jahre 1012 rund 1 Million Einwohner: 345 Weiße, zumeist Deutsche, befanden sich darunter. Eine Tchutztrnppe wird in Togo nicht unterhalten. De» Sicherheitsdienst versieht ein Polizciausgcbvt von 500 Mann, 500 Farbigen und 0 Weißen. 308 Schulen, von denen zioei evan­gelische und eine katholische Missionsgescllschast 305 verwalten, wur­den Ende 1912 gezählt. Insgesamt erhielten darin 14 853 Schüler Unterricht. 14 Post- und 18 Tclegraphcnvcrwaltungcn dienen der Aachrichtcnvcrmittlung. 323 Kilometer Eisenbahn sEnde 1912s be­wältigten einen ziemlich umfangreichen Personen- und Güter­verkehr. Lbwohl Togo die kleinste der festländischen deutschen Uebersce-Kolonicn ist. gehört sic mit zu dem wertvollsten Kolonial­besitze des Reiches. Togo ist die einzige deutsche Kolonie, die seit einigen Jahren ihre Vcrwaltungskostcn aus eigenen Mitteln be­streitet und keines Reichszuschuffcs bedarf. Ihr Außenhandel ist ziemlich lebhaft. Tic Einfuhr betrug 1912 dem Werte nach rund 11,4 Millionen Mark, die Ausfuhr rund 10 Millionen Mark. Deutschland ist mit 0,2 Millionen Mark an der Ausfuhr und 2,7 Millionen Mark an der Einfuhr beteiligt. Die hauptsächlichsten Ausfuhrgüter Togos sind: Palmkcrne, Baumwolle, Kautschuk,

Baumwollsamcn, Mais, Kakao und Palmöl. Eingesührt werden vor allem Erzeugnisse der Eisen-, Kohlen-, Textil- und Alkohol- Industrie.

Einmachcn von Bohnen. Di« Bohnen werden gewaschen, von den Fäden befreit und sein geschnitten. Sodann werden sie lagen- iveise mit Salz. Pfcsferkörnern und Bohnenkraut fest in Steingefäßc gepackt, wobei man auf 10 Pfund Bohnen 1 Pfund Salz rechnet. Auf die Bohnen kommt ein runder Holzteller, der mit einein Stein be­schwert wird. Bor dein Gebrauch müssen di« Bohnen gut abgewaschen iverden. Das erste Kochwasser wird abgegossen und dann das Ge- niüse mit Schiveinefleisch oder Speck, eventuell auch Kartoffeln, gar gekocht. '

Heuchclheim. Die Witwe W. St. von hier, eine Fabrik­arbeiterin, besitzt ein Baumstück zwischen der Robheimer Kreisstraße und dem Wege nach dem Heuchclheimcr MUHlchen, Acpfcl- und Birncnbäume, die mit edlen Sorten Früchte gut behängen sind. In der letzten Zeit bemerkte die Besitzerin, daß das Gras i» dem Stück zertreten ist und mit Steinen nach den Bäumen geworfen worden war. Es gelang ihr nicht, die Frevler zu ermitteln, ivcshalb sie ihren 75jährigcn Vater beauftragte, einmal aufzupasscn. Dieser ftand am Freitag voriger Woche nachmittags in einiger Entfernung von dem Stück und beobachtete, daß eine Anzahl Bergleute aus Rodheim und Fellingshausen auf ihren Rädern heimwärts fuhren. Während die älteren Leute ruhig vorüberfuhren, kamen schließlich zwei junge Burschen, stellten ihre Räder beiseite und der eine hatte zivci saustgroßc Steine und wollte eben in die Bäume werfen, als ihm der alte Mann zuries, er solle die Sache sein lassen. Da schrie der Biirsche:Komm cmol erüivwcr, dci zwie sSteincf kriestc on Kopp, ders de verreckst!" Am Samstag stand der Mann ivicder auf dem Platze, als die zwei Burschen wieder kamen mit noch zwei anderen. Als sie den alten Wächter stehe» sahen, verhöhnten sic ihn und schrien?Da steht das alte Gewittcroos wieder! Er soll hcrüberkommcn: wir schlagen ihn tot und hängen ihn am Baum, daß ihn die Raben fressen." Solcher schütten Redensarten führten sic noch mehr. Das ist doch wirklich eine Roheit und man sollte doch verlangen, daß jeder jiingc Bursche heutzutage soviel Ver­ständnis und Bildung hat, bas Eigentum anderer zu achten.

