Ausgabe 
26.8.1914
 
Einzelbild herunterladen

m c it obwohl die Punkts nicht angerissen morden such. Bei N a - m n r'machen die Deutschen große Aiistreivgnngen gegen die Forts, i»°e energischen Wibersdand leisten. Tic Forts von Lüttich leisten ebenfalls noch Widerstand. Die belgisch« Armee ist vollständig im besesligden Lager von Antwerpen konzentriert. Ein größerer .Stampf spielt sich mlf der ganzen Linie von Mmis bis zur lutkem- b»rrgeschen Grenze ab. Unsere Truppen drängen überall zur Lssen- stoe und gehen überall gmncrnschastlich mit der englischen Armee vor. Angesichts der Ausdehnung der Front und der Stärke der beteiligten Truppen ist es unmöglich, täglich die Lage der Armeen zu schildern. Bis zur Beendigung der Operationen in diesen Gegenden werden ins einzeln« gehende Berichte nicht verösscntlicht.

Frankreich zweifelt an der Neutralität Hollands.

Der Pariser Figaro behauptete in einem Leitartikel, Holland verletze die Neutralität und den Haager Vertrag von 1908 durch die Einfuhr von Lebensmitteln nach Deutschland. Die Oeffnung des Nottcrdamer Hafens diene dem gleichen Zwecke. Die holländische Presse erwidert, daß der Figaro das internationale Seerccht nicht kenne, daß Rottcrdani nur in minimalem Umfange Lebensmittel importiere und Holland jetzt alles aufstapcle, ivas es besitze.

Englische Behandlung holländischer Fischer.

Tie Gazette de Hollande von, 21. August meldet aus Imuiben: Ter niederländische DampferNikolaß", der aus Lcith in Imuiöen ankam, hatte 37 niederländische Fischer au Bord, welche die Be­satzung von sechs Fischerbooten bildeten. Von den Boote» wurden zwei von englischen Kriegsschiffen in den Grund gebohrt und die zwei andere» gekapert. Obwohl die Fischer holländischer Nationali­tät sind, wurden sie »ach Jnverncß und von dort nach dem Gefäng­nis von Parth gebracht. Tort blieben sie fünf Tage cingcspcrrt, wurden schlecht behandelt und ungenügend genährt. Dann brachte man die 37 Fischer »ach Edinburgh, wo sie abermals acht Tage ins Gefängnis gesteckt wurden. Sie verdanken ihre Befreiung lediglich der energischen Intervention des Kapitäns derRikolaß".

Englische Lchändlichkeiten in der Türkei.

Die Deutsche Tageszeitung meldet aus zuverlässiger Quelle:Man ist in Konstantinopel dahinter gekommen, daß auf Veranlassung des Chefs der britischen Marincmijsion, des tapferen Admirals Limpus, auf allen türkischen Kriegs­schiffen absichtlich und in aller Heimlichkeit eine Beschädigung, ein Defekt verursacht worden ist. Der Zweck dieses echt eng- lischen Streiches war, die türkische Flotte in dem Augenblicke, wo sie in einem Kriege, sei es gegen Griechen oder gegen Russen, in See zu gehen sich anschickte, Plötzlich und unerwartet lahmzulcgen. Nun hat man, wie gesagt, in Konstantinope! den Tatbestand festgcstcllt »nd man hat die absichtlichen Be­schädigungen an den Schissen und ihrer Arinierung gefunden. In kurzer Zeit werden sie beseitigt sein. Ebensowenig darf man nun Wohl bezweifeln, daß auch die britische Marine­mission endgültig erledigt ist."

Indische Sympathie»» für Tetttschland.

