sprachen. In mehreren praßen Zeitungen hat deshalb schon eine schärfere Polemik eingesetzt. Ohne sich in die internen Angelegenheiten der einzelnen Zeitungen cinmischcn zu mallen, sieht sich daS Gouvernement doch veranlaßt, an die Presse die dringende Mahnung zu richten, die geschlossene Stimmung der Parteien und die bisher einmütige Haltung unter allen Umständen anf- rechtzucrhalten. Ter geringste Versuch, die augenblickliche Einigkeit des deutschen Volkes durch Partei politische Streitigkeiten und Beschbung auf konfessionellem Gebiete zu st ö r c n, gleichviel von ivelcher oder gegen welche Partei, wird sofort auf das energischste unterdrückt werden."
Die Zeiten ändern sich.
Seltenes Zutrauen der Behörden zu der Sozialdemokratie spricht aus folgendem Inserat, das wir in unserem Kattowitzer Parteiorgan, der Freien Presse, finden:
Im Austrage der hiesigen Königlichen Militärbehörde nimmt die Geschäftsstelle der Freien Presse, Heinzelstraße 8, zur Ablieferung an diese entgegen: Handschußwaffen (Mauserpistolen) mit Munition, Ferngläser (möglichst mit Futteral).
Die Geschäftsstelle der Obcrschlesischen Freien Presse.
Alles mag schon dagcwcsen sein, aber das ein sozialdemokratisches Organ einmal Mauserpistolen für die Königliche Militärbehörden einzichen würde — das hat Ben Akiba nicht geahnt!
Behördliche Aufträge a» Arbeiter Organisation«:».
Durch Vermittlung des Gcwcrbcinspcktors erhielt der Verband deutscher Schneider, Ortsgruppe Breslau, einen größeren Auftrag zur Anfertigung von Militärhosen und Militärmänteln. In Breslau, einer großen Konfektions- stadt. waren 15 000 Schneider und Schneiderinnen arbeitslos, sodaß Abhilfe dringend not tat. Da bei der freien Gewerkschaft der Zwischenineistergcwinn wegsällt und die Vcr- teilungskosten außerordentlich gering sind, kann der Verband die Arbeiten mit günstigerer Bezahlung ausgebcn als die Innung.
Der „sozialdcniokratische" Konsumverein „Vorwärts" in Breslau verkauft im Aufträge des Magistrats die von den städtischen Behörden zur Verhinderung des Wuchers angekauften Kartoffeln.
Luftschiffe im Kampf.
Von amtlicher Seite wird uns mitgcteilt: Unrichtige Presse
notizen iibcr die Beteiligung eines Lustschisses in dem Kampf um Lüttich haben, wie aus zahlreichen Zuschriften hcrvorgcht, vielfach die irrige Ansicht auskommen lasten, das Luftschiff habe, um wirksam den Angriff zu unterstützen, bis auf 000 Meter hcruntergehe» müssen. Bei derartig geringer Höhe wurde das Luftschiff, ganz abgesehen von dem großen Ziel, das es hierbei dem Gegner böte, Gefahr laufen, durch die Sprengwirkung seiner eigenen Geschosse beschädigt zu werden. Ein solcher Fehler ist deshalb auch selbstredend nicht gemacht worden. Alle auf dieser irrigen Nachricht beruhenden Vorschläge von Erfindern, sind daher gegenstandslos.
Russische Pressionen.
Die Abendblätter Wiens berichten über die in Konstantinopel, Bukarest und Sofia herrschende Entrüstung wegen der unerhörten Sprache, welche die russischen diplomatischen Vertreter gegenüber den dortigen leitenden Staatsmännern führen, um sie zu bewegen, daß diese Länder sich Rußland anschlicßcn. ' Dabei sollen deutliche Anspielungen auf das Los gefallen sein, das Stambulow getroffen habe. Die Blätter fügen hinzu, daß das brutale Vorgehen der russischen Vertreter selbstverständlich völlig erfolglos geblieben sei.
Die Stimmung in Belgien.