Gedern. Vor einigen Monate» wurde in Frankfurt ein großer Warcndiebstahl entdeckt, der viel Aufsehen erregte. Besonders auch hier in Gedern, da ein hiesiger Kaufmann, Gustav Bliinienthal in die Affäre verwickelt war. Dieser hatte Stoffe in erheblicher Menge von dem Handlungsgehilscii G r U n c b a u m gekauft, welcher diese in der Frankfurter Kleiderstoffhandlung von L. Bcucr, wo er angcstcllt war, gestohlen hatte. I», Laufe der letzten zwei Jahre soll er seinem Prinzipal mehr als für 10 000 Mark Waren gestohlen haben, die er dann in verschiedenen Orten billig verkaufte. So hatte er auch hier in Blumcnthal einen guten Abnehmer. Gegen diesen wurde ei» Verfahren wegen Hehlerei cingeleitct und am Samstag kam die Sache vor der Frankfurter Straskainmcr zur Verhandlung. Sie endete mit der Verurteilung Blumenthals zu acht Monaten G e s L » g n i s. Der Dieb Grllnebaum erhielt 2 Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust.

Kreis Wetzlar.

X Arbeitslosigkeit im Dillkreise. In dem mit Industrie stark kurchsctzten Dillkreise hat die Arbeitslosigkeit einen bedenklichen Umfang angenommen. Ein Werk nach dem anderen legte den Be­trieb still: >n Niederscheld, Sinn, Hcrborn, Burg, Tillcnburg und .anderen Orten. Aus dem Kreise Biedenkopf kommt die gleiche Klage. Insbesondere sind cs die Werke des Hcsscn-Nassauischcn .Hüttenvereins, die zumeist den Arbeiter» die Pforte verschlossen haben, darunter Großbetriebe, von denen jedes Werk über 1000 Ar­beiter beschäftigt. Kalt wurde von einzelnen Unternehmern erklärt: Wir schließen den Betrieb solange der Krieg dauert! Solche Maß­nahmen müssen in kürzerer Zeit unsagbares Elend in unzählige Arbeiterfamilien bringen. Da klingt cs fast wie Hohn, wenn kürz­lich in einen. Landort in der Nähe von Sinn ctn Pfarrer von der .Kanzel erklärte, daß die Leute froh sein sollten, wenn sic für die ^Beköstigung schasse» könnten. Wie wäre cs, wenn da der hochchr- würdige Pfarrer mit gutem Beispiel voran ginge. Wenn er ande­ren diesen Trost spendet, müßte es für ihn doch ein leichtes sein, auf den größten Teil seines Gehaltes zu verzichten und cs den armen Mitgliedern seiner Gemeinde zukommcn zu lassen, die nichts zu nagen und zu beißen haben. So würde er praktisch sein Brot mit den Armen wir zitieren hier ein bekanntes Bibclwort brechen. Ob er aber mit der nackten Beköstigung vorlieb nehmen ivird, wagen wir vorläusig sehr zu bczweiscln. Seine Predigt gilt

für die andern. In den Werken, die noch in Betrieb sind, treibt der Krieg recht seltsame Blüten. Ein S i n n e r Unternehmer mutet seinen Arbeitern zu, nicht weniger wie 30 Prozent ihres Lohnes für die Kricgsfürsorgc nachzulassen. Da wird nicht lange gesackclt. Ein Anschlag macht bekannt, die 30 Prozent werben ab­gezogen und nachher in der Qcffcntlichkcit damit geprangt. In Hcrborn macht ein Unternehmer seine Arbeiter durch Anschlag auf die schweren Zeiten aufmerksam, macht sic zur besonderen treuen Pflichterfüllung und fleißigster Arbeit und betont sonebenbei", daß er sich dieFestsetzung" der Löhne während der Kriegsdaucr Vorbe­halte. So wirds gemacht. Höhere Arbeitsleistung, niedrigere Löhne, wofür der Arbeiter noch besonderen Dank zollen soll. Wir erkennen durchaus die Schwierigkeiten für die Industrie im gegen­wärtigen Augenblick an. Doch die Unternehmer wissen auch, daß es die fleißigen Arbeitsbienen gewesen sind, die ihnen den Reichtum in vcrslosscnen Zeiten geschafft haben. Daran zu erinnern, erscheint allerdings manchen der Herren verflucht un­angenehm.