Das Hamburger Frcmdenblatt erhält folgende mit Namen Unterzeichnete Zuschrift:

In einem Augenblick, wo wir glaubten, ganz Asien auf Teutschianbs Seite zu sehen, begeht Japan den schmählichen Ver­rat. Es ist daher unsere Pflicht, gegen diese unglaubliche Un­dankbarkeit Stellung zu nchmcii. Indien hat für Deutschland die wärmsten Gefühle und steht in ihm den endgültigen Befreier von englischer Sklaverei. Durch die echt englischen Lügen, die wir schon seit 150 Jahren kennen, bekommt Indien keine richtigen Nachrichten: so ist es jetzt und so war cs 1870. Wäre es anders, könnte Indien seine Sympathien schon durch die Tat ausdrücken!

Die Inderin Deutschland."

Ji» die Luft gesprengt.

Das Reutersche Bureau in London meldet, daß zwei holländische Dampfer im finnischen Meerbusen durch Minen in die Luft gesprengt worden seien. Selbst­verständlich handelt cs sich um russische Minen, die in dieser Gegend gelegt sind.

Tie amerikanische Handelsflotte.

Präsident Wilsons Absicht, Handelsschiffe anzukaufen, findet bei den ainerikanischen Küstenschiffahrts-Gesellschaften Widerstand, welche die Konkurrenz befürchten. Offenbar leistet auch England dem Erwerb der Schiffe Widerstand.

Vermißte deutsche Familie in Brüssel.

Bei de» beim Ausbruch des Krieges in Brüssel cinschenden Tentschenvcrfolgungcn mußte der Juwelier Röhl iBerlms aus Brüssel flüchten und Frau und Kind zurücklasicn. ES besieht die Hossnung, baß beide von wohlgesinnten Belgiern vor den Pöbeians- schreitungen geschützt wnrden und wohlbehalten sind. Tcntsche, die über den Verbleib der Frau Sclma Röhl, gcb. Leubner ans Sachsen, und Kind Willi Röhl, 0 Monate alt (Brüssel, Avenue de Jette 90) Auskunft geben können oder in der Lage sind, Ermittelungen anzu­stellen oder der Frau Nachricht zu geben, werden herzliibst gebeten, dies zu tu» und auch Nachricht an Oskar Röhl, Berlin W. 57, Eulmstraße 22, gelangen zu lasten.

Tie Einnahme von Namnr.

W. B. Berlin, 25. August. Von der Festung Namur sind fünf Forts »nd die Stadt in unserem Besitz. Vier Forts iocrdeii noch beschossen; ihr Fall ist in Kürze bevorstehend. Gciiernlquartieriiieistcr v. Stein.

Ter österreichische Vormarsch ans dem russische« Kriegsschauplätze.

Wien, 25. August. Das amtliche Kriegs-Prcssebureau meldet: Die Offensive unserer Truppen drängt beiderseits der Weichsel unaushaltsam vor. Westlich des Flusses haben unsere Kräfte im Anschluß an die deutschen Verbündeten unter kleine» Kämpscu die Lyssagora überschritten. Sic er­reichten gestern den Abschnitt des Kamionknfluffes zwischen Kieler und Radom.

Lestlich der Weichsel ivarscn unsere siegreich vordringk»- dcn Kräfte am 23. August bei Krasnik auf dem Wege nach Lublin eine starke Gruppe zweier russischer Korps zurück, lieber 1000 Russen, darunter viele Lsfizicre, sielen unver- Mundet in unsere Hände. Auch wurde eine Anzahl Fahnen, Maschinengewehre und Geschütze erbeutet.

Eine» Vorstoß von 20 000 Russen, größtenteils Reiterei, gegen die Grenze der Bukowina wurde bei Nowo Silica voll- släiidig zurückgeschlagcn. Dem Feinde wurden mehrere 100 Oiesangcnc abgcnommen. In überstürztem Rückzüge ließ er aus dem Kampfplatze viel Kriegsmaterial zurück.

Wie die Frauzose» über ihre Schlappe» berichte». ^ Pariser Meldungen der Kopenhagener Presse besagen: D^ie letzten Operationen in Lothringen waren weniger erfolgreich als an den vorhergehenden Tagen. Tie französische Vorhut (I) stieß auf sehr starke feindliche Stellungen und sah sich »ach einem Gegenangriff auf das

Hauptkorps gezwungen, auf die Seille und den Marnc-Rhcin- Kanal zurückzuziehen.

