Ausgabe 
27.8.1914
 
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S5?ir könne» nun, so weit die ?)!ecre sicher sind, »ns mit den Ver­einigten Staaten um den bedeutenden Handel bewerben, den Deutschland mit Ostasien und Südamerika treibt oder vielmehr getrieben hat. Einen beträchtlichen Teil dieses Geschäfts bildete der Absatz von elektrischen Lampen und elektrischen Apparaten im allgemeinen, sowie die Anilinfarben und leichten chemischen Pro­dukte, Man sprach vor einige» Tagen das Haupt einer großen Elektrszitätssirma von hier (London), Er ivar überzeugt, daß aus dem Gebiet der elektrischen Waren für die Ausfuhr wir (die Eng­länders imstande sind, die Beute mit den Bereinigten Staaten zu teilen, Tie Fabrikanten sind hierzulande vollauf eingerichtet, um ans Werk zu gehen, und haben die Verfügung über alle nötigen Potente, ohne ihre Zuflucht zu einer besonderen Gcsetzgebmm nehmen zu müssen, wie derjenigen, von der im Parlament di« Rede gewesen ist, (Es betraf die deutschen Patente,) Mein Gewährs­mann meinte indes, daß die Sache nicht in wenigen Aschen zu machen sei. Die Reeder müßten Zeit haben, um mit den östliche» und s üdanieri kaut scheu Märkten Fühlung z» gewinnen. Es würde wenigstens einen Monat dauern, ehe Bestellungen zu erhalte» seien, die dann unzweifelhaft kommen würden. Englische Fabrikan­ten täten wohl daran, sofort ihre Maßnahmen zu treffen. Der Geschäftsmann behauptete im übrigen, seine Firma habe reichlich zu tun, und er war nichts weniger als mißtrauifch tm Hinblick auf di« geschäftlichen Aussichten " lim England den Weltmarkt, dessen Monopol cs so lange hatte, wieder zu sichern, wurden also Kosak und Baschkir aufgeboten, wurden die Gelben herangcholt und wurde Jrairkreich vor de» Zu­sammenbruch aestcllt. Denn Frankreich wird dadurch, daß es sich töricht an Rußland und England gebunden I>at, die Geisel werden, die schließlich für England einzustehen Hai, Ein furchtbares Ver­hängnis, daß zwei Völker, wie das deutsche und das sranzösifchc, die zu einer siulturgemeinschaft, zu ivcchselsciiigem Austausch bestinmnt erscheinen, infolge historischer Fehler und Sünden ihrer Politik gcgcneiiionder stehen im Interesse des blutigen Zarismus, wegen der Spekulation fischblütiger Krämer!

Diese Möglichkeit, dieses Unheil zu schassen, haben di« cnglit-hen Kriegsspckulanten seit langeni geplant, dasür haben sie alles Raffine­ment angewcudei. Und es ist ihnen gelungen, u,»entdeckt den letzten Schlag vorzudereitcn.

Nur im wichtigsten Punkt habe» sic sich verrechnet: in Deutsch­lands innerer Stärke! Ten Zarismus haben sie als Hauptmacht ciiigcsetzi, und gerade dieser vcrineintlich schlaueste Zug wirft alles um, Di« Folge wird es lehren. Daß Europas Kontinent nicht k o so ki sch wird, dafür sorgt das deutsche Volk!

Nordschleswig!

tkstne Mahnung.

Man erinnert sich, daß gleich bet Beginn der deutschen Mobili­sierung der Rcichstagsabgeordnctc Haussen in Apenradc zusammen mit anderen Führern der dänische» Beweaung in Nordschleswig verhaftet wurde. Nach achtzehn Stunden entließ man ihn, und Herr Hansscn reiste nach Berlin, um im Reichstag für die Bewilligung der Kricgskrcditc zu stimmen. Mehrere Rcgicruiigsvcrlrcter ent­schuldigten sich bei ihm ausdrücklich wegen desVersehens", das vorgckommen sei.

Kaum war der RcichstagSabgcordiiete in seiner Heimat zurück- gekehrt, als die Behörden in Nordschleswig seine Zeitung Hcjmdal verboten. Ja, cs wurde nicht einmal gestattet, die Wvlfsschcn Depeschen am RebakttonSgebäudc anzuheften, Tie dänisch sprechende Bevölkerung, von der ein großer Teil Verwandte tm Felde stehen hat, war auf diese Weise selbst von den amtlichen Nachrichten über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz abgeschnittcn.