Der Spczialkorrespond«it -b«s Bcrl. Tagobl. schreibt: Tie Stimmung der belgischen Slevölkerirng ist nicht mehr so erbittert, seit die deutschen Soldaten im Lande sind. Oft sitzen Landwehr- niänner mit belgischen Familien zusammen vor den Türen der Säufer, als ob hier der Frieden wohnte.
Die gesamte Prcste Belgiens, ausgenommen di« von Antwerpen, erscheint in dort ich er Sprache. Ter von deutscher Seite eingesetzte Gouperpeo. veranlasst alles weitere. Es ist anznnehnren, daß di« srapzösrfch« Sprache neben der deutschen beibehalten wird.
Der Sonderkorrespondent des Tat!» Ehroniclc meldet, daß Antwerpen bereit ist. für den Angriff der Deutschen alle hinderlichen Häuser indieLuftzn sprengen, damit sie den Deutschen nicht als Deckung dienen können. In aller Eile wurden neue Wälle und Gräben errichtet, >uu die schwere Artillerie unterzubringen. Me Gebäude der Stadt sind mit Flaggen geschmückt.
Abbruch der Beziehungen zwischen Oester reich- Ungarn und Japan.
Dem japanischen Botschafter Sato in Wien, welcher am Vormittag noch dem Requiem für chen Papst beitvohntc, wurden mittags die Pässe zugcstcllt. Der österreichisch-ungarischc Botschafter in Tokio, Baron Müller, ist abberufen worden.
Der Seckampf in der Adria.
Der letzte Funkenfpruch, den das Kriegsschiff „Zenta" absandte, lautete: „Ich nehme Kampf mit feindlicher Flotte auf." Diese Flotte bestand aus 16 großen und 12 kleineren Schiffen. Nach in Wien cingelangtcn Berichten wllrden vier feindliche Schiffe schwer beschädigt. DaS Verhalten der kleinen „Zenta" gegenüber der kolossalen Ueber- macht erregt in Wien lebhafte Genugtuung.
Russisches.
Eine niternationalc Korrespondenz berichtet, daß der bisherige Stabt Haupt mann von Petersburg standrechtlich hinge- richtct worden sei. lieber di« Ursachen zirkulieren verschieden« Versionen. Es soll der Verdacht gegen ihn bestehen, daß er Anstifter dcs jiingstcn Streifs gewesen sei: andere wieder behaupten, er sei der Spionage zugunsten eines fremden Staates überwiesen worden. — Di« Meldung klingt sehr unwahrscheinlich, indessen in Rußland ist schließlich alles möglich!
Ein Arist'nf des Berbandes der freien Volksbühnen.
folgenden vom Oberkommando in den Marken genehmigten Aufruf veröffentlicht der Verband der freien Volksbühne n:
^ Ter Sturm des Krieges erschüttert das Kulturleben der Nation, ^«r wehrloseste und doch so wertvolle Besitz der Menschheit, die ff u n st, steht sich als erste dem Anprall der entfesselten Gewalten Ihr Feld, das geduldiger Fleiß bestellte, liegt brach St z t'* *** veröden. Zahllosen ausübenden Künstlern ist der . ^istcnz unter den Füßen wcggezagen, jäh und unver- i/vöm s,e sich mit threii Familien im Elend. In allen Nöten sisch die Kunst als seelisches Bedürfnis der Volksgcsamtcheil fl:”',. "Xha«pten. Wohl ist die Vertcidiguna des Vaterlandes die -- PU>chten. die AufrvchterhalMng der materiellen Existenz . driiigeiidstr Gebot: zugleich aber sordcrt die Stunde I S* Schutz aller geistigeil Güter, die den Wert eer Batton auLmochcn. Darum rufen wir die ausübenden .Künstler — ^mauipicler Rezitatoren. Säuger und Musiker — auf, jetzt mit tljrcr Kunst ins Volk zu gehe,«. Hier werden sie noch «ine große
Aufgabe finden, hofsentlich auch ein« kleine Hilf« gegen die aller- schliiumstc Not.