Aus der Verlustliste Nr. 9.

Gardedragonerregiment (1. großlj hcss.j Nr. 23, sDarmsiadts.

2. Esbadvon: Heinrich Dein», Offenbach a. M., tot.

4. Eskadron: Johann Moll, ProjenSdorf, tot: Gfr. Georg Loch- maun, Dörnberg, lv.: Wilh. Merz gen. Nauheim aus Niederselters vm.: Wilhelm Lctst, Wcrlha, um.; Karl Kopf, Bechtolsheim, vm.

5. Eskadron: Uo. E-mK Kunz, Lamms-Heim, lv.

Telegramme.

Nene Siege im Westen!

Namnr vollkommen erobert.

Longwy genommen.

Eit» neuer französischer Vorstos; znrnck- geschlagen.

W. B. Bei Namnr sind sämtliche Forts gefallen, ebenso ist L o n g w h nach tapferer Gegenwehr genommen. Gegen den linken Flügel der Armee des deutschen Kronprinzen gingen von Verdun und östlich starke Kräfte vor, die zurück- geschlagen sind. Taö Lber-CIsaß ist bis auf »nbcdcntendc Abteilungen westlich Colmar von den Franzosen geräumt.

Unterlassung dieser Meldung wird nach den^KrlegSgcsetzeit

bestraft.

Es ist sofortige Eiiisl-clln-n« augrordnet worden. Den Truppen» teile erfahren die Leute beim Bezivksfeldwebel.

Gießen, den 25. August 1914.

Großherzoglichcs Bczirkskommaudo.

Naumann^ Oberstleutnant und Re.zirkskoni-nvandeirr.

Bekanntmachung.

Die vielfach verbreitete irrige Meinamg. als ob mit Ausbruch des Krieges die Verpsiichtun-g Schnlde» zu bezahlen, insbesondere Miete und Hiipotchckenzinsei« zu entrichten, aufhvrc, veranlaßt intch, darauf hin-zuweffe», daß durch dieses Verhalten das gesamte Wiät- schastsleben schwer geschädigt wird.

So sehr erwartet werden must, daß die Vermieter solchen Meter» größte Nachsicht gewähren, deren Ernährer zmn Schutze des Vaterlandes im Felde stehen oder durch den Krieg Arbeit wnd Er- iverb verloren- haben, so sehr muß es als patriotische Pflicht aller anderen bezeichnet werden, ihre» Verpflichtungen »achzukommcn, insbesondere ihre Miede piinkdlich zu bezahlen, ivie ja auch die Haus­besitzer nach wie vor pimkti-ichi ihre Hixpothekentzinfen entrichten iiiü ste».

Ein ani Donnerstag, den 27. d. M. im Bürgerverein gehaltener Vortrag wird die durch den Krieg geschaffenen. Rechisverhätbmffc darlegen: ich empfehle daher dm Bestich dieses Bortrages,

Gießen, den 20. Augwst 1914.

Der Oberbürgermeister.

_ Keller.

Pferde und Fahrzeug-Anshebimg.

Neben einer Anzahl von Reii- und Zugpferden werden für die, Militärverwaltung noch mehrere kriegsbranchbarc Fahrzeuge nebst vollständigen Geschirren benötigt.

Zur Abgabe bereite Besitzer wollen sich umgehend im Stadt­haus, Zimmer 13, melden.

Die Fahrzeuge müsien vierräderig, nicht zu lang sein, sie sollen nicht mehr als 14 Zentner wiegen lind 18 Zentner Tragfähigkeit haben. Das Obcrgcstcll muß entweder ein fester Brettcrkasten sein oder aus 2 Lcitcru mit Bretterfüllung bestehen. Stcuerkcttcn und Hintcrbracke (Waagej muß mit geliefert werden.

Die Geschirre können Kummet- oder Sielengcschirre sein, sie sind vollständig zu liefern mit Zugsträngen von Hanf oder Ketten, Krcuzlclne, Bandgurt, Halfter nebst starke», mit Zügeln versehenen Trcnsengcbiß zum Knebeln. Deckengurt, Halsterkette, Kartätsche und Fahrpcitschc.

Gießen, den 25. August 1914.

Der Oberbürgermeister: '

Keller.