Damit aber nicht genug, Herr Hansscn selbst blieb zwar in Freiheit, aber eine große Anzahl von Personen, die im Verdacht dänischer Gesinnung standen, wurden verhaftet. Darunter be­fanden sich Bankdircktoren, Bauern, Handwerker usw und einzelne von ihnen hatten drei oder gar vier Söhne unter den Waffen stehen. Sie wurden zum Teil nach Sondcrburg, zum Teil aber auch über Stralsund nach der Insel Rügen gebracht »nb vielfach behandelt, als ob sic irgend welche politischen Verbrechen begangen hätten, obwohl auch nicht der allergeringste Verdacht gegen sie bestehen konnte. Ein Teil von ihnen ist inzwischen ent­lassen worden, ein anderer aber befindet sich, so weit wir unter­richtet sind, nach wie vor tu Haft,

Wir dürfen wohl annehme», daß sowohl bas preußische Mini­sterium des Innern wie das Auswärtige Amt für diese Maßregeln nicht verantwortlich gemacht werden können, sondern daß auch hier kurzsichtige Ortsbehörden t» Verbindung mit der Militärverwaltung auf eigene Faust gehandelt haben. Die Verantwortlichen scheinen sich dabei nicht darüber klar gewor­den zu sein, baß ihr Vorgehen unter Umständen verhängnis­volle Folgen nach sich ziehen könnte. Das Königreich Däne­mark hat bisher tn musterhafter Weise an seiner Neutralität fcstgehalten, und auch au den maßgebenden Stellen in Berlin weiß man genau, baß die Kopenhagener Regierung bis jetzt fest ent­schlossen ist, diesen Standpunkt nicht aufzugcbcn, obwohl natür­lich von der Seite der Gegner des deutschen Reiches starke Ver­suchungen an sie herantretcn. Unter diesen Umständen sollten die Behörden in Nordschleswig wirklich zurückhaltender sein und nicht denen, die Dänemark gern in einen offenen Gegen­satz zu Deutschland bringen möchten, durch ihr unbesonnenes Vor- gchen Wasser a » f die Mühle liefern. Die dänische Bevölkc-

Afraja.

Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 44

Der Lappe schien von diesem Lob sehr geschmeichelt zu sein. Seine Augen drückten lebhaftes Vergnügen aus, er riß den Mund lachend aus und gab wiederholt Anlaß, seine Eitel­keit noch mehr zu verspotten.

Und was zum Henker!" rief Hclgestad endlich,willst du mit der hübschen Federtasche tun? Will sie dir abkaufcn, Mortuno. Ist eine wackere Arbeit daran, kann auf den Lyngenmarkt gebracht ihre vier Spezies wert sein."

Ich will sie nicht verkaufen", sagte der junge Lappe, tvährcnd er die prächtige Tasche von seinem Gürtel losmachte,

Willst nicht, du Dnmmkopf?" antwortete der Kaufmann. Gebe dir fünf, gebe sechs harte blanke Taler. Ist ein Prachtwerk. Herr Marstrand, können die Lappen cs allein so machen. Willst nicht?" fuhr er fort:hast ein Schätzchen, dn Sohn von einem Wolf, die cs um den braunen Hals hängen soll? Oder ha! merke es, du Dieb! hast es sür Gula mit­gebracht aus alter Liebe und Zärtlichkeit."

Mortuno verneinte alle diese Fragen mit Gelächter und mit der kindischen, dünkelvollcn Lustigkeit, die seinen Stamm den Norwegern so verächtlich macht.Wenn ich ein Mäd­chen haben will", rief er prahlerisch,brauche ich keine Feder­tasche. Fünf, zehn, zwanzig kommen, wenn sie meine Stimme hören. Gula aber hat kein Recht darauf. Mag sie ein Fisch­netz an ihre Schürze hängen, wenn sie eine Tasche braucht."

Willst nichts mehr von ihr wissen, weil sie von dir nichts wissen will?" sagte Helgestad beifällig grinsend.Hast recht, mein Junge, such eine, die es dir besser lohnt. Bist ein ver­ständiges Geschöpf. Schau her. Sechs neue Spezies, suche die die blanksten aus."