Ter Verband der freien Volksbühnen wird für die ivenigcr bemittelte Bcvülleruiig, insbesondere auch siir die Ardeidcrschast Berlins in großen und llciiicn Sälen, vor allem in Räumen, die uns der Älagistrat von Berlin srcuiidlichst zur Versüßung gestellt hat, regelmäßig sich wiederholende Valkskunsta>bendc veranstalten. Tas Eiiitrittsgeld wird 10 Pfennig betragen, das Programm dieser Abei,de soll siel, van allem Platten und Lberslächliä-cn iveit entfernt l»alteii, cs soll der geistigen Vertiefung dienen und der Stärkung de: sittlichen Werte, di« in unierciii Volke lebendig sind. Tie Tahcim- gebtiebrncn, Frauen und Männer, sollen den Gefahre» der Vereinsamung und der Straße entzogen ivcrdcn. Sie ivcrden tu Scharen kommen, um in Not und Betrübnis bei der Kunst Trost und Erhebung zu suchen. Unser Volk aber ivird höchsten geschichilichen Ruhm erwerben, wcim es auch tu den Wettern des Weltkrieges nicht auslhört, das Volk Goethes und Schillers, Beethovens nnd Mozarts zu sein.
Wir bitten alle Opferwilligen, die öffentlichen Körperschaften und Organisationen um tätige Hilfe bei deni bedeutungsvolle» Werk. Der Verband der freie» Volksbühnen.
Dem Aufruf schließen sich an: Obcrbürgcrnicistcr W ermuth, Bürgermeister Tr. R e i ck c, Kurt Baake. Tr. Gertrud B ä n - in er, Fcrruccio Busoni, Ernst Däumig, Tr. Ed. David, R. d. R., Tr. Franz T i e de r i ch , Heinrich T o v e, M. d. R., Eng. Ern st, Oskar Fried, Hugo H a a s e, M. d. SH., Prof. v. Ho r - n a rk, Hugo H «i m a n „. Wolfgang H e i n c, M. d. R„ Tr. tllfred K « r r, Käte K o l l w i tz , I. Landau, E. L e g i e n, M. d. R., Helene Lange, Gustav Link, Ernst Lissaucr, Tr. Friedrich N a u m a n n, M. d. 8!., N i t h a ck - S t a h n, Tr. Franz Oppenheimer, Prof. Tr. Mar L i c b « r m a n n, Mar P a t c g g, Gust. R i ck c i t. Artur Schnabel, Aug. Stein, Georg S p r tu ge r, Klara Viebig, Tr. Bruno Wille, Eduard von Winterst e i n, Theodor Wolfs.
Die dreitägige Schlacht bei Krasnik.
(Ein glänzender Sieg der Oesterreicher)
Wien, 28. August. Das österreichische Kricgsqiiarticr meldet nuitlich: Tie dreitägige Schlacht bei Krasnik endete! gestern mit einem völligen Siege unserer Truppen. Die Russen wurden auf der ganzen etwa 70 Kilometer breiten! Front geworfen und haben fluchtartig den Rückzug nach Lublin nngctrctcn.
Das österreichisch-ungarische Hauptquartier meldet vom ersten Schlachttage: In der siegreichen Schlacht bei Krasnik hat, wie jetzt bekannt wird, eine österrcichisch-nngarische Armee zwei russische Armeekorps in der Flanke nördlich ans den Höhen von Tramp»! angegriffen. Ter Kampf war äußerst harnäckig, der Sieg vollständig, lieber 3000 Gefangene wurden gemacht, sieben Maschinengewchrc er beutet. Gefangene russische Lssizicre versichern, daß der Angriff der Ocstcrreichcr mit dem allergrößten Elan stattfand. Tic Gefangenen befinden sich vielfach in abgerissenem Zustande. Sie küssen den Oestcrrcichcrn die Hände für das gereichte Essen nnd die gute Behandlung und erklären, daß in der ganzen Armee die größte Unzufriedenheit herrsche. Tie österreichische Armee rückt ständig vor.
Pariser Bericht über die Kämpfe an der Maas.
Das Echo de Paris meldet über die Kämpfe an der Maas: Ain Sonntag standen 400 000 Franzosen und 40 000 Engländer gegen die Deutschen. Zuerst waren die englischen Truppen w e st l i ch der Maas Herr des Terrains. Ta ließen die Deutschen die Garde Sturm laufen, worauf die Truppen der Verbündeten, namentlich die afrikanischen, wichen. Tie Deutschen hatten allerdings 700 000 bis 800 000 Mann im Feuer und die besten Stellungen.