Deutsches Luftschiff über Antwerpen! Panik der Belgier!

Aus Antwerpen wird der Franks. Ztg. gemeldet: In der vergangene» Nacht warf ein Zeppelinluftschiff acht Bomben aus die Stadl, nach dem Pnlvcrlagcr zielend. Zwei Häuser wurden zerstört. Cs habe sieben Tote und acht Verwundete gegeben.

Tic belgische Regierung hat gegen die Bombenwürfe des Zeppclin-Lustschisscs, das in der Stadt große Panik hervor­rief, im Haag P r o t e st eingelegt. Demgegenüber zitiert das Handclsblad einen Artikel des verstorbenen belgischen Staatsministers Bcernnert, aus dem hervorgxht, daß auf der zweiten Haager Friedenskonferenz der belgische Vorschlag, das Bombcnwcrscn für die Zeit bis zur dritten Friedenskonferenz zu verbieten, nur 28 Stimmen auf sich vereinigte bei 8 Cnt- Haltungen und 8 Ablehnungen. Cinc Ratifizierung der Konvention erfolgte also nicht, zumal da außer Deutschland auch Frankreich unter den Gegnern des Verbotes war. Cinc Bestimmung, die das Bombcnwerfc» aus Luftschiffen cin- schränkc, bestehe demnach nicht.

Achtung! Aufruf der Gardemaunfchuftcu.

Alle Unteroffiziere und Mamifchaften des BeurlaubtcnstandcS der Garde-Jrifcnlterie, Garde-Jäger und -Schützen, Garde-Maichi- ncngewchrtruppcn. Garde-Kavallerie. Garde-Fcldartillerie. Gardc- Fußartillerie, Garde-Train n>nd Garde-Pioniere, die «ine Kriegs- bcordcrung nicht mehr in Händen haben, erhalten hierdurch den Be­fehl, sich sofort, spätestens aber bis zum 29. August 1914 beim zu­ständigen Bezi'rksfeidivebel persönlich zu melden-.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen,

Verlag von Krumm & Cie., Gießen.

Truck: Verlag Osfenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offcnbach a. Ak.

Arger-WeinMßejü

Donnerstag, den 27. August, abends 8fy* Uhr, im Saale des Caf6 Leib

sw Oeffentliche -W8

Tagesordnung: w' £>

1. Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und Krieg.

Referent: Herr Beigeordneter Justizrat G r ü n e w a l d, Gießen.

2. Anregung zur Gründung einer HilfSkreditkasfe für dem Miltelstand, Handwerker und Gewerbetreibende.

Frei« Aussprache. ===

Wir laden unsere Bürgerschaft zu dieser Versammlung hiermit ein und hoffen, in Slnbctracht der für die gegenwärtige Zeit so äußerst wichtigen Fragen, die zur Besprechung stehen, ans recht zahlreichen Besuch. MF Damen willkommen. Der Vorstand.

Pfund 20 und 10 Pfg. hat abzugcbcn

Gg. Baum, Steinstr. 23.

Metallbetten, ILM;

Hol,rab,enmatr.. Kinderbetten. Eiicinnübelfabrir, Suhl i. Tbür.

Bekanntmachung.

Iie Beförderung hier angekommener verwundeter vom Bahuhofe nach den Lazaretten ist wiederholt durch grobe, den Berkehr sperrende Menschenansammlungen auf dem Bahnhofs- plahc nnd in der Bahnhofstraße empfindlich gestört worden.

Da die Beibringung der verwundeten in die Lazarette rasch geschehen muh. die ver­wundeten überdies mit Ztückllcht ans ihren Zukand und die durch eine lange Meise eingetretene Krmndttttg dringend der Muhe bedürfen, bitte ich

Ansainmlungen, namentlich am Bahnhofsplatze nnd vor den Lazaretten zu vermeiden.

Ich hoffe, daß es hierzu für die Bürgerschaft nur dieses Hinweises bedarf und polizeiliche nnd militärische Maßnahmen nicht notwendig werden.

Der Oberbürgermeister: Keller.

Soeben erschienen:

in schwarzer Ausführung Stück 20 Pfg., in kolorierter Ausführung Stück 70 Pfg.

Bestellungen erbittet sofort

Oberheffische Bolkszeitnng Gietzeu, ßiiljn|offltafic 23, Tclcphim 2008.