Das Urteil eines Ausländers.

Ter Korrespondent der Central News, der an der deut­schen Front angelangt ist, veröffentlicht einen Lobgcsang an die deutschen Truppen. Er schließt seine Ausführungen mit dem Ausdruck der Uebcrzengung, daß bei dem Geiste, der das deutsche Heer beseele, keine Macht widerstehen könne, und daß, wenn Rußland auf deni Plan erscheinen werde, Frankreich längst zerschlagen am Boden liege. Belgische Stimmung.

In Aiitweipc» std viele Hotels in Spitäler umgewandelt. Jeglicher Verkehr stockt vollkommen. Der König, über den nnvcr- biirgtc Gerüchte umherlicfc», weilt seit Samstag bestimmt i» Ant­werpen. Tie Dcpticrtci,ka,»mcr und der Senat halten in de» Theatern Sitzungen ab. Zahlreiche Belgier, besonders aus Brabant, haben die Stadt angcfllllt. Franc» mit Kindern sind nach zehn­stündigem Marsche aus de» Straßen zusammcngcbrochen. Die Flüchtlinge berichten, daß 10 000 Ulanen vor Gent erschienen seien. Die Erbitterung darüber, daß die Verbündeten den Belgiern nicht geholfen habe», ist im Wachse» begriffen und die Prcstc jeder Rich­tung gibt ihren, Unmut darüber deutlich Ausdruck, ebenso über die lügnerische Berichterstattung der Regierung.

»00 000 Freiwillige in Oesterreich.

Aus Wien, 25. August, wird telegraphiert: Es ist nicht nur die volle Zahl aller Einberusencn unverzüg­lich zu den Fahnen gckilt, sondern es haben sich nicht weniger als 80 0 000 Freiwillige gemeldet. Tie beiden Reiche, die Schulter an Schulter kämpfen, haben zusammen also über zwei Millionen Freiwillige zu ver­zeichn cu.

Italienischer Dank.

Die Agcncia Stesani teilt mit, baß die italienische Botschaft in Berlin von den verschiedenen Konsulaten Nachrichten über die sehr entgegenkommende und herzliche Behandlung der in ihr Vaterland znrückkchrcnden italienischen Arbeiter durch die deutschen Zivil- und Militärbehörden erhalten habe. Die Botschaft ihrerseits stellt fest, daß die italienische» Arbeiter durch die Berliner Behörden ebenso entgegenkommend und höflich behandelt werden.

Tic (stzolrra in Rußland.

Die russische Gesandtschaft in Bukarest machte, wie nach Wien gemeldet wird, der rumänischen Regierung die amtliche Mitteilung, daß von 10. bis zum 23. August in Podolicn 104 Fälle von asiati­scher Cholera vorkamcn, von denen 94 tödlich verlaufen sind.

Bundesratsbeschliisie.

In der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde die Zustim­mung erteilt, den Anträgen betreffend schleunige Behandlung von Einblirgcrungsanträgcn, dem Antrag betreffend Erweiterung des Bcschlusics über die Befreiung von der Schcnkungssteuer für Zu­wendungen zugunsten der Zwecke der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz und dem Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Ab­wicklung von börsenmäßigcn Zeitgeschäften in Waren.

Die deutsche Verwaltung in Belgien.

Das W. B. teilt mit: Tic gesamte Presic Belgiens mit Aus­nahme der von Antwerpen erscheint in deutscher Sprache. Der von deutscher Seite eingesetzte Gouverneur vcranlaßtc weitere Maß­nahmen, »nd cs ist anziinehmcn, daß die französische Sprache neben der deutschen beibehaltc» wird.

Die Neutralität Italiens.