Zu dein französischen Emgicständnis der Niederlage sagt di« Voss. Zkg.: Tie Franzosen haben die Niederlagen, die sic in den letzten Tagen erlitten haben, ans die Tauer nicht verheimlichen können. Sie versuchen aber, sic als m i n d e r s ch w c r hinzustcllcn. Tee in der Mitteilung aus Paris vom 24. August erwähnten Ereignisse iv e st l i ch der Maas sind bisher bei uns nach nicht bekannt gewesen. Danach sind die Franzosen ivestlich der Nlaaö vorgegangen, aber z u r ü ck g c s ch I a g e n worden. Auf dem äußersten nördlichen Flügel soll die deutsche Kavallerie bereits die Gegend nördlich Lille erreicht haben.
Italiens Rentralität gesichert.
Wie ans Rom telegraphiert wird, ist der italienische Botschafter in Berlin, Herr Bollati, gestern vorniittag von dort wieder abgercist. Der sehr deutschfreundliche Botschafter hatte sich vor etwa einer Woche nach Rom begeben, »m den maßgebenden Persönlichkeiten über seine Eindrücke zil berichten und mit ihnen über die Stellungnahme Italiens gegenüber seinen Verbündeten zu beraten. Während seines Ailfcnthaltcs ist die Bewahrung strikter Neutralität seitens der italienischen Regierung erlassen worden.
Die Nnffcn vor BnrgaS.
Die aus Sofia gemeldet wird, crschic» in der Nacht Z»m Donnerstag eine Tivisio» der russischen Schwarze» Meer-Flotte vor Burgas. lEinc bulgarische Hafenstadt. T. Rcd.j I» der Stadt entstand eine Panik. Tie Bewohner räumten um Mitternacht die Häuser und verließen die Stadt aus Furcht vor einem Bombardement.
Griechenland nnd Rumänien.
Bukarestcr Meldungen zufolge sollen zwischen Rumänien und Gricchciiliriid gegenwärtig Verhandlungen gepflogen sein, run feft- ziistcllcn, unter ivclchen Voraussetzungen formelle Veränderungen des Bukarcster Vertrages möglich wären. y
Belgische Zustände.
In den lctzttn drei Tag«n voriger Woche sollen 12 000 Flüchtlinge, meistens Teutsche, aus Antwcrpeii »ach Holland gckonim«» sein und zwar nieist Über Hamont und Budel. Di« Lime Antwerpen—Hamont ist unterbrochen. Der Biirgeiwcistcr des Grenz- optes weilt« Sonntag naämiittog bei den Grenzsoldaten und prüfte die Papier« von 500 deutschen Mattosen und Schifssoffiziercn, deren Schiffe in Antwerpen beschlagnahmt worden sind. In der Budcler Zinkfadrik wurde die Hälfte der Arbeiter, meist Teutsche, entlasten. Ander« erhalten mir 25 Prozent ihrer Löhne.
Parleinachrichten.
Tie BildungSaiisschiisse während des Krieges.