Die Gier nach dem Besitz der Tasche war in Helgcstad er- tvacht, und später lernte Marstrand erst kennen, daß diese zier- lichcn Federarbeitcn, welche bi? auf die Märkte von

rung an der deutschen Norbgrcnze hat sich in diesen Tugen als völlig loyal erwiesen, Ihre Söhne sind unter die Fahnen ge­rückt so gut wie die Angehörigen anderer Stämme und nicht ein einziger Fall ist bekannt geworden, daß einer den Versuch gemacht hätte, sich seinen Pflichten zu entziehen. Das sollte man aner­kennen und dadurch dann gleichzeitig der Regierung in Kopen­hagen ihren ernsten und ehrliche» Widerstand gegen englische und russische Verlockungen erleichtern helfen.

Dänemarks Neutralität.

Das Kopenhagener Blatt Bcrlingskc Tibcnde hat einen Herrn v. Jessen als Kriegskorrespondcnt in Paris, der auf eigene Faust bei der französischen Regierung um Vorzngsbehandlung der aus Schleswig-Holstein stammenden Kricgsgcsangenen, die Frankreich etwa machen könnte, vorstellig wurde. Das Dänische Mintste - rium des Aeußcrn erläßt nun in der Berlingske Tidcnde folgende Erklärung:

In der Morgcnnummer vom 20, b, M, hat sich Ihr Pariser Korrespondent, Herr v, Jessen, an die französischen Behörden ge­wandt um besonders günstige Behandlung etwaiger deutscher .Kriegsgefangener von Schteswiger Abstammung zu erwirken, Tie Form der Korrespondenz ist so ausgelegt worden, daß Jessen irgendeine Vollmacht zu seinem Auftreten habe. Solche Annahme steht in völligem Widerspruch zu den tat­sächlichen Verhältnissen. Der Schritt des Korrespon­denten ist als unverantwortlich und unter den herrschen­den Verhältnissen als in hohem Grade schädlich anzu- schcn."

Amerika und der Krieg.

Aus New York ivird der Frankfurter Zeitung geschrieben:

Die Presse bezeichnet den Europäischen Krieg als einVer­brechen gegen die Zivilisation", dessen Urheber Oesterreich-Ungarn und Deutschland seien U). Ta den Redakteuren im großen und gaiizen jede Bekanntschaft mit europäischen Verhältnisse» abgcht, sehen sie nur die unmittelbaren dem Völkerkricg voraufgehenden Ereignisse,das Ultimatum des großen Oesterreich an das kleine Serbien" und dieEinmischung Deutschlands", dessen Aufgabe, hie­sigen Prcßäußernngen nach, cs gewesen wäre, Oesterreich zurllckzu- halten, oder cs seinem Schicksal zu überlassen, wenn es schon zum Kriege mit Serbien schreiten wollte. Andere tun sich viel darauf zu gut, tiefer in die wahren Verhältnisse cingedrungen zu sein und sie meinen,der Kaiser" (alles, was in Deutschland geschieht, wird auf die Rechnung des Monarchen geschrieben), sei endlich vollständig zum Losschlagc» betest gewesen und habe Oesterreich die Aufgabe gestellt, den casus belli zu schaffen. Aus jeden Fall ist die hiesige Presse mit großer Einstimmigkeit der Ansicht, alles jetzt in Europa vergossene Blut werde aus das Haupt Deutschlands kommen. Selbst Evcning Post vertritt diese Ansicht, Sie legt den großen Konflikt vornehmlich dem Treiben der Militaristen zur Last und sagt u, a,: Wir haben schon lange in dem arroganten, herrischen Wesen der Militaristen, besonders in den Betätigungen von Körperschaften wie dem Flottcnverein, eine schwere Bedrohung des europäischen Friedens gesehen, und diese Faktoren habe» jetzt das Schlimmste zuwcgegcbracht, das die menschliche Einbildungskraft sich vorstelle» kann," Die Post gibt dann ihren Befürchtungen Ausdruck über den ungeheuren Schaden, den der Fortschritt Deutschlands und ganz Europas durch den Krica davongctragen wird, namentlich solchen ans kulturellem Gebiete, (Wir haben wiederholt darauf hingewicscn, daß für den Anfang des Krieges mit amerikanischen Sympathien für unsere Feinde gerechnet werden müsse. Dafür sorgt das seit drei Wochen bestehende englische Kabelmonopol und die schon in Fricdenszeitcn bemerkbare geistige Abhängigkeit der amerikanischen Presse von der englischen. Durch das von der deutsche» Regierung zur Aufklärung der Vereinigten Staaten veröffentlichte Weißbuch in englischer Sprache, sowie durch die von zurückreisendcn Ameri­kanern mitgenommenen deutschen Zeitungen ist mittlerweile für Berichtigung falscher Urteile gesorgt worden. D, Red.) Die öffent­liche Meinung steht bisher im Einklang mit der Prcstc, Der Amerikaner, der in seinen, öffentlichen Leben daran gewöhnt ist, nichts auf die Spitze zu treiben, sondern lieber eine» Kompromiß zu schließen, der der verlierenden Seite Zugeständnisse macht, kann es nicht fassen, daß Tausende und Abertausende auf dem Schlacht- scldc sterben sollen, ohne daß ein Versuch gemacht worden ist, die Streitpunkte ans gütlichem Wege zu erledigen. Es macht sich ferner die leise Befürchtung bemerkbar, ein siegreiches Deutschland werde zu mächtig für Amerika sein, und vor einigen Tagen hat sogar der hiesige Bankier C l c w z den Zeitpunkt vorausaesehen, da Deutsch­land den Panamakanal nehmen werbe. Ein großer Teil der Mißstimmung gegen Dciilschlanb ist auch durch die furchtbaren wirtschaftlichen Folgen des Krieges hervorgebracht wor­den. Schon bisher herrschte eine gewisse Depression, die aber in­folge der Aussichten auf eine gute Ernte zu weichen begann. Jetzt aber ist die Stockung in Handel und Verkehr eine ganz außerordent­liche: cs werden täglich Tausende von Arbeitern entlassen, die