Agcncia Stefan,, das offiziöse italienische Depescheiiburcaii ver­öffentlicht folgende Mitteilung:

Einige Schweizer Blätter, insbesondere Gacette de Lonccrnc, haben i» den letzten Tagen Korrespondenzen veröffentlicht, in denen gemeldet wird, daß sich »00 000 Soldaten in Vencticn befinden und daß die Eröffnung des Feldzuges der italienischen Armee bcvor- stche. Diese Gerüchte, die zu dementieren eigentlich überflüssig ist, können durch die Bildung kleinerer Lager hcrvorgcruscn worden sein, welche in der Umgegend aller Garnisonen nach Einberufung drr bckaiiiitci, Rcservistenklaffcn angeordnet wurde, und zwar teils weil die Räiimlichlcite» nicht ausreichtcn, teils z» Ausbildungs- zweüci, oder aus hygienischen Rücksichten.

Aber diese Maßnahme erstreckt sich auf das ganze Gebiet des Königsrcichs. Sic wird dort sichtbarer, wo die normalen Garni­sonen zahlreicher sind, wie im Poltalc und in Vencticn: sie kann aber auch leicht aus der ganzen Halbinsel und selbst in Sizilien »nd Sardinien scstgcstcllt werden.

Das beweist, daß diese ZcitunaSnachrichtc» der von Italien in dem acgeiiwärtiacn Konflikt clnaenommenc,, Neutralität offen­bar widersprechen und jeder Begründung entbehren.

Deutsch-schwedische Freundschaft.

Aus Stockholm wird gemeldet: Der hiesige deutsche Ge­

sandte von Reichenau übermittelte der schwedischen Regierung die wärmste Danksagung der deutschen Regierung für die Gastfreiheit »nd opferwilligend praktische Hilfstätigkcit der Behörden »nd der Bevölkerung gegenüber den aus Rntzland nach der Heimat zuriick- kchrcnden Deutschen.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Schatten im Siegesjnbel.

Sie stehen schreiend und fubclnd in den mit Fahnen geschmück­ten Straßen, lesen die neuesten Sicgcsnachrichten, rufen Hurra und singen die Wacht am Rhein.

Ein kleiner Bub bahnt sich mutig einen Weg durch die dichten flutenden Mciischengruppen.Ach bitte, möchten Sie mir ein Extra­blatt gebe»? Ist mein Vater auch bei Metz dabei und lebt eroch?" Das ist gut", lacht einer,der will wisien, wo sein Vater ist und ob der noch lebt. Junge, wo Hnnderttausende dabei sind, wer fragt da nach Deinem Vater."

Ein Paar Kinderaugen starren entsetzt z» den erwachsenen Menschen empor, die da rufend »nd singend sich freuen.

Der kleine Kerl flüchtet zu seiner Mutter, die auf die Stufe einer Steintrcppe müde »iebergcsunken ist.Mutter, an unseren Vater denkt keiner."

»

Das bange Warten hatte auch die Frau des jungen Drehers, der am dritten Tage mit hinausgezogc» war, an das kleine Hein, gefesselt.

Wie traurig ihr Junge setzt »mherschlich. Wie eng die Stube geworben war. Tie grauen Wände des Hofes rückten zusammen: immer enger, immer enger.

Sie sibt noch bis zum Abend. Da kommt wieder ein Bote vom Postamt. Er bringt eine Depesche:Der Reservist....

Sie rennt auf die Straße. Draußen marschieren Menschen singend, jubelnd vorbei . . .

Ta kommt der Postbote. Er bringt Geld. Von dem Regiment, zu dem ihr Mann gehörte, kommt das Geld.

Gewiß hat es der Mann geschickt, der draußen vor dem Feinde sein Weib, sein Kind nicht vergißt.

Ni», liegen die Münzen auf dem Tische und die Frau rührt sie nicht an. Seltsam traurig wird ihr zumute. Schauen nicht die Geldstücke wie Augen, wie kalte, gebrochene Augen?