Wie alte organisatorischen Eiiirichtungen der Arbeiterschaft während der Tauer des Krieges aufrecht erhalten werden müste», so haben auch die Bilduiigsausschiiste die ernste Pflicht, die erst in den letzte,, Jahren mit vieler Mühe geschasfcnen Grundlagen und Anfänge der planmäßige» BildungSarbeit zu sicher». Wo Lücken i» den Bildungsausschüsten durch Einberufung von Mitgliedern entstanden sind, iiiüstcii sie geschlosten werden, sei es durch Htnzuwahl neuer Mitglieder, sei cs durch Rcukonstituicrung der übrig geblie- brne» Mitglieder, besonders durch Wahl eines Vorsitzenden, joscru der bisherige Vorsitzende zu den Einberufenen gehört. Tie Bil- dungsauSschüstc sollen seiner versuchen, auch jetzt aus den verschiedenen Gebieten ihrer Tätigkeit eine bescheidene Wirksamkeit zu ent- saltcn, wobei sie jedoch volle Rücksicht aus die durch den Krieg veränderten Verhältnissen nehmen müssen. Besondere Anweisungen
lasten sich dafür nicht geben, da die Art'der"Betätigung in jede». Beziehung und in jedem einzelnen Falle von den örtlichen Verhalts nisten abhängig ist. Auf briefliche Anfrage ist der Zeutralbildungs-, ausschnß gern zu Raischlägei, in Einzelsällcii bereit. Zu beachten ist überall noch mehr als in Friedenszcttcn, daß etwaige Veranstaltungen belehrender oder unterhaltender Art im vollen Einverständnis mit den örtlichen Instanzen der Arbeiterbewegung ge- troffen werden müste». Sodann dürfen die Veranstaltungen keine Geldausgabc» verursachen: sie müsien sich auf freiwillige und unentgeltliche Mitarbeit gründen. Ter Charakter aller Vcranstal- tungcn muß ebenfalls auf die Kriegslage Rücksicht nehmen, ihr Zweck soll sei», .die moralische Widerstandskraft des Einzelnen und der Gesamtheit gegen die vielen erschütternden »iid niederbrückcn- dcn Ereignistc des Krieges zu stärken.
Der Zentralbildungsausschutz.
Ein Notschrei der Frauen.
In Berlin niiterstüben unsere Genossinnen die städtische Hilfs-, aktiv» für die Familien der zum Kriegsdienst Einberufenen. Es- bestehen 24 Hilsskommissionen. Tie Leitung dieser Kommissionen liegt immer in de» Händen einer bürgerlichen Frau und einer Genossin. lieber 000 Genossinncii sind für diese .«rprnmissivncn als Helseriniic» für die Recherche» tätig. Im ganzen arbeiten in Berlin 054 Gciiossinncii im Ticiistc der öffentlichen Wohltätigkeit mit. Vorige Woche hatte» sich diese Genossinnen versammelt, um eine Aussprache über ihre Ersahruiigc» zu halten. Es waren erschütternde Tatsache», die berichtet wurde» von der unsäglichen Not, die in den Arbeitervierteln herrschen. Ilcbcreinstimmcnd wurde berichtet, daß die Not der Arbeitslose» ungleich größer ist als die der Familien der Krieger, die immerhin die gesetzlich garantierte Staats- nnd Gemeindcunterstütziing erhalten, deren Auszahlung nur leider zum Teil so entsetzlich langsam erfolgt. Auch die sofortige Zahlung der kleinen Summe» an die Arbeitslosen, zu denen! die Bczirksvorstcher ermächtigt sind, geht zum Teil schrecklich lang- san, von statten oder unterblieb ganz. Infolgedessen ist unter bei» Notleidenden eine geradezu verzweifelte Stimmung.
Tie versammelten Franc» erachten cs deshalb als ihre unab-i weisbarc Pflicht, den in Frage kommenden Instanzen folgende Entschließung schleunigst zu übermitteln:
„lieber sechshundert sozialdemokratische Frauen Berlins, die sich in den städtischen Dienst der Unterstützung für die Familicir der in das Feld Einberufene» gestellt haben, erheben nach ihren Erfahrungen seit dem Kriegsausbruch folgende gebieterisch« For, dcrung:
Tas Reich muß schleunigst erhebliche Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen, für die Arbeit nicht beschafft werden kann, den Gemeinden zur Vcrfllguiig stellen.
Tas Elend der Arbeitslosen tritt immer häufiger in Ent« sehen erregender Weise zutage.
Geschieht zur Linderung dieser Not nicht schnell in umfaßen« der Weise etwas Turchgreisendcs, so werden sich binnen kurzen» grauenvolle Zustände entwickeln.
Tie versammelten Frauen beschloffe», diese Kundgebung dem: Rcichsamt des Innern und deni Magistrat der Stadt Berlin zu unterbreiten, in der Hosfnung, baß sic dort Beachtung finden werde"
Ter Berliner Magistrat hat in Beantwortung der Eingabe der Genossinncii mitgetcilt, daß der nächsten Stadtverordnetensitzung ein großzügiger Plan zur Unterstützung der Arbeitslosen-zur Beschluß^ saffung unterbreitet werden soll.