Preise für Lebensmittel gehen in die Höhe und bas ganze Wirt­schaftsleben ist desorganisiert,

Tie Regierung des Herrn Wilson sucht, wie sic sagt, strikte Neutralität aufrcchtzuerhaltcn, Herrn Wilson mag cs reckst ernst damit sein, augenscheinlich hat er aber Berater, die im Staats- »nd Völkerrecht wenig erfahren sind. Vor einigen Tagen hat er zum Beispiel für die deutschen Funkcntclcgraphcn-Stattonen in Sayville ans Lang Island und Tuckerton in New Jersey Zensoren

Tronthjem und Bergen gelangten und von dort oft selbst nach London und Paris wandertcn, sehr teuer bezahlt wur­den. In Nordland und Finnmarken waren Federtaschen und Kragen der Höchsts Putz für die vornehmsten und reichsten Frauen: der alte geizige Spekulant wurde daher anss ange- nchmste überrascht, als Mortuno mit mehr Galanterie, als ihm zuzutrauen war, die kostbare Spielerei JIda überreichte,

Gefällt sie der Jungfrau?" fragte er, die Tasche hin- und herdrehend, daß das Licht darüber hinlicf.

Sic ist sehr schön", sagte Jlda.

Es ist eine Brauttasche, wie so leicht keine sich solche ver­schaffen kann", fuhr Mortuno stolz fort.Nimm sic. Jung- stau, und trage sie: der arme Mortuno bittet dich darum."

Jlda würde sich vielleicht geweigert haben, aber Helge- stad machte allen Bedenklichkeiten ein Ende. Er bemächtigte sich des Geschenkes und drückte seinen Dank dadurch aus, daß er den Lappen herzhaft schüttelte und ihm seine Flasche zu füllen gelobte, was Mortuno großmütig ablehnte.

Auch gut," lachte der Kaufmann,machen es ein ander­mal zwischen uns ab oder schreiben cs aufs Kerbholz für die schlechten Streiche deines Herrn und Meisters. Wo ist der alte Höllenbrand Afraja? Hast ihn bei deiner Herde, oder spioniert er anderswo herum?"

Ich weiß nichts von ihm", war Mortunos Antwort.Als ich ihn zum letztenmal sah, war ich tief in den Jauren in der Tana, wo er mit dem guten Vater Hornemann in seinem Zelte saß."