Aufreizende Vergleiche. Tic Norddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht einen Aufsatz mit der Ucbccschrift Falsche Wohltätigkeit". Sic polemisiert darin gegen das

Bemühen, den Kindern Notleidender in besser gestellten Familien so etwas wie einenFreitisch" zu verschaffen. Da­bei zeigt sich denn, daß es weniger grundsätzliche Bedenken gegen die Richtigkeit dieser Art von Wohltätigkeit sind, die sie dagegen auftrcten läßt, als vielmehr gewisse Befürcht tnngen, daß aus diesem Wohltun eine Gefahr erwachsen könne» Ti« bedürftigen Kinder bekommen in den Hänscrw der besser Bemittelten Eindrücke, die sie Vergleiche ziehen lassen »nd sie für die Zeit, da ihr Verstand noch nicht gereift' ist, unzufrieden machen.

Man hört ordentlich das schlechte Gewissen ans diese» Worten herattsschlagcn, meint dazu die Fr. Volksst. Sitz niachen sich ausgezeichnet an derselben Stelle, wo tagaus) tagein von der großen Welle patriotischer Begeisterung be<t richtet wird, die unser Volk durchwoge und alle Standcs- nntcrschiede, alle kleinlichen Bedenken hinwegschwemmenl Auch in dieser Situation noch wägt man das sorgsam ab, oll das Wohltnn nicht unangenehme Folgen nach sich ziehen/ könne, und verlangt in aller Oeffentlichkeit, armen, hungrigen! Kindern «inen gefällten Tisch zu sperren, weil man den 8m. druck fürchtet, den diese reichbesctzte Tafel ans das Kindcr- gemüt machen könnte. Die kapitalistische Wohltätigkeit, becj Kapitalismus überhaupt in seinem ganzen alten Glanze!

Verwundete vom Gicßener Infanterie-Regiment sind! in gestriger Nacht eine Anzahl in Gießen eingetroffen uni» in Lazarette verbracht worden. Es geht das Gespräch in bcri Stadt, daß das Regiment oder Teile desselben sehr bedeutend« Verluste gehabt habe. Derartige Erzählungen sind immer! mit Vorsicht aufzunehmen. Weitere Verwundeten-Trans- porte sind gestern früh durch Gießen gekommen und nach Kassel weiter befördert worden. Es handelt sich dabei jeden« falls nur »m leichter Verwundete; schwerverletzte wird man nicht so weit transportieren. Auch in Wetzlar kamen 474 Verwundete an, wovon 32 Schwerverletzte sind. Die! Verwundeten gehören meistens den Regimentern 115, 116,1 117 und 118 an. Größere Transporte wurden noch nach Marburg gebracht. Nachträglich wird uns noch mitgctcilt, daß doch eine große Zahl voin Gießener Regiment sich unterl den Verwundeten befunden habe. Gestern nachmittag kam, noch ein weiterer Zug mit Verwundeten an.

Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und Krieg. Hebe» dieses Thema wird morgen (Donnerstag) Beigeordneter.! Justizrat G r ü n e w a l d in einer vom Biirgervcrein Gießens einbernfenen öffentlichen Versammlnng sprechen' die um Uhr irrt Saale des Cafö Leib stattsindet, AI^ zweiter Punkt der Tagesordnung soll die Gründung einev H i I f s k r e d i t k a s s e für den Mittelstand, Handwerker null Gewerbetreibende erörtert werden. Jedermann hat Zutritt/ und ist eingeladcn. Es wird uns dazu noch geschrieben d Bei den vielfach unklaren und irrigen Ansichten, wie sie sich naturgemäß in so aufgeregter Zeit durch Anfragen bei Be« Hörden, durch Urteile und Behauptungen im täglichen Lebe» knndtun, wird der Vortrag sicher eine zahlreiche und dankbare Zuhörerschaft finden. Gewiß wird Herr Justizrat Grünes Wald auch bereit sein, im Laufe der Besprechung auf Anfrage^ aus der Versammlung heraus sachkundige Antwort und Aus­kunft zu erteilen.