Zinn Bahnhossvcrlauf ziigclasicn würbe auch die Norddeutsche Volksstimme in B r c nrc r h a v eni (Verbreitungsgebiet Unterweser und Untcrelbe-Gebiet).
Roch ein Gcwcrkschastshans als Lazarett.
Sämtliche Saal- und Wirtschastsräumc des Kölner Volks-: Hauses werden von der Militärbehörde zu Lazarettzwecken in An« spruch genommen.
Hessen mit» Nachbargebiete.
Gießen nnd Umgebnnfl.
— Tic Arbeitslosigkeit hat in der Stadt und auch aun
dem Lande immer größeren Umfang angenommen. Von den! Fabriken hat ein Teil ganz geschlossen, in anderen wird nue halbe Tage gearbeitet. Natürlich werden dadurch eine große Anzahl Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen nnd cs wurdew schon wiederholt Acußerungen laut, welche die Lage der Ar-- bcitslosen-Familien als erheblich schlechter bezcichneten als diejenigen der Einberufenen. Das mag in vielen Fällen gewiß zutrcfscn. Sind erst die zurückgelegten Spargroschen! verbraucht, dann wird natürlich die Lage der ArbeitsloseiL und ihrer Angehörigen noch viel bedenklicher. Es ist dahccj eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinden, nach Möglich-^ Feit fürArbeit zu sorgen. Größere Arbeiten, die bereits beschlossen sind und doch in nächster Zeit ansgcführt werden müssen, sollten sofort in Angriff genoinmen werden, damit Arbeitslose Beschäftigung finden. Vielleicht tväre cs auch möglich, jetzt schon mit der Holzhancrei unb dem Durchforsten! der Waldbestände z» beginnen. Letzteres wäre auch für dis Landgemeinden nnd die staatlichen Forsten zu empfehlen. — In Friedberg hat sich das Gcwerkschaftskartell mit einer Eingabe an die Stadtverwaltung gewendet und Maßregeln zur Abhilfe vorgeschlagen, wobei nachdrückliches Gewicht darauf gelegt wurde, daß man eS ablehne, Unterstützung ohne Gegenleistung anznnchnicn. Nicht Brot, sondern Arbeitsgelegenheit fordere man.
— Ungehöriges Betrage». Es wird uns mitgeteilt, daß" vorgestern, als Verwundete ankamcn nnd diese vom Bahnhoß ins Lazarett gebracht wurden, verschiedentlich im zuschancndcni Publikum „Hurra" gerufen wurde. Das ist doch so taktloS, wie nur möglich. Tie aus den Kriegsgrcucln zurückkchrenden Soldaten, die vielleicht zum Teil auch von dem Furchtbaren, das sie gesehen haben, seelisch erschüttert sind, muß cs peinlich berühren, wenn sie mit Hurragebrüll empfangen werden. Bald kann in Deutschland nichts mehr geschehen, ohne daß dabei Hurra geschricn wird. Jeder Verständige.sollte der Unsitte entgegenwirkcn.
— „Patriotische" Kindereien. In der Franks. Ztg. war gestern folgende Notiz zu lesen:
„Keine russischen u n d i r i s,ch c n B ä d e r. Die für die Schwitzbadcabteilung im städtischen Schwimmbad vielfach üblich gewesene Bezeichnung als russisches oder irisches Bad wird jetzt, wie aus einer Bekanntmachung hervorgebt, Dampf- und Heißluf t,b-a d benannt! Es ist zu hoffen, daß das „deutsche Dampf- nnd Heißtust- bad" bei den Gästen des Schwimmbades nicht minder be. liebt sein wird."
Derartige Albernheiten können ja noch lveiter getrieben und auf viele andere Bezeichnungen ausgedehnt werden. Man sollte z. B. auch kein e n gl,i s,ch,c s Heftpflaster iiicbr verwenden nnd nicht auf denk frantz'öls'ifch-e.n Billard spielen: kein Theaterstück , eines englischen, oder .französischen Verfassers besuchen! Darum nieder mit. - Shakckpcare,
M<Aiere,>ViktorfHugö-uud: anderen. ^Abrr^mtf^jtzrnzöstscheil