Hat der ihn aufgefundcn?" rief Helgestad.Nuh! wird ein wackerer Bericht werden, den der Priester diesmal nach Kopenhagen schickt. Werdet auch darin paradieren, Herr Mar­strand, denke aber, können's ertragen."

Er lachte spottend auf, und da Mortuno mit seinen Rcnn- ticren fertig war, gab er ihm eine letzte Ladung lustiger Ab- schicdsbcmcrkungen mit auf den Weg, die den Lappen lächer­lich machten, von diesem aber ebenso dankbar angenommen wurden wie Olafs handgreifliche Grobheiten.

angestellt, welche die Abscnbüng von auf den Krieg bczllglkchm Depeschen, namentlich auch die Uebermittclung solcher an deutsche Fahrzeuge in amerikanischen Gewässern, verhindern sollen. Das englische und französische Kabel bleibt aber nach wie vor ohne Zensur. Herr Wilson hat augenscheinlich nicht gewußt, daß in der zweiten Haager Konvention ausdrücklich festgesetzt ist, daß neutrale Regierungen nicht gehalten sind, drahtlose und Kabel- Stationen einer Zensur zu unterstellen. Jedenfalls hätte er es, bei all seiner Freundschaft für England, nicht gewagt, in dieser Weise Engländer» und Franzosen einen Vorzug cinzuränmcn, wenn er geglaubt hätte, freie Sand zu haben. Den Entriistnngssturm, der sich unter den Deutschen des Landes ob seines parteiischen Vor­gehens erhoben hat, hätte er unter keinen Umstanden riskiert. Wahrscheinlich wird der Präsident seinen Schritt in der Telc- graphen-Angelegcnhctt in den nächsten Tagen wieder gutzumachcn suche». Schon allein die Angst vor den deutsch-amerikanische» Stimmen wird ihn und andere im hohen Rate der Nation sitzende Männer veranlassen, im Punkte der Neutralität vorsichtiger zu sein. In diesen Dingen hat das alte Vaterland an seinen Söhnen in der Fremde eine» guten Rückhalt. Sic verlangen gar nicht, daß die Amerikaner Deutschland Vergünstigungen erweisen, was sie for­dern, ist strikte Neutralität »nd diese Forderung stellen nicht nur sie, sondern alle einsichtigen Bürger, Es mag übrigens darauf auf­merksam gemacht werden, wie einmütig die hiesigen Dcutt s ch c n jetzt in der furchtbaren Krisis, die die alte Heimat be-, troffen hat, sind. Zu anderen Zeiten sind sie nach Landmanns­schafte» oder in anderer Weise geschieden, gegenwärtig aber wirken sie alle zusammen, nicht nur um die amerikanische Regierung auf dem geraden Wege zu erhalten, sondern auch um Gelder sür di« Pflege der Verwundeten zu sammeln und ähnliche Aktionen dnrch- zusühren, die nicht mit ihrer Pflicht als Bürger in Konflikt kom­men, Und gar manche, die schon beinahe im Amcrikanertum aust gegangen sind, erinnern sich jetzt ihres Ursprungs, was allein daraus hcrvorgcht, daß die deutschen Zeitungen hierzulande in wenigen Tagen um viele Tausende an Zirkulation Zunahmen. Der Lescrzuwachs rekrutiert sich zumeist aus den Kreisen derjenigen Deutschen, die bisher nur englische Zeitungen lasen.

An die freiwilligen Helfer.

(Amtlich.)

(W. B.) Nach einer zwischen ihnen getroffenen Verein­barung geben die obersten Reichs- und Staatsbehörden! folgende Erklärung bekannt:Alle diejenigen männlichen!