Welches ist die richtige Familicnsürsorge in Kriegs- zcitcn? Von der Zentrale fär Mutter- und Säuglingsfürsorge wird uns geschrieben: Ter Ausbruch des Krieges hat auch in dem im Land bleibenden Teil der Bevölkerung eine großs artige Opferwilligkeit gezeitigt. Sehr wichtig ist es, daß! diese Opferwilligkcit sich in der richtigen Weise betätigt. Zahl« reiche Frauen und Mädchen sind damit beschäftigt, für unsere Truppen und für Zwecke des Roten Kreuzes unentgeltlich Wäsche und dergleichen anzufertigen. So dankenswert diese Arbeit an sich ist, so wird durch sie vielfach ein Erfolg erzielt) der keineswegs beabsichtigt war; es wird bedürftigen Frauen! die Möglichkeit genommen, sich ihren Lebensunterhalt zu! verdienen. Ungeheuer viele Arbeiterinnen sind durch den! Stillstand von Industrie und Gewerbe brotlos geworden;! zahllose Frauen, deren Männer zum Kriegsdienst eingezoge» sind, sind gezwungen, Arbeit zu suchen, um ihren und ihrer; Kinder Unterhalt zu verdienen.^ Zur Fürsorge für dies« Familien werden bedeutende Summen gesammelt. Dies beste Fürsorge lei st et nian aber dadurch, daßj manihnenArbeitver schafft. Ten Frauen ermög­licht man dadurch, ihren Unterhalt zu verdienen, ohne Unter­stützungen annehmen zu müssen. Das Reich, die Gemeinden^ das Rote Kreuz sparen viel Geld, die Soldatenfrauen aber etzt die Arbeit über die Nahrungssorgen und über die trübe» Gedanken hinweg, denen sie sonst leicht anheimfallcn. Darum chränke man die gutgemeinte freiwillige Arbeit ein und schasse den Arbeitslosen Verdienst.

Hinaus ins Freie! Mehr als in Friedenszeitcn cntt bchrcn unsere Kinder jetzt der Aufsicht durch Eltern und Lehrerschaft. Und doch ist in Liesen Kriegsläuften solche Aust sicht nötiger denn je. Ueberall, in den Straßen, an Bahn- dämmen und sonstigen gefahrbringenden Stellen oder i» schlecht riechenden Höfen treiben sie sich zu Hunderten heruni, sich mit Spielen und sonstigem Allotria unterhaltend. Ganz abgesehen von den Unfallgefahrcn, denen die Kinder hierbei ausgcsetzt sind, ist ihnen gesundheitlich die schlechte Luft, der Straßenstaub usw. auf keinen Fall zuträglich. Bei der großen Arbeitslosigkeit, die nunmehr um sich gegriffen hat, Könnten arbeitslose Familienväter sich sehr verdient machen, wenn sie ich nicht nur mit ihren eigenen, sondern auch jenen Kindern, deren Eltern hierzu keine Gelegenheit haben, in Wald und Flur begeben würden. Auch Arbeiterfrauen könnten in diesem Sinne wirken; wenn infolge der häuslichen Verhältnisse nicht am Vormittag, so wenigstens am Nachmittag. Die Kinder könnten sich dabei noch praktisch nutzbar machen, indcni sie im Walde Pilze oder Leseholz usw. sammelten. So wäre Er­wachsenen und Kindern gesundheitlich in gleicher Weise ge­dient und dabei noch ein Vorrat an Halz und an Früchten cingebracht, der sich nützlich' im Arbeiterhaushalt bemerkbar machen würde. Diese Anregung dürfte umso mehr Befolgung Inden, da durch die bevorstehenden langen Wintcrinonate Erwachsene wie Kinder auf den Aufenthalt in den meist schlechtventilierten Wohnräumen angewiesen sind.