Personen, die sich in patriotischer Pflichterfüllung den Militär« oder Zivilbchörden für unentgeltliche Beschäftigung jeder Arb zur Verfügung zu stellen gewillt sind, werden hiermit ersucht^ sich in Zukunft nicht mehr direkt, weder mündlich noch schrift­lich, an die Behörden: den Großen Gencralstab, das Kriegs- ministcrium, den Admiralstab der Marine, das ReichsmarincK amt, die obersten Reichsbehörden sowie die preußischen Minst sterien, sondern nur noch ganz ausschließlich an die zur Enk gcgennahme aller dieser Meldungen begründetePermitb lungsstelle für freiwillige nationale Hilfsarbeit", Berlin W. 7j Dorothecnstraße 8, zu wenden. Die Behörden ihrerseits wcr^ den ihren Bedarf an solchen unentgeltlichen Hilfskräften ein» tretcndcnfalls aus den bei der oben genannten Bermittlungst stelle eingegangencn Meldungen decken. Die Meldungen, die bei den eben genannten Behörden direkt eingehen, werden von diesen in Zukunft grundsätzlich der Vermittlungsstelle zur weiteren Bearbeitung überwiesen werden. Selbstverstände sich beabsichtigen die Behörden nicht, Kräfte, die bisher gcgew Entgelt tätig waren und durch den Krieg ihrer Tätigkeit entzogen worden sind, durch unentgeltliche Hilfskräfte zu er>< setzen."

Die Vermittlungsstelle für freiwillige nationale Hilfs« arbeit ist auf Grund der Auffassung der Reichs- und Staats« Icitung, daß die Beseitigung der durch den Krieg hcrvorge^ rufenen Arbeitslosigkeit im gegenwärtigen Augenblick ein? der wichtigsten und ernstesten Aufgaben aller für das Volks« Wohl verantwortlichen amtlichen Stellen darstellt, ausschließt sich zur Vermittlung derjenigen Stellen ermächtigt, deren Besetzung durch bezahlte Kräfte wegen der Art der zu leisten^ den Arbeit nicht in Betracht kommt. Mündliche Anmeldungen bei der Bermittlungsstelle werden vormittags von 11 bi? 12 und nachmittags von 4 bis 6 Uhr entgegengcnommen, Cine Warnung an die Presse.

Wie streng setzt die militärische Zensur ist, unter der die ge­samte deutsche Presse steht, und daß sie sich keineswegs nur auf rein militärische Nachrichten beschränkt, beweist folgende Mitteilung, die der Gouverneur der Festung Köln sämtlichen Kölner Blättern zugehcn ließ:

Die Nachricht vom Tobe des Papstes wird von den Blätter» entsprechend ihrem konfessionellen Charakter verschieben bc-

Die übrigen drängten sich um den armen Burschen, den» jeder hatte noch eine Witzelei anzubringen. Der eine überbot den andern an boshaftem Spaß, und den versammelten Gaardleuten, Fischern, Weibern und Kindern war der ge-^ quälte Mortuno ein Gegenstand der angenehmsten Unter­haltung, Wie flink er sich mich drehte nnd seine gute Laune den Ausfällen entgegensetzte, so mußte doch Jlda sich endlich seiner annchmen, daß sie ihren Vater auffordcrte, sich ins Mittel zu legen.

Laßt ihn fort, laßt ihn zichenl" rief Helgestad. Mortuno, mein Junge, bist ein Juwel, begreifft den Spaß und lachst mit. Komm wieder, wollen dir mehr davon geben, und bring' eine neue Federtasche, sollst dieselbe Bezahlung dafür haben,"

Danke, Vater," erwiderte Mortuno unter dem schallenden! Gelächter,ich hoffe dir noch manche Freude zu machen aber meine Mütze ist zerrissen,"

Laß sie mit lappischem Zwirn, mit Rennticrsehnen von deiner lieblichen Braut zurechtslicken," rief Petersen.

Und meine Federn sind zerknickt," fuhr Mortuno fort.

Da oben fliegt ein Adler, hole dir neue," rief Olaf.

Mortuno faßte sein Gewehr und seine Blicke' zuckten nach oben. Die Renntiere und Führer hatten sich auf den Weg ge­macht und stiegen jenseits des Grundes an den Felsen hinauf. Lauf, was du kannst, ihnen nach, du Narr," sagte der Nordländer,und verknalle dein Pulver nicht."

Statt der Antwort legte Mortuno seine Büchse an, im nächsten Augenblick donnerte der Schuß und aus der Höhe stürzte der Vogel köpflings fast zu den Füßen des Schützen herunter. Es war ein großer Fischadler, die Kugel ihm mitten durch den Körper gegangen. Das Gefühl der Be­wunderung über solche Kunst und Sicherheit brachte ein all­gemeines Schweigen hervor.

Hätte ich cs nicht gesehen," sagte Olaf,ich würde es nicht glauben, obgleich ich weiß, daß die Tagediebe schießen können." (Fortsetzung folgte